Kambodscha: Die verwunschenen Tempel Angkors

Angkor” beze­ich­net die gesamte Region, die vom 9. bis zum 15. Jahrhun­dert, das Zen­trum des Khmer-Königsre­ichs bildete. Bish­er wur­den bere­its mehr als 1.000 Tem­pel und Heiligtümer auf der Fläche von mehr als 200 km² ent­deckt. Am ersten Tag begeben wir uns auf die große Runde, die die äußeren Tem­pelan­la­gen ein­schließt und am zweit­en die inneren Tem­pel, darunter Angkor Wat selb­st.

Am Mor­gen suchen wir uns ein Café zum Früh­stück. Nach ein­er Weile find­en wir ein fan­tastis­ches veg­e­tarisches Café um die Ecke, das mich mit dem Namen “Peace Café” und ein­er lächel­nden Katze (insofern eine Katze lächeln kann) auf der Speisekarte schon gewon­nen hat. Ein wun­der­bar­er Garten mit chill­i­gen Sitzgele­gen­heit wie gemütlichen Ses­seln und Liegen, sowie Son­nen­schir­men wirkt wun­der­bar friedlich und paradiesisch. Wir mumpfeln Früchte und Müs­li, dazu den oblig­a­torischen Frucht­shake. Ein Pani­ni gibt’s noch als Tem­pel­wegzehrung und dann geht’s mit dem Tuk Tuk los auf den “Grand Cir­cuit” von Angkor.

Grand Circuit

Die 26km große Runde führt über die Tem­pel Preah Khan, Preah Neak Pean, Ta Som, East­ern Mebon und Pre Rup. Schon mor­gens herrscht eine Wahnsinnshitze und wir sind froh um den kühlen Fahrtwind, der uns um die Nase weht. Am Straßen­rand machen wir Affen in den Wäldern aus, Schweine, Hüh­n­er und Hunde laufen herum.

Preah Khan

Der erste Tem­pel ist Preah Khan und wir sind beein­druckt von dem großen Gebilde — unser erster Angkor Tem­pel. Früher dachte ich immer, es gäbe nur das berühmte Angkor Wat, tat­säch­lich gibt es aber noch viel mehr. Angkor beste­ht aus ein­er Vielfalt an Tem­peln aus unter­schiedlichen Epochen und Stilen, selb­st Reli­gio­nen. Erst wur­den hin­duis­tis­che, dann bud­dhis­tis­che Got­theit­en verehrt.

Preah Khan (1191) ist ein Labyrinth aus Kor­ri­doren und Stein­bildern wie zahlre­iche Asparas (hal­bgöt­tliche Tänz­erin­nen). Der Tem­pel wurde 515 Got­theit­en gewid­met und 18 wichtige Feste fan­den hier einst statt. Wir wan­dern lange durch die Gänge und Tore, bewun­dern die mythis­chen Ste­in­fig­uren und Reliefs. Unser erster Tem­pel kommt uns noch sehr labyrinthisch vor, wir ver­lieren schnell die Ori­en­tierung in den end­los erscheinen­den Möglichkeit­en die Gänge und Höfe zu durch­schre­it­en.

Preah Neak Pean

Wir fahren weit­er zum näch­sten Tem­pel, dem Preah Neak Pean. Der bud­dhis­tis­che Tem­pel stammt aus dem 12. Jahrhun­dert. Nagas (mehrköp­fige Schlangen) gibt es hier und einige Pools, die einst mit Wass­er gefüllt waren. Vom zen­tralen mit­ti­gen Pool floss das Wass­er in die vier äußeren. Lei­der kommt man nicht näher her­an, da der Bere­ich ges­per­rt ist und man nur von ein­er Seite guck­en kann. Wir leg­en eine Mit­tagspause mit Pani­nis vom Peace Café ein.

Preah Neak Pean

Ta Som

Weit­er geht’s mit unserem aufmerk­samen Tuk Tuk Fahrer Shan (er schläft anscheinend nie während des Wartens sowie die meis­ten, son­dern hält Auss­chau, sieht uns schon von weit­em und winkt uns zu, was uns das Wieder­erken­nen zwis­chen Hun­derten Tuk Tuks sehr erle­ichtert) nach Ta Som, ein­er aus dem 12. Jahrhun­dert stam­menden Anlage. Es gibt zwei Mauer­ringe, ursprünglich drei, nun sind nur noch Eingänge (Gop­u­ra­men) übrig. Auch hier befind­en sich faszinierende detail­lierte Ste­in­fig­uren, soge­nan­nte Devatas (Göt­tlichkeit­en, meist weib­lich).

Mebon Tempel

Am Nach­mit­tag besuchen wir den Östlichen Mebon Tem­pel, einem Shi­va gewei­ht­en Tem­pel aus 952, Er beste­ht aus ein­er dreistu­fi­gen Pyra­mide und war ursprünglich von Wass­er umgeben und nur per Boot erre­ich­bar. Auf den ersten und zweit­en Ter­rassen­rin­gen ste­hen große Ele­fan­ten. Die Eingänge wer­den von Löwen­stat­uen bewacht. Auf der zweit­en und drit­ten Ebene ste­hen viele Türme und Prasate (Pyra­mi­den­tem­pel).

 

Banteay Samré

Zur gold­e­nen Stunde geht’s zum weit­er außer­halb ste­hen­den Ban­teay Sam­ré. Dieser ist nicht Teil der Stan­dard-Tour, aber der Umweg lohnt sich. Der Tem­pel ist wun­der­bar ein­sam und ger­ade bei dem gold­e­nen Licht beza­ubernd. Wir fahren durch ländliche Gegen­den zum Tem­pel und sehen viel vom wahren Leben der Kam­bod­schan­er. Der Tem­pel wurde im 11. Jahrhun­dert gebaut und beste­ht aus vier Flügeln. Auch hier find­en sich wieder zahlre­iche Nagas, Löwen, Kalas (Dämo­nen) und andere Wesen, sowie Reliefs von Göt­tern wie Krish­na und Schlacht­en von Göt­tern und Dämo­nen.

Da kaum jemand bis hier rauskommt, ist es angenehm ruhig. Allerd­ings stürzen sich die Verkäufer am Ein­gang auch wie wild auf einen. Kinder und Frauen bieten Hosen, Tüch­er, Postkarten und anderen Schnick-Schnack an. “Lady, you want a cold drink?” hört man von über­all. Wenn man dank­end ablehnt, küm­mert das wenig, man wird ver­fol­gt und die Frauen ver­suchen uns mit “When you come back, you have a look, okaaaay?” umzus­tim­men. Ein großer Jas­min­blüten­baum wächst in einem der Flügel und ich finde eine wun­der­schön per­fek­te Blüte auf dem Gras unter dem Baum, stecke sie mir ins Haar.

Sonnenuntergang auf Pre Rup

Zum Tagesab­schluss fahren wir nach Pre Rup — ein beliebter Son­nenun­ter­gangsspot. Dieser Tem­pel beste­ht aus einem pyra­mi­den­för­mi­gen Tem­pel­berg. Pre Rup kön­nte eins der ersten königlichen Kre­ma­to­rien gewe­sen sein. Es befind­et sich ein sarkophagähn­lich­es Gebilde im Tem­pel und es wird ver­mutet, dass der vorhan­dene Abflusskanal dazu diente die Knochen der ver­bran­nten Leichen zu waschen. Wir beobacht­en den Son­nenun­ter­gang über den Reis­feldern und fahren dann zurück zu unserem Hos­tel. Shan ist unser Speed-Tuk-Tuk-Fahrer, er über­holt fast alle anderen Tuk Tuks :) Im Gegen­satz zu Thai­land gibt es in Kam­bod­scha wieder Rechtsverkehr (meis­tens jeden­falls). Anson­sten sind die Verkehrsregeln recht willkür­lich. Der Größere hat Vor­fahrt. Wenn man über­holt wer­den Rad­fahrer und Motor­rad­fahrer mit Hupen gewarnt. Links abge­bo­gen wird irgend­wie — nicht, indem man sich rechts einord­net, son­dern links, und dann wird sich irgend­wie auf die rechte Spur durchgeschlän­gelt.

Abend in Siem Reap

Wir buchen uns eine neue Unterkun­ft für die dritte Nacht in Siem Reap, da unser Hos­tel lei­der nichts mehr frei hat, und begeg­nen uns dann zum Aben­dessen in die Stadt. Dies­mal in ein Dachter­rassen-Restau­rant, dem “Grand Café”, und ich widme mich aber­mals einem Khmer Cur­ry. Langsam werde ich zur Cur­ry-Exper­tin, über­all schmeckt es etwas anders. Wir ver­sor­gen uns mit Sand­wich­es und Wass­er für unsere Tem­pel­tour mor­gen und ich esse den ersten Mac­aron meines Lebens in ein­er Bäck­erei. Wir gehen früh schlafen, da wir mor­gen 5 Uhr los wollen um den Son­nenauf­gang in Angkor Wat zu sehen.

Son­nenauf­gang über Angkor Wat

Angkor Wat

Früh um 5 Uhr mor­gens brechen wir mit unserem Tuk Tuk Fahrer Shan nach Angkor Wat auf. Es ist DER Ort um den Son­nenauf­gang zu erleben während Angkor Wat sich im aufk­om­menden Tages­licht erhebt und in den zwei Seen davor spiegelt. Dementsprechend über­laufen ist es hier auch. Wir suchen uns ein Plätzchen auf der recht­en Seite. Die linke ist hoff­nungs­los über­füllt, tausende Men­schen rei­hen sich am Teich auf. Nach dem Spek­takel ziehen sich die meis­ten allerd­ings in die Stadt zurück und man hat Angkor Wat fast für sich allein.

Her­rlich ist die Atmo­sphäre in dem größten religiösen Bauw­erk der Welt um diese Zeit. Alles ist ruhig und friedlich. Angkor Wat ist der bester­hal­tenste der Angkor-Tem­pel. Er war wohl als Begräb­nis­tem­pel für den König Suryavar­man V. gebaut wor­den um Vish­nu zu ehren. Durch die gewalti­gen Eingänge, die berühmten Türme, schre­it­et man hinein in das Innere des Tem­pels.

Zahlre­iche Bas-Reliefs im vierten der fünf Mauer­ringe zeigen Schlacht­szenen und Göt­ter wie Vish­nu, Krish­na (Reinkar­na­tion von Vish­nu), Shi­va und Yama. Es gibt auch hier mehrere Ebe­nen mit einem den Mount Meru repräsen­tieren­den Turm und acht weit­eren drumherum. Es gibt eine große Vish­nu Stat­ue, vor der wir uns mit gefal­teten Hän­den dreimal zur Ehrerbi­etung ver­beu­gen. Ein­mal für den Bud­dha, dann für seine Lehre und drit­tens für die Jüngerge­meinde.

 

Angkor Thom

Dann fahren wir weit­er nach Angkor Thom, der dama­li­gen Haupt­stadt von Angkor, mit 1 Mil­lion Ein­wohn­ern. Man gelangt über eins der fünf Tore in die ummauerte Stadt. Die 20m hohen Tore sind mit Ele­fan­ten­rüs­seln und dem Gesicht von Aval­okitesh­vara deko­ri­ert. Vor jedem Tor ste­hen 54 Göt­ter auf der linken und 54 Dämo­nen auf der recht­en Seite. Inzwis­chen ist es sehr heiß gewor­den und jedes noch so kleine Schat­ten­plätzchen ist uns recht.

Bayon

Der erste und gle­ichzeit­ig größte Tem­pel hier ist Bay­on, der eben­falls viele Reliefs mit Kriegs- und All­t­agsszenen hat — und vor allem viele Gesichter, die einen aus jed­er Ecke und Per­spek­tive anstar­ren. 216 Gesichter von Aval­okitesh­vara sind in 54 Tür­men einge­meißelt und strahlen Macht und Kon­trolle aus um all den Ein­wohn­ern ein Gefühl von Beobach­tung zu geben. Ein Dutzend Gesichter sind immer jew­eils auf ein­mal zu sehen — von vorn oder im Pro­fil.

Baphuon & Phimenakas

Ein Stück weit­er geht man zum südlich davon liegen­den Baphuon, ein­er pyra­mi­den­för­mi­gen Repräsen­ta­tion von Mt Meru. Der Tem­pel wurde Stück für Stück auseinan­der genom­men um die Anlage zu ren­ovieren. Die Pläne ver­schwan­den jedoch während des Roten Khmer Regimes und ließen die Forsch­er mit einem riesi­gen Puz­zle zurück. Es hat 15 Jahre gedauert den Tem­pel wieder aufzubauen. Über einen 200m lan­gen Sand­stein­weg gelangt man zu dem 42m hohen Gebäude. Der Aus­blick von hier oben ist sagen­haft schön. Auch der neben­ste­hende Phimeanakas ist eine pyra­midis­che Entsprechung Mt Merus mit drei Ebe­nen.

Wir schauen uns die Ter­rasse des Lep­ra Königs an, die eventuell als königlich­es Kre­ma­to­ri­um diente. Der schmale Gang unten ist mit zahlre­ichen Stein­bildern deko­ri­ert. Südlich der Lep­rakönig-Ter­rasse fol­gt die Ele­fan­ten­ter­rasse, die 350m lang ist — und als als Aus­sicht­splat­tform für öffentliche Zer­e­monien ver­wen­det wurde. An jedem Ende der Ter­rasse find­en sich Ele­fan­ten.

Preah Palilay

Ver­steckt im Wald befind­et sich hin­ter ein­er bud­dhis­tis­chen Ter­rasse mit ein­er 4,5m hohen Bud­dha-Stat­ue das ein­same Preah Palilay, ein atmo­sphärisch­er Tem­pel mit alten Bäu­men, die in die Gemäuer des Tem­pels hinein­ra­gen. Nach dem Tem­pel gön­nen wir uns eine gekühlte Kokos­nuss und fre­un­den uns mit der Tochter der Verkäuferin an, die großen Gefall­en an mein­er Brille und mein­er Kam­era find­et. Ein aufgeweck­tes Kind, das keine Scheu ken­nt.

Chau Say Tevoda & Thommanon

Wir tre­f­fen wieder auf Shan, der uns zu den Tem­peln Chau Say Tevo­da und Thom­manon bringt. Chau Say Tevo­da ist Shi­va und Vish­nu gewei­ht und beim Betreten ein­er der Türme lässt uns eine bud­dhis­tis­che Nonne nicht vor­bei ohne uns Räuch­er­stäbchen in die Hand zu drück­en und ein geseg­netes geflocht­enes Arm­band umzule­gen, natür­lich mit ein­er Spende ver­bun­den ;) Wir steck­en die Räuch­er­stäbchen in ein Gefäß, ver­beu­gen uns dreimal.

Gegenüber befind­et sich Thom­manon, eben­falls Shi­va und Vish­nu gewid­met.

 

Kün­stler in Ta Prohm
Ta Prohm bietet schöne ruhige Plätze jen­seits der Massen

 

Ta Prohm

Im Gegen­satz zu den kleinen unbeachteten Tem­peln steppt in Ta Prohm wieder der Bär, vor­rangig asi­atis­che Besucher­grup­pen, die sich nacheinan­der vor den vie­len ver­wun­sch­enen Bäu­men, die in den Tem­pel ragen, fotografieren lassen, was ein biss­chen Geduld erfordert bis ich mein Foto des jew­eili­gen Baumes bekomme. Dieser Tem­pel sieht aus wie vom Dschun­gel ver­schluckt, die Baumwurzeln graben sich in das Mauer­w­erk und hal­ten es an manch­er Stelle ver­mut­lich auch zusam­men. Allerd­ings sind nur die größten Bäume ste­hen gelassen wor­den. Zu ein­er Zeit als die ersten Europäer Angkor erforscht­en, muss es sehr verwach­sen aus­ge­se­hen haben. Während andere Tem­pel an die Genial­ität der frühen Khmer­ar­chitek­tur erin­nern, denkt man in Ta Prohm an die Macht der Natur und des Dschun­gels.

Es gibt Türme, Höfe und enge Gänge. Viele Gänge sind nicht mehr zugänglich, da sie von Bäu­men zum Ein­sturz gebracht wur­den. Die hun­derte von Jahren alten Bäume ragen über dem Gemäuer, deren Blät­ter fil­tern das Son­nen­licht, die Atmo­sphäre ist beza­ubernd. An den Außen­mauern ist es auch her­rlich ruhig, ohne Men­schen­massen. Die beliebteste der wür­gen­den Wurzelfor­ma­tio­nen ist der “Croc­o­dile Tree” am Aus­gang (der “Tomb Raider Baum”).

Banteay Kdei

Zum Tagesab­schluss begeben wir uns zum ein­samen Ban­teay Kdei, einem bud­dhis­tis­chen Kloster aus dem späten 12. Jahrhun­dert. Der Innen­teil des zen­tralen Turmes wurde nie vol­len­det und die Anlage selb­st ist sehr ruinös.

Ban­teay Kdei
Deva­ta in Ban­teay Kdei
Ban­teay Kdei

Sra Srang

Gegenüber des Klosters befind­et sich das Basin Sra Srang, einst reserviert für den König und seine Frau. Hier kann man den Son­nenun­ter­gang schön beobacht­en, wir kom­men allerd­ings ein biss­chen zu spät. Dafür ver­bracht­en wir die gold­ene Stunde in Ta Prohm und Ban­teay Kdei. Wir sitzen noch etwas auf der Plat­tform, die den Teich überblickt und wer­den von einem Dutzend Kindern umringt, die uns aller­hand verkaufen wollen. Wenn die Aufmerk­samkeit auf­grund fehlen­der weit­er­er Besuch­er nicht geteilt wer­den kann, wird man ganz schön hart­näck­ig belagert.

Sra Srang

 

Wir ziehen am Abend in unser neues Guest­house um, das wirk­lich sehr schön ist mit Garten und ein­er süßen Mieze. Unser Zwei­bett-Zim­mer kommt uns hier sehr lux­u­riös vor. Wir essen noch was direkt im Garten des “Euro­pean Guest­house” — wer hätte das gedacht — mal wieder Cur­ry, dies­mal jedoch schar­fes. Mor­gen geht es in ca. 8 Stun­den mit dem Bus nach Kratie — am Mekong und mit Delfinen gar­niert.

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