Argentinien: Buenos Aires, das Paris Südamerikas

Posted: 17. Februar 2016

Ein­mal halb um die Welt nach Südameri­ka ins Land der Gau­chos und des Tan­gos, Heimat des höch­sten Bergs Südamerikas, Schau­platz des wind gepeitscht­en Patag­o­niens und Ende der Welt ganz im Süden. Wir starten unser Südameri­ka Aben­teuer in Buenos Aires, dem soge­nan­nten Paris Südamerikas. 

Wir schlafen bis weit in den Nach­mit­tag hinein. Eigentlich woll­ten wir die Free Tour um 14 Uhr machen, aber dafür sind wir zu spät aufge­s­tanden. Der Jet­lag hängt uns übel nach. Wir buchen eine Tan­goshow für heute Abend, bis dahin soll­ten wir fit sein. Die Show begin­nt erst in ein zwei Stun­den, also suchen wir uns ein Restau­rant zum Aben­dessen. Die typ­isch deutsche Abend­brotzeit scheint aber hier eher Kuchen­zeit zu sein. Wir sind die einzi­gen die was Richtiges essen. Beim Zahlen fällt dem Kell­ner ein­er unser­er Scheine auf. Anscheinend hat uns gestern der Händler beim Wasserkaufen Falschgeld unterge­jubelt. Zum Glück sind es nur 50 Pesos, aber wir wis­sen nun, dass man auf der Hut sein muss.

Tango

Wir gehen zur Tan­goshow. Dafür haben wir unsere besten Sachen an: Alex eine Wan­der­hose mit nur einem kleinen Loch darin und Turn­schuhe, ich ein Kleid mit meinen schick­sten Schuhen, die ich habe: Flip Flops. Wir sitzen in einem schö­nen Saal und bestellen eine Flasche Wein. Viele der Gäste haben das All-Inclu­sive Paket mit Essen und Show bestellt und essen noch. Uns war das Paket jedoch zu teuer. Wir machen ein Foto mit zwei der Tänz­ern. Dann begin­nt die Show. Die Tänze sind sehr beein­druck­end, vor allem wie sich die Tänz­er bewe­gen kön­nen. Das wichtig­ste beim Tan­go: Niemals lachen, so ernst schauen wie nur möglich! Die Show endet gegen Mit­ter­nacht.

 

Tour durch den Bezirk La Recoleta

Wir lei­den noch immer unter Jet­lag und fühlen uns kaputt. Trotz­dem schaf­fen wir es uns um 10 Uhr zur Free Tour in La Reco­le­ta zu schlep­pen. Die Tour begin­nt am Teatro Colon. Das The­ater wurde von drei ver­schiede­nen Architek­ten erbaut weshalb die Stock­w­erke alle ein wenig anders ausse­hen. Daneben befind­et sich der Plaza de Lavalle mit dem Pala­cio de Jus­ti­cia und der Escuela Pres­i­dente Roca, ein­er öffentlichen Schule, die aussieht wie ein Tem­pel. Wir gehen weit­er und kom­men an ein­er Syn­a­goge vor­bei. Sie ist bewacht und kann nicht so ein­fach betreten wer­den — aus Angst vor Anschlä­gen, die es vor ein paar Jahren auch gegeben hat.

Wir gehen weit­er und über­schre­it­en die Aveni­da 9 de Julio, die mit 140 Metern ein­mal die bre­iteste Straße der Welt war bis Brasilien sie über­holt hat. Von hier kön­nen wir auch den Obelisken sehen, einem 67 Meter hohen Denkmal, das anlässlich der 400-jähri­gen Stadtju­biläums errichtet wurde. Wir gehen zum Plaza San Mar­tin, wo ein paar Pri­vat­paläste ste­hen. Sie zeu­gen von Reich­tum Argen­tiniens, das um 1900 eines der reich­sten Län­der der Welt war. Die reichen Groß­grundbe­sitzer hat­ten sich damals diese Pri­vat­paläste nach franzö­sis­chem Vor­bild bauen lassen. Aus diesem Grund nen­nt man Buenos Aires auch das Paris Südamerikas — das Stadt­bild ist ein­fach das ein­er europäis­chen Großs­tadt.

Auf dem Platz ste­ht auch eine Stat­ue von San Mar­tin, dem großen Helden des Unab­hängigkeit­skriegs gegen die Spanier. Sein Name begeg­net einem immer wieder in ganz Südameri­ka und viele Straßen sind nach ihm benan­nt — in Argen­tinien meis­tens sog­ar die Haupt­straßen. Unsere Führerin erzählt uns etwas über die Armen­vier­tel von Buenos Aires. Es sind geset­zlose Vier­tel, manch­mal ohne Wass­er und Strom — eine Par­al­lel­welt zu dem reichen La Reco­le­ta. Die Men­schen, die dort wohnen zahlen oft Mieten an Ver­mi­eter, denen die Häuser gar nicht gehören.

Wir set­zen uns auf eine Park­treppe und reden über die wirtschaftliche Sit­u­a­tion Argen­tiniens. Derzeit liegt das Land bei 30% Infla­tion. Es war aber schon viel schlechter, in der Hyper­in­fla­tion­skrise erre­ichte die Infla­tion dreis­tel­lige Werte im Monat. Es kam vor, dass ein Pro­dukt auf dem Weg zur Kasse teur­er wurde als es war als man es in den Einkauf­sko­rb gelegt hat. Auf­grund der Infla­tion ver­suchen die Argen­tinier ihr Ver­mö­gen in Dol­lar zu sparen, woran es aber einen Man­gel im Land gibt. Deshalb gibt es alle nase­lang Leute, die einem “cam­bio, cam­bio!” zurufen, denn sie sind scharf darauf Dol­lars für ihre bald schon wieder wert­losen Pesos zu bekom­men. Die Preise auf dem Schwarz­markt waren auch einst bess­er als die der Banken. Mit­tler­weile hat sich das aber angeglichen.

Wir gehen weit­er und kom­men zu einem Hochhaus, dem ersten von Buenos Aires. Dahin­ter ste­ht eine Kirche, die  von ein­er der Besitzerin­nen der Pri­vat­plätze errichtet und dort platziert, damit sie von ihren Palast zur Kirche sehen kann. Das Hochhaus dazwis­chen wurde aus Rache an dieser Kirch­ener­bauerin von ein­er Geliebten des Sohns der Kirch­ener­bauerin erbaut, da diese ihren Sohn an eine andere ver­heiratet hat. Wir machen Pause in einem Café und gehen dann weit­er zum Mon­u­men­to a los Cai­dos en Malv­inas. Es erin­nert an die Gefal­l­enen des Falk­land­kriegs, einem dreck­i­gen Krieg zwis­chen Argen­tinien und Eng­land um die Inseln. Noch immer erken­nt Argen­tinien Eng­lands Anspruch auf die Falk­landin­seln nicht an und nen­nt sie “Islas Malv­inas”, obwohl sie den Krieg ver­loren haben. Nach dem Krieg haben fast so viele Sol­dat­en Selb­st­mord began­gen wie im Krieg gefall­en sind.

Wir kom­men an einem Denkmal für die 1992 bei einem Anschlag auf die israelis­che Botschaft getöteten Men­schen vor­bei. Es fol­gen einige Stadtvillen, auch der Vatikan hat hier eine, und erre­ichen den Fried­hof von Reco­le­ta. Viele berühmte Leute liegen hier, allen voran Evi­ta Per­on, Frau des ehe­ma­li­gen Dik­ta­tors Juan Per­on. Die Führerin erzählt uns die Geschichte von Evi­tas Leiche, die bevor sie hier lan­dete durch viele Hänge ging. Eine gruselige Geschichte. Dann endet unsere Tour und wir erkun­den den Fried­hof auf eigene Faust.

Wir gehen durch die Rei­hen der Fam­i­lien­gräber, manche sind groß und reich verziert, andere sind am Zer­fall­en. Zahllose Wege führen an den Rei­hen mar­morner Mau­soleen und ein­drucksvollen Stat­uen vor­bei. Das Grab von Evi­ta find­en wir nicht, son­st ken­nen wir nie­man­den. Hier find­en sich aber auch viele Präsi­den­ten, Mil­itärhelden, Wis­senschaftler, Schaus­piel­er, ein­flussre­iche Poli­tik­er und andere reiche und berühmte Men­schen. Die kosten­lose Fried­hof­s­tour find­et auf Englisch lei­der nur um 11 Uhr am Dien­stag und Don­ner­stag statt, auf Spanisch kann man die Tour zweimal täglich von Dien­stag bis Fre­itag machen. Wir ver­lassen den Fried­hof und gehen in die Stadt zurück. Es ist ziem­lich heiß und wir set­zen uns in ein Café zum Mit­tagessen. Abends gehen wir noch peru­anisch Essen.

Tour durch die Innenstadt von Buenos Aires

Der Jet­lag ist immer noch übel. Wir wollen heute die zweite Free Tour durch die Innen­stadt machen und schaf­fen es nach dem Auf­ste­hen ger­ade noch uns ein Stück Kuchen bei Star­bucks reinzuhauen und müssen dann gle­ich weit­er zur Tour. Sie begin­nt um 15 Uhr. Wir müssen drin­gend was gegen diesen Jet­lag tun. Wie gestern ist es wieder sauheiß. Wir tre­f­fen uns am Pala­cio de Con­gre­so (Kon­gress­palast), der dem amerikanis­chen Kapi­tol nachge­baut ist. Die Aveni­da de Mayo verbindet den Palast mit der Casa Rosa­da, dem Sitz des argen­tinis­chen Präsi­den­ten.

Wir gehen Rich­tung Aveni­da 9 de Julio und kom­men an ein­er Stat­ue von Don Qui­jote vor­bei. Etwas weit­er hal­ten wir an einem Hochhaus, dem “Pala­cio Baro­lo”. Der Architekt hat sich beim Bau von Dantes “Göt­tlich­er Komödie” inspiri­eren lassen. Die 22 Stock­w­erke des Haus­es sind in Hölle, Fege­feuer und Him­mel unterteilt, wobei es so geplant ist, dass man den Him­mel nicht betreten kann ohne vorher durch Hölle und Fege­feuer gegan­gen zu sein. Die Höhe von 100 Metern entspricht den 100 Gesän­gen der Göt­tlichen Komödie. Bis 1935 war es das höch­ste Gebäude von Südameri­ka. Wir über­schre­it­en die Aveni­da und sehen wieder den Obelisken.

Auf einem Haus ist das Abbild Evi­tas zu sehen. Der Guide nutzt die Gele­gen­heit uns etwas über sie und das Leben ihres Mannes zu erzählen. Sie hat viel für die Unter­schicht getan, stammte sie ja selb­st aus ein­fachen Ver­hält­nis­sen. Während sie in der Arbeit­erk­lasse verehrt wurde, wurde sie von der reichen Elite gehas­st. Sie set­ze sich erfol­gre­ich für ein Wahlrecht für Frauen ein und brachte Frauen in die Poli­tik. Noch heute wird Eva Per­on, genan­nt Evi­ta, als eine der größten Wohltä­terin­nen der Nation verehrt. Juan und Eva Per­on waren aber eben auch Faschis­ten, die mit Fran­co, Mus­soli­ni und den Nation­al­sozial­is­ten sym­pa­thisierten. Eva Per­on ver­starb früh im Alter von 33 Jahren an Krebs.

Auch Juan Per­on tat viel für die Arbeit­erk­lasse und trieb die Entwick­lung der Infra­struk­tur voran. Der soge­nan­nte “Per­o­nis­mus” sollte einen “drit­ten Weg” zwis­chen Kom­mu­nis­mus und Kap­i­tal­is­mus darstellen. Es kam allerd­ings zu ein­er hohen Infla­tion und führten zu wach­senden Span­nun­gen mit Mil­itär, Groß­grundbe­sitzern und der Kirche und er wurde 1955 gestürzt. Er kam als Präsi­dent jedoch 1973 wieder zum Zug. Juan Per­on richtete sich immer weit­er nach rechts aus, es kam zu Ter­ro­ran­schlä­gen und poli­tis­che Geg­n­er wur­den ermordet. Seine dama­lige Frau wurde daraufhin erste Präsi­dentin Südamerikas, aber auch ihre Regierung wurde durch einen Mil­itär­putsch gestürzt.

Wir biegen in die Flori­da Street ein, wo einige Händler ihre Waren anbi­eten. Wir ler­nen etwas über das Bil­dungssys­tem in Argen­tinien. Hier darf jed­er studiert, egal welchen Schu­la­b­schluss er hat, was dazu führt, das nur 10% einen Abschluss erre­ichen. Aber jed­er hat alle Möglichkeit­en. Etwas weit­er erfahren wir etwas über Falschgeld und ler­nen Falschgeld von echtem Geld zu unter­schei­den — der Trick ist das Wasserze­ichen, das im Gegen­licht sicht­bar wird. Fraglich ist ob wir nun wirk­lich alle Scheine vorher check­en. Bei größeren Sum­men wird das etwas lei­dig, emp­fiehlt sich aber vielle­icht für große Ban­knoten.

Wir kom­men zum Plaza de Mayo. Auf dem Platz demon­stri­eren ger­ade Vet­er­a­nen für mehr Rechte. Kreis­rund sind auf dem Platz schema­tisch Frauenköpfe mit weißen Kopftüch­ern abge­bildet. Es sind die Madres de la Plaza de Mayo (“Müt­ter des Platzes der Mairev­o­lu­tion”), die sich noch immer ein­mal in der Woche hier ein­find­en und fordern, dass die Ver­brechen des Ter­ror­regimes der Mil­itärdik­tatur aufgear­beit­et wer­den. Viele Regierungskri­tik­er ver­schwan­den damals, über 30.000 Men­schen wur­den ermordet und viele Kinder wur­den regime­treuen Fam­i­lien als Adop­tion­skind gegeben. Noch immer kommt es so zu Fam­i­lien­zusam­men­führun­gen.

Es wird geschätzt, dass es in Argen­tinien etwa 500 von den Scher­gen der Dik­tatur ger­aubte und dann im Geheimen zur Adop­tion freigegebene Kinder gibt. In über 100 Fällen kon­nten die mit­tler­weile erwach­se­nen Kinder an Eltern­teile oder recht­mäßige Fam­i­lie zurück­gegeben wer­den. Oft waren ihre ver­meintlichen Väter Offiziere die an der Folterung und Ermor­dung ihrer tat­säch­lichen, leib­lichen Eltern beteiligt. Auch viele Deutsche wur­den damals ent­führt, gefoltert und ermordet. Seit 1977 find­en sich die Frauen jeden Don­ner­stag auf diesem Platz ein und umrun­den ihn stumm für eine halbe Stunde, da Proteste im Ste­hen früher ver­boten waren.

Am Ende des Platzes ste­ht die große Casa Rosa­da in dem der Präsi­dent seinen Sitz hat. Aktuell ist das Mauri­cio Macri, der die Kirch­n­er-Regierung nach langer Amt­szeit abgelöst hat. Der Guide erzählt und die jüng­ste poli­tis­che Geschichte. Sie ist geprägt von Präsi­den­ten­wech­sel, Demon­stra­tio­nen und den immer tief­er­en wirtschaftlichen Abrutsch des Lan­des. Ver­trauen in die Poli­tik hat hier nie­mand mehr. Regelmäßig kommt es zu Demon­stra­tio­nen und Streiks im ganzen Land.

Hier endet die Tour. Wir gehen weit­er Rich­tung Reser­va Ecolo­gia Costan­era Sur. Wir gehen an der Ufer­prom­e­nade ent­lang, von wo wir schon auf das Reser­vat sehen kön­nen. Hier sehen wir ein paar Enten und andere Vögel im Wass­er schwim­men. Auch ein paar grüne Papageie fliegen herum und wet­teifern mit den Tauben um Essen­sreste. An einem der unzäh­li­gen Kioskstände kaufen wir uns ein Chi­ropan, das sehr leck­er ist. Es ist eine Art Hot Dog mit Chori­zo.

Als wir an den Ein­gang des Reser­vats ankom­men, erfahren wir, dass es aus­gerech­net heute zu hat. Wir gehen weit­er am Ufer ent­lang, drehen aber bald um, da uns die angren­zen­den Bezirke nicht mehr geheuer sind. Wir gehen ins Hos­tel zurück. Spät abends gehen wir nochmal hin­aus zum Essen. Wir essen eine Asa­do Plat­te mit mehreren Steaks, Würsten, Blutwurst, Leber und Darm­stücke. Dazu trinken wir Wein. Wein ist selb­st im Restau­rant unglaublich gün­stig, sodass wir die Flaschen­preise anfangs für Gläser­preise hiel­ten. Und das toll­ste ist: Der gün­stige Wein ist auch noch gut!


FREE TOURS
La Reco­le­ta: Tre­ff­punkt um 10:30 Uhr auf dem Platz neben dem Teatro Colón
Innen­stadt: Tre­ff­punkt um 15 Uhr am Tor des Argen­tinis­chen Nation­alkongress

TOUR AUF DEM FRIEDHOF LA RECOLETA (KOSTENLOS)
Reco­le­ta, Englis­che Touren Dien­stag und Don­ner­stag um 11 Uhr am Hauptein­gang des Fried­hofs, Junin 1760,

TANGOSHOW
Piza­zol­la Tan­go, Flori­da 165, Gale­ria Guemes, C1005AAC Buenos Aires

HOTEL EMPFEHLUNG
BA STOP Hos­tel, ab 28€ pro Nacht im Dop­pelz­im­mer
Av. Riva­davia 1194, C1033AAO Buenos Aires

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