Pyramidenspitze: Auf Spuren der Bergziegen unterwegs

Posted: 30. Juni 2013 by Annika

Mein erster Klet­ter­steig ste­ht heute mit dem Winkelkarsteig auf die Pyra­mi­den­spitze im Kaiserge­birge an. Dieser ist mit der Kat­e­gorie A/B sehr ein­fach und eine Sicherung ist für erfahrene Berg­wan­der­er eigentlich unnötig. Also gut für einen Ein­stieg geeignet!

Ein Klet­ter­steig ist ein mit Draht­seilen und Eisen­leit­ern gesichert­er Weg am Fels, der auch schw­erere Routen für Nicht-Klet­ter­er zugänglich macht. Mit Hil­fe von Klet­ter­steiggurt und einem Y‑förmigen Klet­ter­steigset mit Kara­bin­ern kann man sich in die Draht­seile ein­hän­gen; ein Berg­steiger­helm schützt vor eventuellem Steinschlag.

Obwohl wir zuerst etwas Sorge hat­ten, ob wir die Tour wegen des Wet­ters über­haupt machen kön­nen, sieht es ganz gut aus und im Laufe des Tages soll es auch immer mehr aufk­laren. Wir starten im öster­re­ichis­chen Durch­holzen und über Wiesen- und Forstwege geht es erst ein­mal sehr san­ft bergauf, dann in Ser­pen­ti­nen steil­er wer­dend an den gewalti­gen Wän­den des Zah­men Kaisers ent­lang. Über eine Schut­treiße, die einen für jeden erkämpften Meter wieder einen hal­ben Meter hinab rutschen lässt, steigen wir hinauf.

Klettersteig auf die Pyramidenspitze

Über einige Felsen geht es dann zur ersten Draht­seil­sicherung und die Höhen­meter fliegen dahin. Anfangs machen wir uns noch mit der Klet­ter­steigtech­nik ver­traut und klinken uns brav ein, später gehen wir ohne Sicherung, da es sich hier um einen rel­a­tiv bre­it­en Steig ohne Schwierigkeit­en han­delt. Nur einige Stellen sind durch aufgewe­icht­en Lehm­bo­den etwas rutschig.

Immer wieder wech­seln sich Geh­pas­sagen und Klet­ter­steig­stellen ab bis man über eine Rinne auf die Pyra­mi­den­spitze zuge­ht. Die Joven­spitze (1.892m) taucht vor uns auf. Lei­der lohnt sich die Bestei­gung dieser heute nicht, da wir in tiefen Wolken steck­en und die Aus­sicht sehr beschei­den wäre. Dabei wollte ich den schön ausse­hen­den und weg­los zu erre­ichen­den Gipfel gerne mit­nehmen. Wir lassen also die Joven­spitze rechts liegen und steigen weit­er auf die Pyra­mi­den­spitze. Über eine kleine Leit­er und einen let­zten Auf­schwung gelangt man dann auf den Gipfel.

Pyramidenspitze

Lei­der sehen wir nicht viel von hier oben, nur kurz kön­nen wir wenig­stens einen Blick auf die direkt vor uns liegende Vordere Kesselschneid, mit 2002m der höch­ste Gipfel im Zah­men Kaiser, wer­fen. In einem kurzen weglosen Marsch kön­nte man diese eben­falls mit­nehmen, lei­der lohnt sich das heute eben­so wenig wie die Jovenspitze.

Obwohl es erst ganz gut aus­sah, die Wolken sich immer mal wieder ver­zo­gen haben und den Blick auf blauen Him­mel und Gipfel freigegeben haben, ist jet­zt alles zu und es wird kalt und windig. Immer mal wieder kom­men ein paar Regen­tropfen runter.

Abstieg

Wir machen eine Brotzeit, das Gipfelfo­to und den Ein­trag ins Gipfel­buch und steigen dann zügig auf der anderen Seite hinab, da es hier oben lei­der doch sehr ungemütlich ist. Rich­tung Vorderkaiser­felden­hütte kann man etwas gemütlich­er absteigen und hat — jeden­falls nor­maler­weise — einen wun­der­schö­nen und abwech­slungsre­ichen Weg vor­bei an Elfer‑, Zwölfer- und Ein­serko­gel vor sich. Steile Fel­swände, an denen der Regen run­ter­perlt und her­rlich im immer wieder erscheinen­den Son­nen­licht funkelt, flankieren uns bald und wir erre­ichen die Vorderkaiser­feld­hütte. Von hier aus kön­nte man in 1 1/2 Stun­den noch das Peter­sköpfel und die Naun­spitze besteigen. Eine aufwär­mende Gulaschsuppe später, steigen wir weit­er hinab.

Lei­der ver­laufen wir uns kurz danach unbe­merkt. Anstatt beim etwas undurch­sichti­gen Schild “Klet­ter­garten” abzuzweigen, gehen wir weit­er hin­unter und stellen erst deut­lich später fest, dass wir uns auf dem Weg nach Kuf­stein befind­en, was genau auf der anderen Seite vom Zah­men Kaiser liegt. Das hätte uns eigentlich auf­fall­en müssen, nach­dem wir eine Alm nach der anderen passierten und auf unserem Weg eigentlich bis zur Aschinger Alm kurz vor dem Park­platz keine weit­ere mehr eingeze­ich­net war. Ein Auf­stieg zurück lohnt sich nicht mehr, wir set­zen den Abstieg also fort. Kurz vor Ende quält uns der Forstweg nochmal mit gemeinen Stufen, die meinen noch vom let­zten Woch­enende geschän­de­ten Knien, übel mitspielen.

Unten in Kuf­stein haben wir aber Glück — wir kom­men direkt an der Bussta­tion her­aus und in gut 30 Minuten kommt auch ein Bus. Die Sonne ist nun auch endlich her­aus­gekom­men und wir kön­nen die Wartezeit mit Son­nen­baden ver­brin­gen. Wir fahren zurück nach Durch­holzen und müssen dann nicht mehr weit zurück zum Auto laufen.

Den Abend lassen wir gechillt am Walch­see ausklin­gen, genießen die Sonne auf einem der Stege, schauen einem motivierten Schwim­mer zu, der im Neo­pre­nanzug auf die andere Seite des Sees und wieder zurück schwimmt, dem ich es dann zumin­d­est insofern gle­ichtue, dass ich mir ein kurzes Bad im See gönne. Herrlich!

 


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Pyra­mi­den­spitze (1.997m) über Winkelkar und Klettersteig
Gehzeit: 6h
Höhen­meter: 1.250hm
Aus­gangspunkt: Durch­holzen (735m)
Schwierigkeit: T3 — anspruchsvolles Berg­wan­dern / Klet­ter­steig A/B

Merken

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.