Nepal: Unterwegs zum Berg aller Berge

Der Everest Base Camp Trek ist einer der beliebtesten Treks in Nepal. Ein Traum vieler Wanderer ist es den Mount Everest so nah zu sehen, aber auch der Anblick anderer hoher Berge wie Lhotse, Nuptse oder Ama Dablam ist eine Reise wert. Das Ziel ist entweder das eher unspektakuläre Base Camp oder der Aussichtspunkt am Kala Pattar, wo sich das Panorama von Everest, Lhotse, Nuptse und Khumbu Gletscher vor den Füßen entfaltet.
Dieser Route zu folgen heißt in die Fußstapfen der großen Bergsteiger wie Sir Edmund Hillary und Reinhold Messner zu treten. Die Wege sind steil und die Höhe ist fordernd für Geist und Körper, denn der höchste Punkt liegt auf 5.545m. Wir werden die nächsten 16 bis 20 Tage hier unterwegs sein. Dachten wir jedenfalls…

1. Etappe: Lukla bis Phakding
2,5h, 200hm hinauf, 50hm hinab

Wir stehen um fünf Uhr morgens auf: Denn obwohl unser Flug nach Lukla erst um 9:20 Uhr geht, wissen wir noch nicht wie lange wir hinbrauchen. Da Taxis noch immer schwer zu bekommen sind wegen des Benzinengpass, müssen wir mit dem öffentlichen Bus fahren. Unser Host bringt uns mit dem Motorrad zur Busstation – einer nach dem anderen. Ich zuerst – die Fahrt ist abenteuerlich durch die engen Gassen auf denen Menschen, Hühner, Hunde und Enten unterwegs sind. Dann stehe ich alleine am Bus, mumpfel meine Banane und gucke zu wie ein Mann seine Enten zum Teich führt. Dann kommt Alex an und wir besteigen den Bus.

Wieder einer dieser kleinen Busse, die alle Leute auf der Fahrt einsammeln und damit hoffnungslos überfüllt werden. Ich schlafe trotzdem ein bisschen bis Alex mich weckt – wir sind beim Flughafen. Wir gehen etwa 10 Minuten zum Domestic Terminal. Die Sicherheitskontrolle geht schnell und winzige Schalter wickeln den Check-in ab. Hier stehen viele Touristen und Trekker, die auf ihren Flug warten – manche davon mit beachtlichen Gepäck. Wir checken ein und der Rucksack den wir aufgeben wird einfach neben den Schalter gelegt von wo aus ihn hoffentlich jemand zum richtigen Flugzeug trägt. Alex Rucksack wiegt 13kg, meiner 8,5kg. Mit den Tickets in den Händen, begeben wir uns zum Gate – es gibt nur eins für alle Flüge.

Wir kaufen noch ein Wasser und warten auf unseren Flug. Dann geht’s los: Ein Bus bringt uns zum winzigen Flugzeug – dem kleinsten mit dem ich je geflogen bin. Auf jeder Seite des Flugzeugs befinden sich je sieben Einzelsitze und hinten nochmal drei. So haben 16 Passagiere plus zwei Piloten und eine Flugbegleiterin Platz. Wir können dem Piloten im Cockpit zuschauen. Ein wenig aufgeregt sind wir ja schon – immerhin soll Lukla einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt sein. Ich habe mir absichtlich vorher keine Videos von der Landung angeschaut. Viel beunruhigender ist, dass sämtliche nepalesischen Airlines auf der schwarzen Liste der EU stehen und das Auswärtige Amt davon abrät sie zu benutzen. Den letzten Unfallgab es allerdings 2008 und das wegen schlechter Sicht. In der Hauptsaison landen hier bis zu 75 Flugzeuge am Tag und das Wetter ist heute gut – also kein Grund sich Sorgen zu machen.

Der Flug verläuft problemlos – nur ein paar Luflöcher zwischendurch. Auf der linken Seite können wir die Berge des Himalayas sehen. Wir haben leider nur noch Plätze auf der rechten Seite erwischt, aber in dem kleinen Flugzeug haben wir dennoch eine gute Sicht auf die schneebedeckten Gipfel. Rechts Terrassenfelder und Hügel, Sonne.

Wir landen azf der kurzen, ansteigenden Rollbahn und steigen hinaus. Von außen betrachtt sieht es auf jeden Fall weit schlimmer aus als es sich von innen anfühlt. Die Rollbahn ist wirklich kurz und wenn man die startenden und landenden Flugzeuge beobachtet, weiß man warum man ein mulmiges Gefühl bekommen könnte. Auch der Start sieht etwas angsteinflößend aus, denn die Rollbahn endet in einem Abgrund, vorne am Felsen. Wir reißen uns von dem Anblick los und gehen in die Stadt hinein.

Hier kann man so ziemlich alles an Outdoor-Ausrüstung oder auch SD-Karten kaufen, falls man was vergessen haben sollte. Es hat aber seinen Preis – für nepalesische Verhältnisse einen hohen, z.B. 80 RS für ein Liter Wasser. Wir kehren bei „Everest Burger“ ein um unser Frühstück nachzuholen – Alex isst einen Burger für 6$, ich einen Pfannkuchen für 3,50$. Ein stolzer Preis. Wasser gibt’s dafür kostenlos aus dem Wasserhahn, das wir in unsere Trinkblasen zusammen mit Chlor-Tabletten füllen, die das Wasser von eventuellen Bakterien reinigen sollen.

Kurz nach 11 Uhr starten wir dann. Lukla besteht aus engen Pflasterstraßen, die durch die von Geschäften gesäumte Stadt führen. Dazwischen Yaks, Hunde, Träger (sowohl für die Touristen als auch Eigenbedarf) und Frauen mit ihren Kindern. Es ist erstaunlich, was manche Träger tragen können. Manche tragen mehrere lange Holzbalken, andere große Platten, wieder andere ungefähr 32l „Sherpa Kölsch“. Rasten funktioniert mit einem Holzstab, der unter den Korb gesteckt wird. Denn absetzen kann man die Körbe nicht, man käme nie wieder alleine hoch. Mit einem breiten Band wird die Last am Kopf befestigt. Kann doch nicht angenehm sein. Am Ende der Stadt passieren wir einen Checkpoint wo unsere TIMS Karten geprüft und wir registriert werden.

Der erste Tag ist einfach – vor uns liegt nur eine kurze Strecke, die größtenteils bergab geht. Als wir Lukla verlassen, geht es zuerst einmal bergab bis wir das Dorf Cheplung erreichen. Schon bald erblicken wir das rauschende Wildwasser des Dudh Kosi Flusses, den wir schon vom Flugzeug ausmachen konnten. Es geht weiter durch Wald bergab bis die große Hängebrücke über den Thado Kosi Khola vor uns auftaucht.

Hier machen wir eine kleine Pause. Wir haben keinerlei Zeitdruck. Wir können den Fels- und Schneegipfel des Kusum Kangru sehen, der schwierigste aller sogenannten Trekkinggipfel. Dabei ist das Wort „Trekking“ jedoch ziemlich irreführend wie ich finde. Es handelt sich tatsächlich zusätzlich um Kletterei in Schnee und Eis mit Steigeisen und Pickel – jedoch an Fixseilen. Vermutich wurden sie so genannt weil sie im Verhältnis zu den sonstigen Gpfeln als leicht einzustufen sind und auch von Nicht-Profis bestiegen werden können. Der 6.367m hohe Kusum Kangru ist auf jeden Fall ein krasser Anblick. Steil fallen die Felswände ab und sind nur teilweise von Schnee bedeckt, wo er sich auf der steilen Ostflanke halten kann. Bestiegen wird der Berg aber von der Nordseite, die wir momentan durch die Wolken nicht sehen können, die aber flacher ist. Sieht auf jeden Fall äußerst reizvoll aus.

Dann geht es bergauf zum kleinen Dorf Ghat, das mit vielen kleine Chörten und Felsen mit tibetischer Schrift versehen ist. Über der Stadt steht eine weiße Stupa mit vielen Gebtsmühlen, die wir alle fleißig drehen. Der Weg führt bergauf an der Stupa vorbei. Wir teilen ihn uns mit Maultieren, Lastenyaks und Trägern. Andere Trekker sieht man gar nicht allzu viele – sicher nur ein Bruchteil vom Vorjahr. Vorteil für uns, aber schlecht für die hier lebenden Menschen, die vom Tourismus abhängig sind. Es folgen wieder ein paar Häuschen – Teehäuser und Lodges, dann erreichen wir unser Tagesziel Phakding.

Wir gehen begauf durch das Dorf auf 2.610m bis ans nördliche Ende über eine weitere Hängebrücke. Hier kehren wir bei der Star Lodge ein, die nicht weit vom Fluss entfernt liegt. Die Übernachtung hier kostet 100 RS (ca. 1$). Wir beziehen unser Zimmer und begeben uns auf die große Terrasse zum Essen. Hier wird’s nun teuer – eine Mahlzeit kostet 4-6$, 1,5l Tee etwa 3-4$. Unser geplantes Tagesbudget liegt bei 20$ pro Person, schauen wir mal. Das Klügste ist es nämlich den gesamten Geldbedarf in Bar mitzuführen, denn Geldautomaten gibt es nur in Namche Bazaar. Es ist uns allerdings schon ein bisschen unwohl umgerechnet 800$ für maximal 20 Tage mit uns herumzuschleppen.

Es ist faszinierend – hier auf 2.610m werden noch Kartoffeln, Mais und Kohl angebaut und an Apfelbäumen hängen kleine Äpfel. Alles ist noch grün, immer mal wieder sehen wir einen Wasserfall. Um uns herum ragen bewaldete „Hügel“ auf.

Wir sitzen noch eine Weile draußen, genießen die Sonne und Lauschen dem Rauschen des Flusses. Dann wird es langsam zapfig und wir gehen hinein in unser Zimmer um dort ein wenig zu relaxen und den morgigen Abschnitt zu studieren. Dann begeben wir uns zum Abendessen – Dhal Bat und Chowmein – und schließlich zeitig ins Bett.

2. Etappe: Phakding bis Namche Bazaar
5h, 1.000hm hinauf, 100hm hinunter

Aus dem Plan früh zu starten wird nichts – wir schlafen bis halb neun, Wir sind die Bummelletzten, aber dafür genießen wir das Frühstück im Sonnenschein. An uns vorbei ziehen ganze Karawanen von Maultieren mit schwerer Ladung. Allein während wir da sitzen, zählen wir 33 Tiere. Diese Maultiere sollen uns heute immer wieder begegnen. Sie transportieren schwer aussehende Säcke und große Gasflaschen.

Wir starten kurz nach 10 Uhr und folgen dem Dudh Kosi Fluss bis zum kleinen Dorf Zamfute. Bald haben wir die Maulesel von heute morgen eingeholt, wir bleiben aber zurück um den Blick auf einen zweistufigen Wasserfall direkt am Wegrand zu genießen. Nun geht es steiler bergauf und wir werden mit Blicken auf den 6.608m hohen Thamserku belohnt. Ich kann mich an seinen steilen Felswänden kaum sattsehen, die sich so pittoresk über dem Fluss erheben.

Ein atemberaubender Anblick. Dann erreichen wir das kleine Dof Benkar auf 2.710m. Nach dem Dorf passieren wir einen weiteren Wasserfall. Der Weg ist so schön! Ich muss immer wieder zum Fotografieren stehen bleiben. So gehen wir wenigstens nicht zu schnell bergauf :) Wir erreichen eine dieser langen Hängebrücken, die über den tosenden Fluss führen. Es geht wieder bergauf und es dauert nicht lange bis wir Monjo erreichen. Nun sind wir wieder auf der Höhe von Lukla angekommen – 2.840m. Es gibt viele Felder hier und auch eine größere Schule. Unsere Maultiere machen hier Mittagspause.

Überhalb von Monjo befindet sich der Eingang zum Sagarmatha National Park. Sagarmatha bedeutet Everest in der Sherpa-Sprache. Hier zahlen wir die Nationalparkgebühr von 3.425 RS pro Person. Sie wurde nach dem Erdebeben drastisch erhöht von 1.000 RS. Hier befindet sich auch eine Tabelle mit den Zahlen der Trekker für jeden Monat der letzten 10 Jahre. Man sieht den Einschnitt seit dem Erdbeben im April diesen Jahres deutlich. Es sind nur noch 1/3 der Mengen vom Vorjahr unterwegs. 16% der Besucher kommen aus Großbritannien, auf Platz zwei steht schon Deutschland mit 9,8%.

Das Besucherzentrum anbei hat ein 3D Modell es Khumbu Himalaya ausgestellt. Der Mt Everest dominiert die Gegend eindeutig. Außerdem erfahren wir etwas über die Flora und Fauna und die hier lebenden Menschen.

Auf 2.000m bis 3.000m finden sich kleine Pandas, Himalaya Scharzbären, ab 4.000m gibt es Pikas, die wir schon aus der Mongolei kennen und auch der Schneeleopard nennt Gefilde von 2.500 bis 5.500m seine Heimat. Das ist durchaus bemerkenswert, denn die Bedingungen über 5.000m sind hart und außer Bakterien, Pilzen und Flechten überlebt nicht viel auf den Felsen und der flachen Erde. Diese Zone wird als Nivale Zone bezeichnet. Ab 4.000m handelt es sich um die Alpine Zone, wo Rhododendrons, Wachholderbüsche und Gräser wachsen, ab 3.000m um die Subalpinen Wald, wo es Birken und Ahorn gibt. 90% der hier lebenden Menschen gehören dem Sherpa Volk an, nicht zu verwechseln mit der Job-Bezeichnung sherpa. Sie sind mit ihren Tieren, Anbauen von Weizen, Kartoffeln und saisonalem Gemüse und seit 1950 – der Öffnung Nepals – vor allem mit Tourismus beschäftigt.

Nach dem Nationalpark Eingang überqueren wir eine weitere Hängebrücke und erreichen das Dorf Jorsale, wo wir eine Mittagspause einlegen. Die Maultiere trotten wieder an uns vorbei während wir uns an Chowmein und Sherpa Stew stärken. Nun beginnt der härteste Teil des Tages, denn es wird steil und noch 600hm liegen vor uns. Zuerst überqueren wir eine Hängebrücke und steigen dann zusammen mit den Maultierkarawanen hinauf. Der Weg führt durch Wald und ist daher angenehm schattig. Denn in der Sonne ist es trotz der Höhe äußerst schweißtreibend. Wir erreichen die Stelle wo Bhote Khosi und Dudh Kosi zusammenfließen und gehen über eine Hängebrücke, die sich in schwindelerregender Höhe befindet. Danach geht es in Serpentinen steil bergauf.

Wir schlängeln uns durch die vielen Maulesel hindurch. Wenn die Tiere laufen sind sie ziemlich flott unterwegs. Allerdings stoppen sie häufig um das Gras zu fressen oder einfach nur zu pausieren wodurch der ganze Zug ins Stocken gerät. Vor allem die hinteren Maultiere sind sehr unmutig und müssen von den Eseltreibern immer wieder angetrieben werden – mit lauten Rufen, Pfeifen oder auch mal einem Stock oder Stein.

Wir müssen aufpassen während wir uns an die Spitze der Karawane kämpfen, denn die Tiere sind nicht zimperlich, was ihre Wegfindungund oder etwaige Hindernisse wie uns betrifft. Wir weichen ihnen aus indem wir jeweils den Weg über die Steine wählen, denn die Maultiere suchen sich stets den einfachsten Weg. So verfliegt die Zeit wie im Flug, neben uns stets das Klingeln der Glocken, die die Tiere um den Hals tragen.

Wir erreichen einen Rastplatz mit Toilettenhäuschen, wo viele Träger rasten. Außerdem kann man hier das erste Mal einen Blick auf den Berg der Berge werfen – den Mt Everest. Rechts daneben erhebt sich der Lhotse. Wir unterhalten uns kurz mit einem Guide, der sagt, dass es nur noch 40 Minuten bis nach Namche Bazaar, unserem heutigen Tagesziel seien. Das klingt gut! Wir laufen los und holen drei Yaks ein, die uns in der Zwischenzeit während unsere kleinen Pause überholt haben. Die Maultiere sind schon wieder vorne weg spaziert.

Nur 20 Minuten später erreichen wir den Polizeicheckpoint wo wir unsre TIMS Karten und Nationalpark-Karten zeigen müssen. Das dauert eine Weile und das erste Mal fragt uns jemand wann wir zurückkommen werden. In unserer TIMS Karte steht noch ein Zeitraum vom 27. September bis 14. Oktober, von unserem zuerst geplanten Zeitraum, den wir aufgrund der Krankheit verschieben mussten. Wir haben extra angerufen und haben gesagt bekommen, das das kein Problem sei und wir keine neue Karte bräuchten.

Schauen wir mal wie das ist wenn wir zurückkommen, was sicherlich nach dem 14. Oktober der Fall sein wird. Außerdem sind wir überrascht als wir einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen. Eine Nachricht von Benoît und Marie-Line! Leider sind sie schon am 5. Oktober weiter nach Thame gegangen – auf dem Weg zu den drei Pässen. Da sind wir gerade erst in Lukla gelandet. Vielleicht sieht man sich ja noch beim Base Camp.

Dann sehen wir die ersten Häuser von Namche Bazaar und müssen noch etwa 10 Mnuten steil in die Stadt hinein laufen. Wir suchen uns auf Gutdünken eine Lodge aus – die Thawa Lodge mitten in der Stadt. Wir kehren hier ein und laufen dann noch ein wenig durch Namche Bazaar, das auf 3.420m liegt. Aufgrund der heute bewältigten Höhenmeter legen wir morgen hier einen Akklimatisierungstag ein.

Namche Bazaar hat zahlreiche Outdoorgeschäfte – eie Dichte, die vergleichbar mit Arco ist. Die Preise sind allerdings gepfeffert. Wasser kostet hier schon 100 RS, eine Rolle Toilettenpapier gibt’s ab 150 RS. Immerhin die Schokoriegel sind hier sogar günstiger als in Thamel. Wir stöbern etwas durch die gepflastetten Straßen und die Geschäfte bevor wir zum Abendessen übergehen. Wir essen ungaublich leckere Kartoffel-Käse-Momos und dann jeweils einen Yak-Burger. Dazu gibt es frischen (!) Minztee. Wir haben uns das richtige Übernachtungslokal ausgesucht! Die Nacht kostet hier 200 RS, was in Manche Bazaar ein Fixpreis ist – für Standard 2-Betträume mit Bad auf dem Gang. Der Deal ist immer, dass man dafür auch die Mahlzeiten in der Lodge einnnimmt, sonst bezahlt man bis zu 2.000 RS die Nacht.

Wir unterhalten uns mit der Wirtin, die vom Erdbeben erzählt. Namche Bazaar hat es glücklicherweise nicht schwer erwischt, aber die Bewohner mussten einen Monat in Zelten außerhalb der Stadt wohnen um sich nicht in Gefahr durch die Nachbeben zu bringen. Einige Dörfer in der Khumbu-Region hat es allerdings schwer erwischt und es steht nicht mehr viel. Bisher sind wir an solchen aber noch nicht vorbeigekommen. Außerdem erfahren wir, dass zweijährlich ein Everest Marathon stattfindet, der von Gorak Shep auf 5.200m bis Tengboche und Namche Bazaar hinunter führt. Dieser ist normalerweise im Frühling, musste aber verschoben werden. Es gibt nur 75 Pläte für nicht Nicht-Nepalesen, aber dieses Jahr liefen nur 29 Leute mit – er hat gestern stattgefunden. Die Gewinner schaffen die Strecke in etwa vier Stunden.


Akklimatisierungstag in Namche Bazaar
Wir schlafen wieder bis acht Uhr – also über 11 Stunden. Unsere Körper brauchen das offenbar. Wir begeben us auf die sonnige Terrasse zum Frühstück und treffen auf zwei Basken, die wir gestern schon in Monjo getroffen haben. Sie sind heute in die gleiche Lodge umgezogen. Der eine ist nun schon anderthalb Jahre mit dem Fahrrad von seiner Heimat aus unterwegs. Sein Ziel ist Japan. Von ihm erfahren wir, dass die Grenze zu Myanmar nun sogar von indischer Seite geöffnet ist. Das klingt sehr interesaant, aber wie sollen wir das alles zeitlich unterbringen? Es ist verrückt, aber ein Jahr ist nicht so lang wie man gemeinhin denkt. Darüber können wir aber noch später nachdenken.

Außerdem schwärmt er vom Iran, ein Reiseland von dem ich schon oft Gutes gehört habe. So verschwatzen wir ziemlich viel Zeit bis wir uns zum Aufbruch auf unsere Akklimatisierungstour vorbereiten. Wir wollen die Sherpa Dörfer oberhalb von Namche Bazaar besuchen, ein 4 bis 5 stündiger Trip mit 460hm. Solche Touren helfen bei der Akklimatisierung und Steigerung der Fitness – wir schlafen ja wieder unten auf der gleichen Höhe wie gestern.

Wir haben gestern Abend von Brotzeit fantasiert und wollen für die heutige Tour Yak-Käse und Brot organisieren. Auf dem gestrigen Weg nach Namche Bazaar sind wir an einem Geschäft vorbeigekommen, das Käse anbietet und wir suchen dieses auf um 300g Yak-Käse zu erwerben. Dann gehen wir in eine der zahlreichen Bäckereien um ein Brot zu kaufen. Das Brot sieht besser aus als es schmeckt, denn wir testen beides gleich. Der Käse ist allerdings hervorragend!

Wir kommen erst nach 11 Uhr los. Wir gehen im Dorf hinauf bis zum Kloster. Die ersten Schritte sind schrecklich anstengend und bringen uns aus der Puste. Wie sollen wir nur den Berg hochkommen? Tatsächlich wird es aber mit der Zeit immer besser. Wir verpassen die richtige Abzweigung hinauf nach Khunde und geraten auf den Weg nach Thame. Wir können den Kurs aber noch korrigieren indem wir mehr oder weniger querfeldein gehen, schmalen Trampelpfaden folgendend, die sich gerne mal im Nichts verlieren. Fantastisch sind allerdings die Ausblicke auf Kongde Ri, Thamserku und bald sogar den Schneeturm vom Ama Dablam (6.856m).

Auch schöne Blicke auf Namche Bazaar mit den dahinter liegenden Gipfeln stehen auf dem Programm. Wir irren ein bisschen durch die Gegend um den richtigen Anstiegsweg wieder zu treffen, dabei stehen uns immer wieder Steinmauern im Weg, die Felder und Koppeln abtrennen. Hin und wieder stoßen wir auf ein grasendes Yak. Schließlich finden wir den Aufstiegsweg und kämpfen uns weiter bergauf. Dann ist mir nach einer Brotzeit mitten am Weg und mit Blick auf den Thamserku und Kongde Ri. Wir essen Brot und Käse und ein Rabe leistet uns Gesellschaft. Er bekommt Brotkümel von uns ab.

Der Felsgipfel vom Khumbila (5.761m) verschwindet in diesem Panorama fast, ist aber trotzdem ein mächtiger Anblick. Wir gehen weiter und erreichen Shyanboche, wo ursprünglich mal Flugzeuge landen sollten. Allerdings kommt hier kein Fugzeug hin. Wir denken schon es geschafft zu haben, aber es liegen noch immer 100hm vor uns und es geht noch weiter hinauf. Der Ama Dablam erscheint bald in seiner ganzen Pracht und wir erreichen den höchsten Punkt an einer Stupa. Von hier können wir nun die Sherpa Dörfer Khunde und Khumjung im Tal unter uns sehen. Dahinter erhebt sich der Khumbila und der Blick reicht weiter zum Ama Dablam und Mt Everest. Ein Wahnsinnspanorama hier oben.

Die Städte selber sind kein architektonisches Meistewerk, denn die meisten Häuser sehen gleich aus: Weiße Steinhäuser mit grünem Dach. Aber der Blick auf die Berge genügt vollkommen um es zu einem wunderschönen Ort zu machen. In Khunde steht das erste Krankenhaus der Khumuregion. Wir queren aber rechts hinüber weil wir sehen wollen ob wir einen Hügel mit kleiner Stupa besteigen können. Leider finden wir jedoch keinen Weg hinauf über die häusergroßen Felsblöcke, die immer wieder Spalten aufweisen und wir gehen hinunter nah Khumjung, wieder einem Trampelpfad folgendend. Wir werden schon beim Abstieg von Kindern gesichtet, die uns entgegeneilen. Tatsächlich gucken wir uns einfach nur an, ich lächel, sie gucken. Überall sind Kartoffelfelder.

Khumjung ist das größte Dorf im Khumbu. Wir gehen durch die Felder zur kleinen Gompa, dem Kloster von Khumjung. Vor dem Kloster und drumherum sind viele Gebetsmühlen und eine Wasserstelle, wo sich neben den Einwohnern auch Yaks ihr Wasser holen. Ein Mönch begrüßt uns und verkauft uns Eintrittskrten für das Innere des Klosters. Mit 250 Rs pro Person ein gesalzener Preis. Aber immerhin kann man im Inneren einen Yeti Schädel begutachten. Nunja, Tets ergaben, dass es sich bei der Kopfhaut um die Haut einer Antilopenart handelt, aber es tut dem Yeti-Glauben keinen Abbruch. Ansonsten gibt es Statuen von Avalokiteshvara, Guru Rinpoche und dem Future Buddha sowie Sakyamuni Buddha.

Wir besuchen die Wasserstelle danach und füllen unsere Trinkblase auf. Dann nehmen wir den zweiten Teil unserer Brotzeit ein während Yaks um uns herum trotten. Dabei haben wir Blick auf Thamserku, Kusum Kangru, Gonghla und Khumbila. Ich habe danach noch immer Hunger, denke aber, dass wir ja nun nur noch den Rückweg vor uns haben. Dann aber nehmen wir den falschen Weg und landen auf einem langen Umweg zurück nach Namche Bazaar statt direkt zu gehen.

Am Ende des Dorfes gehen wir eine Straße hinunter und stellen bald fest, dass wir auf den Weg nach Tengboche stoßen werden – unserem morgigen Tagesziel. Wir folgen diesem Weg nach Namche Bazaar, es stellt sich allerdings als ziemlich weit heraus, da wir um den ganzen Berg herum gehen. Trotzdem werden uns schöne Blicke auf Mt Everest, Lhotse, Ama Dablam und Thamserku gewährt. Es geht immer wieder auf und ab und ich habe kaum noch Energie übrig. Hinter jeder Kurve erwarten wir endlich die Häuser von Namche Bazaar zu erblicken, aber vergebens. Erst ein Snickers verhilft mir zu neuer Kraft.

Dann erreichen wir endlich die ersten blauen Häuser von Namche Bazaar. Nun geht es nur noch bergab hinein in die Stadt. Wir kaufen noch ein paar Schokoriegel und als Luxusgut eine 0,5l Flasche Cola. Wir setzen uns auf einen Stein und teilen uns die Cola. Yaks kommen ganz selbstverständlich die Straße hinauf und wir treffen auf das deutsche Paar, mit dem wir zusammen im Flugzeug nach Lukla saßen. Wir unterhalten uns eine Weile und gehen dann zurück in die Lodge.

Heute gönnen wir uns eine Dusche, was mit 350 RS pro Dusche ein Loch in unser Tagesbudget schlägt. Ich friere dabei ganz schön trotz des heißen Wassers, denn die Umgebungstemperatur ist kalt. Ich muss mich danach schnell in den Schlafsack kuscheln. Dann gehen wir zum Abendessen runter – wieder Kartoffel-Käse-Momos als Vorspeise, dann ein Dal Bhat hinterher. Ich fühl mich endlich mal satt, dazu leckeren Minztee. Mit allem haben wir unser Tagesbudget nun aber um fast 10$ überschritten. Da ich immer noch friere ist die Wirtin so lieb eine Elektroheizung neben mich zu stellen und schon bald ist mir wieder wohlig warm in Kombination mit Tee und Essen.

3. Etappe: Namche Bazaar bis Tengboche
4h, 750hm hinauf, 350hm hinunter

Wir schlafen wie immer lange, frühstücken in der Sonne und machen uns kurz nach 10 Uhr auf den Weg. Wir verabschieden uns von den Basken, die weiter nach Gokyo über die Pässe gehen. Vielleicht sehen wir uns nochmal ganz oben am Base Camp. Den ersten Teil des Weges kennen wir ja schon von gestern, aber heute kann ich die Aussicht auf Everest, Lhotse und Nuptse mehr genießen. Die ersten Schritte auf den Stufen hinaus aus Namche Bazaar sind mal wieder die Hölle, aber es wird besser. Nach Chhorkung geht der Weg immer mal wieder kurz bergauf und bergab, was es weniger anstrengend macht. Rechts von uns tut sich ein steiler Abgrund auf. In Kyangjuma kaufen wir wieder Yak-Käse, hier kostet er allerdings 400 Rs.

Wir erreichen die Abzweigung nach Gokyo, kurz nachdem wir den Trail gestern betreten haben. Nun geht es also in neue Gefilde. Es geht hinunter, erst sanfter – wir machen eine Käse-Pause am Weg – dann steil durch Kiefernwald hinab. Alles was wir hier hinunter gehen, müssen wir auf der anderen Seite wieder hinauf. Also stärken wir uns in Phunki Tenga (3.250m) mit Dal Bhat bevor wir den steilen Anstieg mit 600hm wagen. Vor uns befindet sich wieder eine Hängebrücke, die regelmäßig Träger und Yak-Karawanen überqueren. Bei einem Yakzug dreht sich eins der Tiere mitten auf der Brücke um und es entsteht ein Stau bis alle wieder in Reih und Glied stehen. Dann rennen die Yaks plötzlich die Brücke hinauf und der Führer muss aufschauen nicht umgerannt zu werden.

Das Beste ist aber, dass wir eine zweite Portion Dal Bhat bekommen und zum ersten Mal nicht wissen wo wir das alles hinessen sollen. Wir bekommen nicht nur eine Riesenportion Reis nachgereicht, sondern auch Kartoffeln und Linsensuppe. Wir essen soviel wie geht und sind schließlich ganz schön gemopselt. Dann ist es an uns die Brücke zu queren, danach beginnt wieder der härteste Teil des Tages. Wir kommen an ein paar Gebetsmühlen vorbei, die eigentlich mit Wasser betrieben werden, aber nicht funktionieren. In Serpentinen gehen wir bergauf und es geht uns erstaunlich gut dabei. Wir steigen langsam, aber stetig.

Wir treffen auf drei Sherpa-Frauen, die ihre Rucksäcke den Hang hinauftragen, dabei keinerlei Gebrauch vom Tragesystem des Rucksacks machend. Sie tragen ihn alleine mit ihren rangebastelten Kopfband, offenbar ist es einfach die ihnen angenehmste Art Lasten zu tragen. Wir nutzen zwei der Chautaara (Trägerpausenstellen) um kurze Pausen einzulegen und unsere Rucksäcke abzusetzen. Dabei geraten wir in einen Yak-Stau. Offenbar hat ein Yak Reis verloren und es dauert eine Weile bis die Karawane sich wieder in Bewegung setzt. Wir unterhalten uns ein wenig mit einem von zwei Italienern, denen wir heute immer mal wieder begegnet sind. Sie sind auch auf dem Weg zum Everest Base Camp und tragen ihre eigenen Rucksäcke von denen der des jüngeren Italieners ziemlich schlecht zu sitzen scheint, er schwankt bedrohlich schief über seinem Kopf.

Dann folgen wir den Yaks, die langsam und mit hängenden Zungen hinaufkeuchen. Keine Chance die Tiere zu überholen, die trotz ihrer Plumpheit erstaunlich geschickt hinauf über die Steine klettern. Es ist eigentlich ganz angenehm langsam den Yaks zu folgen, so kommen wir nicht aus der Puste. Auf dem Gepäck der Yaks lesen wir „Ama Dablam Expedition 2015“. Dann erreichen wir eine Stupa, die den Anfang von Tengboche markiert. Wir gehen in das kleine Dorf, das in der Mitte ein Kloster hat. Hinter Tengboche sehen wir die gewaltige Wand des Lhotse aufragen, er erscheint so nah. Der Mt Everest hat es sich allerdings schon in den Wolken gemütlich gemacht.

Wir gehen zur erstbesten Unterkunft direkt am Sattel – dem Himalayan Hotel. Wir bekommen gleich ein Zimmer für 200 Rs und richten uns ein. Es ist richtig gemütlich mit Teppichboden und dicken Decken. Ich wasche meine Socken und Unterhose und mache ein kleines Schläfchen bis wir zum Essen hinunter gehen. Ich bin noch gut vom Dal Bhat heute Mittag gefüllt und auch hier bekommt man wieder soviel Nachschlag wie man will. Wir essen nur Nudeln und einen Sherpa Eintopf, dazu Minztee. Das Hotel erinnert uns an eine Alpenhütte – mit großem, warmen Wirtsraum aus dem das Gemurmel der Gäste dringt.

Akklimatisierungstag in Tengboche
Wir schlafen gar nicht so lange, kuscheln aber noch lange in den warmen Betten. Die Sicht von unserem Fenter ist hervorragend – wir haben ein 180° Panorama auf Kantega, Konge Ri und die Felstürme hinter dem Kloster. Um neun Uhr dringen die Klänge der Klosterzeremonie in unser Zimmerchen. Wir stehen auf und gehen frühstücken – offenbar sind wir mal wieder die letzten, denn es wird schon geputzt.

Wir gehen wieder hinauf in unser Zimmer und packen einen leichten Tagesrucksack. Wir wollen den Aussichtsberg hinter unserem Hotel besteigen. Die Wirtin sagt es soll etwa zwei Stunden hin und zurück dauern. Am Anfang verrennen wir uns mal wieder ein wenig und finden den richtigen Aufstiegsweg nicht. Wir gehen querfeldein durch die Rhododendronbäume hinauf. Das ist ganz schön anstrengend und wir schnaufen hinauf. Oben am Weg angekommen müssen wir erstmal eine Pause machen. Die kleine Stupa, die den Aussichtspunkt markiert, befindet sich noch etwa 300hm über uns. Ebenso wie dunkle Wolken, die drohen sich langsam in die Sicht zu schieben – den Kantega haben sie schon verschluckt und gerade knabbern sie am Lhotse.

Wir gehen weiter hinauf und der Weg wird anspruchsvoller – immer wieder gilt es Felsen zu überklettern was sich auf der Höhe einem Hillary Step gleich anfühlt. Mir geht oft die Puste auf über 4.000m aus und wir müssen immer wieder stehenbleiben und ausruhen. Diese Akklimatisierungsmärsche sind stets herausfordernd. Die Vegetation ändert sich und wir erreichen die Baumgrenze auf ca. 4.000m, danach wachsen nur noch Büsche, dann nur noch Gräser und flaches Gestrüpp.

Mittlerweile haben uns auch die Wolken erreicht und verdecken jegliche Sicht – nur Tengboche kann man noch unter uns sehen. Wir erreichen den Gipfel und nun stehen wir komplett in den Wolken – aber auf 4.210m. Wir sind trotzdem zufrieden. Wir warten noch ein wenig auf bessere Sicht, aber nur ein Stück Kongde Ri und ein Stück eines anderen Schneegipfels guckt kurz hervor, dann ist alles wieder grau. Auch einen Blick in den schwindelerregenden Abgrund auf der andere Seite in das Flusstal etwa 800hm unter uns ergibt sich kurz. Es ist erfrischend kühl. Nach einer Weile machen wir uns an den Abstieg. Wir haben kalte Finger, aber der Abstieg geht so flott und ohne Anstrengung, dass wir nur die Hälfte der Zeit als für den Aufstieg brauchen, der eine Stunde in Anspruch genommen hat. Die Wolken hängen tief bis nach Tengboche hinunter.

Wir gehen in die Tengboche Bakery, wo jeder sich ein großes Stück Kuchen aussucht – Alex einen Schokoladenkuchen, ich einen Apfelkuchen. Das ist neben einem Riegel am Gipfel unser Mittagessen für heute. Dann ziehen wir uns zurück in unser Zimmerchen und ruhen wieder ein bisschen, denken außerdem über unsere weitere Reiseplanung nach. Eigentlich wollen wir noch ins Annapurna Gebiet und in den Dschungel von Chitwan, aber alles wird so knapp und jedes Land hat soviel zu bieten, dass ein Jahr bei weitem nicht ausreicht. Es würde vielleicht gerade so bis Neuseeland reichen. Es ist ein bisschen frustrierend.

Also lassen wir das und gehen hinaus zur Tengboche Gompa, wo täglich um 9, 13 und 16 Uhr eine Zeremonie stattfindet. Wir gehen hinein und setzen uns zu den anderen Zuschauen an den Rand. Die Religion in der Khumbu Region ist hauptsächlich Buddhismus aufgrund der Völker, die sehr tibetnah sind. Die buddhistischen Mönche hier machen Musik mit langen Alpenhorn-ähnlichen Blasinstrumenten sowie Flöten, Becken und einer großen Trommel. Dazwischen sprechen sie gemeinsam Mantras, die wie ein Singsang anmuten, dann sprechen alle durcheinander Gebete.

Zum Ende der Zeremonie setzen sie gelbe Hüte mit einer Art roten Irokesen auf während sie musizieren. Dazwischen läuft ein Mönch und füllt immer wieder ihre Teetassen mit Yakbuttertee auf. Ein weiterer Mönch mit einem roten Hut, vermutlich der Lama hier, wenn auch recht jung, steht vor einer Art Altar und segnet verschiedene bunte bergförmige Gegenstände, die er dann hinausträgt. Dies wiederholt sich dreimal während der Zeremonie. Wir wünschen uns wir würden mehr verstehen was hier passiert. Der Tempel selbst ist mit zahlreichen Thangkas und bunten Wandgemälden dekoriert. Es brennen Butterkerzen und Räucherstäbchen. Die Zeremonie dauert etwa 50 Minuten.

Wir gehen wieder hinaus, drehen einige Gebetsmühlen und bewundern die Verzierungen im Eingangstor. Viele verschiedene Gottheiten sind hier in bunten Reliefs abgebildet. Wir kehren zurück ins Hotel und begeben uns bald darauf zum Abendessen. Wir essen jeweils zwei riesige Portionen Dal Bhat, dazu den obligatorischen Minztee. Wir genießen die Wärme im Wirtsraum und reflektieren den Tag.

4. Etappe: Tengboche bis Dingboche
3h, 580hm hinauf, 70hm hinunter

Wirschaffen es heute tatsächlich einmal schon um 9 Uhr loszugehen. Wir folgen dem Weg hinter der Bäckerei hinein in Rhododendronwald. Es geht erstmal bergab bis wir das Dorf Debuche erreichen. Wir statten dem buddhistischen Nonnenkloster einen Besuch ab, aber das Innere ist zerstört und es wird fleißig gebaut.

Heute ist die Sicht wieder gut und wir haben wunderschöne Sicht auf den Ama Dablam, der immer näher kommt. Wir kommen an zwei Stupas mit Buddha Augen vorbei, dahinter ragt der Ama Dablam auf, darunter rauscht das Wildwasser des Imja Khola. Wir bringen auch die Baumgrenze hinter uns und nur noch Büsche säumen den Weg, zusammen mit Gräsern und blauen Blumen. Eine Horde Yaks rennt an uns vorbei den Berg hinunter. Ohne Gepäck sind sie echt schnell.

Es geht berauf bis nach Pangboche, wo wir wieder die Höhe von Tengboche erreicht haben. Kurz nach Pangboche zweigt der Weg zum Ama Dablam Basecamp ab. Diese Saison sind schon Kletterer dort und es wäre sicher interessant die Atmosphäre dort zu erleben. Es ist von hier nur ein Tagesmarsch mit 600hm zum Ama Dablam Base Camp.

Wir steigen langsam, aber stetig weiter nach Shomare. Dabei kommen wir an einem großen Wandgemälde von Guru Rinpoche an den Felsen vorbei. Nun geht es wieder hinauf bis auf eine staubig-sandige Hochebene auf der nur noch vereinzelt Büsche wachsen. Viele Pfade schlängeln sich durch haushohe Felsblöcke bis wir ein Häuschen erreichen auf dem Orsho steht. Eigentlich haben wir in Orsho eine Mittagspause geplant, aber außer diesem einen Haus sehen wir kein weiteres. Wir kommen an die Brücke über den Imja Khola und offenbar kommt hier kein Orsho mehr. Macht nichts, wir haben maximal noch eine Stunde vor uns.

Wir überqueren die Brücke und legen uns dann in die Sonne, essen einen Riegel und pausieren. Wir haben es uns hinter einem Stein gemütlich gemacht, damit der kalte Wind uns nicht erreicht. Dann machen wir uns an den letzten Aufstieg. Wir gehen am Fluss hinauf. Es ist nicht steil und der Weg ist ausgetreten, sodass sich gut einem langsamen Gehrhythmus folgen lässt, der uns nicht aus der Puste bringt und nicht so anstrengend ist. So langsam haben wir den Dreh raus und solange der weg einfach ist, funktioniert der Rhythmus. Hinter uns kommt wieder eine tiefe Wolkenfront, die die Berge hinter uns schon verschluckt hat. Schauen wir mal wer schneller ist.

Tatsächlich brauchen wir nur 20 Minuten bis nach Dingboche. Wir laufen bis in die Mitte der Stadt und kehren in der Yak Lodge ein. Die Unterkunft kostet nichts, aber wie immer ist die Bedingung hier zu essen. Wieder haben wir schöne dicke Decken auf unseren Betten.

Wir gehen hinüber ins Restaurant und essen jeweils eine Sherpa Stew, dazu gibt’s Milchtee. Die Portionen sind groß.

Dann wollen wir noch einen Spaziergang machen, denn es ist erst kurz vor drei Uhr. Wir gehen bis ans Ende des Dorfes und noch ein Stück weiter bis zu einem Wiese mit vielen Bouldern am Flussufer. Dazwischen grasen Yaks. Wir erklettern ein paar der einfachen Felsen. Sicht haben wir leider keine, denn die Wolken haben alles verschluckt. Wir können kaum bis zu den Häusern von Dingboche sehen. Nur ab und an tut sich mal ein kleines blaues Loch auf. Die Wolken ziehen ziemlich schnell durch die Ebene.

Wir gehen zurück und sehen einige junge Yaks durch die Gegend hüpfen. Ein Mann treibt gerade seine Yaks heim und sie können ganz schön schnell den Berg hochrennen wenn sie wollen. Man möchte nicht im Weg eines rennenden Yaks stehen :) Wir gehen durch die einfachen Steinhäuser und Kartoffeläcker zu unserer Lodge. Dingboche ist ein ganz einfacher Ort und eine Alternative zu Pheriche, was sich 130m niedriger befindet, wo die meisten Trekker übernachten.

Hier oben ist es wärmer aufgrund der geschützteren Lage. Als wir zurück sind, sehen wir zwei junge Leute Wasser am Bach filtern. Jeder nutzt ein anderes System – einer hat eine Wasserpumpe, die andere einen UV-Filter um das Wasser zu reinigen. Sieht aufwendig aus. WIr werfen nur zwei Chlortabletten in unsere Trinkblasen und 30 Minuten später ist das Wasser trinkbar. An den Nebengeschmack gewöhnt man sich schnell. Es ist leicht, billig und einfach. Man benötigt auch keine Battereien wie bei anderen Systemen. Sie haben vor über den 5.535m hohen Kongma La Pass zu gehen – ein alternativer Weg nach Lobuche, aber anspruchsvoll. Es handelt sich um eine neunstündige Wanerung mit 800hm über den hohen Pass. Alex und ich haben ebenfalls über diese Variante diskutiert, aber letztlich dagegen entschieden. Ich wäre gerne gegangen, aber Alex ist das zu gruselig ohne Guide. Vielleicht auf dem Rückweg…

Die kleine Gruppe hat auch keinen Guide und außerdem den Akklimatisierungstag in Namche Bazaar weggelassen, welcher obligatorisch ist. Auch den alternativen in Tengboche haben sie nicht eingelegt. Die Quittung bekamen sie heute morgen und haben Diamox genommen – ein Medikmanet, dass bei leichten Symptomen von AMS helfen soll – und immerhin in Dingboche pausiert. Besonders schlau klingt das jedoch nicht – kein Beispiel für uns. Genau das ist oft das Problem: Die Leute überschätzen sich, meinen es ginge ihnen gut und gehen mehr und schneller als geplant und dann rafft es sie mit Höhenkrankheit dahin.

Wir gehen in unser Zimmer und beobachten Yaks, die durch den Garten rennen. Wir gehen nur noch Abendessen und treffen dabei wieder auf das deutsche Paar mti dem wir im Flugzeug saßen. Sie war heute fast oben am Berg hinter der Stadt, dem Nangkartshang, und schwärmt von der Aussicht auf Seen, Gletscher und Gipfel. Ihrem Mann geht es allerdings schlecht, er hat was mit dem Magen und weiß noch nicht ob er weitergehen kann. Das muss schrecklich ärgerlich sein, aber es ist auch gefährlich wenn der Körper schon geschwächt ist, reagiert er empfindlich auf äußere Umstände wie Höhe. Bei Alex konnte man das mit dem Hitzschlag in der Gobi ja gut sehen.

Täglich fliegen hier soviele Helikopter durch das Tal, die alle kranken Trekker ausfliegen, es sind bestimmt bis zu fünf Stück pro Tag. Eine ganze Menge. Wir drücken jedenfalls die Daumen, dass es ihm morgen besser geht. Wir gehen zeitig ins Bett. Aufgrund der Wolken will ich morgen früh raus um gute Sicht bei der Akklimatisierungstour zu haben.

Akklimatisierungstag in Dingboche
Ich wache früh auf, aber der Blick aus dem Fenster um halb sechs verspricht nichts Gutes. Die Wolken hängen tief hinunter. Ich warte noch eine Stunde, aber es tritt keine Besserung ein. Ich gehe hinaus,a ber nichts ist von den Bergen zu sehen. Also tue ich es Alex gleich und schlafe noch einmal. Gegen neun Uhr ist es dann besser, kurz kann man ein paar Berge inklusive dem Island Peak sehen und die Sonne kann sich urch Wolkenlöcher kämpfen. Wir essen Frühstück, heute eine Sherpa Stew, denn immerhin ist es schon eher ein Brunch als ein Frühstück.

Wir packen unseren Tagesrucksack und machen uns auf den Weg, denn wir wollen auf den Nangkartshang (5.083m),zuminedst soweit wie wir kommen un Lust haben. Der Weg geht direkt hinter der Yak-Lodge auf den Berg und er ist gut ausgetreten. Er teilt sich in viele Pfade auf, sodass wir einen nicht allzu steilen Weg hinaufwhlen können. Das steigen geht heute sehr gut, wir können unserem Rhythmus folgen. Schon bald stehen wir auf dem Bergrücken über Dingboche und können den morgigen Weg sowie ein paar grasende Yaks sehen.

Wir treffen auf einen Iren, der alleine unterwegs ist. Wir schnacken eine Weile über den Trek zum EBC und Wanderungen im Allgemeinen. Er sagt er sei der vielleicht langsamste Trekker auf diesem Weg, er ist ziemlich entspannt. Er macht wie wir langsam und legt alle Akklimatisierungstage ein, die sich empfehlen. Sehr sympathisch und witzig ist er auch. Wir verabschieden uns und steigen weiter.

Die Wolken werden immer dichter, allerdings habe ich noch Hoffnung auf Besserung weiter oben. Über den Wolken zu sein wäre genial. Aber auf unserem Weiterweg sieht es nicht danach aus. Wir kommen sehr gut voran und auf dem Weg sammeln wir schnell Höhenmeter. Die Sicht wird aber immer schlechter und als es dann auch noch anfängt zu schneien, beschließen wir die Umkehr auf 4.900m. Ich bin enttäuscht, ich habe mich so auf die umfassende Sicht gefreut. Kann man nichts machen, wir kehren um. Es schneit weiter leichte Flöckchen und wir steigen mit ihnen zusammen rasch nach Dingboche ab. Auch hier ist der Schnee angekommen. Ich möchte jetzt nicht auf einem Pass sein. Hoffentlich wird es morgen besser.

Wir ziehen uns in den Gastraum der Lodge zurück und machen Momo-Frustessen. Später begeben wir uns auf die Suche nach Yak-Käse und werden auch fündig. Wir kaufen gleich 500g, denn wir wollen an unserem Ziel ein Käsefestmahl abhalten. Wir verbringen den Rest des Tages mit Gammeln und Lesen. Vor unserem Fenster tanzen Schneeflöckchen. Der Ofen im Gastraum bietet am Abend ein warmes Plätzchen um das sich alle versammeln. Wir essen und gehen dann ins Bett. WIr brauchen allerdings ewig zum Einschlafen. Ob sich schon die Höhe bemerkbar macht?

5. Etappe: Dingboche bis Dughla (inklusive Sidetrip auf den Nangkartshang)
2h, 300hm hinauf plus Sidetrip 3h, 700hm hinauf

Gestern hat uns der Wirt gesagt, dass heute gleich schlechtes Wetter wie gestern angesagt ist. Aber als wir die Äuglein aufschlagen, sehen wir blauen Himmel und draußen Lhotse, Island Peak und Peak 38. Wir beschließen den Nangkartshang nochmal anzugehen und danach zu unserem Tagesziel weiterzugehen wohin es nur zwei Stunden sind. Wir frühstücken und vereinbaren zum Mittagessen zurück zu sein und dann auszuchecken. Ich bin ganz ungeduldig und freue mich auf die zweite Chance. Kurz nacch 10 Uhr brechen wir auf und gehen auf schnellstem Weg auf den Bergrücken zu den Stupas hinauf. Es fällt mir heute etwas schwerer als gestern, aber wir kommen trotzdem gut voran – alle 15 Minuten schaffen wir 150hm.

Wir haben immer wieder schöne Blicke auf Lhotse, Island Peak und Ama Dablam, aber zwischendurch nehmen uns auch Wolken die Sicht und alles ist so grau wie gestern – mit dem Unterschied, dass die Sonne stets durch die Wolken dringt und uns den Rücken wärmt. Bald sind wir wieder an der Stelle von gestern angelangt auf 4.912m und wir sehen dass es zum Gipfel gar nichtmehr weit ist. Nur noch 150 Höhenmeter trennen uns von ihm. Die letzten Höhenmeter werden steiler und es ist anstrengend.

Es kommen uns zwei Wanderer entgegen, die verkünden, dass es nur noch 20 Minuten bis zum Gipfel seien und die Ausicht fantastisch sei – Juhu! Die letzten Meter haben es allerdings nochmal in sich – es gilt über Felsen zu kraxeln was es viel anstrengender macht als wenn man seinem Rhythmus folgen kann. Wir müssen immer mal wieder verschnaufen – um uns herum Wolkenwände. Leider sieht es am Gipfel nicht besser aus – 360° Panorama auf Wolken. Wir sind trotzdem froh es geschafft zu haben und rasten am mit Gebetsflaggen gesäumten GIpfel. Es geht laut Karte noch weiter hinauf bis auf 5.650m und weitere Felsgipfel, aber sobald ich mal einen Blick durch die Wolken erhasche sieht es nach zackigen Felsentürmen aus, die sogar den Jubiläumsgrat in den Schatten stellen. Die Wolken geben nur hin und wieder kleine Fenster frei durch wir Bergteile sehen können.

Wir warten noch etwas, zwei Wanderer mit Guide kommen noch hinauf, aber es tritt keine Besserung ein,also begeben wir uns auf den Abstieg. Dabei sehen wir kurz nochmal Ama Dablam bevor wir in die Wolken eintauchen. Der Abstieg geht dann flott und nach 45 Minuten stehen wir wieder unten. Die Wolken reichen bis hinunter nach Dingboche, wir finden dennoch den direkten Weg zur Yak-Lodge. WIr begegnen den zweien, die uns vom Gipfel entgegen gekommen sind. Offenbar waren wir nur Minuten zu soät dran, denn sie sagen die Sicht bei ihnen sei kristallklar gewesen! So ein Mist. Wir essen Mittag,packen unsere Sachen und verabschieden uns. der Wirt empfiehlt uns die Yak Lodge in Dughla, die sein Sohn betreibt. Er war unglaublich nett und hat immer gelacht. Sehr empfehlensert, vielleicht kommen wir auf dem Rückweg vom Base Camp nochmal vorbei.

Nun liegen noch etwa 300hm bis nach Dughla vor uns. Die meisten gehen durch bis nach Lobuche, aber das verdoppelt beinahe die empfohlenen Höhenmeter pro Tag auf dieser Höhe mit 600hm und die Himalayan Rescue Association empfiehlt trotz der kurzen Strecke hier Rast zu machen. Daran halten wir uns. Beim Mittag haben wir einen Deutschen getoffen, der auf drei (!) Tage und ohne Akklimatisierungstage von Lukla hierher gekommen ist und das trotz Guide. Er hat sich nicht im Geringsten mit Höhenkrankheit beschäftigt und hat seinen Guides vertraut was man im Normall ja auch tun können sollte. Wozu hat man denn einen?

Wir klären ihn auf und er macht große Augen. Immerhin mit dem Erfolg, dass er darüber nachdenkt den morgigen Tag hierzubleiben. Wenn es mehr Leute wie ihn gibt, wundert uns die Anzahl der Hubschrauber nicht mehr. Er hält sich für sehr fit und rühmt sich viel Sport zu machen, was aber rein gar nichts mit der Akklimatisierungsfähigkeit zu tun hat. Der Körper braucht einfach Zeit sich an den mangelnden Sauerstoff anzupassen. Dieser liegt auf 4.500m immerhin nur noch bei 57% im Vergleich zum Meeresspiegel.

Gerade den fittesten passiert es wohl am häufigsten AMS zu bekommen, weil sie sich überschätzen und mehr Strecke pro Tag zurücklegen als gut für sie wäre, denn sie fühlen sich ja gut und können noch locker ein paar Stunden weiter gehen. Gerade bei Everest Base Camp Trek verlockend, wo manche Tage nach zwei bis drei Stunden Gehen schon beendet sind. Genau deshalb halten wir uns strikt an die Vorgaben.

Um nach Dughla zu gelangen, müssen wir wieder den Bergrücken mit den Stupas erklimmen. Wegen der mangelnden Sicht in den dichten Wolken verpassen wir aber die richtige Abzweigung und landen auf einem anderen Weg, der mehr oder weniger wild durch die karge Landschaft führt – etwa 100hm unter dem eigentlichen Weg. Aber die Richtung stimmt und unter uns rauscht der Fluss mit dem Weg von Pheriche aus, wo alternativ zu Dingboche Halt gemacht werden kann. Es fängt wieder leicht an zu schneien. Außer dem Flussrauschen herrscht eine tiefe Stille um uns herum.

Der Weg steigt hinauf und wir beschließen querfeldein zu gehen um auf den offiziellen Weg zu treffen, der sich nur 50hm über uns befinden muss. Wir finden ihn auch schnell – er ist deutlich ausgetretener als die dünnen Trampelpfade zuvor. Wir gelangen nach Dusa, einer Art Geisterstadt mit wenigen traditionellen tibetischen Steinhäusern. Hier wohnt allerding offenbar niemand. Durch die Wolken stapfen wir durch die verlassenen Gemäuer und es ist fast unheimlich in dieser Nebelandschaft, die alles verschluckt. Kurz darauf begegnen wir den ersten Wanderern aus der Gegenrichtung – endlich etwas Leben! Unter uns können wir hin und wieder den Trail von Pheriche ausmachen und ein paar Wanderer und Yaks, die auf ihm hinauf steigen und sich bald mit unserem Weg vereinigen.

Plötzlich sehen wir die Häuser von Dughla aufragen und die Brücke, die über einen Gletscherfluss führt. Auf einmal reißen die Wolken auf und geben die Sicht auf Taboche und Cholatse frei – Felswände, die wir schon den ganzen Tag hätten sehen sollen. Die Sonne kommt hervor, ein Pferd galoppiert uns entgegen und wir erreichen Dughla (4.620m) auf der anderen Seite der Brücke. Hier gibt es nur zwei Lodges, viel wurde in einer Flut von 2007 zerstört. Wir kehren in die empfohlene Yak Lodge ein und gehen dann rasch wieder raus um die Aussicht und Sonne zu genießen.

Ich flitze den Hügel hinter der Lodge hinauf und da steht die gewaltige Felswand von Taboche und Cholatse vor mir, Ama Dablam und Kantega recken ihre Gipfel über die Wolken. Die Sonne geht gerade hinter dem Gipfeln unter. Ein Wahnsinn! Damit hätte heute keiner von uns mehr gerechnet. Ich kann mich gar nicht sattsehen obwohl es sehr kalt wird so ohne Daunenjacke und Handschuhe. Wir können uns einfach nicht von diesem Anblick losreißen. Dingboche und alles darunter liegt immer noch in den Wolken. Wir sehen der Sonne beim Verschwinden zu, bestaunen die steilen Felswände von der unmöglich zu besteigenden aussehenden schmalen Spitze vom Cholatse und gehen dann hinein um uns aufzuwärmen.

Der Ofen wird gerade erst angeheizt und wir verziehen uns vorerst unter unsere dicke Decken im Zimmer bis wir zum Abendessen wieder auftauchen – uns am warmen Ofen wärmend. Herrlich! Wir sind zufrieden mit dem Tag, aber auch erschöpft vom vollen Programm und den hinter uns gebrachten Höhenmetern. Wir waren heute immerhin so hoch wie nie zuvor und haben dieses Geschenk von einer Aussicht am Abend gehabt, was so unerwartet kam und deshalb um so süßer war.

6. Etappe: Dughla bis Lobuche
1,5h, 300hm hinauf

Wieder lassen die Höhenmeter nicht mehr als eine kurze Etappe zu. Die Sicht am Vormittag ist hervorragend – klar stehen Taboche und Cholatse vor uns. Gegen neun Uhr machen wir uns auf den Weg. Zuerst geht es 200hm steil eine Moräne hinauf. Wir steigen zusammen mit einem jungen Russen mit einem Haufen Kamera-Ausrüstung hinauf. Er spricht kaum Englisch, aber wir bekommen heraus, dass er aus Krasnojarsk kommt und der Rest seiner Gruppe wegen AMS Symptomen absteigt. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Kamm, wo viele Steindenkmäler an verlorene Bergsteiger und Sherpas erinnern. Darunter ein Denkmal für Scott Fischer, einem Bergführer, der in der Katastrophe von 1996 umgekommen ist, die John Krakauer in seinem großartigen Buch „In eisige Höhen“ beschreibt. Die von Rob Hall und Andy Harris finden sich weiter oben in Gorak Shep, wo wir morgen ankommen werden.

Von links kommt der Weg von Gokyo über den Cho La Pass herunter. Wir folgen nun dem Gletscherfluss über die Moräne sanft bergauf. Es wird kalt, denn die Sonne verabschiedet sich hinter den Wolken. Die Sicht auf Pumori (7.165m) und weitere Gipfel ist jedoch gut. Wir gehen auf dieses wahre Bergamphitheater zu und erreichen die Häuser von Lobuche. Es gibt vielleicht sechs Lodges hier und sonst nicht viel mehr. Wir beziehen unser Zimmer und während Alex sich zu einem Schläfchen hinlegt, gehe ich nochmal hinaus.

Es ist noch nicht viel los hier, nur ein paar Träger kommen hinauf und ich sehe mich um. Dann setzt plötzlich wieder Schnee ein. Harte kleine weiße Kugeln, schon fast Hagel schüttet es stark vom Himmel, was aber auch nicht lange anhält. Wir gehen zum Essen hinunter und plötzlich ist der Gastraum voller Leute. Wir kräftigen uns und treffen einen Deutschen, den wir schon in Dingboche angetroffen haben. Wir unterhalten uns ein wenig und schauen dem Schnee vor dem Fenster zu, der erneut hernieder stürmt. Jonas macht Freiwilligenarbeit in einer Schule in Kathmandu und macht gerade „Ferien“ davon indem er den Trek wandert.

Wir gehen nochmal gemeinsam hinaus um das italienische Forschungszentrum mit dem griffigen Namen EV-K2-CNR zu besuchen. Es befindet sich etwa 20 Minuten nördlich am Weg nach Gorak Shep. Wir laufen leicht bergan bis ein Schild die Abzweigung zur „Italian Pyramid“ verkündet, der Spitzname der Station. Es schneit wieder etwas und als wir ankommen sieht die Station geschlossen aus, aber die Türen sind angelehnt. Also rufe ich ein bisschen und tatsächlich kommt ein Nepali heraus, der uns die Pyramide von innen zeigt. Mitten in dieser von Gletschern und schroffen Felsen geprägten Landschaft steht eine Glaspyramide. Die Station wurde 1990 errichtet um die exakte Höhe von Mt. Everest und K2 zu ermitteln. Heute wird die Station dazu vewendet die Seen und Gletscher zu vermessen, Wetterdaten aufzunehmen und vieles mehr. Wir spenden noch eine Kleinigkeit für die Erdbebenopfer der Region, wofür hier gesammelt wird.

Als wir rauskommen hat der Schnee nachgelassen und auch die Sonne zeigt sich wieder ein bisschen. WIr gehen hinüber zum Bergkamm, der uns vom Khumbu Gletscher trennt und ersteigen diesen. Von hier haben wir einen ersten Blick auf den Khumbu Gletscher, der sich talwärts schiebt. Unter dem Schotter tritt an vielen Stellen in allen Farbtönen das Eis hervor. Kleine Gletscherseen dazwischen von türkisgrün bis grau-weiß gefroren. Dahinter ragt die Felswand vom Nuptse auf, frisch gepudert vom Neuschnee der letzten Tage. Der Boden hier ist bewachsen mit Mini-Rhododendron, Büschen, Flechten und Moosen, Edelweiß und sogar kleinen Pilzen. Ich kann mich gar nicht sattsehen, trotz der Kälte, die mir in die Glieder fährt, überall gibt es etwas zu entdecken. Man kann über den Bergkamm Richtung Lobuche zurück laufen um noch mehr Gletschersicht zu genießen, dann gehen wir wieder die ca. 150hm nach Lobuche hinunter um es uns im Gastraum gemütlich zu machen.

Unfreiwilliger Pausentag in Lobuche
Alex hat sich die Nacht mit etlichen Toilettengängen um die Ohren geschlagen. Offenbar räumt ihn irgendwas durch. Wir beschließen also heute hier zu bleiben und es auszubaden um morgen weiter nach Gorrak Shep zu gehen. Mir geht es gut und ich breche nach dem Frühstück zu einer Tour auf den Berg hinter Lobuche auf.

Die Sonne lacht und es ist herrliche klare Sicht. Ich steige hinter den Lodges hinauf, mir meinen Weg zwischen karger Vegetation bahnend, die aber doch von gelb-braun-orange bis rot und blau recht farbenprächtig ist. Ich schnaufe hinauf und stehe bald auf der ersten Erhebung von wo aus ich die Häuser von lobuche unter mir sehe und Blick auf Khumbu Gletscher, Nuptse und Lhotse habe. Nördlich erhebt sich ein schroffer Felsgipfel auf die ein steil aussehender Weg hinauf führt. Ich sehe ein paar Wanderer oben.

Zuerst will ich auf die zweite Erhebung und auf die andere Seite schauen. Und der Anblick bietet eine schöne Überrschung – zwei grün schimmernde Seen finden sich hier, dahinter ein steiler Felsabbruch. Noch weiter dahinter erheben sich Cholatse und Tangboche. Ich sauge den Anblick in mich auf, verschnaufe. Dann begebe ich mich weiter hinauf mit dem Ziel des Felsgipfels. Ich quere zum Berg hinüber und über große Felsen zum Aufstiegsweg, der sich weiter nördlich befindet. Ich kann Leute sehen, die gerade den Rückweg antreten.

Ich schnaufe den steilen Weg hinauf, immer mal wieder stehenbleibend und das Panorama genießend. Ich begegne zwei Gruppen von Wanderern, die mit ihrem Guide am Gipfel waren und die bester Laune angesichts dieses schönen Tages sind. Ich bin’s auch. Ich klettere weiter hinauf, immer mal wieder über große Felsblöcke und der Mt Everst rückt langsam in Sicht, denn er versteckt sich etwas hinter dem Nuptse. Der Khumbu Gletscher zieht sich wie ein graues Band davor entlang, unterbrochen von verschiedenfarbigen Seen – einer davon ganz blau. Zwischendurch unterbreche ich meinen Aufstieg, weil ein Helikopter naht, der in Lobuche zur Landung ansetzt und bald wieder abhebt. Offenbar wurde wieder jemand abtransporiert. Die einzige Rettung bei schwerer Höhenkrankheit hier oben. Da hatte ich noch keine Ahnung, was uns am nächsten Morgen blüht.

Das letzte Stück zum Gipfel führt über blanken Fels und ich lasse die Stöcke zurück um dort hochzukraxeln. Oben befindet sich ein perfekter Aussichtspunkt – ein Felser mit Steinmanndl bietet ein schönes Plätzchen für einen 360° Blick. Es hängt halb frei über einem Abgrund und ist so fotogen wie man es sich nur wünschen kann. Ich bin auf 5.218m und überbiete damit fast täglich meine Höhenrekorde. Ich sitze lange hier, schaue, fotografiere – kann mich nicht losreißen. Ich verbringe über eine Stunde hier oben.

Ich bin ganz alleine, es herrscht Stille um mich herum. Nur einzelne Raben fliegen über mich hinweg, die Eisriesen stehen wie stille Zeugen zum Greifen nah. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen Dann mache ich mich langsam an den Abstieg, der schnell von statten geht. So mühsam die Aufstiege auf dieser Höhe auch sind, die Abstiege fühlen sich gleich Fliegen an. Ich erreiche wieder Lobuche und suche Alex auf, der im Bett liegt. Es geht ihm schon besser und ich erzähle ihm von meinen Abenteuern. Wir gehen Mittagesen und vertrödeln den restlichen Tag. Ich lese, nötige Alex viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und wir freuen uns über jede Stunde ohne Toilettengang. So vergeht der Tag ohne weitere Highlights.

Die Evakuierung
Alex hat die ganze Nacht nicht schlafen können und klagt am Morgen über Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwanken und allgemeine Schwachheit. Er muss runter vom Berg. Doch wie? Die Nacht über hat es kräftig geschneit und überall liegt eine Schicht Neuschnee. Wir überlegen ob er in der Lage ist die drei Stunden bis nach Pheriche abzusteigen, wo sich ein Krankenhaus befindet. Doch angesichts seiner körperlichen Schwäche und dem rutschigen Schnee ist das eher aussichtslos.

Ich frage den Wirt wie wir am besten verfahren können, ob es ein Pony gibt, das Alex hinunterbringen könnte. Aber es gibt nur eine Lösung: Der Helikopter. Er holt einen Mann dazu, der in Kontakt mit den Airlines steht und er erklärt uns das Prozedere, fragt ob wir versichert sind. Sind wir glücklicherweise über den DAV, dessen Bergrettungsversicherung weltweit gilt. Ich kann es gar nicht fassen wie schnell alles ging. Wie sehr der Durchfall Alex Körper geschwächt haben muss, sodass es nur diese eine Lösung geben soll.

Draußen scheint die Sonne, der Schnee glitzert, der Atem von Yaks kondensiert in der Luft. Es ist wunderschön. Und nun müssen wir diesen Ort verlassen, herausgerissen aus diesem Traum einer Berglandschaft – nur vier bis fünf Stunden vom Ziel entfernt. Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen. Aber es geht nicht anders.

Wir packen unsere Sachen und 1,5 Stunden später landet der Helikopter auf dem Hügel bei Lobuche. Alles ist so surreal, es fühlt sich an wie im Traum. Wir steigen ein und heben ab, sehen den höchsten Berg der Welt vom Hubschrauber aus, fliegen den ganzen Weg, den wir uns 10 Tage hinauf gekämpft haben in einer halben Stunde zurück – über Tengboche, Namche Bazaar und Phakding. Wir landen in Lukla, wo wir erstmal nicht wissen wie es weiter geht.

Wir werden in eine Lodge beim Flughafen gesetzt, bekommen Tee. Alex geht es auf dieser Höhe schon etwas besser, aber er kann noch immer nicht einschlafen, obwohl er total fertig ist. Eine Gruppe Inder sitzt hier, die mit dem Helikopter einen Bergrundflug unternommen haben. Dann kommt jemand und sagt uns, dass derzeit das Wetter auf dem Flug nach Kathmandu sehr schlecht ist und es deswegen noch etwas dauert bis ein Helikopter kommt, der uns nach Kathmandu weiterbringt.

Nach etwa zwei Stunden geht es dann weiter und wir steigen in den zweiten Hubschrauber. Das Wetter hier ist noch sehr gut, aber schon bald sehen wir die dicke dunkle Wolkenfront über den Bergen nach Kathmandu. Wir müssen über einen Pass fliegen, aber das ist gar nicht so einfach. Die Wolkendecke hängt tief über dem Pass und der Helikopter hat nicht viel Platz zum Durchfliegen. Der Pilot versucht es, aber die Thermik ist gegen ihn. Die Winde treiben uns weg. Er versucht es also über einen anderen Pass, was dann auch klappt. Regentropfen klatschen gegen die Frontscheibe.

Der Flug ist ungemein gruselig. Ich sitze vorne neben dem Piloten, Alex vegetiert hinten vor sich hin. Ich habe schon ein bisschen Angst in diesem Unwetter. Aber dann haben wir die Berge hinter uns gebracht und es scheint wieder die Sonne. Die Häuser von Kathmandu kommen in Sicht und wir landen auf dem Flughafen, wo uns ein Krankenwagen erwartet. Er bringt uns ins SWACON Krankenhaus in Kathmandu, wo alles weitere geregelt wird.

Der Krankenhausaufenthalt
Alex ist komplett dehydriert wie sich herausstellt, und das trotzdem er sicher sechs Liter Flüssigkeit am Vortag zu sich genommen hat plus Elektrolyte. Er bekommt Infusionen mit Elektrolyten und allem möglichen. Noch immer kann er nicht einschlafen, es gelingt ihm erst in der Nacht. Ich kann im Zimmer übernachten, es gibt einen kleinen ausklappbaren Sessel zum Übernachten. Wir haben auch einen Fernseher und schauen die ganze Zeit „Animal Planet“, einen Sender, der die ganze Zeit Tierdokumentationen zeigt.

Zwei Nächte müssen wir hier insgesamt verbringen. Offenbar wurde Alex Körper durch den Durchfall und den entstandenen Flüssigkeitsverlust, der auf der Höhe ohnehin schon enorm ist, so geschwächt, dass die Höhenkrankheit Chancen hatte zuzuschlagen und dann alles vorbei war. Alle möglichen Tests werden gemacht, bevor Alex wieder entlassen werden kann. Wir sollen in ein paar Tagen zur Nachuntersuchung vorbeikommen.

Insgesamt macht das Krankenhaus einen guten Eindruck. Ein Einzelzimmer mit Fernseher, jegliches Essen kann bestellt werden, gute und freundliche Betreuung. Besser als man es als Kassenpatient in deutschen Krankenhäusern hat. Aber medizinisch muss ich zweifeln. Alex bekommt gleich mehrere verschiedene Antibiotika in die Venen – weiß der Teufel was das alles ist. Ein Rundumschlag soll halt helfen. Eine Wahl des Krankenhauses hat man allerdings nicht, allerdings kommen alle, die mit dem Helikopter runtergeholt werden in diesem Krankenhaus, das auf Reise- und Höhenmedizin spezialisiert ist, an.

Das größte Abenteuer im Krankenhaus ist, dass nur wenige Zeit nach unserer Ankunft im Krankenhaus zwei Männer vor uns im Krankenzimmer stehen und die 8.500 $ für den Helikopterflug haben wollen. Sie gehen auch nicht eher als bis die Rechnung bezahlt ist was angesichts von Kreditkartenlimits gar nicht so einfach ist. Vermutlich hätten wir das auch direkt über die Krankenkasse abrechnen können bzw. über den DAV, ebenso wie die Krankenhausrechnung, aber man ist so unter Druck und mit den Gedanken ohnehin woanders, dass man soweit in dem Moment nicht denkt. So müssen wir es hinterher bei der Versicherung einreichen. Man kann sich sogar bei der Deutschen Botschaft registrieren, die die Kosten vorerst übernimmt, aber das haben wir vor dem Trek natürlich vergessen. Mit sowas rechnet man ja auch nicht.

Da immernoch Benzinkrise herrscht, die nun noch schärfer grassiert, gibt es kaum Taxis. Kurzerhand fährt uns der Krankenwagen zu unserem Hostel in Bhaktapur, wo wir am 17. Oktober ankommen.

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