Argentinien: Gletscher und Granittürme im windgepeitschten Patagonien

Posted: 10. März 2016

Patag­o­nien, das sind majestätis­che Gletsch­er und Berge. Die Natur hier ist wild, unwirtlich und wun­der­schön. Es gibt viel Platz zwis­chen den klaren Flüssen, staubi­gen Kle­in­städten und zerk­lüfteten Gipfeln, denn dort gibt es nur die Ein­samkeit der Steppe. Wenn man an Patag­o­nien denkt, denkt man unweiger­lich an die ikonis­chen Granit­türme von Fitz Roy und Cer­ro Torre sowie die Gletscher­wände des gewalti­gen Per­i­to Moreno Gletsch­ers. Tat­säch­lich kann einem beim Anblick dieser Wahrze­ichen schon mal die Kinnlade herun­terk­lap­pen.

Wir fliegen nach unserem Antark­tis-Aben­teuer von Ushua­ia nach El Calafate. Bei der Lan­dung kön­nen wir schon die Gran­it­felsen und Gletsch­er der Anden sehen. Son­st sieht der Boden fast wüste­nar­tig aus. Wir fahren mit dem Taxi ins Hos­tel in El Calafate. Dort tre­f­fen wir auf einen mein­er besten Fre­unde, der uns in Argen­tinien besucht. Im Hos­tel gibt es Asa­do mit Steak, Würsteln und einem Salat- und Gemüse­buf­fet. Die Steaks sind die besten, die ich je in Argen­tinien gegessen habe.

 

 

Eisgewalten am Perito Moreno Gletschers

Der Per­i­to Moreno Gletsch­er ist 30km lang, 5km bre­it und 60m hoch. Jeden Tag wächst er bis zu zwei Meter, was dazu führt, dass regelmäßig haus­große Eis­brock­en von ihm don­nernd ins Wass­er krachen. Wir nehmen um 8:30 Uhr den Bus zum Per­i­to Moreno Gletsch­er, der uns direkt vom Hos­tel abholt. Auf der Fahrt in den Nation­al­park Los Glacia­res fahren wir am Lago Argenti­no ent­lang, dem größte See des Lan­des. Wir sehen die Berge, Gletsch­er und auch einen Regen­bo­gen. Der Him­mel ist ziem­lich bewölkt und es ist windig. Ab und zu reg­net es auch leicht. Am Gletsch­er angekom­men spazieren wir dort am See ent­lang. Wir gehen über Git­ter­wege und sehen Eiss­chollen im See schwim­men. Schon bevor wir es sehen kön­nen, hören wir das Eis vom Gletsch­er in den See fall­en.

Ein Boot bringt uns näher an den Gletsch­er her­an von dem immer wieder große Brock­en Eis in den See stürzen. Diese wer­den von der starken Strö­mung mit­geris­sen und ein paar Sekun­den später scheint es als sei nichts passiert. Vor dem Gletsch­er sind große Wirbel im Wass­er zu sehen.

Langsam scheint auch die Sonne durch die Wolken hin­durch und taucht den Gletsch­er in ein sattes Weiß. Von oben sieht man die tiefen Furchen und Spal­ten, die den Gletsch­er durchziehen. Immer wieder sehen und hören wir große Eis­brock­en ins Wass­er fall­en. Am beein­druck­end­sten ist ein riesiger Eis­turm, etwa in Hochhaus­größe, der mit einem laut­en Knall ins Wass­er kippt. Immer wieder schauen wir zum Gletsch­er um keinen der Eis­stürze zu ver­passen.

Bald sehen wir die senkrechte 50–70m hohe Gletscher­wand. Wir gehen weit­er und sehen immer wieder kleine bis riesige Eis­brock­en in den See fall­en. Wir kom­men zu ein­er der Aus­sicht­splat­tfor­men und sehen einen großen eisi­gen Tor­bo­gen, der sich vom Gletsch­er über den See zum Fes­t­land streckt. Unter ihm fließen Wasser­massen von einem See in den anderen. Wir laufen noch bis zur näch­sten Plat­tform um einen besseren Blick zu haben. Immer wieder brechen große Eis­brock­en ab und fall­en in das brodel­nde Wass­er und wir ahnen, dass der Eis­tor­bo­gen bald zusam­men­bricht, tat­säch­lich geht es aber sehr schnell.

Nach nur weni­gen Minuten bricht der ganze Bogen in einem laut­en Wumms zusam­men — eine Explo­sion aus Eis und Wass­er. Da haben wir ganz schön Glück gehabt unge­plant und genau im richti­gen Moment hier zu sein. Wie viel Glück wer­den wir erst tags darauf erfahren. Der Zusam­men­bruch passiert nur alle 10 Jahre mal und sog­ar in Deutsch­land war davon in den Nachricht­en zu hören. Ich habe schon viele Gletsch­er in meinem Leben gese­hen, aber zu erleben wie mehr als haus­große Eis­brock­en hin­ab­stürzen ist wahnsin­nig beein­druck­end. Sel­ten habe ich die Macht der Natur so stark ver­spürt wie an diesem Ort.

Dann müssen wir aber doch zurück um unseren Bus nicht zu ver­passen. In einem bun­ten Café zurück in El Calafate trinken wir den tra­di­tionellen Mate­tee aus Kür­bis­bech­ern. Mate ist mehr als nur Tee, er ist eine Leben­se­in­stel­lung. Getrunk­en wird er obses­siv in Argen­tinien und Uruguay und stets in den tra­di­tionellen Mate­bech­ern mit Stro­hhalm. Eine Ther­moskanne heißes Wass­er ist im Stan­dard­repor­toire eines jeden Argen­tiniers zu find­en.

Die ikonischen Granittürme Fitz Roy und Cerro Torre

Da unser Besuch aus Deutsch­land zeitlich stark einge­gren­zt ist, haben wir beschlossen die Tour zum Fitz Roy Mas­siv auf einen Tag durchzuziehen, was ich nur den­jeni­gen empfehlen kann, die keine großen Wan­der­fre­unde sind, denn hier lassen sich ohne weit­eres Tage ver­brin­gen.

Um 7:30 Uhr geht unser Bus nach El Chal­ten. Nach guten zwei Stun­den Fahrt sehen wir zum ersten Mal den Fitz Roy und den Cer­ro Torre am Hor­i­zont, der Grund unseres Kom­mens. Das Wet­ter ist super und das nicht nur für patag­o­nis­che Ver­hält­nisse. Eine Stunde später ste­hen wir am Ein­gang des Nation­al­parks und bald darauf in El Chal­ten. El Chal­ten ist sowas wie die Wan­der­haupt­stadt Argen­tiniens. Nach­dem wir uns ein paar Infos geholt haben, gehen wir durch die kleine Stadt zum Aus­gangspunkt unser­er Tour. Da wir bei­de Berge — Fitz Roy und Cer­ro Torre — sehen und unseren Bus zurück nicht ver­passen wollen, haben wir uns auf zwei kurze anstatt ein­er lan­gen Tour geeinigt. Die bei­den Berge sind von der Stadt aus gut zu sehen, ver­schwinden aber hin­ter einem kleinen Berg als wir uns näh­ern.

Lago Capri

Am Ende der Stadt führt ein staubiger Weg den Berg hin­auf und umrun­det ihn. Die Veg­e­ta­tion wech­selt zwis­chen dün­nen Wäld­chen und Wei­den mit niedri­gen Dor­nen­büschen ab. An einem Aus­sicht­spunkt hal­ten wir und überblick­en ein weites Flusstal, dass durch die Berge fließt. Nach 1,5 Stun­den erre­ichen wir unser Ziel, den Lago Capri. Über ihm thront der mas­sive Fel­sauf­bau des Fitz Roy. Steil ragen seine Gran­it­flanken in den blauen Him­mel empor. Am Fuß des Gran­it­baus ziehen sich zer­fruchte Gletsch­er herab. Faz­it: abso­lut unbesteig­bar. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen, denn außer uns sind noch viele andere Wan­der­er hier. Als wir uns aus­re­ichend am Anblick des Gran­it­mas­sivs ergötzt haben, machen wir uns auf den Rück­weg. Dabei kön­nen wir ein paar Kon­dore über die Felsen gleit­en sehen.

Mirador Torre

Es dauert nicht lange, dann sind wir am Ausangspunkt unser­er Tour und machen uns auf den Weg durch die Stadt zu unser­er zweit­en Tour. Es geht nochmal durch ein Wäld­chen bergauf und vor­bei an ver­bran­nten Über­resten eines Baums, der heute wie eine Skulp­tur seine verkohlten Äste trau­rig mah­nend in den Him­mel streckt. Wie in allen Parks in Patag­o­nien ist offenes Feuer ver­boten, denn durch die starken Winde ger­at­en Feuer sofort außer Kon­trolle. Nach etwa ein­er Stunde ste­hen wir am Aus­sicht­spunkt des Cer­ro Torre, dem Mirador Torre. Die steile 3.133m hohe Fel­snadel ist nur den besten Klet­ter­ern vor­be­hal­ten und sieht fast schon unnatür­lich aus. Wie wenn man ein Stre­ich­holz in den Boden gesteckt hätte. Rein­hold Mess­ner nen­nt diesen Berg “Schrei aus Stein”. Um bei­de Berge, den Cer­ro Torre und den Fitz Roy, ranken sich viele Berg­steiger­schick­sale — Erfolge, meist Scheit­ern — vor allem, weil hier beinah senkrechte glat­te, teil­weise vereiste Wände, extreme Winde und schnelle Wet­ter­wech­sel aufeinan­der tre­f­fen.

Auch hier machen wir wieder Brotzeit. Auf dem Rück­weg nach El Chal­ten nehmen wir ab Mitte einen anderen Weg und kom­men noch an einem Canyon vor­bei. Dabei kön­nen wir am Weges­rand einen schwarzen Specht mit rotem Kopf beobacht­en. Am Abend geht es wieder zurück nach El Calafate.

Ein Tag in El Calafate: Flamingos, Gauchos und Kuchen

Nach den let­zten Tagen frühen Auf­ste­hens lassen wir es heute mal langsamer ange­hen und ver­brin­gen den Tag in El Calafate, denn auch die Stadt selb­st hat Sehenswertes zu bieten. Wir gehen zum Lago Argenti­no hin­unter, denn dort gibt es direkt am Rande der Stadt ein kleines Natur Reser­vat. Laut Reise­führer soll es hier Flamin­gos geben. Allerd­ings befind­en sich derzeit keine Flamin­gos im Reser­vat. Etwas weit­er unter­halb im See sind sie aber zu find­en. Wir gehen am Ufer ent­lang und beobacht­en die Vögel im See. Die kleine Lagune des Natur Reser­vats ist mit Schilf bewach­sen und voll mit Tieren. Es gibt Enten, Schwäne und auch Greifvögel. Wir sehen ihnen zu und gehen weit­er am Ufer ent­lang. Immer mal wieder begleit­et uns ein fre­undlich­er Hund auf unserem Weg. Wir sehen ein paar pinke Fleck­en auf ein­er kleinen Insel im See — Flamin­gos! Allerd­ings sind sie ziem­lich weit weg. Ein Gau­cho treibt vier Pferde zusam­men, die auf ein­er der Inseln im See ste­hen. Dabei muss er durch tiefes Wass­er reit­en. Auch einen Hund hat er dabei, der die kleine Pfer­de­herde zusamen­hält. Wir kom­men an der Ranch des Gau­chos vor­bei auf der weit­ere Pferde ste­hen.

Es ist schon früher Nach­mit­tag und wir gehen in die Stadt zurück um zu essen. Wir entschei­den uns für Kuchen. Die Stücke im Schaufen­ster sehen sehr ver­füherisch aus und sind auch ziem­lich groß. Am Ende haben wir alle zu kämpfen sie aufzuessen. Wir gehen in das Stadtzen­trum zurück und lan­den wieder in dem Café mit den bun­ten Stühlen. Anstatt Mate trinken wir heute aber Craft Bier. Den let­zten gemein­samen Abend mit unserem Besuch lassen wir wieder bei BBQ und Wein im Hos­tel ausklin­gen.


FAKTEN ZU DEN TOUREN IN EL CHALTEN
Wan­derung zur Lagu­na Capri (750m)
Gehzeit: 2,5h (hin und zurück)
Höhen­meter: 380 hm
Dis­tanz: 8km
Aus­gangspunkt: Nördlich­es Ende von El Chal­ten
Schwierigkeit: T1 — Wan­dern

Wan­derung zum Mirador del Cer­ro Torre (600m)
Gehzeit: 1,5h (hin und zurück)
Höhen­meter: 100 hm
Dis­tanz: 10km
Aus­gangspunkt: El Chal­ten
Schwierigkeit: T1 — Wan­dern


EMPFEHLUNGEN IN EL CALAFATE

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HOSTEL
Amer­i­ca del Sur
Urgemütlich­es Hos­tel mit Blick auf den Lago Argenti­no und die umliegen­den Berge. Die MItar­beit­er sind hil­fre­ich und sym­pa­thisch und offeriert ein großes Toure­nange­bot in die Sehenswürdigkeit der Umge­bung. Täglich gibt es fan­tastis­ches BBQ, das man sich nicht ent­ge­hen lassen sollte.

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BAR
Borges y Alvarez Libro-Bar

Mit­ten in der Innen­stadt befind­et sich diese schöne Bar, die tra­di­tionell servierten Mate und Craft­bier anbi­etet. Schön­er bunter Außen­bere­ich, gemütliche Bücherbar im Inneren. Lei­der etwas teuer, aber wun­der­schön. Mehr für Getränke zu empfehlen als für Essen.

CAFÉ
Panade­ria y Con­fi­te­ria Don Luis
Der beste Kuchen der Stadt zu angemesse­nen Preisen!

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