Argentinien: Zu Fuße des höchsten Bergs Südamerikas

Posted: 27. März 2016

Der Aconcagua ist mit 6.962m der höch­ste Berg außer­halb des Himalayas. Ein Schneegipfel, der sich in wüsten­gle­ich­er Land­schaft erhebt. Abseits der Sai­son für die Bestei­gun­gen hat man den Nation­al­park und die sagen­haften Berg­panora­men fast für sich alleine. Vier Stun­den von der Wein­haupt­stadt Men­doza ent­fer­nt bietet der Par­que Provin­cial Aconcagua Wan­der­möglichkeit­en abseits der Massen.

Die Fahrt von Men­doza zum Aconcagua Nation­al­park dauert vier Stun­den, die wir größ­ten­teils ver­schlafen. Am Ende fahren wir zwis­chen rot­braunen Bergen aus bröseligem Gestein vor­bei. Wir haben die vorder­sten Sitze oben im Bus und deshalb eine gute Aus­sicht. Um 11 Uhr kom­men wir am Park an und reg­istri­eren uns im Park­büro. Wir lassen uns eines der Trekking­per­mits ausstellen, das uns erlaubt bis zum Camp Con­flu­en­cia zu wan­dern, der ersten Sta­tion auf dem Weg auf den Aconcagua. Das Tage­stick­et kostet 200 Pesos (etwa 12 Euro), was schon recht hap­pig ist. Es gibt auch ein Mehrtage­stick­et aber diese sind dann wirk­lich teuer, z.B. drei Tage für 130 USD. In drei Tagen kön­nte man bis zum Base­camp und zurück gehen.

Die Bestei­gungs­sai­son reicht von Novem­ber bis Feb­ru­ar und es bedarf 13 bis 15 Tage um den Gipfel zu erre­ichen — vor allem auf­grund der Akkli­ma­tisierung. Im Park ist es ganzjährig kalt und trock­en mit Tem­per­a­turen von -15°C im Win­ter bis 30°C im Som­mer. Es ist eigentlich immer windig und manch­mal so böig, dass es zu eine Windgeschwindigkeit über 200 h/km kommt. Neben dem Aconcagua hat der Nation­al­park mehrere Gipfel über 5.000m und zahlre­iche Gletsch­er. “Aconcagua” bedeutet auf Quechua soviel wie “Stein­wächter” oder in der Sprache der Aymara “Schnee­berg”. Außer­dem liefert die Region Wasser­re­sourcen für die über eine Mil­lion Men­schen, die in der Umge­bung leben.

Auf dem Weg zum Aconcagua

Schon vom Park­büro aus kön­nen wir durch das Tal den weißen Gipfel des Aconcagua sehen. Es ist ziem­lich heiß und der Him­mel ist frei von Wolken. Der Boden ist sehr staubig und nur ein paar Dor­nen­stau­den wach­sen hier. Alles macht ein sehr wüsti­gen Ein­druck. Auf der Straße gehen wir in das Tal Hor­cones hinein. Am Ende der Straße müssen wir unsere Per­mits herzeigen und fol­gen dann einem Rundweg auf einen Wan­derp­fad. Wir kom­men an einem kleinen See vor­bei vor dem grünes Gras wächst und eini­gen Infos­childern, die erk­lären wie alles hier ent­standen ist. Die Anden sind ein Pro­dukt der Plat­ten­tek­tonik zwis­chen der Naz­ca und der Südamerikanis­chen Plat­te. Der Unter­grund auf dem wir laufen sind die Über­reste ein­er gigan­tis­chen Eis- und Schlamm­law­ine, die vor 13.000 Jahren an der Süd­wand des Aconcagua abging und ein U-Tal geformt hat. In ein­er Flusss­chneise liegen haus­große Felsen, die vom Gletsch­er hier­her trans­portiert wur­den.

Wir gelan­gen zum Aconcagua View­point mit einem großen Schild “Aconcagua 6.962m”. Seine Süd­wand ist mit 2.700m eine der höch­sten der Welt. Ein Stück weit­er befind­et sich die “Lagu­na Hor­cones”, einem beliebten Aus­sicht­spunkt für den Aconcagua. Um den See wach­sen aller­lei Gräs­er und Pflanzen. In sein­er Mitte schwim­men zwei weiß-schwarze Gänse. Wir set­zen uns auf eine Bank und machen Brotzeit. Dann fol­gen wir dem Weg weit­er ins Tal hinein. Dabei haben wir den Aconcagua immer vor uns im Blick. Das Wet­ter ist super und die Berge um uns leucht­en in roten, braunen und grü­nen Tönen. Der Weg ist nie wirk­lich steil, aber wir merken die Höhe.

Men­doza liegt nur auf etwas über 800 Meter und nun sind wir bei 2.800m ges­tartet und die dünne Luft macht sich bemerk­bar. Der Weg führt an einem Hang über einen Fluss ent­lang. Alles wirkt sehr lose und bröselig und immer wieder queren wir die Reste von Schlamm­law­inen. Heute ist aber alles sehr trock­en und ab und zu bläst uns der Wind den Staub ins Gesicht. An ein­er Brücke müssen wir nochmals unsere Per­mits herzeigen, dann sind wir alleine unter­wegs. Nur ein paar kleine Vögel hüpfen am Boden zwis­chen Dor­nen­büschen herum. Die meis­ten Tages­touris­ten gehen nur bis zur Lagu­na Hor­cones und die Bestei­gungs­sai­son ist seit Feb­ru­ar vor­bei, was den Nation­al­park ruhig hin­ter­lässt.

Osternestsuche auf 3.200m

Nach etwa zwei Stun­den erre­ichen wir das Camp Con­flu­en­cia. Eigentlich hätte es vier Stun­den dauern soll­ten, aber vielle­icht ist das für schw­eres Gepäck von Gipfe­laspi­ran­ten zu ver­ste­hen. Weit­er dür­fen wir mit unseren Per­mits nicht wan­dern. Am Camp ste­hen noch die Reste von Zel­ten, die während der Klet­ter­sai­son genutzt wer­den und eine Ranger­hütte. Wir steigen auf einen kleinen Aus­sicht­shügel und da heute Oster­son­ntag ist ver­steck­en wir uns gegen­seit­ig unsere Osternester. Nach­dem wir alle gefun­den haben, machen wir Brotzeit und genießen die Aus­sicht. Der Aconcagua wird selb­st zwar größ­ten­teils von anderen Bergen verdeckt, doch auch so bietet sich ein schönes Panora­ma von hier. Vor allem ein Gipfel sticht her­vor, da man an sein­er steilen Fel­swand deut­lich die ver­schiede­nen quer­laufend­en Gestein­sarten sehen kann, der ganze Fels ist gestreift.

Durch den aufk­om­menden Wind wird es etwas ungemütlich und wir gehen wieder zum Camp hin­unter das auf 3.200m liegt. Wir gehen weit­er bis wir wieder den See Hor­cones erre­ichen. Auf dem Weg zum Parkein­gang kom­men wir noch an einem Stein vor­bei in dem Fos­silien zu sehen sind. Wir check­en in der Ranger­sta­tion aus und auf einem Plakat iden­ti­fizieren wir einen Hasen mit kurzen Ohren, den wir gese­hen haben als eine Art wildes Chin­chilla. Neben der Straße gehen wir die 3km nach Pun­ta de Inca hin­unter von wo unser Bus zurück nach Men­doza geht. Wir sehen uns die natür­liche Brücke über einen Canyon an, die dem Dorf seinen Namen gibt. Sie ent­stand weil Kalz­i­um­ablagerun­gen aus heißen Quellen das lose Gestein hier ver­fes­tigt haben und es dann vom Fluss unter­spült wurde. Um 20 Uhr fahren wir nach Men­doza zurück wo wir um Mit­ter­nacht ankom­men.

Stadtrundgang in Mendoza

Men­doza ist eigentlich eine Wüsten­stadt, was man inner­halb der Stadt aber gar nicht merkt. Ace­quias ver­laufen an jed­er Straße, Spring­brun­nen und Bäume machen einen grü­nen Ein­druck. Vor allem aber ist Men­doza für Wein bekan­nt, der in der Region ange­baut wird. Eine Wein­tour im benach­barten Tal ist beliebt und in der Umge­bung kann man reit­en, raften, ski­fahren oder wan­dern. Für uns ist Men­doza nicht ger­ade der schön­ste Ort den wir je gese­hen haben, die Stadt ist sehr neu, was einen gewis­sen Man­gel an his­torischem Charme vere­it­elt. Dafür kann Men­doza allerd­ings nicht, denn Erd­beben suchen die Stadt häu­fig heim und zer­stören alles was his­torisch wer­den kön­nte.

Wir wollen eigentlich gegen Mit­tag die Stadt schon ver­lassen, aber das soll sich nicht als so ein­fach her­ausstellen. Wir haben Tick­ets, aber der Bus ste­ht nicht an der angebe­nen Hal­testelle. Während mich der Ver­dacht beschle­icht, dass es sich vielle­icht um ein anderes Busun­ternehmen han­delt als das von denen wir die Tick­ets gekauft haben, ist Alex noch unter­wegs um Brotzeit zu organ­isieren.

Ich sehe Busse weg­fahren und als Alex wieder da ist, stellen wir fest, dass des tat­säch­lich ein anderes Busun­ternehmen war das uns nach San­ti­a­go de Chile trans­portieren sollte. Es fol­gt eine stres­sige Stunde in der wir ver­suchen die Tick­ets zu tauschen oder einen anderen Bus nach San­ti­a­go in der näch­sten Stunde zu bekom­men. Am Ende bekom­men wir nur Tick­ets für den Nacht­bus um 22 Uhr. Wir lassen unser Gepäck beim Bus­büro und fahren in die Stadt zurück. Da wir nun noch einige Zeit haben und auch den Stress der let­zten Stunde hin­ter uns lassen wollen, machen wir die Free Tour.

Wir sind nur zu viert am Start­punkt, dem Plaza Pel­le­gri­ni, und kön­nen wählen ob wir den “neuen” oder “alten” Teil der Stadt sehen wollen. WIr entschei­den uns für den alten. Mit dem Bus fahren wir ein paar Blocks und gehen dann zu der Ruine ein­er Kirche. 1861 gab es ein schw­eres Erd­beben das die ganze Stadt zer­störte. Men­doza wurde etwas weit­er ver­set­zt wieder aufge­baut. Die Ruine ist das let­zte Überbleib­sel der alten Stadt. Wir kom­men zum zen­tralen Platz der alten Stadt mit dem Regierung­shaus. Es wurde auch zer­stört und danach wieder aufge­baut. Sei­ther diente es als Schlachthaus, Gemüse­markt und jet­zt als Muse­um. Hin­ter ihm ste­hen mehrere Säulen die ver­schiedene Zeiträume in der Geschichte der Stadt darstellen. An jed­er Säule erzählt uns unser Guide die Geschichte dazu.

Begonnen von den ein­heimis­chen Nomaden, die bei der Jagd Enten lieber ertränk­ten als sie mit Pfeil und Bogen zu erschießen und den Berg Aconcagua als zorni­gen Gott verehrten bis  zu den Inkas, die ihr Reich bis hier­her aus­dehn­ten und friedlich mit den Ein­heimis­chen lebten. Dann kamen die Spanier und grün­de­ten die Stadt als Weg­posten. Im Unab­hängigkeit­skrieg begann San Mar­tin von hier seinen Unab­hängigkeit­szug durch Südameri­ka. Die Nachkom­men der Spanier stell­ten schwarze Sklaven und die ein­heimis­che Bevölkerung im Krieg in die erste Rei­he, weshalb es heute kaum mehr welche gibt.

Nur noch 3% der Bevölkerung Men­dozas ist indi­an­is­chen Ursprungs. Es fol­gt die Zeit des agraren und indus­triellen Auf­schwungs der Stadt bis zum wirtschaftlichen Zusam­men­bruch. Wir lassen den geschichtlichen Teil hin­ter uns und der Guide zeigt uns Graf­fi­ti an den Wän­den, die seit ein paar Jahren von ein­er ansäßi­gen Kün­stlervere­ini­gung zur Stadtver­schönerung erstellt wer­den. Wir fahren in die Stadt zurück und been­den die Tour. Den Rest der Zeit schla­gen wir in einem Café tot.

Als der Bus geht müssen wir warten da einige Mit­fahrerin­nen mehrere Kisten Waschmit­tel ver­stauen müssen. Dann fahren wir in die Nacht hinin. Wir schlafen und erre­ichen nach eini­gen Stun­den mit­ten in der Nacht die Gren­ze. Die Passkon­trolle ver­läuft schnell und die Argen­tinier und Chile­nen kon­trol­lieren am sel­ben Ort. Dann wird das Gepäck kon­trol­liert und zwar alles, was ewig dauert. Die Ein­heimis­chen haben stan­gen­weise Zigaret­ten im Gepäck Dann geht es weit­er. Die Waschmit­tel­weiber ratschen die ganze Zeit danach und rauben uns den Schlaf und wir sind froh als wir früh mor­gens in San­ti­a­go de Chile ankom­men.


FAKTEN ZUR TOUR
Wan­derung über Lagu­na Hor­cones
zum Refu­gio Con­flu­en­cia

Gehzeit: 5h
Höhen­meter: 500 hm
Aus­gangspunkt: Cordillera Bike Rental & Tours am Kilo­me­ter 18
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern (bis zum Refu­gio Frey nur T2 — Berg­wan­dern)
Mehr Infos gibt’s beim Aconcagua Provin­cial Park Vis­i­tor Cen­ter ANP, Av. San Mar­tin 1143 Men­doza 1st Floor, Mo-Fr 8 bis 13 Uhr

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