China: Die Reise mit dem Zug nach Sichuan

Posted: 3. September 2015

Zug­fahren ist Chi­na ist dur­chaus ein Aben­teuer an sich, wenn man außer­halb der mod­er­nen High Speed Zügen unter­wegs ist. Wer empfind­lich gewis­sen Kör­perg­eräuschen gegenüber ist, sei hier­von eher abger­at­en. Allen anderen empfehle ich es als kul­turelle Erfahrung.

Heute fahren wir weit­er nach Cheng­du, wo uns hof­fentlich die knutschig­sten Pan­das aller Zeit­en erwarten. Zur Abwech­slung wollen wir den Zug mal nicht ver­passen und ste­hen früh um 4:30 Uhr mor­gens auf. Wir nehmen ein Taxi zum Bahn­hof, der nicht weit von unserem Hos­tel ent­fer­nt liegt und stürzen uns dort ins Getüm­mel, das hier schon um halb sechs Uhr mor­gens herrscht. Trotz­dem ist nicht soviel los wie tagsüber und wir kom­men rel­a­tiv schnell durch Tick­et- und Sicher­heitscheck. Wir gehen zu unserem “Gate” im ersten Stock und warten auf das Board­ing. Erst hier fällt mir auf, dass ich meine Chucks im Hos­tel vergessen habe. Mist! Somit bleiben mir nur noch Flip Flops und Wan­der­schuhe… Eine halbe Stunde vor Abfahrt geht es los und wir steigen in unseren Zug.

Das “Hard Sleep­er” Abteil beste­ht aus drei übere­inan­der ste­hen­den schmalen Bet­ten. Wir schlafen in den ober­sten Bet­ten, was eine kleine Her­aus­forderung darzustellt — vor allem hin­unter zu kom­men. Am besten man stellt sich auf alle Viere und krabbelt dann rück­wärts über die Leit­er hin­unter. Wir schlafen erst­mal eine Runde, was bei der Laut­stärke im Zug gar nicht so ein­fach ist. Oropax sind eine lohnende Investi­tion. Es ist recht eng und wir wis­sen nicht richtig wohin mit unseren großen Ruck­säck­en.

Es gibt nur oben eine schmale Gepäck­ablage, die bere­its voll ist. Also ver­stauen wir unsere Ruck­säcke unter den unter­sten Bet­ten. Wir fahren durch neblige, reg­ner­ische Berg­land­schaft, die von Flüssen durch­zo­gen ist. Wir unter­hal­ten uns mit dem Chi­ne­sen Mar­tin, der vielle­icht als einziger im gesamten Abteil Englisch spricht. Er ist schon seit zwei Tagen in Zügen unter­wegs um seine 3.000km ent­fer­nte Heimat­stadt zu erre­ichen. Die Geräuschkulisse im Zug ist erfüllt mit Schmatzen, Schlür­fen, Rülpsen, Schnar­chen, Nase­hochziehen, Stim­men und hin und wieder Musik.

 

Ankunft in Chengdu und der Kampf mit den Taxis

Nach 16 Stun­den kom­men wir in Cheng­du an. Auf dem Bahn­hofsvor­platz herrscht mal wieder Chaos und außer­dem reg­net es recht stark. Bei den Taxis ste­ht eine riesige Schlange und denken uns erst­mal nicht viel dabei. Wir gehen weit­er und steigen etwas genässt außer­halb in ein Taxi. Während der kurzen Fahrt stellt sich her­aus, dass der Tax­i­fahrer 50 Yuan für die Fahrt will, die eigentlich nur etwa 2km umfasst. Das wollen wir natür­lich nicht zahlen, also schmeißt er uns raus. Wir sind durch den dicht­en Verkehr nur wenige Meter vom Bahn­hof fort gekom­men.

Wir ver­suchen es bei anderen Taxis, kein­er will uns fahren. Also gehen wir zurück, wollen die U-Bahn nehmen, die hat aber offen­bar schon zu — immer­hin ist es halb 12 Uhr nachts. Wir fügen uns in unser Schick­sal und stellen uns bei der Schlange an — wir wis­sen nun also warum sie existiert. Nur hier kom­men die Taxis, die willig sind ihr Taxime­ter einzuschal­ten an.

Alle außer­halb ver­suchen es halt mit Abzocke, dafür kommt man natür­lich sofort vom Fleck. In Anbe­tra­cht der fort­geschrit­te­nen Stunde und dem Regen gar nicht so dumm. Auch aus der Schlange ver­suchen sie auf­dringlich abzuwer­ben, aber kein­er gibt nach. Allzu lange dauert es zum Glück nicht bis wir in eins der stetig ank­om­menden Taxis steigen. Kurze Zeit später erre­ichen wir das Hos­tel und wer­den sehr her­zlich von Hele­na am Emfang begrüßt, die uns gle­ich neben ein­er Karte von Cheng­du auch Pand­abären­postkarten in die Hand drückt. Dazu liegt eine weiße, flauschige Katze in der Rezep­tion. Nun ist alles wieder gut.

Hele­na emp­fiehlt uns ein Bar­be­cue um die Ecke und nach­dem wir unsere Sachen abgelegt haben, machen wir uns dahin auf. Wir sind näm­lich ordentlich hun­grig von der Zug­fahrt! Wir bekom­men einen Regen­schirm ver­passt und machen uns dann auf in den strö­menden Regen. Beim Bar­be­cue ist das Bestellen ein­fach: Die vor­bere­it­eten Spieße liegen aus, man sucht sich ein­fach die aus, die man haben mag und diese wer­den dann für einen gegrillt. Außer den Kartof­feln und dem Brot kann ich dann aber nicht allzu viel davon essen, denn es ist unge­heuer scharf. Sah zwar vorher nicht so aus, aber offen­bar wurde danach noch ordentlich Chili drüber gestreut. Willkom­men in Sichuan!

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