Mongolei: Bei den Nomaden am Khövsgöl See

Wir machen uns auf in den Nor­den der Mon­golei — zum Khövs­göl See. Der Khövs­göl See ist der zweit­größte und tief­ste See der Mon­golei. Die West­seite des Sees wird von Bergen dominiert, das Ostufer ist san­fter. Wir erleben die Region mit den nomadis­chen Fam­i­lien, reit­en auf Ponys, melken und treiben Yaks, ler­nen Mon­golis­ches Bar­be­cue ken­nen, besuchen die Ren­tierzüchter und trinken Milch­wod­ka.

Die Mon­golen haben Camp­ing zu einem Lebensstil gemacht. Jed­er Mon­gole, egal wie lange er in der Stadt gelebt haben mag, ist im Herzen ein Nomade. Der nomadis­che Lebensstil wurde ein­fach aus der Notwendigkeit geboren, das Vieh von einem grü­nen Gras­platz zum anderen zu treiben. Aber auch heute noch hat dieser Lebensstil Bestand. Viele Mon­golen gehen in die Stadt um Arbeit zu find­en, aber einige haben sich entsch­ieden mit ihren Tieren auf dem Land zu bleiben um ihre Frei­heit und Unab­hängigkeit nicht aufgeben zu müssen.

Das Wichtig­ste sind Jurte und Vieh. Die Jurte kann schnell trans­portiert wer­den und die Tiere geben alle Notwendigkeit­en von Essen, Milch, Trans­port und Energie (in Form ihres Dungs). Mon­golen fühlen sich ihren Tieren so zuge­hörig wie einige West­ler ihrem Auto,vor allem das Pferd nimmt hier­bei eine beson­dere Rolle ein. Kinder ler­nen schon im Alter von zwei bis drei Jahren das Reit­en. Ein mon­golis­ches Sprich­wort besagt “Ein Mann ohne Pferd ist wie ein Vogel ohne Flügel”. Um sich selb­st ver­sor­gen zu kön­nen, braucht eine Fam­i­lie etwa 300 Tiere, auch wenn reichere Fam­i­lien mehr als das haben. Viele haben Radio, Handy und Satelliten-Fernsehen,98% der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Die Kinder gehen im Win­ter in der näch­sten Stadt zur Schule. Um genau diese Men­schen, die Nomaden, zu besuchen und uns deren Lebensstil anzuschauen und daran teilzuhaben, fahren wir zum Khövs­göl See im Khövs­göl Nuur Nation­al­park.

Einführung in die Mongolische Kultur

Um 10 Uhr haben wir eine Ein­führung in die Mon­golis­che Kul­tur und Sprache und nach dem Früh­stück check­en wir aus um zu Ger to Ger zu gehen. Die Dame von gestern erk­lärt uns wie wir zu unserm Bus kom­men und wie es dann weit­erge­ht, dann spricht der Grün­der der Organ­i­sa­tion über die Geschichte der Mon­golei, Sinn und Zweck sein­er Organ­i­sa­tion, die die lokalen Fam­i­lien und somit nach­halti­gen Touris­mus fördert sowie Sit­ten und Gebräuche in der Jurte und bei den nomadis­chen Fam­i­lien. Das ist dur­chaus inter­es­sant, aber er holt weit aus und redet schreck­lich schnell, sodass wir kaum fol­gen kön­nen. Danach bekom­men wir noch einige Worte und Sätze Mon­golisch beige­bracht um kom­mu­nizieren zu kön­nen. Wir bekom­men ein kleines Hand­buch wo all das nochmal drin ste­ht inklu­sive kleinem Sprach­führer.

Nach etwa vier Stun­den sind wir fer­tig und gehen erst­mal etwas essen. Mir ist etwas unwohl — die Hitze und alles ist etwas viel auf ein­mal. Mir schwirrt der Kopf von all den Infor­ma­tio­nen. Ich mag deshalb nur einen Salat essen. Aber ver­sucht mal einen guten Salat in Ulan Bator aufzutreiben. in einem Café werde ich fündig, beson­ders ist der Salat im Café Ams­ter­dam aber nicht. Dann gehen wir zum Depart­ment Store wo es für Alex noch ein Ham­mel-Schasch­lik-Spieß gibt um uns dann im Super­markt für die Bus­fahrt einzudeck­en, die uns über Nacht in 14 Stun­den nach Mörön bringt, im Nor­den der Mon­golei. Im Super­markt find­en wir sog­ar Vol­lko­rn­brot :)

Mit dem lokalen Bus nach Mörön im Norden der Mongolei

Dann geht’s zurück zu Ger to Ger, von wo aus wir ein Taxi zum Bus­bahn­hof nehmen, der etwa 7km außer­halb des Zen­trums liegt. Wir find­en den Bus nach kurzem Fra­gen schnell, ver­stauen unser Gepäck und steigen in den Bus, der völ­lig über­hitzt ist. Die Kli­maan­lage ist noch nicht in Betrieb und wir schwitzen wie ver­rückt nur im Sitzen. Nach ein­er hal­ben Stunde nach eigentlich­er Abfahrt­szeit set­zt endlich die Kli­maan­lage ein und weit­ere 15 Minuten später fahren wir los. Ich schlafe ziem­lich schnell ein, da ich mir die halbe Nacht mit Bloggen um die Ohren geschla­gen habe. Erst außer­halb der Stadt wache ich wieder auf. Wir fahren durch traumhafte Land­schaften, mit grü­nen Hügeln, Her­den von Yaks, Schafen, Ziegen oder Pfer­den, die Step­pen gesprenkelt mit weißen Jurten. Eine unendliche Weite tut sich vor uns auf. Dann stoppt der Bus — vor uns ein Unfall. Ein Milch­laster ist mit einem Auto zusam­men geprallt und liegt auf der Seite. Ger­ade wird der Laster wieder aufgerichtet und von der Fahrbahn geschafft, dann geht es weit­er. Ein großer Auflauf am Unfal­lort, sog­ar Kam­eras sind dabei. So ein großer Unfall ist wohl eher ungewöhn­lich in der Mon­golei, obwohl man den Mon­golen nach­sagt, dass sie ihre Autos genau­so fahren wie sie ihre Pferde reit­en. In Ulan Bator muss man schon arg auf­passen, dass man nicht über­fahren wird. Wir machen eine Stunde Pause in der die Mon­golen Aben­dessen. Außer uns sind noch zwei Israelis und zwei-drei andere Aus­län­der im Bus, die lieber die Fin­ger von dem Essen hier lassen, von dem uns expliz­it abger­at­en wurde. Es wird dann schnell dunkel und wir ver­suchen zu schlafen. Mon­golis­che Musik begleit­et uns dabei.

Ankun­ft bei den Nomaden am Khövs­göl See
Nach etwa 14 stündi­ger Bus­fahrt kom­men wir früh am Mor­gen in Mörön an. Unser Fahrer ist noch nicht da, wir set­zen uns etwas rat- und ori­en­tierungs­los an den Bus­bahn­hof und warten. Immer wieder sprechen uns Leute an, die uns in die Guest­hous­es ver­räu­men wollen. Dann kommt endlich unser Fahrer, dem wir nicht sofort trauen, aber er spricht von selb­st “Ger to Ger” an. Passt also alles. Der Super­markt macht erst um 9 Uhr auf, weshalb wir vor ver­schlosse­nen Türen ste­hen. Kurz­er­hand nimmt er uns mit zu sich nach Hause, wo uns seine Frau fer­men­tierte Stuten­milch, Wass­er und harten Käse aus saur­er Milch serviert. Dann fahren wir zum Super­markt und kaufen ein paar Sachen ein, von denen wir denken, dass wir sie die näch­sten Tage brauchen kön­nten: Ein biss­chen Obst, Nüsse, Süßigkeit­en, Wass­er, Kekse. Danach gibt es etwas zu essen in einem örtlichen Restau­rant. Reis, ein biss­chen Salat und Ham­mel. Willkom­men in der Mon­golei :)

Wir fahren in etwa zwei Stun­den bis zu unserem Ziel am Khövs­göl See. Es sind 130km, wobei die let­zten 30km inner­halb des Nation­al­parks Khövs­göl Nuur eine Stunde ver­lan­gen. Auf dem Weg begeg­nen wir vie­len Adlern, Zieseln, Pfer­den, Ziegen, Schafen und sog­ar zwei Ren­tieren. Wir kom­men an zwei Jurten in Reich­weite des Sees an, wobei eine für uns ist. Wir wer­den von der Dame des Haus­es mit gesalzen­em Milch­tee willkom­men geheißen. Wir check­en nicht, dass es sich bei gel­ben gere­icht­en Fladen mit Brot um But­ter han­delt und hauen uns viel zu viel auf unser Brot. Die Haus­dame muss lachen, wir auch als wir ver­ste­hen. Es wäre so wie sich ein ganzes Päckchen But­ter auf das Brot zu schmieren.
Wir machen ein Schläfchen um den kurzen, unruhi­gen Schlaf im Bus nachzu­holen, dann unter­hal­ten wir uns mit unser­er Gast­fam­i­lie, die aus Vater, Mut­ter und ihren zwei Söh­nen beste­hen — ein­er davon noch ein Baby, der andere 10 Jahre alt. Anschließend gehen wir an den See, der etwa 15 Minuten von uns ent­fer­nt ist.

Als wir wieder zurück zur Jurte kom­men, wird ger­ade ein Yak geschlachtet. Wir schauen beim Fellabziehen zu. Die gesamte Proze­dur von Tötung über Fell abziehen, aus­nehmen und zerteilen dauert etwa drei Stun­den und drei Män­ner machen mit, plus der 10-jährige Sohn des Haus­es. Dann wer­den wir zum Aben­dessen gerufen — Nudeln, Kartof­feln, sog­ar eine Möhre und Ham­mel. Deshalb kön­nen wir die weit­eren Schritte zum Zerteilen des Yaks nicht mitver­fol­gen. Nach dem Essen sind von irgend­woher plöt­zlich viele Kinder aufge­taucht. Als an ein kleines Mäd­chen meine Kam­era ent­deckt, will sie erst Fotografin spie­len, dann Mod­ell und ich muss viele Fotos in allen erden­klichen Pose­nan ihr und ihrer Schwest­er machen und ihr zeigen. Sie ist begeis­tert. Sie ist fünf Jahre alt und gibt mir viele Anweisun­gen, die ich nicht ver­ste­he, was sie nicht daran hin­dert sie immer wieder zu wieder­holen.
Dann spie­len wir Vol­ley­ball mit zwei älteren Mädchen,später kom­men noch zwei Jungs dazu. Auch die Eltern spie­len kurz mit.

Die Frauen melken abends die Yaks und die unterge­hende Sonne zaubert eine wun­der­schöne Atmo­sphäre über den Jurten.
Wir spie­len bis es dunkel wird und gehen dann ins Bett in unser­er Jurte. Es gibt hier drei Bet­ten, einen Ofen in der Mitte und viel But­ter. Alex und ich schlafen in einem Bett, Lea in einem anderen und Mama, Papa und ihre zwei Kinder in dem drit­ten Bett, da die andere Jurte mit dem Besuch beset­zt ist. Zwis­chen den Eltern liegt ihr 9-Monate altes Baby, zu ihren Füßen liegt der 10-jährige Sohn.

 

Wie sieht so eine Jurte eigentlich aus?
Die Jurte ist das Zuhause der nomadis­chen Fam­i­lien. In weniger als ein­er Stunde kann eine Jurte auseinan­der genom­men und zu einem anderen Ort trans­portiert wer­den und garantiert somit die größt­mögliche Flex­i­bil­ität. Neben der Mon­golei find­en sich Jurten auch in ganz Zen­tralasien von Xin­jiang bis nach Turk­menistan. Eine nor­male Jurte wiegt etwa 250kg und wird mith­il­fe von Kame­len oder Ochsenkar­ren, in der heuti­gen Zeit aber eher mit Autos trans­portiert.

Die Jurte ist außen mit Lein­wand und ein­er isolieren­den Schicht von Fell geschützt, die von einem hölz­er­nen Rah­men gehal­ten wer­den. Seile aus Pfer­de­haar hal­ten die Jurte zusam­men. Im Win­ter wer­den ein­fach mehr Fellschicht­en ver­wen­det als im Som­mer. Zudem kann das Dach und sog­ar die Seit­en geöffnet wer­den um so an heißen Tagen die Luft zirkulieren zu lassen.
Die “Fell­mat­ten” wer­den im Herb­st hergestellt indem ver­schiedene Lagen Schafs­wolle auf den Boden gelegt, mit Wass­er und Gras benet­zt und dann fest aufgerollt wer­den. Danach wird das Ganze nochmal gewässert und kreuz und quer über die staubige Steppe geschlif­f­en. Wenn die Mat­ten dann trock­nen, wer­den sie hart, bleiben dabei aber noch fex­i­bel.

Die Tür ein­er Jurte zeigt immer nach Süden. Auf deren Türschwelle darf auf keinen Fall getreten wer­den. Inner­halb der Jurte sitzen die Gäste tra­di­tion­s­gemäß auf der West­seite, die Älteren im Nor­den. Im Nor­den befind­et sich auch eine Art Fam­i­lien­al­tar, wo heilige Besitztümer und auch Fotos auf­be­wahrt wer­den. In der Mitte der Jurte befind­et sich der Ofen, der für Wärme sorgt und als Herd fungiert. Das Feuer im Ofen ist heilig und kein Müll darf hier drin ver­bran­nt wer­den. Der Schorn­stein vom Ofen führt oben durch das Dach nach draußen. Manche Jurten haben in der Mitte auch einen kleinen Tisch mit kleinen Stühlchen. an den Wän­den ste­hen die Bet­ten, meis­tens zwei bis drei. Zwis­chen­durch hän­gen Kochuten­silien, Kinder­spielzeug oder ein­fach Ham­melfet­zen. An den Wän­den hän­gen Wand­vorhänge und bunte Tep­piche zur Deko­ra­tion.

Ponyre­it­en zu den Ren­tieren
Wir schlafen lange, aber auch für die Fam­i­lie begin­nt der Tag nicht viel früher. Zuerst wird das Feuer neu geschürt und Früh­stück gemacht. Ich wasche mir die Haare im nahen Fluss und muss wieder ein paar Fotos von der Kleinen machen. Die Mäd­chen scheinen mich sehr zu mögen, die Jungs bevorzu­gen die Gesellschaft von Alex. Nie zuvor bin ich so gut mit Kindern klargekom­men wie hier. Musste ich aber vorher auch nie. Die Kinder hier erscheinen mir unkom­pliziert­er und heulen auch viel weniger. Die Fam­i­lie selb­st lebt sehr eng zusam­men und untere­inan­der hil­ft man sich viel, wie man schon bei Ganaa und ihrer Amelie sehen kon­nte. Jed­er bietet Hil­fe an, möchte sie mal hal­ten, das Kind küssen und mit ihm aus­dem Raum gehen. In Deutsch­land oder auch in Kana­da undenkbar, wild­frem­den Men­schen sein Baby anzu­ver­trauen, aber hier ver­traut man sich. Dieser Zusam­men­halt ist schön zu beobacht­en, macht er doch so einiges leichter. Auch die Män­ner küm­mern sich rührend um die Kleinen. Natür­lich kön­nen die Kinder schon früh reit­en, schon mit zwei bis drei Jahren begin­nen sie damit, und das sicher­lich bess­er als wir je reit­en wer­den. Das pro­bieren wir gle­ich mal aus. Jed­er von uns bekommt ein Pony und dann reit­en wir etwa 10km zu ein­er Fam­i­lie, die Ren­tiere an ein­er abgeschiede­nen Stelle am See hält. Zuerst führen zwei Mon­golen uns an der Leine, dann dür­fen wir es alleine ver­suchen. Mein Pony ist allerd­ings eine ganz schöne Schlaftablette,so richtig kommt es nicht in den Gang. Dazu kommt, dass Mon­golis­che Pferde anders gerit­ten wer­den als man es son­st so lernt. Wir reit­en über Wiesen und durch die Wälder, vor­bei an vie­len Zieseln und Adlern bis zur Ren­tier­fam­i­lie. Die Volks­gruppe, die Ren­tiere züchtet, heißt Tsaatan. Unser Gast­vater, der ein­er unser­er Pfer­de­führer ist, singt uns mon­golis­che Lieder, was den Ritt durch den Wald wirk­lich sehr atmo­sphärisch macht. Bei der Ren­tier-Fam­i­lie bekom­men wir Ren­tier­milch und ein Mit­tagessen beste­hend aus Nudeln, Kartof­feln, Möhren­stück­en und Ham­melfleis­chwür­feln. Das mon­golis­che Essen stopft ganz schön, aber die Milch ist wirk­lich leck­er. Die Ren­tier­fam­i­lie schnitzt Fig­uren aus Ren­tiergewei­hen, der Fam­i­lienäl­teste schnitzt sog­ar Pfeifen aus Wurzeln. Wir wer­den in ihr Zelt ein­ge­laden, das sanders als bei den meis­ten Volks­grup­pen der Mon­golei wie ein Tipi aussieht. Wir schauen uns die Ren­tiere an und genießen die wun­der­schöne Aus­sicht auf den See. Nor­maler­weise reit­en die Ren­tier­fam­i­lien ihre Ren­tiere auch, aber das männliche Ren­tier hat ger­ade eine Fußverletzung.Zurück geht es in 5km auf direk­tem Weg durch den ufer­na­hen Wald, bei dem die Ponys immer wieder über Baum­stämme und Wurzeln steigen müssen und uns Äste ins Gesicht schla­gen zu dro­hen. Heute Nach­mit­tag klappt das Reit­en schon bess­er, ich schaue mir ein biss­chen was bei meinem Führer ab. Gegen 5 Uhr gehen wir zum See um ein Bad zu nehmen, das ziem­lich frisch ist. Wir sitzen noch eine Weile am Strand und genießen den Aus­blick, dann kehren wir zurück und beobacht­en das Melken der Yaks. Die weib­lichen Yaks wer­den in ein Gat­ter getrieben und für die Zeit des Melkens von ihren Käl­bern getren­nt und gemolken, was dur­chaus eine Weile dauert. Danach wer­den alle wieder freige­lassen. Ein Baby-Yak ver­passt den Anschluss und sucht in der Nähe des Gat­ters nach sein­er Fam­i­lie, nicht sehr erfol­gre­ich.

Eine Reise mit dem Ochsenkar­ren
Der Mor­gen begin­nt damit, dass ein Schaf geschlachtet wird. Im Gegen­satz zu dem Yak gestern, wird das Schaf getötet indem auf Höhe des Brustko­rbs ein Schnitt gemacht wird, man seine Hand hinein­taucht und eine Artiere nahe am Herzen abdrückt. Nach etwa 30 Sekun­den stirbt das Schaf, dann wird es gehäutet, ausgenom­men und aufge­hängt. Alex hil­ft fleißig mit. So am Mor­gen, direkt nach dem Auf­ste­hen ist mir nicht so richtig wohl dabei.

Dann fahren wir mit dem Ochsenkar­ren bis an das Kap. Der kleine Junge unser­er Fam­i­lie begleit­et uns sowie ein älter­er Junge aus der Nach­barschaft. Sie treiben den großen schwarzen Ochsen mit Stöck­en und Seilen an. Er zieht den Kar­ren — eigentlich eine kleine Plat­tform auf Rädern — mit Hil­fe eines ein­fachen Geschirrs, das über seinen Kopf gelegt wird und mit Seilen und Holzbalken mit dem Wagen ver­bun­den ist.
Auf dem Hin­weg ist er noch recht schw­er­fäl­lig, aber zurück geht er flott bis zur Jurte. Ich schätze, er weiß, dass es nach Hause geht. Als wir durch eine Yak-Herde kom­men, läuft uns ein zot­teliger Yak-Bulle blök­end hin­ter­her. Er mag es wohl nicht, dass ein ander­er Ochse durch sein Revi­er streift. Bequem ist die Fahrt sich­er nicht und man ist kaum schneller als zu Fuß. Aber man bekommt ein Gefühl dafür wie beschw­er­lich das Reisen gewe­sen sein muss. Bevor die Leute Autos hat­ten, haben sie ihre Jurte auf Pfer­den und Ochsenkar­ren trans­portiert — oft viele hun­dert Kilo­me­ter weit. Mit­tler­weile ziehen die Nomaden nur noch 2 bis 4 Mal im Jahr um. Die Jurte lässt sich inner­halb ein­er Stunde zusam­men­bauen.

Irgend­wann reißt das Seil mit dem der Ochse am Wagen befes­tigt ist, aber das ist schnell repari­ert. Am Kap find­et sich ein fel­siger Hügel mit Ovoos (Stein­haufen mit bun­ten Bän­dern). Hier gibt es Mit­tag — dies­mal gefüllte Teigtaschen. Mir ist aber gar nicht nach Essen zumute, mir geht es nicht gut. Alles an meinem Kör­p­er schmerzt, ich friere und ich bin total erschöpft, mag am lieb­sten nur in meinem war­men Schlaf­sack schlafen. Deshalb kann ich es heute lei­der nicht genießen. Ohne­hin ist es aber sehr bewölkt und frisch. Auf dem Rück­weg zum Kar­ren spiele ich Stock­kampf mit den Jungs und Lea unter­liegt beim Wrestling mit dem 10 jähri­gen Jun­gen.

Zurück bei der Jurte lege ich mich sofort hin, nehme noch eine Parac­eta­mol und schlafe sofort ein. Inzwis­chen fängt es an zu reg­nen. Ich bin heute nicht mehr zu viel zu gebrauchen, esse nur noch ein wenig Ein­topf und frischen Joghurt, dann schlafe ich wieder.

Umzug zur zweit­en Gast­fam­i­lie
Beim Aufwachen geht es mir etwas bess­er als gestern, aber noch immer ist jede Bewe­gung eine Qual. Ich zwinge mich zum Früh­stück zumin­d­est etwas Tee zu trinken. Dann reit­en wir etwa eine halbe Stunde zur näch­sten Fam­i­lie. Es reg­net noch immer leicht, was aber mit Regen­hose und -jacke kein Prob­lem ist. Alex darf wieder alleine reit­en. Mir geht es, sobald ich auf dem Pferd sitze, wieder lei­dlich. Unser Gast­vater der let­zten Fam­i­lie bringt unser Gepäck auf seinem Motor­rad nach. Es stellt sich her­aus, dass er der Schwa­ger unseren zweit­en Gast­vaters ist, denn seine Frau ist die kleine Schwest­er von der Frau unseres zweit­en Gast­vaters. Diese Ver­wandtschaftsver­hält­nisse untere­inan­der klären sich aber erst nach und nach. Nach dem Willkom­mens-Milch­tee und Brot mit But­ter sowie selb­st gemachter Rhar­bar­bar-Marme­lade, spie­len wir mit unserem ersten Gast­vater eine Runde Pok­er. Die erste Runde gewinne ich, die zwei fol­gen­den er. Dann gibt’s Mit­tag und wir gehen danach mit den zwei Jungs unseres neuen Gast­vaters ein wenig nach draßen. Sie ziehen uns von einem Fluss und Tüm­pel zum näch­sten und zeigen uns kleine Fis­che. Wir spie­len mit den Jungs, spritzen uns gegen­seit­ig nass und machen aller­hand Unfug. Die Buben sind am Ende ganz nass und dreck­ig.

Wir kehren wieder in die warme Jurte ein, wo es stets nach saur­er Milch riecht. Die Jungs sind noch nicht aus­ge­lastet und spie­len mit allem das sie find­en. Meine Kam­era, das Knutschekrokodil oder das Taschen­mess­er von Lea. Wir chillen ein wenig und helfen dann etwas beim Kochen des Aben­dessens mit. Ich habe langsam wirk­lich genug von Ham­melfleisch, denn das ganze Essen schmeckt danach. Offen­bar ist es aber kein Prob­lem veg­e­tarisches und sog­ar veg­anes Essen zu bekom­men, denn Lea ist Veg­aner­in. Nudeln, Kartof­feln, Möhren und Kohl sind ver­füg­bar. Zum Früh­stück gibt es frisches Brot, But­ter und Marme­lade. Bei unser­er zweit­en Fam­i­lie sog­ar selb­st gemachte Rhar­bar­bar-Marme­lade. Nach dem Essen treiben wir die Yaks zusam­men, laufen hin­ter ihnen her und rufen laut “Ush” und machen uns dabei groß. Das ist ganz schön anstren­gend. Die weib­lichen Yaks wer­den in ein Gat­ter gefühlt und von ihren Käl­bern getren­nt, dann wer­den sie gemolken. Pro Yak braucht die Haush­er­rin eine bis fünf Minuten. So dauert das so seine Zeit, bei etwa 20 Yaks. Dann ver­suche ich mich am Melken, was gar nicht so ein­fach ist. Bei ihr schaut das so ein­fach aus. Aber ich bekomme nicht mehr als ein paar Spritzer Milch in meinen Eimer und auf meine Klei­dung. Lea und Alex haben noch weniger Erfolg dabei, geben aber schneller auf. Die Zitzen eines Yaks sind ziem­lich kurz, sie fühlen sich warm und glitschig durch die Milch an. Der Haush­err hat 500 Schafe, 300 Ziegen, 50 Yaks und 30 Pferde. Damit ist man gut beschäftigt.
Vor dem Schlafenge­hen treiben sie noch die Ziegen in ein Gat­ter, die Schafe daneben und die Yaks zusam­men. So sind sie in der Nacht von wilden Tieren geschützt. Hier hüten sog­ar zwei Hunde die Tiere und sie sind dabei sehr aufmerk­sam. Zu nahe kann man den Hun­den hier nicht kom­men, sie sind keine Haustiere, son­dern für den Schutz der Tiere als Lebens­grund­lage der Fam­i­lie zuständig. Sie wür­den uns und sog­ar manch­mal die Fam­i­lie beißen.

Jeden Mor­gen und Abend wer­den die Yaks zusam­mengetrieben und gemolken, die Schafe und Ziegen wer­den mor­gens freige­lassen und abends wieder eingetrieben. Tagsüber wird geschaut wo eigentlich die ganzen Tiere verblieben sind, denn hier gibt es keine Zäune, die ihr Wei­dege­bi­et begren­zen wür­den.

Ein­blicke in das Nomaden­leben
Schon am Mor­gen sind die Jun­gen sehr leb­haft und spie­len, sind bald in unser­er Jurte und unter­suchen alles, was sie in die Fin­ger bekom­men kön­nen. Ein­er liebt meine Kam­era, schaut sich immer wieder die Bilder darauf an und knipst sel­ber­fleißig. Beson­ders fasziniert sind die bei­den von den Baikalrobben. Ich glaube sie haben keine Ahnung was das für Tiere sind, ich kann es ihnen aber auch schw­er erk­lären — die Gesten brin­gen sie offen­bar nicht weit­er. Bei unser­er ersten Fam­i­lie sprach unser Gast­vater noch ein wenig Englisch, hier sprechen sie nur noch Mon­golisch.
Dann gibt’s Früh­stück, ich schleckere leck­eren Joghurt mit Marme­lade. Wir gehen baden in dem kleinen Fluss, denn heute strahlt die Sonne wieder vom Him­mel und es ist sehr warm. Zeit sich mal wieder kom­plett zu waschen.

Nach dem Früh­stück bekomme ich das Baby unser­er ersten Gast­fam­i­lie, die zu Besuch da sind, in die Hand gedrückt und gebe darauf acht. Schon ver­rückt, vor kurzem hat­te ich noch nie was mit Babys und Kindern zu tun und nun sehr inten­siv. Das klappt auch ganz gut, zumin­d­est bis der kleine 9-Monate alte Junge mich anpinkelt. Windeln ver­wen­det man hier nicht. Das Baby wird ein­fach nach draußen gebracht um sein Geschäft zu erledi­gen. Das übern­immt dann eine ältere Frau, offen­bar die Groß­mut­ter. Ins­ge­samt kann von Babysicher­heit keine Rede sein in so ein­er Jurte und darum herum. Über­all liegen Mess­er herum, der Ofen ist glühend heiß, den Kopf kann man sich über­all stoßen, Auto­bat­te­rien ste­hen herum. Aber irgendw­er schaut immer auf das Baby auf und so passiert kaum etwas. Selb­st die jun­gen Buben betreuen schon früh die Babys. Dann gibt es Mit­tagessen, dies­mal esse ich fast auf — ich bin stolz auf mich.

Nach dem Essen besteigen wir den kleinen Hügel hin­ter unser­er Jurte, immer­hin eta 1.800m hoch, denn unsere Jurten befind­en sich schon sehr weit oben auf rund 1.600m — sehen von oben die Schafe und Ziegen am Fluss grasen, die Weite der Steppe und der Taiga und den See. Auf dem Weg find­en wir ein totes Schaf, das anscheinend in der Nacht von einem wilden Tier geris­sen wurde. Unser Gast­vater sagt es wäre ein Adler gewe­sen?! Wir kön­nen uns das gar nicht vorstellen.

Am Nach­mit­tag passiert nichts — wir relax­en in unser­er Jurte, spie­len Stadt-Land-Fluss, stre­it­en darüber ob Zypern ein Land ist (ist es wohl!), lesen ein wenig. Alex lässt sich von unserem Gast­vater den Des­til­la­tion­sprozess von Milch­wod­ka erk­lären:

Wie man aus Milch Schnaps macht (von Alexan­der Horn)
Man nehme eine große Schüs­sel mit Milch. Aus dieser Milch wird nach ca. 15 Tagen Joghurt. Dieser Joghurt wird wird dann regelmäßig gestampft um den Gärung­sprozess voranzutreiben. Die Fäss­er lagern in der Mitte der Jurte und man kann zuse­hen wie durch die Gärung Blasen in dem Joghurt­fass auf­steigen. Weit­er erfüllt der gärende Joghurt die Jurte mit einem leicht säuer­lichen Aro­ma. Nach ca. 10 Tagen ist der Joghurt aus­re­ichend gegärt. Nun kommt der span­nende Teil. Über einen klas­sis­chen Des­til­la­tion­sprozess wird nun der durch die Gärung enstandene Alko­hol aus dem “Joghurt” gewon­nen. Dazu wird der “Joghurt” über dem offe­nen Feuer erhitzt um seine flüs­si­gen Bestandteile zu ver­dun­sten. Die Schale befind­et sich in einem Zylin­der welch­er ver­hin­dert, dass der kost­bare Dampf in der Jurte ver­schwindet. Oben auf dem Zylin­der ste­ht eine Schale mit kaltem Wass­er, welche dem Zylin­der von oben abdichtet. Der Milch­schnaps­dampf kon­den­siert nun an der kalten Ober­fläche der Schale und läuft an ihr hinab. Unter der Schale ist im Zylin­der ein Topf aufge­hängt, welch­er den Schnaps auf­fängt. Fer­tig ist unser Milch­schnaps. Er schmeckt leicht säuer­lich und hat ca. 10% Alko­hol. Wenn meine Beobach­tun­gen stim­men, wird er am lieb­sten aus einen 0,2l Glass getrunk­en. Oft auf Ex und gerne auch schon zum Früh­stück. Unser Gast­vater stellt auf diese Weise etwa 60l Milch­schnaps im Jahr her. Zur Ver­an­schaulichung und Nach­machen gibt es auch noch meine detailierten Aufze­ich­nun­gen.   

Erst am Abend kehrt das Leben zurück. Wir fahren mit dem Pick-Up die Schafe suchen, dann gibt es Aben­dessen — wieder extrem ham­melig riechend. Ich kann schon gar nicht mehr hin­se­hen. Ich vergnüge mich lieber mit Joghurt.

Nach dem Essen holen wir die Yaks mit dem Truck, die Schafe und Ziegen fol­gen  von alleine und trudeln alle nach einan­der bei den Jurten ein.  Am Hor­i­zont tauchen langsam weiße, braune und schwarze Fleck­en im Gegen­licht aus, es erschallen “Mähs”, die immer näher kom­men in der staubi­gen Land­schaft.
Wir holen neues Feuer­holz und treiben die weib­lichen Yaks zum Melken ins Gat­ter. Nach ein­er Pause treiben wir die Ziegen ins eine Gat­ter und die restlichen Yalk-Käl­ber ins andere. Die Yak-Käl­ber sind so vor wilden Tieren geschützt und die Yaks ent­fer­nen sich nicht weit von ihnen. Die Ziegen kom­men in ein Gat­ter, weil sie dazu neigen sich weit von den Jurten zu ent­fer­nen, eben­so wie die Yaks, und dann nicht mehr im Schutz der Jurte und der Hunde ste­hen. Schafe hinge­gen ent­fer­nen sich nicht weit von den Ziegen, also bleiben auch sie zur Nacht hier, müssen aber nicht in ein Gat­ter. Sie ste­hen ein­fach um das Ziegen­gat­ter herum.

Wir spie­len noch mit den nim­mer müden Jungs von denen sich der Jün­gere ganz schön unter­but­tern lässt von seinem nur 1 Jahr älteren, sehr frechen Brud­er. Wir schauen auf, dass jed­er Mal Karus­sell mit uns spie­len darf. Gut, dass wir zu zweit sind :)

Kinderge­burt­stag im Rhar­bar­bar­feld und großes Abschieds­ge­lage
Heute hat der größere der bei­den Jun­gen Geburt­stag, aber groß gefeiert wird das nicht. Ver­wandte sind da — die Fam­i­lie des Brud­ers unseres Gast­vaters — und wir fahren mit ihnen in ihrem Bus. Wohin es gehen soll, haben wir nicht ver­standen, nur dass wir uns was zu essen mit­nehmen sollen. Wir fahren bei oblig­a­tor­ish­er Mon­golis­ch­er Musik durch die weite Land­schaft und hal­ten mit­ten im Nir­gend­wo an. Hier find­en wir dann her­aus um was es geht: Rhar­bar­bar pflück­en. Über­all wächst hier wilder Rhar­bar­bar und wir hangeln uns von ein­er Stelle zur näch­sten um die grün-roten Sten­gel abzuschnei­den. Man stelle sich das vor: Rhar­bar­barsam­meln zum Geburt­stag statt Vergnü­gungspark oder was man son­st so an Kinder­s­ge­bursta­gen klas­sis­cher­weise macht. Hier kein Prob­lem.

Wir sam­meln sechs große Säcke Rhar­bar ein und machen dann eine aus­gedehnte Pick­nick­pause, umzin­gelt von Fliegen und Ameisen. Nach der Pause geht der Brud­er vom Haush­er­ren mit einem lusti­gen Hut mit Hasenohren bek­lei­det und mit Flinte auf Ziesel­jagd. Der Rest der Fam­i­lie — die zwei Jungs von uns, zwei ältere Jungs (etwa 12 und 18) und die Mut­ter — pflückt weit­er mit uns Rhar­bar­bar. Wir machen das nochmal drei Stun­den lang. Irgend­wann haben wir ganz schön die Nase voll. Eigentlich soll­ten wir heute eine 20km Rund­wan­derung machen, die aus unbekan­nten Grün­den lei­der aus­fiel. Rhar­bar­barsam­meln ist zwar für eine Weile ganz lustig, aber kein ade­quater Ersatz. Um 19 Uhr hören wir auf und warten nur noch auf den zurück­kehren­den Jäger.
Eine Stunde später erscheint dieser, ohne Jagder­folg gehabt zu haben. Wir haben immer­hin fleißig säck­eweise Rhar­bar­bar gesam­melt. Etwas unzufrieden fahren wir wieder zurück, tre­f­fen dabei auf den blauen Pick­up unseres Gast­vaters, der schon auf der Suche nach uns ist — immer­hin hat er heute mor­gen gesagt, wir seien um 18 Uhr wieder zurück, nun ist es schon 20 Uhr.

Zurück bei den Jurten, wird Feuer im Ofen gemacht — mit Steinen darin, die für ein typ­is­ches Mon­golis­ches Bar­be­cue ver­wen­det wer­den. Eine große Schüs­sel Ham­melfleisch ste­ht bere­it, dazu unver­hält­nis­mäßige Men­gen an Beila­gen: 2 Möhren, 4 Kartof­feln.
Ein großer Wok kommt auf den Ofen, darin Wass­er. Zwiebeln und Fleisch wird dazugelegt und nach und nach die heißen Steine aus dem Ofen. Sie sor­gen dafür, dass das Fleisch sowohl gekocht als auch gegrillt wird. Dazu kom­men die paar Kartof­feln und Möhren, Deck­el drauf und 30 Minuten köcheln lassen. Der Haush­err trinkt schon fleißig selb­st­gemacht­en Wod­ka, der allerd­ings nur etwa 10% hat. Es wird dann aber schnell zu richtigem Wod­ka überge­gan­gen (im Mon­golis­chen “Igis” genan­nt). Als das Essen fer­tig ist, gesellen sich alle Män­ner, die inzwis­chen zu Besuch sind, in unser­er Jurte und schmausen schmatzend das Ham­melfleisch von den Knochen. Dann kom­men die Frauen und Kinder dazu. Es gibt eine gewisse Hier­ar­chie: DIe Män­ner sitzen am näch­sten am Essen und reichen ihren dahin­ter sitzen­den Frauen Fleisch und Wod­ka. Dann erst kom­men die Kinder dran, die ab und an kleine Stücke Fleisch gere­icht bekom­men. Das Geburt­stagskind darf sog­ar am Tisch sitzen und sich direkt Fleisch nehmen. So wird der Geburt­stag doch noch zele­bri­ert — auch wenn die Erwach­se­nen mehr von dem Gelage haben als die Kinder. Das Geburt­stagskind bekommt einen Schul­ruck­sack und Schul­sachen geschenkt und er zeigt alles begeis­tert seinen Ver­wandten. Im näch­sten Win­ter geht für ihn die Schule los und er freut sich sichtlich darauf. Die Alpha­bethisierungsrate in der Mon­golei liegt bei 98%. Unter der Herrschaft der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion wurde Wert auf eine für jeden zugängliche Schul­bil­dung gelegt — mit Erfolg.
Unser Gast­vater muss zwis­chen­durch seine Yaks und Schafe zusam­men­treiben. Als er dazu kommt, gibt es kein Hal­ten im Wod­ka-Fluss mehr. Eine Flasche nach der anderen zaubert er her­vor. Der Abend endet damit, dass Alex unbe­wusst seine Stirn­lampe ver­schenkt, mit ihm auf Brud­er­schaft trinkt und am Ende vom Stuhl fällt. Gut, dass er keine Tochte hat, son­st wäre Alex jet­zt sich­er auch noch ver­lobt. Dem Haush­er­ren geht es allerd­ings auch nicht viel bess­er und wir Frauen haben unsern Spaß dabei ver­ständ­nisvolle Blicke miteinan­der auszu­tauschen.
Zwei jungs und unsre Gastel­tern schlafen bei uns in der Jurte — ich bin mir niht sich­er ob aus Platz­grün­den oder weil er sich nicht mehr weit bewe­gen kann.

Zurück in die Zivil­i­sa­tion
Im Gegen­satz zu Alex ist unser Gast­vater schon früh wieder fit und gut drauf. Ein Gläschen Milschnaps am Mor­gen ist bei ihm schon wieder drin. Nach dem Früh­stück — auf das Alex heute verzichtet — waschen wir uns im Fluss. Dann warten wir auf unser­ern Fahrer, dessen sil­bern­er Suzu­ki bald in der hügeli­gen Land­schaft auf­taucht. Alles geht hier langsamer von stat­ten, genaue Zeit­en nen­nt hier kein­er. Er bekommt erst­mal Speis und Trnk wie es sich gehört, dann ver­ab­schieden wir uns her­zlich von der Fam­i­lie.
Beson­ders ins Herz geschlossen haben wir den jün­geren Sohn der Fam­i­lie, der sehr schüchtern und zurück­hal­tend ist. Ganz anders als sein frech­er Brud­er, der gestern 6 Jahre alt gewor­den ist.
Durch die wun­der­schöne Lan­schaft des Nation­al­parks mit Blick auf den Khövs­göl See fahren wir zurück nach Mörön, wo wir wieder im sel­ben Restau­rant essen — und auch das selbe Gericht :) Dies­mal aber ergänzt durch Cola und Sprite — Luxus der Zivil­i­sa­tion.

An der Bussta­tion warten wir ewig bis unser Bus endlich los­fährt, über eine Stunde später als geplant. Wir machen Pause in einem kleinen Ort mit Restau­rant und kleinen Super­märk­ten. Wir erkun­den in der Zeit ein wenig die Umge­bung und nur wenige Schritte führen uns aus dem Ort hin­aus in die weite Land­schaft. Es begeg­net uns ein junger, net­ter Mon­gole am Stad­trand, der sich mit uns auf Englisch unter­hal­ten möchte. Er wird nach Japan gehen um Inge­nieur zu wer­den. All­ge­mein wollen sich viele Leute mit uns unter­hal­ten, sei es um ein ein­fach ihr Englisch zu trainieren und/oder aus rein­er Neugierde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.