Bolivien: Der Weg ist das Ziel — Salar de Uyuni

Posted: 5. April 2016

Die unvergessliche Drei-Tages-Jeep­tour von Chile nach Bolivien über die blendend weiße Ein­samkeit der Salzwüste Salar de Uyu­ni ist das High­light viel­er Besuch­er Boliviens.  Boliviens süd­west­liche Ecke ist eine atem­ber­aubende Samm­lung von vielfälti­gen Land­schaften: brodel­nde Geysire, rauchende Vulka­ne, mit Flamin­gos über­säte Lagunen und die Salzwüste Salar de Uyu­ni bieten ein außergewöhn­lich­es Farb­spek­trum. Die größte Salzebene der Welt mit 12.106m² liegt auf ein­er Höhe von 3.653m. Bei Trock­en­heit ist die Salar eine reine weiße Fläche mit dem großar­tig­sten Nichts, das man sich vorstellen kann. Blauer Him­mel, weiße Fläche und mit­ten­drin sind wir.

1. Tag: Geysire und Vulkane

Kurz nach acht Uhr wer­den wir in einem Minibus von “Cordillera Trav­el­ers” abge­holt um zu allererst zur chilenis­chen Gren­zkon­trolle zu fahren, die sich noch in San Pedro de Ata­ca­ma befind­et. Trotz ein­er riesi­gen Schlange vor dem Ein­gang, stresst unser Bus­fahrer rum schnell­st­möglich auszusteigen. Chill mal, Chico! Chile­nen haben das Geschäftspo­ten­tial hier erkan­nt (viele Touris­ten warten hier, wom­öglich haben sie noch einige Chilenis­che Pesos übrig) und verkaufen in einem alten zu einem Stand aus­ge­baut­en VW-Bus frisch gepresste Säfte und Kaf­fee.

Nach­dem alle wieder im Bus sitzen, fahren wir zur boli­vian­is­chen Gren­zkon­trolle. Eigentlich nur ein kleines Häuschen mit­ten im Nir­gend­wo. Dazu noch schreck­lich inef­fizient. Sie fra­gen ob wir nach Bolivien ein­reisen wollen. Tat­säch­lich wollen das doch aber alle, die hier sind? Wenig­stens bei unseren deutschen Pässen geht alles schnell, Stem­pel rein, fer­tig. Dann wer­den wir auf die hier wartenden Jeeps verteilt, jew­eils sechs Leute pro Jeep. Das Gepäck kommt auf das Dach. Unser Fahrer heißt Hugo und kann nur Spanisch. Wir wer­den diese drei Tage viel Spanisch üben :) Außer­dem sind wir zusam­men mit einem brasil­ian­is­chen Paar, die uns bei Sprach­schwierigkeit­en helfen, und zwei über­schmink­ten Kanadierin­nen. Es ist tat­säch­lich ein­mal wolkig heute, seit sechs Tagen Ata­ca­ma. Es sieht sog­ar etwas reg­ner­isch aus. Die Möwen stört’s nicht, die hier scharen­weise herum­fliegen — und das mit­ten in der Wüste. Schon komisch.

Der erste Stop ist der beim Nation­al­park­büro und wir zahlen den Ein­tritt zum Reser­va Nacional de Fau­na And­i­na Eduar­do Avaroa auf der boli­vian­is­chen Hochebene. Dann fahren wir zur Lagu­na Blan­ca, wo sich die vulka­nis­che Umge­bung spiegelt. Flamin­gos sind hier rosa in der Ferne zu erken­nen, einige fliegen über den See. Die Land­schaft ist so bunt, die rot-braunen Vulka­ne, die rosa Flamin­gos, die grün-gel­ben Algen, das blaue Wass­er, das schwarze Vulka­ngestein am Rand und die weißen Volken. Es gibt sog­ar winzig kleine weiße Blüm­chen im kar­gen Gras.

Kurz danach erre­ichen wir die Lagu­na Verde. Hier ist es ordentlich windig und dem­nach frisch auf etwa 4.500m. Wir haben einen fan­tastis­chen Blick auf den Vulkan Lin­ca­cabur, der von der boli­vian­is­chen Seite schneefrei ist. Klas­sis­cher­weise besteigt man ihn auch von dieser Seite, wenn einem danach sein sollte. Auch den Saire­cabur kön­nen wir sehen. Über­all liegen schwarze Gesteins­brock­en herum, die der Lican­cabur aus­gepuckt hat. Die Lagu­na ist strahlend türk­is­far­ben und rund­herum ist alles weiß vom Salz. Dahin­ter erheben sich die großen Vulka­ne.

Wir fahren durch karge Vulkan­land­schaft aus Asche und Basalt, vor­bei an Vicuñas und unzäh­li­gen Vulka­nen. Dann erre­ichen wir die soge­nan­nte “Dali Desert”, die an die Wüsten­bilder Dalis erin­nern soll. Tat­säch­lich war Dali niemals hier. Trotz­dem ist die Land­schaft sehr pit­toresk: Sand­dü­nen und vere­inzelte Ste­in­for­ma­tio­nen erheben sich zwis­chen Vulka­nen.

Dann erre­ichen wir eine Ther­malquelle an ein­er Lagune in der Salar de Chalviri. Hier kann man in 35°C war­men Wass­er baden. Die Lagune ist wieder mit großem Far­bre­ich­tum geseg­net durch die viel­far­bigen Algen, die sich im min­er­al­haltigem heißen Wass­er wohl fühlen. Wir verzicht­en auf ein Bad, denn unsere Bade­sachen liegen in den großen Ruck­säck­en auf dem Dach. Wir erkun­den lieber die Land­schaft.

Nach kurz­er Fahrt erre­ichen wir den Geyser Sol de Mañana auf 5.000m und atem­ber­auben­der Schwe­fel­geruch schlägt uns ent­ge­gen. Über­all gilt es blub­bernde Schlamm­pools, qual­mende und blub­bernde Erdspal­ten. Das Are­al hier ist sehr insta­bil und es gibt kein­er­lei Pfade oder Abzäu­nun­gen, was die Sache nicht ganz unge­fährlich macht. Aus Island und Neusee­land weiß ich genau welche Stellen gefährlich sind, gar tödlich wenn man in das kochend heiße Wass­er unter der Erdober­fläche fall­en sollte. Let­ztes Jahr ist das einem Touris­ten tat­säch­lich passiert und hat ern­sthafte Ver­bren­nun­gen, die eine Ampu­ta­tion zur Folge hat­te, erlit­ten. Kaum vorstell­bar wie lange man hier auf Hil­fe warten muss. Wir sind also lieber vor­sichtig. Die vie­len Far­ben in dieser geot­her­mal aktiv­en Gegend sind fan­tastisch, ich bin immer wieder fasziniert von solchen Gegen­den.

Gegen halb drei erre­ichen wir die Lagu­na Col­ora­da, unser heutiges Ziel. Die Lagune ist ein Hauptnest­platz für über 30.000 Flamin­gos dreier­lei Arten. Wir hat­ten noch kein Mit­tagessen und vor allem ich bin ordentlich hun­grig. Wir beziehen unser Sechser-Zim­mer, das uns an Himalaya Hos­tels erin­nert. Es gibt ein­fache Bet­ten und eine Decke. Außer­dem drei Toi­let­ten für über 30 Leute. Wir haben schon schlechter geschlafen :) Dann gibt es endlich Mit­tagessen — Kartof­fel­brei mit Tomat­en, Gurken, Avo­ca­do, schreck­lichen Würstchen und Bana­nen. Ich esse mich ordentlich satt. Danach wer­den wir nochmal zur Lagune gebracht um die zahlre­ichen Flamin­gos zu beobacht­en. Dabei begeg­nen uns einige Jungtiere. Heute ver­brin­gen wir unsere höch­ste Nacht der Tour, auf ein­er Höhe von 4.200m.

2. Tag: Lagunen und Flamingos

Um 7 Uhr gibt es Früh­stück und Vicuñas neben der Straße und wir hal­ten um sie zu beobacht­en. Wir haben schlecht geschlafen, weniger wegen der Höhe, son­dern weil eine unser Mitreisenden uns mit starkem Hus­ten wachge­hal­ten. Die Schminkschwest­ern brauchen zur Fer­tig­stel­lung ihres täglichen Make Ups länger als alle anderen zusam­men. Unser erster richtiger Halt ist wieder an der Lagu­na Col­ora­da. Wir ste­hen ober­halb von ihr und haben einen Blick über die kom­plette Lagune und deren vie­len Flamin­gos.

Es geht weit­er zu dem Arbol de Piedra. Ein Fels, der aussieht wie ein Baum, ist das High­light dieses Stops. Es liegen aber noch weit­ere Felsen herum, deren Struk­tur zum Boul­dern ein­lädt, denn dies­mal ist der Fels fest. Wir fahren weit­er über die Schot­terebene, immer wieder sieht man am Hor­i­zont Fata Mor­ganas. Wir hal­ten kurz mit­ten in der Wüste. Link­er­hand liegt eine Bergkette aus roten, braunen und gel­ben Far­ben. Wir sind in der Siloli Desert und die Berge, die wir sehen bilden die Gren­ze zu Chile.

Wir fahren nun durch eine kleine steinige Schlucht. Es ist ein alter Inka­trail und in den Flanken der Schlucht hüpfen Vis­cachas herum. Wir hal­ten kurz um sie bess­er beobacht­en zu kön­nen und manche füt­tern sie mit Kek­sen, die sie begierig fut­tern.

Nach der Schlucht fahren wir wieder über den Schot­ter. Ein Auto vor uns hält an und ich sehe einen Fuchs von einem kleinen Hang herun­terkom­men. Kurze Zeit später hal­ten wir an der Lagu­na Hon­da. Wir spazieren hin­unter und wir sehen eine Maus zwis­chen den kleinen Sträuch­ern ent­lang ren­nen. In der Lagune ste­hen vere­inzelt Flamin­gos. Wir gehen am Wasser­rand ent­lang und hin­ter­lassen unsere Spuren in dem Teil der Lagune, der sowohl matschig als auch trock­en zugle­ich ist. Am Ende klebt ein Schlamm-Salzgemisch an unseren Füßen. Rund­herum erheben sich Vulka­ne. Aus der Nähe iden­ti­fizieren wir die Flamin­gos als Andean Flamin­gos.

Wir gelan­gen zur Lagu­na Hedion­da, wo wir Mit­tagessen. In der Lagune gibt es wieder einige Flamin­gos zu beobacht­en und ein Schild das den Flamin­gos das Fliegen ver­bi­etet. Wir fahren weit­er zur Lagu­na Caña­pa, wo wir wieder Flamin­gos beobacht­en kön­nen. Wir sehen zwei chilenis­che Flamin­gos und haben damit alle drei Arten gese­hen. Lei­der ist es auch das let­zte Mal wo wir Flamin­gos sehen kön­nen. Die Fahrt geht nun über Stock und Stein und wir kom­men nur langsam vor­wärts. Es erin­nert mich ein wenig an die Gobi.

Wir hal­ten um uns den Vulkan Ollague anzuse­hen. Er ist noch aktiv und man sieht Rauch von seinem Krater auf­steigen. Die Felsen auf denen wir ste­hen, scheinen Lavareste zu sein, die ausse­hen wie ein feste Flüs­sigkeit. Wir fahren weit­er und kom­men auf eine weite salzbe­deck­te Ebene. In der Mitte ver­laufen Eisen­bahn­schienen. Die Schienen scheinen im Nir­gend­wo zu ver­schwinden. Am Hor­i­zont sieht man Berge und Luft­spiegelun­gen.

Gegen Abend erre­ichen wir San Juan und kaufen dort ein paar Snacks. Heute schlafen wir in einem Salzho­tel: Wände, Tis­che, Stüh­le und Bet­ten sind aus Salz. Auch auf dem Boden liegt los­es Salz. Es sieht aus wie am Strand, nur eben salziger. Wir duschen erst­mal, dann gibt es Aben­dessen. Heute haben wir ein Dop­pelz­im­mer und das bedeutet kein Schnar­chen und Hus­ten heute Nacht.

3. Tag: Die weite Salzwüste

Um 4 Uhr geht der Weck­er. Obwohl es noch lange hell war, sind wir ziem­lich schnell eingeschlafen und heute fit­ter. Um 5 Uhr geht die Fahrt in die Salar de Uyu­ni um den Son­nenauf­gang zu erleben. Bald befind­en wir uns in der weißen Salzwüste. Wir fahren noch ein Stück und sehen uns dann den Son­nenauf­gang an. Ein flam­mender Him­mel über der Salzwüste, die langsam ins Licht getaucht wird. Salzkristalle glitzern im Licht, in der Ferne sehen wir Berge. Alles ist weiß und flach.

Die Salzebene hat einen Durchmess­er von mehr 100km und nur am Hor­i­zont sind Berge zu sehen. Wir sehen uns die Salzkristalle an, die Quad­er bilden. Von oben ist die Fläche ein Clus­ter oktog­o­naler Salzflächen. Wir fahren weit­er zu ein­er Insel zu ein­er Insel im Salzmeer, die Isla Inc­ahuasi. Sie ragt nicht mehr als 100m aus der Salzebene her­aus. Wir bezahlen Ein­tritt und wan­dern auf steini­gen Pfaden zum “Gipfel” hin­auf. War es auf der Salzebene noch ziem­lich kalt, wird uns jet­zt langsam warm. Gold­enes Licht wird über die Ebene gewor­fen. Die Kak­teen sind riesig, manche vielle­icht 10m hoch und mit dick­en Stacheln bewehrt.

Die steinige Insel sieht nicht ger­ade ein­ladend aus, doch ist sie eine Oase in der leblosen Salzwüste. Viele Vögel fliegen um uns herum und wir sehen sog­ar zwei Vis­cachas, die für uns posieren. Am Gipfel angekom­men, betra­cht­en wir die Umge­bung. Es wirkt irgend­wie sur­re­al — die riesi­gen Kak­teen, dahin­ter die weite weiße Fläche aus Salz. Der Anblick ist ein­fach kon­trastre­ich. Wir gehen hin­unter, wo unser Guide Hugo bere­its das Früh­stück serviert hat. Wir essen auf einen Tisch aus Salz. Unsere Fahrt geht weit­er und wir hal­ten nochmal in der weit­en Ebene um die typ­is­chen Fotos zu machen. Durch die weiße Ebene ist es möglich, die Per­spek­tive und Größen­ver­hält­nis auf Fotos zu bee­in­flussen.

Wir fahren weit­er und kom­men zu einem Salzho­tel. Es ist nicht mehr in Betrieb, aber man kann es sozusagen als Muse­um besichti­gen. Es ist aus Salz gebaut und vor ihm ste­hen zwei Lamas aus Salz. Etwa 100m weit­er erin­nert ein großes Denkmal an die Ral­ley Dakar, die hier anscheinend mal statt gefun­den hat. Wir fahren weit­er und ver­lassen die Salzebe­nen und erre­ichen das Dorf Colchani. Dort ist ein großer Kün­stler­markt, sieht aber eher aus wie die typ­is­chen Stände, die Sou­venirs anbi­eten. Diese sind recht schön, aber alle bieten das Gle­iche an: Mützen, Pullover, Woll-Lamas, Salz­dosen, usw. An einem Stand ist ein Kör­bchen mit kleinen süßen Kätzchen. Wir fahren auf der Straße weite rund kom­men an einem Teich vor­bei an dem eine Lama­herde trinkt. Unser Ziel ist der Cemente­rio de los Trenes, ein Eisen­bah­n­fried­hof. Wir klet­tern auf den ver­rosteten alten Loko­mo­tiv­en aus dem 19. Jahrhun­dert herum.

Wir kom­men zu unserem Ziel: Uyu­ni. Unsere Ruck­säcke laden wir im Büro des Toure­nan­bi­eters ab und wer­den ins näch­ste Lokal gebracht. Wir bekom­men Nudeln mit Steak serviert dann ist für uns die Tour vor­bei. Lei­der hat die Agen­tur nicht wie ver­sprochen unsere Bustick­ets nach La Paz gebucht, also hänge ich im Restau­rant ab während Alex Bustick­ets und Geld besorgt. Wir gehen uns die Stadt anse­hen. Auf einem Markt gibt es alles von Obst, Zah­n­pas­ta, Schul­büch­ern und Fernse­her. Vor allem Ein­heimis­che sind hier und die Frauen tra­gen Hüte und bunte Tüch­er. All­ge­mein ver­sprüht die Stadt nicht viel Charme und macht einen viel ärmeren Ein­druck als die Städte in Chile und Argen­tinien.

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