Chile: 24 Stunden Santiago de Chile

Posted: 29. März 2016

Die Haupt­stadt Chiles ist eine quirlige, vielfältige Metro­pole mit Nach­barschaften (“Bar­rios”), die jew­eils ihren eige­nen Charme haben. 40% aller Chile­nen nen­nen San­ti­a­go de Chile ihr Zuhause. Museen, große grüne Parkan­la­gen, Cafés, his­torische Gebäude und Essensstände machen San­ti­a­go zu einem lebendi­gen Mix. Wir haben ziem­lich genau 24 Stun­den Zeit diese Stadt zu erkun­den und nehmen soviel wie möglich davon mit.

Um 5:30 Uhr mor­gens kom­men wir in San­ti­a­go an. Es ist ziem­lich diesig und kalt. Wir warten am Bus­bahn­hof bis die erste U-Bahn fährt. Auf ein paar Umwe­gen kom­men wir an unserem Hos­tel an und müssen noch ein wenig auf der Straße sitzen bis wir rein­ge­lassen werden.Nach ein­er schnellen Dusche fahren wir in die Stadt um die Free Tour zu machen. Trotz Müdigkeit wollen wir soviel wie möglich aus der uns bleiben­den Zeit machen.

Stadtüberblick mit der Free Walking Tour — Mapuche, Café con piernas und Salvador Allende

Eigentlich schon Pflicht­pro­gramm in jed­er Stadt, die eine Free Walk­ing Tour anbi­etet, vor allem wenn man nur begren­zt Zeit hat. Die Free Walk­ing Tour in San­ti­a­go ist eine der besten, die ich je gemacht habe. Unser Guide Fran­co ist sehr lei­den­schaftlich wenn es um seine Stadt und seine Kul­tur geht.

Wir tre­f­fen uns um 10 Uhr am Plaza de Armas. Die meis­ten Haupt­plätze in Südameri­ka heißen Plaza de Armas, ganz ein­fach deshalb, weil es der Ort war, wo die Spanier ihre Waf­fen verteilt haben. Bevor die Tour begin­nt haben wir noch Zeit uns die Cat­e­dral Met­ro­pol­i­tana anzuse­hen. Die riesige Kathe­drale ist aus dem 18. Jahrhun­dert und ihr Inneres ist defin­i­tiv einen Blick wert. Auf dem Platz gibt es eine Stat­ue, die Pedro de Val­divia zeigt, den Stadt­grün­der San­ti­a­gos, und an der anderen Seite des Platzes eine die den Mapuche, den Ure­in­wohn­ern Chiles, gewid­met ist. Fran­co, unser Guide, erzählt uns einiges zur Geschichte Chiles und San­ti­a­gos.

Auf die Nomaden fol­gten die Mapuche, die das Gebi­et besiedel­ten. Nicht lang nach­dem die Inkas die Region für sich beansprucht­en, kam 1541 der spanis­che Sol­dat Pedro de Val­divia und grün­dete “San­ti­a­go de la Nue­va Extremadu­ra” und bekriegte die Mapuche. Trotz regelmäßiger Kriege, Fluten und Erd­beben blieben die Spanier und San­ti­a­go wuchs an. Zu Beginn des 19. Jahrhun­dert fol­gte der Unab­hängigkeit­skrieg von den Spaniern und 1818 wurde Chile unab­hängig, worauf jedoch ein chilenis­ch­er Bürg­erkrieg fol­gte.

Wir gehen durch die Stadt kom­men am Muse­um für prekolumbian­is­che Kun­st vor­bei und kaufen an einem Straßen­stand ein papp­süßes Getränk, einen soge­nan­nten “Mote con hue­sil­lo”. Er wird aus getrock­netem Pfir­sich, der in Zuck­er, Wass­er und Zimt gekocht wird und mit Weizen ver­mis­cht wird, zubere­it­et. Wir ler­nen, dass jedes Getränk das typ­isch chilenisch ist, papp­süß sein muss, son­st ist es nicht chilenisch. In Chile trinkt man aus dem Grund auch keinen Mate-Tee, er ist ein­fach nicht süß. Wir kom­men an einem der “Café con pier­nas” (“Kaf­fee mit Beinen”) vor­bei in dem kurvige Damen mit kurzen Röck­en und hohen Schuhen Kaf­fee anbi­eten. Es gibt noch ein extremere Ver­sion davon wo der Kaf­fee in weniger Klei­dung — Unter­wäsche oder Biki­nis — ange­boten wird. Ein Ver­such das Ganze mal mit Män­nern zu ver­suchen scheit­erte in kürzester Zeit.

Wir kom­men zum Pala­cia de la Mon­e­da, dem Präsi­den­ten­palast, der 1973 bei einem Mil­itär­putsch bom­bardiert wurde, wobei der dama­lige linke, kom­mu­nis­tis­che Präsi­dent Sal­vador Allende starb. Allende wurde 1970 zum Präsi­den­ten gewählt und ver­staatlichte die wichtig­sten Wirtschaft­szweige und geri­et damit in Kon­flikt mit der Oppo­si­tion. Auch die USA war gegen eine marx­is­tis­che Regierung, was zu Sank­tio­nen seit­ens der USA und schließlich zu einem durch die USA unter­stützten Mil­itär­putsch führte. Sal­vador Allende been­dete im Pala­cia de la Mon­e­da während des bluti­gen Mil­itär­putsches sein Leben.

Es gibt auch ein Allende Denkmal und Fran­co erzählt uns etwas über dem Putsch und die fol­gende Mil­itärdik­tatur. Dun­kle Jahren in denen poli­tis­che Gefan­gene exeku­tiert und Foltere­in­rich­tung in ganz San­ti­a­go errichtet wur­den. Trotz­dem war der Mil­itärchef Pinochet bis 1990 Präsi­dent. Erst danach zog die Demokratie ein. Kein südamerikanis­ches Land ohne Dik­tatur.

Wir kom­men an der größten chilenis­chen Fahne, der Oper, einem Imbiss wo Bill Clin­ton eine Cola getrunk­en hat und dessen Besitzer sich seit­dem damit rühmt, den ersten Wolkenkratzer Chiles und der Börse vor­bei. Dabei wer­den wir immer von Hun­den begleit­et. Fran­co erzählt uns von den Straßen­hun­den, denen die Anwohn­er im Park Hüt­ten gebaut haben und die im Win­ter Klei­dung bekom­men. Die Anwohn­er küm­mern sich um die Hunde, es ist ein biss­chen wie ein “Share Dog” Sys­tem.

Wir hal­ten und pausieren in einem kleinen Restau­rant im Bar­rio Las­tar­ria . Es gibt Empanadas, unter anderen das typ­isch chilenis­che Empana­da de Pino, die mit Rind, Zwiebeln, Rosi­nen, Oliv­en und hart­gekocht­en Eiern gefüllt sind. Wir kom­men zu einem großen Park in dem Geschenke ste­hen, die andere Län­der Chile zu seinem 100 jähri­gen Unab­hängigkeit­stag geschenkt haben. Aus irgen­deinem Grund haben ihm die Amerikan­er eine Lin­colnbüste geschenkt. Am beein­druck­end­sten ist der deutsche Brun­nen. Im Chile gibt es anscheinend viele deutsche Auswan­der­er und man sieht ihren Ein­fluss z.B. beim Essen. Vari­a­tio­nen von Schweine­brat­en sind sehr beliebt. Wir über­queren den Fluss der Stadt und kom­men ins Bellav­ista Vier­tel, dem Aus­ge­hvier­tel Chiles. Jet­zt geht es vor allem um chilenis­che Speisen und Getränke die wir noch pro­bieren müssen und wo wir sie bekom­men.

Free Walk­ing Tour San­ti­a­go, Tre­ff­punkt Mo-Fr um 10 und um 15 Uhr an der Kathe­drale auf dem Plaza de Armas, Dauer etwa 4 Stun­den

Auf Spuren Pablo Nerudas

Die Tour endet am Haus von Pablo Neru­da bzw. sein­er Lieb­schaft und späteren Frau Matilde Urru­tia. Es heißt La Chas­cona, was soviel wie “wirres Haar” bedeutet, was sich auf das lock­ige Haar Matildes bezieht. Wir besichti­gen es nach der Tour. Es ist in mehrere kleine Häuser aufgeteilt, die durch Trep­pen, die durch den Garten ver­laufen, ver­bun­den sind. Alles ist so gebaut und ein­gerichtet, dass man das Gefühl bekommt in einem Schiff zu sein. Früher, bevor es nach dem Tod Neru­das von den Anhängern der Dik­tatur, demoliert wurde, ist ein Bach durch das Anwe­sen geflossen wodurch man in der Bar und Speis­esaal ein Rauschen vernehmen kon­nte. Alle Räume sind mit Kunst­werken und Gegen­stän­den aus aller Welt ein­gerichtet und verziert. Wir sehen auch die Lit­er­aturnobel­preis Medaille die Neru­da erhal­ten hat.

La Chas­cona, Fer­nan­do Márquez de La Pla­ta 0192, Ein­tritt 5.000 CLP, Jan & Feb Di-Do 10–19 Uhr, März bis Dezem­ber, Di-So 10–18 Uhr

Santiago von oben auf dem Cerro San Cristobal

Wir fahren mit ein­er Zah­n­rad­bahn auf den Cer­ro San Cristo­bal. Die let­zten Meter zum Gipfel gehen wir zu Fuß an ein­er Art Kreuzweg ent­lang. Am Gipfel ist eine weiße Stat­ue der Vir­gen de la Inmac­u­la­da Con­cep­tion, darunter ist ein klein­er Altar. Hier wer­den auch Messen abge­hal­ten unter anderem hat hier schon Papst Johannes Paul eine Messe gehal­ten. Etwas unter­halb gibt es auch einige Sou­venirstände. Eigentlich sind wir aber wegen der Aus­sicht hier — und die reicht über ganz San­ti­a­go de Chile bis zu den Anden dahin­ter.

Cer­ro San Cristo­bal, Pio Nono 450, Zah­n­rad­bahn hoch und runter 2.000 CLP, Di-So 10–19 Uhr, Mo 13–19 Uhr, im Som­mer bis 20 Uhr 

Chilenische Spezialitäten in Bellavista

Wir fahren wieder hinab un gehen in eines der Restau­rants die uns der Guide emp­fohlen hat und pro­bieren gle­ich auch eines sein­er emp­fohle­nen Gerichte. Cho­ril­lana beste­ht aus einem Haufen Pommes, darüber ein Gemisch aus Ei, Fleisch und Zwiebeln. Es ist ein klas­sis­ches Stu­den­ten­gericht und die Por­tion reicht lock­er für zwei. Dazu trinken wir lokales Bier Nach dem Essen holen wir uns noch ein Eis in der ange­blich besten Eis­diele San­ti­a­gos. Wir gehen ins Hos­tel zurück und leg­en uns hin um dann zum Aben­dessen wieder rauszuge­hen. Wir lan­den im sel­ben Restau­rant und essen wieder ein emp­fohlenes Gericht. “Arrol­la­do hua­so” ist eine Art Schweine Roulade: Schweine­fleisch, Speck­stücke, Pfef­fer und Küm­mel in Schweine­haut eingerollt. Danach trinken wir noch einen Ter­re­mo­to, einen emp­fohle­nen Drink in ein­er Bar. Der Ter­re­mo­to beste­ht aus bil­ligem Weißwein, Fer­net Bran­ca und Anana­seis. Wenn es ist nicht süß ist, ist es nicht chilenisch.

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