Mongolei: Die goldene Wüste Gobi

Um 9 Uhr startet unser 10-tägiger Trip in die Wüste Gobi. Die Gobi ist sicher­lich das belieb­ste Touris­ten­ziel in der Mon­golei und lässt sich gut mit einem Besuch in der zen­tralen Mon­golei verbinden. Die Wüste ist jedoch das wenig­sten besiedelte Gebi­et der Mon­golei und ein Besuch hier bedeutet Iso­la­tion und Abtauchen. Große Sand­dü­nen, eis­ge­füllte Schlucht­en, Dinosauri­er­fos­silien und Kamele füllen die anson­sten leere und trock­ene weite Land­schaft.

Gestern Abend hat­ten wir eine kleine Ein­führung und uns zusam­men darauf geeignet, den Trip um einen Tag zu ver­längern und um einen Besuch bei den Heißen Quellen zu bere­ich­ern.
Wir sind zu sechst: Neben uns die zwei Por­tugiesen Dio­go und Mario sowie das franzö­sis­che Paar Marie-Line und Benoît. Dazu kom­men unser Fahrer Ulzi und unser Guide und Köchin Mogi.

Wir ste­hen früh auf, weil wir noch vor unserem Trip Zugtick­ets nach Peking kaufen wollen. Der Zug fährt nur Don­ner­stag, Fre­itag und Sam­stag, weshalb wir wieder ein paar Tage in Ulan Bator hät­ten bevor wir weit­er reisen kön­nen. Wir nehmen uns ein Taxi zum Bahn­hof und sind pünk­tlich um 7 Uhr am Schal­ter für inter­na­tionale Tick­ets im 2. Stock. Lei­der sind außer uns nur andere Wartende da, kein­er hin­ter dem Schal­ter, alle Lichter aus, nur der Fernse­her läuft. Irgend­wann kommt eine Dame, die offen­bar hier arbeit­et. Bevor sie sich an den Schal­ter set­zt, zieht sie sich allerd­ings noch gemütlich um und wer weiß was noch. Dann sagt sie uns, dass alle Züge nach Peking im August voll sind, außer dem am 15.08., wo wir allerd­ings noch in der Gobi unter­wegs sein wer­den. Zwis­chen­durch fällt der Strom aus.

Sie sagt wir kön­nen einen Zug nach Erlian auf der chi­ne­sis­chen Seite der Gren­ze nehmen und von dort mit einem Bus weit­er­fahren. Auch dieser Zug fährt nur Don­ner­stag und Sam­stag. Wir stim­men also zu, kön­nen unsere Tick­ets aber auf­grund des Stro­maus­falls nicht aus­druck­en lassen. Also warten wir. Nach etwa 30 Minuten geht der Strom wieder an und wir kaufen unsere Tick­ets für den Abendzug am 20.08. nach Erlian. Das ist schon mal in Sack und Tüten, zum Glück. Wir hat­ten schon befürchtet, dass wir fliegen müssen. Wir haben gestern extra unser Visum für die Mon­golei ver­längert, was nötig war, da der näch­ste Zug erst drei Tage nach unserem Gobi-Trip geht und wir somit unser Visum um zwei Tage über­schrit­ten hät­ten. Eine Anleitung zur Ver­längerung des Mon­golei-Visums find­et ihr hier »

Auf dem Weg in die Wüste Gobi

Wir starten also um 9 Uhr und gehen erst­mal alle zusam­men im Depart­ment Store Super­markt einkaufen. Am wichtig­sten dabei: Wass­er, 3l pro Per­son pro Tag. Denn Wass­er ist in der Wüste Man­gel­ware, wie man sich vorstellen kann. Auch Mogi kauft hier zusam­men mit Bob­by ein, die schaut ob alles seine Ord­nung hat. Die Frau hat wirk­lich stets alles im Blick — jedes Detail und macht alles gle­ichzeit­ig. Eine Pfanne wurde noch vergessen, weshalb wir nochmal zum Hos­tel zurück fahren, dann geht’s los Rich­tung Süden — raus aus Ulan Bator.

Die erste Zeit fahren wir noch auf befes­tigter Straße, dann wird es bald hol­prig, denn es geht nun Off-Road mit unserem kore­anis­chen Istana Minibus weit­er. Viele Pfade kreuzen sich in der leeren Land­schaft, ohne sich hier auszuken­nen hätte man kaum eine Chance den richti­gen zu find­en. Die Land­schaft beste­ht nur aus Steppe soweit das Auge reicht, manch­mal sieht man ein paar Berge, so lässt sie wenig Rückschlüsse zu, die der Ori­en­tierung dien­lich wären. Die Steppe ist ein Tep­pich aus weiß blühen­den Gräsern.

Gegen 13 Uhr stop­pen wir mit­ten in ein­er solchen Step­pen­land­schaft im Nir­gend­wo zum Mit­tagessen. Mogi hat einen mobilen Camp­ingherd mit Gas auf dem sie uns Dumplings mit Reis in Milch kocht. Die Sonne bren­nt herunter und nichts bietet Schat­ten. Einzig der Van bietet etwas Schutz vor der Sonne. Wir mumpfeln unsere Dumpling­suppe, die ziem­lich gut schmeckt. Ich helfe beim Abwaschen, wofür wir einen Wasserkanis­ter haben. Mogi freut sich über meine Hil­fe.

Die Felsen von Baga Gazryn Chuluu

Dann geht’s weit­er — die Land­schaft wird immer fel­siger, die Grasland­schaft weicht ein­er kar­gen Buschveg­e­ta­tion aus der sich Fel­stürme erheben. Wir schlafen immer mal wieder ein, die Hitze macht müde. Aber eine der Fel­s­land­schaften ist wun­der­schön und wir machen kurze Foto­stops. Dann kom­men wir zu den Felsen von Baga Gazryn Chu­luu. Inmit­ten dieser Felsen find­en sich das 200 Jahre alte Kloster Tsor­jin Khureeni Khi­id. Es ist wie eine kleine Oase inmit­ten der staubi­gen Ebene — hier wach­sen schat­ten­spendende Birken.

Wir laufen auf den Felsen umher, lassen uns von der Aus­sicht auf die mit Felsen über­säte Land­schaft beein­druck­en. Die Felsen bilden kleine Schlucht­en und es ist ein­fach wun­der­schön. Vor allem nach der lan­gen Fahrt ist es schön mal etwas zu sehen und sich zu bewe­gen. Ganz in der Nähe gibt es eine Quelle, die mit einem Stein abgedeckt ist. Mit einem langstieli­gen Löf­fel kann man das Quell­wass­er aus dem Loch her­vor­holen, den Ein­heimis­che hier platziert haben.

Zu unseren Jurten für die Nacht sollen es nur noch 5km sein, aber so ganz sich­er scheint sich unser Fahrer Ulzi nicht zu sein wo es nun eigentlich lang geht. Wir fahren einen Pfad ent­lang und kehren dann doch wieder um. Dann ist wohl der richtige Weg gefun­den, der ist aber mit großen Steinen gespickt über die es der Van schw­er hat. Wir steigen alle aus, während Ulzi den Van über die Steine bugsiert. Diese Angele­gen­heit sieht ganz schön wack­e­lig aus, als würde der Bus sich gle­ich auf die Seite leg­en wollen. Aber Ulzi schafft es hinüber und wir kön­nen wieder ein­steigen.

Die erste Nacht in der Gobi

Bald darauf erre­ichen wir das Jur­ten­camp, das wirk­lich mit­ten im Nir­gend­wo liegt. Offen­bar sind wir heute die einzi­gen Gäste hier. Wir brin­gen unser Gepäck in die Jurte und schauen dann zu wie die Stuten zum Melken einge­fan­gen wer­den. Auch sie wer­den von ihren Fohlen getren­nt, die ange­bun­den wer­den, damit die Stuten sich nicht weit ent­fer­nen. Dann wer­den sie mit dem Las­so einge­fan­gen, was gar nicht so ein­fach zu sein scheint. Die Pferde erscheinen ziem­lich wild. Außer­dem haben sie viele Ziegen und einen lieben Hund.

Wir wer­den in die Fam­i­lien­jurte zum Airag-Trinken ein­ge­laden. Wir trinken nur wenige Schlucke um unseren Magen zu scho­nen. Dann gehen wir hin­aus und erfreuen uns an den let­zten Son­nen­strahlen, danach gibt es Aben­dessen — Hüh­nchen­suppe mit erstaunlich viel Gemüse. Mogi kocht her­vor­ra­gend!

Kurzer Stopp in der Zivilisation

Wir wer­den gegen acht zum Früh­stück geweckt. Ich habe lei­der schlecht geschlafen, da mein Bauch weh getan hat und mir übel war, was sich bis in den Mor­gen zieht. Ich verzichte auf das Früh­stück und knab­bere nur ein paar Gurken. Ja, es gibt frische Gurken und Tomat­en um sich ein Sand­wich zu machen! Und ich kann nichts essen :( Alex ver­drückt dafür gle­ich zwei Sand­wich­es.

Die ersten Stun­den im Van ver­bringe ich schlafend bis es mir bess­er geht. Dann kom­men wir in die Stadt Man­dal­gov, wo Ulzi und Mogi Wass­er an ein­er Art Wasser­sta­tion auf­füllen. Es ist eine Art Brun­nen und am Schal­ter sitzt ein Mann, der die Bezahlung ent­ge­gen nimmt. Hier kom­men viele Ein­heimis­che mit ihren Kanis­tern und füllen diese über einen Schlauch auf — wie eine Wasser­tankstelle. Dann gehen wir in den Super­markt und kaufen kalte Cola, Joghurt als Früh­stück für mich und weit­ere Kleinigkeit­en aus der Zivil­i­sa­tion.

Bei Ulzis Familie

Wir fahren weit­er, die Land­schaft wird immer wüstiger. Von weit­em sieht es zwar grün aus, aber eigentlich sind es nur einzelne Gras­büschel im Sand. Wir kom­men bei Ulzis Fam­i­lie an, die ihre Jurte mit­ten in der weit­en Land­schaft haben — und einen großen Bus in dem sie eben­falls wohnen. Ob der noch fährt, weiß ich nicht. Ulzis Fam­i­lie hat viele Kamele, Schafe und Ziegen. So bekom­men wir Kamelmilch­tee gere­icht. Ulzi lebt hier mit sein­er Frau und seinen älteren Töchtern, die ihrer­seits auch schon Kinder haben. Zwei kleine Mäd­chen laufen um uns herum, erst sehr schüchtern, dann langsam auf­tauend.

Vor dem Mit­tagessen bekommt jed­er von uns eine Schale Kamelmilch­wod­ka gere­icht, die wir aus­trinken sollen. Ange­blich gut für den Magen, danach hätte ich keine Prob­leme mehr, bedeutet mir Ulzi. Oh weh. Ein­er der Por­tugiesen trinkt die Schale in drei großen Zügen und muss sich fast übergeben, der arme Kerl. Der Wod­ka schmeckt säuer­lich. Dazu gibt es getrock­nete saure Kamelmilchkekse, die milder und weich­er sind als die vom Yak, aber trotz­dem wirk­lich nicht meine Welt sind. Dann gibt es Essen — das übliche mon­golis­che Fam­i­lienessen: Ham­mel, Möhre, Kartof­fel und Reis. Mein Magen ist nicht begeis­tert, ich beg­nüge mich mit den dazu gere­icht­en Gewürzgurken. Ich kann ein­fach keinen Ham­mel sehen!

Wir schenken den Kindern Mal­s­tifte und ein Heft, worüber sie sich sehr freuen. Es bricht aber auch sofort ein Stre­it aus wer denn nun zuerst malen darf :) Wir ver­ab­schieden uns und fahren weit­er. Bald darauf stellt Benoît fest, dass wir einen Plat­ten haben. Auf dem recht­en Hin­ter­reifen ist kaum noch Luft. Wir hal­ten also mit­ten im Nir­gend­wo und Ulzi macht sich daran den Reifen zu wech­seln. Alle helfen mit den Van ein Stück anzuheben, damit Ulzi den Wagen­heber anset­zen kann. In der Zwis­chen­zeit ver­fol­gen wir eine kleine Eidechse, die wahnsin­nig flink ist, aber sich trotz­dem per­fekt als Foto­mod­ell in Szene set­zt, uns ver­schiedene Gesicht­saus­drücke gebend — von lachend bis böse.

Die Felsklippen Tsagaan Suvarga

Heute ist es sehr heiß, es gibt keinen Schat­ten, wir schwitzen vor uns hin. Man mag sich nicht viel bewe­gen. Wir fahren wieder eine Weile, ich schlafe immer wieder ein. Wir machen noch eine Pause, dann erre­ichen wir die weiß-roten Felsen von Tsagaan Suvar­ga. Diese erodierte Fel­s­land­schaft ist wun­der­schön. Rote Sand­hügel, rot gestreifte weiße Kalk­stein­berge inmit­ten der flachen, ein­töni­gen Land­schaft. Auf­grund ihrer Farbe wird die 60m hohe und über 400m bre­ite Fels­for­ma­tion “weiße Stu­pa” genan­nt. Einst befan­den sich diese Felsen unter dem Meer­esspiegel und es lassen sich Fos­silien und Muscheln find­en.

Man kann stun­den­lang fahren ohne dass sich viel ändert. Der Abstand der Gras­büschel wird größer, der Sand wird rot, son­st ist alles flach bis auf gele­gentliche Hügel in der Ferne. Dann plöt­zlich taucht eine wun­der­schöne Fels­for­ma­tion oder solche Klip­pen wie hier im Nir­gend­wo auf. Wir wan­dern lange herum und bestaunen diese Mond­land­schaft.

Dann fahren wir noch etwa fünf Minuten zu unserem Jur­ten­camp für die Nacht. Dies­mal sind auch andere Grup­pen hier. Wir sitzen das erste Mal draußen beim Essen und bis es Nacht wird. Ein warmer Wind stre­icht uns um die Beine, eine Gobi-Spring­maus besucht uns. Wir unter­hal­ten uns über por­tugiesis­che und griechis­che Poli­tik — Dio­go betra­chtet diese The­men vor allem von der psy­chol­o­gis­chen Seite -, die Mon­golei und andere Län­der sowie über unser aller Lieblings­the­ma: Essen. Dio­go und Mario erzählen von ihrem frechen Hund Sput­nik, ein junger und tauber Dal­matin­er, der aktuell in ein­er kün­st­lerischen Phase ist, da er Stifte find­et und sich und andere damit regelmäßig bemalt. Außer­dem spielt er am lieb­sten mit Plas­tik­flaschen.

Die Kamele klin­geln wie weinende Kinder und begleit­en uns beim Ein­schlafen. Die Nacht ist so warm hier, dass man keine Decke braucht.

Zwischenstation in der Zivilisation

Heute ste­ht nicht viel an. Wir fahren etwa 3,5h in die Stadt Dalan­zadgad inmit­ten der Wüste. Vor allem aber gibt es hier eine Dusche im öffentlichen Bade­haus, worauf wir uns alle freuen. Jed­er fühlt sich kle­brig von der Hitze und eine dünne Schicht Gobi-Staub überzieht unsere Haut. Ganz frisch duften wir sich­er auch nicht mehr.

Wir kom­men zu unserem Hos­tel, das tat­säch­lich Jurten zum Schlafen im umzäun­ten Hof hat — mit­ten in ein­er Stadt im soge­nan­nten Jur­tendis­trikt. Wir richt­en uns ein, essen Mit­tag (erstaunlicher­weise veg­e­tarisch) und pack­en dann Hand­tuch und Waschsachen und fahren ins Bade­haus. Her­rlich, das küh­le Wass­er auf der Haut! Wie wun­der­bar wohl ver­meintlich selb­stver­ständliche Dinge tun kön­nen wenn man sie länger ent­behrt. Dalan­zadgag ist vor allem ein Zwis­chen­stopp bevor man zu den größten Attrak­tio­nen der Gobi auf­bricht: Die großen Sand­dü­nen und die “Flam­menden Klip­pen” von Bayan­zag. Dann kaufen wir neues Wass­er im Super­markt und küh­le Getränke, deren kalte Flaschen vor allem im Nack­en und auf der Stirn gut tun.

Ein Besuch im Krankenhaus

Als wir wieder zurück sind, relax­en wir etwas in unseren Jurten. Alex klagt schon seit dem Mor­gen über Kopf­schmerzen und erst jet­zt bemerke ich wie heiß er ist. Wir messen Fieber — 39°C. Offen­sichtlich ein Hitzschlag, denn er schwitzt nicht, seine Haut fühlt sich abso­lut trock­en an. Ich lege ihm einen nassen Lap­pen auf die Stirn, ein küh­les Getränk in den Nack­en und bedecke ihn mit einem nassen Hand­tuch um ihn zu kühlen, führe ihm kalte Getränke zu. Zwis­chen­durch schaffe ich es ihn auf 38,2°C run­terzukühlen. Bei einem Hitzschlag ver­sagt die Hitzereg­ulierung des eige­nen Kör­pers und dadurch steigt die Kör­pertem­per­atur gefährlich an. Ich tue mein Bestes um ihn zu kühlen und wir warten auf die Rück­kehr von Ulzi, der mit dem Bus zur Werk­statt und zur Tankstelle gefahren ist. Um 20 Uhr gibt es Aben­dessen, dann kommt Ulzi zurück.

Wir fahren mit Mogi und Ulzi zum örtlichen Kranken­haus. Gut, dass wir in ein­er größeren Stadt mit Kranken­haus sind. Wir gehen in das alte Gebäude hinein, sie messen Alex Tem­per­atur (39,2°C) und Blut­druck, dann legt er sich in eines der Bet­ten der Notauf­nahme und wir warten auf die Ärztin. Die kommt recht schnell und unter­sucht ihn. Sie spricht auch ein paar Worte Englisch, fragt ihn wo er Schmerzen hat. Dann redet sie viel Mon­golisch mit Mogi.

Ich mache mir große Sor­gen, Alex ist sel­ten krank — über­haupt ist es sein erster Besuch in einem Kranken­haus über­haupt, das aus­gerech­net im Hin­ter­land der Mon­golei. Dann schreibt uns die Ärztin Medika­mente auf, die wir in der Apotheke besor­gen sollen. Mogi über­set­zt mir, dass Alex eine Halsin­fek­tion hat und einen Hitzschlag, ver­mut­lich kam bei­des zusam­men. Geschwächt durch den Infekt hat sein Kör­p­er die Hitze nicht mehr verkraftet. Wir lassen Alex da und fahren zur Apotheke. Die zweite die wir auf­suchen hat noch geöffnet. Hier bekom­men wir Kochsal­zlö­sung und ein gesamtes Infu­sion­s­set und weit­ere Medika­mente. Die Apothek­erin spricht wieder eine Menge Mon­golisch, ich ver­ste­he nichts. Mogi schreibt die Dosierung für das Antibi­otikum auf. Ich sage als wir Ibupro­fen und Parac­eta­mol bekom­men, dass wir das nicht brauchen, denn wir haben welch­es dabei. Und warum über­haupt bei­des, das behalte ich aber für mich.

Egal, zurück zum Kranken­haus, Platzre­gen fol­gt auf einen Sturm, schnell ins Gebäue. Sie richt­en die Infu­sion ein und leg­en den Zugang. Zwei Flaschen, ins­ge­samt 1l, wir warten zwei Stun­den. Ich sitze neben Alex, der kraft­los im Bett liegt und halte Händ­chen. In der ganzen Aufre­gung habe ich nicht mal ein Buch dabei, aber immer­hin meinen Mp3-Play­er. Nach der ersten Flasche sieht Alex schon wieder deut­lich bess­er aus, er fängt wieder an zu schwitzen und er spricht wieder mehr. Am Ende der zwei Stun­den ist seine Kör­pertem­per­atur nor­mal. Ich bin erle­ichtert. Für die Behand­lung zahle ich 40.000 MNT, für die Medi­zin 46.000 MNT, ins­ge­samt also etwa 40€ für alles.

Ulzi hat die ganze Zeit draußen im Van gewartet, gegen Mit­ter­nacht sind wir zurück. Die anderen schlafen schon.

Die eisgefüllte Geier-Schlucht

Wir ste­hen früh auf, denn heute liegt ein langer Weg vor uns. Alex geht es heute bess­er, ist aber noch geschwächt. In etwa ein­er Stunde sind wir im Tal von Yolyn Am, das eine Schlucht bein­hal­tet in der sich das Eis vom Win­ter bis in den Hochsom­mer hal­ten kann. Eigentlich wurde Yolyn Am zum Schutz der Vögel der Region errichtet — vor allem viele Geier sind hier behei­matet — ist aber nun eher bekan­nt für seine Felsen und engen Schlucht­en.

Vom Ein­gang von Yolyn Am sind es 10km bis zur Schlucht auf schlechter Straße. Aber Ulzi kann es mit allem aufnehmen. Ein­mal steigen wir aus während der den Van einen steilen, etwas matschi­gen Hügel hin­auf manövri­ert. Am Park­platz ange­langt steigen wir aus und laufen etwa 2km in die Schlucht hinein, dem Yol Bach fol­gend. Hier wur­den auch ein Haufen Chi­ne­sen aus­geschüt­tet, die mit Son­nen­schir­men und unpassen­dem Schuh­w­erk den Bach zu queren ver­suchen und sich dabei denkbar blöd anstellen, was schon wieder fast witzig ist.

Drama­tis­che Felsab­brüche tür­men sich über uns auf, während die Schlucht enger wird. Diverse Male muss der Bach über­quert wer­den und an ein­er Stelle ist ein biss­chen Klet­tern nötig. Hier find­en sich jet­zt im August tat­säch­lich noch Eis­reste. Im Win­ter ist das Eis bis zu 10m hoch und reicht bis zu 10km weit. Über uns kreisen die Geier, um uns herum hüpfen Pikas — kleine murmeltierähn­liche Tierchen, die quieken und hop­peln wie Meer­schweinchen. Eigentlich gehören sie zur Fam­i­lie der Hasen. Man kann sie beobacht­en wie sie Gras in ihre Löch­er zer­ren um daraus Heu für den Win­ter zu machen, den sie nicht ver­schlafen. Über­all grünt und blüht es, man­nig­faltige Blüten sprießen am Bachrand — eine wahre Oase in der Wüste. Außer­dem ist hier angenehm kühl und schat­tig, wir tra­gen sog­ar Pullover! Eine echte Wohltat und ein guter Start für Alex nach dem gestri­gen Tag. Ins­ge­samt ist die Schlucht 8km lang, wir laufen nur 2km davon bis zu den Eis­resten. Auch ein paar Ovoos (Stein­haufen) gibt es hier, bewohnt von den all­ge­gen­wär­ti­gen Pikas.

Die Flammenden Klippen von Bayanzag

Wir gehen zurück, raus aus der Quelle des Lebens um zur lebens­feindlichen Wüste bei den Klip­pen von Bayan­zag zu fahren. Auf der Fahrt sehen wir Kraniche und eine Rad­kappe davon­fliegen. Wir kom­men in Bayan­zag an, bei den “Flam­menden Klip­pen”, wo viele der weltweite Dinosauri­er­knochen und -eier gefun­den wur­den. Vor allem aber ist die rote Sand­land­schaft wun­der­schön. Vor blauem Him­mel erheben sich rote Sand­klip­pen, die inmit­ten der leeren Wüsten­land­schaft ste­hen. Mit­ten auf den Klip­pen ist mein Kam­era-Akku leer und ich laufe schnell zurück um ihn zu erset­zen. Mogi und Ulzi wollen eigentlich schon weit­er, weil wir noch eine lange Fahrt vor uns haben. Ich bedeute ihnen, dass die anderen noch auf der Klippe sind und ich nur den Akku tausche. Ich laufe wieder schnell zurück auf die Klip­pen, was erst hin­ter­her seinen Trib­ut fordert. Heute mildert zwar der Wind die Hitze, aber nach wie vor bren­nt die Sonne vom Him­mel. Ultra­ma­rathon in der Wüste? Niemals! Ver­rückt muss man sein! Ich bin von dem kurzen Stück ganz schön fer­tig und muss erst­mal im Schat­ten ruhen bevor ich die Gegend weit­er erkunde. Ich finde Alex und die anderen, wir schauen uns noch ein wenig die Sand­felsen an, dann gehen wir zurück.

Mogi schlägt uns nun vor, dass wir heute hier nächti­gen soll­ten und dafür den zweit­en geplanten Tag am Wasser­fall stre­ichen, da wir heute son­st in Zeit­not ger­at­en. Es sind noch 200km auf schlechter Straße zu den Sand­dün­nen Khon­go­ryn Els, was vier Stun­den Fahrt bedeutet, eventuell sog­ar mehr wenn wir den richti­gen Weg nicht find­en. Bis dahin wird schon dunkel sein, es ist bere­its 16 Uhr, was das Unternehmen unmöglich machen würde. Wir entschei­den zusam­men, dass das eine gute Idee sei — so haben wir auch genug Zeit zum Erkun­den der Sand­dü­nen. Ich hätte mich aber zuvor auch nicht so het­zen müssen. Ich schlage vor, die Zeit zu nutzen indem wir die Klip­pen noch von unten anse­hen, alle stim­men zu. Ulzi hält Auss­chau nach dem Weg nach unten, dann geht’s los. Bald schon bleibt der Van steck­en, die Front des Wagens set­zt in ein­er Kuh­le in der “Straße” auf. Wir steigen aus, glauben nicht, dass er da rüberkommt, zumal der Weit­er­weg nicht eben bess­er aussieht. Aber Ulzi kann alles und manövri­ert den Bus auch hier hinüber. Ich habe das Gefühl es würde an sein­er Ehre als Fahrer zehren, wenn er irgend­wo nicht durch käme. Später erfahren wir, dass Ulzi ein­er der ältesten Fahrer im Touris­mus ist und eigentlich nicht mehr arbeit­et, nur gele­gentliche Fahrten übern­immt. Er hat also viel Erfahrung und schafft denkbar unmögliche Streck­en ohne All­radantrieb.

Dann ste­hen wir vor den Klip­pen und erkun­den sie noch aus dieser Per­spek­tive. Eidech­sen huschen um uns herum, ein Ziegen­schädel liegt im Sand. Es ist heiß und meine Aktion von vorhin hin­ter­lässt Spuren, ich bin erschöpft und mir ist extrem warm. Wir fahren noch etwa 5km bis zu unserem Camp für die Nacht. Hier gibt es das erste Mal in der Mon­golei Mück­en — aus­gerech­net in der Wüste. Nicht weit von uns ein klein­er “Wald” aus windge­beugten Gobi-Bäu­men und ein aus­getrock­netes Fluss­bett. Ver­mut­lich fühlen sich hier die Mück­en wohl. Am Hor­i­zont sehen wir die roten Klip­pen von Bayan­zag, im West­en geht die Sonne unter. Wir ruhen uns aus, essen zu Abend und machen uns bei küh­leren Tem­per­a­turen nochmal auf die Gegend zu erkun­den. Wir stöbern durch die Gobi-Bäume, die ihrer­seits eben­falls auf einem kleinen Sand­ab­bruch ste­hen, wer­den dabei von Mück­en geärg­ert. Ich bekomme Sand ins Auge, irgend­was ist ja immer. Ich ziehe mich in die Jurte zurück, ver­suche verge­blich den Sand aus dem Augen zu spülen, zweck­los. Während drei von uns noch draußen ste­hen und quatschen, liegt der Rest wie erschla­gen in der Jurte. Ich höre den Jungs draußen zu während ich warte, dass der Sand mein Auge ver­lässt. Dann gehen wir schlafen.

Die großen Sanddünen und Regen in der Wüste

Heute haben wir die Fahrt zu den Sand­dü­nen Khon­go­ryn Els vor uns. Es ist kalt und reg­ner­isch, es fühlt sich nicht mehr an als sei man in der Wüste son­dern viel mehr in Schot­t­land oder Island. Wir machen eine Mit­tagspause mit­ten im Nir­gend­wo in der Mogi uns Nudeln und Gemüse mit Rind­fleisch kocht. Wir erkun­den während­dessen die Gegend, ich baue einen Ovoo aus den umliegen­den Steinen. Als wir weit­er fahren, fängt es stark an zu reg­nen und begleit­et uns noch bis zum Ziel an den Sand­dü­nen.

Wir warten eine Weile im Bus darauf, dass der Regen nach­lässt, aber vergebens. Er trom­melt ungerührt weit­er an die Fen­ster­scheiben. Dann treten wir die Flucht nach vorn an — in die Jurte. Wir sitzen etwas frus­tri­ert von dem Wet­ter in der Jurte und trinken erst­mal einen Wod­ka. Von den Sand­dü­nen ist nichts zu sehen. Wir gehen mit der Sit­u­a­tion um indem wir darüber lachen — Starkre­gen aus­rech­net mit­ten in der Wüste! Aber nach 1,5h hört der Regen auf und wir kön­nen endlich die Sand­dü­nen sehen. Die Kamele wer­den für uns geholt und vor­bere­it­et um uns zu den Dünen zu brin­gen. Die nassen Kamele erheben sich schwank­end in die Höhe, erst auf den Hin­ter­beinen, dann vorne — wir schwanken mit. Wir reit­en jew­eils zu dritt — das erste Kamel wird geführt, das zweite und dritte hält jew­eils der Vor­der­mann am Strick, der mit der Kamel­nase ver­bun­den ist. Das sieht nicht eben angenehm für das Kamel aus, es ist sog­ar Blut an der Nase zu sehen. Uns tun die Kamele leid.

Die Land­schaft vor den Dünen ist erstaunlich grün, es gibt kleine Bäume und ein Fluss schlän­gelt sich durch die Umge­bung. Als wir an den Dünen ankom­men, kommt die Sonne her­aus und zaubert eine drama­tis­che Atmo­sphäre mit den dun­klen Wolken im Hin­ter­grund. Wir steigen von den Kame­len, riechen jet­zt selb­st wie eins und haben vor allem alle einen nassen Hin­tern. Wir queren den Fluss über eine große Brücke, die für deut­lich mehr als momen­tane Wasser­massen aus­gelegt ist, und dann gehen wir über sump­fige Land­schaft bis zu den Dünen. Wir erstür­men den ersten Sand­hügel, hin­ter­lassen unsere Fußspuren im feucht­en Sand. Es ist ein Glück, dass es gereg­net hat, denn so sind die Dünen leicht zu besteigen. Der Sand ist hart und rutscht nicht unter uns, auch die Hitze ver­schont uns, die nor­maler­weise weit­eres Besteigen von anderen Hügeln ver­hin­dern würde. So ver­brin­gen wir viel Zeit auf den Dünen, laufen von einem Sandgipfel zum anderen, steigen über jede Route, jeden “Grat” auf der uns gefällt. Die Dünen­land­schaft ist sehr beein­druck­end, das Licht­spiel aus Licht und Schat­ten auf dem Sand ist atem­ber­aubend. Hin­ter den Dünen erheben sich große raue Berge, davor die grüne gar nicht wüste­nar­tige Land­schaft — ein Anblick der Kon­traste.

Schließlich machen wir uns an den Abstieg — ich funk­tion­iere eine Plas­tik­tüte zu einem Schlit­ten um und sause die Hügel hinab. Dabei wird einem der inzwis­chen trock­ene Hin­tern ganz schön heiß :) Faszinierend wie aus diesem ver­reg­neten Tag noch ein Höhep­unkt der Reise wurde. Damit hat kein­er von uns mehr gerech­net. Ich kann mich gar nicht satt fotografieren. Die Sonne geht hin­ter den Dünen unter, der Him­mel leuchtet rötlich.

Wir gehen einen anderen Weg hinab und ste­hen bald vor dem Fluss. Mein Plan war diesen ein­fach bar­fuß zu durch­queren, aber kein­er will mit­machen. Also müssen wir den ganzen Weg bis zur Brücke zurück gehen, dem Flussver­lauf fol­gend. Ich schimpfe ein biss­chen vor mich nicht, da ich das für unnötig halte. Es wird mit­tler­weile dunkel und es beste­ht keine Hoff­nung mehr vor völ­liger Dunkel­heit zurück bei den Jurten zu sein, es ist bere­its halb zehn. An der Brücke schließlich vernehmen wir dann Rufe — Mogi und Ulzi suchen bere­its nach uns. Gut, dass sie da sind, denn ob wir den Rück­weg zur Jurte im Dunkeln gefun­den hät­ten, ist fraglich. So erwies sich die Entschei­dung den Fluss nicht zu queren als die bessere. Der Bus ste­ht nicht weit ent­fer­nt und wir fahren zum Camp zurück, wo es das schon vor­bere­it­ete Aben­dessen gibt. Noch eine Tasse Tee, dann gehen wir ins Bett.

On the Road to Arvaikheer

Wir ste­hen früh auf, denn es liegt eine lange Fahrt gen Nor­den vor uns. Von irgend­woher taucht eine kleine Katze auf, was mich sehr über­rascht und auch erfreut. Ich komme kaum dazu zu früh­stück­en vor lauter Freude über die Katze, dann über das Licht das gold­en über die Ebene und die Dünen stre­icht. Heute ist es immer noch sehr frisch, es heizt sich aber im Laufe des Tages auf. Trotz­dem gut zu ertra­gen mit viel Wind. Wir fahren hin­aus aus der Gobi, dabei noch einige schöne Fels­for­ma­tio­nen passierend. Die Weite und Leere der Land­schaft bre­it­et sich schi­er unendlich vor uns aus, nur hin und wieder taucht eine ein­same Jurte oder eine Ziegen-/Schaf­sh­erde am Hor­i­zont auf. Wir sehen Gazellen über die Steppe galop­pieren, Adler über uns hin­weg fliegen, Ziesel aufmerk­sam die Gegend betra­ch­t­end — aufrecht ste­hend.

Wir machen eine Mit­tagspause in der es von Mogi vor­bere­it­ete Sushi-artige Reis­rollen in See­tang gewick­elt mit Kartof­fel­brei, Gurken und Salat gibt. Die See­tang-Rollen über­lasse ich lieber Alex. Es geht weit­er, es wird immer grün­er um uns herum. Eine weit­ere Reifen­panne fol­gt, dies­mal der linke Hin­ter­reifen. Im Nu hat Ulzi die Reifen gewech­selt und wir kön­nen weit­er­fahren. Wir erre­ichen das kleine Dorf Guchin Us, lassen es hin­ter uns, grün­er und grün­er wird es jen­seits der Straße, Schäfchen­wolken über uns. Dann endlich — eine Teer­straße, nach 8 Stun­den auf hol­pri­gen Wegen. Nach etwa 40 Minuten erre­ichen wir die Stadt Arvaikheer, die nicht ger­ade das ver­sprüht was man Charme nen­nt. Nur ein Zwis­chen­stopp auf der lan­gen Reise nach Nor­den. Wir gehen auf den Markt und in einen Super­markt um unsere Bestände aufzufüllen. Dann geht’s zur zweit­en Dusche unser­er Tour — wie immer her­rlich wohltuend. Sauber und wohlriechend erre­ichen wir nach etwas Suchen unser Jur­ten­camp für die Nacht. Es ist schon spät gewor­den, das Reisen hier braucht eben so seine Zeit. Nur noch Essen, dann Schlafen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.