Sass Rigais: Erstürmung des ersten 3.000ers!

Posted: 4. Oktober 2013 by Annika

Mit dem 3. Okto­ber ste­ht mal wieder ein Feiertag an, der sich in Verbindung mit einem Brück­en­tag fan­tastisch für Berg­touren eignet. Geplantes Ziel sind die Dolomiten — wir wollen den Sass Rigais in der Geis­ler­gruppe sowie den Piz Boe in der Sel­l­a­gruppe erstür­men — bei­des 3.000er. Wohlbe­merkt meine ersten 3.000er-Berge, die ich zu Fuß in Angriff nehme. Die Vor­freude ist groß.

Am Mittwochabend geht’s los Rich­tung Ital­ien. Ich ver­bringe die meiste Zeit schlafend und so sind wir schnell am Ziel — dem Park­platz am Aus­gangspunkt der Wan­derung auf den Sass Rigais (3.025m). Wir zel­ten etwas über­halb des Park­platzes, von Gestrüpp geschützt. Wir haben eine fan­tastis­che Sicht auf den Ster­nen­him­mel, die kom­plette Milch­straße. Wun­der­schön! Eine per­fek­te Ein­stim­mung auf die näch­sten vier Tage.

Aufstieg zur Regensburger Hütte über Sylvester Scharte

Mor­gens begeben wir uns dann mit unserem schw­eren Gepäck hin­auf. Wir laufen nicht direkt zur Regens­burg­er Hütte, son­dern machen einen Schlenker über die Ste­via Hütte. Es geht an ein­er steilen Fel­swand vor­bei über Schot­ter, Hang­querung und an der schö­nen Sylvester Scharte ent­lang. Wir gelan­gen über die Wolken und genießen die wun­der­schöne Aus­sicht auf das Tal von Wolken­stein. Das Wet­ter ist per­fekt, nur die Ruck­säcke zehren an unseren Kräften.

Da wir pla­nen draußen im Zelt zu über­nacht­en, ist der Ruck­sack deut­lich schw­er­er als gewöhn­lich. Nach dem steilen Anstieg, geht es nun wieder steil bergab zur Regens­burg­er Hütte auf 2.037m. Hier gön­nen wir uns eine Mit­tagspause mit Brotzeitschmankerln, Apfel­strudel und Weißbier.

Zelten am Sass Rigais

Etwas müde vom Weiß­bier gewor­den, steigen wir nun noch ein weit­eres Stückchen hin­auf Rich­tung Sas Rigais, das Ziel für unseren morgi­gen Tag, und find­en schnell einen per­fek­ten Zelt­platz. Eine große flache Wiese auf einem Hoch­plateau, mit Aus­sicht und Bank. Fehlt eigentlich nur der Bach. Wir müssen für’s Erste mit dem Wass­er auskom­men, das wir haben.

Nach einem kleinen Schläfchen, während die Jungs für Feuer­holz sor­gen, begeben wir uns noch auf einen kleinen Spazier­gang in der Umge­bung. Vor­rangig um eine Stelle zu find­en an der wir eine kleine Abseilübung machen kön­nen. Jacky hat ein neues Halb­seil gekauft um sich im Zweifels­fall abseilen zu kön­nen wenn’s schwierig wird. Dies wollen wir nun ein­mal austesten. Wir find­en einen Schot­ter­ab­hang mit mod­er­ater Stei­gung und pro­bieren hier ver­schiedene Tech­niken mit Tube und Abseilachter aus. Dabei find­en wir viele wol­lig-weiß­filzige Edel­weiße, die hier fast wie Unkraut wach­sen. Die Begeis­terung über die Funde ist groß. Unten in der kleinen Schot­ter­schlucht befind­et sich ein einzel­ner Riesen­felsen, der die Größe eines Haus­es erre­icht. Man mag sich gar nicht aus­malen, dass der hier ein­mal run­tergekracht sein muss.

Es wird sehr kalt, die Wolken kriechen her­bei und hüllen uns kom­plett ein. Wir begeben uns zurück zu unserem Lager, die Jungs ver­suchen geduldig aus dem nassen, riesi­gen Holzteilen ein Feuer zu zaubern, was ihnen nach gefühlten zwei Stun­den auch gelingt. Wir essen unsere Out­doormahlzeit­en, genießen den Abend kuscheln uns in unsere Schlaf­säcke und wär­men uns am endlich auf­flam­menden Feuer. Was für ein per­fek­ter Abend!

 

Sass Rigais

Am näch­sten Tag brechen wir unsere Zelte ab, sortieren unsere Ruck­säcke um, sodass wir alles Unnütze rauswer­fen kön­nen und mit leichtem Gepäck den Anstieg auf den Sass Rigais in Angriff nehmen. Die restlichen Ruck­säcke ver­steck­en wir in ein­er kleinen Kuh­le unter­halb des Fels­mas­sivs und begin­nen dann den lan­gen, sehr steilen Zustieg über Schot­ter zum Klet­ter­steig. Wir steigen über den Ost­grat auf, unter uns wabern die Wolken und ver­ber­gen das Tal. Es sieht aus wie ein Meer aus dem die Berggipfel wie Inselchen her­aus ragen. Schon der Zustieg ist kräftezehrend. Auf dem Sat­tel machen wir kurz Pause und genießen den weit­en Blick in die Land­schaft und auf das Wolken­meer. Neben uns ragt die spitze Furchet­ta auf.

Dann geht’s noch ein weit­eres Stück über ungesicherte Schro­fen­pas­sagen im I. Grad bis zum Ein­stieg in den mit­telschw­eren Klet­ter­steig (A/B/C). Nach einem Auf­schwung und ein­er Querung geht es über bröck­e­liges Gebi­et bis zur Schlüs­sel­stelle. Mit Trit­ten ist diese Stelle aber auch ein­fach zu meis­tern. Durch Rin­nen und über Schro­fen geht es immer weit­er unschwierig bergauf, eine Sicherung ist nur zeitweise notwendig. An ein­er etwas aben­teuer­licheren Stelle muss man einen großen Spreizschritt über einen Abgrund wagen, danach geht es wieder über ungesichertes Gelände weit­er. Schon bald sicht­en wir das Gipfelkreuz und steigen ihm steil entgegen.

Was für ein Gefühl! Unser erster 3.000er ist bezwun­gen! Wir sind glück­lich, genießen den fan­tastis­chen Aus­blick. Die Wolken haben sich etwas zurück gezo­gen und ermöglichen einen fan­tastis­chen Aus­blick ins Vill­nöß und Gröd­ner Tal, die zerk­lüftete Fel­s­land­schaft bre­it­et sich vor uns aus. Von hier aus kann man bis zur Sel­l­a­gruppe schauen, wo sich auch unser Ziel für die näch­ste 2‑Tagestour befind­et — der Piz Boe, weit­er über die Puezspitzen, Langkofel und viele mehr.

 

Abstiegüber den Klettersteig

Der Abstieg erfol­gt über den Süd­west-Grat (A/B). Luftig und aus­ge­set­zt geht es im Zick­za­ck hinab. Über den Grat geht es dann in die Wand und von unten betra­chtet kann man in dieser Land­schaft kaum glauben, dass man dort eben irgend­wo durchgestiegen sein muss. Das Gelände sieht so feindlich aus, aber auch sehr faszinierend, vor strahlend blauem Him­mel. Ich liebe die Felsen, sie sind meine Welt! Ich füh­le mich wie eine Gams, die in Winde­seile durch die Felsen hüpft. In Ser­pen­ti­nen geht es dann hin­unter, dann über eine Schlucht und wenig ver­trauenser­weck­enden Holzbret­tern zwis­chen rötlichen Tür­men zurück in zu unserem Ausgangsort.

Wir lesen unsere Ruck­säcke auf und gehen dann hinab zur Alm, wo wir unseren Erfolg feiern. Eine Schaukel­runde später, ziehen die Wolken vom Tal hin­auf und nehmen uns die Sicht und Wärme. Wir begeben uns zum Abstieg, hinab in die tiefe Wolken­schicht. Das Tal unten hat den ganzen Tag kaum Sonne gese­hen, da es unter der Wolk­endecke gesteckt hat. Etwas ungemütlich geht es hier nun zügig bis zum Auto und dann fahren wir zum Gröd­ner Joch, unserem Aus­gang­sort für die näch­ste Tour.

Die Wolken reißen etwas höher wieder auf und gibt uns eine wun­der­schöne Sicht auf die abendlichen Dolomiten-Mas­sive. Wir find­en einen geeigneten Platz für unsere Zelte etwas über­halb des Park­platzes in Daunei, direkt neben dem Wan­der­weg und schla­gen unser Lager auf. Die Wolken kom­men hier allerd­ings wieder und hüllen uns tief ein, ver­ber­gen dadurch aber immer­hin unsere Zelte sehr gut. Dann suchen wir eine Pizze­ria in Wolken­stein auf und schla­gen uns ordentlich die Bäuche voll.

Durchkreuzte Pläne

Der näch­ste Tag begin­nt vielver­sprechend mit schönem Son­nenauf­gang. Wir mumpfeln unser Müs­li und bere­it­en uns auf die bevorste­hende Tour vor. Dann jedoch schwingt das Wet­ter plöt­zlich um und Regen begin­nt auf das Zelt­dach zu tröpfeln. Wir ziehen uns in unsere Zelte zurück und warten. Warten darauf, dass der Regen wieder aufhört. Es reg­net sich jedoch so richtig schön ein und einen Blick auf den Wet­ter­bericht später, tre­f­fen wir gegen Mit­tag die Entschei­dung abzubrechen und zurück nach München zu fahren. Sehr schade, aber wir sind trotz­dem sehr glück­lich über die gelun­gene erste Tour. Das Wet­ter oben kön­nte zwar etwas bess­er sein, aber nass­er Fels ist bei I.er bis II.er Gelände auch nur bed­ingt von Vorteil.

Wir suchen nochmal unsere Pizze­ria von gestern Abend auf um dann den staugeprägten Heimweg nach München anzutreten. Was für eine wun­der­schöne Tour! 3.000er mit Weit­blick, Fel­s­land­schaft, pures Out­door-Leben im Zelt — wie ich es liebe. Das schwere Gepäck ist es defin­i­tiv wert, denn solche Momente sind für die Ewigkeit.


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Sass Rigais über Regens­burg­er Hütte (3.025m)
Gehzeit: 7,5h
Höhen­meter: 1.500 hm
Aus­gangspunkt: St. Christina
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern / I. Grad

FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Monte Altissi­mo de Nago über Mal­ga Cam­po (2.079m)
Gehzeit: 4–4,5h
Höhen­meter: 780hm
Aus­gangspunkt: Von Nago Rich­tung Monte Bal­do bis zum Wan­der­park­platz (1.550m)
Schwierigkeit: T2 — BergwandernMerken

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