Russland: Olkhon Island

Mit­ten im Baikalsee liegt Olkhun Island, ein wun­der­bar­er Aus­gangspunkt für die Erkun­dung des tief­sten Sees der Welt und Sibirien. Neben den einzi­gen Süßwasser­robben der Welt und ein­er beein­druck­enden Steilküste find­et man hier Reste von Schama­nen­bräuchen. 

Heute fahren wir nach Olkhun, eine Insel mit­ten im Baikalsee. Dafür fahren wir etwa sechs Stun­den mit dem Minibus nach Nor­den. Irkut­sk liegt noch etwa 70km vom Baikalsee ent­fer­nt, wir fahren nördlich und gelan­gen dann mit der Fähre auf die Insel. Auf der Insel selb­st gibt es keine geteerten Straßen mehr. Nur Sand­straßen führen zu dem einzi­gen Ort auf Olkhun — Khuzhir, der etwa 1500 Ein­wohn­er behei­matet. Bes­timmt ein Riesenspaß bei Regen, wenn sich alle Straßen in Matsch ver­wan­deln :) Im Win­ter gelangt man über das Eis zur Insel, in den Über­gangs­saisons ist sie kom­plett abgeschnit­ten. Weit­er­hin ist Olkhun ein großes schaman­is­ches Zen­trum und viele heilige Stät­ten der Bur­jat­en sind hier zu find­en.

Der Baikalsee ent­stand vor 25 bis 30 Mil­lio­nen Jahren und ist mit 1.637m der tief­ste See der Welt. Immer Som­mer ist er tief­blau, die Bergket­ten und Strände lassen sich erkun­den, im Win­ter ist er zuge­froren und befahrbar.

Der Baikalsee hat eine Küsten­länge von ins­ge­samt 2.000km und ist 636km lang — also ziem­lich groß. Somit birgt er 1/5 der weltweit­en, unge­frore­nen Süßwasser­vor­räte. Das Wass­er hat größ­ten­teils sog­ar Trinkwasserqual­ität. Der Baikalsee wird von über 300 Flüssen gespeist, nur ein­er führt das Wass­er wieder hin­aus.

Die Tour mit dem Minibus trägt uns durch weite karge Taiga-Step­pen­land­schaft, die mit Pfer­den und Kühen gesprenkelt ist. Wei­dezäune gibt es hier nicht und es kann schon­mal vorkom­men, dass eine Kuh auf der Straße ste­ht. Hier bekommt man wirk­lich ein Gefühl das Ende der Welt erre­icht zu haben. Wir machen Mit­tagspause in einem Café inmit­ten vom Nir­gend­wo und essen eine leckere Sol­jan­ka. Mal wieder bin ich froh ein biss­chen Rus­sisch zu kön­nen um die Bestel­lung zu man­a­gen.

Ein franzö­sis­ches Paar kommt aus der ent­ge­genge­set­zten Rich­tung, die wir pla­nen. Ihre sechsmonatige Reise began­nen sie in Myan­mar, sind durch Südostasien gereist, Indi­en und durch Chi­na und die Mon­golei bis hier­her zum Baikalsee. Sie erzählen viel von der Mon­golei und geben ein paar Tipps. Am besten hat ihnen Myan­mar gefall­en. Anscheinend gibt es auch einen Weg über Land von Thai­land nach Myan­mar zu kom­men. Da über­all ste­ht, dass man nur mit dem Flugzeug in Myan­mar ein- und aus­reisen darf, haben wir das Land eigentlich von der Reiseliste gestrichen. Nun wird es wieder inter­es­sant, schauen wir mal!

Weit­ere drei Stun­den im Mini­van brin­gen uns zur Fähre, die uns das kurze Stück über den Baikalsee zur Insel bringt. Von hier sind es noch etwa 30km bis nach Khuzhir, das etwa in der Mitte der ca. 70km lan­gen Insel liegt.

Wir wer­den her­zlich von Olga in unserem Hos­tel emp­fan­gen. Zur Begrüßung gibt es Chai (Tee) und leck­eren Kuchen. Sie zeigt uns die Zim­mer und die Gebäude. Toi­let­ten, Duschen, Küche und Waschbeck­en sind in sep­a­rat­en Gebäu­den unterge­bracht. Das “Waschbeck­en” wird auf eine spezielle Art bedi­ent: In einem Eimer befind­et sich Wass­er, das über eine Schöpfkelle in kleine Plas­tik­tanks gefüllt wird, von denen man sich dann das Wass­er über die Hände fließen lassen kann. Ich bin ges­pan­nt wie die Duschen funk­tion­ieren :) Das Hos­tel ist wie ein kleines Dorf im Dorf, hin­ter den Zäunen befind­en sich mehrere Holzbun­ga­lows und einzelne Gebäude. Wir fühlen uns sofort wohl.

Nach Tee und Kuchen machen wir uns zusam­men mit dem allein­reisenden Fran­zosen, der noch mit Zelt über die Insel trekken will, zu ein­er Erkun­dungs­tour auf. Wir spazieren durch die staubi­gen Straßen bis zur Küste mit ihren schaman­is­chen Felsen. Die Sonne kommt auch her­aus und wir erfreuen uns an diesem her­rlichen Anblick. Am gegenüber­liegen­den Ufer ragen die Berge auf, vor uns ragen schroffe Felsen aus dem See. Viele Hunde stromern hier friedlich herum, es scheint, dass sie es lieben hier zu leben und zwis­chen den Felsen ihre Run­den zu drehen.

 

Wir kehren zurück zum Hos­tel um das Aben­dessen einzunehmen, das liebevoll von Olga zubere­it­et wurde. Buch­weizen­gries — sehr beliebt in Rus­s­land — mit Würstl, dazu Salat und Mini-Muffins.

Robben am Kap Khoboy

Heute fahren wir an die beein­druck­ende Steilküste im Naturschutzge­bi­et am Kap Khoboy. Mit ein biss­chen Glück sieht man hier auch Baikalrobben, die weltweit einzige Süßwasser­robbe­nart.

Nach einem über­aus reich­halti­gen Früh­stück beste­hend aus Omelette mit Kartof­feln und Speck sowie dem oblig­a­torischen Kuchen, den es jeden Mor­gen und Abend gibt, begeben wir uns in den alten rus­sis­chen UAZ-Bus um eine Rund­tour durch den Nor­den der Insel Olkhon zu machen. Täglich fahren diese alten Busse von Khuzhir zum Kap Khoboy.

Auf der ins­ge­samt sieben­stündi­gen Rund­tour machen wir mehrere Stopps, wodurch die hol­prige Fahrt über vom Regen aufgewe­ichte Wege, angenehm unterteilt wird und man nicht zulange sitzen muss. Am Kap selb­st sehen wir neben beein­druck­enden Fel­sklip­pen eine kleine Baikalrobben-Ansamm­lung, etwa 100m unter uns. Wir kön­nten stun­den­lang hier sitzen und die Robben beobacht­en, wie sich sich eher unel­e­gant auf die Felsen schieben, um dann im Wass­er flink und wendig ihre Ele­ganz zu präsen­tieren. Der Baikalsee schim­mert blau-grün und glitzert in der Sonne.

Zum Mit­tagessen gibt es über offen­em Feuer gekochte Fis­chsuppe, die sog­ar ich essen kann indem ich auf die fis­chi­gen Anteile verzichte. Beliebt ist hier der Omul, eine Lach­sart, die nur im Baikalsee vorkommt, also endemisch ist. Hier bekommt man an jed­er Ecke Omul serviert — gegrillt oder in der Suppe. Zur Fis­chsuppe gibt es Chai (Tee) und ein biss­chen Wod­ka.

Steilklippen

Unsere kleine Truppe beste­ht neben sechs von unserem Hos­tel (Drei Kore­an­er und neben uns ein weit­er­er Deutsch­er), aus einem spanis­ches Paar und zwei Russen. Injuk, ein Kore­an­er, kann ziem­lich gut rus­sisch, was wirk­lich sehr hil­fre­ich in der Kom­mu­nika­tion mit Olga, der Hostelbe­sitzerin, dem Fahrer und weit­eren Per­so­n­en ist. Englisch spricht hier kein­er mehr. Ein­er der zwei Russen kann ganz gut Spanisch sprechen, aber kein Englisch. So wird mein Rus­sisch jedoch von Tag zu Tag um weit­ere Wörter ergänzt.

Nach dem Mit­tagessen fahren wir zu ein­er weit­eren Steilküste. Erst hier stelle ich fest, dass ich meine Jacke am let­zten Aufen­thalt­sort vergessen habe. Zum Glück spricht Injuk Rus­sisch und kann dem Fahrer mein Anliegen deut­lich machen, der sich nur über meine Vergesslichkeit amüsieren kann. Er fährt mich net­ter­weise das Stück zurück, dass glück­licher­weise nicht weit ent­fer­nt liegt, damit ich meine Jacke holen kann. Dann sehen wir uns die steilen Fel­sklip­pen an. Es lädt ein auf den Felsvor­sprün­gen herumzuk­let­tern, aber das Gelände ist extrem bröselig, wie wir schon am Dien­stag am Strand von Khuzhir fest­gestellt haben. Es windet sehr hier oben, die schaman­is­chen Fäh­nchen wehen über­all und der Hut der Kore­aner­in wird davon getra­gen, auf einen unerr­e­ich­baren Felsvor­sprung.

Zu guter let­zt sind wir an einem kleinen Ste­in­strand. Auf der Wiese dahin­ter grasen friedlich Pferde und Kühe. Auch Ziesel (Sus­lik), eine Erd­hörnchenart, kön­nen wir auf der Fahrt ent­deck­en, wie sie auf den Hin­ter­beinen ste­hen und süß ihre Nasen in die Luft reck­en.
Auf der hol­pri­gen Fahrt stelle ich fest, dass ich so gut wie über­all schlafen kann, wenn ich müde bin. Egal, wie sehr es schaukeln und rüt­teln mag, ich kann dabei lock­er schlafen und trotz­dem aus­bal­ancieren. So manch ein­er bewun­dert diese Fähigkeit.

Sonnenuntergang am Baikalsee

Nach einem Einkauf und dem Aben­dessen ver­brin­gen wir den Rest des Abends mit den Neuankömm­lin­gen im Hos­tel — Hugo, ein Ital­iener, der in Lon­don wohnt, Ani­ta, eben­falls aus Lon­don und Alan aus Deutsch­land. Wir machen zusam­men einen Spazier­gang an die Küste und schauen uns zusam­men den Son­nenun­ter­gang an. Wir unter­hal­ten uns viel über die Mon­golei und bekom­men einige hil­fre­iche Tipps von Hugo. Es wird schnell sehr kalt als die Sonne unterge­ht und ich bin deut­lich zu frisch ange­zo­gen, weshalb ich schnell­st­möglich ins Hos­tel zurück und mich in mein warmes Bett kuscheln mag.

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