China: Die verbotene Stadt Peking

Posted: 24. August 2015

Die ersten Tage in Peking ver­brin­gen wir mit Herum­bum­meln in der Stadt. Lei­der haben die großen Sehenswürdigkeit­en wie die Ver­botene Stadt wegen ein­er Mil­itär­pa­rade zum Sieg über Japan im zweit­en Weltkrieg vom 23. August bis 3. Sep­tem­ber geschlossen. Außer­dem machen wir Reise­pla­nung in Chi­na, was die große Frage involviert: Tibet oder nicht Tibet?

Früh am Mor­gen erre­ichen wir unser Hos­tel in Peking. Es ist in ein­er ruhi­gen Gasse abseits ein­er Haupt­straße in einem typ­is­chen Pekinger Hin­ter­hof gele­gen. Es ist noch zu früh um unser Zim­mer zu beziehen, weshalb wir in der Lob­by warten bis das Hos­tel-eigene Café auf­macht, wo wir uns ein Früh­stück ein­ver­leiben. Außer­dem erfahren wir, dass halb Peking geschlossen ist. Wegen ein­er Mil­itär­pa­rade zum Sieg über Japan im zweit­en Weltkrieg sind viele klas­sis­che Sehenswürdigkeit­en vom 22. August bis 3. Sep­tem­ber geschlossen — dazu gehören die Ver­botene Stadt und der Tian’an­men Platz. Wir sind ent­täuscht — das ist aus­gerech­net die Zeit in der wir hier sind. Wir gehen duschen, denn von der lan­gen Fahrt sind wir ziem­lich kle­brig und ein wenig stinkig.

Reiseplanung: Tibet oder nicht Tibet?

Wir check­en im Café Toure­nan­bi­eter nach Tibet. Es gibt fol­gende Szenar­ien für die Gestal­tung unser­er Chi­na-Reise:
1) Reise nach Cheng­du und Xi’an, dann mit dem Zug nach Lhasa und über Land nach Nepal
2) Reise nach Cheng­du und Xi’an plus Sichuan als Tibet-Ersatz, dann Flug nach Nepal

Num­mer eins ist unsere favorisierte Vari­ante, aber es hängt von Preis und Möglichkeit der Tibet-Reise ab. Für Tibet benötigt man neben ein­er speziellen Erlaub­nis, eine gebuchte Tour mit Trans­port und Guide. Alleine darf man sich in Tibet nicht bewe­gen, nur einige Orte in Lhasa sind ohne Guide möglich. Außer­halb der Stadt braucht man einen Fahrer und Guide. Das macht eine Tibet-Reise teuer. Außer­dem muss man vorher genau angeben wann man was machen will — Spon­tane Entschei­dun­gen sind nicht möglich.

Schon ziem­lich bald bekom­men wir erste Antworten auf unsere Anfra­gen. Schlechte Nachricht­en: Die Straße von Tibet nach Lhasa ist wegen des Erd­bebens Anfang des Jahres noch immer ges­per­rt. So platzen unsere Träume ohne Flug nach Nepal einzureisen.

Stadtrundgang in Peking

Wir entschließen uns erst­mal ein biss­chen die Stadt zu erkun­den, denn unsere Bet­ten sind nicht vor 12 Uhr mit­tags fer­tig. Wir lagern unser Gepäck im Hos­tel und machen uns dann zu Fuß auf Rich­tung Tian’an­men Platz. Die Straßen sind voll, Fahrrad­fahrer und Roller­fahrer teilen sich mit Fußgängern den Weg. Wir kom­men an zahlre­ichen Geschäften und Restau­rants vor­bei, über­all geschäftiges Treiben. Es ist unglaublich heiß und schwül heute, aber es gibt viele schat­ten­spendende Bäume. Dort wo kein Schat­ten ist, ist es allerd­ings kaum erträglich. Wir besteigen also einen Bus und fahren eine Sta­tion bis zum Tian’an­men Platz. Der Platz selb­st ist ges­per­rt, man kann aber darum herum gehen. Dafür muss man jedoch eine Sicher­heit­skon­trolle über sich erge­hen lassen. Große Polizeipräsenz herrscht hier über­all, auch das Mil­itär ist da. Dazu kom­men zahlre­iche Frei­willige Helfer, soge­nan­nte “Cap­i­tal Secu­ri­ty Vol­un­teers”.

Wir gelan­gen zu ein­er großen Fußgänger­zone, von der viele kleine wuselige Gäss­chen abge­hen. Wir stöbern durch einige Geschäfte und in ein­er der Gassen essen wir zu Mit­tag und hier passiert es mir, dass ich Chi­na lieben lerne. Wo ich mich vorher über die Massen, die Hitze und über einen schmerzhaft gestoße­nen Zeh ärg­ere, geht hier alles in Rauch auf. Die chi­ne­sis­che Küche! Köstlich! Rein­le­gen kön­nte ich mich! Wir bestellen drei ver­schiedene Gerichte — hier essen alle zusam­men, nicht jed­er ein Gericht für sich.

Ein­mal Man­gold mit Erd­nüssen, eine Art Peking-Suppe und dazu etwas das wir vom Bild her für Fleisch hiel­ten, was sich aber es etwas gemüsiges her­ausstellt, das wir nicht genau iden­ti­fzieren kön­nen. Und alles schmeckt fan­tastisch, jedes Gericht schmeckt anders. Das Man­gold schmeckt würzig, die Peking-Suppe süß-sauer, das Gemüse süß. Wir schmausen fan­tastisch und rollen dann hin­aus aus dem Restau­rant. Die Bestel­lung in Chi­na ist in den meis­ten Restau­rants recht ein­fach, da es dankbar­erweise Speisekarten mit Bildern gibt, auf die man zeigen kann. Nicht immer weiß man dann aber was es genau ist :)

Wir gehen weit­er und find­en das Hos­tel Leo, das im Lone­ly Plan­et als Tibet Ansprech­part­ner genan­nt wird. Das Hos­tel selb­st hat wegen der Mil­itär­pa­rade geschlossen, wie so ziem­lich alles in der Innen­stadt, aber sie kön­nen uns in Bezug auf Tibet trotz­dem weit­er­helfen. Sie haben einen Fly­er mit ver­schiede­nen Ange­boten, alles jedoch recht teuer. Für eine Grup­pen­größe von zwei Per­so­n­en läuft es auf min­destens 150 Euro pro Per­son und pro Tag her­aus, dazu kommt noch An- und Abreise nach Lhasa.

Den Weg zurück zu unserem Hos­tel wollen wir mit dem Bus zurück­le­gen. Mit der U‑Bahn kön­nen wir nicht fahren, da die Sta­tio­nen hier eben­falls ges­per­rt sind. Wir steigen also wahl­los in Busse ein und fra­gen den Fahrer ob er zur Zhangz­izhonglu Sta­tion fährt. Beim zweit­en Bus klappt es und wir steigen ein. Die Busse sind stark kli­ma­tisiert, was heute eine Wohltat ist. Man bezahlt im Bus bei einem Kassier­er, dieser gibt uns auch Bescheid wann wir aussteigen müssen. Das ist nicht direkt die Sta­tion, wo wir hin­wollen, aber nach 10 Minuten Fußweg haben wir diese erre­icht und kurz darauf unser Hos­tel.

Reiseplanung China: Doch kein Tibet?

Hier erwartet uns schlechte Nachricht Num­mer zwei in Bezug auf Tibet: Auf­grund von irgen­dein­er Jahrestag-Feier wer­den keine Tibet-Per­mits für den 3. bis 12. Sep­tem­ber oder 1. bis 14. Sep­tem­ber (je nach­dem wen man fragt) aus­gestellt. Damit platzen alle weit­ere Pläne was Tibet ange­ht, denn unser Chi­ne­sis­ches Visum endet am 19. Sep­tem­ber. Danach ist die Reise also zu kurz, davor ist es zu kurzfristig das Tibet Per­mit zu erhal­ten. Damit ist Tibet für uns ent­gültig geplatzt.

Wir set­zen uns wieder in das Café und über­legen wie wir nun weit­er machen. Ich ver­suche einen Net­z­plan für Busse und Züge inner­halb Chi­nas zu find­en, scheit­ere daran aber ein wenig. Zudem funk­tion­ieren alle Google-Dien­ste in Chi­na nicht sowie einige andere Web­seit­en inklu­sive Face­book. Alle anderen Karten-Dien­ste scheint es nur auf Chi­ne­sisch zu geben. Ver­sucht mal etwas zu pla­nen wenn alles nur in Chi­ne­sis­chen Schriftze­ichen auf ein­er Karte abge­bildet ist. Schwierig. Ich bin der Verzwei­flung nahe, will doch ein­fach nur Google Maps haben. Möglichkeit­en wie Proxy-Serv­er, Tor Brows­er und VPN Verbindun­gen bekomme ich auch nicht zum Laufen. Hätte man wohl am besten außer­halb von Chi­na organ­sisieren müssen. Mit­tler­weile hat die Hap­py Hour im Café begonnen und wir machen davon inform von Bier Gebrauch. Nach ein­er gefühlten Ewigkeit haben wir die Infor­ma­tio­nen beisam­men wie wir von A nach B kom­men kön­nen, nun müssen wir nur noch einen Plan ausar­beit­en. Am Ende läuft es auf fol­gen­des hin­aus:
1. Mit dem Zug nach Xi’an (Ter­rakot­ta-Armee)
2. Mit dem Zug weit­er nach Cheng­du (Pan­das!)
3. Sichuan anschauen, allem voran das Yad­ing Nature Reserve besuchen

Ich wollte eigentlich schreck­lich gerne nach Zhangji­a­jie, einem wun­der­schö­nen Nation­al­park mit mys­tis­chen Fel­snadeln, die sich weit in die Höhe erheben und an die Land­schaft aus Avatar erin­nern, aber es ist sehr schwierig das mit Xi’an und Cheng­du in Ein­klang zu brin­gen, denn es gibt nur eine direk­te Verbindung außer Flug: Die Boots­fahrt über den Gel­ben Fluss, die sich “Three Gorges Cruise” nen­nt. Das ist zwar äußerst schön, ver­längert die Reise aber unge­mein und treibt die Kosten in die Höhe, zumal man auch wieder zurück müsste. Also eini­gen wir uns auf den oben beschriebe­nen Plan.

Fol­gende Seit­en helfen uns bei der Pla­nung:
www.china-diy-travel.com — Für die Zug­pla­nung. Kostet zwar 10$ Komis­sion pro Tick­et, aber äußerst hil­fre­ich was die Zugverbindun­gen, Zeit­pläne und Ver­füg­barkeit­en ange­ht. Kaufen kann man dann ja woan­ders.
www.chinabusguide.com — Für die Bus­pla­nung. Hier lassen sich Busverbindun­gen und Zeit­pläne her­aus­find­en.

Wir erstellen eine erste Grob­pla­nung und sind am Ende bei fünf Bier ange­langt. Dann beschließen wir zum Aben­dessen überzuge­hen. Nicht weit von unserem Hos­tel gehen wir in ein beliebiges Restau­rant und schwel­gen auch hier wieder in Hochgenüssen: Hüh­nchen­streifen mit Papri­ka, Süßkartof­feln mit Gurken und Papri­ka sowie Weißkohl. Auch hier wieder drei völ­lig unter­schiedliche Geschmäck­er, bei denen man sich nicht entschei­den kann was bess­er schmeckt: Süßlich, sauer-würzig und pfef­frig. Nom Nom! Wir rollen auch hier wieder papp­satt hin­aus und gehen zurück ins Hos­tel und bald darauf ins Bett.

Die Panzer rollen

Mor­gens wer­den wir von laut­en Geräuschen geweckt. Wir messen dem keine große Bedeu­tung zu, bis ein­er unser­er Mit­be­wohn­er vom Dorm­room sagt, dass ger­ade Panz­er vor­beifahren und wir die Parade ver­passen. Schnell sind wir auf, das wollen wir sehen! Wir gehen zur großen Straße vor, wo eine riesige Men­schen­masse herumwuselt. Die Panz­er sind bere­its vorüber, aber wir nehmen die Ver­fol­gung auf. Alex läuft ziem­lich schnell und ich komme nicht hin­ter­her, zumal mir mein Zeh noch von gestern wehtut. Ich laufe also durch die Men­schen­massen hin­durch, lasse mich treiben, halte nach Alex gel­ben T‑Shirt Auss­chau. Irgend­wann hole ich tat­säch­lich die let­zten paar Panz­er ein, die über die große Straße dahin­rollen — ein sur­reales Bild.

Die Schaulusti­gen sind begeis­tert, schwenken Chi­na-Flaggen und machen Fotos. Ich gebe bald auf Alex zu find­en und set­ze mich an den Rand. Es ist bere­its jet­zt am Vor­mit­tag schon sehr heiß und schwül. Alex taucht bald wieder auf, mit eini­gen Bildern im Gepäck. Er hat die Parade im Galopp ver­fol­gt und ist schweißge­badet. Wir gehen gemein­sam Rich­tung Hos­tel zurück, stop­pen dabei bei ein­er Bäck­erei um dort zu früh­stück­en. Neben vie­len süßen Sachen haben sie ein paar Sand­wich­es mit viel May­on­aise. Wir pro­bieren diese aus, dazu leck­eren Smooth­ie und Joghurt. Nun­ja, die Sand­wich­es waren ok, aber jeden Tag geht das nicht. Die Her­aus­forderung beste­ht darin, dass Chi­ne­sen anders früh­stück­en als der West­en. Sie essen Nudel­sup­pen oder Dumplings zum Früh­stück, wo wir eher Brot und Marme­lade oder zumin­d­est ein Müs­li wollen. Das ist schw­er zu find­en.

Heute haben wir uns über­legt uns das Nation­al Muse­um of Chi­na anzuschauen um dann zu dem Tem­ple of Heav­en Park zu gehen. Wir fahren heute mit der U‑Bahn Rich­tun­gen Tian’an­men Platz, stellen aber dort fest, dass auch das Muse­um geschlossen hat, da direkt am Tian’an­men Platz. Wir gehen wieder zur Fußgänger-Zone von gestern und in ein Restau­rant in den Neben­straßen. Erst als das Essen vor uns ste­ht wird uns klar: Hier ist Sichuan-Küche ange­sagt, das heißt scharf! Alex ist begeis­tert, ich weniger. Ich kann kaum was essen, es ist mir ein­fach zu scharf. Bestellt haben wir Ochsen­frosch, Spinat und Tofu. Jedes der Gerichte ist mit vie­len Chilis verse­hen.

Noch während wir essen kommt es zu einem Wolken­bruch, es reg­net wie ver­rückt, was die dun­klen Wolken bere­its angekündigt haben. Wir warten den Regen ab, schauen in der Zwis­chen­zeit wie die Chi­ne­sis­che Vol­ley­ball­mannschaft die algerische im Fernse­hen fer­tig macht und gehen dann wieder hin­aus Rich­tung Park. Es fängt aber bald wieder zu tröpfeln an und wir haben keine Lust mehr den Park anzuschauen. Wir stöbern durch ein chi­ne­sis­ches Einkauf­szen­trum mit aller­lei Geschäften, die fast alles verkaufen. Dann fahren wir mit der U‑Bahn zurück zum Hos­tel.

Reiseplanung China: Doch Tibet?

Hier pla­nen wir dann unsere Chi­na-Reise im Detail. Lei­der ist das nötig, da die Zugtick­ets vor allem für die Schlaf­plätze lange im Voraus aus­ge­bucht sind. Wir müssen diese also vorher buchen. Busse sind hinge­gen kein Prob­lem, oft gibt es die Tick­ets für die Busse eh erst am Abfahrt­stag zu kaufen. Bei der Suche nach einem Flug von Cheng­du nach Kath­man­du, was gün­stiger ist als von Peking nach Kath­man­du, stellen wir fest, dass es eine Verbindung über Lhasa gibt, die nicht wesentlich teur­er ist als der Non-Stop Flug.

Wir sind ganz aufgeregt, plöt­zlich ergibt sich doch noch eine Möglichkeit sich zumin­d­est Lhasa anzuse­hen. Wir schreiben die Touren-Organ­i­sa­tio­nen erneut an und fra­gen nach einem Preisvorschlag für unsere neue Idee sich 2 bis 3 Tage nur Lhasa anzuse­hen, wofür man nicht viel Trans­port braucht, was Tibet teuer macht. Zeitlich ist es dann auch kein Prob­lem, das ein­fach am Ende unser­er Chi­na-Reise zu machen. Wir sind ges­pan­nt was dabei rauskommt!

Fol­gen­des nun also unser bish­eriger Plan für Chi­na:
31.08.2015 — Im Zug nach Xi’an — Ter­rakot­ta Armee anschauen
03.09.2015 — Im Zug nach Cheng­du — Pan­da-Sta­tio­nen anschauen
07.09.–14.09.2015 — Yad­ing Nature Reserve in Sechuan — 4 Tage Trekking — und zurück nach Cheng­du
15.09.2015 — Von Cheng­du, evtl. über Lhasa, nach Nepal fliegen

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