Neuseeland: Auslandssemester in Auckland

Posted: 18. Juli 2007 by Annika

Für ein Semes­ter studiere ich an der Unitec in Auck­land vor­wiegend Fotografie und Design. Ich habe mich für das Land am anderen Ende der Welt entsch­ieden, eben weil es so weit weg von Deutsch­land ist. Wenn schon, denn schon, oder?

Erster Tag an der Unitec. Um 9 Uhr ist Tre­f­fen im Inter­na­tion­al Office und wir gehen zur Begrüßung. Dort find­et eine Maori-Begrüßung statt, die den Namen „Powhiri“ trägt. Gesang, Tanz und eine Art Gebet. Begrüßende Worte des Inter­na­tion­al Staff und des Leit­ers der Uni, das ganze Trara. Es gibt eine Ken­nen­lern­runde mit den anderen inter­na­tionalen Studieren­den, danach Tee, Kaf­fee und Sandwiches.

Ich bin ein wenig müde, weil ich früh aufge­s­tanden bin und mit der Ori­en­tierung zu kämpfen hat­te. Das Bussys­tem hier ist abso­lut merk­würdig. Es gibt hier mehrere pri­vate Unternehmen, weswe­gen es keinen Gesamtüberblick über die Busse gibt, eine Karte wie man es aus Deutsch­land gewohnt ist. Man weiß also nie genau welchen Bus man am besten nimmt und von wo dieser fährt. Man sucht also ein biss­chen und fragt sich irgend­wie durch. Ein weit­eres Prob­lem ist, dass die Bushal­testellen hier nicht ange­sagt oder angezeigt wer­den. Der Fahrgast muss selb­st guck­en wo er aussteigen muss. Es ste­hen auch in den meis­ten Fällen keine Hal­testel­len­na­men an den Straßen, son­dern lediglich kleine Schilder auf denen in rot­er Schrift „Bus Stop“ ste­ht. Als Fremder hat man es hier natür­lich sehr schw­er. Aber ein fre­undlich­es Fra­gen beim Bus­fahrer wirkt Wun­der und ich habe somit den richti­gen Weg auch gle­ich gefunden.

Viel laufen ist hier ange­sagt, das merke ich schon am ersten Tag. Der Cam­pus ist sehr groß und dementsprechend ist man nur am Rum­laufen. Aber schön ist er, der Cam­pus. Sehr viel Grün und sehr gepflegt. Blauer und strahlen­der Him­mel. Ich habe das Gefühl, dass die Farbe des Him­mels hier von einem anderen Blau erfüllt ist als in Deutschland.

Unitec Cam­pus

 

Unterkunftssorgen

Ich frage nach der Unterkun­ft im Res­i­den­tial Vil­lage, weil ich keine Antwort auf meine Bewer­bung für das Stu­den­ten­wohn­heim auf dem Cam­pus vom Acco­mo­da­tion Office erhal­ten habe. Ich werde also an die entsprechende Stelle ver­wiesen wohin ich wieder laufen muss und vor allem – erst­mal find­en! Nicht so ein­fach auf diesem großen Cam­pus. Es ist völ­lig anders als in Deutsch­land. Hier gibt es auf dem Cam­pus alles. Mehrere Cafés, Bankau­to­mat­en, Copy Cen­ter, Com­put­er­la­bore, usw. Eigentlich braucht man gar nicht raus­ge­hen. Ein kosten­los­er Shut­tle Bus fährt auch alle 20 Minuten über den Cam­pus, aber am Anfang hat­te ich das noch nicht raus und ich bin immer gelaufen.

Angekom­men im Acco­mo­da­tion Office stelle ich fest, dass eine Antwort mit­samt Ver­trag schon vor ein­er Weile hätte raus­ge­hen sollen. Meine E‑Mail mit der Bewer­bung kam zwar an, wurde aber nicht bear­beit­et. Ich muss erst eine neue Bewer­bung aus­füllen. Danach muss ich wieder zurück, weil ich einen weit­eren Ter­min habe, in dem Infor­ma­tio­nen für Study Abroads ver­mit­telt wer­den. Die Stun­den­pläne und weit­ere Dat­en sollen hier aus­gegeben werden.

Meine Stu­dent ID Card muss auch erst noch fer­tig gestellt wer­den. Also muss ich mit Angelique, der Mitar­bei­t­erin vom Inter­na­tion­al Office, mit­ge­hen. Ich bekomme meinen Stun­den­plan und im Büro von Angelique kläre ich noch ein paar offene Fra­gen. Angelique ist sehr fre­undlich und rät mir auch die E‑Mail mit der dama­li­gen Bewer­bung für die Unterkun­ft noch mal an sie weit­erzuleit­en. Dann bekomme ich meine Stu­dent ID Card indem ich mich vor eine Kam­era set­ze und sie bin­nen Sekun­den in denen ich mich kaum geset­zt habe, schon ein furcht­bar scheußlich­es Bild von mir aufn­immt, was für die näch­sten Monate meine ID Card verun­stal­ten wird.

Dann lege ich mich erst­mal eine Stunde in die Sonne, die wirk­lich her­rlich am frühen Nach­mit­tag ist. Danach wieder ins Acco­mo­da­tion Office, Bewer­bung abgeben. Dann eine Adresse von einem Mann erhal­ten, der ein Zim­mer nicht weit von hier ver­mi­etet. Ein Tele­fonge­spräch später, ist ein Ter­min für eine Besich­ti­gung am näch­sten Mor­gen aus­gemacht. Ich habe einige Prob­leme den Mann zu ver­ste­hen, da er einen merk­würdi­gen Kaud­er­welsch-Dialekt spricht. Aber die Frau vom Acco­mo­da­tion Office ste­ht mir sehr nett und hil­fs­bere­it zur Seite.

Das Prob­lem ist hier also nun wirk­lich nicht die Fre­undlichkeit der Leute, denn dies ist hier pos­i­tiv anders als in Deutsch­land. Die Leute sind hier alle sehr warm und her­zlich und immer hil­fs­bere­it und geprägt von “no wor­ries”. Ich habe das Gefühl alles läuft schief und kann mit dieser pos­i­tiv­en Grun­de­in­stel­lung zunächst nicht viel anfan­gen. Wie, keine Sor­gen machen? Ich brauch doch ein Dach über den Kopf. Es braucht nur eine kurze Zeit in Neusee­land um sich diese pos­i­tive Ein­stel­lung zu eigen zu machen und eben­falls mit “no wor­ries” durchs Leben zu geben. Es macht alles so viel einfacher.

Ich bringe das WLAN noch in Gang und fahre zurück nach Down­town, allerd­ings nicht ohne einen lan­gen Fuß­marsch zum Bus hin­gelegt zu haben. Irgend­wo in Down­town steige ich aus und falle müde ins Bett des Youth Hos­tels. Das war ein anstren­gen­der erster Tag. An Essen und Duschen ist nicht zu denken, nur schlafen.

Auckland-Bustour für die internationalen Studenten

Es ist 6 Uhr mor­gens und ich wache das erste Mal dort auf, das man das zukün­ftige Zuhause nen­nen kön­nte, denn ich wohne jet­zt im Stu­den­ten­wohn­heim der Unitec. Es hat doch noch geklappt ein Zim­mer zu bekom­men. Dabei fiel mir mein Traum der ver­gan­genen Nacht ein. Ich erwachte darin in Deutsch­land und stellte fest, dass Neusee­land nur ein Traum, eine Illu­sion war und das war sehr erschreck­end. Ich wollte doch noch soviel erleben! Dann wache ich hier auf und stelle fest, dass die Rück­kehr nach Deutsch­land nur ein Traum war. Ins­ge­samt lässt mich der Traum den Entschluss fassen die Zeit hier gefäl­ligst zu genießen, solche Gele­gen­heit­en bieten sich vielle­icht nicht so oft im Leben. Ich habe nun also mehr als 10 Stun­den geschlafen, aber so richtig aus­geschlafen füh­le ich mich den­noch nicht. Ich sehe aus wie der lebendi­ge Jet­lag Beweis.

Die Bus­tour für die aus­ländis­chen Studieren­den begin­nt. Und tat­säch­lich, ich sehe das erste Mal Schönes in bzw. um Auck­land. Es ging über die Great North Road vor­bei am Zoo und West­ern Springs auf den Motor­way nach Down­town. Auf dem Weg durch Down­town fall­en mir sofort Dunkin Donuts und Star­bucks ins Auge. Wun­der­bare Aus­sicht­en! Es geht über die riesige und hohe Har­bour Bridge von der aus man einen schö­nen Überblick auf Down­town hat, dann über Nar­row­neck und Chel­tenham Beach­es nach Devonport.

Dort ent­pup­pt sich der North Head als wun­der­bar­er Aus­sicht­spunkt und wir haben nur 20 Minuten Zeit zum Knipsen. Die Sonne scheint aus voller Kraft und die Aus­sicht ist her­rlich. Die Aus­sicht erstreckt sich über Down­town Auck­land und vor allem – raus aufs Meer auf die umliegen­den Inseln. Total schön. Wir wollen gar nicht mehr weg. Zwei andere Studierende kön­nen mit mir gar nicht ablassen von der Kam­era und der Bus fährt ohne uns weit­er. Wir müssen dann hin­ter­her­laufen bis zum näch­sten Stopp an einem Strand, an dem es Fish & Chips gibt. Möwen sitzen hier, die Gis­cht spritzt über das Ufer, alles ist perfekt.

Danach geht es zur Mis­sion Bay und ich sam­mel meine ersten Neusee­land-Muscheln. Es gibt hier ganz andere Muscheln als in Deutsch­land – und viel größere. Ich stecke die Hand in den Paz­i­fik und koste ein wenig Salzwass­er. Mein erstes Paz­i­fik­wass­er, ich bin ganz aus dem Häuschen. Ein wun­der­bar­er Strand, der Lust auf ein biss­chen Plan­schen macht. Dazu ist es jedoch noch zu kalt. Zumin­d­est für mich, denn ein paar mutige Kiwis waren tat­säch­lich im Wass­er. Diese Verrückten!

Das ist näm­lich wirk­lich lustig. Wir haben hier nun Win­ter und die Kiwis laufen teil­weise in Flip Flops und Miniröck­en durch die Gegend während ich doch noch ziem­lich friere und zumin­d­est mor­gens noch mit Win­ter­man­tel durch die Gegend laufe. In der Nacht und mor­gens ist es doch noch sehr kalt, wohinge­gen es gegen Mit­tag richtig schön son­nig und warm ist und man sich ein­er Jacke entledi­gen kann. Hinzu kommt, dass der Stan­dard der Isolierung der Häuser hier ein ganz ander­er ist, qua­si nicht vorhan­den. Ich habe auch keine Heizung im Zim­mer, lediglich eine Art Hei­zlüfter, der mehr einem Hän­de­trock­n­er ähnelt. Man friert hier nachts irgend­wie immer ein bisschen.

Am Abend gibt es dann eine Willkom­mens-Par­ty im “Carrington’s” auf dem Cam­pus für die inter­na­tionalen Studieren­den. Ich stürze mich auf das Buf­fet, weil ich seit Tagen nichts Richtiges gegessen habe. Dabei unter­halte mich viel mit anderen Deutschen. Ich sehe auch ein paar mein­er Mit­be­wohner­in­nen und es stellt sich her­aus, dass ich mit Nor­wegerin­nen aus Oslo zusam­men wohne. Eine weit­ere Mit­be­wohner­in kommt aus Peru.

Es gibt im Anschluss noch eine Par­ty im Wohn­heim mit großer Saufer­ei, aber dazu bin ich a) zu müde und b) nicht 23.500 km geflo­gen um mich hier zulaufen zu lassen. Die meis­ten sehen das jedoch anders. Von Idioten und deren Fes­ten bleibt man eben nie ver­schont. Heute habe ich zum Glück eine Decke und ich habe mein Zim­mer schön geheizt.

Einkaufen in Auckland

Heute früh­stücke ich das erste Mal richtig. Bezüglich des Einkaufens gibt es Prob­leme. Es soll jeden zweit­en Sam­stag ein Shut­tle Bus zum großen Pak’n’Save Super­mar­ket fahren und diesen Sam­stag ist es wohl wieder soweit, aber kein­er weiß wann dieser fährt. Wir laufen also etwa eine halbe Stunde zum Super­markt. Lei­der im hefti­gen Regen.

Das Ange­bot über­wältigt uns erst ein­mal. Nach schi­er end­losem Herum­laufen in dem riesi­gen Super­markt, sind wir um 100$ ärmer, aber dafür reich an Nahrungsmit­teln. Als wir aus dem Super­markt kom­men, dunkelt es schon. Wir haben drei Stun­den darin zuge­bracht und brauchen eine weit­ere Stunde für den Rück­weg. Wir ste­hen erst an der falschen Bushal­testelle, an der irgend­wie kein Bus hal­ten mag. Naja, das kon­fuse Bussys­tem in Auck­land eben. Übri­gens ist es auch üblich, dass man winken muss, damit ein Bus anhält. Fahrpläne find­en sich auch nur an den wenig­sten der Hal­testellen und es kommt häu­fig vor, dass ver­schiedene Hal­testellen den gle­ichen Namen tra­gen. Übri­gens ist es hier üblich sich beim Ausstieg beim Bus­fahrer in Form eines “Thanks dri­ver” oder “Thank you for dri­ving” zu bedanken. Es reg­net in Strö­men und die Straße dro­ht wegzuschwim­men. Das Wet­ter bietet heute keinen sehr schö­nen Tag.

Nach diesem Tag sehne ich mich nach einem Auto. Die meis­ten, die schon länger hier sind, haben schon eins. Zu Fuß habe ich mich langsam an den Linksverkehr gewöh­nt, ich gucke jet­zt schon in die richtige Rich­tung beim Über­queren der Straße und ent­ge­he damit der Gefahr über­fahren zu wer­den. Das Bussys­tem habe ich ja schon geschildert und ger­ade für’s Einkaufen war die Bus­tour heute wirk­lich eine Qual. Wir mussten ein­mal umsteigen und ewig warten und das mit schw­er­er Last. Wir wer­den uns dem­nächst wohl mal nach einem fahrbaren Unter­satz umschauen.

Der Win­ter hier ist eigentlich mild, wie unser Früh­ling oder Herb­st vielle­icht. Allerd­ings recht reg­ner­isch. Auch in der Win­ter­son­ne muss man sich übri­gens schon mit Son­nen­milch ein­schmieren und diese fängt erst mit Son­nen­schutz­fak­tor 30 aufwärts an. Som­mer begin­nt hier unge­fähr ab Sep­tem­ber und dann soll es richtig warm werden.

Mein Wohnheim

Um von einem Wohn­heimkom­plex zum anderen zu kom­men läuft man durch einen kleinen Wald, den wir den “Dschun­gel” nen­nen. Es gibt einen kleinen Bach mit Brücke und tro­pis­chen Pflanzen. Viele Pos­sums leben hier. Diese stellen eine Gefahr für das natür­liche Gle­ichgewicht Neusee­lands dar, da sie Schä­den an den Pflanzen hin­ter­lassen und andere Arten fressen, z.B. den Kiwi — einen flu­gun­fähi­gen Vogel, der das Nation­alti­er Neusee­lands ist, allerd­ings vom Ausster­ben bedro­ht. Von meinem Fen­ster aus habe ich Aus­blick auf diesen Dschun­gel, das ist wirk­lich fantastisch.

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