Kilimanjaro

Tansania: Besteigung des Kilimanjaro, das Dach Afrikas

Der Kil­i­man­jaro, höch­ster Gipfel Afrikas und der höch­ste freis­te­hende Gipfel der Welt. Ein Berg­steiger­traum und für viele der erste Sev­en Sum­mit. Steil erhebt sich das gewaltige Bergmas­siv über der ostafrikanis­chen Ebene, die voller Giraf­fen, Löwen und Ele­fan­ten ist. Beim Auf­stieg kommt man durch mehrere Kli­ma­zo­nen — von üppigem Regen­wald über windgepeitschte Hei­den­land­schaft und wüsten­gle­iche Alpin­land­schaft bis hin zu den strahlen­den Eis­ber­gen am Uhu­ru Peak auf 5.895m.

Ein Fuß vor der anderen, nicht höher als notwendig um Energie zu sparen. Der Blick auf die Füße, in Gedanken nur bei der bald aufge­hen­den Sonne, die ver­spricht ihre wär­menden Strahlen auszusenden. Wir schauen auf und stellen fest, dass wir den Stel­la Point erre­icht haben. Von hier sind es nur noch 40 Minuten zum Gipfel und die Sonne geht langsam auf. Der Gipfel zum Greifen nah, rot leuch­t­ende Eis­berge vor uns, der Krater unter uns. Fast geschafft. Ein let­zter Kraftakt noch und wir sind da. Auf dem Dach Afrikas, am Ziel unser­er Träume. Bis hier her war es ein weniger Weg.

Es gibt fünf Haup­trouten auf den Kil­i­man­jaro. Auf­grund unser­er hin­re­ichen­den Erfahrung mit der Höhenkrankheit haben wir uns bei der Bestei­gung des Kil­i­man­jaros für die kon­ser­v­a­tive Vari­ante entsch­ieden. Mit der ersten Akkli­ma­tisierung auf dem benach­barten Mount Meru und der Wahl der fün­ftägi­gen Machame Route auf den Gipfel sind wir bestens gerüstet, denn mit dieser Erfahrung im Rück­en schafft der Großteil der Wan­der­er auch den Gipfel. Ein Spazier­gang wird es trotz­dem nicht wer­den.

Anfang des Jahres haben wir diese Idee gehabt: Tansa­nia. Zuerst den höch­sten Berg Afrikas besteigen, dann Safari und um Abschluss noch Tauchen an der Küste. Klingt doch per­fekt, von allem was ich so liebe etwas. Die Entschei­dung ließ nicht lange auf sich warten und nun im Okto­ber ist es soweit. Das Aben­teuer begin­nt und ich ste­he kurz vor meinem ersten Sev­en Sum­mit.

Erste Etappe: Machame Gate bis Machame Hut (3.032m)

10,9km, 4h, 1.220hm

Wir starten am Machame Gate auf 1.828m, wo eine Katze auf Mit­tagsreste wartet. Direkt am Anfang des Wegs hin­ter dem Park­platz laufen einige Affen über die Straße, die in die umgeben­den Bäume hüpfen. Heute ist es nicht ganz so warm, aber dur­chaus schwül. Der erste Teil fol­gt ein­er Straße, die sich zuerst recht steil präsen­tiert bis sie in einen Pfad in angenehmer Stei­gung überge­ht. Wir befind­en uns in einem schat­ten­spenden­den dicht­en Wald in dem Moose von den Ästen der Bäume hän­gen. Wir drin­gen in den soge­nan­nten Nebel­wald ein und die hohe Luft­feuchtigkeit bringt unseren Schweiß zum Tropfen. Orange leucht­en die Blüten der Kil­i­man­jarob­lume (Impa­tiens Kil­i­man­jari) zwis­chen den Baum­stäm­men am Weges­rand. Sie haben eine Art Rüs­sel, der an einen Ele­fan­ten erin­nert.

Ins­ge­samt sind wir 26 Leute. Neben zahlre­ichen Trägern, zwei Köchen und dem Kell­ner, wer­den wir von unseren Guides Nico, Chu­ma und Machu begleit­et. Nico (45) arbeit­et seit 15 Jahren am Kil­i­man­jaro, die ersten drei Jahre als Träger. So war er schon über 300 Mal am Kili, 20–22 Trips pro Jahr. Das Train­ing als Guide wird alle drei Jahre vom Nation­al­park ange­boten, jed­er kann sich bewer­ben. Dafür ist Englisch Grund­vo­raus­set­zung, was in der Schule gel­ernt wird. Machu arbeit­et bere­its seit 17 Jahren am Kil­i­man­jaro, arbeit­et aber nur noch gele­gentlich als Guide.

Wir, die Kun­den, sind zu sechst. Neben uns sind dabei: Die zwei Salzburg­er Alex (45), Architekt, Segler und Wel­tenbumm­ler und Chris (51), braunge­bran­nter Paraglid­er, dessen größtes Aben­teuer es war bei -57°C den Chimb­o­ra­zo zu besteigen. Dazu die Inns­bruck­er Bergnär­rin­nen Renate (46) und Lizzy (64) vor denen kein Gipfel in den Alpen sich­er ist.

Mit zunehmender Höhe lichtet sich der Wald mehr und mehr und die Veg­e­ta­tion ändert sich. Es wird trock­en­er und der Pfad sandi­ger. Hei­dekrautar­tige Büsche dominieren nun die Land­schaft. Nach ein­er let­zten steilen Sek­tion erre­ichen wir das Camp auf 3.030m. Wir reg­istri­eren uns in der Hütte und beziehen dann unsere Zelte ein Stück unter­halb, die bere­its aufge­baut wur­den. Als Nach­mit­tagss­nack gibt es Pop­corn und Tee. Der Kil­i­man­jaro Gipfel lässt sich ab und an zwis­chen den Wolken blick­en.

 

2. Etappe: Machame Hut bis Shira Camp (3.850m)

3h, 5km, 900hm

Nach dem Früh­stück brechen wir zu unser­er heuti­gen ver­hält­nis­mäßig kurzen Etappe auf. Nur 900hm liegen vor uns. Wir gehen durch den mit Erik­abäu­men bewach­se­nen Wald. Langsam und stetig steigen wir um unsere Kör­p­er langsam an die Höhe zu gewöh­nen. So kom­men wir auch wed­er ins Schnaufen, noch ins Schwitzen. Oft lassen wir Träger vor­bei, die ihre schwere Last ins näch­ste Lager schlep­pen. Die Wolk­endecke liegt bere­its unter uns, aber weit­ere Wolken ver­hin­dern die Sicht auf Meru und Kil­i­man­jaro. Vere­inzelt tauchen Sene­tien am Weges­rand auf, knubbe­lige Bäume, die von ein paar Pal­men­blät­tern gekrönt wer­den.

Der Weg ist steil, aber durch unser langsames Tem­po kein Prob­lem. Wir genießen diesen wom­öglich ein­fach­sten Tag der gesamten Route. Die gesamte Zeit wan­dern wir auf das Shi­ra Plateau zu auf dem sich das Camp befind­et. Unter uns ist das Camp der let­zten Nacht zu erken­nen. Am Weges­rand wach­sen leuch­t­end rote Glad­i­olen­blu­men. Dazwis­chen hüpfen Almen­schmätzer, spatzenar­tige Vögelchen, umher.

Die Veg­e­ta­tion wird zunehmend niedriger und der Weg fel­siger. Über ein paar let­zte Felsstufen gilt es zu krax­eln bis wir das Plateau erre­ichen. Von hier geht es nur noch ein paar Höhen­meter abwärts bis wir die ersten Zelte vom Camp sehen.

Es gibt ein reich­haltiges Mit­tagessen und dann ruhen wir uns aus. Am Nach­mit­tag unternehmen wir noch eine kleine Wan­derung zu den Shi­ra Höhlen in denen frühere Gipfe­laspi­ran­ten über­nachtet haben. Heute ist das auf­grund der Stein­schlagge­fahr inner­halb der Höhlen nicht mehr erlaubt. Wir gehen zu einem kleinen Aus­sichts­felsen, von wo wir einen schö­nen Blick auf dem zum Greifen nah wirk­enden Kil­i­man­jaro Gipfel mit seinen kleinen Gletsch­ern haben. Hier gibt es unfass­bar viele Obsid­i­ansteine. Falls wir heute Nacht von Weißen Wan­der­ern ange­grif­f­en wer­den soll­ten, haben wir eine gute Chance.

3. Etappe: Shira Cave Camp bis Barranco Camp (4.000m)

10km, 910hm hin­auf, 670hm hinab, 4h

Während früh mor­gens der blaue Him­mel noch die Sicht auf Kil­i­man­jaro und Meru frei­gibt wan­dern wir später in dicht­en Wolken los. Dazu ist es ohne Sonne auch kalt. Langsam stapfen wir in angenehmer Stei­gung hin­auf. Die Veg­e­ta­tion wird immer spär­lich­er. Zuerst begleit­en uns noch Lobelias und Sträuch­er, bald schon gibt es jedoch nur noch vere­inzelt trock­enes robustes Gestrüpp zwis­chen den Lavabrock­en, die den Weg säu­men. Immer wieder geht es ein wenig abwärts, generell aber aufwärts. Erst nach ein­er ersten Felsstufe wird es steil­er. Von links kommt die Lemosho Route zu uns her­auf. Von hier gibt es nun zwei Pfade: Einen flacheren über einen 4.530m hohen Pass, oder den zum Lava Tow­er auf 4.642m. Wir nehmen die Route über den Lava Tow­er. Spätestens hier macht sich die Höhe bemerk­bar, wenn auch deut­lich weniger als am Meru. Man weiß auch nie was man anziehen soll. Ist die Sonne da, ist es zu warm, ohne ist es zu kalt, da der Wind kalt weht. Ich entschei­de mich für ein Fleece und immer wenn es käl­ter wird, stülpe ich mir die Kapuze über.

Nach etwa drei Stun­den ste­hen wir auf 4.642m am Lava Tow­er, höher als am Gipfel des Merus. Dies­mal geht es uns dabei deut­lich bess­er. Gemütlich sitzen wir vom Wind geschützt und mumpfeln unser Lunch­paket. Die Raben warten natür­lich schon auf ihren Anteil. Über uns thront der Lava Tow­er, den man mit ein wenig Klet­ter­aufwand eben­falls besteigen kann. Allerd­ings ist das Gestein lose und bröselig.

Lei­der dienen die gewonnenen­erkl Höhen­meter nur der Akkli­ma­tisierung. Der Gipfel liegt zum Greifen nah 1.300hm über uns. Jedoch führt von hier nur die West­ern Breach Route direkt zum Gipfel. Schweiz­er, die wir bere­its am Meru angetrof­fen und diesen beim Abstieg zum Camp wieder­begeg­nen, haben diese Route gewählt. Sie ist steil und führt über Felsen, über die es ein wenig zu krax­eln gilt. Stein­schlagge­fahr kommt noch hinzu. Ver­lock­end ist es schon, die direk­te Route vor einem zu haben über die es ein Katzen­sprung zum Gipfel zu sein scheint.

Wir hinge­gen haben noch 16 Stun­den bis zum Gipfel vor uns. 670hm gilt es für nun wieder abzusteigen. Effek­tiv haben wir damit heute nur 140hm gewon­nen. Erst­mal geht es steil bergab. Gegenüber gibt es einen leicht­en Gege­nanstieg zu bewälti­gen, dann geht’s nur noch bergab was sich so leicht wie fliegen anfühlt. Wir gelan­gen in ein Gebi­et mit vie­len Sene­tien um uns herum. Nico erk­lärt uns, dass die Bäume ihre alten Blät­ter nicht abw­er­fen und sich damit vor der Kälte schützen. Der Stamm ist dicht von ihnen einge­hüllt und die Pflanze bildet sog­ar eine Art weiche Wolle. Nur die ober­sten Blät­ter sind grün. Links von uns ver­läuft eine kleine Schlucht und ein Wasser­fall ergießt sich zwis­chen Sene­tien und Felsen. Kurz danach erre­ichen wir das Camp mit den vie­len bun­ten Zel­ten.

Heute sind wir früh genug dran, dass wir den Trägern bei ihrer Mahlzeit zuse­hen kön­nen. Sie bekom­men Tee und eine Suppe, waschen sich und ver­schwinden in ihre Zelte. Für uns gibt es wieder Pop­corn und Tee. Die Wolken lassen uns den ganzen Tag nicht los und begleit­en uns bis in die Nacht hinein.

4. Etappe: Barranco Camp bis Barrafu Camp (4.680m)

8,2km, 4,5h, 1.110hm hin­auf, 394hm hinab

Der Mor­gen begrüßt uns klar und son­nig. Endlich kön­nen wir die gewalti­gen Süd­ab­brüche des Kilis bewun­dern von dem Hänge­gletsch­er ragen. Zuerst gilt es steil die Great Bar­ran­co Wall hochzukrax­eln, was auf über 4.000m viel Kraft kostet. Immer wieder gibt es I bis IIer Stellen zu über­winden und brin­gen mich aus der Puste. Ich bin froh das Schlimm­ste hin­ter mir zu haben, auch wenn es nur 200hm waren. Es geht nun zwar weit­er aufwärts, aber deut­lich­er san­fter, sodass man auf den bewährten Rhyth­mus ver­trauen kann. Auf dem höch­sten Punkt dieses Anstiegs haben eine her­rliche Aus­sicht auf den Meru auf dem wir vor ein paar Tagen standen. Heute Nacht hinge­gen wer­den wir auf der Höhe des Meru Gipfels schlafen.

Nun steigen wir in mehrere Täler ab und wieder hin­auf, die krachen­den Gletsch­er des Kilis stets an unser­er Seite. Die hart erkämpften Höhen­meter von heute Mor­gen haben wir schon bald wieder ver­loren, vor allem als es steil hinab in das Karangu Tal geht. Es liegt auf 3.940m und somit sind wir wieder so tief wie am Anfang des Tages an unserem Camp. Auf der anderen Seite ist der steil wieder hin­auf führende Pfad bere­its deut­lich zu erken­nen, aber ich ver­suche nur an den Moment zu denken. Heute ist es klar und son­nig, weswe­gen das Wan­dern deut­lich genussvoller als gestern ist. Die Aus­sicht­en sowohl in die Ebene als auch auf den Kili und Meru sind unschlag­bar.

Unten im Karangu Tal ist es grün und Lobelias säu­men unseren Weg. Ein Fluss plätschert vom Berg hin­unter, die let­zte Wasser­stelle vor dem Gipfel. Wass­er muss oft kilo­me­ter­weit aus umgebe­nen Flüssen geholt wer­den, was die Träger immer klammheim­lich erledi­gen. Wir machen eine kurze Pause bevor wir den Anstieg in Angriff nehmen. Oben befind­et sich das staubige Karangu Camp, das jedoch noch lange nicht das Ende des Anstiegs markiert, son­dern vielmehr eine Pause und für viele auchso­vie Lunch Spot oder sog­ar Camp. Den Anstieg brin­gen wir erstaunlich schnell hin­ter uns, aber unsere Mit­tagspause wartet erst am Ende dieses Anstiegs auf uns. Er nimmt nur eine halbe Stunde in Anspruch, ist aber schreck­lich monot­on.

Wir stapfen auf staubi­gen Wegen zwis­chen Fels­blöck­en hin­durch und ich schaue nur auf meine Füße. Es hat fast etwas Med­i­ta­tives. Oben wartet jedoch ein per­fek­ter Pausenort auf uns. Wir blick­en auf die Kil­i­man­jaro-Wand und seine Gletsch­er, um uns herum Lavawüste. Wie immer warten Raben auf ihren Anteil und kön­nen sich gar nicht genug auf ein­mal in den Schn­abel stopfen. Die Sonne wärmt uns und der Wind lässt uns weitest­ge­hend in Ruhe. Wirk­lich ein schönes Plätzchen. Unser Lunch­paket heute ist reich­haltig und ich kann gar nicht so viel essen wie darin ist.

Nun liegt ein flach­er Teil vor uns, der über das wüstige Plateau führt. Bald kön­nen wir den finalen Tage­sanstieg aus­machen zu dessen Ende bere­its die ersten Zelte sicht­bar sind. Dieses let­zte Stück ist nochmal steil und an der ein oder anderen Stelle muss nochmal die Hand an den Fels gelegt wer­den. Seit der let­zten Pause habe ich mich damit beschäftigt Müll­stücke am Weg zu zählen und komme in 1,5 Stun­den auf über 800 Stück, alleine am Weges­rand. Meis­tens Taschen­tüch­er und Toi­let­ten­pa­pi­er, dann Plas­tikver­pack­un­gen und Zigaret­ten­s­tum­mel. Ein Wahnsinn was hier an Müll zurück­ge­lassen wird. Vor allem die Pausen­plätze sind beson­ders betrof­fen.

Trau­rig, wenn jed­er seinen mit­ge­bracht­en Müll wieder mit­nehmen würde, sähe es hier anders aus. Am Meru ist es hinge­gen deut­lich sauber­er. Offen­bar wird da mehr hin­ter­her geräumt, denn dort gibt es auch nur einen möglichen Weg während es am Kili viele gibt. Über diese Über­legun­gen sind wir ruck­zuck oben, wo der Anstieg aber noch nicht das erhoffte Ende hat. Nur die ersten Zelte ste­hen hier unten, aber ein steil­er San­danstieg tren­nt uns noch von unserem Camp.

Oben set­zen wir uns gemütlich in die Camp­ingstüh­le und genießen den Blick auf den Mawen­zi, einen der drei Gipfel vom Kili, während die Träger den per­fek­ten Platz für die Zelte suchen. Da viele Routen auf den Kil­i­man­jaro sich hier vere­ini­gen, ist es entsprechend voll und die Toi­let­ten lassen zu wün­schen übrig. Hun­grige Mäuschen huschen um uns herum. Von hier sehen wir auch schon die ersten Höhen­meter Rich­tung Gipfel. Heute gibt es ein früh­es Aben­dessen um noch etwas Schlaf vor dem finalen Auf­stieg einzusam­meln.

5. Etappe: Barrafu Camp — Kilimanjaro (5.895)

9,1km, 1.200hm, 8,5h

Mit­ten in der Nacht starten wir unseren Anstieg auf den höch­sten Berg Afrikas. Alex aus Salzburg ist lei­der nicht dabei, da er sich nicht fit genug fühlt. Wir gehen also zu fün­ft zusam­men mit unseren Guides Nico, Chu­ma und Machu.

Nach Tee und Kek­sen, von denen kaum jemand auch nur einen run­ter­bringt, geht es los. 12:30 Uhr, keine vernün­ftige Zeit für einen Spazier­gang ober­halb 5.000m. Es ist näm­lich kalt, arschkalt. Wir ziehen alles an was wir haben. T-Shirt, Longsleeve, Weste, Daunen­jacke, Hard­shell, lange Unter­hose, Ski­touren­ho­sen und Skisock­en. Beim ersten Stück wird uns dur­chaus warm, denn es gilt über Felsen zu krax­eln. Danach aber wird es bit­terkalt. Eigentlich nur -9°C Tief­st­tem­per­atur, was für den Kil­i­man­jaro eher warm ist. Weit öfter herrschen -20°C in der Nacht. So richtig glück­lich kann ich trotz­dem nicht darüber sein während mir Fin­ger und Zehen frieren. Die Hände umhülle ich mit zwei Schicht­en Hand­schuhen, die Zehen ver­suche ich so gut es geht in den Schuhen zu bewe­gen.

Land­schaftlich gibt es nichts zu bericht­en, denn außer­halb des Scheins der Stirn­lam­p­en ist alles in tiefe Dunkel­heit gehüllt. Eine schmale Mond­sichel ste­ht am Him­mel und es ist ster­nen­klar. Freilich haben wir dafür kaum Augen als wir uns den Hang hin­auf­schlep­pen. Hin­ter und vor uns zieht sich eine leuch­t­ende Schlange aus Stirn­lam­p­en den Berg ent­lang. Unter uns leucht­en die Lichter von Moshi. Extrem monot­on ist es die unzäh­li­gen sandi­gen Ser­pen­ti­nen hin­auf zu stapfen. Renate geht es schlecht, sie fühlt sich schwindelig und ihr ist übel. Nico ver­sucht sie zu beruhi­gen und zum Weit­erge­hen zu motivieren, was ihm schließlich auch gelingt. Nach und nach geht es den anderen eben­falls schlechter, Alex und ich hal­ten uns jedoch wack­er. Schon bald friert mir mein Wass­er im Schlauch meines Camel­baks ein und ich muss zur Wasser­flasche in meinem Ruck­sack greifen, die ich gut isoliert habe.

Stun­den tap­pen wir im Dunkeln den Hang hin­auf. Immer hoffe ich, dass der Stel­la Point, der den oberen Krater­rand markiert, hin­ter der näch­sten Kuppe auf­taucht. Der Höhen­mess­er macht mir aber bewusst wie lange es immer noch dauern wird.

Beim let­zten Anstieg zum Stel­la Point, der über steile Schot­ter­felder führt, macht sich die Höhe auch bei uns bemerk­bar. Hier müssen wir nun auch ganz schön pusten und ich kann mir kaum noch vorstellen je dort hin­auf zu kom­men. Die Guides stim­men ein Lied an um uns zu motivieren. In der Zwis­chen­zeit zeigt sich das erste Mor­gen­rot hin­ter dem Mawen­zi.

Ich freue mich auf den wär­menden Son­nen­schein und schätze, dass dies ein­er der schön­sten Momente meines Lebens sein wird. Nicht weil der Son­nenauf­gang so wun­der­schön ist, son­dern weil es endlich warm wird. Oben am Stel­la Point ist es dann so weit: Die Sonne kommt hin­ter dem Mawen­zi her­vor und sendet ihre wär­menden Strahlen in unsere Rich­tung. Wir ver­schnaufen alle am Stel­la Point, sam­meln let­zte Kräfte für den Weg zum Gipfel. Bis zum Ziel sind es aber noch 100 Höhen­meter und ca. 45 Minuten.

Der Weg führt nun zwar san­fter hin­auf, aber ich muss alle Reser­ven dafür aktivieren. Jed­er Höhen­meter ist plöt­zlich zu viel. Während ich langsam einen Fuß vor den anderen set­ze wer­fen wir lange Schat­ten. Alle 20 Schritte muss ich ver­schnaufen. Der Öster­re­ich­er Chris wird von Chu­ma an der Hand geführt, die Öster­re­icherin­nen haben ihre Ruck­säcke schon lange abgegeben, ihnen geht es in der Zwis­chen­zeit aber wieder bess­er.

Die Gletsch­er des Kil­i­man­jaro sehen nicht wie die der Alpen aus, mehr wie Gletsch­er die ins Meer oder einen See mün­den. Sie haben hohe senkrechte Wände und ste­hen im starken Kon­trast zu ihrer Umge­bung. Rechts von uns liegt der weite Krater in dem auch ein Gletsch­er liegt.

Nach ein­er gefühlten Unendlichkeit haben wir das Schild vor uns, das den Gipfel verkün­det. Der Kibo oder Uhu­ru Peak ist 5.895m hoch und somit der höch­ste Punkt Afrikas. Wir haben es geschafft! Ich lasse mich auf die Steine sinken und ver­schnaufe bis es mit dem Gipfelfo­to weit­erge­ht. Mit­tler­weile ist die Sonne aufge­gan­gen und es ist deut­lich wärmer gewor­den, sodass man sich der ein oder anderen Klei­dungss­chicht entledi­gen kann.

Die Gletsch­er leucht­en Eis­ber­gen gle­ich rot in der aufge­hen­den Sonne und rechts von uns tut sich der gäh­nende Krater auf. Ein wun­der­voller Anblick nach all den Stra­pazen. Glück­lich ste­hen wir alle am Gipfel, wagen sog­ar ein paar Freuden­sprünge fürs Gipfelfo­to bei denen mir jedoch schnell die Puste aus­ge­ht.

Dann geht es wieder abwärts, was deut­lich leichter fällt obwohl noch so kleine Anstiege mich wieder zurück­w­er­fen. Zurück am Stel­la Point ist der nun fol­gende Abschnitt denkbar schnell und ein­fach. In der feinen Schut­treise kön­nen wir leicht abwärts gleit­en, dabei große Staub­wolken hin­ter uns herziehend. Uns kom­men aber viele abgekämpfte Auf­steiger ent­ge­gen, einige wer­den von ihren Guides gestützt oder geführt. Einige haben es nicht geschafft — mussten unter­wegs umkehren oder sind bewusst­los gewor­den und mussten hin­unter getra­gen wer­den. Sehr viele Berg­steiger unter­schätzen die Höhe und die Wichtigkeit ein­er guten Akkli­ma­tisierung. Nicht wenige bezahlen damit sog­ar mit ihrem Leben.

Ruck Zuck sind wir wieder auf dem flacheren Plateau und es fol­gt noch ein steil­er Abstieg über die Felsen zum Camp. Mit “Karibu!” und Saft wer­den wir begrüßt, ziehen uns aber bald zur wohlver­di­en­ten Rast zurück. Hier ist es inzwis­chen angenehm warm und wir schlafen schnell ein bis wir zum Mit­tagessen geweckt wer­den. Erstaunlicher­weise habe ich nun hier unten Kopf­schmerzen obwohl ich beim gesamten Auf­stieg keine hat­te.

6. Etappe: Abstieg Barrafu Camp bis Meweka Camp (3.090m)

7,4km, 2h, 1.578hm hin­unter

Nach dem Mit­tagessen heißt es dann Auf­bruch, denn der Tag ist noch nicht zu Ende. Es gilt weit­ere 1.500hm zum Mwe­ka Camp abzusteigen. Von der Fel­swüste gelan­gen wir schnell wieder in die erste karge Veg­e­ta­tion aus Blu­men und Gräsern dann tauchen die ersten Büsche und schließlich Erik­abäume auf, die mit Moos behangen sind. Es wird immer grün­er um uns herum während wir schnellen Schrittes auf staubi­gen Wege hinab steigen. Richtig viel Muße für die Land­schaft um uns hat jedoch kein­er mehr.

Nach zwei Stun­den erre­ichen wir unser heutiges Lager auf 3.100m. Hier bekom­men wir das erste Mal ein paar Regen­tropfen ab, denn beim Abstieg sind wir in dun­kle Wolken einge­taucht. Mehr als ein paar Tropfen gibt der Him­mel aber nicht ab. Wie jeden Tag gibt es Pop­corn und Tee am Nach­mit­tag. Unsere Träger lauschen heute einem Fußball­spiel. Auch sie freuen sich sicher­lich schon auf die Heimkehr zu ihren Fam­i­lien.

Wir frö­nen dem Aben­dessen von dem ich Berge ver­schlin­gen kön­nte. Danach besuchen wir unsere Köche im Kochzelt. Hier ist es warm und kusche­lig und ger­ade köchelt das Aben­dessen der Träger auf dem Gaskocher. Sie essen jeden Tag Ugali und es wird ihnen nie lang­weilig. Tat­säch­lich schmeckt Ugali auch nach nichts, die Beila­gen machen den Geschmack und die sind sehr vari­abel. Ver­schiedene Gemüs­esorten, Fleisch oder Fisch. Sie erzählen mir noch mehr über ihre Ess­ge­wohn­heit­en von denen wir mor­gen Gele­gen­heit haben wer­den einige zu pro­bieren.

7. Etappe: Mweka Huts bis Mweka Gate

8,8km, 2h, 1.368hm hin­unter

Heute ist der let­zte Tag unseres Kil­i­man­jaro Aben­teuers. Zum let­zten Mal wer­den wir im Zelt geweckt. Vor dem Auf­bruch stim­men Guides und Träger noch ein Sua­he­li Lied für uns an, von dem ich von nun an einen Ohrwurm habe.

Mit jedem Schritt abwärts wer­den die Bäume immer größer, immer grün­er und wir gelan­gen von der Hei­de­land­schaft in den Nebel­wald. Das Leben kehrt zurück. Die Veg­e­ta­tion wird üppiger, vielfältiger, eben­so wie die Tier­welt. Zu Blu­men und Vögeln gesellen sich Affen und Bana­nen­stau­den. Nur einige Stufen in den steil­eren Abschnit­ten ver­lan­gen unseren Knien nochmal alles ab. Bego­nien­blüten liegen auf dem Weg und nur eine Straße tren­nt uns nun noch vom Gate, wo wieder die Zivil­i­sa­tion auf uns wartet. Bier und Toi­let­ten, Shops und Restau­rants. Nur die Dusche muss noch auf uns warten.

Eine halbe Stunde Fahrt später kehren wir in ein lokales Restau­rant ein in dem wir leckere Bana­nen­suppe und Ugali bekom­men und natür­lich das ein oder andere Bier. Bana­nen gehören hier zu den Grund­nahrungsmit­teln. Gekocht wird allerd­ings nicht mit reifen, son­dern mit den grü­nen unreifen, die fast ein wenig wie Kartof­feln schmeck­en und ich liebe Kartof­feln. Ich bin also hin und weg von den Bana­nen­gericht­en. Unseren Trägern spendieren wir allen noch ein Bier, dann kehren wir zurück nach Moshi, wo schon das näch­ste Aben­teuer auf uns wartet. Denn was wäre eine Reise nach Tansa­nia ohne Safari?


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking und Berg­steigen auf den Kil­i­man­jaro (5.895m) über die Machame Route
Gehzeit: 6 Tage
Dis­tanz: 60km
Höhen­meter: 5.386hm
Aus­gangspunkt: Machame Gate (1.828m)
Schwierigkeit: T3 — anspruchsvolles Berg­wan­dern

FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Bre­it­en­stein über Fen­sterl
Gehzeit: 3–4h
Höhen­meter: 800hm
Aus­gangspunkt: Wan­der­park­platz Birken­stein, Fis­chbachau (850hm)
Schwierigkeit: T2 — Berg­wan­dern / Bestei­gung des Bre­it­en­stein­er Fen­sterls III. Grad, Ori­en­tung jedoch schwierig auf­grund unmarkiert­er Pfade, GPS-Track empfehlenswert­Merken

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