Theresienstadt: Dunkle Kapitel der Vergangenheit

Nach dem Früh­stück ver­lassen wir unsere tem­poräre Heimat und machen uns auf den Rück­weg. Nicht jedoch ohne den Vor­mit­tag zu nutzen und ins nördlich von Prag gele­gene There­sien­stadt zu fahren.  There­sien­stadt ist eine gigan­tis­che Fes­tung. Sie sollte einen einzi­gen Zweck erfüllen: den Feind abwehren. Iro­nis­cher­weise wurde sie aber eher dafür bekan­nt, dass  Men­schen in ihr fest­ge­hal­ten wur­den. Im Hab­s­burg­er­re­ich war die Fes­tung ein Gefäng­nis, im Zweit­en Weltkrieg wurde sie zur grausi­gen Zwis­chen­sta­tion auf dem Weg in die Ver­nich­tungslager. Rund 150 000 Men­schen wur­den auf dem Weg zu den Ver­nich­tungslagern hier interniert, unter größ­ten­teils men­sche­nun­würdi­gen Bedin­gun­gen. Viele Men­schen drängten sich in ein­er Zelle, sodass die Alten und Schwachen schon zu Anfang der Haft umka­men.

Krankenbereich
Kranken­bere­ich

Weit­er­hin grassierten Krankheit­en und Hunger, gle­ichzeit­ig nah­men die Todes­fälle inner­halb der Mauern um das 15-fache zu. Später wurde There­sien­stadt zum Herzstück ein­er nation­al­sozial­is­tis­chen Pro­pa­gan­da-Aktion: Offiziellen Besuch­ern der Fes­tung präsen­tierte sich die Stadt als eine Art jüdis­che „Flucht­burg“, die Teil ein­er Scha­rade war. In Wirk­lichkeit wur­den hier immer mehr Gefan­gene unterge­bracht, star­ben an Krankheit­en oder beg­in­gen Selb­st­mord.  Wir besichtigten die Kleine Fes­tung, wo man Gefäng­nis­barack­en, Einzelzellen, Werk­stät­ten und Leichen­häuser, Hin­rich­tungsstät­ten und ehe­ma­lige Mas­sen­gräber begutacht­en kann. Über dem Tor prangt das zynis­che KZ-Mot­to „Arbeit macht frei“. Einen bedrohlicheren Ort kann man sich kaum vorstellen.

Trotz­dem lacht heute die Sonne das erste Mal und der Him­mel erstrahlt im tiefen Blau. So haben wir alle Wet­ter­la­gen beisam­men und der Son­nen­schein run­det den Pragbe­such ab. Es war wirk­lich ein per­fek­ter Aufen­thalt, wir haben viel gese­hen, tschechis­ches Essen und Kul­tur genossen, tschechis­ches Bier getrunk­en und uns trotz Kälte nicht abhal­ten lassen die Stadt zu erkun­den. Die zahlre­ichen Cafés und Gast­stät­ten haben unsere kalten Füße immer wieder aufgewärmt. Lei­der gab es keine Katzen­damen für Zac, wir trafen nicht eine Katze auf unseren Wegen. Den­noch hat auch ihm der Besuch, das erste Bier und der erste Schnee seines Lebens gut gefall­en. Immer­hin bestand seine Welt bis dahin nur aus 16m² und vier Wän­den. So hat er nicht nur Berlin in den let­zten Wochen ken­nen­gel­ernt, son­dern auch Prag. Ein weit­gereis­ter, wel­ter­fahren­er Kater, für den es sich­er nicht die let­zte Reise war.

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