Argentinien: Die Seen und Berge von Bariloche

Posted: 23. März 2016

In über 24 Stun­den Bus­fahrt über die leg­endäre Ruta 40 gelan­gen wir von El Calafate nach Bar­iloche, dem nördlich­sten Zipfel von Patag­o­nien. Bar­iloche fühlt sich ein biss­chen an wie zuhause, denn es hat Schweiz­er Wurzeln. Über­all gibt es Fon­due und Schoko­lade und die Häuser ori­en­tieren sich am Baustil der Alpen. Noch inter­es­san­ter sind allerd­ings die umgeben­den Attrak­tio­nen: Der Cir­cuito Chico mit seinen Berg- und Seep­anora­men und der Nahuel Huapi Nation­al­park mit seinen zahlre­ichen Wan­der- und Klet­ter­möglichkeit­en.

Es wird uns nicht leicht gemacht in Bar­iloche. Alles was wir wollen ist den Bus zu nehmen, der uns zum Start­punkt der Radl­tour über den Cir­cuito Chico bringt. Allerd­ings ist es nicht möglich ohne eine auflad­bare Buskarte im Bus zu bezahlen. Diese auflad­baren Buskarten sind dur­chaus prak­tisch, lei­der gibt es ein­fach in ganz Bar­iloche ger­ade keine mehr. Wir laufen von Kiosk zu Kiosk und wer­den immer nur im Kreis geschickt, auch die Touris­ten­in­for­ma­tion bei der wir zwis­chen­durch auf­tauchen, ver­weist uns auf bere­its besuchte Kiosks. Nach über ein­er Stunde verzweifel­ter Suche bekom­men wir jedoch eine Karte aus ander­er Quelle. Die Touris­ten­in­for­ma­tion ist sich des Prob­lems näm­lich dur­chaus bewusst und ver­lei­ht eine Buskarte an uns. Nun müssen wir sie nur noch aufladen, was auch wieder ein paar ver­schiedene Kiosks erfordert. Hier der Tipp an alle, die sich außer­halb Buenos Aires mit dem Bus bewe­gen wollen: Fragt ein­fach andere Fahrgäste ob sie euch mit auf ihre Karte nehmen und gebt ihnen das Geld dafür. Auf die Idee kamen wir lei­der vorher nicht.

Der Bus ist ziem­lich voll und wir kön­nen erst den zweit­en nehmen, da in den ersten nicht mehr Leute hinein­passen. Dabei tre­f­fen wir auf einen Schweiz­er und eine Leipzigerin, die das gle­iche Prob­lem hat­ten wie wir. Die Ent­fer­nung zur Stadt ist durch Straßen­schilder angegeben. Unser Rad­ver­lei­her liegt bei Kilo­me­ter 18. Wir lei­hen zwei Moun­tain­bikes mit Vorder­radfederung, dazu gibt’s Helme und Sig­nal­west­en. Auf­grund unseres Bus­aben­teuers ist es schon 13 Uhr als wir los­radeln, um 18:30 Uhr müssen wir die Radl zurück­geben. Uns wird emp­fohlen den 3km lan­gen Abstech­er zur kleinen Colo­nia Suiza zu machen, da hier ger­ade ein Markt stat­tfind­et.

Circuito Chico

Die Straße geht immer leicht bergab und bergauf, wirk­lich ger­ade ist es nie. Nach ein­er Brücke geht es dann steil bergauf und wir müssen gut rein­treten. Oben angekom­men wer­den wir mit ein­er schö­nen Aus­sicht auf den Lago Per­i­to Moreno belohnt, den wir heute zum Teil umrun­den wer­den. In dem See sind kleine bewaldete Inseln und auf der anderen Seite liegt das berühmte Hotel Llao Llao. Über uns reit­en ein paar Greifvögel den stür­mis­chen Wind. Es geht wieder abwärts und wir tre­f­fen auf einen schat­ti­gen Weg, der links zur Colo­nia Suiza abzweigt. Er ist auf­grund des Schot­ters ab und zu ziem­lich hol­prig und wir kom­men nur langsam voran. Wir queren einen Bach über eine Holzbrücke und kurz darauf kom­men wir in das Dör­fchen Colo­nia Suiza. Wir der Name schon sagt han­delt es sich um eine ehe­ma­lige Schweiz­er Sied­lung.

Die Restau­rants in den Holzhäusern im Alpen­stil bieten Fon­due und Strudel an. Es ist ger­ade Markt und auf den Stän­den wird aller­lei Ram­sch und Essen ange­boten. Wir machen Pause um zu essen. Wir entschei­den uns für einen Stand, der wol­gadeutsches Essen anbi­etet. Er wird von einem Mann betrieben dessen Fam­i­lie vor zwei Gen­er­a­tio­nen über Brasilien aus­ge­wan­dert ist. Er ist von Abstam­mung Wol­gadeutsch­er, was heute Rus­s­land ist, und spricht einen deutschen Dialekt, den er noch von seinen Eltern gel­ernt hat. Wir unter­hal­ten uns auf Deutsch und bestellen zwei Gerichte. Eines ist eine Art Hot­dog, das andere wie saure Bratwürste mit viel Kohl und Zwiebeln. Als Nachtisch gibt es Waf­feln mit Frücht­en und Schlagsahne und zu allem trinken wir Bier. Der Markt ist sehr schön und wir wür­den noch gerne ein wenig rum­bum­meln, aber uns läuft die Zeit davon und wir haben noch einige Kilo­me­ter vor uns.

Wir radeln die 3km Schot­ter­piste zurück und fol­gen weit­er der Teer­straße. Die Sonne scheint, aber es ist nicht sehr warm — zum Glück, son­st wür­den wir bei dem ganzen Bergauf und Bergab ziem­lich ins Schwitzen kom­men. Wir erre­ichen die Bahia Lopez und sehen daneben den dazuge­hören­den Berg, den Cer­ro Lopez (2.076m). Das Wass­er der Bucht schim­mert in Grün- und Blautö­nen. Wir spazieren einen schmalen Pier ent­lang an dem kleine Boote liegen und der Wind bläst uns um die Ohren.

Es geht weit­er über eine windi­ge Brücke und in den Wald hinein bis wir das am See liegende Hotel Llao Llao erre­ichen. Wir sehen zwei Reporter die ger­ade einen Sicher­heits­mann inter­viewen und auch einen Polizeibus, anscheinend ist grad wer Berühmtes da. Erst später erfahren wir, dass der amerikanis­che Präsi­dent Barack Oba­ma ger­ade auf dem Weg nach Bar­iloche und in das Hotel Llao Llao ist. Wir radeln weit­er und nach einem Schlus­sanstieg sind wir pünk­tlich um 18:30 Uhr wieder am Fahrad­ver­leih.

Ins­ge­samt haben wir 30km und etliche Höhen­meter hin­ter uns gebracht. Ich bin zwar keine große Radlerin, habe es mit aber trotz ein biss­chen Jam­mern fleißig durchge­s­tanden und musste bei den Anstiegen nie absteigen. Wer keine Lust hat zu radeln, kann übri­gens die Tour auch mit dem Bus oder eigen­em Fahrzeug machen. Wir warten auf den Bus und fahren dann in die Stadt zurück. Wir gehen durch die Straßen und sehen uns die Geschäfte an. Es gibt viel Schoko­lade, Restau­rants und auch Out­doorgeschäte. Die Preise in südamerikanis­chen Out­door­lä­den für aus­ländis­che Pro­duk­te sind aber bescheuert. Nach einem hoch aufgeschicht­en Eis in der ange­blich besten Eis­diele Argen­tiniens gehen wir ins Hos­tel zurück.

Wandern am Cerro Catedral

Am Mor­gen besor­gen wir uns Bustick­ets nach Men­doza vom Bus­bahn­hof und fahren dann nach Vil­la Cathe­dral, wo wir im Nahuel Huapi Nation­al­park wan­dern wollen. Das Ganze hat wieder ordentlich Zeit in Anspruch genom­men, weshalb wir erst spät unsere Wan­derung starten. Im Win­ter, also im Juni, ist hier ein großes Skige­bi­et und wir sehen die Lifte und Pis­ten vom Hang herun­terge­hen.

Der Nahuel Huapi Nation­al Park ist der älteste Nation­al­parks Argen­tiniens. Herz des Nation­al­parks ist der große Lago Nahuel Huapi mit seinen vie­len Seit­e­n­ar­men, die sich in die umliegen­den Berge hineinziehen. Die Wan­der- und Klet­ter­möglichkeit­en sind zahlre­ich und vielfältig.

Unser Plan ist zum Refu­gio Frey auf 1.700m hin­auf zu wan­dern. Der Weg führt durch dichte Büsche und ist ziem­lich staubig. Als sich die Büsche licht­en, haben wir einen schö­nen Blick auf einen tief­blauen See und die Berge. Die ersten fünf Kilo­me­ter geht es rel­a­tiv flach um den Cer­ro Cat­e­dral herum, weshalb wir diese schnell hin­ter uns gebracht haben. Wir wan­dern durch ver­bran­nte Bäume, der Weg wird ein wenig steil­er und führt an einem Hang ent­lang in einen Wald.

Als wir den Wald hin­ter uns lassen sehen wir viele kleine Fel­stürme um uns herum aufra­gen und bald darauf erre­ichen wir das Refu­gio Frey, das nach europäis­chen Alpen­hüt­ten­vor­bild gebaut ist. Dahin­ter liegt ein großer Bergsee und eine Wiese. Alles ist von einem Kessel aus schot­tri­gen Hän­gen und Fel­stür­men einger­ahmt. Man kann im Refu­gio Frey über­nacht­en oder davor zel­ten, denn die Hütte ist Teil der Nahuel Huapi Tra­verse, die in etwa vier Tagen absolviert wer­den kann.

Anstatt der angegebe­nen vier Stun­den haben wir nur 2,5 Stun­den zum Refu­gio gebraucht. Wir gehen an dem See ent­lang und fol­gen dem Weg durch die moorige Wiese. Der Weg führt nun steil in ein Geröllfeld hin­auf, es wird alpin. Wir steigen über die großen Stein­brock­en aufwärts, immer den roten Punk­ten fol­gend. Manch­mal wird es sog­ar ein wenig krax­elig und ein richtiger Weg ist nicht mehr da. Wir kom­men zu einem weit­eren See, der von steilen Schut­tfeldern umgeben ist, der Lagu­na Schmoll. Wenn man den Berg hier über­schre­it­et, sollte man zu einem der Lifte kom­men und mit ihnen abfahren kön­nen. Uns sind schon Leute ent­ge­gen gekom­men, die vom Lift kamen.

Als wir andere Wan­der­er fra­gen, sagen diese aber, dass der Weg den wir sehen ange­blich aber nicht zum Luft son­dern zu einem anderen Refu­gio führt. Die Sonne ste­ht mit­tler­weile tief und es wird schat­tig. Da wir nicht wis­sen, ob der Lift um diese Uhrzeit über­haupt noch für eine eventuelle Abfahrt läuft, der Weg der richtige und wir lei­der auch nicht die Zeit haben es auszupro­bieren, beschließen wir umzukehren. Sehr schade, denn hier begin­nt das alpine Gelände und es wird span­nend. Zwis­chen den Steinen liegt hin und wieder auch ein biss­chen Eis.

Wir sehen keine Punk­te beim Run­terge­hen, weshalb wir mehr oder weniger wild absteigen. Auf dem Weg zurück zum Refu­gio Frey sehen wir, dass an den Fel­stür­men Klet­ter­er sind. Am Cer­ro Cat­e­dral befind­et sich eines der bekan­ntesten Klet­terge­bi­ete Argen­tiniens. Es ist schon 18 Uhr, weshalb wir ohne Pause absteigen. Wir erre­ichen unseren Bus und gehen in Bar­iloche leck­eres Käse­fon­due essen.


FAKTEN ZU DEN TOUREN
Fahrrad­tour Cir­cuito Chico mit Abstech­er zur Colo­nia Suiza

Fahrzeit: 5h
Länge: 30km
Höhen­meter: 664 hm
Aus­gangspunkt: Cordillera Bike Rental & Tours am Kilo­me­ter 18
Schwierigkeit: Ein­fach bis Medi­um
Alter­na­tiv aus direkt aus der Stadt möglich, dann sind es aber stolze 60km

Berg­tour Refu­gio Frey (1.700m) bis zur Lagu­na Schmoll (1.900m)
Gehzeit: 4h
Länge: 20km
Höhen­meter: 900hm
Aus­gangspunkt: Lift­sta­tion in Vil­la Cat­e­dral (1.100m)
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern (bis zum Refu­gio Frey nur T2 — Berg­wan­dern)

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