Australien: Begegnung mit einem lebenden Fossil, dem Schnabeltier

Posted: 25. Dezember 2015

Der Eun­gel­la Nation­al­park befind­et sich im kühlen, bergi­gen Hin­ter­land von Mack­ay. Die Zugänge zu diesem Nation­al­park sind der Bro­ken Riv­er und die Finch Hat­ton Gorge. Hier beste­ht die gute Chance eins der scheuen und unglaublich niedlichen Schn­abeltiere zu sicht­en, die den Bro­ken Riv­er ihr Zuhause nen­nen. 

Gegen Nach­mit­tag erre­ichen wir den Eun­gel­la Nation­al­park. Schon auf dem Weg zur Info ent­decke ich ein Schn­abelti­er im Fluss unter der Brücke beim Plantschen. Die besten Zeit­en ein Schn­abelti­er zu sicht­en sind  kurz  vor Son­nenun­ter­gang und kurz nach Son­nenauf­gang, denn sie sind nach­tak­tiv und tagsüber schlafen sie in ihren Erdlöch­ern. Am und im Fluss find­en sich neben Schn­abeltieren auch Eisvögel, Kakadus und Schnapp­schild­kröten. Direkt am Fluss befind­et sich eine schöne Camp­site, die von Buschhüh­n­er besucht wird und die Kakadus ein Höl­len­spek­takel am Abend und Mor­gen machen.

Wir gehen ein Stück flussab­wärts und auf dem Weg sehen wir ein Wal­la­bie. Auf dem Rück­weg ver­lieren wir uns irgend­wie, am Auto find­en wir uns aber wieder. Wieder ziehen wieder los auf Schn­abeltier­suche. Es gibt drei Plat­tfor­men von wo aus man die Tiere beobacht­en kann. Sie schwim­men im seicht­en Wass­er und tauchen nach Nahrung. Eigentlich sollen sie schw­er zu sehen sein und man braucht Geduld. Wir kön­nen aber an allen Plat­tfor­men Tiere beobacht­en. Ins­ge­samt sehen wir bes­timmt fünf bis zehn der scheuen Tiere. Man muss auf Luft­blasen und Ringe im Wass­er acht­en und kann sich­er sein, dass dort dem­nächst ein Schn­abelti­er auf­tauchen wird.

Schn­abeltiere sind nachak­tive Einzel­gänger, die etwa 30 bis 40cm groß wer­den. Auf­fäl­lig­stes Merk­mal und Namensge­ber ist ihr bre­it­er entenähn­lich­er Schn­abel mit dem sie unter Wass­er nach Nahrung suchen. Sie wühlen damit im Schlamm oder drehen Steine um um Krabben, Lar­ven und Würmer zu find­en. Sie kön­nen bis zu zwei Minuten unter Wass­er bleiben wobei Augen und Ohren geschlossen sind. Ihre Beute kön­nen sie mit Hil­fe von Elek­tro- und Mechanorezep­toren am Schn­abel orten. So kön­nen sie die elek­trischen Felder spüren die durch die Muskelkon­trak­tion der Beute entste­hen und fein­ste Bewe­gun­gen wahrnehmen.

Eine weit­ere faszinierende Kuriosität ist, dass das Schn­abelti­er über Gift ver­fügt, das durch die Hin­ter­beine aus­geschieden wer­den. Dieses wird aber nicht etwa zur Vertei­di­gung vor eventuellen Fein­den ver­wen­det, son­dern in Rivalenkämpfen in der Paarungszeit. Wenn sie nicht im Wass­er sind, dann leben sie in Erd­baut­en nahe am Ufer. Sie graben ihre Baut­en mith­il­fe ihrer Vorderp­foten deren Schwimmhäute sie zurück ziehen kön­nen. Schn­abeltiere sind nur in Aus­tralien zu find­en und auch dort nur an der Ostküste und Tas­man­ien.

Es sind auch viele Kakadus unter­wegs. Die weißen Vögel sind sehr schön und extrem klaut. Neben den Schn­abeltieren sind auch noch viele Schild­kröten im Wass­er. Als die Däm­merung ein­set­zt, gehen wir zum Auto und stellen das Zelt auf. Da nichts offen hat, gehen wir zu einem Pick­nick­platz und machen uns dort auf dem kosten­losen Bar­be­cue­grill eine Dose Chili warm. In Dunkel­heit und leichtem Regen essen wir. Dann gehen wir ins Zelt. Durch den Regen ist es abgekühlt und auch im Zelt herrschen angenehme Tem­per­a­turen.

Als ich aufwache mache ich mich wieder auf Schn­abeltier­suche. Heute ist es schwieriger, denn die Aktiv­ität der Schn­abeltiere ist um diese Uhrzeit schon fast vor­bei. An zwei Spots sehen wir gar nichts, auch keine Blasen oder Wellen, die auf sie hin­deuten wür­den. Wir kön­nen nur eins an der Brücke beobacht­en. Zum Früh­stück leg­en wir die Iso­mat­te vor das Zelt und sehen zum Fluss. Von hier kön­nen wir noch ein Schn­abelti­er sehen und sog­ar eine Schlange die im Fluss schwimmt. Ein Aus­tralier kommt mit einem Löwen­bräu in der Hand vor­bei und wir kom­men ins Gespräch über die örtliche Flo­ra und Fau­na. Er ist auch begeis­tert­er Tier­beobachter und kann uns viel erzählen — von Ameisen bishin zu Schn­abeltieren.

Klippenspringen in der Finch Hatton Gorge

Dann bauen wir unser Zelt ab und fahren Rich­tung Süden. Wir hal­ten an der Finch Hat­ton Gorge, dem anderen Zugang zum Nation­al­park, und wan­dern durch schwülen Regen­wald zu den Aralu­en Falls. Dort angekom­men, nehmen wir ein erfrischen­des Bad im Pool unter dem Wasser­fall. Krokodile gibt es hier oben zum Glück nicht, soweit in die Berge drin­gen sie nicht vor. Wir ver­suchen uns auch im Klip­pen­sprin­gen. Die Felsen sind ca. 3m und 5m hoch. Auch viele Ein­heimis­che sind hier um zu baden. Eine ganze Fam­i­lie feuert einen kleinen Jun­gen an welch­er anscheinend Angst hat vom 3m Felsen zu sprin­gen. Zitat “Don’t be a chick­en!” Daneben die Schilder, die auf die Lebens­ge­fahr hin­deuten, die vom Klip­pen­sprin­gen aus­ge­ht. Aus­tralis­che Eltern sind eben anders.

Wir wan­dern zurück und fahren weit­er. Wir wollen nach Town of 1770 an der Küste, schaf­fen es heute aber nicht mehr. Die Straßen in Aus­tralien sind länger als gedacht. Auf dem Weg hal­ten wir an einem “Dri­ver Reviv­er”. Dort bekommt man kosten­los einen Tee oder Kaf­fee serviert. Betrieben wer­den diese Straßen­stände von Frei­willi­gen aus der Umge­bung, hier zwei älteren Aussies, die wir kaum ver­ste­hen kön­nen wegen ihrem extremen Aussie-Slang. Irgend­wo nach Rock­hamp­ton kehren wir in ein Motel ein. Dafür haben wir Kängerus und Emus am Straßen­rand gese­hen.

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