Antarktis: Der weiße Kontinent am Ende der Welt

Die Antarktis – Der wilde, einsame, unmenschliche Kontinent aus ewigem Eis, der oft vergessen wird. Dabei ist diese dramatische Eiswüste voller Leben: Riesige Wale, die sich aus dem von Eisbergen gespickten Meer erheben, süße Pinguine, die neugierig durch die Gegend watscheln, gähnende Robben, die faul am Strand herumliegen und majestätische Albatrosse, die durch die Lüfte segeln. Einer der faszinierensten Orte an dem wir je waren! Das Licht ist magisch, die Stimmung immer wunderschön – egal ob im Schnee oder im Sonnenschein. Es ist Zeit diesen einzigartigen Kontinent kennenzulernen.

Heute geht es in die Antarktis. Wir sind ordentlich aufgeregt, denn als wäre unsere Reise an sich nicht schon spektakulär genug, reisen wir nun an einen der spektakulärsten Orte auf dieser Welt – das ewige Eis der Antarktis, wo die Pinguine leben.

Die Reise zum Ende der Welt

Unsere Reise zum siebten Kontinent beginnt in Ushuaia, eine Stadt, die für sich behauptet „Das Ende der Welt“ zu sein. Aber natürlich ist das nicht wahr. Es wird das umgebaute russische Forschungsschiff, die Akademie Ioffe, sein, das uns zum echten Ende der Welt bringt. Wir treffen in einem Hotel in der Stadt auf die anderen Teilnehmer der Expedition und Personal von „One Ocean Expeditions“. Unsere Daten werden aufgenommen, unsere Pässe eingenommen und dann fahren wir mit dem Bus zum Hafen. Unser Gepäck wartet schon in unserer gemütlichen Zwei-Bett-Kabine mit Aussicht, die die nächsten zehn Tage unser Zuhause sein wird. Wann haben wir eigentlich das letzte soviel Zeit am Stück an einem Ort geschlafen? Beim Ablegen gehen wir auf das Deck und beobachten wie die Berge hinter Ushuaia immer kleiner werden.

Die Ioffe steuert durch den Beagle Kana, wo wir den ein oder anderen Magellanpinguin durch das Wasser schwimmen sehen können. Es gibt Abendessen: Vorspeise, Hauptgang und Dessert, so luxoriös haben wir schon lange nicht mehr gegessen. Nach dem Essen gehen wir ins Fitnessstudio des Schiffs. Es soll das letzte Mal sein, dass wir es benutzen, denn die nächsten Tage wird es schaukelig, danach ist unser Programm so gut ausgefüllt, dass uns am Abend nicht mehr der Sinn nach Sport steht.

Außer der russischen Besatzung verwendet normalerweise kaum jemand den kleinen Fitnessraum. Diese Reise ist aber anders, der Altersdurchschnitt ist jünger als je zuvor. Dann geht es ins Bettchen. Das Schiff schwankt ganz schön und es ist schwer einzuschlafen. Die Ioffe verlässt in der Nacht den Schutz des Beagle-Kanals uns und trifft auf den offenen Ozean der berüchtigten Drake Passage. Nun wissen wir, warum die Möbel auf dem Schiff Boden festgeschraubt sind.

Hier im Südlichen Ozean umkreisen Wind und Wellen die Welt ohne Land, das ihre Kraft brechen könnte, und machen diese 500 Meilen Meerwasser zu den stürmischsten Meeren der Welt. Trotz allem erleben wir die gefürchtete „Drake Shake“ nicht und die See bleibt für diese Verhältnisse hier mild. Das Geschaukel schlägt uns trotzdem auf den Magen. Ich werde das erste Mal in meinem Leben seekrank. Glücklicherweise hat die holländische Ärztin Annick Tabletten für mich.

Die Brücke ist für uns zugänglich und wir können auf das unruhige Wasser hinausblicken. Der russische Kapitän steht mit unbeweglicher Miene am Steuer und starrt aufs Meer hinaus während wir den ein oder anderen Pinguin springen sehen, Walfontänen in der Ferne ausmachen oder die ersten Eisberge sichten. Wir sind zwar einige hundert Kilometer von der Küste entfernt, aber die Tiere schwimmen bei der Nahrungssuche weit in den Ozean hinaus.

Während wir durch die Drake Passage fahren, werden wir mit Präsentationen, Filme und Briefings unterhalten. Es geht um Wale, Pinguine, die antarktischen Verträge zwischen den 50 Staaten, die die Antarktis für wissenschaftliche Zwecke nutzen und Eis. Die Briefings klären uns über die Sicherheitsbedingungen bei den Exkursionen an Land und den Zodiac-Touren auf. Weiter geht es darum die bestehende Flora und Fauna zu schützen und Abstand zu den Tieren zu halten. Wir müssen auch unsere Sachen, die wir bei den Landgängen tragen, saugen um zu verhindern, dass fremde Samen oder Pflanzen in die Antarktis eingeschleppt werden.

Ein Film zeigt uns die unglaubliche Arbeit von Ron Naveen, dem Pinguinzähler. Er und sein Team zählen seit über 20 Jahren abertausende Pinguine hier am Ende der Welt. Wie kommt man dazu Pinguine manuell an einem der rausten, stürmischsten und kältesten Orte der Welt zu zählen? Sie finden damit heraus welchen Einfluss der Klimawandel auf die Pinguinpopulation hat. Eine der drei Pinguinarten, die sie erforschen, hat sich gut an die Klimaerwärmung angepasst, während die anderen zwei Populationen drastisch zurückgehen. Ron Naveen und die Filmemacher sind selbst an Bord, da aktuell eine antarktische Konferenz auf unserem Boot stattfindet, weshalb sich viele Wissenschaftler zwischen uns tummeln.

Zwischen Essen und Erkunden unseres schwimmenden Zuhauses für die nächsten Tage, lernen wir unsere Schiffskameraden kennen. Es sind relativ wenig Passagiere an Board, knapp 100. Es liegt ein Summen in der Luft, jeder ist aufgeregt auf das was da kommen soll. Auf unserer Reise gibt es keinen demographischen Durchschnitt. Von Jugendlichen im Urlaub mit ihren Eltern über abenteuersuchende Backpacker bis zu unerschrockenen Senioren. Viele Journalisten und Wissenschaftler sind an Bord um über die antarktische Konferenz zu berichten.

Da sind zwei junge Backpackerinnen aus den Niederlanden, die gerade Südamerika per Couchsurfing bereisen. Ein Bloggerpaar, die schon seit drei Jahren auf Südamerikareise sind und sich mit ihrem Blog finanzieren. Vater und Sohn aus England, steinreiche Besitzer einer Aufzugsfirma, die ihr Auto nach Deutschland importieren lassen um dort auf dem Nürburgring fahren zu können, dabei aber wahnsinnig sympathisch, bodenständig und begeisterungsfähig sind. Eine neuseeländische Familie, deren Tochter auf dem Schiff arbeitet. Ein englischer Journalist, der sich an Bord in eine Amerikanerin verliebt. Ein ecuadorianischer Fotograf von AFP, der das größte Teleobjektiv dabei hat, das ich je gesehen habe.

Jeder Kontinent ist vertreten. Außer uns sind zwei vom Schiffsteam deutsche – eine Pinguinforscherin und ein bayrischer Tourismusexperte, beide leben allerdings im Ausland. Auch das Schiffsteam ist ein bunter Haufen aus aller Herren Länder mit unterschiedlichsten Hintergründen. Die Expeditionsleiterin Cheryl war erfolgreiche Anwältin bevor sie beschlossen hat 16 Monate lang Australien zu erkunden und eine Outdoorkarriere anzustreben. Der Jüngste vom Team ist ein 22-jähriger Kanadier, der Geologe ist. Während wir alle unterschiedlich sind, verbindet uns doch der Sinn für Abenteuer und die Schönheit der Natur.

Nach zwei Tagen auf offenem Meer wachen wir auf und sehen Eisberge an unserem Zimmerfenster vorbei treiben. Wir sind an der Antarktischen Halbinsel angekommen.

Ankunft in der Antarktis

Die Landschaft hier ist dramatisch, extrem und wunderschön. Die Halbinsel ist eine Verlängerung der Anden und hohe Gipfel erstrecken sich von der Küste in den Himmel. Steile Klippen stürzen in das Meer, Gletscher hängen auf Berghängen und tafelförmige Eisberge in Hausgröße treiben vorbei.

Unser erster Landgang steht an. Wir packen uns dick ein: zwei Paar Socken, lange Unterhose, Longsleeve, Buff, Handschuhe, Mütze, darüber die wasserdichte Jacke und Überhose, die uns gestellt werden. In unseren wasserfesten Beutel packen wir noch Daunenjacke und Ersatzhandschuhe. Außerdem die Kameras. Essen ist verboten auf das Festland zu bringen. Wir gehen in den Mudroom, wo wir von unseren Turnschuhen in Gummistiefel wechseln. Hoffentlich sind die warm! Wir bekommen noch Schwimmwesten und reinigen unsere Schuhe. Dann besteigen wir die Zodiacs, die sowas wie große Schlauchboote für 10-12 Leute sind. Mit ihnen gleiten wir durch die neblige Polarlandschaft, der Bug fährt durch Eisschollen hindurch und wir empfinden das Glück hier zu sein stark in unseren Herzen.

Unser Guide navigiert uns mit Hilfe von GPS ans Ufer. Auf dem Weg erzählt er uns etwas über die Geologie der Gegend und zeigt uns Beispiele dafür. Im Gestein sind manchmal schwarze Streifen zu sehen. Es sind Spalten, die vor Millionen von Jahren tief in der Erde mit Magma aufgefüllt wurden und nun an der Oberfläche liegen. In einer kleinen Bucht sehen wir Initialen, die dort vor einem Jahrhundert von einem Forschungsschiff, der „Pourquoi Pas?“, hinterlassen wurden. Wir entdecken erstes Leben in dieser Eiswüste – eine Gruppe Robben. Wir gleiten durch einen Park aus Eisskulpturen mit nicht enden wollenden imposanten und magischen Formationen, die Eisbögen hervorzaubern. Ein Klang von quietschenden Pinguinen liegt in der Luft. Dann fahren wir an die felsige Küste von Petermann Island. Wir werden schon von zahlreichen Eselspinguinen erwartet, die man nicht nur sehen, sondern auch vor allem auch riechen kann.

Wir legen an und betreten zum ersten Mal die Antarktis. Es ist nicht schwer einen Pinguin zu sehen, da sie praktisch überall sind. Eine Pinguinkolonie ist eine Mischung aus Gemeinde und Kindergarten. Einige sind gerade in der Mauser, andere watscheln herum. Wir gehen auf eine kleine Anhöhe und sehen dort zwei Adeliepinguine. Leider sind sie ein bisschen weit weg und in einem Bereich der nicht betreten werden darf, weshalb wir den typischen weißen Ring um ihre Augen nur schwer erkennen können.

Für Menschen gibt es eine fünf Meter Regel, damit keiner den Pinguinen zu nah kommt. Die kleinen Pinguine interessiert das aber offensichtlich recht wenig, denn sie kommen direkt auf uns zu und beäugen uns neugierig. Ein junger Pinguin entscheidet sich aber uns zu erforschen und watschelt auf uns zu. Wir setzen uns um ihn nicht zu verschrecken. Er kommt bis auf wenige Zentimeter an uns heran und wir können ihn gut beobachten. Nach kurzer Zeit verabschiedet er sich wieder und wandert zu seiner Kolonie zurück.

Wir sind im März hier und die Pinguinjungen sind bereits vor einigen Monaten geschlüpft und nun ganz flauschig im Übergang zum Erwachsenenleben. Ein Kücken kommt „gahhhh, gahhh“ schreiend durch die Gruppe gewatschelt, was so viel bedeutet wie „Mama, ich habe Hunger!“, denn schon bald watschelt ein anderer Pinguin zu dem Jungen und beginnt es mit hochgewürgten Krill und Fisch zu füttern.

Über den Schnee gehen wir zurück. Nur ein paar Felsen sind zu sehen, sonst ist die Insel komplett mit Schnee und Eis bedeckt. Der Schnee ist oft grün oder rötlich. Die Farbe stammt von einer Alge, eine der wenigen Pflanzen die hier wachsen. Die Farbe kann aber auch einfach nur Pinguinscheiße sein, die je nach Nahrung rot (Krill) oder weiß (Fisch) ist. Über uns sehen wir immer wieder Raubmöwen fliegen und im Schnee finden wir den ein oder anderen Pinguinkadaver. Wir gehen einen Hügel hinauf zu einer weiteren Pinguinkolonie. Die Wege sind mit Stäben markiert, da einige Bereiche für Menschen gesperrt sind, und auch aufgrund der Spaltengefahr der Gletscher. Auf der Rückfahrt zum Schiff sehen wir ein paar Krabbenfresserrobben und einen Seeleoparden.

Auf den Spuren früher Entdecker

Nach dem Mittagessen steht der zweite Ausflug an. Wir sind bei den Argentine Islands und unser Zodiac bringt uns zu einer schneebedeckten Insel mit dem Wordie House darauf. Die Hütte gilt als historisches Gebäude und wurde 1947 errichtet. Sie war ein britisches Winterquartier und eine der ersten wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen der Antarktis. Benannt ist sie nach Sir James Wordie, ein Mitglied der Shackleton Trans-Antarctic Expedition. Die Hütte besteht aus einer Küche, Wohnzimmer, Hunderaum, Generatorraum, Büro und Toilette. Normalerweise wurde die Hütte von vier bis fünf Leuten bewohnt. Die Hütte ist eine wahre Zeitkapsel, denn sie ist noch immer so eingerichtet wie in den 50ern.

Wir sehen eine Werkstatt, die Küche voller Konservendosen. Es gibt eine Art Plumpsklo und eine Schreibmaschine, ein Regal mit Büchern und Lampen. Die Hütte sieht eigentlich ganz gemütlich aus. Den kompletten antarktischen Winter möchte ich aber nicht darin verbringen. Hinter der Hütte können wir auf einen Hügel hinauf gehen. Die Aussicht ist sehr schön, da es seit morgen etwas aufgeklart hat. Man sieht die Vernadsky Station, die wir später noch besuchen werden. Hinter ihr stehen Berge mit steilen Felswänden und zerklüfteten Gletschern. Auf dem Meer treiben große Eisberge und dazwischen unser Schiff.

Dann machen wir eine Zodiacrunde durch die Eisberge. Wir sehen große Torbögen aus Eis die dazu einladen hindurch zu fahren, was aber zu gefährlich wäre, da sie brechen oder der Eisberg flippen könnte. Wir sehen auch einige Krabbenfresserroben auf den Eisschollen liegen und im Wasser schwimmen. Auch einige Eselspinguine sind unterwegs. Auf einer kleinen Felsinsel sitzt ein schwarz weißer Kormoran.

Die Vernadsky Station

Aber nicht alle Exkursionen gehen darum Tiere und Eis zu sehen, sondern zeigen die menschliche Seite dieses unmenschlichen Ortes. „Hallo! Willkommen auf der Vernadsky Station, kommt herein“, Sasha, ein junger Meteorologe mit rosigen Wangen begrüßt uns. Wir folgen ihm über die schneebedeckten Stufen in das Hauptgebäude. Die Vernadsky Station ist eine ukrainische Forschungsstation, die ehemals eine britische Station war und zu einem symbolischen Preis von ein Pfund an die Ukraine verkauft wurde. Hier werden vor allem seismische Erschütterungen, die Dicke der Ozonschicht sowie meteorologische Einflussgrößen gemessen, es wird im Bereich der oberen Atmosphäre und zum Thema Klimawandel geforscht.

Sasha zeigt uns die Labore, Schlafsäle und den Fitnessraum. Alles ist eng zusammengepfercht. Die 12 Männer der Station verbringen den gesamten Winter hier. In einigen Monaten wird das Meer überfrieren und die Vernadksy Station wird, so wie viele andere Forschungsstationen auf dem antarktischen Kontinent, ebenso isoliert wie eine Weltraumstation sein. Sasha ist offensichtlich hoch erfreut mal andere Menschen als seine Kumpanen zu sehen, denn allzu oft kommt das nicht vor. Andere stark bebärtete Wissenschaftler scheinen die Einsamkeit hier gut zu finden und verstecken sich lieber hinter geschlossenen Türen.

Ein bisschen muss man die Einsamkeit schon lieben um ein Jahr hier zu verbringen. Die langen Wintermonate haben die Wissenschaftler ganz für sich. Die russische Besatzung unseres Schiffes hat ihnen frisches Obst, Gemüse und Kuchen gebracht, denn das ist hier am Ende der Welt Mangelware. Sasha ist seit ein paar Monaten Vater und freut sich schon sehr darauf im Juni endlich sein Kind kennenzulernen.

Wir kommen zum Ende unserer Tour durch die Station und wir haben die Möglichkeiten Postkarten von hier zu schicken. Die sogenannte Poststation ist ein Tisch mit einem Wissenschaftler, der die Postkarten entgegennimmt. Dann landen wir in der Bar, der südlichsten der Welt. Bier oder Wodka gibt es nicht, nur Wein, aber der kostet nur zwei Euro das Glas. Kann mir aber nicht vorstellen, dass sie wirklich keinen Wodka hätte. Aber wenn ich hier Wodka hätte, würde ich ihn auch nicht mit Touristen teilen :) Die Bar wurde von der britischen Besatzung der Station als original englisches Pub komplett mit Billardtisch und Dartboard gebaut. Neben US-Dollar oder Euro kann man auch mit einem BH zahlen.

Direkt vor der Station ist eine Eselspinguin-Kolonie, die wir beobachten bevor es zurück zum Schiff geht. Vor dem Schlafengehen können wir noch ein paar Wale vom Fenster aus beobachten.

Ein Gipfel in der Antarktis

Heute ist es ziemlich bewölkt und es regnet leicht, was immerhin bedeutet, dass es wärmer als gestern ist. Ein Zodiac bringt uns nach Plenau Island. Wir betreten die Insel und werden von Eselspinguinen begrüßt. Die Guides haben einen Weg markiert auf dem man auf den kleinen Hügel der Insel wandern kann. Der untere Teil ist ziemlich vereist und man muss aufpassen, dass man nicht hinfällt. Der Weg ist nicht steil, aber durch die vielen Kleidungsschichten wird uns schnell warm weshalb wir die Jacken öffnen. Von oben haben wir einen schönen Ausblick auf das Meer mit den darin schwimmenden Eisbergen, dazwischen Kajakfahrer und Zodiacs. Auch unser Schiff ist gut zu sehen und alles ist eingerahmt von mit Gletschern überzogenen Bergen.

Nun begeben wir uns auf eine Zodiactour an haushohen Eisbergen vorbei. Alle sind einzigartig und anders geformt. Wir sehen einen kleinen braunen Vogel, der im Fliegen auf dem Wasser laufen kann. Es ist eine Buntfuß-Sturmschwalbe, die über die Wasseroberfläche hopst und paddelt, wodurch Beuteltiere angelockt werden sollen. Sie ist schön an zu sehen und der kommt auch ziemlich nahe ans Boot. Nach einer guten Stunde geht’s zum Boot zurück und trotz des Regens war es eine sehr schöne Tour, auch wenn es zum Ende gut frisch auf dem Zodiac geworden ist, wo man nur sitzt.

Zurück auf der Ioffe fährt sie weiter zu unserem nächsten Ziel, der Palmer Station. Dabei fahren wir durch den Lemaire Channel. Der natürliche Kanal ist nur 1.600m breit. Links und rechts von uns ragen steile Fels- und Gletscherflanken auf. Wir stehen auf der Brücke und beobachten unsere Durchfahrt. Im Kanal schwimmen große Eisberge, denen unser Schiff aufweichen muss und auf kleinen Schollen liegen Robben. Es kommt uns sogar ein kleines deutsches Segelboot entgegen. Ich mag mir kaum ausmalen was die Drake Passage in so einem kleinen Boot bedeuten mag. Wann schläft man da eigentlich? Das Meer öffnet sich wieder und wir fahren Richtung Palmer Station.

Die Palmer Station

Zwei Wissenschaftler der amerikanischen Palmer Station kommen an Bord um eine kurze Präsentation zu halten. Es geht um ihre Forschungstätigkeiten, am interessantesten finde ich den kurzen Bericht über die Antarktisfische, die so gut wie kein Hämoglobin besitzen und deshalb weißes Blut haben. Nach dem Vortrag fahren wir mit dem Zodiac zur Palmer Station. Der Regen hat sich nun in Schnee verwandelt und es hat dichten Nebel.

Wir werden von einer Wissenschaftlerin erwartet, die uns durch das Gelände führt. Im Gegensatz zur Vernadsky Station bleiben die Wissenschaftler hier nur sechs Monate. Während die ukrainische Station nicht mal über Internet verfügt, haben die Amerikaner sogar einen heißen Pool. Alles in allem macht die Station bei weitem nicht den einsamen Eindruck wie die Vernadsky Station, weshalb ihr aber auch der Charme dieser fehlt. Hier gibt es aber nicht nur Wissenschaftler. Wir unterhalten uns lange mit Terri Nelson eine Künstlerin, die hier als wissenschaftliche Illustratorin arbeitet und Vögel malt. Sie hat sich auf die weißen Seidenschnäbel spezialisiert, die wir auch schon bei der Vernadsky Station gesehen haben. Über das „National Science Foundation’s Antarctic Artists & Writers Program“ können Künstler und Schriftsteller vier Monate auf der Station verbringen um ihren Projekten nachzugehen. Terri ist seit Dezember hier und ihre Zeit geht dem Ende zu. Die Besatzung der Station führt auch gerne mal Touren auf die nahe gelegenen Gletscher und Gipfel durch, das Skilager ist ebenfalls gut bestückt. In dichtem Nebel und Schneetreiben fahren wir zum Schiff zurück.

Das antarktische Festland

Unsere erste Station für heute ist die argentinische Brown Station. Das Besondere ist, dass wir hier zum ersten Mal antarktisches Festland betreten. Alle Stationen bisher waren auf vorgelagerten Inseln der Antarktis. Zuerst machen wir aber eine Zodiactour durch den Paradise Harbour. Das Wetter ist besser geworden und man sieht ein wenig blauen Himmel, damit ist es aber auch kälter geworden. Schon nach wenigen Minuten merke ich, dass ich eventuell eine Lage mehr hätte anziehen sollen. Zu Beginn unserer Tour fahren wir an einer steilen Felswand vorbei, an der Kormorane (Blauaugenscharben) brüten. An manchen Stellen ist der Fels grün-bläulich von Kupferoxid.

Wir fahren zwischen großen Eisbergen hindurch und eine Krabbenfresserrobbe lässt sich darauf von uns ablichten. Vor uns erstreckt sich ein Gletscher, der in einem Eisfall ins Meer bricht. Das ganze Eis ist sehr porös und löchrig, trotzdem sind die steilen Eiswände zum Meer haushoch. Später wird der Gletscher wieder kompakter und fällt als senkrechte Wand ins Wasser. Wir besichtigen noch einige Eisberge, dann fahren wir mit Vollgas zum Anleger der argentinischen Station, denn alle brennen darauf ihre Füße zum ersten Mal auf antarktischen Boden zu setzen. Dann ist es soweit und wir betreten die Antarktis. Alex hat nun alle sieben Kontinente des Erdballs betreten, mir fehlt noch Nordamerika. Die herumstehenden Eselspinguine scheint’s jedoch nicht zu beeindrucken, denn ungestört folgen sie weiter ihrem Pinguinalltag.

Auf einem Berg, der in einer steilen Felswand zum Meer abbricht, ist ein Weg ausgesteckt. Wir folgen ihm hinauf. Er ist sehr steil und wir steigen schnell, um uns aufzuwärmen. Nach der Zodiactour bin ich gut ausgefroren, vor allem die Füße sind eiskalt. Im oberen Bereich wird es felsiger und vor allem eisiger und man muss aufpassen nicht zu rutschen. Oben ist es komplett felsig und wir haben einen schönen Blick auf das Meer, Berge und Gletscher, unser Boot und die Station unter uns. Später erfahren wir, dass ein Paar von unserem Schiff sich hier oben verlobt hat. Gibt definitiv schlechtere Orte für sowas als hier oben. Den Weg hinunter springen wir durch den tiefen Schnee, was wie immer viel Spaß macht. Zurück an der Station beobachten wir die Eselspinguin-Kolonie in der Seidenschnäbel herumlaufen.

Zum Mittagessen wird heute gegrillt. Wir sitzen im hinteren Teil des Schiffes im Freien und essen Burger und Steaks. Dazu gibt es Glühwein. Auf dem Weg zu unserer nächsten Landungsstation fahren wir durch den Neumayer Kanal, der 26km durch eine Meerenge verläuft. Das Wetter in der Antarktis ist extrem unvorhersehbar. An den ersten Tagen hing ein grauer Schleier in der Luft, aber nun ist es aufgeklart. Das bewölkte Wetter hat den Gletschern in den letzten Tagen einen blauen Stich gegeben, heute in der Sonne erscheint alles in perfektem Weiß. Wenn die Sonne scheint, glitzert die Landschaft wie im Märchen und die Szenerie ist mit reinem weißen Schnee, blaugrünen Gletschern, tiefen blauen Meer und schwarzen Berge bemalt.

Sonne auf Cuverville Island

Dann erreichen wir unser Ziel – Cuverville Island. Schon bevor wir anlegen, werden wir von einer im Wasser schwimmenden Krabbenfresserrobbe begrüßt. Auf dem steinigen Strand tummeln sich hunderte Pinguine, dahinter steigt die Insel zu einem Berg auf über dem Raubmöwen kreisen. Wir steigen aus und bekommen eine Einweisung von einer Wissenschaftlerin, die in den 90er Jahren ein Jahr auf der Insel gelebt hat. Mitten in der Einweisung sehen wir wie zwei Raubmöwen einen jungen Pinguin attackieren. Sie hacken auf seine Augen ein und bringen ihn zu Fall. Der Pinguin zuckt noch als die Raubmöwen beginnen ihn aufzufressen. Tragisch, aber so ist die Natur, auch die Raubmöwe hat Babys zu füttern.

In der Mauser sind die Pinguine schwach und angreifbar. Ihr komplettes Gefieder wird ersetzt, das heißt, sie fressen sich vorher ordentlich im Meer voll um dann draußen ohne essen rumzustehen, zu frieren und zu warten bis das Gefieder wieder neu und wasserimprägniert ist, damit sie wieder ins Wasser gehen können. Es ist ein traumatisches Erlebnis für die Pinguine, jedes Jahr vor dem Wintereinbruch.

Wir wandern über den Strand voller Eselspinguine. Wenn wir uns hinknien kommen die jungen Pinguine manchmal sehr nahe an uns heran um uns zu untersuchen oder irgendetwas anzuknabbern. Ein tolles Erlebnis. Man weiß gar nicht wo man hinschauen soll, da es überall watschelt, rutscht und kräht. Am lustigsten ist es wenn die Jungen mit ausgespreitzten Flügen ihre Eltern verfolgen. Am Strand liegen einige Walknochen, alleine die Wirbel sind fast einen Meter groß.

Wir gehen an den Landungsplatz zurück um noch eine Zodiactour zu machen. Durch die Sonne sind die Eisberge an einer Seite angetaut und es haben sich sanfte Mulden in den steilen Eisflanken gebildet. Das matte Weiß sieht fast aus wie aus Kunststoff. Auf einigen Schollen liegen Krabbenfresserrobben und auf den Steinen liegen Seehunde. Immer wird springen neben den Zodiac Pinguine aus dem Wasser. Wir fahren zum Schiff zurück und gehen zum Abendessen.

Ein Biwak in der Antarktis

Heute ist die große Nacht. Das Wetter ist gut, weshalb wir draußen schlafen wollen. Wir ziehen uns an was wir haben: T-Shirt, Longsleeves, dicke Daunenjacke, zwei paar Socken, Unterhose, lange Unterhose, Hose, Überhose, Überjacke, Handschuhe, Mütze und zuletzt die Gummistiefel.

Sonst kommen noch Kamera, Stirnlampe und natürlich das Knutschekrokodil mit. Es ist schon dunkel und die ersten Sterne stehen am Himmel als wir um halb zehn in die Zodiacs steigen und zum Strand fahren. Eine Pinguinkolonie gibt es hier nicht, aber Weddellrobben liegen am Strand. Manchmal singen diese nachts, was einen elektronischen Klang haben soll. Wir bekommen unsere Biwaksachen: Isomatte, Biwaksack, Schlafsack und Inlet. Im Schein unserer Stirnlampen heben wir eine Grube im Schnee aus, die uns vor Wind schützen soll.

Es ist gar nicht so einfach Isomatte, Schlafsack und Inlet so in den Biwaksack zu schieben, dass es später einfach ist einzusteigen. Man kippt auch auch gerne versehentlich etwas Schnee in den Biwaksack und muss ihn dann wieder ausleeren. Am Ende liegt aber alles fertig in der Grube. Wir beobachten noch den klaren Sternenhimmel und gehen dann ins Bett. Die Gummistiefel liegen ineinander gesteckt neben dem Biwaksack. Überjacke und -hose kommen als Kopfkissen unter die Isomatte in den Biwaksack. Den Rest behalten wir an. Ist gar nicht so einfach in den Schlafsack zu kommen und alles zu recht zu richten. Nach einigen Verrenkungen liegen wir aber drin und es ist angenehm warm. Bevor wir einschlafen hören wir noch Geräusche, ich weiß aber nicht wo schnarchen aufhört und Robbengesang anfängt.

Mir war in der Nacht trotz aller Schichten doch etwas kalt. Der Morgen begrüßt uns mit einem glühend roten Himmel über schneebedeckten Bergen, der den Sonnenaufgang ankündigt. Wir quälen uns aus den Schlaf- und Biwaksäcken und ziehen uns an. Die Gummistiefel sind eiskalt, aber durch die zwei paar Socken ist es kaum zu spüren. Am Strand liegen wieder große Walknochen, wir haben praktisch auf einem Walfriedhof geschlafen. Auf den steinigen Strand schiebt sich gerade gerade eine Robbe ins Wasser und ein Artgenosse döst noch immer oberhalb im Schnee. Auch die ersten Pinguine sind schon unterwegs. Es dauert nicht lange bis wir mit dem Zodiac zurück zum Schiff gebracht werden, wo eine warme Dusche wohltuend ist.

Zügelpinguine und Wale

Unser Ziel am Vormittag ist Orne Harbour, wo es Zügelpinuin-Kolonie gibt. Schon auf dem Weg zur Insel wird klar, dass es ein ziemlich windiger Ausflug wird. Wir landen an der felsigen Küste. Um an flaches Land zu kommen müssen wir erst die Felsen überwinden, wobei es sogar leicht kraxelig wird. Dort werden wir von Eselspinguinen empfangen, die sich hier breit gemacht haben. Ein wenig weiter oben stehen auch die ersten Zügelpinguine. Um zu ihrer Kolonie zu gelangen, müssen wir ein steiles und vereistes Schneefeld hinauf gehen. Wir steigen das Schneefeld hinauf und versuchen dabei in den vereisten Passagen nicht auszurutschen. Es weht ein starker Wind, was die Sache nicht unbedingt leichter macht.

Wir erreichen den felsigen, fast schneefreien Gipfel auf dem die Zügelpinguine ihre Kolonie errichtet haben. Sie ist bei weiten nicht so groß wie die Eselspinguin-Kolonien, die wir bisher besucht haben und so beschränken sich unsere Beobachtungen auf ein paar Exemplare, die dem starken Wind trotzen. Einer fällt besonders auf, da er Steine sammelt und damit ein Nest baut und das obwohl dafür gar keine Saison ist. Der Experte erklärt, dass dies ein junges Tier ist, dass schon für nächstes Jahr übt. Auf dem Felsen wächst auch Moos auf dem man nicht treten soll um ihnen das Überleben in diesen harschen Bedingungen nicht noch schwerer zu machen.

Der Wind bläst noch immer und wirbelt dem Scchnee auf, sodass dieser in Spiralen über die Schneefläche tanzt. Auch uns ist es zu windig und so machen wir uns wieder an den Abstieg. Wir beobachten noch einen Zügelpinguin, der einsam einen langen Schneehang herunter kommt. Es scheint dabei weniger Probleme zu haben als wir, die immer wieder über die eisigen Flächen rutschen. Wieder unten beobachten wir noch eine kleine Gruppe Esels- und Zügelpinguine, die im Schnee stehen, dann fahren wir mit den Zodiacs zum Schiff zurück.

Es ist März, Spätsommer hier in der Antarktis, und eine Menge Meereis ist geschmolzen, was es eine gute Zeit für Whalewatching macht. Jared, der Meeresbiologie an Bord, findet einen Buckelwal und lädt alle auf die Brücke ein um ihn zu sehen. Der Wal springt und dreht sich ein paar hundert Meter entfernt von unserem Schiff. Sein Aufprall ist so laut, dass man ihn bis hierher hören kann. Mindestens drei oder mehr von ihnen schwimmen um uns herum. Das Schiff folgt den Walen und wir können sie gute 45 Minuten beobachten, manchmal sind sie keine 50m mehr vom Boot entfernt. Es herrscht dichtes Schneetreiben, weshalb es draußen ziemlich kalt ist. Dennoch kann man sich von dem Anblick einfach nicht losreißen, auch wenn ich meine Finger kaum noch spüre während sie über dem Auslöser der Kamera hängen.

Um unseren Tagesplan zu halten muss das Schiff irgendwann aber abdrehen und wir werden den immer noch springen Walen den Rücken zu. Unser nächstes Ziel ist die Wilhelmina Bay. Wir bleiben auf der Brücke und beobachten das Meer. Immer wieder sehen wir Rücken von Buckelwalen im Wasser auftauchen. Es springt aber keiner mehr. Mit der Zeit schwimmen immer mehr Eisschollen auf dem Meer und die Sichtungen von Buckelwalen werden seltener, dafür sieht man immer öfter Robben auf den Schollen liegen.

Minkwale in der Wilhelmina Bay

Wir kommen in Wilhelmina Bay an und gehen vor Anker. Die Bucht ist dicht mit Eisschollen bedeckt und das Wasser ist glasklar. Man kann aber nicht sehen, dass es eine Bucht ist, da dichter Nebel über dem Wasser liegt und es immer noch stark schneit. Die geplante Exkursion ist diesmal kein Landgang sondern eine reine Zodiac-Cruise. Um dem Wetter zu trotzen, packen wir uns heute besonders dick ein. Ich trage allein drei Paar Socken. Wir fahren durch das dichte Eisfeld und beobachten die Krabbenfresserrobben auf den Schollen. Diese lassen sch durch uns kaum stören und lassen sich bereitwillig fotografieren.

Das ganze Meer scheint voll mit Robben zu sein. Einmal schwimmen an einer Stelle sechs Robben durchs Wasser. Sie sind teilweise so nah, dass man sie in dem klaren Wasser tauchen sehen kann wenn sie am Boot vorbei schwimmen. Noch immer schneit es stark und die Kameras werden nass. Mir selbst ist aber noch verhältnismäßig warm. Leider haben wir bis jetzt noch keinen der Minkwale gesehen, die sich hier herumtreiben sollen. Gerade als wir uns umdrehen wollen um zum Schiff zurück zu fahren, taucht eine lang gestreckter schwarzer Rücken aus dem Wasser auf und verschwindet wieder.

Wir folgen dem Wal und können ihn noch einmal sehen. Am Schiff soll auch einer sein weshalb wir Kurs auf die Ioffe nehmen. Durch den Nebel können wir sie aber nicht sehen und als wir das Nebelhorn der Ioffe hören merken wir, dass wir 90° in die falsche Richtung fahren. Kurz darauf kommen wir am Schiff an und gehen an Bord. An Deck wird Glühwein gereicht. Als wir trinken können wir nochmal einen Minkwal beobachten. Wir gehen zur Brücke um eine bessere Übersicht zu haben.

Wir sehen wie die letzten Zodiacs und Kajakfahrer zurück kommen. Als sie weg sind taucht fast an der Stelle wo gerade noch ein Zodiac war ein Minkwal auf. Wahrscheinlich haben ihn nur die paar Leute gesehen die auf der brücke sind. Er ist jedoch immer nur kurz an der Oberfläche und immer an einer anderen Stelle was es unmöglich macht ihn zu fotografieren. Wir merken, dass er unter dem Schiff hindurch taucht und wechseln die Seite. An der Steuerbord Seite können wir ihn noch ein paar Mal sehen bis er komplett verschwindet.

Das Wetter ist in der Zeit besser geworden und es hat aufgeklart. Die vom vergletscherten Bergen eingerahmte Bucht ist gut zu sehen. Die Berge spiegeln sich in dem fast unnatürlich glatten Wasser und durch seinen silbrigen Glanz könnte man meinen auf einem Quecksilbersee zu treiben. Unser Schiff nimmt wieder Fahrt auf und gleitet durch die spiegelglatte See. Wir bleiben auf der Brücke und beobachten die Tierwelt. Wir sehen noch ein paar Buckelwale in der Ferne, Pinguine und viele Robben. Es ist einfach sie zu entdecken, da die See so glatt ist, dass jede Welle die man sieht von einem Tier verursacht wird. Man kann sogar die Bugwellen der Robben sehen die unter der Wasseroberfläche schwimmen und man muss nur warten bis sie auftauchen. Zum Abendessen können wir uns heute ein Fläschchen Wein, dann geht ein langer, aber sehr schöner Tag zu Ende.

Die Südlichen Shetlandinseln – Ein eiskaltes Bad

Über Nacht ist das Schiff schon ein gutes Stück nach Norden gefahren und die Ankerplätze auf denen wir die letzten Exkursionen unser Antarktisreise machen, liegen schon auf den Südlichen Shetlandinseln. Unser erstes Ziel ist Deception Island. Die Insel ist ein noch immer aktiver Vulkan und der eingefallene Vulkankegel bietet einen der sichersten natürlichen Häfen der Welt, die Einfahrt ist aber nicht ganz ohne. So stehen wir nach dem Frühstück auf der Brücke und beobachten wie das Schiff in den Krater hinein fährt. Rechterhand steigt eine felsige Wand empor und im Wasser steigt ein Felsen bis 2,5m unter der Wasseroberfläche hinauf. Er wurde schon einigen Schiffen zum Verhängnis. Wir kommen aber sicher hindurch.

Vor uns liegt der schwarze Strand, der von ihm aufsteigende Dampf zeugt von der thermischen Aktivität der Gegend. Der Hafen heißt Whalers Bay und war bis in die 30er Jahre eine Walfangstation. Noch immer sieht man die rostbraunen haushohen Kessel in denen einst das Walöl gelagert wurde. Daneben stehen eingefallene Holzhäuser und Hallen aus Wellblech. Einer der Guides führt uns zu einem kleinen Gipfel überhalb der Walfangstation. Wir steigen durch die schwarze Vulkanerde hinauf und der Nebel wird immer dichter.

Als wir auf dem Gipfel ankommen ist uns zwar schön warm geworden, von der schönen Aussicht haben wir jedoch nichts, da der Nebel mittlerweile so dicht ist, dass man nicht einmal mehr bis zum Strand sehen kann. Wir gehen wieder zurück zum Strand und besichtigen die Ruinen der Walfangstation. Es gibt auch einen kleinen Friedhof mit zwei Gräbern. Am Strand liegen einige Seehunde herum und wir halten gebührenden Sicherheitsabstand ein, da die Tiere aggressiv werden können. Tatsächlich sind sie für den Menschen die gefährlichsten Tiere der Antarktis. Auch ein paar Pinguine stehen herum.

Durch die vulkanischen Aktivitäten ist das Wasser hier doppelt so warm als üblich und hat ganze 2°C anstatt 1°C. Wir ziehen uns aus und laufen Hand in Hand ins kühle Nass der Antarktis. Es ist wie erwartet eiskalt und lange halten wir es nicht im Meer aus. Durch die am Boden aufsteigenden Dämpfe ist es am Strand selbst aber angenehm warm. An manchen Stellen ist der Strand sogar richtig heiß. Wir springen ein zweites Mal in das eiskalte Meerwasser bevor wir zurück zum Schiff gebracht werden.

Sonniger Abschied aus der Antarktis am Yankee Harbour

Am Yankee Harbour gehen wir ein letztes Mal vor Anker. Das Wetter ist super, blauer Himmel und Sonnenschein. Die Gletscher auf um uns liegenden Bergen scheinen in reinem Weiß. Wir machen uns mit den Zodiacs auf den Weg in den durch eine flache lang gezogene Landzunge gebildeten natürlichen Hafen. Schon von weitem sind hunderte Pinugine und Robben zu sehen, die hier ihr Heimat haben. Sie watscheln am Strand entlang um vom Meer auf die am Fuße des Berges liegende Kolonie zu erreichen. Wir gehen an der Innenseite der Landzunge entlang auf den Berg zu. Auf steinigen Hang nisten hunderte Pinguine, wir dürfen die Kolonie aber nicht betreten und bleiben auf der Landzunge. Neben den Pinguinen sind auch die Seehunde zahlreich vertreten und es ist schwer die 15m Sicherheitsabstand zu wahren.

Wir sehen auch zwei See-Elefanten zwischen den Seehunden am Strand liegen. Ihnen fehlt allerdings der namensgebende Rüssel, weshalb es entweder Weibchen oder Jungtiere sind. Da sie dicht nebeneinander liegen kann man sie gut mit den Seehunden vergleichen. Während die Seehunde als Kälteschutz auf ihr Fell setzen, haben die See-Elefanten reichlich Fett, das sie warm hält. Wenn sie sich bewegen, was nicht oft vorkommt, schwabbelt der ganze Körper und mit ihren großen Augen und dem Doppelkinn sehen sie aus als könnten sie keiner Fliege was zu leide tun. Die Seehunde dagegen raufen am Strand und wenn man sich ihnen nähert posieren sie drohend vor einem und schnauzen einen an. Unter den vielen Eselspinguinen können wir auch einen einsamen Zügelpinguin entdecken.

Wie in allen großen Pinguinkolonien sind hier auch die Raubmöwen nicht weit. In dem starken Wind gleiten sie in einem Affenzahn über die Pinguine hinweg. Einer hat irgendwo einen Fischkopf erbeutet und versucht von ihm ein paar Fetzen abzureißen. Wir sehen auch noch einen weiteren See-Elefanten, der schwerfällig ins Meer robbt. Wir gehen weiter auf der Landzunge auf und ab und beobachten die Tierwelt und die Umgebung. Der wind wird immer stärker und bald rufen uns die Guides zu den Zodiacs zurück. Es ist noch immer strahlender Sonnenschein, doch durch den Wind ist die See rauer geworden. Die Rückfahrt zum Schiff ist ein rauer Ritt auf den Wellen und zurück an Bord sind wir gut nass.

Die Ioffe nimmt nun wieder Kurs nach Norden. Wir beobachten ein letztes Mal die eisige Landschaft. Wir nehmen Abscheid von der Antarktis. In der langsam untergehenden Sonne ist es angenehm warm und die langsam vorbeiziehenden Gletscher liegen in einem sanften Licht. Vor uns schwimmen noch vereinzelt große Eisberge, dahinter ist nur noch das offene Meer.

Zwei Tage Schiffsleben liegen vor uns. Zeit um das Gesehene zu reflektieren und alles in uns aufzunehmen was wir die letzten Tage erlebt haben bevor wir uns wieder in das Chaos der Zivilisation stürzen. Wir kommen zurück nach Ushuaia und die Ioffe legt am Hafen an. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, wissen wir, dass wir zurückkehren, noch mehr Fotos machen und Erinnerungen generieren werden.

Während wir so um die Antarktische Halbinsel herumfuhren, raste die Zeit. Die Tage scheinen doppelt so lang zu sein und verschwimmen ineinander. Zwei Exkursionen pro Tag mit drei Mahlzeiten dazwischen und vielen Aktivitäten. Es geht um essen, erkunden, essen, erkunden, essen, schlafen und wieder von vorn.

Es gibt nicht genug Adjektive um diesen Ort zu beschreiben. Einen Ort, der so wild und ursprünglich ist. Das Gefühl, das wir hier haben, ist unbeschreiblich. Es geht darum was wirklich zählt im Leben, denn man beginnt die äußere Welt zu vergessen. Hier gibt es keine Autos, keine Hochhäuser, keine Mobiltelefone, Politik oder auch nur Schlüssel. Die Einfachheit des Lebens bringt eine Klarheit, die erhebend ist. Einfach in der Natur zu sein und Teil von ihr zu sein ist großartig. Aber auch die Schattenseiten – die Bedrohung durch den Klimawandel und den Menschen – erteilt einem eine wichtige Lektion. Wir haben nur eine Erde und die ist wunderschön. Lasst sie uns gemeinsam schützen!

Die Antarktis ist ein Ort von dem wir immer nur träumen konnten. Der Weiße Kontinent ist nicht mehr länger nur ein Dokumentationsfilm. Wir haben die eiskalte Luft auf der Haut gespürt, sind durch die dramatischen Eislandschaften gefahren und haben seine Stille vernommen. Diese Reise stellt sich als eins der größten Abenteuer unseres Lebens heraus. Und wie alle großen Abenteuer, gehen wir mit einem Gefühl wahrer Verbindung mit diesem wilden Ort am Ende der Welt, der Antarktis.

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