Aufstieg zum Mt Rintoul

25. Die Richmond Ranges — Pelorus Bridge bis St Arnaud

Posted: 14. Februar 2020

Die Rich­mond Ranges zählen zu den anspruchsvoll­sten Sek­tio­nen auf dem gesamten Te Araroa, aber auch zu den schön­sten. Jeden Tag gibt es steile Anstiege zu bewälti­gen bei denen ich mit wun­der­baren Aus­blick­en auf Berg­land­schaft und bis zum Meer belohnt werde.

Pelorus River Track — Pelorus Bridge bis Middy Hut

6,5h / 21,37km / 1.092hm 

Pünk­tlich einen Tag bevor ich mit den Rich­mond Ranges begin­nen will wird die Sper­rung der Zugangspunk­te verkün­det. Eigentlich wollte ich über den Hack­et Park­platz ein­stiegen und so damit begin­nen wo wir das let­zte Mal aufge­hört haben. Der Grund ist Feuerge­fahr, was auch immer das mit den Zugangswe­gen zu tun hat. Jet­zt ist es nur noch möglich den gesamten Trail von Pelorus Bridge zu laufen inklu­sive des Trails den ich schon gelaufen bin. Kurz­er­hand ändere ich also meine Pläne und fange in Pelorus Bridge an. In Pic­ton hole ich mir noch einen Zusatz­tag essen und ver­suche dann zu hitchen. Das dauert etwas länger aber schließlich nehmen mich zwei Deutsche mit bis zur Abzwei­gung nach Anaki­wa. Dann bekomme ich sofort eine zweite Mit­fahrgele­gen­heit bis nach Have­lock und von dort komme ich mit der drit­ten in einem LKW bis nach Pelorus Bridge. Von hier geht es auf der erst noch asphaltierten Straße, die später in Schot­ter überge­ht. Nach ein­er Stunde Fuß­marsch kann ich ein Auto anhal­ten, das mich bis zum Ende der Straße mit­nimmt, was mir fast zwei Stun­den erspart.

Dann geht’s in den Wald, immer am Pelorus Riv­er ent­lang, der unglaublich klar ist. Man kann bis tief auf den Grund schauen. Einige Hänge­brück­en über­queren hier und da den Fluss. Es geht immer wieder auf und ab und ich komme ins Schwitzen. Nach 3,5 Stun­den vom Ende der Straße erre­iche ich die Capt­ian Creek Hut. Von hier sind es noch 2,5 Stun­den bis zur näch­sten Hütte und ich entschließe mich noch weit­er zu gehen. Nach weit­eren zwei Stun­den erre­iche ich die Mid­dy Hut, wo bere­its einige TA Hik­er sind. Und viele Sand­fliegen. Ich gehe runter zum Fluss und nehme ein Bad in dem her­rlich klaren Fluss. Mil­lio­nen Sand­fliegen schwirren hier um mich herum. Die schön­sten Orte haben immer die meis­ten Sand­fliegen.

Erste Ausblicke — Middy Hut bis Hacket Hut

8h / 20km / 1.179hm

Zuerst ein­mal geht es heute hin­auf und das steil durch den Wald bis ich nach etwa zwei Stun­den die Rocks Hut erre­iche wo ich pausiere. Danach geht es weit­er hin­auf bis auf knapp über 1.000m. Immer wieder versper­ren umgestürzte Bäume den Weg, die es zu überklet­tern oder zu umge­hen gilt. Ich komme in freies Gelände wo ich eine Aus­sicht bis aufs Meer und die Berge um mich herum habe. Es ist sehr son­nig und ich habe dadurch eine gute Sicht. Ich hoffe das Wet­ter hält sich so.

Dann geht es bis auf ein paar Gege­nanstiege wieder bergab und ich erre­iche die Brown­ing Hut, wo ich Mit­tagspause mache. Es geht weit­er bergab bis ich an einen Fluss komme, den es immer wieder zu queren gilt. Was ich aber mit trock­e­nen Füßen meis­tere, da ich über Steine hüpfen kann. Es geht nochmal bergauf und dann kann ich schon die Hütte sehen, die Hack­et Hut, wo ich um 17 Uhr ankomme. Außer mir ist kein­er da und ich genieße die Sonne und die Ruhe. Später kom­men noch drei Wan­der­er vom Hack­et Park­platz, ein Schweiz­er Paar und eine Schwedin. Offen­bar ste­ht da nichts von ein­er Sper­rung und es ist kein Prob­lem von dort zu starten, was mich etwas ärg­er­lich stimmt. So hätte ich mir die zwei extra Tage sparen kön­nen. Ich habe außer­dem schon mein drittes (!) Mess­er ver­legt, es ist nicht in der Hütte, aber find­en kann ich es auch nicht. Die Mess­er scheinen sich in Luft aufzulösen.

Mount Starveall — Hacket Hut bis Slaty Hut

6,5h / 12,18km / 1.554hm

Ab der Hack­et Hut folge ich nun dem Rich­mond Alpine Track und bin endlich da wo ich hin­wollte. Heute geht es zuerst über eine Brücke und dann am Fluss ent­lang, ihn immer wieder querend. Ein­mal verirre ich mich da es einen Pfad bergauf gibt, der ins Nichts führt, dabei geht der Weg weit­er am Fluss lang. Dann geht es bergauf bis zur Starveall Hut auf 1.189m, die eine schöne Aus­sicht bietet. Hier mache ich Mit­tagspause.

Danach komme ich in offenes Gelände ober­halb der Baum­gren­ze und steige immer weit­er hin­auf. Der Weg ist schot­trig und manch­mal fel­sig und ich steige noch die weni­gen Meter zum Gipfel des Mount Starveall empor. Eine schöne Aus­sicht auf die umliegen­den Berge wird mir geboten. Dann geht es bergab durch licht­en Wald und schließlich wieder hin­auf bis zur Slaty Hut ober­halb der Baum­gren­ze. Es ist erst 15:30 Uhr, aber die näch­ste Hütte ist für heute zu weit eg. Ich lege mich ins Gras und döse in der Sonne. Außer mir ist noch ein Englän­der in der Hütte und später kom­men noch die zwei Schweiz­er von gestern.

Mount Rintoul — Slaty Hut bis Rintoul Hut

7,5h / 13,79km / 1.240hm

Als erstes geht es hin­auf auf den Grat und ich folge den orangenen Pfeil­ern. Ich folge dem Grat und habe eine schöne Aus­sicht auf die Berg­land­schaft um mich herum. Dann geht’s wieder hinab in den Wald um anschließend steil hin­auf zum Lit­tle Rin­toul zu steigen. Ich komme bald aus dem Wald in offenes schot­triges Gelände, hier und da ist auch etwas Krax­elei über Felsen gefragt. Ich ste­he am Gipfel des Lit­tle Rin­toul (1.643m) und genieße die Aus­sicht, die bis zum Meer reicht. Ich kann auch schon den großen Brud­er, den 1.731m hohen Mt Rin­toul sehen und den Weg der auf ihn führt und wohin ich mich jet­zt begebe.

Zuerst geht es steil durch Geröll und Felsen hinab. Das Ter­rain ist anspruchsvoll und ich achte sehr genau auf jeden Schritt. Kaum unten am Sat­tel geht es wieder steil hin­auf zu Mount Rin­toul, den ich nach ein­er län­geren Klet­ter­par­tie über Fel­stafeln, Geröll und Schot­ter erre­iche. Auch hier wieder eine schöne Aus­sicht. Nun geht’s an den Abstieg, der durch viel Schot­ter führt. Zuerst geht’s seicht abwärts und sog­ar ein kleines Stück wieder hin­auf bis es schließlich steil durch Schot­ter hinab geht. Ich kann hin und wieder ein­fach “abfahren”, aber es ist Vor­sicht ange­sagt. Schon von oben kann ich die Hütte auf ein­er Lich­tung sehen. Der Weg führt mich in den Wald wo es noch immer geröl­lig und schot­trig ist und so such eich­mir meinen Weg vor­sichtig hinab bis zur Rin­tol Hut. Hier tre­ffe ich wieder auf Thea, die Englän­derin, die ich zulet­zt im Rus­sell For­est auf der Nordinsel gese­hen habe.

Ein langer Tag — Rintoul Hut bis Top Wairoa Hut

10h / 24,3km / 1.339hm

Es geht mal wieder rauf, über die Baum­gren­ze hin­aus bis zum Pur­ple Top auf 1.499m. Hier habe ich wieder eine schöne Aus­sicht. Unter mir sind Wolken im Tal. Es geht größ­ten­teils abwärts bis zur Tarn Hut, die an einem kleinen See liegt. Danach geht’s nochmal rauf und dann wieder größ­ten­teils bergab bis zur Mid Wairoa Hut. Es ist erst 14:30 Uhr und ich beschließe noch weit­er zu gehen. 4,5 Stun­den soll die näch­ste Sek­tion dauern und tat­säch­lich brauche ich vier Stun­den dafür. Es wird nochmal alles aufge­boten was so ein Wald zu bieten hat: Fel­skrax­elei, Auf und Ab, Flussquerun­gen, erodierte Wege auf denen oft nur ein Fuß Platz hat, tiefe Abhänge, umgestürzte Bäume und viele Wurzeln. Ich folge dem Flussver­lauf des Wairoa Rivers aufwärts, der sich immer wieder in schö­nen Wasser­fällen ergießt. Erschöpft komme ich um 18:30 Uhr an der Top Wairoa Hut an. Erst bin ich alleine, dann kommt noch ein NOBO dazu. 

Mount Ellis — Top Wairoa Hut bis Porters Hut

8h / 18,3km / 1.422hm

Es geht über Fels­blöcke krax­el­nd hin­auf bis zu einem Sat­tel. Es fol­gt eine Querung über einen Schot­ter­hang und dann ste­he ich am Gipfel des Mount Ellis (1.615m). Unter mir wabern wieder Wolken durch das Tal. Ich steige ab und nach­dem es wieder ein Stück hin­auf geht erre­iche ich die Hunters Hut, wo ich Mit­tagspause mache. Danach geht es weit­er bergauf, noch zwei weit­ere Mal. Immer wieder Auf und Ab. Der let­zte Anstieg befind­et sich auf über 1.000m und ich steige durch eine wüste Fel­s­land­schaft hin­auf. Es herrscht eine unglaubliche Ruhe hier oben. Bis auf gele­gentlich­es Sum­men von Fliegen ist nichts zu hören. Schon bald kann ich die kleine orangene Porters Hut in der Ferne erken­nen, aber die Hütte kommt ein­fach nicht näher. Ich steige weit­er ab und ver­laufe mich ein wenig und muss flus­saufwärts ein Stück über die Fels­brock­en krabbeln bis ich wieder den Weg finde. Nach ein­er Weile erre­iche ich die Porters Hut, wo ich heute Abend ganz alleine bin. Naja, nicht ganz alleine, natür­lich leis­ten mir ein paar Mäuse Gesellschaft in der Hütte.

Letzter Tag — Porters Hut bis St Arnaud

9,5h / 29,3km / 1.384hm

Heute ste­hen mir wieder drei große Anstiege bevor, allerd­ings ohne große Aus­blicke. Meist geht es durch Wald. Bei der Red Hills Hut mache ich Mit­tagspause. Glück­licher­weise habe ich in den Büch­ern gese­hen, dass ein NOBO geschrieben hat, dass es dort kein Wass­er gibt und ich habe bei der let­zten Flussüber­querung Wass­er aufge­füllt. Tat­säch­lich kommt nur noch ein dünnes Rinnsal aus dem Wasser­tank der Hütte. Nun habe ich noch zwei Anstiege vor mir. Ein­mal auf 1.210m und ein­mal auf 1.327m. Dann geht es steil bergab auf einem 4WD Track. Dabei habe ich eine schöne Aus­sicht auf das Flusstal unter mir und hohe Berge dahin­ter. Ich erre­iche eine Schot­ter­straße und schließlich den High­way auf dem ich etwa eine Stunde lang ent­lang laufe bis endlich eins der weni­gen Autos hält, die in meine Rich­tung fahren, und fahre bis St Arnaud, wo ich in der Alpine Lodge einkehre und zu Abend esse. Sog­ar Thea kommt spät am Abend noch. Sie ist heute von der Hunters Hut bis hier­her gelaufen, was wirk­lich weit ist.

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