Ellmauer Halt: Durch Felswelten auf den höchsten Gipfel des Wilden Kaisers

Posted: 1. Juli 2016

Die Ell­mauer Halt ist mit 2.344m der höch­ste Gipfel im Wilden Kaiser. Die wun­der­schöne Tour mit viel freier Klet­terei und draht­seil­ver­sicherten Pas­sagen im Fels bietet einen fan­tastis­chen Run­dum­blick über die zwei Kaiserge­birge. Die Tour benötigt beste Wet­terbe­din­gun­gen, da sie dur­chaus nicht ein­fach ist. Wir haben Glück, der aus­gewählte Fre­itag wartet mit Kaiser­wet­ter auf.

Die erste Tour in unseren Alpen für mich seit einem Jahr, seit der großen Wel­treise von der wir erst vor zwei Wochen zurück­gekehrt sind. Den ersten arbeit­slosen Fre­itag will ich nutzen und wir haben uns die Ell­mauer Halt aus­ge­sucht, den höch­sten Gipfel im Wilden Kaiser. Ein gebühren­der Start in die heimis­che Alpen­welt, die mir trotz all der schö­nen Gipfel der Welt dur­chaus gefehlt hat.

Los geht’s an der Wochen­brun­ner Alm, zu der eine 4€-teure Maut­straße führt. Hier stellen wir das Auto ab und schnüren unsere Bergstiefel. Wir haben den süd­seit­i­gen Anstieg über den Gam­sänger­steig gewählt. Der Weg führt ober­halb der Grut­ten­hütte durch eine grandiose Fel­s­land­schaft, bietet viel Krax­elei und wun­der­bare Aus­blicke.

Der ein­fache Wan­der­weg führt mal mehr und mal weniger steil hin­auf durch den Wald Rich­tung Grut­ten­hütte. Die Vögel zwitsch­ern früh am Vor­mit­tag, die ersten Son­nen­strahlen kämpfen sich durch den Dun­st, der noch in den Tälern hängt und sich langsam verzieht. In Ser­pen­ti­nen geht es nun im freien Gelände hin­auf zur Grut­ten­hütte, die wir nach etwa ein­er Stunde erre­icht haben. Die Hütte ist wun­der­schön gele­gen, einem Amphithe­ater gle­ich ist sie von beein­druck­enden Fel­swän­den umgeben, vor uns liegen Kitzbühel­er Alpen, Groß­glock­n­er und Großvenedi­ger. Wir machen eine Pause in der wir uns mit Gum­mibärchen stärken. Hin­ter der Hütte führt ein Pfad aufwärts und quert in den hin­ter­sten Kessel, wo noch immer ein paar Schneer­este liegen. Hier fol­gt der Ein­stieg zum Gam­sänger­steig.

Wir leg­en unser Klet­ter­steigset an, denn hin und wieder sollen draht­seil­ver­sicherte Stellen kom­men an denen man sich sich­ern kann. Offiziell läuft der Steig als Klet­ter­steig, jedoch find­en sich recht wenig Sicherun­gen um ihn als solchen durchge­hen zu lassen. Ungesicherte Klet­terei im I. Grad sollte sich also auf jeden Fall im Reper­toire des Berg­steigers befind­en, der diese Tour wählt. Über ein paar freie als auch gesicherte Klet­ter­stellen über Schro­fen­gelände erre­ichen wir die Jäger­stiege, wo kuriose Dop­pel­bügel in ein­er Fel­swand ange­bracht sind und ober­halb ein­er Rinne draht­seil­ver­sichert an der Wand ent­lang leit­en. Da diese Rinne als Stein­schlag und Abrutschge­fährdet gilt, dient der Jäger­steig der Sicher­heit des Wan­deres. Weit­ere Klet­terei führt uns bergauf bis wir auf eine Abzwei­gung tre­f­fen.

Hier gibt es zwei Möglichkeit­en: Durch eine schat­tige Rinne und über eine Leite hin­auf oder in einem lufti­gen, exponierten Riß in ein­er senkrecht­en Wand hin­auf. Wir entschei­den uns für die zweite Vari­ante, die ver­mut­lich anspruchsvoller ist, da aus­ge­set­zter. Es gibt die ein oder andere heik­le Stelle, bei der ich mir beim Hin­aufge­hen schon Sor­gen mache wie wir das gle­iche wieder run­terkom­men. Es gibt zwar Draht­seil­ver­sicherun­gen, die sind aber nicht immer nüt­zlich, jeden­falls nicht mir, denn sie sind nicht dort ange­bracht wo ich meinen Weg bestre­ite. Nach dem Riß geht’s ins Schro­fen­gelände und die Wege vere­inen sich wieder. Das Schwierig­ste liegt nun hin­ter uns.

Das Gipfelkreuz ist nun schon im Blick, eine weit­ere Felsstufe führt uns zu ein­er kleinen im Fels ver­steck­ten Hütte, die Baben­stu­ber Hütte, die als Not­bi­wak unter­halb des Gipfels dient. Rechts vor­bei über eine finale Felsstufe gelan­gen wir auf den höch­sten aller Gipfel des Wilden Kaisers mit her­rlichem Run­dum­blick. Außer uns sind noch ein paar andere Leute am Gipfel, all­ge­mein ist doch recht viel los für einen Fre­itag. Offen­bar haben auch andere das gute Wet­ter genutzt. Kaum auszu­malen, was hier an einem Woch­enende los sein mag. Ein Helm ist hier auf jeden Fall Pflicht, denn das Gelände ist stein­schlagge­fährdet, vor allem wenn viel began­gen.

Wir genießen den Aus­blick auf die umliegende Berg­land­schaft. Hohe Tauern bis zu den Ziller­talern und Stubaier Alpen. Auch die Nah­blicke auf das Kaiserge­birge sind nicht zu ver­acht­en, schwindel­er­re­gende Tief­blicke inklu­sive. Im Tal ist die Aus­sicht etwas wolken­ver­hangen ist. Dafür brutzelte uns beim Auf­stieg durch den Fels die Sonne nicht so sehr auf den Pelz. Als wir absteigen ändert sich das und die Sonne knallt herunter. Auf gle­ichem Weg geht’s wieder hinab. Die Klet­ter­steilen, die mir beim Auf­stieg Anlass zur Sorge gegeben haben, sind im Abstieg tat­säch­lich gar kein Prob­lem. Das ist auch immer anders, je nach­dem welche Griffe und Tritte man ger­ade find­et und ver­wen­det. An der Grut­ten­hütte wartet ein küh­les Radler auf uns!

Unsere Berge sind schon was ganz beson­deres. Nir­gends anders hat man eine so gute Infra­struk­tur, lassen sich auch tech­nisch anspruchsvolle Gipfel ver­hält­nis­mäßig ein­fach bewälti­gen ohne gle­ich eine ganze Expe­di­tion pla­nen zu müssen. Auf fast jeden Gipfel der Alpen führt ein Pfad, egal wie klein oder schwierig er sein mag. Und die vie­len Hüt­ten bieten einen gute Stützpunk­te, sodass man keine Pferde oder Lamas für das Mehrtages­gepäck benötigt. Ich bin schon ein biss­chen froh wieder hier zu sein!


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Ell­mauer Halt (2.344m)

Gehzeit: 6h
Höhen­meter: 1.300 hm
Aus­gangspunkt: Wochen­brun­ner Alm (Maut­straße 4€), Ell­mau, Öster­re­ich
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern / I. Grad (UIAA) / Klet­ter­steig A/B
Mehr zur Tour gibt’s hier.

 

 

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