China: Die Pandas von Chengdu

Die Pandas erwarten uns! Heute besuchen wir die Pandas in der Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding, die auf die Aufzucht der knutschigen Tiere spezialisiert ist. Hier können wir viele Pandas beobachten – vom Babyalter bis zu den Erwachsenen – und viel über sie lernen. Pandas leben tief in Bambuswäldern auf einer Höhe von 1.500 bis 3.000m. Ihr Lebensraum wird immer weiter zerstört und fragmentiert. Seit 1974 werden die in China endemischen Bären in der Wildnis gezählt. Bei der Zählung von 1984-1986 waren es etwa 1.100 wildlebende Pandas, 2000-2003 wurden 1.590 gezählt – die neusten Zählungen von 2013 ergaben 1.864 Pandas. Die Bemühungen sind also erfolgreich!

Wir starten nach einem Frühstück im Hostel indem wir uns zum Bus nahe dem Hostel begeben und an einem kleinen Busbahnhof in die 87 umsteigen. Das ganze dauert etwa eine Stunde, kostet einen aber nur 4 Yuan plus 58 Yuan Eintritt statt 130 Yuan mit der Hosteltour bei der man außerdem nur zwei Stunden Zeit bei den Pandas hat. Es empfiehlt sich also durchaus das ganze selbst zu organisieren.

Wir betreten gegen 9:30 Uhr die Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding und es ist schon gerammelt voll. Neben dem Panda gibt es hier auch den Roten Panda zu sehen, der jedoch eher einem Waschbären gleicht. Das Zentrum ist auf die Aufzucht der Pandas spezialisiert. Das heißt dass die weiblichen Pandas künstlich befruchtet werden, da Pandas sehr fortpflanzungsfaul sind. Außerdem werden häufig Zwillinge geboren, von denen in der Natur nur eins von der Mutter versorgt werden. Hier haben beide eine Chance. Das stärkere Baby bleibt bei der Mama, das schwächere kommt in einen Brutkasten.

Wir sehen hier viele Pandas, vielleicht etwa 20 Stück – vom Teenageralter bis zum Erwachsenen. Auch ein paar wenige Wochen alte Pandababys gibt es zu sehen. Sie sind beim Essen, Chillen oder Klettern herum. Erstaunlich wie die vermeintlich plumpen Wesen die höchsten Bäume erklimmen können, was alles andere als elegant aussieht – dafür aber schrecklich süß. Sie sind auch die geborenen Chiller, sie hängen sehr gerne einfach nur ab. Dabei lassen sie Pfoten und Hinterbeine oder auch mal das Köpfchen gerne irgendwo runterhängen. Neben Schlafen ist ihre Lieblingsbeschäftigung das Essen. Dabei sehen sie ebenfalls sehr knutschig aus. Sie mögen es nicht besonders sich dabei viel zu bewegen, also setzen sie sich in einen Bambushaufen und greifen nur um sich um sich den Bambus in das Mäulchen zu stecken. Andere sind so clever sich auf den Rücken zu legen und sich einen Vorrat auf dem Bauch anzulegen um sich möglichst wenig bewegen zu müssen.

Pandas können etwa 60 der über 400 Bambusarten fressen, richtig schmecken ihm davon aber nur etwa 20. In der Wildnis verbringen Pandas 16 Stunden des Tages Bambus zu essen und nach ihm zu suchen. Die hier im Reservat lebenden Pandas verbringen 10 bis 12 Stunden mit Essen zu, immerin müssen sie es nicht mehr suchen. Täglich essen sie 20 bis 40 kg Bambus oder 40kg Bambussprossen. In der Wildnis essen Pandas auch gelegentlich kleine Vögel und anderes Kleingetier. Hier wird ihre Kost durch Obst und „Pandabrot“ erweitert. Von einer Mitarbeiterin bekommen wir eine kleine Panda-Lektion und sie erklärt uns viel über Pandas und ihre Babys. Sie sagt auch, dass es das Freiwilligen-Programm dieses Jahr nicht gibt, da gerade eine Krankheit unter den Pandas grassiert und man diese vor der Ausbreitung schützen will. Es sind leider schon Pandas daran gestorben :( Schade, wir hatten uns überlegt in Bifengxia, einer weiteren Panda-Station, ein paar Tage Freiwilligenarbeit zu leisten. Dies ist hier nämlich auch schon ab einem Tag möglich.

Leider wird das schöne Naturerlebnis durch die vielen drängelnden Chinesen in Mitleidenschaft gezogen. Sobald ein oder mehrere Pandas zu sehen sind, hat man kaum eine Chance in die erste Reihe zu kommen. Schlimmer aber ist die Lautstärke, die die Chinesen an den Tag legen. Obwohl wirklich überall Schilder angebracht sind, dass man doch bitte leise sein soll, schreien und blöken sie durch die Gegend. Winken den Pandas, klatschen um sie zum Herschauen zu Bewegen, usw. Sie scheinen das Reservat mit einem Zoo zu verwechselt. Das ist ziemlich anstrengend. Es gibt insgesamt fünf große Gehege für junge und erwachsene Pandas, dazu drei Baby-Häuser und zwei Gehege für den Roten Panda. Wir besuchen sie alle. Auch die Roten Pandas sind sehr hübsch anzuschauen, wenn auch deutlich scheuer und flinker, deshalb schwieriger zu beobachten.

Besonders knutschig sind natürlich die wenige Wochen alten Baby-Pandas, die wir nur hinter einer Glasscheibe begutachten können. Es fängt an zu regnen und wir verkriechen uns ein wenig. Dann gehen wir etwas essen und wollen dann auschecken ob es vielleicht doch die Möglichkeit gibt als Freiwilliger zu arbeiten oder ob sie wissen ob sie das in Bifengxia noch anbieten. Leider sprechen die Damen beim „Volunteer Program“ Häuschen kein Wort Englisch und wissen offenbar gar nichts über Freiwilligenarbeit. Wir versuchen es bei der Rezeption, auch hier kann man uns nicht weiterhelfen, sie rufen aber immerhin jemanden an, der vielleicht Bescheid weiß. Hier bekommen wir aber leider keine positive Mitteilungen. Aber es gibt gratis Regenschirme zum Ausleihen, was wir gleich mal in Anspruch nehmen.

Außerdem gibt es noch ein Panda-Krankenhaus mit vielen Infos zu Panda-Krankheiten und Untersuchungen, die Panda-Küche und ein Museum. Am Nachmittag gehen wir nochmal zu den Pandas, mittlerweile ist es sehr viel angenehmer, da die morgendlichen Chinesenhorden bereits weg sind. Am aktivsten sind die Pandas nämlich morgens, Nachmittags schlafen sie oft. Wir sehen trotzdem noch einige und auch die Babys besuchen wir noch einmal. Wir haben eigentlich Glück, dass es heute so regnerisch ist, denn wenn es heiß ist, gehen die Pandas ungern raus und verbringen ihre Zeit lieber in klimatisierten Innengehegen. So können wir ziemlich viele Pandas sehen.

Je mehr wir über die Pandas lernen, desto mehr wundern wir uns warum es den Panda überhaupt noch gibt, denn sie scheinen schon von selbst wirklich alles für ihr Aussterben zu tun:

1) Pandas sind eigentlich Fleischfresser, haben also Gebiss und Verdauungstrakt von Fleischfressern. Sie fressen aber hautpsächlich Bambus, was der sehr kleine Magen-Darmtrakt größtenteils nicht verwerten kann – nur 17% davon kann der Panda wirklich verdauen (davon nur Proteine und Zucker), während andere Pflanzenfresser 80% verdauen können. Das ist der Grund warum sie viel fressen und viel schlafen – um Energie zu sparen.

2) Pandas sind nicht besonders fortpflanzungsfreudig: Die Fruchtbarkeitszyklen der Weibchen sind extrem rar und meistens konträr zu denen der Männchen. Kommt es doch einmal zum Fortpflanzungsakt, sind die Chancen einer Befruchtung nicht besonders hoch, denn der Panda-Penis ist viel zu kurz im Vergleich zum Vaginaltrakt des Pandaweibchens. Abgesehen davon müssen sich zwei, die sich mögen, erstmal treffen, denn Pandas sind Einzelgänger.

3) Pandas sind wählerisch: Von den vielen Bambusarten fressen sie nur 60, mögen aber eigentlich nur 20 davon. Auch bei der Partnerwahl sind sie außerordentlich wählerisch.

4) Panda-Mamas bringen häufig Zwillinge zur Welt, versorgen aber nur das stärkere davon. Das andere Baby wird seinem Schicksal überlassen.

5) Panda-Babys kommen komplett unbeholfen zur Welt, denn sie sind noch gar nicht fertig. Sie sind rosa und nackt, können noch nichts sehen und schon gar nicht laufen. Eigentlich sind es nur rosa Würstchen. Sie können noch nicht einmal eigenständig entleeren – dafür muss ihr Bäuchlein massiert werden.Erst nach einer bis zwei Wochen erscheinen die typischen schwarzen Markierungen. Innerhalb von einem Monat haben sie dann ihre schwarzen Ohren, Augen, Beine und Schultern. Erst nach sechs Wochen öffnen sie ihre Augen und nach 90 Tagen bekommen sie Zähne. Nach 100 Tagen können sie dann anfangen zu krabbeln, und erst nach fünf bis sechs Monaten fangen sie an zu laufen. Nach einem Jahr fangen sie an Bambus zu fressen, nach 1,5 Jahren sind ihre Zähne vollständig ausgebildet. Während dieser Zeit nehmen sie durchschnittlich etwa 100g zu. Bis sie anfangen Bambus zu fressen, bekommen sie nur Milch – entweder von der Mutter oder Babymilch mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Insgesamt haben wir nun den ganzen Tag bei den Pandas verbracht – insgesamt acht Stunden. Es lohnt sich definitiv Zeit einzuplanen, wenn man tierbegeistert und vor allem bärenbegeistert ist :) Ein fantastischer Tag mit vielen Pandafotos auf meiner Kamera.


ANFAHRT ZUR CHENGDU RESEARCH BASE OF GIANT PANDA BREEDING
Bus #1 oder #64 zum Zhaojue Henglu Busbahnhof (2Y, 30 Minuten)
Bus #87 oder #198 zur Panda Station (2Y, 20 Minuten)

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