China: Kurzer Zwischenstop in Daocheng

Posted: 13. September 2015

Die näch­sten zwei Tage ver­brin­gen wir mit der Rück­reise nach Cheng­du — mit Zwis­chen­stop in Daocheng. Denn am 14. Sep­tem­ber geht es von dort nach Lhasa, der Haupt­stadt Tibets!

Rückflug nach Daocheng

Am Mor­gen fühlen wir die gestrige Anstren­gung in unseren Gliedern. Wir schlafen aus und essen eine Instant-Nudel­suppe zum Früh­stück. Wir machen langsam, genießen noch ein wenig den Son­nen­schein und den Anblick der Berge. Die Kinder bekom­men von uns Stifte geschenkt, dafür bekom­men wir Süßigkeit­en von ihnen, die auch dem Hund etwas abgeben, dann schul­tern wir unsere Ruck­säcke und nehmen den Park-Bus zurück zum Ein­gang. Dort ist schnell jemand gefun­den der uns nach Daocheng fährt — oder bess­er wir wer­den gefun­den. Denn schon beim Aussteigen hagelt es wie üblich Ange­bote. In zwei Stun­den fahren wir über den 4.513m hohen Pass, der sich heute schon viel bess­er anfühlt, zurück nach Daocheng.

Hier haben wir ein biss­chen Schwierigkeit­en die Straße mit den Hos­tels zu find­en. Eigentlich ganz ein­fach: Links von der Bussta­tion. Aber wo ist die Bussta­tion? Das ist nicht ein­deutig zu erken­nen. Wir stapfen los und gehen in die Rich­tung von dem was für die Bussta­tion hal­ten. Wir tre­f­fen auf einen Fran­zosen und fra­gen nach dem Hos­tel, er ist daraufhin so nett uns den Weg zu zeigen. Alle Hos­tels, die im Lone­ly Plan­et gelis­tet sind, befind­en sich in der gle­ichen Straße und er wohnt im Hos­tel neben dem von uns angestrebten. Er ist schon seit gestern hier und hat heute die Gegend mit einem geliehenen Fahrrad erkun­det, das aber schnell einen plat­ten Reifen hat­te.

Wir gehen zu Drol­mas Youth Hos­tel und wer­den von einem jun­gen englisch-sprechen­den Chi­ne­sen begrüßt. Und das Beste: Der Dorm­room ist riesig und die Bet­ten einzeln — keine Hochbet­ten. Wie her­rlich. Außer uns befind­et sich nur eine Schwedin im Zim­mer, die gestern was falsches gegessen hat un aus­ruht. Wir wollen auskund­schaften von wo der Bus zum Flughafen abfährt, was näm­lich nicht an der gle­ichen Stelle erfol­gt wie wir angekom­men sind son­dern am riesi­gen Air­port Hotel am Ende der Stadt. Inter­es­san­ter­weise spricht in diesem ver­mut­lich größten Hotel der Stadt kein Men­sch Englisch. Mit Hil­fe von Über­set­zungsapps kom­men wir trotz­dem an unsere Infor­ma­tio­nen.

Daocheng

Von hier sehen wir eine große weiße Stu­pa und einen Hügel mit Gebets­flaggen, was wir spon­tan trotz großem Hungerge­fühl erkun­den. Man kann die Stu­pa ein­mal umrun­den und die vie­len Gebetsmühlen drehen. Dann erk­lim­men wir den kleinen Hügel, von dem man die kleine Stadt, die trotz­dem 32.300 Ein­wohn­er hat, überblick­en kann — für chi­ne­sis­che Ver­hält­nisse fast ein Dorf. Dabei sieht man beson­ders ein­drucksvoll, dass es hier haufen­weise große Hotels gibt und noch mehr ger­ade gebaut wer­den. Offen­bar wurde hier auch wieder krä­fitg in Touris­mus investiert — allerd­ings ohne Touris­ten. Die meis­ten dieser großen Bunker wer­den ver­mut­lich leer sein.

Dann gehen wir zur Bank und find­en tat­säch­lich eine IBC Fil­iale, die unsere Visa-Karten annimmt. Lone­ly Plan­et schreibt, dass es zum Zeit­punkt deren Recherche keinen Bankau­to­mat­en gab, der aus­ländis­che Karten annimmt, was wirk­lich ein Prob­lem in Chi­na ist, denn nur jed­er 5. Bankau­tomat funk­tion­iert — darunter die der IBC und Bank of Chi­na. So langsam waren wir etwas knapp was Bargeld ange­ht.

Zwis­chen­durch kommt endlich die erlösende Nachricht von unserem Hos­tel — unsere TTBs sind da! Wir sind mit­tler­weile schön ganz schön nervös gewor­den, so zwei Tage vor Abreise nach Lhasa. Dann suchen wir ein Lokal zum Aben­dessen — am besten mit Bildern und/oder englis­ch­er Speisekarte — aber erfol­g­los. Wir gehen schließlich in eins das uns gut erscheint und schla­gen uns mit Hil­fe von chi­ne­sis­chen Wort­fet­zen aus dem Lone­ly Plan­et durch. Wir bestellen das was wir in solchen Fällen immer bestellen — Kung­pao Chick­en. Es ist gut ein paar Stan­dard-Gerichte zu haben, die man in solchen Fällen auf chi­ne­sisch bestellen kann.

Allerd­ings wird das Vergnü­gen beim Essen etwas gestört, denn direkt gegenüber mit uns am Tisch sitzt ein Chi­nese, der auf die üblich chi­ne­sis­che Art isst: Mit weit offen­em Mund schmatzend und Essen durch die Gegend schaufel­nd. Während mir in Chi­na eher der Lärm und die auf­dringlichen Men­schen zu schaf­fen machen, stören Alex eher die chi­ne­sis­chen Gewohn­heit­en mit dem Essen und ihren Kör­per­flüs­sigkeit­en umzugeben.

Wir ver­lassen das Restau­rant und suchen ein kleines tibetis­ches auf, das sehr hüb­sch mit bun­ten Holzmö­beln ein­gerichtet ist. Hier gefällt es uns bess­er. Außer­dem gibt es es hier ein junges Kätzchen, das ganz ver­spielt ist. Wir bestellen Yak-But­ter­tee, tibetis­chen Joghurt und Dumplings um die restlichen Lück­en im Magen zu schließen. Alex spielt mit dem Kätzchen bis es neben ihm ein­schläft. Wir gehen zurück ins Hos­tel, trinken ein Bier um unsere gestrige Tour zu feiern — da wir wieder auf 3.750m unten sind eher zu verkraften — und gehen dann ins Bett. Vorher unter­hal­ten wir uns noch mit der Schwedin über Chi­na und Indi­en.

Indi­en stellen wir uns ganz schwierig vor was Lärm und auf­dringliche Men­schen ange­ht, immer­hin sind wir in Chi­na damit schon ganz schön bedi­ent. Entwed­er man liebt Indi­en oder man has­st es — so unser Gefühl aus Erfahrungs­bericht­en. Die Schwedin liebt Indi­en, sie hat über ein Jahr dort ver­bacht. Sie liebt es, dass alles so inten­siv ist — man müsse sich nur darauf ein­stellen, dass alles dreck­ig und laut ist. Nepal soll eher Indi­en light sein. Wir sind ges­pan­nt.

Rückflug nach Chengdu

Wir nehmen den Bus zum Flughafen um 6 Uhr, der schon zehn Minuten vor geplanter Abfahrt los­fährt. Wir sind froh, dass wir früh genug da waren. Es ist noch dunkel als wir zum Bus stapfen. Ich schlafe ein bis wir wieder ein­mal den höch­sten Pas­sagier­flughafen der Welt auf 4.400m erre­ichen. Der Flughafen von Daocheng ist augen­schein­lich jedoch ein­er der let­zten Orte wo einem irgend­was passieren sollte. Einem älteren chi­ne­sis­chen Her­ren geht es schlecht, er scheint Atem­not zu haben. Unser erster Gedanke ist natür­lich, dass es an der Höhe und dem Sauer­stoff­man­gel liegt. Kann ja eigentlich kein großes Prob­lem sein, hier gibt es doch über­all Sauer­stoff­flaschen.

Wir wis­sen es aber nicht genau, es ist keine Kom­mu­nika­tion möglich. Es kommt Secu­ri­ty-Per­son­al und ste­ht erst­mal rat­los rum. Offen­bar gibt es auf diesem Flughafen keine San­itäter?! Nach ein­er Weile rat­los­es Anschauen brin­gen sie den Her­ren in einen nahe gele­ge­nen Neben­raum wo es Sauer­stoff gibt, was dann passiert kön­nen wir nicht mehr ver­fol­gen. Ein Haufen Secu­ri­ty-Beamte und andere chi­ne­sis­che Pas­sagiere drän­gen sich in dem Raum um ihn herum. Na, hof­fentlich ging alles gut.

Wir betreten unser Flugzeug nach Cheng­du, wo wir nur eine Stunde später lan­den. Wir haben uns wieder im Mix Hos­tel ein­quartiert und holen zuerst unsere TTBs ab, unsere Erlaub­nis nach Tibet ein­reisen zu dür­fen. Nach kurzem Aus­ruhen gehen wir in die Innen­stadt hinein. Eigentlich sind wir mit Till verabre­det, den wir in Peking ken­nen­gel­ernt haben, er taucht aber nach 25 Minuten Wartezeit nicht auf, weshalb wir in das Einkauf­szen­trum hin­unter gehen und uns etwas zu essen suchen. Wir find­en ein All-You-Can-Eat Bar­be­cue und Hot­pot Buf­fet, wo wir uns nieder­lassen. Mith­il­fe vom dor­ti­gen WiFi stellt sich her­aus, dass Till nicht mehr kom­men wird, da er lange im Stau gesteckt hat. Wir hauen uns die Bäuche mit all den Leck­ereien voll, die hier geboten wer­den.

Es gibt ein­fach alles was man sich vorstellen kann — ver­schiedene Spieße mit Fleisch und Fisch, viele ver­schiedene Tofu-Arten, Gemüse, dünnes Fleisch und sog­ar Desserts. Die Bedi­enung — ein junger Chi­nese — ist offen­bar beson­ders ange­tan von uns und redet mehr mit uns als er arbeit­et. Er kann ganz gut Englisch, möchte aber gern mehr ler­nen. Englisch hat er nur auf der High­school gel­ernt. Er möchte Alex bei WeChat oder QQ, dem chi­ne­sis­chen Face­book, hinzufü­gen, wir haben das aber natür­lich nicht. Von Face­book oder What­sApp hat er noch nie etwas gehört.

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