Te Araroa: Start ins Abenteuer — Bluff bis Colac Bay

Start des 3.000km lan­gen Wan­der­wegs durch ganz Neusee­land ist Bluff an der Süd­spitze des Lan­des. Wir fan­gen auf­grund der fort­geschrit­te­nen Jahreszeit im Süden an während die meis­ten Wan­der­er im Nor­den, am Cape Rein­ga, starten. Die ersten Tage auf dem Te Araroa führen uns am Meer ent­lang und ver­lan­gen uns am Anfang auf­grund ihrer Länge einiges ab. Während wir braunge­bran­nten Men­schen begeg­nen, die bere­its am Ende ihrer Wan­derung ange­langt sind, kön­nen wir kaum glauben auch mal so entspan­nt auszuse­hen.

Anreise

Auf­grund ein­er Zwis­chen­lan­dung in Perth auf­grund eines medi­zinis­chen Not­falls komme ich nach 16 Stun­den im Flugzeug ver­spätet am Flughafen Syd­ney an. Mein Flieger nach Christchurch ist somit schon lange weg und ich muss neun Stun­den auf den näch­sten warten. Offen­bar gibt es keine allzu häu­fi­gen Flüge nach Christchurch. Nach Auck­land sähe die Sache anders aus. Ich ver­bringe die Zeit mit duschen, essen und einem Nick­erchen auf ein­er beque­men Couch­land­schaft bevor es weit­er nach Neusee­land geht. Dort trudel ich nach umfänglichen Zol­lkon­trollen im Hos­tel ein, wo ich auf meinen Wan­der­part­ner für die ersten Wochen tre­ffe.

Am näch­sten Tag nehmen wir früh am Mor­gen den Bus nach Inver­cargill, wo wir am Abend ankom­men. Die neun Stun­den Bus­fahrt sind gut erträglich, denn es ziehen schöne Land­schaften an uns vor­bei und alle ein bis zwei Stun­den hält der Bus und wir kön­nen uns die Beine vertreten. Schon viel angenehmer als neun Stun­den im Flugzeug. Abends kaufen wir dann nur ein wenig ein, duschen und kochen bevor wir ins Bett fall­en. Der näch­ste Tag wird den Anfang des Te Araroas ein­läuten.

Bluff — Invercargill

36km / 8h / 202hm

Der erste Tag auf dem Te Araroa hat es mit 36km in sich und führt uns von Bluff an der Süd­küste nach Inver­cargill. Unsere Sachen lassen wir im Hos­tel in Inver­cargill und starten mit leichtem Tages­gepäck. 36km sind schon Her­aus­forderung genug, da braucht es keine 15kg auf dem Rück­en.

Um 6:30 fahren wir mit Catch-a-Bus-South, den ich am Vor­abend gebucht habe, nach Bluff. An dem berühmten Schild mit den Weg­weis­ern in die Welt, dem Stir­ling Point, geht es los. Es ist bewölkt als wir dort ankom­men und wir machen ein paar Start­fo­tos von dem Schild bevor wir uns auf die Wan­derung begeben. Laut Schild sind es Luftlin­ie 1.401km zu meinem Ziel, dem Cape Rein­ga an der Nord­küste Neusee­lands. Der Te Araroa erstreckt sich allerd­ings auf ein­er Länge von etwa 3.000km durch bei­de Inseln.

Anfangs gehen wir immer am Meer ent­lang. Erst durch grünes Buschw­erk, das sich rechts und links von uns auftürmt und uns immer wieder Häschen und Vögel begeg­nen. Immer wieder tun sich Blicke auf das Meer und auf Stu­art Island auf, das sich 21km vor dem Fes­t­land befind­et. Während es ein wenig anfängt zu nieseln gelan­gen wir in offenes Gelände und fol­gen über Schafs- und Kuh­wei­den der Küste. An ein­er schö­nen Stelle machen wir eine Früh­stückspause und schauen auf Meer und Schafe.

Nun gilt es wieder auf die SH1 zu tre­f­fen. Vor der Straße verir­ren wir uns ein wenig und lan­den plöt­zlich auf pri­vatem Land aus dem wir so ein­fach nicht mehr auskom­men. Offen­bar haben wir irgend­wo einen Abzweig ver­passt. Wir haben allerd­ings Glück und die Besitzerin taucht ger­ade auf und schließt uns das Tor auf. Wir entschuldigen uns für das Ein­drin­gen, aber sie ist sehr nett.

Nun heißt es 16km Road Walk an der belebten SH1. Ich habe es mir gar nicht so heftig vorgestellt, da neuseeländis­che Straßen meist nicht allzu stark befahren wer­den. Hier brausen allerd­ings ziem­lich viele riesige Trucks an uns vor­bei. Vor allem die großen mit Baum­stäm­men belade­nen LKWs sind unan­genehm. Der Seit­en­streifen ist meist nicht vorhan­den und es befind­et sich nur ein schmaler Grün­streifen an der Straße auf den wir beim Her­an­brausen der Ungetümer auswe­ichen. Es emp­fiehlt sich nicht diesen Abschnitt bei schlechter Sicht zu gehen und auf jeden Fall knal­lige Far­ben zu tra­gen.

Die Sonne zeigt sich mit­tler­weile und der Him­mel ver­wan­delt sich immer mehr in ein Blau. Dieser lange Abschnitt an der Straße ist lei­der recht unspek­takulär und auch nicht beson­ders angenehm. Eine Wan­derin kommt uns ent­ge­gen, die den Te Aro­ra ger­ade been­det. Sie ist braun gebran­nt und die let­zten 36km machen ihr nach den tausenden von Kilo­me­tern sich­er nichts mehr aus.

Wir sind sehr froh als wir nach etwa drei Stun­den endlich die Straße ver­lassen kön­nen und nach links abbiegen. Ein kurzes Stück auf ein­er Zufahrtsstraße zu einem Sägew­erk und dann sind wir endlich wieder auf einem Wan­der- und Rad­weg ohne Autos. Wir hören die Grillen zir­pen und den Verkehr nur noch in der Ferne brausen. Wir suchen uns einen schö­nen Gras­fleck­en vor ein­er Kuh­herde und machen eine Mit­tagspause. Dabei wer­den wir aus min­destens 40 Kuhau­gen beobachtet. Lei­der lassen eine ganze Menge fliegen es nicht zu, dass wir auch ein kleines Nick­erchen machen.

Es liegen nun noch etwa 10 Kilo­me­ter vor uns. Klingt nicht mehr viel, aber unsere Beine sind schon entsprechend müde. Wir machen also nach der Hälfte nochmal eine Pause an einem Bach und genießen fliegen­frei die Ruhe. Dabei stellen wir fest, dass wir uns bei­de einen Son­nen­brand geholt haben und schmieren uns reich­lich spät mit Son­nen­creme ein. Die Sonnene­in­strahlung in Neusee­land ist stark und wir haben auf­grund des anfangs reg­ner­ischeren Wet­ters es ein­fach total vergessen.

Der let­zte Teil führt am New Riv­er Estu­ary vor­bei, ein­er großen Lagune, die sich bei Ebbe in ein kleines Watt ver­wan­delt. Hier sind sehr viele Vögel zu Gast, darunter einige Ibisse und haufen­weise schwarz­er Schwäne. Kurz darauf erre­ichen wir die Aus­läufer von Inver­cargill und müssen nun nur noch das restliche Stück zum Hos­tel zurück laufen. Auf dem Weg passieren wir einen Camp­ingladen in dem wir uns gle­ich Gas besor­gen. Wir sind sehr froh als wir nach 36km endlich am Hos­tel ankom­men, eine Dusche nehmen und die Beine hochle­gen kön­nen.

Nach der Rast sind meine Waden so verkrampft, dass ich kaum noch gehen kann. Auch zwei Blasen ent­decke ich jew­eils zwis­chen dem großen und dem näch­sten Zeh. Die pla­gen mich im Gegen­satz zu meinen Wadeln jedoch kaum. Nach ein biss­chen Aus­ruhen laufen wir zu einem chi­ne­sis­chen Restrau­rant, wo wir uns ordentlich voll­stopfen und danach noch eine Pack­ung Cider als Beloh­nung vom Liquor­land kaufen. Dieser Spazier­gang hat meine Wadeln gelock­ert und ich habe nun kaum noch Beschw­er­den. Offen­bar hil­ft Bewe­gung.

Wir haben heute ganze 1% des gesamten Weges hin­ter uns gebracht. Also nur noch 100 Mal die gle­iche Strecke und schon sind wir da. Klingt doch gar nicht so schlimm, oder? ;)

11.02. Invercargill bis Riverton

33km / 8h / 43hm

Nach einem Pausen­tag in Inver­cargill machen wir uns an die näch­ste harte Etappe. Zuerst geht es 11km an der Straße ent­lang, dann erwartet uns ein langer Spazier­gang am Strand. Heute ist es bewölkt und deshalb hat es mit um die 15°C eine gute Wan­dertem­per­atur.

Wir laufen durch das Zen­trum von Inver­cargill zu der Stelle, wo wir gestern vom Trail gekom­men sind. Die Straße nun ist deut­lich angenehmer als die von der let­zten Etappe von Bluff, da es genug Platz zum Laufen gibt und somit genü­gend Sicher­heitsab­stand zum vor­bei brausenden Verkehr. Meist gibt es sog­ar einen Fußgänger­weg links der Straße. Einige Rad­fahrer fahren an uns vor­bei und begrüßen uns. Ein Paar hält sog­ar und fragt uns nach unserem Ziel. Der Verkehr hier ist auch deut­lich ruhiger, da keine Trucks vor­bei fahren. Wir kom­men am Fes­ti­val­gelände von der “Burt Munro Chal­lenge” vor­bei, die hier bis heute stattge­fun­den hat. Deshalb war ganz Inver­cargill und Umge­bung voller Motor­räder.

Dann gelan­gen wir auf den befahrbaren Strand. Hier sind einige Surfer im Wass­er und die Wellen sehen fan­tastisch aus. Sie haben ihre Autos und Busse ein­fach direkt am Strand abgestellt und stürzen sich in die Wellen. Der Strand­sand ist fest und somit lässt es sich angenehm darauf laufen und wir kom­men schnell voran. Nach der Zeit macht sich jedoch die Länge des Weges bemerk­bar. Ein franzö­sis­ch­er Wan­der­er über­holt uns und wir reden ein biss­chen über den Weg. Dann kom­men uns drei Wan­der­er aus der Gegen­rich­tung ent­ge­gen, die den Trail so gut wie hin­ter sich haben. Sie sehen sehr entspan­nt aus und sie sagen, dass es nach ein­er Woche auf dem Trail bess­er wird was die Schmerzen ange­ht. Sie waren fünf Monate unter­wegs, auf bei­den Inseln.

Der Fran­zose hat einen riesi­gen Ruck­sack inklu­sive Bade­schwamm. Wir bestäti­gen ihm alle, dass das ein­deutig viel zu viel ist, denn er trägt wohl 27kg und für 11 Tage essen. Offen­sichtlich hat er auch über­haupt keine Ahnung von dem Track. Am Vortag hat viel zu wenig Wass­er mitgenom­men, was ihm dann aus­ging, weil er dachte es gäbe irgend­wo was. Die Trail­notes sind da jedoch recht ein­deutig, dass es auf der Strecke kein Wass­er gibt. Er würde am lieb­sten auch noch bis zur Mar­tins Hut gehen, was noch etwa 50km von hier aus sind. Wohl eher nicht.

Wir sind froh, dass die Sonne sich heute nicht blick­en lässt, denn hier am schat­ten­losen Strand kön­nte das ganz schön heiß wer­den. Dafür nehmen wir auch hin und wieder den Niesel­re­gen in Kauf. Wir begeg­nen Möwen und Kor­mora­nen. Wir gelan­gen an eine Flussquerung, die halb so schlimm ist wie gedacht, obwohl wir von der Ebbe noch weit ent­fer­nt sind. Am Strand ist das Wass­er ger­ade mal Wadeltief. Ich ziehe meine Schuhe aus und wate hin­durch. Für die zweite Stelle ziehe ich nicht mal die Schuhe aus, bekomme allerd­ings etwas Wass­er in die Schuhe. Egal, denn auf dem weit­eren Weg trock­net das schnell wieder. Viel schlim­mer ist, dass es noch 10km bis zum Ziel sind und wir schon langsam auf dem Zah­n­fleisch gehen. Der Weg zieht sich enorm und River­ton scheint ein­fach nicht näher kom­men zu wollen.

Die let­zten Kilo­me­ter ver­lan­gen uns nochmal alles ab. Gefühlt haben wir gar keine Kraft mehr, aber wir schlep­pen uns voran bis wir ans Ende des Strands gelan­gen. Der let­zte Kilo­me­ter führt uns über die Straße hinein nach River­ton und wir nehmen den erst­besten Über­nach­tung­sort, da wir keinen Meter mehr weit­er gehen kön­nen. Der Mon­key Back­pack­ers erweist sich als gute Wahl. Ein Bett kostet nur 20$ und der Super­markt ist nah dran, sodass wir nicht mehr weit gehen müssen.

12.02. Riverton bis Colac Bay

14km / 4,5h / 284hm

Nach einem kurzen Einkauf im Super­markt laufen wir in River­ton los. Zuerst geht es über die Brücke und an der Küste ent­lang bis wir nach rechts ins Inland abbiegen Hier sam­meln wir ein Hun­di ein, das uns den weit­eren Weg begleit­et. Der Asphalt der Straße geht in Schot­ter über bis wir den Park­platz erre­ichen. Wir sind froh um jeden Schat­ten, denn heute ist es ziem­lich heiß. Bis hier­her hat uns das Hun­di begleit­et und genießt mit uns die Aus­sicht vom Pick­nick­platz.

Nun tauchen wir ins bewaldete More’s Reserve ein und wan­dern unter großen schat­ten­spenden­den Far­men ent­lang während um uns herum die Vögel zwitsch­ern. Wir steigen hin­auf bis zum Look­out von dem wir ein 360° Panora­ma auf das umgebende Meer haben. Von hier geht’s nun recht steil hin­unter bis ins offene Gelände. Wir erre­ichen eine Schaf­swiese und dahin­ter erstreckt sich das Meer. Wir sitzen auf einem Felsen und lauschen der Natur. Ich höre Wind, Meeres­rauschen, Vogel­ge­witzsch­er und hin und wieder ein blök­endes Schaf. Son­st nichts. Stille, Ruhe. Wir gehen völ­lig in diesem Moment auf.

Nun geht es abwech­sel­nd im Auf und Ab über wun­der­schöne Strände in ein­samen Bucht­en und Wiesen­gelände am Meer ent­lang wo wir uns manch­mal durch agave­nar­tige Sträuch­er kämpfen müssen. Auch am Strand ist es nicht ganz ein­fach durch weichen Sand oder über Steine zu gehen. Wir sehen Möwen, Austern­fis­ch­er, Kor­morane und ich finde einen Igel in der Wiese schlafend. Am Strand liegen wun­der­schön schim­mernde Muscheln. Heute ist es so richtig heiß und die Sonne brutzelt uns unbarmherzig.

Wir tre­f­fen auf Michael, einem Neuseelän­der, der eben­falls den Te Araroa Rich­tung Nor­den geht. Zusam­men gehen wir bis nach Colac Bay. Wir gelan­gen zu ein­er wun­der­schö­nen Aus­sicht auf den Rest des Weges bis nach Colac Bay, die wir bere­its sehen kön­nen. Von hier oben kön­nen wir Delfine in den Wellen sur­fen sehen. Das let­zte Stück führt auf kleinen Steinen am Strand ent­lang. Dieser Weg zieht sich ordentlich und Colac Bay will ein­fach nicht näher kom­men. Endlich in Colac Bay ange­langt stürzen wir uns in die erfrischen­den Fluten, was unheim­lich gut tut.

Die let­zten Kilo­me­ter zum Camp­ing­platz gehen wir dann in Flip Flops, was irgend­wie nicht beson­ders fußfre­undlich ist, vor allem nicht auf Steinen. Am Camp­ing­platz tre­f­fen wir dann wieder auf den Fran­zosen von gestern, der unseren Rat beherzigt hat und seinen Ruck­sack um fünf Kilo erle­ichtert hat.

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