China: Die kaiserliche Armee aus Stein

Posted: 2. September 2015 by Annika

Heute fahren wir zur Ter­rakot­ta-Armee. Die Ter­rakot­ta-Armee ist defin­i­tiv eine der berühmtesten Ent­deck­un­gen des 20. Jahrhun­derts. Diese Armee aus tausenden Sol­dat­en hat über zwei Jahrtausende Wache über den Vere­iniger Chi­nas Qin Shi Huang gehal­ten. Entwed­er hat­te er große Angst vor den Geis­tern im Toten­re­ich oder aber er erwartete, dass er auch im Toten­re­ich weit­er herrschen werde. Ent­deckt wurde die Ter­rakot­ta-Armee von Bauern, die einen Brun­nen gegraben haben und dabei auf Über­reste gestoßen sind.

Wir haben emp­fohlen bekom­men, möglichst früh zu starten wenn wir die Fahrt selb­st organ­isieren wollen, weil es son­st sehr voll wird. Den Rat befol­gen wir auch, was sich als sehr sin­nvoll her­ausstellen soll. Der erste öffentliche Bus fährt um 7 Uhr vom Bahn­hof in Xi’an, die Ter­rakot­ta-Armee öffnet um 8:30 Uhr. Wir laufen bis zum Bahn­hof, der sich etwa 2km von unserem Hos­tel ent­fer­nt befind­et. Schon früh am mor­gen ist schw­er was los auf den Straßen und auf dem Bahn­hof — so viele Men­schen über­all, über­all hupen Autos und alles ist ein einziges Chaos.

Der Bus fährt vom östlichen Park­platz aus und ist an der Seite mit “Xi’an Rail­road Sta­tion <-> Ter­ra­cot­ta War­rios and Hors­es” beschriftet. Alle 10 Minuten ver­lässt ein­er der blauen oder grü­nen Busse den Bahn­hof und kostet pro Per­son 8 Yuan. Im Bus schlafen wir ein biss­chen und steigen dann etwa eine Stunde später aus. Wir laufen zum Ein­gang der Ter­rakot­ta-Armee, zuvor find­en sich einige Restau­rants und Sou­venir­shops. Wir wollen uns ein Früh­stück ein­ver­leiben und gehen in ein Restau­rant, wo Alex Dumplings und ich Nudeln esse.

Dann holen wir uns Ein­trittskarten, momen­tan ist noch nicht viel los und wir müssen nicht anste­hen. Dann gehen wir in die erste Halle — die größte und beein­druck­end­ste der drei Hallen mit Kriegern. Wir haben hier viel Platz uns alles in Ruhe anzuse­hen, es sind noch nicht viele Men­schen hier und wir kön­nen uns kaum vorstellen, dass diese riesige Halle so voll sein soll, dass sich die Massen nur noch durch­schieben. Stun­den später sehen wir aber, dass das sehr wohl möglich ist.

Die Terrakotta-Armee

Die Halle ist 230m lang und 62m bre­it. Man rech­net mit etwa 6.000 Kriegern, die in diesem Bere­ich ste­hen, bish­er sind nur 2.000 davon aus­gestellt. Die Aus­grabun­gen sind immer­noch im vollen Gange und man kann dabei zuse­hen wie die weniger gut erhal­te­nen Krieger aus ihren Einzel­teilen zusam­menge­set­zt wer­den. Eine riesige Puz­zlear­beit. Vorne ste­hen drei Rei­hen von Bogen­schützen, dann kommt die Infan­terie, die einst Speere, Schw­ert­er und andere Waf­fen hiel­ten. Die Infan­terie war von 35 Stre­it­wa­gen begleit­et, die allerd­ings aus Holz waren und schon längst ver­rot­tet sind.

In der zweit­en Halle befind­en sich etwa 1.300 Krieger und Pferde, wobei man vier Sol­dat­en von Nahem betra­cht­en kann: ein knien­der Bogen­schütze, ein ste­hen­der Bogen­schütze, ein Kava­lerie­mann und sein Pferd, ein Offizier mit­tleren Ranges und einen Gen­er­al. Die Details der Fig­uren sind hier beson­ders gut zu betra­cht­en — die Gesicht­saus­drücke, Frisuren, Klei­dung und sog­ar das Pro­fil von Schuhsohlen.

In der drit­ten Halle sind 72 Sol­dat­en und Pferde zu find­en, von denen ver­mutet wird, dass sie die Kom­man­dozen­trale der Armee darstellen, denn hier wur­den viele hoch rangige Offiziere gefunden.

Die drei unterirdis­chen Schächte in den drei Hallen, in denen sich Krieger und Pferde befind­en, sind alle aus ein­er ähn­lichen Struk­tur aus Erde und Holz gebaut, vari­ieren aber in Größe und Form. Die Schächte wur­den fol­gen­der­maßen gebaut: Fünf Meter unter­halb der Erde wur­den die Ter­rakot­ta Fig­uren in den Kor­ri­doren platziert. Diese Kor­ri­dore wur­den von Erd­wällen aufgeteilt und mit Ton­steinen gepflastert. Über die Seit­en­wände wurde dann ein großes, sta­biles hölz­ernes Dach gelegt und mit Tex­til­mat­ten und Erde bedeckt. Die Eingänge wur­den mit Erde ver­bar­rikadiert. Alles war dafür angelegt die Ter­rakot­ta Armee kom­plett zu ver­siegeln und zu verdecken.

Ein kleines Muse­um zeigt die Vorgeschichte von der Qin Dynas­tie, bevor Chi­na vere­int wurde, sowie zwei Bronze Stre­it­ges­panne mit Pfer­den, die 20m west­lich vom Grab von Qin Shi Huang gefun­den wur­den. Außer­dem gibt es eine Ausstel­lung über die Geschichte des Muse­ums selb­st, eher unin­ter­es­sant. Lei­der fehlt eine Ausstel­lung über die Ter­rakot­ta-Armee selb­st, deren Sinn und das Leben von Qin Shi Huang selb­st komplett.

Das Mausoleum des Kaisers

Das Grab des Qin Kaisers selb­st befind­et sich 2km von der Ter­rakot­ta-Armee ent­fer­nt. Wir laufen zu Fuß hin, was in der Hitze mal wieder ganz schön anstren­gend ist. Es brauchte 38 Jahre und 700.000 Men­schen um sein Grab zu bauen. Es wird gesagt, dass die Kün­stler die es baut­en lebendig mit­be­graben wur­den um all die Geheimnisse des Grabs zu wahren. Das eigentliche Grab selb­st wurde jedoch noch nicht gefun­den, Sen­soren haben jedoch ein hohes Queck­sil­ber­vorkom­men gemessen — 100fach höher als nor­mal, was die Leg­en­den von Unter­grund­flüssen aus Queck­sil­ber zu bestäti­gen scheint.

Hier wur­den eben­falls Krieger und Waf­fen gefun­den, aber das Are­al ist groß und wer weiß was sich noch alles hier ver­steckt. Von außen sind außer drei Aus­grabungsstät­ten nicht viel zu sehen, aber man kann sich bei dem Anblick des großen Parks und dem Grab­hügel die Größe der Anlage vorstellen — wohl das größte Mau­soleum sein­er Zeit.

 

Zurück zur Ter­rakot­ta-Armee nehmen wir einen kosten­losen Bus vom Park­platz vor dem Mau­soleum. Hier essen wir etwas auf dem Gelände drum herum, wovon wir aber nur abrat­en kön­nen. Die Preise sind extrem hoch und abge­zockt wird man auch noch. Lieber außer­halb essen gehen! Wir bezahlen 170 Yuan für das nicht ger­ade opu­lente Mittagessen.

Wir fahren mit dem öffentlichen Bus zurück, der ewig braucht. Er hält ständig an und tankt zwis­chen­durch, andere Busse ziehen an uns vor­bei. Wir kom­men im Hos­tel an und ruhen etwas aus bevor wir uns zum Aben­dessen nochmal hin­aus begeben. Zum ersten Mal in Chi­na schmeckt Alex etwas wirk­lich nicht, was ganz schön ver­wun­der­lich ist bei dem was er alles so in sich hine­in­stopft, egal wie selt­sam es anmuten mag. Und aus­gerech­net bei kalten Nudeln zieht er seine Grenze :)

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