Alpinkletterkurs: Alpinluft schnuppern am Fuße der Alpspitze

Posted: 1. Oktober 2016 by Annika

Schon seit mehreren Jahren sind wir im Sportk­let­tern aktiv und haben uns auch schon an unseren ersten Mehr­seil­län­gen ver­sucht. Der näch­ste logis­che Schritt ist das Alpin­klet­tern um Alpine Routen selb­st­ständig ange­hen zu kön­nen. Dafür machen wir einen dre­itägi­gen Alpin­klet­terkurs im Wet­ter­stein bei dem wir die dazu notwendi­gen Tech­niken ver­tiefen und erler­nen wollen.

Bei dem Kurs wollen wir ler­nen eine Route selb­st abzu­sich­ern, Stand­plätze zu bauen und uns über mehrere Seil­län­gen abzu­seilen. Dazu kom­men Knoten- und Mate­ri­alkunde. Mit unserem Bergführer und Kursleit­er Lud­wig sowie drei anderen Kursteil­nehmern tre­f­fen wir uns an der Tal­sta­tion der Seil­bahn auf das Kreuzeck. Gemein­sam fahren wir auf das Kreuzeck und kehren auf der Ter­rasse des Kreuzeck­haus­es ein, wo wir die näch­sten zwei Nächte ver­brin­gen wer­den. Es fol­gt ein erstes Gespräch in dem wir uns und unsere bish­eri­gen Erfahrun­gen und Erwartun­gen vorstellen bevor wir uns mit­samt der Aus­rüs­tung auf den Weg in den Klet­ter­garten machen.

1. Lektion: Seiltechnik beim Alpinklettern, Knotenkunde, Abseilen und Selbstabsicherung mit Friends und Keilen

Obwohl die näch­sten Tage wet­tertech­nisch nicht allzu vielver­sprechend sind, strahlt heute die Sonne vom Him­mel und wir kön­nen bei angenehmen Tem­per­a­turen an son­ni­gen Wän­den klet­tern. Unter­halb der Alp­spitze gibt es einen kleinen Klet­ter­garten in dem man sich auch an ein­er kurzen Mehr­seil­länge ver­suchen kann. Wir erler­nen die Seil­tech­nik beim Alpin­klet­tern und erproben unsere Ken­nt­nisse in ein­er kurzen Mehr­seil­länge. Im Gegen­satz zum Sportk­let­tern klet­tern wir beim Alpin­klet­tern mit zwei Halbseilen.

Alex steigt zuerst vor und sichert mich dann von oben beim Nach­stieg bevor ich dann gle­ich in die zweite Seil­länge ein­steige. Beim Sportk­let­tern sich­ern wir nor­maler­weise mit einem Hal­bau­to­mat­en oder mit dem Tube, hier sich­ern wir aber mit dem HMS, da dies am schnell­sten geht damit der näch­ste vorsteigen kann ohne viel umbauen zu müssen. Oben bauen wir dann alles so um, dass wir uns nacheinan­der abseilen kön­nen. Ich lerne schnell, dass man Seilchaos ver­mei­den sollte, son­st dauert das unter Umstän­den ewig.

Unten üben wir uns darin Keile und Friends in Felss­pal­ten zu set­zen, was gar nicht mal so leicht ist wie es aussieht. Es wird sich­er gruselig wer­den das erste Mal in einen selb­st geset­zen Keil oder Friend zu fall­en. Ob darauf so großer Ver­lass ist? Sicherun­gen bei Alpin­klet­tern sind meist lediglich eine Lebensver­sicherung, ohne Ver­let­z­tun­gen wird man sel­ten davon kom­men. Es gilt also: Nicht stürzen! Keine Routen am Rande der Leis­tungs­fähigkeit auswählen!

2. Lektion: Schlechtwetter Praxis Tour in Seilschaft

In der Nacht hat es heftig gereg­net und auch am Mor­gen sieht es nicht viel bess­er aus. Der Wet­ter­bericht verkün­det ein kleines Wet­ter­fen­ster am frühen Nach­mit­tag in dem es trock­en sein soll. Also schul­tern wir unsere mit Aus­rüs­tung belade­nen Ruck­säcke und fahren mit der Seil­bahn zum Oster­felderkopf hin­auf. Dort reg­net es noch immer in Strö­men und wir kehren erst­mal kurz ein und besprechen dabei Ausrüstung.

Als der Regen etwas nach­lässt wagen wir uns hin­aus und begeben uns in den Zustieg zu den Routen am Fuße der Alp­spitze. Alleine der Zustieg ist auf nass-rutschigem Fels in Trail­run­ningschuhen her­aus­fordernd. Wir wollen in eine der Berg­wachtrouten ein­steigen. Der Regen lässt lei­der nicht nach und es ist recht kalt, was sich bei mir vor allem bemerk­bar macht, da ich die let­zte in der Seilschaft bin. Mit den Trail­run­nigschuhen steige ich in die Route, was allerd­ings nur bis zu ersten schwierigeren Stelle im III. Grad funk­tion­iert. Hier gilt es eine kleinere Leiste zu treten, was mit den Turn­schuhen schlichtweg unmöglich ist. Also wech­sel ich in die kalten Klet­ter­schuhe, die meine Füße im Nu so kalt wer­den lassen, dass ich sie kaum mehr spüre. Auch meine Hände sind schnell kalt und ich komme nur mit Mühe und Not in dieser Stelle hoch.

Oben warten bere­its die anderen, während die erste Seilschaft bere­its weit­er­steigt. Mir ist schreck­lich kalt und es fol­gt wieder län­geres Rum­ste­hen bis ich wieder an der Rei­he bin. Wir ver­suchen uns sogut es geht von der Kälte abzu­lenken, aber ich will am lieb­sten nur eins: Raus hier! Langsam ver­wan­delt sich nun der Regen in Schneere­gen, was es nicht angenehmer macht. Trotz­dem soll es noch lange dauern bis wir alle aus der Route draußen sind. Anstatt die Route weit­er zuge­hen ver­suchen wir uns nun auf einen Ausstieg hinzuar­beit­en, was nun jedoch ohne Sicherun­gen erfol­gen muss. Es dauert dadurch etwas bis Lud­wig alle Sicherun­gen gebaut hat.

Die näch­ste Seil­länge ist eine recht unan­genehme Querung über schrofiges Gelände, die Lud­wig wie eine Art Klet­ter­steig für uns gesichert hat indem wir uns an einem Seil sich­ern kön­nen. Durch die Nässe ist es recht rutschig, vor allem in meinen Turn­schuhen und durch die Kälte zit­tere ich vor mich hin, was die Sache nicht unbe­d­ingt sich­er macht. Bei trock­en­em Wet­ter wäre die Route kein Prob­lem, aber bei diesen Bedin­gun­gen befinde ich mich bere­its außer­halb mein­er Wohlfühlzone.

Die näch­ste Seil­länge führt nun rel­a­tiv ungesichert Rich­tung Ausstieg. Alex steigt vor und sichert mich dann von oben vom Kör­p­er. Ob ich nun am Seil gegan­gen bin oder nicht, machte nicht allzu großen Unter­schied außer vielle­icht psy­chisch. Mein im Ausheilen Begrif­f­en­er Rip­pen­bruch wäre bei einem Sturz meine ger­ing­ste Sorge gewe­sen. Der Schnee macht es immer unan­genehmer und ich bin nur froh wenn ich hier raus bin.

Wir pack­en alles zusam­men und steigen dann über ein Schot­ter­feld zum Alp­spitz-Klet­ter­steig ab. Dieser ist im rutschi­gen Schneere­gen und Turn­schuhen auch nicht unbe­d­ingt eine Genuss­tour. Nach ein­er gefühlten Ewigkeit kom­men wir unten an und ich will nur noch in die Hütte um mich aufzuwär­men. Es erfordert dann auch eine län­gere Dusche und langes Bet­tkuscheln bis ich endlich wieder warm bin. Die erste Alpin­klet­ter­erfahrung hat nicht ger­ade Lust auf mehr gemacht. Ich weiß nun wenig­stens was es bedeutet wenn ich Leute in Fil­men in den widrig­sten Wet­terbe­din­gun­gen klet­tern sehe. Keine Ahnung wie es manche schaf­fen die gute Laune dabei noch zu behalten.

Tech­nisch habe ich heute nicht viel gel­ernt, wohl aber darüber das Wet­ter bei alpinen Routen niemals auf die leichte Schul­ter zu nehmen.

3. Lektion: Wiederholen

Das Wet­ter ist nicht bess­er gewor­den. Über Nacht hat es geschneit und die Alp­spitze ist frisch überzuck­ert. Wir üben also im Schup­pen in der Hütte noch ein wenig die gel­ern­ten Sachen wie Stände bauen und Abseilen. Dann fahren wir hin­unter nach Garmisch-Partenkirchen um von dort zur Wand in Frauen­wasserl zu fahren. Tat­säch­lich scheint hier die Sonne und es ist angenehm warm. Hier üben wir noch eine Mehr­seil­länge und das Abseilen.

Fazit

Ein Alpin­klet­terkurs ist sehr lohnenswert um alle Ken­nt­nisse auf dem aktuellen Stand pro­fes­sionell ver­mit­telt zu bekom­men. Unser Kurs hätte natür­lich ide­al­er ver­laufen kön­nen, was aber dem Wet­ter zu ver­schulden war. Vielle­icht ist Anfang Okto­ber kein so guter Ter­min mehr außer­halb von Ital­ien, ich empfehle also den Som­mer für solche Unternehmungen. Nor­maler­weise wäre eine län­gere Prax­is­tour und eine kürzere geplant gewe­sen, was auf­grund der Bedin­gun­gen lei­der nicht möglich war. Wir haben den­noch das Beste daraus gemacht und alle Ken­nt­nisse mitgenom­men. Außer­dem schadet es offen­bar nie gescheite Bergstiefel dabei zu haben, egal wie unsin­nig euch das erscheinen mag. Man weiß ja nie! Klet­tern in Trail­run­ningschuhen ist jeden­falls defin­i­tiv nicht zu empfehlen und wer keine Füße aus Stahl hat, wird mit den Klet­ter­schuhen in nass­er Kälte nicht lange glück­lich sein.


FAKTEN ZUM KURS

Bergführer: Lud­wig Karrasch
Kosten: 350€, inklu­sive Lei­haus­rüs­tung, exk­lu­sive Anreise, Über­nach­tung, Verpfle­gung und Bergbahnfahrten
Vorken­nt­nisse: Sportk­let­ter­erfahrun­gen im Vorstieg
Aus­rüs­tung: Hüft­gurt, Helm, Klet­ter­schuhe, 10 Exen, Sicherungs­gerät, 4 Schraubkara­bin­er, 2 Band­schlin­gen 120cm, 2 Band­schlin­gen 60cm, 1 Kurzprusik, 1 Reep­schnur 4m, 2 Halb­seile 60m falls vorhan­den, Keile und Friends falls vorhan­den plus Kleidung
Nach­schla­gen: Lud­wig hat hier eine gute Seite mit Know How Videos zu Knoten und Standplatzbau:
http://ludwig-karrasch.de/knowhow/

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