Island: Somewhere over the Rainbow on Laugavegur

Durch dampfende Lavafelder und bunte Berge führt der Laugavegur (Weg der heißen Quellen) in vier Tagen durch das Hochland Islands.

Der Tag begrüßt und freundlich mit Sonne und wir starten einen der schönsten Wanderwege der Welt – den Laugavegur (Weg der heißen Quellen). Abermals geht es durch das Lavafeld und die bunten Berge strahlen in allen Farben.

Wieder kann man die herrliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt genießen. Vorbei geht es nach einem steilen Anstieg am geothermischen Feld Stórhver mit wild vor sich in brodelndem Wasser. Auf dem Weg  glitzern schwarze Obsidianfelder. Die Landschaft über 1000m ist unglaublich karg und von Schneefeldern durchzogen. Unzählige nicht sehr stabil aussehende Schneebrücken müssen auf dem Weg zur Hütte überquert werden.

Nachdem wir unsere Füße etwas ausgeruht haben, gehen wir zu den Eishöhlen westlich der Hütte. Was für ein einzigartiges Gebiet! In den mit heißen Quellen durchsetzten Eishöhlen wird aus Feuer und Eis ein Traumpaar. Geothermische Gebiete und Schnee treffen hier aufeinander. Heißes Wasser fließt direkt vor der Eiswand und überall dampft es. Viele bunte Farben sind hier in der Erde und in den Rinnsale zu bestaunen. Über diesem Anblick türmt sich die gigantische Eiswand, die langsam vor sich hin taut und durch Abbrüche Höhlen und Löcher formt. Hier treffen Welten aufeinander und doch existieren sie nebeneinander wie alte Freunde.

In der Ferne sieht man grüne Berge sowie schneebedeckte glitzern. Auch der Weg führt über steile Schneefelder und oben liegt alles in dichten Wolken. Dennoch hatten wir heute viel Glück mit dem Wetter mit Sonne und ohne Regen.
Wir stellen unser Zelt das erste Mal auf einer solchen Höhe (1030m) auf und hoffen, dass die Nacht nicht zu windig wird, denn hier hat es schon so einige Zelte zerfetzt. Die Temperatur liegt hier bei 4°C und somit dürften nachts Temperaturen unter dem Nullpunkt zu erwarten sein.

2. Tag auf dem Laugavegur

Den kalten Wind im Gesicht ignorierend geht es bergab durch eine dicke graue Wolkenwand. Man bewegt sich wie im Traum durch eine steinige Landschaft. Erst als es tiefer hinab geht können wir ein grünes Tal und einen See erkennen. Aber auch die Spitzen der Berge liegen tief in den Wolken verborgen. Auch einige Gletscher sind wage auszumachen. Zwei Furten sind auf dem Weg zu überqueren und wir waten tapfer durch die kniehohen eiskalten Ströme. Definitiv ist dies ein besonderes Erlebnis.

Bei der Hütte am See Alftavatn angekommen machen wir eine Pause um dann noch die verbleibenden 3km bis zum vorgesehenen Zeltplatz Hvannagil zu gelangen. Eine heitre Gruppe Isländer befindet sich schon vor Ort – mit Massen an Bier, Wein und Grillfleisch eingedeckt. Der freundliche Hüttenwart gibt uns noch Tipps führt Orte, die man auf der Wanderung entdecken kann und was die noch kommenden Furten betrifft und erlaubt uns in der Hütte zu kochen, ad es draußen kalt sei. Als wäre das allein noch nicht Grund genug fröhlich zu sein stauben wir noch zwei Stücken Fleisch vom Grill ab!

Belgier laden uns auch noch ein an ihren Tisch und schenken uns belgische Schokolade. Ich fühle mich so satt wie schon lange nicht mehr. Was für ein schönes Bergfest. Während wir dort sitzen erreicht das feuchtfröhliche Fest der Isländer seinen Höhepunkt mit Gesang und Tanz, der die Decke über uns zum Erzittern bringt.

 

3. Tag auf dem Laugavegur: Somewhere over the rainbow
Am nächsten Tag werden wir von den sechs Belgiern Obelix, Chris, Crocodile, Franky, Peter und Arti, der Holländerin Naomi, die von den Belgiern eskortiert wird, und später noch den zwei Deutschen Florian und Susanne begleitet, die auf Island ihre Hochzeitsreise verbringen. Die Belgier singen und lachen gerne. Sie freuen sich wie Kinder über angebotene Gummitiere und singen mir sogar ein Lied. Definitiv spaßige Gesellen. Leider können nicht alle von ihnen gut Englisch vor allem nicht der professionelle Fotograf unter ihnen.

Die Strecke ist einfach und kurz und führt durch schwarze Sandwüste. Man versinkt tief mit den Schuhen im Sand und bekommt Strandgefühle. Allerdings müssen wir auf dem Weg eine hüfthohe eiskalte Furt überqueren, die einem wieder bewusst macht wo man sich gerade befindet. Zwei der Belgier klettern ambitioniert auf mehrere Berge im Umkreis.

Währenddessen mache ich es mir gemütlich und schaue in die Sonne, die hinter Wolken hervor scheint und lasse meine Finger erwärmen. Dazu höre ich wie Coldplay „We live in a beautiful world“ singen und genieße den Augenblick sehr.

Kurz vor Ziel lässt sich die Sonne sogar komplett blicken, zaubert einen wunderschönen Regenbogen hervor und lässt die Hütte und Umgebung paradiesisch erstrahlen.

Der Zeltplatz befindet sich neben einem plätschernden Bach und nach einer Mahlzeit legen wir uns in die Sonne. Dann gehen wir noch bis zu dem atemberaubenden klaffenden grünen Canyon Markarfljótsgljúfur und genießen den Anblick. Möwen stürzen sich wagemutig in die Tiefen und müssen den besten Ausblick von allen haben. Hier ist es auch viel wärmer als die vergangenen Tage, was vor allem nachts im Zelt sehr angenehm ist.

4. Tag auf dem Laugavegur: Schnitzeliges Schnitzel plus Furt Hollandaise

Wir starten in den Tag, der uns steig am Canyon entlang führt und ihn uns einmal über eine Brücke überqueren lässt und wundervolle Einblicke bietet.  Das Wetter ist herrlich und die Sonne ist so heiß, dass ich weder Jacke noch Fleece noch Weste benötige. Wieder geht es durch karge Stein- und Sandlandschaft, die jedoch wieder völlig anders als die vorhergehende aussieht.

Eine weitere Brücke führt uns über den „Fluss des Lichts“ und schon bald landen wir an einer Furt, die eine starke Strömung aufweist und trotz nur kniehoher Tiefe nicht ganz einfach zu überqueren ist. Dennoch gelingt es mir schnell, nur Sid lässt sich Zeit. Er sucht nach einer Stelle das Wasser ohne sich die Schuhe ausziehen zu müssen zu überqueren, was viermal so lange dauert wie sich einfach die Schuhe auszuziehen und hindurch zu waten. Auch dann geht es nicht schneller, da er keine Stelle findet und letztlich doch nass wird. Ich stehe am anderen Ufer und warte. Nach einer halben Stunde beginnt es heftig zu regnen und ich stehe starr im Regen und warte immer noch. Weitere 11 Leute überqueren die Furt bevor Sid endlich bei mir ankommt und wir durch Birkenwälder durch den Regen laufen (Das was sich in Island so Baum nennt – ca. 2m hoch).

Dann kommt es zu Verwirrung, da zwei Wege zu verschiedenen Hütten führen und wir nicht wissen von welcher der Bus abfährt. Wir laufen zu der Hütte auf dem offiziellen Weg, die sich als die falsche entpuppt und wir den Umweg zur anderen Hütte – Húsdalur – in Kauf nehmen müssen. Aber wir kommen pünktlich an, ziehen uns trockene Sachen an und besteigen nach den letzten 16km den Bus. Wir genießen die Wärme und die abenteuerliche Fahrt durch tiefe Furten. So ganz realisiert, dass wir es geschafft haben, haben wir noch nicht. Zu stressig waren die letzten Stunden. Trotzdem sind wir selig und fahren am Abend noch bis nach Geysir um dort ein vortreffliches Abendessen bestehend aus Schnitzel, Spargel und Sauce Hollandaise zu genießen.

 

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