Schweden: Auf Rentierspuren in Lappland

Der Kungsle­den ist ein­er der schön­sten Fer­n­wan­der­wege Europas. Wir belaufen den etwa 100 Kilo­me­ter lan­gen Teil vom nördlichen Abisko über den höch­sten Berg Schwe­dens bis nach Nikkalu­ok­ta. Dabei begeg­nen wir Ren­tieren, Seen, Berg­panora­men und ein­samen Zelt­plätzen im schwedis­chen Fjäll.

1. Tag: Abisko bis Nissonjohka — 4,5km

Nach exten­sivem Pla­nen und Pack­en für dieses neue Aben­teuer — den Kungsle­den in Nord­schwe­den zu bege­hen — geht es für mich früh am Mor­gen los zum Flughafen München, nach 2 Stun­den Umstieg in Stock­holm und das Tre­f­fen mein­er zwei Wan­derge­fährten Nor­man und Ani­ka. Den Kungsle­den will ich schon seit mehreren Jahren gehen, bish­er ergaben sich aber nie die passenden Umstände. Nun ist es endlich soweit. Wir pla­nen den Abschnitt von Abisko bis Säl­ka zu gehen und dann über den Keb­nekaise (inklu­sive Bestei­gung) nach Nikkalu­ok­ta raus, also die Strecke des Fjäll­räven Clas­sics, ins­ge­samt 108km lang. Der orig­i­nale Kungsle­den geht eigentlich noch bis Hema­van weit­er (440km), zusät­zlich gibt es noch den Südlichen Kungsle­den.

Bei blauem Him­mel und Son­nen­schein steigen wir am Nach­mit­tag in Kiruna aus dem Flugzeug. Hier fahren wir noch 1,5h mit dem Bus nach Abisko, dann besor­gen wir in der Tur­ist­sta­tion am Anfang des Kungsle­dens erst­mal Gaskar­tusche und Mück­en­ab­wehr.

Dann geht es endlich los, meine Füße kribbeln, sie wollen laufen! Das oblig­a­torische Start-Foto am Ein­gangsportal und schon ste­hen wir im licht­en Fjäll­birken­wald. Nach kurz­er Zeit gelan­gen wir an eine kleine Schlucht, die die Strom­schnellen in den Fels gespült haben. Mit dem Rauschen des Flusses Abisko­jåk­ka laufen wir in südliche Rich­tung. Einige Planken sind auf dem Weg instal­liert, da er stel­len­weise durch Sumpfge­bi­ete führt. Anson­sten ist der Weg recht ein­fach, er führt eben, aber mit großen Steinen verse­hen durch den Wald. Hier laufen uns auch die ersten flauschi­gen Ren­tiere über den Weg.

Wir gelan­gen an einen ersten Rast­platz, einen “Med­i­ta­tion­splatz”, wirk­lich an ein­er ide­alen Stelle. Die Abend­sonne taucht den Platz an Fluss und Steil­wand in beza­ubern­des Licht und Med­i­ta­tion fällt hier nicht schw­er.

Ein Stück weit­er ist eine Hänge­brücke und kurz danach find­et sich der Zelt­platz Nis­son­joh­ka, unser Platz für die heutige Nacht. Wir befind­en uns noch im Abisko Nation­al­park, wo das Zel­ten nur auf solch aus­gewiese­nen Plätzen möglich ist.

Seen, Berge und Irrwege
2. Tag: Nissonjohka bis Kieronsattel — 13km

Die Nacht ver­läuft ruhig und nach dem Früh­stück brechen wir auf — zu unserem ersten vollen Wan­dertag auf dem Kungsle­den. Schon bald lässt sich auch die Sonne blick­en und nach etwa 5km gelan­gen wir zum See Abisko­järvi, wo wir eine Pause machen. Wir find­en einen Felsen im See, der wie für uns geschaf­fen scheint und lassen die Füße ins küh­le Nass baumeln. Die Sonne wärmt uns, so kann’s gerne weit­erge­hen.

Der See wird schnell bre­it­er und wir gehen lange am großen See ent­lang, ring­sherum tür­men sich Berge auf und auch die Fel­swände des Kieron kom­men näher. Am Ende des Sees befind­et sich am gegenüber­liegen­den Seeufer die Hütte Abisko­jau­restu­gor­na. Ich warte hier an der Abzwei­gung an einem son­nenbeschienene Fleckchen auf meine zwei Gefährten. Hier tre­f­fen wir auf zwei lustige Bel­gi­er. Ein­er sehr fit, er hat geplant etwa 25km pro Tag zu laufen. Der andere wusste anscheinend noch nicht ganz worauf er sich dabei ein­lässt, er ist deut­lich langsamer und die 25km scheinen nicht real­is­tisch. Wir hät­ten wohl die Part­ner tauschen sollen, ich mit dem schnellen Bel­gi­er, Ani­ka und Nor­man mit dem gemütlicheren weit­er :) Sie haben vor bis Vakko­to­vare zu laufen.

Statt über die Hänge­brücke zur Hütte zu gehen, fol­gen wir allerd­ings weit­er dem Kungsle­den. Hier erwis­chen wir anscheinend den falschen Weg auf dem es einige aben­teuer­liche Bachüber­querun­gen gibt. Mir kommt es schon selt­sam vor, dass in dem Matsch keine Spuren zu sehen sind. Bei der ersten Bachüber­querung tre­f­fen wir wieder auf die Bel­gi­er, die sich anscheinend eben­falls ver­laufen haben und nach einem guten Weg über den Bach suchen.

Wir stellen wenig später fest, dass wir auf dem Win­ter­weg gelandet sind, was keine große Rolle spielt, da bei­de Wege sich später wieder tre­f­fen sollen. Erst­mal aufat­men, wir sind noch auf dem Kungsle­den. Wir ver­lassen hier auch den Abisko Nation­al­park. Jedoch ver­passen wir dann doch irgend­wo den Abzweig und lan­den auf dem falschen Weg Rich­tung Unna Allakas. Wir wis­sen, dass wir auf dem Sat­tel zwis­chen den Gipfeln des Kieron und Gárd­den­vár­ri hin­durch müssen, dieser Weg führt uns jedoch weit­er vor­bei an diesen Bergen. Als wir das merken, beschließen wir bergauf quer­feldein zu gehen um wieder auf den Kungsle­den-Weg zu tre­f­fen.

Wir quälen uns durch Birken­wald, Felsen und kratzende Hei­del­beer­sträuch­er hin­auf. Der anfangs so klein scheinende Birken­wald dehnt sich doch ganz schön aus. Bis wir endlich die roten Kreuze des Win­ter­wegs ent­deck­en.

Wir schre­it­en freudig darauf zu und zel­ten auf einem Hoch­plateau wenige Schritte weit­er, an ein­er Stelle wo Win­ter- und Som­mer­weg sich wieder vere­inen. Das Plätzchen hier ist wirk­lich wun­der­schön, unten rauscht der Fluss durch eine Schlucht vor­bei. Zum Wasser­holen müssen wir zwar ein­mal dort hin­unter steigen, aber das Plätzchen ist es wert. Wir machen ein Lager­feuer und genießen die Land­schaft zwis­chen den zwei Bergket­ten. Wir fra­gen uns wo die Bel­gi­er gelandet sind, die eben­falls den falschen Weg nach Unna Allakas mit uns eingeschla­gen sind, uns dann aber nicht quer­feldein gefol­gt sind.

 

Das Hochfjällmassiv
3. Tag: Kieronsattel nach Alesjaure — 11km

Der Tag begrüßt uns mit Regen­tropfen auf dem Zelt­dach. Nach einem gemäch­lichen Früh­stück im war­men, trock­e­nen Zelt, begeben wir uns auf den weit­eren Weg, dies­mal den kor­rek­ten. Über steini­gen Weg und Planken geht es san­ft bergauf durch die fan­tastis­che Berg­welt. Es windet stark, es tropft immer wieder stärk­er und schwäch­er vom Him­mel. Ich füh­le mich lebendig! Es ist wieder ein­mal so wahr. Ein schlechter Tag draußen ist bess­er als ein guter Tag im Büro.

Nach ein­er Weile passieren wir den Ren­tierza­un zwis­chen zwei Samendör­fern, wobei hier eher das Wei­de­land der Ren­tier­her­den gemeint ist. Hier bre­it­et sich das beein­druck­ende Panora­ma des Hochfjäll­mas­sivs vor uns aus. Schneebe­deck­te Berggipfel und türk­is­blaue Bergseen begleit­en uns. Selb­st bei stür­misch-grauen Wet­ter ist diese Land­schaft sagen­haft schön. Der Weg führt uns an den Seen vor­bei, leicht bergab, der Wind wird stärk­er und peitscht uns um die Ohren. Nach­dem wir den See Radu­järvi hin­ter uns gebracht haben, erre­ichen wir das Ufer des Alisjärvi, dem Zielsee.

Dieser erstreckt sich allerd­ings noch weit­ere 7km bis zu den Ales­jau­re­hüt­ten. Wir ver­steck­en uns erst­mal im Wind­schutz der Boot­san­legestelle. Eine große STF-geführte Wan­der­gruppe gesellt sich nach ein­er Weile zu uns und rufen ein Boot. Die Boote fahren auch zu regelmäßi­gen Uhrzeit­en, allerd­ings ist diese noch 1,5h ent­fer­nt. Ab sechs Per­so­n­en kann man ein zusät­zlich­es Boot anfordern. Wir beschließen mitz­u­fahren. Bald kommt auch das erste Boot und lädt die ersten 12 Senioren auf. Während des Wartens, kom­men die Bel­gi­er vorüber. Sie sind noch den falschen Weg weit­erge­laufen und haben dann hin­ter dem Berg gequert, was sie anscheinend einiges an Zeit gekostet hat.

Nach ein­er weit­eren Stunde Warten gelan­gen wir auf das zweite Boot, das uns die let­zten 7km über den See bringt. Für meine zwei Mit­wan­der­er ist das die erste Tour dieser Art, was sich im Gehtem­po und Kon­di­tion bemerk­bar macht, weshalb wir den Entschluss mit dem Boot zu fahren gefasst haben. In der Zeit des Wartens hätte man die 7km allerd­ings lock­er geschafft. Auf der Boots­fahrer sehen wir das gelbe Zelt der Bel­gi­er am Seeufer ste­hen.

An der Hütte ist es sehr windig, wir gehen noch ein biss­chen weit­er über die Hänge­brücke bis wir einen schö­nen Zelt­platz mit Blick auf die umgeben­den Seen erre­ichen. Ein fre­undlich­er Deutsch­er zel­tet heute neben uns. Dieser ist heute schon 25km von Nis­son­joh­ka bis zum Boot­san­leger gelaufen — unge­plant wohlge­merkt. Hard­core. Heute kochen wir bei Wind und Regen lieber im Vorzelt. Haare­waschen im eiskalten Wass­er lasse ich mir trotz­dem nicht nehmen.

Auch ein schlechter Tag ist ein guter Tag
4. Tag: Alesjaure bis Tal vor Anstieg Tjäktja (Renwachthütte) — 9km

Eine stür­mis­che Nacht, die das Ver­wen­den mein­er Ohropax erfordert, liegt hin­ter uns. Es reg­net und stürmt noch immer am Mor­gen. Wir kom­men heute recht spät los — erst mit­tags begin­nen wir den Weit­er­weg. Es reg­net immer wieder und der Wind treibt uns den Regen ins Gesicht. Immer wieder begin­nt der Regen und ver­siegt wieder bis er endlich stoppt. Der Pfad führt stetig leicht bergan, um uns herum eröffnet sich ein schönes Berg- und Flusspanora­ma.

Nach 4km gelan­gen wir zu ein­er Wat­stelle. An der Wat­stelle warte ich wieder auf meine Fre­unde, quatsche während­dessen erst mit dem einen, dann mit bei­den Bel­giern, als der zweite auch ankommt. Der Fit­tere von bei­den macht auch im Win­ter aller­hand Ski­touren, ist im Win­ter auch schon­mal mit Skiern und Schlit­ten Teile des Kungsle­dens gelaufen.

Dann kommt eine Hänge­brücke, die über einen rauschen­den Gebirgs­bach führt. Wir gelan­gen in ein flach­es Tal mit Fluss, kurz vor dem Anstieg auf den Tjäk­t­japass. An ein­er windgeschützten Stelle schla­gen wir unsere Zelte neben unseren bel­gis­chen Fre­un­den auf.

Gegenwind und Schneesturm auf dem Tjäktjapass
5. Tag: Tal vor Anstieg Tjäktja (Rennwachthütte) bis Tal nach Abstieg Tjäktjapass — 10,5km

Wieder kom­men wir erst spät los. Am Mor­gen reg­net es und kein­er hat so recht Lust da raus zu gehen. Unsere Bel­gi­er sind mutig und brechen schon auf als wir langsam mit dem Früh­stück begin­nen.

Wir begin­nen den Anstieg zum 1.150m hohen Tjäk­t­japass. Der Regen hat aufge­hört und sog­ar die Sonne lässt sich blick­en. Fro­hen Mutes gehen wir los, die Land­schaft mit Bergen und Flüssen ist hier wun­der­schön. Der Weg schwenkt erst vom Ufer des Flusses weg, steigt leicht an und ich ger­ate an eine Schlucht mit rauschen­dem Bach und unter­halb der Hütte einem kleinen Wasser­fall. Während des Auf­stiegs haben wir starken Gegen­wind, was die Sache nicht unbe­d­ingt ein­fach­er macht.

Auf die Hütte gelangt man über eine etwas ober­halb gele­gene im Wind schwank­ende Hänge­brücke. An der Tjäk­t­jahütte warte ich auf meine Begleit­er und pausiere.

Dann fängt es allerd­ings an sehr ungemütlich zu wer­den — es begin­nt zu schneien und der Wind fegt uns den harten Schnee eisig ins Gesicht. Vor­bei mit der Land­schaft. Ich schaue nur auf den Boden, da der Schnee zu schmerzhaft im Gesicht ist. Schnell bin ich klatschnass, denn ich habe im Leichtsinn keine Regen­hose ange­zo­gen. Mit dem anhal­tenden und unan­genehmen Schnee­treiben habe ich nicht gerech­net nach den let­zten Tagen leichteren Niesel­re­gens.

Ich laufe also schnurstracks bis zum Pass durch um nicht auszukühlen. Ich erlaube mir keine Pause. Oben auf dem Pass gibt es eine kleine Schutzhütte und ich laufe mit eis­ernem Willen darauf zu — bloß nicht anhal­ten. Der Schnee hört bald auf und ich erre­iche im let­zten etwas steil­eren Anstieg die Schutzhütte. Ich entledi­ge mich mein­er nassen Sachen und verkrieche mich in meinen Schlaf­sack um mich aufzuwär­men. Langsam füllt sich die Hütte, auch der Regen begin­nt wieder und klatscht an die Fen­ster. Als meine Fre­unde da sind, kochen wir einen wär­menden Tee. Nach ein­er Weile wagen wir den Weit­er­weg, dies­mal mit Regen­ho­sen, aber nassen Sock­en und Leg­gins darunter. Es geht bergab ins Tjäk­t­jatal und bald erre­ichen wir das Ufer des Tjäk­t­ja­jåk­ka Flusses.

Der Weg ist hier kom­plett unter­spült und wir patschen durch die nasse Sturzflut. Rechts und links halte ich immer wieder Auss­chau nach geeigneten Zelt­möglichkeit­en — möglichst windgeschützt, trock­en und nah am Wass­er. Aber Pustekuchen. Entwed­er zu sump­fig oder zu weit weg vom Wass­er. Wir gehen weit­er und zel­ten schließlich auf ein­er zwar exponierten Stelle, aber an einem kleinen Bach und mit sta­bilem Unter­grund. Die näch­sten paar km sehen noch mooriger aus. Mit kalt tauben Fin­gern baue ich schnell mein Zelt auf und wärme mich im (nassen) Schlaf­sack. Meine Füße sind kom­plett nass durch das Gesuche im Sumpf.

Hüttenschmaus im Fjäll
6. Tag: Tal nach Abstieg Tjäktjapass bis kurz vor Abzweig zum Kebnekaise — 14,5km

In der Nacht friere ich etwas, der Schlaf­sack will durch die Nässe nicht richtig warm wer­den. Der Mor­gen ist kalt und nass. Wir verzicht­en auf das Früh­stück und trinken nur Tee. Ich baue mit klam­men und tauben Fin­gern mein Zelt ab. Ich brauche so lange wie noch nie zuvor dafür, weil ich meine Fin­ger nicht mehr spüre und nichts mehr richtig greifen kann. Ohne Hil­fe hätte ich dafür noch gefühlte Stun­den gebraucht. Das erste Mal sackt meine Laune ab. Ich freue mich als es endlich ans Weit­er­laufen geht und ich warm wer­den kann. Eine Weile später tauen Hände und Füße wieder auf, schmerzhafter Weise allerd­ings.

Der Him­mel chang­iert von grau zu blau, auch die Sonne lässt sich wohltuend blick­en. Ein paar Fotos sind wieder möglich. Ich laufe schnellen Schrittes auf die Sälka­hüt­ten zu, die erst spät hin­ter einem Hügel auf­tauchen. Hier warte ich auf meine Fre­unde, werde wieder etwas kalt dabei.

Wir begeben uns dann zusam­men in die Hütte, wo wir das Früh­stück nach­holen und Sachen und Schlaf­sack trock­nen. In der Hütte sind auss­chließlich deutsche Über­nach­tungs­gäste. Mit ihnen und dem Hüt­ten­wirt unter­hal­ten wir uns. Der Hüt­ten­wirt erk­lärt uns den Unter­schied zwis­chen Ren­tieren und Elchen und erzählt aller­hand Geschicht­en von Wölfen und Bären. Am Ofen wer­den einige mein­er Sachen wieder trock­en und ich auch von innen wieder warm. Nach ein­er Weile bere­it­en wir uns für den Weit­er­weg vor. Draußen reg­net es mal wieder, aber hört bald wieder auf. Nach ein­er kleinen Brücke geht es in das bre­ite Tal des Tjäk­t­ja­jåk­ka. Es gilt nach 4km einen Ren­tierza­un zu über­winden, ab hier halte ich Auss­chau nach einem geeigneten Zelt­platz. Nach etwa 2km finde ich nach ein biss­chen Umschauen eine gute Stelle an einem kleinen Bach. Zur Abwech­slung lassen sich sog­ar die Heringe gut in den Boden treiben.

Das Wet­ter hier ist wirk­lich unberechen­bar und neben dem (zumin­d­est anfangs) schw­eren Gepäck die größte Her­aus­forderung auf dem Kungsle­den. Von Kälte, Schnee, Regen, Wind, Sonne ist hier alles dabei und man ist bess­er für alles vor­bere­it­et.

Sonnensegen Richtung Kebnekaise
7. Tag: Kurz vor Abzweig nach Kebnekaise bis Kebnekaise Fjällstation — 18km

Heute Mor­gen begrüßt uns endlich eine lang ver­mis­ste Bekan­nte: Die Sonne. Sogle­ich wird es deut­lich wärmer und auch die Regen­hose darf heute mal im Ruck­sack bleiben. Per­fekt, denn heute haben wir den Weg zur Keb­nekaise Fjäll­sta­tion vor uns, etwa 18km. Wir haben etwa vier Kilo­me­ter vor dem Abzweig gezel­tet, an dem wir uns vom Kungsle­den ver­ab­schieden und Rich­tung Keb­nekaise raus­ge­hen. Ich komme an ein­er kleinen Schutzhütte vor­bei in der ich Deutsche von der Säl­ka-Hütte erblicke, dann hin­ter einem Hügel ste­he ich vor dem Abzweig.

Von hier geht es ein wenig schweißtreibend aufwärts — aber mit wun­der­schönem Aus­blick auf das Tal in dem wir seit dem Abstieg vom Tjäk­t­japass waren, mit Flüssen und Ren­tieren gar­niert. Schon bald kann man dann das Keb­nekaise-Mas­siv dahin­ter erblick­en und es geht gemütlich bergab in ein neues Tal mit Bergseen und Wasser­fällen. Hier ist die Sonne mit­tler­weile so schön — kaum eine Wolke ist noch am Him­mel zu sehen — dass ich mich auf mein­er Iso­mat­te ins Gras lege und in der Sonne chille. Endlich sog­ar mal nur im Longsleeve — was für eine Wonne. Ich bin glück­lich :)

Land­schaftlich ist die Etappe heute echt ein High­light. Aber etwas lang dann doch. Ich denke immer, dass hin­ter dem näch­sten Hügel doch die Fjäll­sta­tion auf­tauchen müsste. Aber bald kann ich am Fir­ma­ment einen großen Sende­mast aus­machen. Es geht nochmal durch matschiges Moor- und Hei­de­land, aber eigentlich nur, weil ich schon wieder unbe­merkt den Win­ter­weg erwis­cht habe. Ich ziehe es aber durch und gelange auf einen let­zten Hügel, wo der Sende­mast ein­deutig als solch­er zu iden­ti­fizieren ist.

Es geht über eine let­zten Hänge­brücke und dann nochmal ein Stück nach oben. Ich kann’s erst gar nicht fassen, dass es jet­zt, kurz vor Schluss, nochmal bergauf gehen soll und sitze resig­niert auf der anderen Seite. Ich beobachte die anderen Wan­der­er und wie lange sie dort hin­auf brauchen. Nach der Pause habe ich neue Moti­va­tion gesam­melt und folge ihnen. Nach 30 Minuten ist der Anblick der Häuser hin­ter dem let­zten Hügel eine wahre Freude. Ich sitze erst­mal nur in der Sonne und freue mich, dass ich da bin. Dann gehe ich in den Shop, kaufe Essen nach und eine Dose Cola, die ich genüsslich in der Sonne ver­tilge.

Ich warte auf meine bei­den Mit­stre­it­er, als diese aber nicht auf­tauchen, gehe ich duschen. Her­rlich! Die erste Dusche seit sieben Tagen, endlich Sonne und sog­ar Mobil­funkemp­fang und W-Lan gibt es hier — was für ein Luxus. Ich füh­le mich wie neuge­boren nach mein­er Dusche. Nach drei Stun­den tauchen auch die anderen bei­den auf — lei­dend und erschöpft (aber nicht erschöpft genug um zu fluchen). Wir essen zusam­men und dann geht’s für mich in den Schlaf­sack — mor­gen lockt der Keb­nekaise, der höch­ste Berg Schwe­dens! Und das Wet­ter soll guu­u­u­ut wer­den :) Eigentlich hat­te ich inner­lich schon mit der Bestei­gung abgeschlossen, da das Wet­ter die let­zten Tage nichts Gutes ver­sprach und nun wird mir dieses Geschenk gemacht. Ich habe beste Laune, trotz der Muf­fe­ligkeit der zwei Ver­aus­gabten.

Auf dem Dach Schwedens
8. Tag: Kebnekaise Besteigung (1.600hm, 10h, T4)

Um acht Uhr mor­gens breche ich bei strahlend blauem Him­mel zu meinem Gipfel­sturm auf den Keb­nekaise auf, den höch­sten Berg Schwe­dens (2.111m). Das Wet­ter ist wie bestellt, es ist der per­fek­te Tag für die Unternehmung und der beste unser­er gesamten Wan­derung. Tat­säch­lich wäre es eine Schande, heute nicht hochzuge­hen. Ich gehe beschwingt und freudig im Son­nen­schein (man kann’s gar nicht oft genug sagen) los. Meine zwei Gefährten bleiben unten und brechen später schon ein­mal Rich­tung Nikkalu­ok­ta auf um sich die 19km Strecke aufzuteilen. Ich werde sie dann mor­gen ein­holen.

Es geht erst­mal ein Stück des Weges zurück, den ich gestern gekom­men bin, dann aber am “Väs­tra Leden” Schild seicht, dann immer schnell steil­er wer­dend bergauf. Der Zustieg dauert etwa 2 Stun­den, an einem rauschen­den Gebirgs­bach und Wasser­fällen ent­lang.

Dann ste­he ich vor dem ersten Geröllfeld mit großen Steinen. Und ein­er geführten Gruppe vom STF (46 Leute!). Sie sind bere­its eine Stunde vor mir aufge­brochen und schon habe ich sie einge­holt. Es gelingt mir auf dem schmalen Krax­el-Weg nur bed­ingt ihnen auszuwe­ichen. Ich set­ze mich zwis­chen­durch auf einen Stein abseits und habe vor zu warten bis alle vor­beige­zo­gen sind. Aber das dauert bei 46 Leuten doch zu lange (einige davon sehen kaum aus als wür­den sie das über­leben) und ich rei­he mich wieder ein, über­hole dabei trotz­dem mal hier mal da einen Erschöpften Wan­der­er.

Zwis­chen­durch unter­halte ich mich mit einem der STF-Bergführer. Was für ein Traumjob er hat! Jeden Tag in die Berge gehen, geil, ich will auch! Er war auch schon in der Schweiz und wird dem­nächst mit sein­er Tochter nach Marokko fliegen. Dann geht es nochmal weit­er bergauf, jet­zt etwas ein­fach­er.

Die Gruppe begleit­et mich bis oben auf den ersten “Zwis­chengipfel” (das weiß ich zu dem Zeit­punkt allerd­ings noch nicht und nicht nur ich halte das schon irrtüm­lich für den Gipfel).

Dort gibt es Mit­tagspause für die Gruppe und ich nutze die Gele­gen­heit zügig weit­erzuziehen. Nun geht es auf der Nord­seite wieder steil bergab, und zwar über glattge­tretene Eis- und Schneeflächen zwis­chen Felsen hin­durch. Ich brauche fast eine Stunde mich vor­sichtig bergab zu tas­ten. Ich sorge mich hin­ter­gründig schon um den Rück­weg, wenn ich diese Schneestellen wieder hoch muss. Jet­zt aber erst­mal hin­unter und vor allem — gegenüber den Berg wieder hin­auf — Fies! Aber nicht an später denken, nur auf den Moment konzen­tri­eren, ist meine Devise.

Dort ver­steckt sich näm­lich erst irgend­wo der Gipfel (Syd­top­pen genan­nt — Südgipfel). Unten gönne ich mir keine Pause, son­dern laufe weit­er den neuen steilen Anstieg hoch. Ich merke schon — das ein anstren­gen­der Tag. Weit­er bergauf, bald begin­nen wieder Schneefelder. Hier gehe ich irgend­wo ver­loren und gehe quer­feldein über Schnee und Felsen. Ich habe keine Ahnung wo ich den Weg ver­passt habe. Die Markierun­gen hier beschränken sich auf rote Punk­te (die ger­ade nachge­malt wer­den, was wohl mal wieder nötig ist) an den Felsen und Stein­man­dl.

Ich sehe keine Men­schenseele mehr und beginne mich etwas zu sor­gen. Wenn ich hier irgend­wo umschnack­ele oder sonst­was, bemerkt mich hier kein­er. Egal, ein­fach nach oben, das kann nicht verkehrt sein. Irgend­wann sehe ich unten Leute nach rechts gehen und weiß nun wo der Weg unge­fähr sein müsste und laufe entsprechend diag­o­nal. Irgend­wann finde ich rote Kreuze an Stäben, die in Schwe­den Win­ter­wege markieren (haben wir ja schon anfangs gel­ernt) — aber hier oben ist ja Win­ter, denke ich mir. Ich folge ihnen ein Stück, dann enden sie aber ein­fach im Nichts.

Also wieder weit­er nach oben. Irgend­wann tre­ffe ich endlich auf einen Men­schen und freue mich schon. Der hat sich mit sein­er Gruppe jedoch auch nur beim Abstieg ver­laufen. Ich kann ihnen lei­der auch nicht weit­er­helfen. Ich gehe weit­er darauf zu wo ich den “Nor­mal­weg” ver­mute und endlich habe ich Erfolg und begeg­ne wieder vie­len Men­schen. Nun ist der Gipfel nicht mehr weit, wie man mir sagt. Man sieht den Gipfel lei­der ewig nicht durch die Nei­gung des Bergs und hin­ter jedem Hügel taucht ein neuer auf.

Aber dann sehe ich endlich die schneebe­deck­te Spitze. Die meis­ten gehen mit Steigeisen, Klet­ter­steigset und Seil nach oben über eine Eis­route. Es gibt aber auch daneben einen Weg, wo rel­a­tiv viel Firn­schnee liegt und man gut nach oben kommt, not­falls mit den (im Ide­al­fall behand­schuht­en) Hän­den krabbelt. Oben ist es vor allem sehr windig. Ich warte bis die Leute vom Gipfel ver­schwun­den sind, mache einige Fotos und gehe dann (oder bess­er: rutsche) wieder nach unten.

Die Anmu­tung hier oben ist wirk­lich hochalpin — das ist Berg­steigen. Es kön­nte auch irgend­wo auf einem 5.000er sein, so stelle ich es mir jeden­falls vor. Dabei sind’s nur 2.111m. Aber in Lap­p­land ist dies natür­lich deut­lich win­ter­lich­er. Unten gönne ich mir Gipfelscho­ki und -sala­mi und ich spüre erst jet­zt das gewohnte Glücks­ge­fühl auf­steigen. Ver­dammt, ich habe es geschafft! Ganz alleine! 1.600 Höhen­meter, habe sechs Stun­den inklu­sive Pausen nach oben gebraucht. Wahnsinn! Freudig strahlend steige ich wieder ab. Dies­mal auch auf dem richti­gen Weg. Dabei finde ich auch die zwei Schutzhüt­ten (topp­stu­ga). Der Weg ist deut­lich ein­fach­er als meine “Abkürzung” vorhin.

Von der Hütte kann man ein Stück Rich­tung Abgrund gehen und hat eine fan­tastis­che Aus­sicht auf den Gletsch­er darunter. Ich rechne mit 4 Stun­den für den Rück­weg (vorgegebene Zeit für den gesamten Weg sind 10 Stun­den) und laufe schnurstracks nach unten. Ein Stück gehe mich mit ein paar Schwe­den mit, um nicht wieder ver­loren zu gehen. Alles klappt gut, als der Auf­stieg auf die Nord­seite des fiesen Bergs anste­ht, bin ich nicht begeis­tert, habe wenig Lust beim Abstieg einen Gege­nanstieg zu machen.

Aber nützt ja nichts — der Auf­stieg erweist sich dann sog­ar als deut­lich ein­fach­er als der Abstieg. Mit den Wan­der­stöck­en geht es ziem­lich gut. In ein­er hal­ben Stunde bin ich oben — per­fekt. Schneller als gedacht. Dann geht es nur noch bergab, erst über Schot­ter, dann über Felsen. Geht alles sehr gut und ich bin schnell wieder unten. Dann geht der ein­fachere Teil des Weges sehr leicht. Ich spüre Kraft und Adren­a­lin und laufe, renne teil­weise, schnell nach unten, hole einige Leute dabei ein. Felsen sind meine Welt!

Dann tre­ffe ich auf Artis aus Let­t­land, der ein ver­rück­tes Bild abgibt. Auf dem Rück­en trägt er eine Solarpa­neele (von seinem Dach!) und am ganzen Kör­p­er hat er Ladesta­tio­nen mon­tiert. Sein Plan ist es dort oben heute Nacht Sterne zu fotografieren. Eine per­fek­te Nacht dafür — soviel ist gewiss. Nix Hob­by, wohlge­merkt — es han­delt sich um eine Lei­den­schaft. Als ich ihm sage wie weit es noch zum Gipfel ist, macht er aber doch große Augen. So richtig gut geplant scheint die Unternehmung nicht zu sein;) Auf jeden Fall entspan­nter Typ und der erste Aus­län­der den ich auf dem Keb­nekaise antr­e­ffe — er wohnt allerd­ings schon länger in Schwe­den.

Son­st tre­ffe ich nur auf Schwe­den, die mich auch alle auf schwedisch ansprechen. Dafür reicht mein Sprach­schatz meist nur bed­ingt. Ich unter­halte mich noch eine Weile mit Artis und dann ver­ab­schieden wir uns. Ich zock­ele weit­er nach unten, irgend­wann geht mir jedoch auch die Kraft etwas aus und ich gehe gemütlicher­er die let­zten 2km bis zur Fjäll­sta­tion. Kurz­er Stop an meinem Zelt, dann ab unter die Dusche, zum Trock­en­raum die nassen Sock­en deponieren, Frucht­brot kaufen für mor­gen zum Früh­stück, nom nom :) Und dann essen und Tee trinken im Zelt. Chili con Carne am Abend ist ein weit­eres High­light für mich.

Ich merke erst jet­zt, dass meine Beine und Füße mich schmerzen. Aber es ist ein gutes Gefühl. Ich habe tat­säch­lich fast 4h für den Abstieg gebraucht und den Weg in 10 Stun­den inklu­sive aller Pausen und Gipfe­laufen­thalt geschafft. Ich füh­le mich großar­tig! Mal schauen wie es mir mor­gen geht :) Die Stra­pazen waren es in jedem Fall wert, die Bestei­gung des Keb­nekaise war mein absoluter Höhep­unkt dieser Tour!

Letzter Tag im Fjäll
9. Tag: Kebnekaise Fjällstation bis Nikkaluokta — 19km

Ich ste­he früh auf, weil wir den Bus bis 16:10 Uhr erwis­chen wollen. Dieser verkehrt nur zweimal am Tag zwis­chen Nikkalu­ok­ta und Kiruna. Die Nacht wer­den wir dann in Kiruna ver­brin­gen und am näch­sten Mit­tag geht der Flieger Rich­tung Heimat. Schade, ich kön­nte gut noch viel Zeit hier ver­brin­gen. In der Wild­nis, weit ab vom Trubel der Zivil­i­sa­tion. Wo ich nicht mal mehr in den Spiegel schaue, weil es mir so egal ist wie ich ausse­he und das Leben sich auf das Wesentliche konzen­tri­ert. Und aller Luxus, was son­st banal ist, wird zu etwas beson­ders Großar­tigem (Sonne, Cola, eine warme Nacht, kein Regen, Frucht­brot, Duschen).

Ich laufe um kurz nach 7 Uhr los. Die bei­den anderen hat­ten vor, nach etwa 10,5km auf der Mitte des Sees zu zel­ten und ich laufe unmit­tel­bar vor­wärts. Nach jedem Kilo­me­ter ein Schild mit der verbleiben­den Anzahl der Kilo­me­ter zur Boot­san­legestelle. Erst motiviert das, dann wer­den die gefühlten Abstände immer größer. Ich tre­ffe nach einiger Zeit auch auf Men­schen, die ziem­lich schnell gehen. Ungewöhn­lich, da ich son­st eher alle über­hole. Nach ein­er Weile weiß ich auch wieso — genau als ich nach den ersten 8km an der Boot­san­legestelle ankomme, erre­icht auch das Boot, das einen 4,5km über den See schip­pert, den Steg und die meis­ten Leute fahren mit. Ich lasse das Boot rechts liegen und laufe an dem See weit­er. Nach ein­er Weile finde ich die bei­den, die ger­ade fer­tig gepackt haben und bere­it zum Auf­bruch sind. Per­fek­tes Tim­ing! Ich gönne mir eine kurze Pause nach den drei Stun­den Durch­laufen.

Dann geht es gemein­sam weit­er bis zur unteren Boot­san­legestelle. Dort gibt es “Lap Donald’s” Ren­tier­burg­er in einem sehr hüb­sch ein­gerichteten Café — in ein­er Sami-ähn­lichen Hütte sind Bären­felle und Gewei­he drapiert, ein kitschiger Kro­n­leuchter dazu. Wir sitzen am See und mumpfeln Ren­tier­burg­er, nom nom :) Dann geht es noch 5,6km weit­er bis nach Nikkalu­ok­ta. Glück­lich und erschöpft kom­men wir am Ende an (zumin­d­est ich bin erschöpft nach meinen 19km). Der Weg war zwar ein­fach, nur einige Stellen mit Steinen waren etwas schwieriger, aber lang.

Der Weg führt über eine Hänge­brücke über eine kleine Schlucht, dann durch Birken­wald wie am Anfang. Wir warten noch zwei Stun­den entspan­nt auf den Bus und fahren nach Kiruna zurück und gehen auf den örtlichen Zelt­platz. Hier pla­gen und das erste Mal in Schwe­den viele stech­wütige Mück­en, weshalb wir ins Innere flücht­en um dort das Aben­dessen (plus Dop­pel-Dessert) zu kochen.

Kiruna ist winzig klein und eigentlich die einzig nen­nenswerte Stadt in Nord­schwe­den. Der Flughafen hier ist die einzige Möglichkeit aus der Luft nach Nord­schwe­den zu reisen, die meis­ten fahren von Stock­holm mit dem Zug, was allerd­ings 16 Stun­den dauert. Inter­es­sant an Kiruna ist nicht nur, dass hier eine zum schön­sten Gebäude Schwe­dens gewählte Kirche ste­ht, son­dern vor allem, dass diese Stadt in den näch­sten Jahren 7km umziehen wird. Grund hier­für ist das örtliche Eisen­erzberg­w­erk. Es han­delt sich damit um ein weltweit einzi­gar­tiges Pro­jekt.

Die Stadt dro­ht zu versinken, da die Mine sich immer weit­er aus­dehnt und den Häusern der Ein­sturz dro­ht. Kiruna muss also weichen sowie 10% der Bevölkerung. Die bedro­ht­en Stadt­teile wer­den abgeris­sen und ein paar Kilo­me­ter weit­er neu aufge­baut. His­torische Gebäude wie die Kirche wer­den demon­tiert und wieder zusam­menge­set­zt. Dem Rathaus dro­ht bere­its jet­zt der Zusam­men­sturz. Im alten Stadtzen­trum wird sich dann ein Park bilden, der als eine Art Puffer­zone zwis­chen Berg­w­erk und Stadt fungiert.

Nun, jeden­falls ist die Stadt nicht klein genug, um uns am näch­sten Mor­gen den Bus ver­passen zu lassen, weil wir an der falschen Bushal­testelle ste­hen und der Bus fröh­lich an uns vor­bei fährt, wo wir nicht ein­mal eine Hal­testelle ver­mutet haben :) Ein Taxi hat uns allerd­ings gerettet und das Flugzeug hat uns wieder Rich­tung Deutsch­land gebracht.

Berg­steigen in sein­er vol­len­de­ten Form ist nicht Leis­tungss­port und damit getreues Abbild unser­er Leis­tungs­ge­sellschaft, son­dern Spiel, eine freie, lust­be­tonte Tätigkeit außer­halb des alltäglichen Lebens, die kein­er­lei materiellen Nutzen bezweckt. Berg­steigen als Spiel bedeutet: zu Fuß zurück zur Natur, san­ften Touris­mus (nur Fußstapfen hin­ter­lassen), ungelebte Möglichkeit­en ausleben und verküm­merte Fähigkeit­en ent­fal­ten; sich in ein­er faszinieren­den Wüste aus Stein und Eis zurechtfind­en und im unwegsamen Gelände eine Route suchen; sich den Wind um die Nase wehen lassen, Hitze und Kälte ertra­gen, den Unbilden der Wit­terung trotzen; sich in den Rhyth­mus von Tag und Nacht einord­nen; die Ure­le­mente Licht, Luft, Wass­er und Erde sinnlich erfahren; nachts den Ster­nen­him­mel betra­cht­en und sich in die Weite, Tiefe und Stille des unendlichen Raumes ver­lieren; sich von den Steinen Jahrmil­lio­nen der Erdgeschichte erzählen lassen, bis sich schwindel­er­re­gende Abgründe von Zeit und Raum öff­nen; im lebens­feindlichen Reich der Min­er­alien und Kristalle den Urfor­men des Lebens begeg­nen und ahnen was Leben auf diesem winzi­gen Plan­eten bedeutet angesichts der unge­heuren Leere des Kos­mos; Ruhe und Stille einat­men (und aushal­ten!), Einöde und Ein­samkeit als Droge, als Prick­eln der Gefahr kosten und wohl auch hie und da das Leben in der Schwebe wagen.
Kurz: Das Leben in sein­er Ursprünglichkeit und Ein­fach­heit erfahren, seine Inten­sität und Span­nung aushal­ten, hieße das vielle­icht — Glück?
Wern­er Munter
Der gelaufene Abschnitt des Kungsle­dens plus Keb­nekaise

FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour Kungsle­den — Abschnitt Abisko bis Nikkalu­ok­ta
Gehzeit: sieben bis neun Tage
Länge: ca. 100km
Gesam­tanstieg: ca. 1.600h
Aus­gangspunkt: Abisko
Schwierigkeit: Medi­um

Optionale Berg­tour auf den Keb­nekaise über Väs­tra Leden
Gehzeit: 10h
Höhen­meter: ca. 1.600h
Aus­gangspunkt: Keb­nekaise Fjäll­sta­tion
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern

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