Chile: Der W-Circuit — Wandern im Torres del Paine

Posted: 15. März 2016

Fast ver­tikal ragen die Granit­türme von Tor­res del Paine über 2.000m über der patag­o­nis­chen Steppe in den Him­mel hin­auf. Sie dominieren die Land­schaft. Azur­blaue Seen, gewun­dene Trails durch grüne Wälder, dröh­nende Flüsse die man auf wack­li­gen Brück­en über­quert, und ein großer leuch­t­end blauer Gletsch­er. Von riesiger Offen­heit der Steppe zu zerk­lüfteten Bergre­gio­nen gekrönt von her­aus­ra­gen­den Gipfeln. Außer­dem gibt es hier Nan­dus, Kon­dore, Flami­gos, Gua­na­cos, Huemuls (andis­ches Reh), Puma, und viele andere Voge­larten. Unberechen­bares Wet­ter ver­weigert einem jedoch manch­mal die Sicht auf dieses fan­tastis­ches Berg­panora­ma. Man kann hier alle vier Jahreszeit­en an einem Tag erleben, mit plöt­zlichen Regen­stür­men, Wind­böen, Schnee.

Wan­dern in Patag­o­nien ist nicht nur für die harten Hunde, son­dern kann im Tor­res del Paine Nation­al­park auch ganz ein­fach sein. Zelt­plätze mit kleinen Shops und sog­ar Hüt­ten, wenn man im Voraus bucht, bieten zahlre­iche Schlafgele­gen­heit­en. Dementsprechend über­laufen ist der Nation­al­park aber lei­der auch, was der Schön­heit aber keinen Abbruch tut. Ende der Sai­son zu gehen emp­fiehlt sich aber den­noch. Auch weil man ab 15. März die kosten­lose Nation­al­parkzelt­plätze nicht mehr vor­ab buchen muss. Es gibt zwei wesentliche Optio­nen den Nation­al­park auf Mehrtages­märschen zu erkun­den: Der W- und der O-Cir­cuit. Erster­er dauert drei bis fünf Tage und grast die High­lights des Nation­al­parks ab. Der O-Cir­cuit ist mit acht bis zehn Tagen eine län­gere Unternehmung, die aber vor allem mehr Ein­samkeit garantiert als auf dem viel began­genen W-Cir­cuit.

Früh um 5:30 Uhr nehmen wir den Bus von El Calafate nach Puer­to Natales in Chile. Der Gren­züber­tritt ver­läuft prob­lem­los und bald sind wir in Chile. Dort müssen wir in einen kleineren Bus wech­seln, er schaukelt und hüpft ganz schön auf der mit Schlaglöch­ern über­säten Straße. Aus dem Fen­ster kön­nen wir ein paar Hua­na­cos (eine Art wildes Lama) und sog­ar einen Fuchs sehen. Die Land­schaft ist hügelig und karg. Am Ende fahren wir an einem See ent­lang und erre­ichen Puer­to Natales. Wir begin­nen mit der Pla­nung unseres Tor­res del Paine Trek. Was und wie wir es machen und welche Camp­ing­plätze wir brauchen. Da die entsprechen­den Büros aber heute geschlossen haben, kön­nen wir bis auf den morgi­gen Bus nichts buchen. Wir entschei­den uns für den kürz­eren W-Cir­cuit. Wir kaufen noch eine Gaskar­tusche in einem kleinen Camp­ingladen und gehen einkaufen. Die Auswahl an Fer­tig­gericht­en im lokalen Super­markt ist begren­zt. Wer die typ­is­che gefrier­getrock­nete kalo­rien­haltige Trekking­nahrung sucht, ver­sucht es bess­er in Argen­tinien.

Früh mor­gens am Bus­bahn­hof ist Chaos ange­sagt. Zig Men­schen drän­geln darum in den Bus zu kom­men, mich erin­nert es stark an Kath­man­du. Wir schaf­fen es in den zweit­en. Wir fahren wieder einen Teil der Straße zurück auf der wir gekom­men sind, biegen dann aber Rich­tung Tor­res del Paine ab. Es geht durch karge fel­sige Land­schaften und wir sehen viele Gua­na­cos. Nach zwei guten Stun­den erre­ichen wir das Haup­tquarti­er des Nation­al­parks. Es ist irrsin­nig viel los und wir müssen in ein­er lan­gen Schlange ste­hen bis wir uns reg­istri­eren und informieren kön­nen. Die kosten­losen Camp­ing­plätze sind schon aus­ge­bucht allerd­ings endet am 15. Sep­tem­ber die Haupt­sai­son und dann braucht man keine Reservierung mehr. Es han­delt sich also nur um einen Camp­ing­platz für uns, der kri­tisch wird. Mit dem Bus fahren wir weit­er nach Pudeto und von dort nach kurz­er Wartezeit mit dem Boot nach Paine Grande.

Eis­berge und Gletsch­er
1. Etappe: Paine Grande bis zum Grey Gletsch­er
11,5km, 380hm, 3,5h

Es ist schon nach Mit­tag als wir unsere Wan­derung begin­nen. Es ist sehr windig und manch­mal wer­den wir richtig zur Seite gedrückt. Son­st scheint die Sonne, wobei es trotz­dem manch­mal tröpfelt. Man weiß nie was man anziehen soll. Wenn der Wind geht ist es zu kalt, geht er nicht ist es zu warm. Die Veg­e­ta­tion beste­ht aus niedri­gen Büschen und weißen verkohlten Bäu­men — Zeu­gen eines ver­heeren­den Wald­brands, der hier vor ein paar Jahren gewütet hat. Der Weg ist staubig, aber gut und nach einein­halb Stun­den kom­men wir zum Grey Look­out. Der Wind bläst hier unge­mein, aber wir haben einen guten Blick auf den See in dem vere­inzelt große Eiss­chollen schwim­men. Wir fol­gen dem Weg weit­er und kön­nen bald den Grey Glesch­er sehen von dem die Eiss­chollen stam­men. Er zieht sich durch ein langes Tal herunter von dem man das Ende nicht sehen kann. Er ist sehr zer­furcht und voller Risse und Spal­ten. Der Weg führt nun weit­er am See ent­lang. Rechts vor uns steigt der Hang zu fel­si­gen Gipfeln hin­auf. Sie scheinen aus ver­schiede­nen Gestein­sarten zu beste­hen, da sie entwed­er grau, bräun­lich-weiß oder schwarz sind. Wir erre­ichen das Refu­gio und Camp Grey und buchen einen Camp­ing­platz. Es han­delt sich hier um einen pri­vat­en Camp­ing­platz. Man kann hier sog­ar Zelt und Schlaf­sack auslei­hen, wenn man nichts dabei hat, oder (mit Reservierung) sog­ar in der Hütte schlafen. Ein klein­er Super­markt ver­sorgt mit dem Nötig­sten und wer keine Lust auf Kochen hat, kann sog­ar hier zu Abend essen. Wir stellen unser Zelt, hof­fentlich windgeschützt, auf und unter­hal­ten uns mit einem Amerikan­er von Nach­barzelt. Er warnt uns vor, dass er zum Schnar­chen neigt und teilt vor­sor­glich Ohrstöpsel aus.

Wir machen noch eine kurze Wan­derung zu einem Aus­sicht­spunkt. Da wir ihn nicht richtig find­en, krax­eln wir über einige Felsen bis ans Ende ein­er Landzunge. Von hier haben wir einen guten Blick über den See und den Gletsch­er. Trotz des stür­mis­chen Winds sitzen wir lange da und beobacht­en die Land­schaft. Der Wind treibt die Eiss­chollen des Gletsch­er in eine kleine Bucht zu der wir hin­ab­steigen. Dort liegen die Eiss­chollen und warten darauf zu schmelzen. Auf ihnen hüpfen kleine Vögel herum. Ich fis­che ein paar glasklare Eis­brock­en aus dem Wass­er, die wun­der­schön in der Sonne glitzern.

Ein langer Tag
2. Etappe: Grey Gletsch­er bis Camp Frances
19km, 600hm, 5,5h
In der Nacht hat es ganz schön gewindet. Trotz­dem haben wir ganz gut geschlafen und wir sind wie immer ziem­lich spät dran. Wir früh­stück­en unser Müs­li und gehen dann los. Das Wet­ter sieht gut aus, es ist ein wenig bewölkt, son­st scheint die Sonne. Es ist auch weniger windig als tags zuvor. Wir müssen heute den gle­ichen Weg wieder zurück­ge­hen, den wir gestern gekom­men sind. Beim Grey Look­out bläst der Wind wieder gewaltig, aber wir lassen uns nicht lange aufhal­ten und gehen weit­er. Auf dem Weg begeg­net uns ein klein­er Greifvo­gel. Am frühen Nach­mit­tag kom­men wir wieder zur Paine Grande Sta­tion, wo wir am Vortag begonnen haben. Wir machen Brotzeit und dösen ein wenig in der Sonne. Unser Tage­spen­sum ist aber noch nicht erfüllt und wir müssen weit­er. Der Weg führt nach West­en am Skotts­berg See ent­lang. Der Wind bläst in ihn hinein und wirbelt das Wass­er auf. Bei starkem Wind begin­nt das Wass­er sog­ar über den See zu tanzen, soge­nan­nte Wasser­ho­sen.

Links von uns liegt wieder der Cer­ro Paine Grande mit seinem hellen Sock­el und schwarz­er Spitze. Nach zwei Stun­den über­queren wir einen rauschen­den Fluss und erre­ichen das Ital­iano Camp, das in einem Wäld­chen liegt. Ohne Reservierung kann man hier jedoch nicht zel­ten, wir machen trotz­dem erst­mal Rast und füllen die Wasser­vor­räte im Fluss auf. Auf dem Weg zum Camp Frances haben wir einen guten Blick in das Frances Val­ley, wo wir mor­gen hinein­laufen wer­den. Kurz darauf erre­ichen wir den Zelt­platz. Wir bauen unser Zelt auf den Holz­plateaus auf was gar nicht so ein­fach ist. Am Ende verspan­nen wir die Schnüre des Zelts mit Hölzchen in der Spal­ten des Plateaus. Wir nehmen eine warme Dusche und gön­nen uns eine Cola. Heute kön­nen wir am Zelt­platz kochen, müssen aber einen Wind­schutz benutzen. Mit dem Don­nern von Law­inen aus dem Frances Val­ley mit seinen hän­gen­den Gletsch­ern im Hin­ter­grund schlafen wir ein.

Ein Amphiteater aus Fel­stür­men
3. Etappe: Frances Camp über Bri­tan­i­co Look­out nach Los Cuer­nos Shel­ter
16,5km, 900hm, 6h

Wir haben uns heute den Weck­er auf 7 Uhr gestellt um mal früher los zu kom­men. Um 8:30 Uhr ste­hen wir auf und früh­stück­en. Um 10 Uhr gehen wir los, soviel zum The­ma früher loskom­men. Wir marschieren zurück zum Camp Ital­iano. Viele haben hier ihre Ruck­säcke deponiert und ziehen mit leicht­en Gepäck ins Val­ley Frances. Wir nicht. Der Weg ist steinig und ziem­lich steil. An ein­er Stelle ist sog­ar ein Seil als Hil­fe ges­pan­nt. Das Wet­ter ist wieder schön heute und wir kom­men ein wenig ins Schwitzen. Als die ersten steilen Stellen vor­bei sind, merken wir es auch in den Waden. Bei unserem Gepäck kein Wun­der. Wir nutzen daher den Frances Look­out für eine län­gre Pause. Hier haben wir einen guten Blick auf den Frances Gletsch­er, der sich über die steilen Fel­swände des Cer­ro Paine Grande (3.050m) verteilt. Immer wieder sausen Law­inen mit einem laut­en Don­ner die Hänge hin­unter.

Der Weg ver­läuft nun flach­er durch einen Wald. Uns kom­men einige Wan­der­er ent­ge­gen und wie es aussieht sind wir die einzi­gen, die so schlau sind ihr ganzes Gepäck hier hochzuschlep­pen. Alles Train­ing. Es geht nun nochmal ein steiniges Stück sehr steil bergauf und manch­mal muss man sog­ar die Hand zu Hil­fe nehmen. Dann sind wir am Ende des Wegs, denn der Weit­er­weg zum Bri­tan­i­co Look­out ist ges­per­rt und wir müssen 1km früher als geplant Halt machen. Von einem kleinen Felshügel, der mit ein wenig Krax­elei zu erobern ist, haben wir aber auch hier einen guten Blick auf die uns umgeben­den Berge. Vor uns ste­hen die gran­ite­nen Fel­stürme des Nation­al­parks zu deren Füße blaue Gletsch­er liegen.

Nach dem Mit­tagessen machen uns wieder an den Abstieg, schließlich haben wir noch einen lan­gen Weg vor uns. Am Frances Look­out hal­ten wir nochmal ein­mal und sehen den Law­inen zu. Dann gehen wir durch zurück bis zum Frances Camp. Doch wir wollen noch weit­er bis zum Los Cuer­nos Shel­ter. Der Weg führt am Hang ober­halb des Lago Nor­den­skjölds ent­lang. Bis auf einen Abstieg ver­läuft er fast immer auf gle­ich­er Höhe, aber er zieht sich gewaltig und so dauert es vom Frances Camp fast noch zwei Stun­den bis wir am Los Cuer­nos Shel­ter ankom­men. Wir sind bei­de ziem­lich kaputt, aber nach ein­er Dusche fühlen wir uns wieder bess­er und wir gehen Aben­dessen kochen, was wir wieder in ein­er vollgestopften Hütte machen müssen. Es wird schon dunkel als wir ins Zelt zurück gehen.

Ein Klis­chee-Patag­o­nien Tag: Vier Jahreszeit­en an einem Tag
4. Etappe: Los Cuer­nos nach Cam­pa­men­to Tor­res mit Mirador Tor­res
17,5km, 1.100hm, 5,5h

Es ist ziem­lich kalt heute mor­gen und über Nacht hat es gereg­net. Trotz­dem schaf­fen wir es heute schon früher hochzukom­men. Im leicht­en Regen bauen wir das Zelt ab. Durch die Feuchte bleibt viel Dreck am Zelt hän­gen, was es zu ein­er ziem­lichen Sauerei macht. Um 9 Uhr ziehen wir los. Es reg­net noch immer leicht, doch am Hor­i­zont sehen wir schon blauen Him­mel. Der Weg ver­läuft in leichtem bergauf und bergab am See ent­lang. Wir sehen ein paar grau weiße Vögel, die ein wenig wie Spechte ausse­hen. Beim Über­queren des Rio del Andi­no haut sich Alex den Kopf an den Quer­streben der Hänge­brücke an, die gefährlich tief für große Men­schen hän­gen. Das Wet­ter wird langsam bess­er und es hört auf zu reg­nen. Wir sehen einen Kon­dor, der nicht weit über unseren Köpfen im Wind segelt. Gut kön­nen wir die weiße Hal­skrause des großen geier­ar­ti­gen Vogels sehen.

Nach zwei Stun­den kom­men wir zur Abzwei­gung zum Refu­gio Chileno und fol­gen dem Weg hin­auf. Wir sehen ein paar Pferde in ein­er moori­gen Wiese ste­hen, während die Sonne nun vom blauen Him­mel strahlt und wir uns Klei­dung entledi­gen müssen. Der Som­mer ist da! Wir steigen weit­er auf und sehen bald das Hotel Los Tor­res in der Ferne unter uns liegen. Es ist unser morgiges Ziel, heute fol­gen wir dem Weg weit­er in das Valle Ascen­cio hinein. Der Weg steigt an einem schot­tri­gen und nur leicht bewach­se­nen steilen Hang in das Tal hinein. Unter uns rauscht der Rio Ascen­cio auf seinem Weg zum See hin­unter. Wir kom­men gut voran und erre­ichen bald das Refu­gio Chileno. Hier kann man jedoch nur mit Reservierung schlafen. Wir set­zen uns und essen unsere let­zte Wurst und Brot. Für heute Abend kaufe ich noch ein Tetra­pack Rotwein um die Wan­derung zu feiern. Wir ver­weilen jedoch nicht lange, da wir Angst haben im Cam­pa­men­to Tor­res keinen Platz mehr zu bekom­men. Da es nun keine Reservierun­gen mehr gibt, gilt “Wer zuerst kommt, mahlt zu zuerst” und es ist trotz Neben­sai­son einiges los auf dem Weg. Ger­ade der Abschnitt zum Mirador Tor­res ist beliebt, denn er wird oft als Tages­tour began­gen.

Hin­ter einem Hügel kön­nen wir schon die Gipfel des Namensge­ber für den Nation­al­park sehen — die Tor­res del Paine (zu deutsch Türme von Paine). Sie ver­schwinden aber bald wieder hin­ter den Hügel. Wir fol­gen dem Weg weit­er, der auf und ab durch ein Wäld­chen führt. Nach weni­gen Minuten erre­ichen wir ein Schild mit der Auf­schrift Cam­pa­men­to Tor­res, was eigentlich nicht sein kann, da man für den Weg eigentlich 1,5 Stun­den brauchen soll. Tat­säch­lich müssen wir nach dem Schild auch noch ein ganzes gutes Stück laufen bis wir die Zelte des Cam­pa­men­to Tor­res sehen. Es liegt in einem kleinen Wäld­chen unter­halb eines Schot­ter­felds. Wir bauen unser Zelt auf und leg­en uns hinein.

Wir wollen noch zum 45 Minuten ent­fer­n­ten Base Las Tor­res Aus­sicht­spunkt gehen um die drei Türme zu sehen, dem berühmten Mirador Las Tor­res. Als wir losziehen hat es zuge­zo­gen, aber wir hof­fen, dass das Wet­ter während unseres Auf­stiegs wieder bess­er wird. Wir gehen ohne großes Gepäck und haben nur eine Plas­tik­flasche dabei, die wir an einem Bach am Wegrand füllen. Es ist schon deut­lich käl­ter gewor­den als wir dem Weg steil durch einen Wald den Hang hin­auf fol­gen. Der Weg geht auf einem Schut­tfeld über grobes Block­w­erk weit­er und mit­tler­weile schneit es leic­n­ht. Alex ist noch immer nur mit sein­er kurzen Hose verse­hen, was ein recht amüsantes Bild im Schnee abgibt. Wir queren den Schut­thang und ste­hen bald vor einem See, dahin­ter sehen wir noch einen Gletsch­er. Die berühmte Granit­türme liegen aber in tiefem Nebel darüber. Wir suchen Schutz hin­ter einen Felsen und warten auf besseres Wet­ter. Auch ein paar Vögel hüpfen um uns herum, das Schnee­treiben wird aber immer stärk­er. Es dauert daher nicht lang bis wir uns zur Umkehr entschließen. Als wir das Wäld­chen erre­ichen liegt ein dün­ner Schneefilm auf den grü­nen Blät­tern und das mit­tler­weile dichte Schnee­treiben wirkt fast wei­h­nachtlich. Wir sind trotz­dem froh als wir das Camp erre­ichen und vor allem Alex sich eine lange Hose anziehen kann. Wir gehen in die Kochhütte, welche bei weit­en nicht so aus­ge­baut ist wie die let­zten. Sie ist vorne offen und Tis­che und Bänke gibt es nicht. Wir kochen Suppe und Instand­nudeln, dazu trinken wir Rotwein. Es ist ziem­lich kalt und ich ver­weigere den Abwasch mit dem eisi­gen Bach­wass­er. Dann kriechen wir in unsere Schlaf­säcke um der Kälte zu entkom­men.

Die Türme von Paine
5. Etappe: Cam­pa­men­to Tor­res bis Hotel Las Tor­res
10km, 100hm, 2,5h

Um 7 Uhr klin­gelt der Weck­er. Wir haben nur schlecht geschlafen, da es saukalt war. Es reg­net bzw. schneit draußen und da wir uns nur wenig Hoff­nung machen die Tor­res del Paine zum Son­nenauf­gang zu sehen bleiben wir liegen. Der gold­ene Schein des Son­nenauf­gang ist der beliebteste Augen­blick die Türme zu erblick­en. Es ist schon fast 10 Uhr als wir uns das näch­ste Mal aufraf­fen. Es ist kalt und nass, ein­fach ungemütlich. Wir essen Müs­li zum Früh­stück und ver­lassen das Zelt. Beim Abbau ist das Zelt noch dreck­iger als tags zuvor. Wenig­stens hat es zu reg­nen aufge­hört und die Sonne kommt langsam her­aus. Wir leg­en unsere Ruck­säcke zur Ranger­sta­tion und steigen nochmal durch das Wäld­chen und das Schut­tfeld zu den Tor­res del Paine auf. Die Berge um uns herum sind vom frischen Schnee gepud­ert. Der Him­mel ist mit­tler­weile blau mit weißen Wolken­schleiern. Die Türme sind gut zu sehen wie sie über dem See und Gletsch­er steil in den Him­mel aufra­gen. Nur ihre Spitzen liegen noch ein wenig in den Wolken. Wir set­zen uns und beobacht­en die Granit­türme. Um uns herum liegt noch der let­zte Nacht gefal­l­ene Schnee. Es hat sich also gelohnt nochmal hier­rauf zu steigen. Ger­ade mit der frischen Schneeschicht sieht es sehr sur­re­al aus.

Nach ein­er hand­voll Nüss­chen machen wir uns an den Abstieg. Im Camp Chileno machen wir ein let­zes Päuschen und essen die restliche Schoko­lade. Es geht noch ein­mal kurz bergauf dann sehen wir den Lago Nor­den­skjöld und unser heutiges Ziel, das Hotel Las Tor­res, unter uns liegen. Beim Abstieg kommt uns ein Gau­cho mit seinen Pfer­den ent­ge­gen. Kurz nach­dem wir den Rio Ascen­cio über­quert haben ste­hen wir vor den Gebäu­den des Hotel Las Tor­res.

Wir kaufen uns ein Bier und eine Cola und warten auf den Bus. In einem Garten sind die im Park vork­om­menden Gestein­sarten aus­gestellt, es gibt z.B. einen Horn­fels. Als der Bus kommt haben wir erst ein paar Ver­ständi­gungss­chwierigkeit­en mit dem Bus­fahrer aber danach gelingt es uns zwei Fahrkarten zur Por­te­ria y Guarde­ria Lagu­na Amar­ga zu kaufen von wo unser Bus zurück nach Puer­to Natales geht und dort hinz­u­fahren. Dort erfahren wir, dass unser Bus nach Puer­to Natales erst um 20 Uhr geht, jet­zt ist es aber 16 Uhr. Na toll, hier gibt es kein Café, Kiosk oder son­st irgend­was. Nur die Ranger­sta­tion und eine Toi­lette. Mit einem Bus woan­ders hin­fahren wo es was zu tun gibt, macht auch keinen Sinn. Es emp­fiehlt sich auf jeden Fall die Buszeit­en bess­er zu timen, denn beim Hotel Los Tor­res gibt es alles was man sich vorstellen kann. Wir set­zen uns unter ein kleines Vor­dach und kochen unsere restlichen Mahlzeit­en. Dann leg­en wir uns auf eine Wiese und chillen. In der Ferne kön­nen wir zwei Gua­na­cos an einem Hang sehen. Es weht ein leichter Wind und wir frösteln ein wenig, der Schlaf­sack schafft Abhil­fe. Um 20 Uhr geht der Bus zurück. Bevor es dunkel wird, kön­nen wir noch ein paar Gua­na­cos aus dem Fen­ster sehen. Um 22 Uhr sind wir zurück in Puer­to Natales. Zurück im Hos­tel duschen wir noch und fall­en ins Bett. Mir geht’s allerd­ings nicht so gut, mir ist schlecht und ich füh­le mich krank. Vielle­icht ist die let­zte, eiskalte Nacht daran schuld.


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour W-Cir­cuit
Gehzeit: 3 bis 5 Tage
Höhen­meter: 3.080hm
Dis­tanz: 74,5km
Über­nach­tungsmöglichkeit­en: Acht Zelt­plätze, fünf Hüt­ten
Aus­gangspunkt: Sta­tion Paine Grande oder Hotel Las Tor­res im Nation­al­park Tor­res del Paine
Schwierigkeit: Ein­fach bis Medi­um

Trekking­tour O-Cir­cuit
Län­gere und anspruchsvollere Vari­ante
Gehzeit: 7 bis 10 Tage
Höhen­meter: 5.000hm
Dis­tanz: 130km
Über­nach­tungsmöglichkeit­en: Zwölf Zelt­plätze, sechs Hüt­ten
Aus­gangspunkt: Hotel Las Tor­res im Nation­al­park Tor­res del Paine (der O-Cir­cuit darf nur gegen den Uhrzeigersinn began­gen wer­den)
Schwierigkeit: Medi­um

Anfahrt
Von Puer­to Natales, 2,5h vom Nation­al­park, fahren regelmäßig Busse (15.000 — 18.000 CLP). Die Busse fahren mor­gens um 7:30 Uhr und mit­tags um 14:30 Uhr zum Park. Zurück geht’s um 13 Uhr (Pudeto 13:30 Uhr, 14:30 Uhr vom Hauptein­gang) und 18 Uhr (19 Uhr von Pudeto, 19:45h vom Hauptein­gang). Bei Kauf des Tick­ets ist es möglich das Rück­fahrts­da­tum offen zu lassen um sich größt­mögliche Flex­i­bil­ität zu sich­ern, was bei den plöt­zlichen Wet­terum­schwün­gen in Patag­o­nien dur­chaus sin­nvoll ist. Das Hos­tel kann einem ein Bustick­et organ­isieren und fährt euch dann in der Regel auch zum Bus­bahn­hof.

Im Nation­al­park kann man einen Kata­ma­ran nehmen, das Pudeto mit dem Refu­gio Paine Grande verbindet. Die Über­fahrt kostet 15.000 CLP. Der Kata­ma­ran fährt 9:30 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr von Pudeto ab und benötigt rund 30 Minuten. Zurück von Paine Grande geht’s um 10 Uhr, 12:30 Uhr und 18:30 Uhr.

Außer­dem gibt es einen Bus (2.800 CLP), das das Hotel Las Tor­res mit dem Parkein­gang verbindet.

Es gibt auch die Möglichkeit direkt zum Rifu­gio Grey und somit zum Gletsch­er mit dem Boot zu fahren, was aber mit 50.000 CLP recht teuer ist. Dies muss vor­ab gebucht wer­den.

Ein­tritts­ge­bühr
Hoch­sai­son 21.000 CLP, Neben­sai­son 11.000 CLP

Über­nach­tungsmöglichkeit­en
Auf dem W-Cir­cuit gibt es acht Zelt­plätze (zwei davon kosten­lose vom Nation­al­park) und fünf Hüt­ten.
Kosten­lose Camp­ing­plätze: Cam­pa­men­to Tor­res, Cam­pa­men­to Ital­iano.
Für die zwei kosten­losen Camp­ing­plätze ist in der Haupt­sai­son (15. Okto­ber bis 15. März) eine Reservierung erforder­lich. Entwed­er im CONAF Büro in Puer­to Natales oder per E-Mail an reserva.torresdelpaine@conaf.cl. Es gibt lei­der noch immer kein Online Buchungssys­tem.

Die anderen Refu­gios und Zelt­plätze wer­den von fan­tas­ti­co sur oder Ver­tice Patag­o­nia betrieben und kön­nen über deren Buchungssys­tem online gebucht wer­den. Wir hat­ten im März hier­für nicht buchen müssen. Zelt­plätze kosten hier etwa 7.000 bis 8.500 CLP. Zelte, Schlaf­säcke und Iso­mat­ten kön­nen aus­geliehen wer­den. Die Hüt­ten brauchen eine frühzeit­ige Reservierung, die Preise liegen hier bei 35 bis 60 USD für einen Platz im Mehrbettz­im­mer. Die pri­vat­en Refu­gios und Zelt­plätze haben in der Regel einen Kiosk bei dem man Kleinigkeit­en kaufen kann. Außer­dem bieten die Refu­gios Früh­stück und Aben­dessen gegen Auf­preis, auch für Camper.

Sai­son
Als Hoch­sai­son gilt Okto­ber bis April, Neben­sai­son von Mai bis Sep­tem­ber. Am meis­ten ist im Jan­u­ar und Feb­ru­ar los, wovon defin­i­tiv abzu­rat­en ist. Es emp­fiehlt sich anfangs oder Ende der Haupt­sai­son zu kom­men.

Mehr Infos gibt’s hier und hier.

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