Australien: Fraser Island mit Low Budget erkunden — Fraser Island Great Walk

Posted: 3. Oktober 2018

Fras­er Island ist die größte Sandin­sel der Welt und der einzige Ort wo Regen­wald auf Sand wächst. Dur­chaus einen Besuch wert, wenn die Touren oder das Lei­hen eines All­radau­tos nicht so teuer wären. Eine fan­tastis­che Alter­na­tive die Insel ken­nen­zuler­nen ist es sie ein­fach zu durch­laufen, was dazu auch fast nichts kostet. Der Fras­er Island Great Walk führt euch zu den High­lights der Insel sowie Sehenswürdigkeit­en, die man auf ein­er Tour nicht zu sehen bekäme. Verknüpft mit weit­eren Wan­der­we­gen ließe sich sog­ar die gesamte Insel durch­schre­it­en.

Nach Fras­er Island wollte ich schon bei meinem let­zten Besuch von Aus­traliens Ostküste. Die Touren waren mir aber schlichtweg zu teuer, denn die Insel kann nur mit All­rad­fahrzeu­gen befahren wer­den. Fras­er Island bietet neben einem Haufen Sand auch Regen­wald, Baum­riesen, glasklare Seen und wilde Tiere. K’gari wird die Insel von den Aboriniges genan­nt, was so viel wie “Paradies” bedeutet.

Die Fähre ist für Fußgänger kosten­los, zum Aus­gangspunkt der Tour kann man leicht tram­p­en und eine Über­nach­tung auf den Zelt­plätzen kostet nur 6 AUD pro Per­son. Einziger Wer­mut­stropfen ist, dass man diese im Voraus buchen muss. Es gibt auch die Möglichkeit mit einem Taxi zu den Aus­gangspunk­ten des Tracks zu fahren, das kostet aber mit beispiel­sweise 130 AUD von der Fähre nach Dili Vil­lage recht viel. Wenn man allerd­ings fünf Leute zusam­men bekäme, ist der Preis in Ord­nung.

Der Fras­er Island Great Walk ist ins­ge­samt 90km und offiziell heißt es, dass man 6–8 Tage dafür bräuchte. Aber auch in vier Tagen lässt sich der Track gut gehen. Die offiziell angeg­be­nen Zeit­en sind extrem großzügig gefasst — wer fit ist kann lock­er mit 4–5km/h vorankom­men. Der Track ist über­all gut markiert und ein­fach auf sandi­gem Wald­bo­den zu gehen. Es ist also für jeden zu schaf­fen.

Campin­gaus­rüs­tung und Zelt müssen kom­plett mtige­führt wer­den, denn es gibt unter­wegs keine Möglichkeit­en außer­halb des Zelts zu über­nacht­en oder zu speisen. Wass­er gibt es jedoch an jedem Camp­ing­platz und auch auf dem Track. Zu bedenken ist, dass es extrem warm wer­den kann, weshalb ich Früh­ling oder Herb­st für den Great Walk empfehlen würde. Da ist es auch deut­lich ruhiger. Auf dem ganzen Trail begeg­nen wir nur weni­gen Wan­der­ern, lediglich am Lake McKen­zie ist durch Tages­touris­ten mehr los. Ich war froh, dass wir den Trail Ende des Herb­st gemacht haben, da es schon so heiß genug war und man den Lake McKen­zie im Som­mer wahrschein­lich vor lauter Leuten kaum noch erken­nen kann.

Anreise

Wir parken das Auto am Ende der Teer­straße am Inskip Point am Rain­bow Beach. Von hier aus sind es nur ein paar hun­dert Meter über den Sand zur Fähre. Einige Leute fis­chen hier ud ein Pirat mit Holzbein und Papagei sitzt am Strand. Die Fähre set­zt am Sand auf und nimmt neben uns einen großen Tour­bus und zwei All­rad­fahrzeuge mit. Allerd­ings haben wir kein Glück, denn sie sind bei­de voll udn der Tour­bus darf keine Pas­sagiere mit­nehmen. Egal, es wer­den noch genug Autos an uns vor­beikom­men.

Auf der anderen Seite begin­nen wir am Strand langzu­laufen. Die Sonne knallt hier auf der offe­nen Fläche mächtig und ich ger­ate schnell ins Schwitzen. Zu allem Über­fluss habe ich vergessen mein Wass­er aufzufüllen — keine gute Idee in so einem Gelände. Bald über­holen wir die Autos von der Fähre, denn die Flut und Treib­holz hin­dern sie am Weit­er­fahren. Wir spazieren am Meer ent­lang und kom­men zu enem großen Schwarm Möwen. Während wir sie beobacht­en kommt ein Auto auf uns zu und ich strecke den Dau­men raus. Tat­säch­lich hält er an — Juhu! Wir fahren mit ihm bis zum Abzweig nach Dili Vil­lage und laufen ein Stück ins “Dorf”, das eigentlich nur aus einem Camp­ing­platz beste­ht. Dort bekomme ich aber immer­hin Wass­er.

Der Fraser Island Great Walk

1. Dilli Village bis Lake Benaroon

13,5km / 3h
Inklu­sive Marsch am Strand: 20km / 4h 

Von hier startet nun der Great Walk, der größ­ten­teils durch Busch führt. Die Wege sind mit Laub bedeck­ter Sand­bo­den und lassen sich gut gehen, sodass wir schnell voran kom­men. Kein Ver­gle­ich mit dem neuseeländis­chen Busch. Immer wieder geht es auf und ab in mäßiger Höhe — immer­hin liegt der höch­ste Punkt der Insel auf 244m. Wir kom­men heute auf 147m.

Mit­ten im Wald stoßen wir plöt­zlich auf eine offene Fläche mit Sand­dü­nen — ein soge­nan­nter Sand­blow. Lädt zum Sand­boar­d­en ein, wenn man eins bis hier­her geschleppt hätte. Wir marschieren weit­er durch den Busch und gelan­gen zum Lake Booman­jin, einem großen See mit Sand­strand. Wir gehen ein Stück am See ent­lang und queren dabei kleine Ströme, die rot von Min­er­alien gefärbt sind. Viele Vögel haben sich hier niederge­lassen und wir ent­deck­en sog­ar einen großen Adler in einem Baum, der über einen erbeuteten Raben wacht. Als er sich von uns gestört fühlt, macht er sich mit­samt sein­er Beute davon, schw­er­fäl­lig fliegend mit dem Gewicht an den Klauen.

Dann geht es wieder in den Busch hinei­n­und hinüber zu unserem Ziel — dem Lake Bena­roon. Diesen erre­ichen wir nach etwa ein­er Stunde, genau zur richti­gen Zeit um noch im Hellen das Zelt aufzustellen und essen zu kön­nen. Der glat­te See spiegelt seine waldige Umge­bung und der Son­nenun­ter­gang zaubert rosa Schleier in den Him­mel.

2. Lake Benaroon bis Lake McKenzie

14,1km / 3,5h

Am Mor­gen finde ich Din­gospuren im Sand und nicht weit vom Zelt ent­fer­nt einen mein­er Schuhe. Offen­sichtlich hat­ten wir heute Nacht Besuch. Glück gehabt, dass mein Schuh keine weit­ere Reise ange­treten hat. Viele der Zelt­plätze sind umzäunt oder haben eine Din­gob­ox in die man sein Essen pack­en sollte um so etwas zu ver­mei­den.

Wir starten wieder in den Busch und erre­ichen nach kurz­er Zeit Lake Birrabeen. Über einen Hügel gelan­gen wir zur Cen­tral Sta­tion, wo wir Mit­tagspause machen. Mehr als einen Camp­ing­platz gibt es hier allerd­ings nicht. Wir gehen wieder in den Busch und müssen dies­mal aber an ein paar auf den Weg gestürzte Bäume vor­bei gehen. Wir kom­men am kleinen Lake Basin vor­bei und erre­ichen nach ein­er weit­eren Stunde das Camp am Lake McKen­zie.

Hier ist es nun vor­bei mit der Ruhe. Ein paar Tour­grup­pen haben den See bere­its in Beschlag genom­men — mit Musik und ein­er Drohne. Trotz­dem ist es hhi­er wun­der­schön. Weißer fein­er sand und glasklares Wass­er. Nach einem guten Bad im See machen wir ein kleines Nick­erchen in der Sonne. Zwei Cider gönne ich mir heute, die ich bis hier­her geschleppt habe. Nur krakel­nden Jugendlichen auf dem Zelt­platz ver­lei­den uns ein biss­chen das Natur­erleb­nis.

3. Lake McKenzie bis Valley of the Giants

29,8km / 6,5h 

Schon früh weck­en uns die Jugendlichen aus unserem Schlaf. Da wir heute aber früher raus­wollen um die geplanten 28km im Hellen hin­ter uns zu brin­gen passt das aber ganz gut. Wir brechen Rich­tung Lake Wab­by auf. Der See wird von ein­er riesi­gen Sand­düne flankiret, die den See igend­wann vere­in­nah­men wird. Wir machen nur kurz Pause am Look­out und marschieren dann weit­er — es liegen noch viele Kilo­me­ter vor uns.

Der Busch wird langsam feuchter und üppiger. Wieder liegen einige Bäume im Weg und einige davon sind faszinierend groß. Die meis­ten dieser großen Bäume wur­den allerd­ings abge­holzt bevor das Gebi­et zum Naturschutzge­bi­et und Nation­al­park wurde. Nun kann man nur hin und wieder Relik­te der Bäume inform von mächti­gen Stäm­men sehen. Wir marschieren träu­mend vor uns hin während die Vögel um uns herum zwitsch­ern.

Wir machen Mit­tagspause im Wald bei der wir ganz schön von Moski­tos attack­iert wer­den. Wir flücht­en weit­er Rich­tung Val­ley of the Giants. Dabei kom­men wir an riesi­gen Bäu­men vor­bei, nach denen das Tal benan­nt ist. Es sind Ver­wandte der neuseeländis­chen Kau­ris und bedeck­ten einst die ganze Insel bevor sie abge­holzt wur­den.

Etwa auf der Hälfte gelan­gen wir zu einem weit­eren großen Sand­blow. Von hier ist es nun noch etwa eine Stunde zum Camp mit­ten im Wald. Dieser wird lei­der auch stark von Moski­tos fre­quen­tiert, weshalb wir uns soviel wie möglich anziehen müssen um nicht gestochen zu wer­den, was sich freilich trotz aller Gegen­maß­nah­men nicht ver­hin­dern lässt.

Ich mache eine Katzen­wäsche am Waser­hahn, denn einen See gibt es trotz der vie­len Moski­tos hier nicht. Am Abend schle­ichen die Din­gos um unser Zelt, später reg­net es heftig.

4. Valley of the Giants bis Happy Valley inklusive Strandspaziergang

19,7km / 4h
Inklu­sive Marsch am Strand: 30km

Wir ste­hen früh auf und früh­stück­en mit den Moski­tos. Eine Leg­gins ist offen­bar kein guter Schutz, denn sie stechen ein­fach hin­durch. Wir leg­en die ersten 13km zum Lake Gara­wongera zurück wo wir eine Pause ein­le­gen. Wir tre­f­fen auf eine deutsche Fam­i­lie am See. Länge hält es uns jedoch nicht hier, denn das Restau­rant im Hap­py Val­ley ver­lockt uns zu sehr. Dort kom­men wir nach etwa ein­er Stunde an und bestellen uns unge­sun­des Essen und Cider. Irgend­wie bekomme ich immer Lust auf Burg­er wenn ich wan­dere.

Danach gehen wir zurück ans Meer und laufen am Strand ent­lang Rich­tung Süden zurück in der Hoff­nung ein Auto anhal­ten zu kön­nen. Die meis­ten die an uns vor­beifahren sind jedoch bere­its voll. Nach 10km am Strand und einen Din­go später hat noch immer kein­er für uns ange­hal­ten. Schließlich hält ein Auto mit ein­er Gruppe Deutsch­er, die zum Lake McKen­zie wollen und uns immer­hin bis nach Eurong mit­nehmen. Dort angekom­men tre­f­fen wir auf einen weit­eren Din­go und gehen dann nach Eurong hinein um dort zu nächti­gen, denn zur Fähre schaf­fen wir es nun nicht mehr. Eurong beste­ht aus einem kleinen Shop, ein­er Bäck­erei, Tankstelle und einem Resort, wo wir uns ein Zim­mer nehmen. Am Abend essen wir im dazu gehöri­gen Restau­rant bis unsere Bäuche zu platzen dro­hen. Während­de­sen fängt es heftig an zu reg­nen und wir sind froh nicht im Zelt zu sein.

Zurück zur Fähre

8km / 1,5h

Wir ste­hen wieder früh auf um den ganzen Tag Zeit zu haben an einen Lift zu kom­men oder die restlichen 30km zu laufen. Es ist bewölkt und windig heute. Wir stapfen am Strand ent­lang und obwohl einige Autos mit genug Platz an uns vor­beikom­men, nimmt uns kein­er mit. Es ist ent­muti­gend. Nach ein­er Weile kommt ein Din­go auf uns zu und hat offen­bar mich als schwäch­stes Glied auserko­ren. Er kommt immer näher und begin­nt zu knur­ren. Weit und bre­it ist kein Men­sch und kein Auto zu sehen. Eigentlich soll man ein­fach still ste­hen bleiben und abwarten um sie nicht zu ani­mieren, aber dieser gibt keine Ruhe, sodass mein Touren­part­ner immer wieder ver­sucht ihn zu ver­scheuchen. Nach ein­er weile lässt er uns dann in Ruhe und ich atme erle­ichtert auf.

Kurz darauf hält endlich ein Wagen an und nimmt uns mit — zwei Män­ner mit zwei Kindern. Sie fahren eben­falls zur Fähre und ich bin glück­lich endlich eine Mit­fahrgele­gen­heit gefun­den zu haben. Kurz nach­dem wir ein­steigen fängt es an zu reg­nen und ich bin dop­pelt froh. Wahnsinn, wie schnell es mit dem Auto geht. Sie brin­gen uns sog­ar bis zum Park­platz unseren Autos und wir machen noch ein Self­ie zusam­men.


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour Fras­er Island Great Walk
Gehzeit: vier bis sechs Tage
Länge: ca. 80km
Gesam­tanstieg: ca. 1.885hm
Aus­gangspunkt: Dili Vil­lage oder Hap­py Val­ley auf Fras­er Island
Schwierigkeit: Leicht
Zelt­plätze auf dem Great Walk: 7 für 6 AUD pro Nacht und Per­son

Mehr Infos zum Fras­er Island Great Walk »

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