Der Te Araroa ist nichts für dich…

Posted: 14. September 2018

…wenn du die fol­gen­den Dinge nicht magst. Diese Liste ist natür­lich mit einem lachen­den und einem weinen­den Auge zu betra­cht­en. Zum einen machen diese Dinge den Te Araroa aus und ger­ade die schlecht­en Zeit­en stellen die besten Anek­doten zur Ver­fü­gung und zum anderen weiß man gute Zeit­en dann erst richtig zu schätzen. 

1. Nässe

Von 62 Tagen auf dem Te Araroa auf der Südin­sel hat­te ich an 29 Tagen nasse Füße. Meis­tens auf­grund von diversen Flussüber­querun­gen oder Matsch­pfützen. Und selb­st wenn die Nässe nicht von unten kommt, dann kommt sie von oben. Neusee­land ist sehr grün und das hat einen Grund: Viel Regen. Regen­klei­dung ist eines der wichtig­sten Dinge im Gepäck. Außer­dem schnell trock­nende Schuhe. Scheiß auf dicke Wan­der­stiefel und Gore­tex, denn auch die wer­den unzweifel­haft nass und brauchen dafür eine Ewigkeit zum Trock­nen. Während meine Schuhe oft über Nacht wieder trock­en genug waren befand sich immer noch eine feuchtkalte Pfütze in den Wan­der­stiefeln meines Touren­part­ners. An war­men Tagen sind die Flussquerun­gen kein Prob­lem, an den reg­ner­ischen, kalten Tagen aber wer­den die Etap­pen zur wahren Qual.

Spazier­gang durch den Fluss

2. Matsch

Wir stellen schon früh fest, dass es auf dem Te Araroa viele Arten von Matsch gibt. Trock­en­er Matsch, der gut durchgetrock­net und gut bege­hbar ist. Sta­bil­er Matsch, der zwar feucht, aber gut bege­hbar ist. Ein­nehmender Matsch, wo wir ordentlich einsinken. Fieser matschiger Matsch in den man so richtig einsinkt und den Matsch, der eigentlich mehr Wass­er ist als Matsch und bei dem der Matsch oben in die Schuhe ein­dringt. Außer­dem gibt es noch den ver­steck­ten Matsch unter Gras, den man vorher nicht sieht. Mit großer Ziel­sicher­heit fand ich gerne die tief­sten Stellen im Matsch.

Unzäh­lige Male sind wir im Matsch ver­sunken und das war nur die Südin­sel. Die Nordinsel soll noch viel schlim­mer sein. Ich glaube nicht, dass ich jemals so viel Matsch in meinem ganzen Leben gese­hen habe wie in den 2,5 Monat­en auf dem Trail. Aber keine Sorge, die näch­ste Flussquerung, die eure Schuhe wieder sauber­ma­cht, kommt bes­timmt.

Matsch und löchrige Schuhe

3. Steil

Ich glaube nicht, dass ich wusste was steil wirk­lich bedeuten kann bevor ich den Te Araroa gewan­dert bin. Ser­pen­ti­nen? Fehlanzeige. Oft­mals geht es ein­fach auf direk­tem Weg bergauf. Hier erin­nere ich mich beson­ders an den Motu­ta­pu Trail, der so steil war, dass es mir nur mehr möglich war auf dem Vorder­fuß hin­auf zu schnaufen. Jede Weg­markierung etwa alle 10–20 Höhen­meter diente mir als Ver­schnauf­pause. Auch wenn man hier nicht von unten oder oben nass wird, dann von innen — vom Schweiß, der uns beim Steigen hin­un­tertropft. Meine Waden schreien beim Auf­stieg, meine Knie beim Abstieg.

Steil, steil­er, Motu­ta­pu Track

4. Mangelnde Hygiene

Duschen sind natür­lich Man­gel­ware auf dem Trail. Sie beschränken sich auf die Städte oder auf ein Bad in eiskalten Seen und Flüssen unter­wegs. Auch Wäsche waschen beschränkt sich auf die Städte oder ein schnelles Durch­waschen im Fluss. Dementsprechend stinken wir viel. Selb­st wenn wir uns waschen stinkt unsere Klei­dung noch immer. Schon­mal an drei Tage alten, zwis­chen­durch dreimal nass gewor­de­nen und wieder getrock­neten Sock­en gerochen? Hier habt ihr die Gele­gen­heit. Lasst Schuhe und Sock­en bloß draußen und nehmt sie nicht mit ins Zelt oder ihr werdet zu Tode ges­tunken.

Es klingt selt­sam, aber man gewöh­nt sich daran. Wenn wir ger­ade frisch aus ein­er Stadt kamen und dann die Stinkek­lei­dung eines anderen Wan­der­ers in der Hütte rochen, beka­men wir erst eine Ahnung davon wie wir selb­st manch­mal stinken müssen. Ist aber egal, die anderen stinken auch. Meine Hygie­n­eartikel beschränk­ten sich auf eine Zahn­bürste, Zah­n­pas­ta und feste Natur­seife. Wer viel Wert auf Hygiene legt ist hier falsch.

Schwim­men im Mararoa Riv­er

5. Viechzeug

Obwohl es keine Raubtiere oder andere gefährliche Wesen wie Schlangen oder Spin­nen hier gibt, gibt es eine ganz beson­dere Art, die einem das Leben zur Hölle machen kann: Sand­fliegen. Sie sind über­all und sobald wir ste­hen  bleiben saugen sie an unserem Blut. Am schlimm­sten ist es an den schön­sten Zelt­plätzen, die man sich vorstellen kann. Oft­mals sitzen wir in voll bek­lei­det mit­ten in der Sonne — nur um uns die Biester vom Leib zu hal­ten. Und mor­gens warten sie bere­its im Vorzelt auf uns und hal­ten uns davon ab zu früh­stück­en. Nur schnell pack­en wir alles zusam­men und ver­lassen den Ort um irgend­wo unter­wegs zu früh­stück­en.

In den Hüt­ten gibt es zwar kaum Sand­fliegen, dafür aber Mäuse und Rat­ten, die es beson­ders auf unser Essen abge­se­hen haben. Es emp­fiehlt sich also jeglich­es Ess­bare möglichst außer­halb der Reich­weite der Nag­er irgend­wo aufzuhän­gen. Trotz­dem gelan­gen sie an die erstaunlich­sten Stellen. Eines Mor­gens find­en wir Mäuse-Exkre­mente in unserem Topf. Andere Wan­der­er haben einen Topf aus Silikon, der nun ein Loch aufweist, da sich Mäuse hin­durch genagt haben. Des Nachts feiern sie also gerne Par­tys und bewe­gen sich raschel­nder­weise durch unsere Ruck­säcke. Auch Pos­sums stat­ten den Hüt­ten des Nachts gerne einen Besuch ab und ver­anstal­ten Par­tys auf dem Dach.

Wenn man Pech hat zer­fet­zen Keas einem das Zelt oder schreien einen mit ihrem alles durch­drin­gen­den Gekreisch kurz vor Son­nenauf­gang schon wach. Freche Wekas durch­wühlen gerne Mülltüten um sie kom­plett im Wald zu verteilen — lasst also nichts draußen in Weka-Gegen­den wie den Marl­bor­ough Sounds.

Aber was wäre Neusee­land ohne diese Krea­turen? Keas, Fäch­er­schwänze und süße Mäuschen zu beobacht­en ver­süßt uns immer wieder den Tag.

Mäuschen in der Roke­by Hut

6. Schwieriges Terrain

Immer wieder heißt es sich durch dicht­es Buschw­erk zu kämpfen. Ob nun durch dichte Wälder mit von Wurzeln und Steinen über­säten Boden, kratzige Dor­nen­büsche an Flus­sufern, mannshohes Tus­sock­gras in Sümpfen oder piek­siges Spear­grass in den alpinen Gegen­den — es ist mit allem zu rech­nen.

Und wenn es keine Veg­e­ta­tion gibt, dann macht einem Geröll oder eine Flussüber­querung das Leben schw­er. Ein­fach nur so vor sich hin­laufen ohne Nach­denken zu müssen gibt es nur sel­ten. Märsche auf der Straße gehören dazu, sind aber lang­weilig und der Tod für die Füße.

Abstieg im Fluss

7. Trockennahrung

Wir haben auf dem Trail auch ein Wan­der­paar getrof­fen, dass sich Piz­za auf dem Trail geback­en hat und immer frischen Käse dabei hat­te. Alles ist möglich und es klingt fan­tastisch. Aber ganz ehrlich? Das Extragewicht wird kein­er von euch schlep­pen wollen. Es hat einen Grund warum besagtes Paar nach nur einem Monat auf dem Trail aufgegeben hat. Die Ernährung beschränkt sich also meist auf Por­ridge, dehy­dri­erte Trekking­nahrung, Kartof­fel­brei, Nudeln, Reis, Tüten­soßen und Schoko­riegel. Aufgepeppt wer­den die Gerichte mit Knoblauch und ein paar Kräutern. Ein kuli­nar­isches High­light wird so ein Trail nicht. Dafür werdet ihr die Städte, auch Burg­er Stops genan­nt, umso mehr lieben. Hier stopften wir alles in uns hinein was nur ging und das Unge­sun­deste Zeug. Egal, denn die Kalo­rien kön­nt ihr gebrauchen. Und wann kann man je schon­mal so unbeschw­ert essen?

Kartof­fel­brei mit getrock­neten Zwiebeln

8. Schmerzen

Vor allem in den ersten zwei Wochen wer­den euch Füße und Beine schmerzen und ihr werdet euch vorkom­men wie 100 Jahre alt wenn ihr nach einem lan­gen Marsch ver­sucht aufzuste­hen. Und wenn es nicht die Füße sind, dann schmerzen die Knie von den steilen Abstiegen oder die Schul­tern vom schw­eren Ruck­sack. Aber wenn einem mal nichts wehtut ist es umso schön­er. Beson­ders großar­tig ist es den Ruck­sack abzunehmen und ein paar Meter auf einen Aus­sichtssicht ohne zu gehen. Ihr werdet euch plöt­zlich so leicht fühlen und den Berg hin­auf­fliegen wie ein Vogel.

 

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