Aussicht

24. Die Tararuas — Palmerston North bis Waikanae

Posted: 2. Februar 2020

Die Tararuas sind berühmt berüchtigt — für schlecht­es Wet­ter, Matsch und unwegsames Gelände. Sie sind jedoch auch sehr alpin und mit ein wenig Glück hat man fan­tastis­che Aus­sicht­en auf die umliegende Berg­welt. Lei­der habe ich dieses Glück nur ein­mal, son­st ist es eher eine Wan­derung in den Wolken.

41. Tag: Ein schwerer Rucksack — Palmerston North bis Whare o Moturimu

7,5h / 32km / 765hm

Nach­dem ich gestern den Bus von Whanganui nach Palmer­ston North genom­men habe (die Etappe am Strand habe ich bere­its vor zwei Jahren gemacht und der Rest ist nur Straße) und viel viel Essen für die näch­ste Etappe gekauft habe, starte ich heute von Palmer­ston North. Erst­mal geht es hin­aus aus der Stadt. Ich hoffe mir den Schlenker des Trails am Fluss sparen zu kön­nen, aber an der abkürzen­den Straße kann man nicht ent­lang laufen — es gibt kein­er­lei Seit­en­streifen. Mein Ruck­sack ist unglaublich schw­er, da er mit Essen für acht Tage gefüllt ist. So lei­de ich wieder unter dem Gewicht meines Ruck­sacks wie am Anfang.

Der Weg wech­selt heute immer wieder zwis­chen Straße und Pfad. Eine der Straßen hitche ich, was ein­fach ist, da diese zu einem Gebi­et führt wo man gut wan­dern und moun­tain­biken kann und hier am Sam­stag einiges los ist. So tre­ffe ich auf dem Weg auch viele Moun­tain­bik­er und bevor es wieder auf die Straße geht auch wieder meine Mit­fahrgele­gen­heit, ein­er junger Mann, der mir ent­ge­gen kommt. Der Rest ist Schot­ter­straße bis zur Hütte, die mehr ein Shel­ter ist, da sie offen ist. Wass­er gibt es aus dem Fluss und Sand­fliegen sind auch schon da. Hier tre­ffe ich auf Mar­tin aus Tschechien, der mich heute schon zweimal über­holt hat und in einem unglaublichen Tem­po läuft. Später kommt auch Dave aus Ameri­ka dazu.

42. Tag: Matsch und Flüsse — Whare o Moturimu bis Makahika Outdoor Pursuit Centre

10,5h / 32,7km / 1.124hm

Das erste Stück heute geht weit­er auf Schot­ter­straße bis ich in den Wald ein­tauche. Es fol­gen einige Flussüber­querun­gen und spätestens bei der drit­ten bekomme ich nasse Füße. Nach vier Stun­den erre­iche ich das Toku­maru Shel­ter und halte mein Mit­tagessen hier ab. Ich über­lege kurz ob ich hier bleiben sollte, denn die näch­ste Etappe bis zum Makahi­ka Out­door Cen­tre ist lang und soll durch matschi­gen Wald führen, Höhen­meter inklu­sive. Mein linkes Knie schmerzt schon seit gestern, offen­bar hat die Pause beim Kan­u­fahren nicht viel gebracht. Ich laufe trotz­dem weit­er, immer­hin ist es erst Mit­tag. Es geht wieder auf eine Schot­ter­straße, wo ich eine Mit­fahrgele­gen­heit ange­boten bekomme, die ich nur zu gerne wahrnehme. Sie brin­gen mich bis zum Start des näch­sten Walds.

Der Wald wird tat­säch­lich sehr matschig und unzäh­lige Flussquerun­gen ste­hen an. So wech­seln meine Füße stets von matschig zu sauber und dafür nass. Am höch­sten Punkt gibt es einen Look­out bei dem man gar nichts sieht. Der näch­ste ist da schon bess­er. Ich blicke in ein grünes Tal und eine Bergkette in der Ferne. Der Abstieg geht mir ziem­lich in die Knie, mein linkes Knie schre­it.. Mein Ruck­sack ist immer noch sehr schw­er und mich schmerzt es an Schul­tern und Hüfte. Dann erre­iche ich Farm­land mit Schafen und Kühen und schließlich die Straße, die mich zum Out­door Cen­tre bringt. Mit Pausen war ich nun über elf Stun­den unter­wegs und ich bin entsprechend erschöpft. Essen, eine heiße Dusche und ein richtiges Bett in einem der Con­tain­er helfen mir darüber hin­weg.

43. Tag: Matschwanderung — Makahika Outdoor Pursuit Centre bis Te Matawai Hut

8h / 19,5km / 1.440hm

Heute Mor­gen reg­net es und ich warte bis 10 Uhr verge­blich, dass der Regen aufhört. Ich bin froh, dass ich in einem der Con­tain­er geschlafen habe und so kein nass­es Zelt ein­pack­en muss. Ich gehe schließlich in Regen­sachen ver­packt los. Mir wird schnell warm in den Sachen und ich bin froh, dass der Regen aufhört sobald ich in den Wald ein­tauche. Zunächst geht es auf der Straße weit­er bis ich zu einem Schild komme, das vor den Gefahren in den Tararuas warnt. Dann kommt noch eine Infotafel mit einem Buch in das man sich ein­tra­gen soll.

Der weit­ere Weg führt über Farm­land bis in den Wald hinein. Hier geht es im Auf und Ab hin­durch und über Hänge­brück­en bis es endgültig steil hin­auf geht. Zwis­chen­durch geht es immer wieder bergab und es erscheint mir eine Ewigkeit bis ich den höch­sten Punkt auf 985m, den Richards Knob erre­iche. Aus­sicht gibt es heute keine, alles ist in Wolken gehüllt. Der Auf­stieg ist schweißtreibend bei der hohen Luft­feuchtigkeit. Es ist extrem matschig und ich versinke oft schien­bein­tief im Schlamm. Nasse Füße habe ich schon lange und sie wer­den heute auch nicht mehr trock­en. Es geht wieder bergab, nicht ohne immer mal wieder rauf zu gehen. Schließlich kommt der finale Anstieg zur Hütte, die lange auf sich warten lässt. Ich bin so froh als ich sie endlich erblicke. Ich habe mir irgend­wie einge­bildet die Strecke schneller zu schaf­fen, aber keine Chance bei den Ver­hält­nis­sen und Auf­stiegen.

44. Tag: Schöne Aussicht über den Wolken — Te Matawai Hut bis Nichols Hut

8h / 13km / 1.300hm

Es geht erst­mal weit­er bergauf und je höher ich komme desto mehr verziehen sich die Wolken und die Sonne kommt her­vor. So habe ich am höch­sten Punkt auf 1.383m tat­säch­lich eine wun­der­schöne Aus­sicht auf die umliegen­den Berge. Dann geht’s wieder hin­unter in die Wolken im steti­gen Auf und Ab bis zur Dra­co­phyl­lum Hut, wo ich Mit­tagspause mache. Meinen Knien geht’s heute wieder gut, offen­bar musste ich sie erst wieder ein­laufen. Und nun passiert mir was Saublödes. Ich verirre mich ein wenig, gehe zurück und folge den Markierun­gen weit­er. Nur dass das offen­bar der Weg war von dem ich gekom­men bin und nicht der Weit­er­weg, denn plöt­zlich ste­he ich wieder vor der Dra­co­phyl­lum Hut. Eine Stunde ver­loren für nichts (bei oben angegeben­er Zeit ist dieser Aus­flug im Kreis nicht berück­sichtigt).

Es geht nun immer wieder Auf und Ab bis zum finalen Anstieg. Die Nichols Hut liegt unter­halb eines Grats, 5 Minuten vom Trail ent­fer­nt. Geröll erschw­ert hier den Abstieg. Der Tscheche Mar­tin war bere­its um 13:30 Uhr hier, der Mann scheint echt zu ren­nen. Er ist weit­er zur näch­sten Hütte. Für mich ist es bere­its 18 Uhr als ich an der Hütte ankomme. Essen und heiße Schoko­lade füllen die Reser­ven wieder auf.

45. Tag: Wind und Regen — Nichols Hut bis Waitewaewae Hut

4,5h / 9,7km / 582hm

Die Hütte ist dick in Wolken ver­sunken und es reg­net leicht am Mor­gen. Ich warte bis der Regen aufhört und hadere mit mir ob ich auf­brechen sollte oder nicht. Ich komme heute zum höch­sten Punkt auf der Wan­derung durch die Tararuas und bin dabei den Ele­menten aus­ge­set­zt. Kurz vor 10 Uhr entschließe ich mich loszuge­hen. Ich werfe mich in meine Regen­hose und stapfe los. Schon bald denke ich, dass ich lieber hätte bleiben sollen, denn der Wind ist stark und bald fängt es auch wieder an zu nieseln, was der Wind mir ins Gesicht treibt. Ich ziehe auch meine Regen­jacke an und wan­dere tapfer weit­er. An schö­nen Tagen hat man sich­er eine schöne Aus­sicht von oben, dem Mount Craw­ford auf 1.462m. Ich füh­le mich hundsmis­er­abel hier oben. Es geht noch ein biss­chen Auf und Ab bis es endgültig steil bergab geht.

Sobald ich etwas geschützt im Wald bin mache ich eine kleine Pause. Trotz Regen­sachen bin ich nass und auch mein Rain­cov­er funk­tion­iert nicht so gut wie es sollte. Immer wieder versper­ren umgestürzte Bäume den Weg und bei der Nässe rutsche ich einige Male aus und stolpere vor mich hin. Ein­mal falle ich so heftig, dass ich einen riesi­gen blauen Fleck am Ober­schenkel davon trage als ich in ein Stück Holz rutsche. Unten gelange ich an einen Fluss, den ich auf ein­er Hänge­brücke über­quere und dann bald darauf die Hütte erre­iche. Ich habe schon vorher beschlossen nur bis hier­her zu gehen, auch wenn das ein kurz­er Tag ist. Es ist schlichtweg zu ungemütlich da draußen. Ich tre­ffe noch auf den Amerikan­er Dave, der allerd­ings noch weit­er geht und habe somit die ganze Hütte für mich. Ich ver­suche mehr schlecht als recht Feuer zu machen und lese viel, trinke heiße Schoko­lade und trockne meine Sachen.

Waitewaewae Hut
Wait­e­wae­wae Hut

46. Tag: Der Track der umgestürzten Bäume — Waitewaewae Hut bis Parawai Lodge

5h / 11,6km / 555hm

Die ganze Nacht reg­net es bis in den Mor­gen hinein. Ich warte darauf, dass der Regen aufhört, was er gegen 10 Uhr tat­säch­lich tut. Bald schon kann ich meine Regen­sachen ein­pack­en, denn sog­ar ein paar Son­nen­strahlen verir­ren sich im Wald. Zuerst geht es mal wieder hin­auf um wieder abwärts und dann wieder aufwärts zu gehen. Das gle­iche Spiel jeden Tag. Ich finde es immer­noch sehr schade, dass ich gestern keine Aus­sicht am Gipfel hat­te und bereue es ein wenig nicht gewartet zu haben. Aber wer kon­nte schon wis­sen wie das Wet­ter wird? Die anderen erzählen mir aber später, dass sie trotz­dem keine große Aus­sicht hat­ten.

Ich erre­iche die Kreuzung, wo ein neuer Trail abge­ht, da der orig­i­nale Pfad von einem Erdrutsch betrof­fen ist. Viele umgestürzte Bäume gibt es hier, die es zu umge­hen oder über die es zu krax­eln gilt. Danach wird der Pfad eben­er und ein­fach zu laufen, weshalb es endlich schneller voran geht. Ich erre­iche eine Hänge­brücke, die über den nachts angeschwol­lenen Fluss führt. Zum Glück gab es auf meinem Weg nur ein paar kleine Bäche zu queren, denn nachts kam ganz schön viel Wass­er runter. Ich erre­iche offenes Gelände und schließlich ein Tal. Der Weg ist etwas ver­wirrend, aber ich komme nach ein biss­chen Kursko­r­rek­tur an der Hütte an. Es ist erst kurz vor 15 Uhr als ich ankomme, aber der Weit­er­weg ist zu lang als dass ich das heute noch wagen würde. Es gäbe höch­stens noch eine Camp­site 1,7km von hier, aber ich schlafe lieber in der Hütte. Am Abend kom­men die anderen an, die bis gestern nur einen Tag hin­ter mir waren, und es gibt ein großes Hal­lo. 

47. Tag: Der Pukeatua Track — Parawai Lodge bis River Pa (Waikanae)

8h / 28km / 1.084hm

Der let­zte Tag für mich auf der Nordinsel, denn in Waikanae knüpfe ich dort an, wo ich vor zwei Jahren aufge­hört habe. Es geht erst­mal an der Straße ent­lang bis zum näch­sten Trail. Ich verirre mich mal wieder und bis ich merke, dass ich falsch bin, ich schon min­destens 10 Minuten in die falsche Rich­tung gelaufen. Ich habe eine Abzwei­gung scharf nach links ver­passt, die auf den Pukea­t­ua Track führt. So über­holen  ich die anderen, die nach mir aufge­brochen sind. Nun geht es steil bergauf und ich komme ordentlich ins Schnaufen. das geht so weit­er bis ein kleines Plateau erre­icht ist, danach geht es san­fter bis auf 801m hin­auf. Der Wald heute lässt sich deut­lich ein­fach­er laufen als die Tage zuvor und so komme ich gut voran. Am Gipfel sehe ich freilich nichts, ich stecke mit­ten in den Wolken. Immer­hin reg­net es nicht. Danach geht es fast nur noch noch bergab — bis auf ein paar kürzere Anstiege. Auch hier rutsche ich immer mal wieder aus oder stoße mir den Kopf an über­hän­gen­den Ästen.

Ich erre­iche eine alte Forststraße inmit­ten eines riesi­gen Baum­fried­hofs, die teil­weise steil und schot­trig bergab führt. Mar­co holt mich hier ein und wir gehen den Rest des Wegs gemein­sam. Wir erre­ichen eine Hänge­brücke und ste­hen auf der Straße auf der es nun bis zum Café, unserem Tre­ff­punkt mit allen anderen, ent­lang geht. Meine let­zten Kilo­me­ter auf dem Te Araroa auf der Nordinsel. Wir erre­ichen das Café, das an eine Töpfer­ei angeschlossen ist und von ein­er alten, unglaublich langsamen, aber liebenswürdi­gen alten Dame geführt wird. Es ist vollgestopft mit altem Kram und wirkt wie ein gemütlich­es Tee­haus. Als Imri auch noch begin­nt Klavier zu spie­len, ist die Stim­mung per­fekt. Wir warten bis auch der let­zte von uns das Café erre­icht und ver­brin­gen min­destens zwei Stun­den dort.

Eine Mahlzeit, Scones und eine heiße Schoko­lade später machen wir uns wieder auf den Weg — an der Straße ent­lang bis zum Riv­er Pa, ein­er Unterkun­ft in ein­er alten Kirche, wo Matratzen aus­liegen. Eine heiße Dusche gibt es auch, die bit­ter nötig ist. Ohne Bürste bekomme ich meine Füße jedoch nicht voll­ständig vom Schlamm befre­it. Abends gehen wir gemein­sam in die Stadt um zu Abend zu essen, was nach all der Ent­behrung sehr üppig aus­fällt. Ich feiere die Beendi­gung des Te Araroas auf der Nordinsel. Der einzige Nachteil unser­er Unterkun­ft ist, dass es von dort 1,5km in die Stadt hinein sind. So machen wir einen guten Spazier­gang hin und zurück, was ohne Ruck­sack her­rlich leicht ist. 

 

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