Argentinen: Das Ende der Welt in Feuerland

Posted: 25. Februar 2016

 

El Fin del Mun­do — das Ende der Welt wird die kleine Stadt Ushua­ia ganz in Feuer­land, im Süden Argen­tiniens, genan­nt. Das echte Ende der Welt ist das Kap Hoorn, das zu Chile gehört. Hier tre­f­fen die Anden auf den südlichen Ozean. Ushua­ia hat einiges auch abseits des Antark­tis­touris­mus zu bieten: Gletsch­er, Lagunen, Nation­al­parks, raue Berge, viele Wan­der­möglichkeit­en, aber auch Museen für die vie­len Regen­t­age.

Wir fliegen von Buenos Aires weit­er nach Ushua­ia. Denn von hier wird in ein paar Tagen unser Schiff in die Antark­tis starten. Der Flughafen in Ushua­ia liegt auf ein­er Hal­binsel. Wir sehen auf den Bea­gle Kanal hinab, sehen die Stadt am Meer, hin­ter ihr schneebe­deck­te Berge. Es reg­net den ganzen Tag so vor sich hin, der Him­mel ist grau. Im Hotel leg­en wir uns gle­ich ins Bett und schlafen, da wir let­zte Nacht nicht allzu viel davon bekom­men haben. Die drei Flaschen Wein zum Aben­dessen mögen Schuld gewe­sen sein.

Erst die näch­sten Tage erkun­den wir Ushua­ia und die Umge­bung — tat­säch­lich auch mal im Son­nen­schein. Sel­ten habe ich so ein schönes Gebi­et direkt am Flughafen gese­hen — Kiesel­strände mit Berg­panora­men im Hin­ter­grund. Wer also Zeit totzuschla­gen hat vor seinem Flug, dem sei an Spazier­gang ans Meer ans Herz gelegt. Der Hafen liegt direkt am Bea­gle Kanal, der uns ein paar Tage später in die Antark­tis geleit­en soll. Schon hier gibt es kleine Pin­guine — Mag­el­lan­pin­guine — die man auch hin und wieder vom Ufer in Ushua­ia neben vie­len Seevögeln aus­machen kann.

Der Martial Gletscher

Wir schlafen aus und gehen dann ins Stadtzen­trum. Mit einem Taxi fahren wir zu einem Skilift oben auf dem Berg hin­ter der Stadt. Von hier wollen wir zum Glac­i­er Mar­tial hin­auf wan­dern. Zuerst wan­dern wir die schot­trige Piste hin­auf. Neben ihr wach­sen niedrige Bäume. Über eine Brücke queren wir einen kleinen Bach, der vom Gletsch­er herun­ter­fließt. Damit über­schre­it­en wir auch die Baum­gren­ze, die hier nur auf weni­gen hun­dert Metern liegt. Der Weg führt an der Gletscher­moräne ent­lang und es wird bald ziem­lich kalt. Es fängt sog­ar an ein wenig zu schneien.

Der Weg wird steil­er und führt zu einem kleinen Hügel auf dem er endet. Wir gehen noch ein Stück weit­er am Rand eines Schneefelds hin­auf, kehren dann aber bald wieder um. Von oben kön­nen wir auf Ushua­ia und das Meer hin­unter blick­en. Nach der Brücke gehen wir dies­mal nicht auf der Piste zurück son­dern unter dem Lift. Der Weg ist nicht ger­ade gut und wir stapfen durch Matsch und rutschen ein paar Hänge hin­unter. Bald erre­ichen wir jedoch das Tee­haus am Ende des Lifts und kehren ein. Das Tee­haus kön­nte aus einem Film sein, alles ist pink und verziert. Die heiße Schoko­lade ist aber nicht so toll. Mit einem Taxi fahren wir in die Stadt zurück.

Geburtstag mit Ponyreiten

Heute ist mein Geburt­stag. Der Him­mel ist noch immer bewölkt, aber es reg­net nicht. Ein Taxi holt uns ab und bringt uns zu ein­er Pfer­der­anch am Stad­trand von Ushua­ia. Wir haben uns dick eingepackt, da es ziem­lich frisch ist. Wir bekom­men unsere Rei­thelme und gehen zu den Pfer­den. Dabei kom­men wir an ein paar süßen Hun­dewelpen vor­bei. Die Ponys sind in Ver­gle­ich zu denen in der Mon­golei ziem­lich groß und man sitzt ziem­lich weit oben, das ist Alex erst­mal gar nicht geheuer. Wir reit­en los und ver­lassen die Ranch. Mit uns kom­men zwei Hunde. Wir queren einen Fluss und fol­gen dann einem Pfad einen Hang ent­lang. Das Gelände ist anspruchsvoller als in der Mon­golei. Dann kom­men wir wieder in einen Stadt­teil. Zwei Hunde bellen laut aus einem Grund­stück laut die Pferde an, aber sie bleiben vor­bildlich ruhig. Wir reit­en ein Stück die Straße ent­lang und ver­lassen die Stadt wieder.

Wir sehen einen Karakara, ein Geier­falke, in einem Baum sitzen und reit­en unter ihm hin­durch einen Pfad hin­unter. Er führt zum Meer hin­unter und wir reit­en durch hohe Büsche. Dabei sehen wir andere Pferde, die hier wild grasen. Am schwarzen Strand tren­nt sich die Gruppe. Die einen reit­en zurück, wir reit­en im Sech­serteam weit­er am Strand ent­lang. Wir reit­en in Ufer­nähe durch hügeliges Gelände, das mit Büschen bewach­sen ist. Der schmale Pfad ist ziem­lich matschig. Er führt Rich­tung Tier­ra del Fuego Nation­al­park.

Wir kom­men in einem Wald und die Pferde müssen oft über Äste steigen und wir müssen auf­passen, dass wir uns nicht den Kopf stoßen. Es geht über Stock und Stein und ger­ade auf den fel­si­gen Par­tien rutschen die Pferde ein wenig. Wir kom­men wieder zum Ufer zurück und reit­en durch den weichen, schwarzen Strand. Vor uns sehen wir eine große Hal­binsel auf der eine große Pfer­de­herde herum galop­piert. Kurz vor der Hal­binsel machen wir Rast. Dahin­ter begin­nt der Nation­al­park.

Wir trinken Tee und erfahren, dass Alex Pferd ein Film­star ist. Es hat im Film “The Revenant” mit Leonar­do diCaprio mit­ge­spielt. Es ist am Ende als Indi­an­erpferd zu sehen, wo DiCaprios Ver­bün­de­ter skalpiert wird. Das Wet­ter hat bish­er aus­ge­hal­ten und bis ein paar Tropfen hat es nicht gereg­net. Wir reit­en zurück. Alex fällt immer etwas zurück. Wir tra­ben am Strand ent­lang, Alex auch und dann ver­fällt sein Pferd in einen Galopp bis es uns erre­icht. Das war ziem­lich span­nend für Alex, aber er hat sich auf dem Pferd gehal­ten.

Wir reit­en den gle­ichen Weg zurück, den wir gekom­men sind. Bald kom­men wir zu der Stelle zurück, wo wir uns von den anderen getren­nt haben. Anstatt wieder den Weg hochzure­it­en, reit­en wir am Strand weit­er. Wir kom­men zu einem Steg, der ins Meer reicht. Anstatt an ihm vor­bei reit­en wir im Meer unter ihm hin­durch. Das Wass­er ist tief und wir müssen die Füße etwas hochnehmen. Wir reit­en wieder Rich­tung Ranch zurück. Vor der Ranch kom­men wir wieder zu dem kleinen Fluss. Dies­mal reit­en wir aber durch ihn hin­durch. Auf der Ranch schauen wir uns noch ein wenig die Hun­dewelpen an und fahren dann mit einem Taxi in die Stadt zurück. In der Stadt gehen wir noch leck­er essen und dann ins Hotel zurück.

Gletscher­la­gune Esmer­al­da
Heute hat es mal schönes Wet­ter und die Sonne scheint. Wir wollen daher zum wan­dern. Mit einem Bus fahren wir ins Hin­ter­land. Die Busse fahren alle neben der Touris­ten­in­for­ma­tion zu den umliegen­den Sehenswürdigkeit­en für der Lagune und dem Tier­ra del Fuego Nation­al­park. Unser Ziel ist der Lake Esmer­al­da. Als wir ankom­men, fol­gen wir einem Pfad in den Wald hinein. Bis zur Lagune sind es nicht ganz 5km. Der Weg ist ziem­lich matschig, kein Wun­der bei dem vie­len Regen hier. Nach einiger Zeit kom­men wir auf eine Lich­tung. Bieber haben hier einen Bach zu einem See anges­taut. Wir sehen ihre großen Holzdämme, einen Bieber sehen wir aber nicht. Wir gehen weit­er und kom­men wieder in einen Wald. Der Weg ist nun steil­er.

Als wir aus dem Wald kom­men, sehen wir die Berge vor uns. Lei­der liegen sie in den Wolken und vom Gletsch­er ist kaum was zu sehen. Wir gehen weit­er und müssen ein mooriges Feld über­queren. Es ist gar nicht so ein­fach vor lauter Pfützen den Weg zu find­en. Dann geht es ein Stück bergauf und wir ste­hen vor der türkisen Lagune. Lei­der hän­gen die Wolken genau hier zwis­chen den Bergen. Blickt man zur Küste ist es schön, falsche Wahl des Aus­flugsziels für heute. Wir machen Fotos und beobacht­en die kleinen Vögel. Dann fol­gen wir einen Pfad um die Lagune herum. Auf der anderen Seite des Sees wer­den wir von ein paar Gänsen begrüßt. Wir gehen auf der anderen Seite zurück, wobei wir über ein paar Bäume klet­tern müssen. Wir machen uns auf den Rück­weg. Wieder auf der Straße nehmen wir den Bus in die Stadt zurück.

Museum Maritimo

Bekan­nt ist Ushua­ia auch für das von 1920 bis 1947 unter­hal­tene Gefäng­nis “Pre­sidio Nacional”.  Das Muse­um Mar­iti­mo ist teil­weise in diesem alten Gefäng­nis unterge­bracht. Zum anderen gibt es ein Muse­um der Schiff­fahrt der Region und eines der Geschichte der Antark­ti­s­ex­pe­di­tio­nen, die vielfach von Ushua­ia aus starteten.

Im Ein­gangs­bere­ich sind Mod­elle von Schif­f­en aus­gestellt, die bei der Besied­lung des Lan­des und bei antark­tis­chen Forschungsreisen einge­set­zt wur­den. Ein klein­er Teil des Muse­ums beschäftigt sich auch mit den indi­ge­nen Völk­er Feuer­lands, den Yamana Indi­an­ern. Sie tru­gen keine Klei­dung und waren all­ge­mein nicht sehr fortschrit­tlich, was Dar­win zu der Aus­sage ver­leit­et haben soll hier vielle­icht den “Miss­ing Link” gefun­den zu haben, was natür­lich nicht gerecht­fer­tigt war. Als die ersten Siedler anka­men, star­ben sie und die weit­eren indi­ge­nen Völk­er in Feuer­land bald an den eingeschleppten Krankheit­en aus.

Inter­es­san­ter­weise trug die Tat­sache, dass sie sich an Klei­dung gewöh­n­ten, zur Aus­bre­itung der Epi­demie bei. Da sie keine Möglichkeit­en hat­ten um die Klei­dung trock­en zu hal­ten, war das natür­liche Öl der Haut ein besser­er Schutz als klatschnasse Tier­felle. Auch die sesshafte Leben­weise und der Wech­sel der Ernährungsweise — von vor­rangig tierischen Fet­ten zu pflan­zlichen Pro­duk­ten — ver­schärfte den schlecht­en Gesund­heit­szu­s­tand der Über­leben­den. 1911 gab es nur noch rund 100 Yamana. Ihre Lebens­grund­lage blieb weit­er­hin der Fis­chfang und das Fis­chen von Königskrabben. Mit dem Aufkom­men der Schnellsegler und der Wal­jagd Ende des 18. Jahrhun­derts kam es zu regelmäßi­gen Kon­tak­ten zwis­chen den Europäern und den Yámana.

Vier Yamana wur­den von Park­er King und Robert FitzRoy, die in der berühmten HMS Bea­gle nach Feuer­land reis­ten, nach Eng­land ver­schleppt. Drei davon kehrten nach Feuer­land zurück, in der Expe­di­tion in der auch Charles Dar­win dabei war. Die Yamana waren Seeno­maden, die ent­lang des Bea­gle Kanals und der benach­barten Kanäle umher­zo­gen. Lebens­mit­telpunkt für sie was das Kanu, in denen sie ihren gesamten Besitz und die Feuer­stelle von einem Ort zum anderen trans­portiert wurde. An Land lebten die Yamana in niedri­gen Hüt­ten, die aus Baumästen gefer­tigt wur­den. Män­ner waren ver­ant­wortlich für die Jagd, die Frauen taucht­en nach Muscheln und Kreb­sen in dem anark­tis­chen Wass­er.

Museum del Presidio

Wir betreten nun den Gefäng­nis­trakt. In den kleinen Zellen sitzen Pup­pen die Gefan­gene darstellen und ihre Geschicht­en wer­den erzählt. Ein klein­er Mann mit abste­hen­den Ohren scheint ein beson­ders übler Bursche gewe­sen zu sein. Ihm wur­den in ein­er Oper­a­tion die Ohren begr­a­digt, weil man ver­mutete, dass seine großen Segelohren die Ursache für seine Gewalt­tätigkeit waren. Cayetano San­tos Godi­no war ein argen­tinis­ch­er Serien­mörder, der Buenos Aires im frühen 20. Jahrhun­dert ter­ror­isierte. Er war erst 16 Jahre alt als er ver­ant­wortlich für den Mord an vier Kindern, für ver­sucht­en Mord an sieben anderen Kindern und Brand­s­tiftung bei sieben Gebäu­den gemacht wurde.

Es gibt mehrere Gänge in dem zweistöck­i­gen stern­för­mi­gen Gebäude. In einem wird die Geschichte der Entste­hung Ushua­ias dargestellt, die als Gefan­genenkolonie begann. Im Jan­u­ar 1896 erre­icht­en die ersten vierzehn Sträflinge Ushua­ia. Mit deren Hil­fe ent­stand das Gefäng­nis für rück­fäl­lige Straftäter, das zuerst pro­vi­sorisch aus Holz- und Blech­hüt­ten errichtet wurde. Die Idee war mit Sträflin­gen zu kolo­nial­isieren. Daher wur­den zur gle­ichen Zeit elf Män­ner und neun Frauen dort hin­ver­legt. Alle waren ehe­ma­lige Sträflinge, die erneut straf­fäl­lig gewor­den waren und frei­willig nach Ushua­ia gin­gen.

Zuerst wurde das Gefäng­nis auf ein­er Insel gebaut, später nach Ushua­ia ver­legt. Damals bestand Ushua­ia aus wenig mehr als 40 Häusern. Über die Jahre hin­weg wur­den Schw­erver­brech­er in diesem Gefäng­nis unterge­bracht, viele von ihnen zu lan­gen Haft­strafen oder lebenslang verurteilt. Mit den Werk­stät­ten wur­den die Bedürfnisse des Gefäng­niss­es befriedigt und sie dien­ten der ganzen Stadt Ushua­ia. Dazu gehörten die erste Druck­erei, eine Tele­fonzen­trale, ein erstes Elek­triz­itätswerk, die Feuer­wehr, usw. Außer­halb des Gefäng­niss­es wur­den die Häftlinge für Arbeit­en wie dem Bau von Straßen, Brück­en und Gebäu­den, sowie die Abholzung der Wälder einge­set­zt.

In einem anderen Gang wird die Eroberung der Antark­tis dargestellt. Auch einige Expe­di­tio­nen wer­den vorgestellt — Scott, Amund­sen, Shack­le­ton — sie alle sind dabei. Ein großer Raum wid­met sich den Tieren der Antark­tis. Eine gute Vor­bere­itung für unseren Antark­tistrip, der mor­gen starten wird.


FAKTEN ZU DEN TOUREN
Wan­derung zum Gletsch­er Mar­tial (850m)

Gehzeit: 2h
Höhen­meter: 600 hm
Aus­gangspunkt: Tal­sta­tion des Skilifts hin­ter Ushua­ia
Schwierigkeit: T1

Wan­derung zur Lagu­na Esmer­al­da (400m)
Gehzeit: 3h
Höhen­meter: 200hm
Aus­gangspunkt: Park­platz an der Ruta 3, 17km nordöstlich von Ushua­ia
Schwierigkeit: T1

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