Nepal: Unterwegs zum Berg aller Berge

Der Ever­est Base Camp Trek ist ein­er der beliebtesten Treks in Nepal. Ein Traum viel­er Wan­der­er ist es den Mount Ever­est so nah zu sehen, aber auch der Anblick ander­er hoher Berge wie Lhotse, Nuptse oder Ama Dablam ist eine Reise wert. Das Ziel ist entwed­er das eher unspek­takuläre Base Camp oder der Aus­sicht­spunkt am Kala Pat­tar, wo sich das Panora­ma von Ever­est, Lhotse, Nuptse und Khum­bu Gletsch­er vor den Füßen ent­fal­tet.
Dieser Route zu fol­gen heißt in die Fußstapfen der großen Berg­steiger wie Sir Edmund Hillary und Rein­hold Mess­ner zu treten. Die Wege sind steil und die Höhe ist fordernd für Geist und Kör­p­er, denn der höch­ste Punkt liegt auf 5.545m. Wir wer­den die näch­sten 16 bis 20 Tage hier unter­wegs sein. Dacht­en wir jeden­falls…

1. Etappe: Luk­la bis Phakd­ing
2,5h, 200hm hin­auf, 50hm hinab

Wir ste­hen um fünf Uhr mor­gens auf: Denn obwohl unser Flug nach Luk­la erst um 9:20 Uhr geht, wis­sen wir noch nicht wie lange wir hin­brauchen. Da Taxis noch immer schw­er zu bekom­men sind wegen des Ben­zi­neng­pass, müssen wir mit dem öffentlichen Bus fahren. Unser Host bringt uns mit dem Motor­rad zur Bussta­tion — ein­er nach dem anderen. Ich zuerst — die Fahrt ist aben­teuer­lich durch die engen Gassen auf denen Men­schen, Hüh­n­er, Hunde und Enten unter­wegs sind. Dann ste­he ich alleine am Bus, mumpfel meine Banane und gucke zu wie ein Mann seine Enten zum Teich führt. Dann kommt Alex an und wir besteigen den Bus.

Wieder ein­er dieser kleinen Busse, die alle Leute auf der Fahrt ein­sam­meln und damit hoff­nungs­los über­füllt wer­den. Ich schlafe trotz­dem ein biss­chen bis Alex mich weckt — wir sind beim Flughafen. Wir gehen etwa 10 Minuten zum Domes­tic Ter­mi­nal. Die Sicher­heit­skon­trolle geht schnell und winzige Schal­ter wick­eln den Check-in ab. Hier ste­hen viele Touris­ten und Trekker, die auf ihren Flug warten — manche davon mit beachtlichen Gepäck. Wir check­en ein und der Ruck­sack den wir aufgeben wird ein­fach neben den Schal­ter gelegt von wo aus ihn hof­fentlich jemand zum richti­gen Flugzeug trägt. Alex Ruck­sack wiegt 13kg, mein­er 8,5kg. Mit den Tick­ets in den Hän­den, begeben wir uns zum Gate — es gibt nur eins für alle Flüge.

Wir kaufen noch ein Wass­er und warten auf unseren Flug. Dann geht’s los: Ein Bus bringt uns zum winzi­gen Flugzeug — dem kle­in­sten mit dem ich je geflo­gen bin. Auf jed­er Seite des Flugzeugs befind­en sich je sieben Einzel­sitze und hin­ten nochmal drei. So haben 16 Pas­sagiere plus zwei Piloten und eine Flug­be­glei­t­erin Platz. Wir kön­nen dem Piloten im Cock­pit zuschauen. Ein wenig aufgeregt sind wir ja schon — immer­hin soll Luk­la ein­er der gefährlich­sten Flughäfen der Welt sein. Ich habe mir absichtlich vorher keine Videos von der Lan­dung angeschaut. Viel beun­ruhi­gen­der ist, dass sämtliche nepale­sis­chen Air­lines auf der schwarzen Liste der EU ste­hen und das Auswär­tige Amt davon abrät sie zu benutzen. Den let­zten Unfall­gab es allerd­ings 2008 und das wegen schlechter Sicht. In der Haupt­sai­son lan­den hier bis zu 75 Flugzeuge am Tag und das Wet­ter ist heute gut — also kein Grund sich Sor­gen zu machen.

Der Flug ver­läuft prob­lem­los — nur ein paar Luflöch­er zwis­chen­durch. Auf der linken Seite kön­nen wir die Berge des Himalayas sehen. Wir haben lei­der nur noch Plätze auf der recht­en Seite erwis­cht, aber in dem kleinen Flugzeug haben wir den­noch eine gute Sicht auf die schneebe­deck­ten Gipfel. Rechts Ter­rassen­felder und Hügel, Sonne.

Wir lan­den azf der kurzen, ansteigen­den Roll­bahn und steigen hin­aus. Von außen betra­chtt sieht es auf jeden Fall weit schlim­mer aus als es sich von innen anfühlt. Die Roll­bahn ist wirk­lich kurz und wenn man die star­tenden und lan­den­den Flugzeuge beobachtet, weiß man warum man ein mul­miges Gefühl bekom­men kön­nte. Auch der Start sieht etwas ang­ste­in­flößend aus, denn die Roll­bahn endet in einem Abgrund, vorne am Felsen. Wir reißen uns von dem Anblick los und gehen in die Stadt hinein.

Hier kann man so ziem­lich alles an Out­door-Aus­rüs­tung oder auch SD-Karten kaufen, falls man was vergessen haben sollte. Es hat aber seinen Preis — für nepale­sis­che Ver­hält­nisse einen hohen, z.B. 80 RS für ein Liter Wass­er. Wir kehren bei “Ever­est Burg­er” ein um unser Früh­stück nachzu­holen — Alex isst einen Burg­er für 6$, ich einen Pfannkuchen für 3,50$. Ein stolz­er Preis. Wass­er gibt’s dafür kosten­los aus dem Wasser­hahn, das wir in unsere Trinkblasen zusam­men mit Chlor-Tablet­ten füllen, die das Wass­er von eventuellen Bak­te­rien reini­gen sollen.

Kurz nach 11 Uhr starten wir dann. Luk­la beste­ht aus engen Pflaster­straßen, die durch die von Geschäften gesäumte Stadt führen. Dazwis­chen Yaks, Hunde, Träger (sowohl für die Touris­ten als auch Eigenbe­darf) und Frauen mit ihren Kindern. Es ist erstaunlich, was manche Träger tra­gen kön­nen. Manche tra­gen mehrere lange Holzbalken, andere große Plat­ten, wieder andere unge­fähr 32l “Sher­pa Kölsch”. Ras­ten funk­tion­iert mit einem Holzstab, der unter den Korb gesteckt wird. Denn abset­zen kann man die Körbe nicht, man käme nie wieder alleine hoch. Mit einem bre­it­en Band wird die Last am Kopf befes­tigt. Kann doch nicht angenehm sein. Am Ende der Stadt passieren wir einen Check­point wo unsere TIMS Karten geprüft und wir reg­istri­ert wer­den.

Der erste Tag ist ein­fach — vor uns liegt nur eine kurze Strecke, die größ­ten­teils bergab geht. Als wir Luk­la ver­lassen, geht es zuerst ein­mal bergab bis wir das Dorf Chep­lung erre­ichen. Schon bald erblick­en wir das rauschende Wild­wass­er des Dudh Kosi Flusses, den wir schon vom Flugzeug aus­machen kon­nten. Es geht weit­er durch Wald bergab bis die große Hänge­brücke über den Tha­do Kosi Kho­la vor uns auf­taucht.

Hier machen wir eine kleine Pause. Wir haben kein­er­lei Zeit­druck. Wir kön­nen den Fels- und Schneegipfel des Kusum Kan­gru sehen, der schwierig­ste aller soge­nan­nten Trekking­gipfel. Dabei ist das Wort “Trekking” jedoch ziem­lich irreführend wie ich finde. Es han­delt sich tat­säch­lich zusät­zlich um Klet­terei in Schnee und Eis mit Steigeisen und Pick­el — jedoch an Fix­seilen. Ver­mu­tich wur­den sie so genan­nt weil sie im Ver­hält­nis zu den son­sti­gen Gpfeln als leicht einzustufen sind und auch von Nicht-Profis bestiegen wer­den kön­nen. Der 6.367m hohe Kusum Kan­gru ist auf jeden Fall ein krass­er Anblick. Steil fall­en die Fel­swände ab und sind nur teil­weise von Schnee bedeckt, wo er sich auf der steilen Ost­flanke hal­ten kann. Bestiegen wird der Berg aber von der Nord­seite, die wir momen­tan durch die Wolken nicht sehen kön­nen, die aber flach­er ist. Sieht auf jeden Fall äußerst reizvoll aus.

Dann geht es bergauf zum kleinen Dorf Ghat, das mit vie­len kleine Chörten und Felsen mit tibetis­ch­er Schrift verse­hen ist. Über der Stadt ste­ht eine weiße Stu­pa mit vie­len Gebtsmühlen, die wir alle fleißig drehen. Der Weg führt bergauf an der Stu­pa vor­bei. Wir teilen ihn uns mit Maultieren, Las­tenyaks und Trägern. Andere Trekker sieht man gar nicht allzu viele — sich­er nur ein Bruchteil vom Vor­jahr. Vorteil für uns, aber schlecht für die hier leben­den Men­schen, die vom Touris­mus abhängig sind. Es fol­gen wieder ein paar Häuschen — Tee­häuser und Lodges, dann erre­ichen wir unser Tagesziel Phakd­ing.

Wir gehen begauf durch das Dorf auf 2.610m bis ans nördliche Ende über eine weit­ere Hänge­brücke. Hier kehren wir bei der Star Lodge ein, die nicht weit vom Fluss ent­fer­nt liegt. Die Über­nach­tung hier kostet 100 RS (ca. 1$). Wir beziehen unser Zim­mer und begeben uns auf die große Ter­rasse zum Essen. Hier wird’s nun teuer — eine Mahlzeit kostet 4–6$, 1,5l Tee etwa 3–4$. Unser geplantes Tages­bud­get liegt bei 20$ pro Per­son, schauen wir mal. Das Klüg­ste ist es näm­lich den gesamten Geldbe­darf in Bar mitzuführen, denn Gel­dau­to­mat­en gibt es nur in Nam­che Bazaar. Es ist uns allerd­ings schon ein biss­chen unwohl umgerech­net 800$ für max­i­mal 20 Tage mit uns herumzuschlep­pen.

Es ist faszinierend — hier auf 2.610m wer­den noch Kartof­feln, Mais und Kohl ange­baut und an Apfel­bäu­men hän­gen kleine Äpfel. Alles ist noch grün, immer mal wieder sehen wir einen Wasser­fall. Um uns herum ragen bewaldete “Hügel” auf.

Wir sitzen noch eine Weile draußen, genießen die Sonne und Lauschen dem Rauschen des Flusses. Dann wird es langsam zap­fig und wir gehen hinein in unser Zim­mer um dort ein wenig zu relax­en und den morgi­gen Abschnitt zu studieren. Dann begeben wir uns zum Aben­dessen — Dhal Bat und Chowmein — und schließlich zeit­ig ins Bett.

2. Etappe: Phakd­ing bis Nam­che Bazaar
5h, 1.000hm hin­auf, 100hm hin­unter

Aus dem Plan früh zu starten wird nichts — wir schlafen bis halb neun, Wir sind die Bum­mel­let­zten, aber dafür genießen wir das Früh­stück im Son­nen­schein. An uns vor­bei ziehen ganze Karawa­nen von Maultieren mit schw­er­er Ladung. Allein während wir da sitzen, zählen wir 33 Tiere. Diese Maultiere sollen uns heute immer wieder begeg­nen. Sie trans­portieren schw­er ausse­hende Säcke und große Gas­flaschen.

Wir starten kurz nach 10 Uhr und fol­gen dem Dudh Kosi Fluss bis zum kleinen Dorf Zam­fute. Bald haben wir die Maule­sel von heute mor­gen einge­holt, wir bleiben aber zurück um den Blick auf einen zweistu­fi­gen Wasser­fall direkt am Wegrand zu genießen. Nun geht es steil­er bergauf und wir wer­den mit Blick­en auf den 6.608m hohen Tham­serku belohnt. Ich kann mich an seinen steilen Fel­swän­den kaum sattse­hen, die sich so pit­toresk über dem Fluss erheben.

Ein atem­ber­auben­der Anblick. Dann erre­ichen wir das kleine Dof Benkar auf 2.710m. Nach dem Dorf passieren wir einen weit­eren Wasser­fall. Der Weg ist so schön! Ich muss immer wieder zum Fotografieren ste­hen bleiben. So gehen wir wenig­stens nicht zu schnell bergauf :) Wir erre­ichen eine dieser lan­gen Hänge­brück­en, die über den tosenden Fluss führen. Es geht wieder bergauf und es dauert nicht lange bis wir Mon­jo erre­ichen. Nun sind wir wieder auf der Höhe von Luk­la angekom­men — 2.840m. Es gibt viele Felder hier und auch eine größere Schule. Unsere Maultiere machen hier Mit­tagspause.

Über­halb von Mon­jo befind­et sich der Ein­gang zum Sagar­matha Nation­al Park. Sagar­matha bedeutet Ever­est in der Sher­pa-Sprache. Hier zahlen wir die Nation­al­parkge­bühr von 3.425 RS pro Per­son. Sie wurde nach dem Erde­beben drastisch erhöht von 1.000 RS. Hier befind­et sich auch eine Tabelle mit den Zahlen der Trekker für jeden Monat der let­zten 10 Jahre. Man sieht den Ein­schnitt seit dem Erd­beben im April diesen Jahres deut­lich. Es sind nur noch 1/3 der Men­gen vom Vor­jahr unter­wegs. 16% der Besuch­er kom­men aus Großbri­tan­nien, auf Platz zwei ste­ht schon Deutsch­land mit 9,8%.

Das Besucherzen­trum anbei hat ein 3D Mod­ell es Khum­bu Himalaya aus­gestellt. Der Mt Ever­est dominiert die Gegend ein­deutig. Außer­dem erfahren wir etwas über die Flo­ra und Fau­na und die hier leben­den Men­schen.

Auf 2.000m bis 3.000m find­en sich kleine Pan­das, Himalaya Scharzbären, ab 4.000m gibt es Pikas, die wir schon aus der Mon­golei ken­nen und auch der Schneeleop­ard nen­nt Gefilde von 2.500 bis 5.500m seine Heimat. Das ist dur­chaus bemerkenswert, denn die Bedin­gun­gen über 5.000m sind hart und außer Bak­te­rien, Pilzen und Flecht­en über­lebt nicht viel auf den Felsen und der flachen Erde. Diese Zone wird als Nivale Zone beze­ich­net. Ab 4.000m han­delt es sich um die Alpine Zone, wo Rhodo­den­drons, Wach­holder­büsche und Gräs­er wach­sen, ab 3.000m um die Sub­alpinen Wald, wo es Birken und Ahorn gibt. 90% der hier leben­den Men­schen gehören dem Sher­pa Volk an, nicht zu ver­wech­seln mit der Job-Beze­ich­nung sher­pa. Sie sind mit ihren Tieren, Anbauen von Weizen, Kartof­feln und saisonalem Gemüse und seit 1950 — der Öff­nung Nepals — vor allem mit Touris­mus beschäftigt.

Nach dem Nation­al­park Ein­gang über­queren wir eine weit­ere Hänge­brücke und erre­ichen das Dorf Jor­sale, wo wir eine Mit­tagspause ein­le­gen. Die Maultiere trot­ten wieder an uns vor­bei während wir uns an Chowmein und Sher­pa Stew stärken. Nun begin­nt der härteste Teil des Tages, denn es wird steil und noch 600hm liegen vor uns. Zuerst über­queren wir eine Hänge­brücke und steigen dann zusam­men mit den Maultierkarawa­nen hin­auf. Der Weg führt durch Wald und ist daher angenehm schat­tig. Denn in der Sonne ist es trotz der Höhe äußerst schweißtreibend. Wir erre­ichen die Stelle wo Bhote Khosi und Dudh Kosi zusam­men­fließen und gehen über eine Hänge­brücke, die sich in schwindel­er­re­gen­der Höhe befind­et. Danach geht es in Ser­pen­ti­nen steil bergauf.

Wir schlän­geln uns durch die vie­len Maule­sel hin­durch. Wenn die Tiere laufen sind sie ziem­lich flott unter­wegs. Allerd­ings stop­pen sie häu­fig um das Gras zu fressen oder ein­fach nur zu pausieren wodurch der ganze Zug ins Stock­en gerät. Vor allem die hin­teren Maultiere sind sehr unmutig und müssen von den Esel­treibern immer wieder angetrieben wer­den — mit laut­en Rufen, Pfeifen oder auch mal einem Stock oder Stein.

Wir müssen auf­passen während wir uns an die Spitze der Karawane kämpfen, denn die Tiere sind nicht zim­per­lich, was ihre Wegfind­un­gund oder etwaige Hin­dernisse wie uns bet­rifft. Wir weichen ihnen aus indem wir jew­eils den Weg über die Steine wählen, denn die Maultiere suchen sich stets den ein­fach­sten Weg. So ver­fliegt die Zeit wie im Flug, neben uns stets das Klin­geln der Glock­en, die die Tiere um den Hals tra­gen.

Wir erre­ichen einen Rast­platz mit Toi­let­ten­häuschen, wo viele Träger ras­ten. Außer­dem kann man hier das erste Mal einen Blick auf den Berg der Berge wer­fen — den Mt Ever­est. Rechts daneben erhebt sich der Lhotse. Wir unter­hal­ten uns kurz mit einem Guide, der sagt, dass es nur noch 40 Minuten bis nach Nam­che Bazaar, unserem heuti­gen Tagesziel seien. Das klingt gut! Wir laufen los und holen drei Yaks ein, die uns in der Zwis­chen­zeit während unsere kleinen Pause über­holt haben. Die Maultiere sind schon wieder vorne weg spaziert.

Nur 20 Minuten später erre­ichen wir den Polize­icheck­point wo wir unsre TIMS Karten und Nation­al­park-Karten zeigen müssen. Das dauert eine Weile und das erste Mal fragt uns jemand wann wir zurück­kom­men wer­den. In unser­er TIMS Karte ste­ht noch ein Zeitraum vom 27. Sep­tem­ber bis 14. Okto­ber, von unserem zuerst geplanten Zeitraum, den wir auf­grund der Krankheit ver­schieben mussten. Wir haben extra angerufen und haben gesagt bekom­men, das das kein Prob­lem sei und wir keine neue Karte bräucht­en.

Schauen wir mal wie das ist wenn wir zurück­kom­men, was sicher­lich nach dem 14. Okto­ber der Fall sein wird. Außer­dem sind wir über­rascht als wir einen Zettel in die Hand gedrückt bekom­men. Eine Nachricht von Benoît und Marie-Line! Lei­der sind sie schon am 5. Okto­ber weit­er nach Thame gegan­gen — auf dem Weg zu den drei Pässen. Da sind wir ger­ade erst in Luk­la gelandet. Vielle­icht sieht man sich ja noch beim Base Camp.

Dann sehen wir die ersten Häuser von Nam­che Bazaar und müssen noch etwa 10 Mnuten steil in die Stadt hinein laufen. Wir suchen uns auf Gut­dünken eine Lodge aus — die Thawa Lodge mit­ten in der Stadt. Wir kehren hier ein und laufen dann noch ein wenig durch Nam­che Bazaar, das auf 3.420m liegt. Auf­grund der heute bewältigten Höhen­meter leg­en wir mor­gen hier einen Akkli­ma­tisierungstag ein.

Nam­che Bazaar hat zahlre­iche Out­doorgeschäfte — eie Dichte, die ver­gle­ich­bar mit Arco ist. Die Preise sind allerd­ings gepf­ef­fert. Wass­er kostet hier schon 100 RS, eine Rolle Toi­let­ten­pa­pi­er gibt’s ab 150 RS. Immer­hin die Schoko­riegel sind hier sog­ar gün­stiger als in Thamel. Wir stöbern etwas durch die gepflastet­ten Straßen und die Geschäfte bevor wir zum Aben­dessen überge­hen. Wir essen ungaublich leckere Kartof­fel-Käse-Momos und dann jew­eils einen Yak-Burg­er. Dazu gibt es frischen (!) Minz­tee. Wir haben uns das richtige Über­nach­tungslokal aus­ge­sucht! Die Nacht kostet hier 200 RS, was in Manche Bazaar ein Fix­preis ist — für Stan­dard 2-Bet­träume mit Bad auf dem Gang. Der Deal ist immer, dass man dafür auch die Mahlzeit­en in der Lodge einnnimmt, son­st bezahlt man bis zu 2.000 RS die Nacht.

Wir unter­hal­ten uns mit der Wirtin, die vom Erd­beben erzählt. Nam­che Bazaar hat es glück­licher­weise nicht schw­er erwis­cht, aber die Bewohn­er mussten einen Monat in Zel­ten außer­halb der Stadt wohnen um sich nicht in Gefahr durch die Nach­beben zu brin­gen. Einige Dör­fer in der Khum­bu-Region hat es allerd­ings schw­er erwis­cht und es ste­ht nicht mehr viel. Bish­er sind wir an solchen aber noch nicht vor­beigekom­men. Außer­dem erfahren wir, dass zwei­jährlich ein Ever­est Marathon stat­tfind­et, der von Gorak Shep auf 5.200m bis Teng­boche und Nam­che Bazaar hin­unter führt. Dieser ist nor­maler­weise im Früh­ling, musste aber ver­schoben wer­den. Es gibt nur 75 Pläte für nicht Nicht-Nepale­sen, aber dieses Jahr liefen nur 29 Leute mit — er hat gestern stattge­fun­den. Die Gewin­ner schaf­fen die Strecke in etwa vier Stun­den.


Akkli­ma­tisierungstag in Nam­che Bazaar
Wir schlafen wieder bis acht Uhr — also über 11 Stun­den. Unsere Kör­p­er brauchen das offen­bar. Wir begeben us auf die son­nige Ter­rasse zum Früh­stück und tre­f­fen auf zwei Basken, die wir gestern schon in Mon­jo getrof­fen haben. Sie sind heute in die gle­iche Lodge umge­zo­gen. Der eine ist nun schon anderthalb Jahre mit dem Fahrrad von sein­er Heimat aus unter­wegs. Sein Ziel ist Japan. Von ihm erfahren wir, dass die Gren­ze zu Myan­mar nun sog­ar von indis­ch­er Seite geöffnet ist. Das klingt sehr intere­saant, aber wie sollen wir das alles zeitlich unter­brin­gen? Es ist ver­rückt, aber ein Jahr ist nicht so lang wie man gemein­hin denkt. Darüber kön­nen wir aber noch später nach­denken.

Außer­dem schwärmt er vom Iran, ein Reise­land von dem ich schon oft Gutes gehört habe. So ver­schwatzen wir ziem­lich viel Zeit bis wir uns zum Auf­bruch auf unsere Akkli­ma­tisierungs­tour vor­bere­it­en. Wir wollen die Sher­pa Dör­fer ober­halb von Nam­che Bazaar besuchen, ein 4 bis 5 stündi­ger Trip mit 460hm. Solche Touren helfen bei der Akkli­ma­tisierung und Steigerung der Fit­ness — wir schlafen ja wieder unten auf der gle­ichen Höhe wie gestern.

Wir haben gestern Abend von Brotzeit fan­tasiert und wollen für die heutige Tour Yak-Käse und Brot organ­isieren. Auf dem gestri­gen Weg nach Nam­che Bazaar sind wir an einem Geschäft vor­beigekom­men, das Käse anbi­etet und wir suchen dieses auf um 300g Yak-Käse zu erwer­ben. Dann gehen wir in eine der zahlre­ichen Bäck­ereien um ein Brot zu kaufen. Das Brot sieht bess­er aus als es schmeckt, denn wir testen bei­des gle­ich. Der Käse ist allerd­ings her­vor­ra­gend!

Wir kom­men erst nach 11 Uhr los. Wir gehen im Dorf hin­auf bis zum Kloster. Die ersten Schritte sind schreck­lich ansten­gend und brin­gen uns aus der Puste. Wie sollen wir nur den Berg hochkom­men? Tat­säch­lich wird es aber mit der Zeit immer bess­er. Wir ver­passen die richtige Abzwei­gung hin­auf nach Khunde und ger­at­en auf den Weg nach Thame. Wir kön­nen den Kurs aber noch kor­rigieren indem wir mehr oder weniger quer­feldein gehen, schmalen Tram­pelp­faden fol­gen­dend, die sich gerne mal im Nichts ver­lieren. Fan­tastisch sind allerd­ings die Aus­blicke auf Kongde Ri, Tham­serku und bald sog­ar den Schnee­turm vom Ama Dablam (6.856m).

Auch schöne Blicke auf Nam­che Bazaar mit den dahin­ter liegen­den Gipfeln ste­hen auf dem Pro­gramm. Wir irren ein biss­chen durch die Gegend um den richti­gen Anstiegsweg wieder zu tre­f­fen, dabei ste­hen uns immer wieder Stein­mauern im Weg, die Felder und Kop­peln abtren­nen. Hin und wieder stoßen wir auf ein grasendes Yak. Schließlich find­en wir den Auf­stiegsweg und kämpfen uns weit­er bergauf. Dann ist mir nach ein­er Brotzeit mit­ten am Weg und mit Blick auf den Tham­serku und Kongde Ri. Wir essen Brot und Käse und ein Rabe leis­tet uns Gesellschaft. Er bekommt Brotkümel von uns ab.

Der Fels­gipfel vom Khum­bi­la (5.761m) ver­schwindet in diesem Panora­ma fast, ist aber trotz­dem ein mächtiger Anblick. Wir gehen weit­er und erre­ichen Shyan­boche, wo ursprünglich mal Flugzeuge lan­den soll­ten. Allerd­ings kommt hier kein Fugzeug hin. Wir denken schon es geschafft zu haben, aber es liegen noch immer 100hm vor uns und es geht noch weit­er hin­auf. Der Ama Dablam erscheint bald in sein­er ganzen Pracht und wir erre­ichen den höch­sten Punkt an ein­er Stu­pa. Von hier kön­nen wir nun die Sher­pa Dör­fer Khunde und Khumjung im Tal unter uns sehen. Dahin­ter erhebt sich der Khum­bi­la und der Blick reicht weit­er zum Ama Dablam und Mt Ever­est. Ein Wahnsinnspanora­ma hier oben.

Die Städte sel­ber sind kein architek­tonis­ches Meis­tew­erk, denn die meis­ten Häuser sehen gle­ich aus: Weiße Stein­häuser mit grünem Dach. Aber der Blick auf die Berge genügt vol­lkom­men um es zu einem wun­der­schö­nen Ort zu machen. In Khunde ste­ht das erste Kranken­haus der Khu­mure­gion. Wir queren aber rechts hinüber weil wir sehen wollen ob wir einen Hügel mit klein­er Stu­pa besteigen kön­nen. Lei­der find­en wir jedoch keinen Weg hin­auf über die häuser­großen Fels­blöcke, die immer wieder Spal­ten aufweisen und wir gehen hin­unter nah Khumjung, wieder einem Tram­pelp­fad fol­gen­dend. Wir wer­den schon beim Abstieg von Kindern gesichtet, die uns ent­ge­geneilen. Tat­säch­lich guck­en wir uns ein­fach nur an, ich lächel, sie guck­en. Über­all sind Kartof­felfelder.

Khumjung ist das größte Dorf im Khum­bu. Wir gehen durch die Felder zur kleinen Gom­pa, dem Kloster von Khumjung. Vor dem Kloster und drumherum sind viele Gebetsmühlen und eine Wasser­stelle, wo sich neben den Ein­wohn­ern auch Yaks ihr Wass­er holen. Ein Mönch begrüßt uns und verkauft uns Ein­trittskrten für das Innere des Klosters. Mit 250 Rs pro Per­son ein gesalzen­er Preis. Aber immer­hin kann man im Inneren einen Yeti Schädel begutacht­en. Nun­ja, Tets ergaben, dass es sich bei der Kopfhaut um die Haut ein­er Antilope­nart han­delt, aber es tut dem Yeti-Glauben keinen Abbruch. Anson­sten gibt es Stat­uen von Aval­okitesh­vara, Guru Rin­poche und dem Future Bud­dha sowie Sakya­mu­ni Bud­dha.

Wir besuchen die Wasser­stelle danach und füllen unsere Trinkblase auf. Dann nehmen wir den zweit­en Teil unser­er Brotzeit ein während Yaks um uns herum trot­ten. Dabei haben wir Blick auf Tham­serku, Kusum Kan­gru, Gongh­la und Khum­bi­la. Ich habe danach noch immer Hunger, denke aber, dass wir ja nun nur noch den Rück­weg vor uns haben. Dann aber nehmen wir den falschen Weg und lan­den auf einem lan­gen Umweg zurück nach Nam­che Bazaar statt direkt zu gehen.

Am Ende des Dor­fes gehen wir eine Straße hin­unter und stellen bald fest, dass wir auf den Weg nach Teng­boche stoßen wer­den — unserem morgi­gen Tagesziel. Wir fol­gen diesem Weg nach Nam­che Bazaar, es stellt sich allerd­ings als ziem­lich weit her­aus, da wir um den ganzen Berg herum gehen. Trotz­dem wer­den uns schöne Blicke auf Mt Ever­est, Lhotse, Ama Dablam und Tham­serku gewährt. Es geht immer wieder auf und ab und ich habe kaum noch Energie übrig. Hin­ter jed­er Kurve erwarten wir endlich die Häuser von Nam­che Bazaar zu erblick­en, aber vergebens. Erst ein Snick­ers ver­hil­ft mir zu neuer Kraft.

Dann erre­ichen wir endlich die ersten blauen Häuser von Nam­che Bazaar. Nun geht es nur noch bergab hinein in die Stadt. Wir kaufen noch ein paar Schoko­riegel und als Luxu­sgut eine 0,5l Flasche Cola. Wir set­zen uns auf einen Stein und teilen uns die Cola. Yaks kom­men ganz selb­stver­ständlich die Straße hin­auf und wir tre­f­fen auf das deutsche Paar, mit dem wir zusam­men im Flugzeug nach Luk­la saßen. Wir unter­hal­ten uns eine Weile und gehen dann zurück in die Lodge.

Heute gön­nen wir uns eine Dusche, was mit 350 RS pro Dusche ein Loch in unser Tages­bud­get schlägt. Ich friere dabei ganz schön trotz des heißen Wassers, denn die Umge­bung­stem­per­atur ist kalt. Ich muss mich danach schnell in den Schlaf­sack kuscheln. Dann gehen wir zum Aben­dessen runter — wieder Kartof­fel-Käse-Momos als Vor­speise, dann ein Dal Bhat hin­ter­her. Ich fühl mich endlich mal satt, dazu leck­eren Minz­tee. Mit allem haben wir unser Tages­bud­get nun aber um fast 10$ über­schrit­ten. Da ich immer noch friere ist die Wirtin so lieb eine Elek­tro­heizung neben mich zu stellen und schon bald ist mir wieder wohlig warm in Kom­bi­na­tion mit Tee und Essen.

3. Etappe: Nam­che Bazaar bis Teng­boche
4h, 750hm hin­auf, 350hm hin­unter

Wir schlafen wie immer lange, früh­stück­en in der Sonne und machen uns kurz nach 10 Uhr auf den Weg. Wir ver­ab­schieden uns von den Basken, die weit­er nach Gokyo über die Pässe gehen. Vielle­icht sehen wir uns nochmal ganz oben am Base Camp. Den ersten Teil des Weges ken­nen wir ja schon von gestern, aber heute kann ich die Aus­sicht auf Ever­est, Lhotse und Nuptse mehr genießen. Die ersten Schritte auf den Stufen hin­aus aus Nam­che Bazaar sind mal wieder die Hölle, aber es wird bess­er. Nach Chhorkung geht der Weg immer mal wieder kurz bergauf und bergab, was es weniger anstren­gend macht. Rechts von uns tut sich ein steil­er Abgrund auf. In Kyangju­ma kaufen wir wieder Yak-Käse, hier kostet er allerd­ings 400 Rs.

Wir erre­ichen die Abzwei­gung nach Gokyo, kurz nach­dem wir den Trail gestern betreten haben. Nun geht es also in neue Gefilde. Es geht hin­unter, erst san­fter — wir machen eine Käse-Pause am Weg — dann steil durch Kiefer­n­wald hinab. Alles was wir hier hin­unter gehen, müssen wir auf der anderen Seite wieder hin­auf. Also stärken wir uns in Phun­ki Ten­ga (3.250m) mit Dal Bhat bevor wir den steilen Anstieg mit 600hm wagen. Vor uns befind­et sich wieder eine Hänge­brücke, die regelmäßig Träger und Yak-Karawa­nen über­queren. Bei einem Yakzug dreht sich eins der Tiere mit­ten auf der Brücke um und es entste­ht ein Stau bis alle wieder in Reih und Glied ste­hen. Dann ren­nen die Yaks plöt­zlich die Brücke hin­auf und der Führer muss auf­schauen nicht umger­an­nt zu wer­den.

Das Beste ist aber, dass wir eine zweite Por­tion Dal Bhat bekom­men und zum ersten Mal nicht wis­sen wo wir das alles hinessen sollen. Wir bekom­men nicht nur eine Riesen­por­tion Reis nachgere­icht, son­dern auch Kartof­feln und Lin­sen­suppe. Wir essen soviel wie geht und sind schließlich ganz schön gemopselt. Dann ist es an uns die Brücke zu queren, danach begin­nt wieder der härteste Teil des Tages. Wir kom­men an ein paar Gebetsmühlen vor­bei, die eigentlich mit Wass­er betrieben wer­den, aber nicht funk­tion­ieren. In Ser­pen­ti­nen gehen wir bergauf und es geht uns erstaunlich gut dabei. Wir steigen langsam, aber stetig.

Wir tre­f­fen auf drei Sher­pa-Frauen, die ihre Ruck­säcke den Hang hin­auf­tra­gen, dabei kein­er­lei Gebrauch vom Tragesys­tem des Ruck­sacks machend. Sie tra­gen ihn alleine mit ihren range­bastel­ten Kopf­band, offen­bar ist es ein­fach die ihnen angenehm­ste Art Las­ten zu tra­gen. Wir nutzen zwei der Chau­taara (Träger­pausen­stellen) um kurze Pausen einzule­gen und unsere Ruck­säcke abzuset­zen. Dabei ger­at­en wir in einen Yak-Stau. Offen­bar hat ein Yak Reis ver­loren und es dauert eine Weile bis die Karawane sich wieder in Bewe­gung set­zt. Wir unter­hal­ten uns ein wenig mit einem von zwei Ital­ienern, denen wir heute immer mal wieder begeg­net sind. Sie sind auch auf dem Weg zum Ever­est Base Camp und tra­gen ihre eige­nen Ruck­säcke von denen der des jün­geren Ital­ieners ziem­lich schlecht zu sitzen scheint, er schwankt bedrohlich schief über seinem Kopf.

Dann fol­gen wir den Yaks, die langsam und mit hän­gen­den Zun­gen hin­aufkeuchen. Keine Chance die Tiere zu über­holen, die trotz ihrer Plumpheit erstaunlich geschickt hin­auf über die Steine klet­tern. Es ist eigentlich ganz angenehm langsam den Yaks zu fol­gen, so kom­men wir nicht aus der Puste. Auf dem Gepäck der Yaks lesen wir “Ama Dablam Expe­di­tion 2015”. Dann erre­ichen wir eine Stu­pa, die den Anfang von Teng­boche markiert. Wir gehen in das kleine Dorf, das in der Mitte ein Kloster hat. Hin­ter Teng­boche sehen wir die gewaltige Wand des Lhotse aufra­gen, er erscheint so nah. Der Mt Ever­est hat es sich allerd­ings schon in den Wolken gemütlich gemacht.

Wir gehen zur erst­besten Unterkun­ft direkt am Sat­tel — dem Himalayan Hotel. Wir bekom­men gle­ich ein Zim­mer für 200 Rs und richt­en uns ein. Es ist richtig gemütlich mit Tep­pich­bo­den und dick­en Deck­en. Ich wasche meine Sock­en und Unter­hose und mache ein kleines Schläfchen bis wir zum Essen hin­unter gehen. Ich bin noch gut vom Dal Bhat heute Mit­tag gefüllt und auch hier bekommt man wieder soviel Nach­schlag wie man will. Wir essen nur Nudeln und einen Sher­pa Ein­topf, dazu Minz­tee. Das Hotel erin­nert uns an eine Alpen­hütte — mit großem, war­men Wirt­sraum aus dem das Gemurmel der Gäste dringt.

Akkli­ma­tisierungstag in Teng­boche
Wir schlafen gar nicht so lange, kuscheln aber noch lange in den war­men Bet­ten. Die Sicht von unserem Fen­ter ist her­vor­ra­gend — wir haben ein 180° Panora­ma auf Kan­te­ga, Konge Ri und die Fel­stürme hin­ter dem Kloster. Um neun Uhr drin­gen die Klänge der Klosterz­er­e­monie in unser Zim­merchen. Wir ste­hen auf und gehen früh­stück­en — offen­bar sind wir mal wieder die let­zten, denn es wird schon geputzt.

Wir gehen wieder hin­auf in unser Zim­mer und pack­en einen leicht­en Tages­ruck­sack. Wir wollen den Aus­sichts­berg hin­ter unserem Hotel besteigen. Die Wirtin sagt es soll etwa zwei Stun­den hin und zurück dauern. Am Anfang ver­ren­nen wir uns mal wieder ein wenig und find­en den richti­gen Auf­stiegsweg nicht. Wir gehen quer­feldein durch die Rhodo­den­dron­bäume hin­auf. Das ist ganz schön anstren­gend und wir schnaufen hin­auf. Oben am Weg angekom­men müssen wir erst­mal eine Pause machen. Die kleine Stu­pa, die den Aus­sicht­spunkt markiert, befind­et sich noch etwa 300hm über uns. Eben­so wie dun­kle Wolken, die dro­hen sich langsam in die Sicht zu schieben — den Kan­te­ga haben sie schon ver­schluckt und ger­ade knab­bern sie am Lhotse.

Wir gehen weit­er hin­auf und der Weg wird anspruchsvoller — immer wieder gilt es Felsen zu überklet­tern was sich auf der Höhe einem Hillary Step gle­ich anfühlt. Mir geht oft die Puste auf über 4.000m aus und wir müssen immer wieder ste­hen­bleiben und aus­ruhen. Diese Akkli­ma­tisierungsmärsche sind stets her­aus­fordernd. Die Veg­e­ta­tion ändert sich und wir erre­ichen die Baum­gren­ze auf ca. 4.000m, danach wach­sen nur noch Büsche, dann nur noch Gräs­er und flach­es Gestrüpp.

Mit­tler­weile haben uns auch die Wolken erre­icht und verdeck­en jegliche Sicht — nur Teng­boche kann man noch unter uns sehen. Wir erre­ichen den Gipfel und nun ste­hen wir kom­plett in den Wolken — aber auf 4.210m. Wir sind trotz­dem zufrieden. Wir warten noch ein wenig auf bessere Sicht, aber nur ein Stück Kongde Ri und ein Stück eines anderen Schneegipfels guckt kurz her­vor, dann ist alles wieder grau. Auch einen Blick in den schwindel­er­re­gen­den Abgrund auf der andere Seite in das Flusstal etwa 800hm unter uns ergibt sich kurz. Es ist erfrischend kühl. Nach ein­er Weile machen wir uns an den Abstieg. Wir haben kalte Fin­ger, aber der Abstieg geht so flott und ohne Anstren­gung, dass wir nur die Hälfte der Zeit als für den Auf­stieg brauchen, der eine Stunde in Anspruch genom­men hat. Die Wolken hän­gen tief bis nach Teng­boche hin­unter.

Wir gehen in die Teng­boche Bak­ery, wo jed­er sich ein großes Stück Kuchen aus­sucht — Alex einen Schoko­ladenkuchen, ich einen Apfelkuchen. Das ist neben einem Riegel am Gipfel unser Mit­tagessen für heute. Dann ziehen wir uns zurück in unser Zim­merchen und ruhen wieder ein biss­chen, denken außer­dem über unsere weit­ere Reise­pla­nung nach. Eigentlich wollen wir noch ins Anna­pur­na Gebi­et und in den Dschun­gel von Chit­wan, aber alles wird so knapp und jedes Land hat soviel zu bieten, dass ein Jahr bei weit­em nicht aus­re­icht. Es würde vielle­icht ger­ade so bis Neusee­land reichen. Es ist ein biss­chen frus­tri­erend.

Also lassen wir das und gehen hin­aus zur Teng­boche Gom­pa, wo täglich um 9, 13 und 16 Uhr eine Zer­e­monie stat­tfind­et. Wir gehen hinein und set­zen uns zu den anderen Zuschauen an den Rand. Die Reli­gion in der Khum­bu Region ist haupt­säch­lich Bud­dhis­mus auf­grund der Völk­er, die sehr tibet­nah sind. Die bud­dhis­tis­chen Mönche hier machen Musik mit lan­gen Alpen­horn-ähn­lichen Blasin­stru­menten sowie Flöten, Beck­en und ein­er großen Trom­mel. Dazwis­chen sprechen sie gemein­sam Mantras, die wie ein Singsang anmuten, dann sprechen alle durcheinan­der Gebete.

Zum Ende der Zer­e­monie set­zen sie gelbe Hüte mit ein­er Art roten Iroke­sen auf während sie musizieren. Dazwis­chen läuft ein Mönch und füllt immer wieder ihre Tee­tassen mit Yak­but­ter­tee auf. Ein weit­er­er Mönch mit einem roten Hut, ver­mut­lich der Lama hier, wenn auch recht jung, ste­ht vor ein­er Art Altar und seg­net ver­schiedene bunte bergför­mige Gegen­stände, die er dann hin­aus­trägt. Dies wieder­holt sich dreimal während der Zer­e­monie. Wir wün­schen uns wir wür­den mehr ver­ste­hen was hier passiert. Der Tem­pel selb­st ist mit zahlre­ichen Thangkas und bun­ten Wandgemälden deko­ri­ert. Es bren­nen But­terk­erzen und Räuch­er­stäbchen. Die Zer­e­monie dauert etwa 50 Minuten.

Wir gehen wieder hin­aus, drehen einige Gebetsmühlen und bewun­dern die Verzierun­gen im Ein­gangstor. Viele ver­schiedene Got­theit­en sind hier in bun­ten Reliefs abge­bildet. Wir kehren zurück ins Hotel und begeben uns bald darauf zum Aben­dessen. Wir essen jew­eils zwei riesige Por­tio­nen Dal Bhat, dazu den oblig­a­torischen Minz­tee. Wir genießen die Wärme im Wirt­sraum und reflek­tieren den Tag.

4. Etappe: Teng­boche bis Ding­boche
3h, 580hm hin­auf, 70hm hin­unter

Wirschaf­fen es heute tat­säch­lich ein­mal schon um 9 Uhr loszuge­hen. Wir fol­gen dem Weg hin­ter der Bäck­erei hinein in Rhodo­den­dron­wald. Es geht erst­mal bergab bis wir das Dorf Debuche erre­ichen. Wir stat­ten dem bud­dhis­tis­chen Non­nen­kloster einen Besuch ab, aber das Innere ist zer­stört und es wird fleißig gebaut.

Heute ist die Sicht wieder gut und wir haben wun­der­schöne Sicht auf den Ama Dablam, der immer näher kommt. Wir kom­men an zwei Stu­pas mit Bud­dha Augen vor­bei, dahin­ter ragt der Ama Dablam auf, darunter rauscht das Wild­wass­er des Imja Kho­la. Wir brin­gen auch die Baum­gren­ze hin­ter uns und nur noch Büsche säu­men den Weg, zusam­men mit Gräsern und blauen Blu­men. Eine Horde Yaks ren­nt an uns vor­bei den Berg hin­unter. Ohne Gepäck sind sie echt schnell.

Es geht berauf bis nach Pang­boche, wo wir wieder die Höhe von Teng­boche erre­icht haben. Kurz nach Pang­boche zweigt der Weg zum Ama Dablam Base­camp ab. Diese Sai­son sind schon Klet­ter­er dort und es wäre sich­er inter­es­sant die Atmo­sphäre dort zu erleben. Es ist von hier nur ein Tages­marsch mit 600hm zum Ama Dablam Base Camp.

Wir steigen langsam, aber stetig weit­er nach Shomare. Dabei kom­men wir an einem großen Wandgemälde von Guru Rin­poche an den Felsen vor­bei. Nun geht es wieder hin­auf bis auf eine staubig-sandi­ge Hochebene auf der nur noch vere­inzelt Büsche wach­sen. Viele Pfade schlän­geln sich durch haushohe Fels­blöcke bis wir ein Häuschen erre­ichen auf dem Orsho ste­ht. Eigentlich haben wir in Orsho eine Mit­tagspause geplant, aber außer diesem einen Haus sehen wir kein weit­eres. Wir kom­men an die Brücke über den Imja Kho­la und offen­bar kommt hier kein Orsho mehr. Macht nichts, wir haben max­i­mal noch eine Stunde vor uns.

Wir über­queren die Brücke und leg­en uns dann in die Sonne, essen einen Riegel und pausieren. Wir haben es uns hin­ter einem Stein gemütlich gemacht, damit der kalte Wind uns nicht erre­icht. Dann machen wir uns an den let­zten Auf­stieg. Wir gehen am Fluss hin­auf. Es ist nicht steil und der Weg ist aus­ge­treten, sodass sich gut einem langsamen Gehrhyth­mus fol­gen lässt, der uns nicht aus der Puste bringt und nicht so anstren­gend ist. So langsam haben wir den Dreh raus und solange der weg ein­fach ist, funk­tion­iert der Rhyth­mus. Hin­ter uns kommt wieder eine tiefe Wolken­front, die die Berge hin­ter uns schon ver­schluckt hat. Schauen wir mal wer schneller ist.

Tat­säch­lich brauchen wir nur 20 Minuten bis nach Ding­boche. Wir laufen bis in die Mitte der Stadt und kehren in der Yak Lodge ein. Die Unterkun­ft kostet nichts, aber wie immer ist die Bedin­gung hier zu essen. Wieder haben wir schöne dicke Deck­en auf unseren Bet­ten.

Wir gehen hinüber ins Restau­rant und essen jew­eils eine Sher­pa Stew, dazu gibt’s Milch­tee. Die Por­tio­nen sind groß.

Dann wollen wir noch einen Spazier­gang machen, denn es ist erst kurz vor drei Uhr. Wir gehen bis ans Ende des Dor­fes und noch ein Stück weit­er bis zu einem Wiese mit vie­len Boul­dern am Flus­sufer. Dazwis­chen grasen Yaks. Wir erklet­tern ein paar der ein­fachen Felsen. Sicht haben wir lei­der keine, denn die Wolken haben alles ver­schluckt. Wir kön­nen kaum bis zu den Häusern von Ding­boche sehen. Nur ab und an tut sich mal ein kleines blaues Loch auf. Die Wolken ziehen ziem­lich schnell durch die Ebene.

Wir gehen zurück und sehen einige junge Yaks durch die Gegend hüpfen. Ein Mann treibt ger­ade seine Yaks heim und sie kön­nen ganz schön schnell den Berg hochren­nen wenn sie wollen. Man möchte nicht im Weg eines ren­nen­den Yaks ste­hen :) Wir gehen durch die ein­fachen Stein­häuser und Kartof­feläck­er zu unser­er Lodge. Ding­boche ist ein ganz ein­fach­er Ort und eine Alter­na­tive zu Pheriche, was sich 130m niedriger befind­et, wo die meis­ten Trekker über­nacht­en.

Hier oben ist es wärmer auf­grund der geschützteren Lage. Als wir zurück sind, sehen wir zwei junge Leute Wass­er am Bach fil­tern. Jed­er nutzt ein anderes Sys­tem — ein­er hat eine Wasser­pumpe, die andere einen UV-Fil­ter um das Wass­er zu reini­gen. Sieht aufwendig aus. WIr wer­fen nur zwei Chlortablet­ten in unsere Trinkblasen und 30 Minuten später ist das Wass­er trinkbar. An den Nebengeschmack gewöh­nt man sich schnell. Es ist leicht, bil­lig und ein­fach. Man benötigt auch keine Bat­tereien wie bei anderen Sys­te­men. Sie haben vor über den 5.535m hohen Kong­ma La Pass zu gehen — ein alter­na­tiv­er Weg nach Lobuche, aber anspruchsvoll. Es han­delt sich um eine neun­stündi­ge Wanerung mit 800hm über den hohen Pass. Alex und ich haben eben­falls über diese Vari­ante disku­tiert, aber let­ztlich dage­gen entsch­ieden. Ich wäre gerne gegan­gen, aber Alex ist das zu gruselig ohne Guide. Vielle­icht auf dem Rück­weg…

Die kleine Gruppe hat auch keinen Guide und außer­dem den Akkli­ma­tisierungstag in Nam­che Bazaar wegge­lassen, welch­er oblig­a­torisch ist. Auch den alter­na­tiv­en in Teng­boche haben sie nicht ein­gelegt. Die Quit­tung beka­men sie heute mor­gen und haben Diamox genom­men — ein Medik­manet, dass bei leicht­en Symp­tomen von AMS helfen soll — und immer­hin in Ding­boche pausiert. Beson­ders schlau klingt das jedoch nicht — kein Beispiel für uns. Genau das ist oft das Prob­lem: Die Leute über­schätzen sich, meinen es gin­ge ihnen gut und gehen mehr und schneller als geplant und dann rafft es sie mit Höhenkrankheit dahin.

Wir gehen in unser Zim­mer und beobacht­en Yaks, die durch den Garten ren­nen. Wir gehen nur noch Aben­dessen und tre­f­fen dabei wieder auf das deutsche Paar mti dem wir im Flugzeug saßen. Sie war heute fast oben am Berg hin­ter der Stadt, dem Nangkartshang, und schwärmt von der Aus­sicht auf Seen, Gletsch­er und Gipfel. Ihrem Mann geht es allerd­ings schlecht, er hat was mit dem Magen und weiß noch nicht ob er weit­erge­hen kann. Das muss schreck­lich ärg­er­lich sein, aber es ist auch gefährlich wenn der Kör­p­er schon geschwächt ist, reagiert er empfind­lich auf äußere Umstände wie Höhe. Bei Alex kon­nte man das mit dem Hitzschlag in der Gobi ja gut sehen.

Täglich fliegen hier soviele Helikopter durch das Tal, die alle kranken Trekker aus­fliegen, es sind bes­timmt bis zu fünf Stück pro Tag. Eine ganze Menge. Wir drück­en jeden­falls die Dau­men, dass es ihm mor­gen bess­er geht. Wir gehen zeit­ig ins Bett. Auf­grund der Wolken will ich mor­gen früh raus um gute Sicht bei der Akkli­ma­tisierungs­tour zu haben.

Akkli­ma­tisierungstag in Ding­boche
Ich wache früh auf, aber der Blick aus dem Fen­ster um halb sechs ver­spricht nichts Gutes. Die Wolken hän­gen tief hin­unter. Ich warte noch eine Stunde, aber es tritt keine Besserung ein. Ich gehe hinaus,a ber nichts ist von den Bergen zu sehen. Also tue ich es Alex gle­ich und schlafe noch ein­mal. Gegen neun Uhr ist es dann bess­er, kurz kann man ein paar Berge inklu­sive dem Island Peak sehen und die Sonne kann sich urch Wolken­löch­er kämpfen. Wir essen Früh­stück, heute eine Sher­pa Stew, denn immer­hin ist es schon eher ein Brunch als ein Früh­stück.

Wir pack­en unseren Tages­ruck­sack und machen uns auf den Weg, denn wir wollen auf den Nangkartshang (5.083m),zuminedst soweit wie wir kom­men un Lust haben. Der Weg geht direkt hin­ter der Yak-Lodge auf den Berg und er ist gut aus­ge­treten. Er teilt sich in viele Pfade auf, sodass wir einen nicht allzu steilen Weg hin­aufwhlen kön­nen. Das steigen geht heute sehr gut, wir kön­nen unserem Rhyth­mus fol­gen. Schon bald ste­hen wir auf dem Bergrück­en über Ding­boche und kön­nen den morgi­gen Weg sowie ein paar grasende Yaks sehen.

Wir tre­f­fen auf einen Iren, der alleine unter­wegs ist. Wir schnack­en eine Weile über den Trek zum EBC und Wan­derun­gen im All­ge­meinen. Er sagt er sei der vielle­icht langsam­ste Trekker auf diesem Weg, er ist ziem­lich entspan­nt. Er macht wie wir langsam und legt alle Akkli­ma­tisierungstage ein, die sich empfehlen. Sehr sym­pa­thisch und witzig ist er auch. Wir ver­ab­schieden uns und steigen weit­er.

Die Wolken wer­den immer dichter, allerd­ings habe ich noch Hoff­nung auf Besserung weit­er oben. Über den Wolken zu sein wäre genial. Aber auf unserem Weit­er­weg sieht es nicht danach aus. Wir kom­men sehr gut voran und auf dem Weg sam­meln wir schnell Höhen­meter. Die Sicht wird aber immer schlechter und als es dann auch noch anfängt zu schneien, beschließen wir die Umkehr auf 4.900m. Ich bin ent­täuscht, ich habe mich so auf die umfassende Sicht gefreut. Kann man nichts machen, wir kehren um. Es schneit weit­er leichte Flöckchen und wir steigen mit ihnen zusam­men rasch nach Ding­boche ab. Auch hier ist der Schnee angekom­men. Ich möchte jet­zt nicht auf einem Pass sein. Hof­fentlich wird es mor­gen bess­er.

Wir ziehen uns in den Gas­traum der Lodge zurück und machen Momo-Frustessen. Später begeben wir uns auf die Suche nach Yak-Käse und wer­den auch fündig. Wir kaufen gle­ich 500g, denn wir wollen an unserem Ziel ein Käse­festmahl abhal­ten. Wir ver­brin­gen den Rest des Tages mit Gam­meln und Lesen. Vor unserem Fen­ster tanzen Schneeflöckchen. Der Ofen im Gas­traum bietet am Abend ein warmes Plätzchen um das sich alle ver­sam­meln. Wir essen und gehen dann ins Bett. WIr brauchen allerd­ings ewig zum Ein­schlafen. Ob sich schon die Höhe bemerk­bar macht?

5. Etappe: Ding­boche bis Dugh­la (inklu­sive Side­trip auf den Nangkartshang)
2h, 300hm hin­auf plus Side­trip 3h, 700hm hin­auf

Gestern hat uns der Wirt gesagt, dass heute gle­ich schlecht­es Wet­ter wie gestern ange­sagt ist. Aber als wir die Äuglein auf­schla­gen, sehen wir blauen Him­mel und draußen Lhotse, Island Peak und Peak 38. Wir beschließen den Nangkartshang nochmal anzuge­hen und danach zu unserem Tagesziel weit­erzuge­hen wohin es nur zwei Stun­den sind. Wir früh­stück­en und vere­in­baren zum Mit­tagessen zurück zu sein und dann auszucheck­en. Ich bin ganz ungeduldig und freue mich auf die zweite Chance. Kurz nacch 10 Uhr brechen wir auf und gehen auf schnell­stem Weg auf den Bergrück­en zu den Stu­pas hin­auf. Es fällt mir heute etwas schw­er­er als gestern, aber wir kom­men trotz­dem gut voran — alle 15 Minuten schaf­fen wir 150hm.

Wir haben immer wieder schöne Blicke auf Lhotse, Island Peak und Ama Dablam, aber zwis­chen­durch nehmen uns auch Wolken die Sicht und alles ist so grau wie gestern — mit dem Unter­schied, dass die Sonne stets durch die Wolken dringt und uns den Rück­en wärmt. Bald sind wir wieder an der Stelle von gestern ange­langt auf 4.912m und wir sehen dass es zum Gipfel gar nicht­mehr weit ist. Nur noch 150 Höhen­meter tren­nen uns von ihm. Die let­zten Höhen­meter wer­den steil­er und es ist anstren­gend.

Es kom­men uns zwei Wan­der­er ent­ge­gen, die verkün­den, dass es nur noch 20 Minuten bis zum Gipfel seien und die Ausicht fan­tastisch sei — Juhu! Die let­zten Meter haben es allerd­ings nochmal in sich — es gilt über Felsen zu krax­eln was es viel anstren­gen­der macht als wenn man seinem Rhyth­mus fol­gen kann. Wir müssen immer mal wieder ver­schnaufen — um uns herum Wolken­wände. Lei­der sieht es am Gipfel nicht bess­er aus — 360° Panora­ma auf Wolken. Wir sind trotz­dem froh es geschafft zu haben und ras­ten am mit Gebets­flaggen gesäumten GIpfel. Es geht laut Karte noch weit­er hin­auf bis auf 5.650m und weit­ere Fels­gipfel, aber sobald ich mal einen Blick durch die Wolken erhasche sieht es nach zack­i­gen Felsen­tür­men aus, die sog­ar den Jubiläums­grat in den Schat­ten stellen. Die Wolken geben nur hin und wieder kleine Fen­ster frei durch wir Bergteile sehen kön­nen.

Wir warten noch etwas, zwei Wan­der­er mit Guide kom­men noch hin­auf, aber es tritt keine Besserung ein,also begeben wir uns auf den Abstieg. Dabei sehen wir kurz nochmal Ama Dablam bevor wir in die Wolken ein­tauchen. Der Abstieg geht dann flott und nach 45 Minuten ste­hen wir wieder unten. Die Wolken reichen bis hin­unter nach Ding­boche, wir find­en den­noch den direk­ten Weg zur Yak-Lodge. WIr begeg­nen den zweien, die uns vom Gipfel ent­ge­gen gekom­men sind. Offen­bar waren wir nur Minuten zu soät dran, denn sie sagen die Sicht bei ihnen sei kristal­lk­lar gewe­sen! So ein Mist. Wir essen Mittag,packen unsere Sachen und ver­ab­schieden uns. der Wirt emp­fiehlt uns die Yak Lodge in Dugh­la, die sein Sohn betreibt. Er war unglaublich nett und hat immer gelacht. Sehr empfehlensert, vielle­icht kom­men wir auf dem Rück­weg vom Base Camp nochmal vor­bei.

Nun liegen noch etwa 300hm bis nach Dugh­la vor uns. Die meis­ten gehen durch bis nach Lobuche, aber das ver­dop­pelt beina­he die emp­fohle­nen Höhen­meter pro Tag auf dieser Höhe mit 600hm und die Himalayan Res­cue Asso­ci­a­tion emp­fiehlt trotz der kurzen Strecke hier Rast zu machen. Daran hal­ten wir uns. Beim Mit­tag haben wir einen Deutschen getof­fen, der auf drei (!) Tage und ohne Akkli­ma­tisierungstage von Luk­la hier­her gekom­men ist und das trotz Guide. Er hat sich nicht im Ger­ing­sten mit Höhenkrankheit beschäftigt und hat seinen Guides ver­traut was man im Nor­mall ja auch tun kön­nen sollte. Wozu hat man denn einen?

Wir klären ihn auf und er macht große Augen. Immer­hin mit dem Erfolg, dass er darüber nach­denkt den morgi­gen Tag hierzubleiben. Wenn es mehr Leute wie ihn gibt, wun­dert uns die Anzahl der Hub­schrauber nicht mehr. Er hält sich für sehr fit und rühmt sich viel Sport zu machen, was aber rein gar nichts mit der Akkli­ma­tisierungs­fähigkeit zu tun hat. Der Kör­p­er braucht ein­fach Zeit sich an den man­gel­nden Sauer­stoff anzu­passen. Dieser liegt auf 4.500m immer­hin nur noch bei 57% im Ver­gle­ich zum Meer­esspiegel.

Ger­ade den fittesten passiert es wohl am häu­fig­sten AMS zu bekom­men, weil sie sich über­schätzen und mehr Strecke pro Tag zurück­le­gen als gut für sie wäre, denn sie fühlen sich ja gut und kön­nen noch lock­er ein paar Stun­den weit­er gehen. Ger­ade bei Ever­est Base Camp Trek ver­lock­end, wo manche Tage nach zwei bis drei Stun­den Gehen schon been­det sind. Genau deshalb hal­ten wir uns strikt an die Vor­gaben.

Um nach Dugh­la zu gelan­gen, müssen wir wieder den Bergrück­en mit den Stu­pas erk­lim­men. Wegen der man­gel­nden Sicht in den dicht­en Wolken ver­passen wir aber die richtige Abzwei­gung und lan­den auf einem anderen Weg, der mehr oder weniger wild durch die karge Land­schaft führt — etwa 100hm unter dem eigentlichen Weg. Aber die Rich­tung stimmt und unter uns rauscht der Fluss mit dem Weg von Pheriche aus, wo alter­na­tiv zu Ding­boche Halt gemacht wer­den kann. Es fängt wieder leicht an zu schneien. Außer dem Flussrauschen herrscht eine tiefe Stille um uns herum.

Der Weg steigt hin­auf und wir beschließen quer­feldein zu gehen um auf den offiziellen Weg zu tre­f­fen, der sich nur 50hm über uns befind­en muss. Wir find­en ihn auch schnell — er ist deut­lich aus­ge­treten­er als die dün­nen Tram­pelp­fade zuvor. Wir gelan­gen nach Dusa, ein­er Art Geis­ter­stadt mit weni­gen tra­di­tionellen tibetis­chen Stein­häusern. Hier wohnt allerd­ing offen­bar nie­mand. Durch die Wolken stapfen wir durch die ver­lasse­nen Gemäuer und es ist fast unheim­lich in dieser Nebe­land­schaft, die alles ver­schluckt. Kurz darauf begeg­nen wir den ersten Wan­der­ern aus der Gegen­rich­tung — endlich etwas Leben! Unter uns kön­nen wir hin und wieder den Trail von Pheriche aus­machen und ein paar Wan­der­er und Yaks, die auf ihm hin­auf steigen und sich bald mit unserem Weg vere­ini­gen.

Plöt­zlich sehen wir die Häuser von Dugh­la aufra­gen und die Brücke, die über einen Gletscher­fluss führt. Auf ein­mal reißen die Wolken auf und geben die Sicht auf Taboche und Cholatse frei — Fel­swände, die wir schon den ganzen Tag hät­ten sehen sollen. Die Sonne kommt her­vor, ein Pferd galop­piert uns ent­ge­gen und wir erre­ichen Dugh­la (4.620m) auf der anderen Seite der Brücke. Hier gibt es nur zwei Lodges, viel wurde in ein­er Flut von 2007 zer­stört. Wir kehren in die emp­foh­lene Yak Lodge ein und gehen dann rasch wieder raus um die Aus­sicht und Sonne zu genießen.

Ich flitze den Hügel hin­ter der Lodge hin­auf und da ste­ht die gewaltige Fel­swand von Taboche und Cholatse vor mir, Ama Dablam und Kan­te­ga reck­en ihre Gipfel über die Wolken. Die Sonne geht ger­ade hin­ter dem Gipfeln unter. Ein Wahnsinn! Damit hätte heute kein­er von uns mehr gerech­net. Ich kann mich gar nicht sattse­hen obwohl es sehr kalt wird so ohne Daunen­jacke und Hand­schuhe. Wir kön­nen uns ein­fach nicht von diesem Anblick los­reißen. Ding­boche und alles darunter liegt immer noch in den Wolken. Wir sehen der Sonne beim Ver­schwinden zu, bestaunen die steilen Fel­swände von der unmöglich zu besteigen­den ausse­hen­den schmalen Spitze vom Cholatse und gehen dann hinein um uns aufzuwär­men.

Der Ofen wird ger­ade erst ange­heizt und wir verziehen uns vor­erst unter unsere dicke Deck­en im Zim­mer bis wir zum Aben­dessen wieder auf­tauchen — uns am war­men Ofen wär­mend. Her­rlich! Wir sind zufrieden mit dem Tag, aber auch erschöpft vom vollen Pro­gramm und den hin­ter uns gebracht­en Höhen­metern. Wir waren heute immer­hin so hoch wie nie zuvor und haben dieses Geschenk von ein­er Aus­sicht am Abend gehabt, was so uner­wartet kam und deshalb um so süßer war.

6. Etappe: Dugh­la bis Lobuche
1,5h, 300hm hin­auf

Wieder lassen die Höhen­meter nicht mehr als eine kurze Etappe zu. Die Sicht am Vor­mit­tag ist her­vor­ra­gend — klar ste­hen Taboche und Cholatse vor uns. Gegen neun Uhr machen wir uns auf den Weg. Zuerst geht es 200hm steil eine Moräne hin­auf. Wir steigen zusam­men mit einem jun­gen Russen mit einem Haufen Kam­era-Aus­rüs­tung hin­auf. Er spricht kaum Englisch, aber wir bekom­men her­aus, dass er aus Kras­no­jarsk kommt und der Rest sein­er Gruppe wegen AMS Symp­tomen absteigt. Nach ein­er hal­ben Stunde erre­ichen wir den Kamm, wo viele Stein­denkmäler an ver­lorene Berg­steiger und Sher­pas erin­nern. Darunter ein Denkmal für Scott Fis­ch­er, einem Bergführer, der in der Katas­tro­phe von 1996 umgekom­men ist, die John Krakauer in seinem großar­ti­gen Buch “In eisige Höhen” beschreibt. Die von Rob Hall und Andy Har­ris find­en sich weit­er oben in Gorak Shep, wo wir mor­gen ankom­men wer­den.

Von links kommt der Weg von Gokyo über den Cho La Pass herunter. Wir fol­gen nun dem Gletscher­fluss über die Moräne san­ft bergauf. Es wird kalt, denn die Sonne ver­ab­schiedet sich hin­ter den Wolken. Die Sicht auf Pumori (7.165m) und weit­ere Gipfel ist jedoch gut. Wir gehen auf dieses wahre Bergam­phithe­ater zu und erre­ichen die Häuser von Lobuche. Es gibt vielle­icht sechs Lodges hier und son­st nicht viel mehr. Wir beziehen unser Zim­mer und während Alex sich zu einem Schläfchen hin­legt, gehe ich nochmal hin­aus.

Es ist noch nicht viel los hier, nur ein paar Träger kom­men hin­auf und ich sehe mich um. Dann set­zt plöt­zlich wieder Schnee ein. Harte kleine weiße Kugeln, schon fast Hagel schüt­tet es stark vom Him­mel, was aber auch nicht lange anhält. Wir gehen zum Essen hin­unter und plöt­zlich ist der Gas­traum voller Leute. Wir kräfti­gen uns und tre­f­fen einen Deutschen, den wir schon in Ding­boche angetrof­fen haben. Wir unter­hal­ten uns ein wenig und schauen dem Schnee vor dem Fen­ster zu, der erneut hernieder stürmt. Jonas macht Frei­willi­ge­nar­beit in ein­er Schule in Kath­man­du und macht ger­ade “Ferien” davon indem er den Trek wan­dert.

Wir gehen nochmal gemein­sam hin­aus um das ital­ienis­che Forschungszen­trum mit dem grif­fi­gen Namen EV-K2-CNR zu besuchen. Es befind­et sich etwa 20 Minuten nördlich am Weg nach Gorak Shep. Wir laufen leicht bergan bis ein Schild die Abzwei­gung zur “Ital­ian Pyra­mid” verkün­det, der Spitz­name der Sta­tion. Es schneit wieder etwas und als wir ankom­men sieht die Sta­tion geschlossen aus, aber die Türen sind angelehnt. Also rufe ich ein biss­chen und tat­säch­lich kommt ein Nepali her­aus, der uns die Pyra­mide von innen zeigt. Mit­ten in dieser von Gletsch­ern und schrof­fen Felsen geprägten Land­schaft ste­ht eine Glaspyra­mide. Die Sta­tion wurde 1990 errichtet um die exak­te Höhe von Mt. Ever­est und K2 zu ermit­teln. Heute wird die Sta­tion dazu vewen­det die Seen und Gletsch­er zu ver­messen, Wet­ter­dat­en aufzunehmen und vieles mehr. Wir spenden noch eine Kleinigkeit für die Erd­bebenopfer der Region, wofür hier gesam­melt wird.

Als wir rauskom­men hat der Schnee nachge­lassen und auch die Sonne zeigt sich wieder ein biss­chen. WIr gehen hinüber zum Bergkamm, der uns vom Khum­bu Gletsch­er tren­nt und ersteigen diesen. Von hier haben wir einen ersten Blick auf den Khum­bu Gletsch­er, der sich tal­wärts schiebt. Unter dem Schot­ter tritt an vie­len Stellen in allen Farbtö­nen das Eis her­vor. Kleine Gletsch­erseen dazwis­chen von türk­isgrün bis grau-weiß gefroren. Dahin­ter ragt die Fel­swand vom Nuptse auf, frisch gepud­ert vom Neuschnee der let­zten Tage. Der Boden hier ist bewach­sen mit Mini-Rhodo­den­dron, Büschen, Flecht­en und Moosen, Edel­weiß und sog­ar kleinen Pilzen. Ich kann mich gar nicht sattse­hen, trotz der Kälte, die mir in die Glieder fährt, über­all gibt es etwas zu ent­deck­en. Man kann über den Bergkamm Rich­tung Lobuche zurück laufen um noch mehr Gletsch­er­sicht zu genießen, dann gehen wir wieder die ca. 150hm nach Lobuche hin­unter um es uns im Gas­traum gemütlich zu machen.

Unfrei­williger Pausen­tag in Lobuche
Alex hat sich die Nacht mit etlichen Toi­let­tengän­gen um die Ohren geschla­gen. Offen­bar räumt ihn irgend­was durch. Wir beschließen also heute hier zu bleiben und es auszubaden um mor­gen weit­er nach Gor­rak Shep zu gehen. Mir geht es gut und ich breche nach dem Früh­stück zu ein­er Tour auf den Berg hin­ter Lobuche auf.

Die Sonne lacht und es ist her­rliche klare Sicht. Ich steige hin­ter den Lodges hin­auf, mir meinen Weg zwis­chen karg­er Veg­e­ta­tion bah­nend, die aber doch von gelb-braun-orange bis rot und blau recht far­ben­prächtig ist. Ich schnaufe hin­auf und ste­he bald auf der ersten Erhe­bung von wo aus ich die Häuser von lobuche unter mir sehe und Blick auf Khum­bu Gletsch­er, Nuptse und Lhotse habe. Nördlich erhebt sich ein schrof­fer Fels­gipfel auf die ein steil ausse­hen­der Weg hin­auf führt. Ich sehe ein paar Wan­der­er oben.

Zuerst will ich auf die zweite Erhe­bung und auf die andere Seite schauen. Und der Anblick bietet eine schöne Überrschung — zwei grün schim­mernde Seen find­en sich hier, dahin­ter ein steil­er Felsab­bruch. Noch weit­er dahin­ter erheben sich Cholatse und Tang­boche. Ich sauge den Anblick in mich auf, ver­schnaufe. Dann begebe ich mich weit­er hin­auf mit dem Ziel des Fels­gipfels. Ich quere zum Berg hinüber und über große Felsen zum Auf­stiegsweg, der sich weit­er nördlich befind­et. Ich kann Leute sehen, die ger­ade den Rück­weg antreten.

Ich schnaufe den steilen Weg hin­auf, immer mal wieder ste­hen­bleibend und das Panora­ma genießend. Ich begeg­ne zwei Grup­pen von Wan­der­ern, die mit ihrem Guide am Gipfel waren und die bester Laune angesichts dieses schö­nen Tages sind. Ich bin’s auch. Ich klet­tere weit­er hin­auf, immer mal wieder über große Fels­blöcke und der Mt Everst rückt langsam in Sicht, denn er ver­steckt sich etwas hin­ter dem Nuptse. Der Khum­bu Gletsch­er zieht sich wie ein graues Band davor ent­lang, unter­brochen von ver­schieden­far­bigen Seen — ein­er davon ganz blau. Zwis­chen­durch unter­breche ich meinen Auf­stieg, weil ein Helikopter naht, der in Lobuche zur Lan­dung anset­zt und bald wieder abhebt. Offen­bar wurde wieder jemand abtrans­pori­ert. Die einzige Ret­tung bei schw­er­er Höhenkrankheit hier oben. Da hat­te ich noch keine Ahnung, was uns am näch­sten Mor­gen blüht.

Das let­zte Stück zum Gipfel führt über blanken Fels und ich lasse die Stöcke zurück um dort hochzukrax­eln. Oben befind­et sich ein per­fek­ter Aus­sicht­spunkt — ein Felser mit Stein­man­ndl bietet ein schönes Plätzchen für einen 360° Blick. Es hängt halb frei über einem Abgrund und ist so foto­gen wie man es sich nur wün­schen kann. Ich bin auf 5.218m und über­bi­ete damit fast täglich meine Höhen­reko­rde. Ich sitze lange hier, schaue, fotografiere — kann mich nicht los­reißen. Ich ver­bringe über eine Stunde hier oben.

Ich bin ganz alleine, es herrscht Stille um mich herum. Nur einzelne Raben fliegen über mich hin­weg, die Eis­riesen ste­hen wie stille Zeu­gen zum Greifen nah. Ich habe noch nie etwas Ver­gle­ich­bares gese­hen Dann mache ich mich langsam an den Abstieg, der schnell von stat­ten geht. So müh­sam die Auf­stiege auf dieser Höhe auch sind, die Abstiege fühlen sich gle­ich Fliegen an. Ich erre­iche wieder Lobuche und suche Alex auf, der im Bett liegt. Es geht ihm schon bess­er und ich erzäh­le ihm von meinen Aben­teuern. Wir gehen Mit­tage­sen und vertrödeln den restlichen Tag. Ich lese, nötige Alex viel Flüs­sigkeit zu sich zu nehmen und wir freuen uns über jede Stunde ohne Toi­let­ten­gang. So verge­ht der Tag ohne weit­ere High­lights.

Die Evakuierung
Alex hat die ganze Nacht nicht schlafen kön­nen und klagt am Mor­gen über Kopf­schmerzen, Übelkeit, Schwanken und all­ge­meine Schwach­heit. Er muss runter vom Berg. Doch wie? Die Nacht über hat es kräftig geschneit und über­all liegt eine Schicht Neuschnee. Wir über­legen ob er in der Lage ist die drei Stun­den bis nach Pheriche abzusteigen, wo sich ein Kranken­haus befind­et. Doch angesichts sein­er kör­per­lichen Schwäche und dem rutschi­gen Schnee ist das eher aus­sicht­s­los.

Ich frage den Wirt wie wir am besten ver­fahren kön­nen, ob es ein Pony gibt, das Alex hin­un­ter­brin­gen kön­nte. Aber es gibt nur eine Lösung: Der Helikopter. Er holt einen Mann dazu, der in Kon­takt mit den Air­lines ste­ht und er erk­lärt uns das Prozedere, fragt ob wir ver­sichert sind. Sind wir glück­licher­weise über den DAV, dessen Bergret­tungsver­sicherung weltweit gilt. Ich kann es gar nicht fassen wie schnell alles ging. Wie sehr der Durch­fall Alex Kör­p­er geschwächt haben muss, sodass es nur diese eine Lösung geben soll.

Draußen scheint die Sonne, der Schnee glitzert, der Atem von Yaks kon­den­siert in der Luft. Es ist wun­der­schön. Und nun müssen wir diesen Ort ver­lassen, her­aus­geris­sen aus diesem Traum ein­er Berg­land­schaft — nur vier bis fünf Stun­den vom Ziel ent­fer­nt. Es fällt mir schw­er Abschied zu nehmen. Aber es geht nicht anders.

Wir pack­en unsere Sachen und 1,5 Stun­den später lan­det der Helikopter auf dem Hügel bei Lobuche. Alles ist so sur­re­al, es fühlt sich an wie im Traum. Wir steigen ein und heben ab, sehen den höch­sten Berg der Welt vom Hub­schrauber aus, fliegen den ganzen Weg, den wir uns 10 Tage hin­auf gekämpft haben in ein­er hal­ben Stunde zurück — über Teng­boche, Nam­che Bazaar und Phakd­ing. Wir lan­den in Luk­la, wo wir erst­mal nicht wis­sen wie es weit­er geht.

Wir wer­den in eine Lodge beim Flughafen geset­zt, bekom­men Tee. Alex geht es auf dieser Höhe schon etwas bess­er, aber er kann noch immer nicht ein­schlafen, obwohl er total fer­tig ist. Eine Gruppe Inder sitzt hier, die mit dem Helikopter einen Bergrund­flug unter­nom­men haben. Dann kommt jemand und sagt uns, dass derzeit das Wet­ter auf dem Flug nach Kath­man­du sehr schlecht ist und es deswe­gen noch etwas dauert bis ein Helikopter kommt, der uns nach Kath­man­du weit­er­bringt.

Nach etwa zwei Stun­den geht es dann weit­er und wir steigen in den zweit­en Hub­schrauber. Das Wet­ter hier ist noch sehr gut, aber schon bald sehen wir die dicke dun­kle Wolken­front über den Bergen nach Kath­man­du. Wir müssen über einen Pass fliegen, aber das ist gar nicht so ein­fach. Die Wolk­endecke hängt tief über dem Pass und der Helikopter hat nicht viel Platz zum Durch­fliegen. Der Pilot ver­sucht es, aber die Ther­mik ist gegen ihn. Die Winde treiben uns weg. Er ver­sucht es also über einen anderen Pass, was dann auch klappt. Regen­tropfen klatschen gegen die Frontscheibe.

Der Flug ist unge­mein gruselig. Ich sitze vorne neben dem Piloten, Alex veg­etiert hin­ten vor sich hin. Ich habe schon ein biss­chen Angst in diesem Unwet­ter. Aber dann haben wir die Berge hin­ter uns gebracht und es scheint wieder die Sonne. Die Häuser von Kath­man­du kom­men in Sicht und wir lan­den auf dem Flughafen, wo uns ein Kranken­wa­gen erwartet. Er bringt uns ins SWACON Kranken­haus in Kath­man­du, wo alles weit­ere geregelt wird.

Der Kranken­hausaufen­thalt
Alex ist kom­plett dehy­dri­ert wie sich her­ausstellt, und das trotz­dem er sich­er sechs Liter Flüs­sigkeit am Vortag zu sich genom­men hat plus Elek­trolyte. Er bekommt Infu­sio­nen mit Elek­trolyten und allem möglichen. Noch immer kann er nicht ein­schlafen, es gelingt ihm erst in der Nacht. Ich kann im Zim­mer über­nacht­en, es gibt einen kleinen ausklapp­baren Ses­sel zum Über­nacht­en. Wir haben auch einen Fernse­her und schauen die ganze Zeit “Ani­mal Plan­et”, einen Sender, der die ganze Zeit Tier­doku­men­ta­tio­nen zeigt.

Zwei Nächte müssen wir hier ins­ge­samt ver­brin­gen. Offen­bar wurde Alex Kör­p­er durch den Durch­fall und den ent­stande­nen Flüs­sigkeitsver­lust, der auf der Höhe ohne­hin schon enorm ist, so geschwächt, dass die Höhenkrankheit Chan­cen hat­te zuzuschla­gen und dann alles vor­bei war. Alle möglichen Tests wer­den gemacht, bevor Alex wieder ent­lassen wer­den kann. Wir sollen in ein paar Tagen zur Nachunter­suchung vor­beikom­men.

Ins­ge­samt macht das Kranken­haus einen guten Ein­druck. Ein Einzelz­im­mer mit Fernse­her, jeglich­es Essen kann bestellt wer­den, gute und fre­undliche Betreu­ung. Bess­er als man es als Kassen­pa­tient in deutschen Kranken­häusern hat. Aber medi­zinisch muss ich zweifeln. Alex bekommt gle­ich mehrere ver­schiedene Antibi­oti­ka in die Venen — weiß der Teufel was das alles ist. Ein Run­dum­schlag soll halt helfen. Eine Wahl des Kranken­haus­es hat man allerd­ings nicht, allerd­ings kom­men alle, die mit dem Helikopter run­terge­holt wer­den in diesem Kranken­haus, das auf Reise- und Höhen­medi­zin spezial­isiert ist, an.

Das größte Aben­teuer im Kranken­haus ist, dass nur wenige Zeit nach unser­er Ankun­ft im Kranken­haus zwei Män­ner vor uns im Kranken­z­im­mer ste­hen und die 8.500 $ für den Helikopter­flug haben wollen. Sie gehen auch nicht eher als bis die Rech­nung bezahlt ist was angesichts von Kred­itkarten­lim­its gar nicht so ein­fach ist. Ver­mut­lich hät­ten wir das auch direkt über die Krankenkasse abrech­nen kön­nen bzw. über den DAV, eben­so wie die Kranken­haus­rech­nung, aber man ist so unter Druck und mit den Gedanken ohne­hin woan­ders, dass man soweit in dem Moment nicht denkt. So müssen wir es hin­ter­her bei der Ver­sicherung ein­re­ichen. Man kann sich sog­ar bei der Deutschen Botschaft reg­istri­eren, die die Kosten vor­erst übern­immt, aber das haben wir vor dem Trek natür­lich vergessen. Mit sowas rech­net man ja auch nicht.

Da immer­noch Ben­zinkrise herrscht, die nun noch schär­fer grassiert, gibt es kaum Taxis. Kurz­er­hand fährt uns der Kranken­wa­gen zu unserem Hos­tel in Bhak­ta­pur, wo wir am 17. Okto­ber ankom­men.

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