Malaysia: Gipfelsturm auf den ersten 4.000er

Posted: 30. September 2014

Mount Kin­a­balu ist 4.095m hoch und somit der höch­ste Berg Südostasiens. Obwohl er tech­nisch nicht schwierig ist, so muss man ihn doch mit einem Guide besteigen, braucht auch ein spezielles “Climb­ing Per­mit” und eine Unterkun­ft oben. Das span­nen­ste bei dieser Bestei­gung auf einen 4.000er ist jedoch, dass man beim Auf­stieg durch alle Veg­e­ta­tion­szo­nen kommt, die man sich vorstellen kann — vom schweißtreiben­den Regen­wald bishin zu baum­losen Fel­swel­ten.

1. Etappe: Aufstieg zur Baumgrenze

Früh um 6 Uhr wer­den wir im Minibus zum Kin­a­balu Nation­al­park abge­holt. Außer uns sind noch vier andere im Bus, eine englis­che ältere Dame mit ihrer Tochter und ein junges spanis­ches Paar. Bald schon gelan­gen wir höher in die Berge und lassen die Wolken unter uns im Tal. Wir kom­men nach ca. zwei Stun­den am Head­quar­ter an und bekom­men unsere Ausweise, unser Lunch­paket und unser­ern Führer zugewiesen, dessen Vor­name zufäl­liger­weise Ana­nias ist. Kaum zu glauben — jemand der meinen Nach­na­men als Vor­na­men hat!

Dann fahren wir in einem weit­eren Minibus bis zum Start­punkt, dem Tim­po­hon Gate auf 1.866m. Dann geht es los, vor­bei an einem kleinen Wasser­fall und immer steil­er wer­dend. Alle 500 bis 1.000m erre­icht man eine Schutzhütte, jew­eils mit vie­len Eich­hörnchen besiedelt, die auf Leck­ereien hof­fen.

Auf dem sehr steilen Weg kom­men wir bald ins Schwitzen. Es ist heiß und feucht, der Weg mit Wurzeln, Steinen und Stufen durch­set­zt. Neben Touris­ten gehen auch viele Ein­heimis­che den Berg hin­auf. Wir starten noch in feucht-heißem Bergre­gen­wald, der von Eichen, Kas­tanien und tro­pis­chen Nadel­hölz­ern dominiert wird. Wir gelan­gen bald in soge­nan­nten “Nebel­wald”, der genau­so aussieht wie er heißt. Ein tro­pis­ch­er Wald, der durch seine Feuchtigkeit stets in Wolken oder Nebel ver­schwindet und der sich in tro­pis­chen Gefilden auf ca. 2.500 — 3.000m befind­et. Über­all wach­sen schöne Pflanzen. Im Kin­a­balu Nation­al­park gibt es fleis­chfressende Kan­nenpflanzen, Moose, Flecht­en, Mag­no­lien, Loor­beren, eine Vielzahl an Rhodo­den­dron- und Orchideenarten.

Ab der Hälfte begin­nt es zu reg­nen, wir müssen uns schon bald in unsere Regen­jack­en hüllen, was nicht eben dazu beiträgt weniger zu schwitzen. Es wird zwar mit jedem zurück­gelegten Höhen­meter küh­ler, aber die hohe Luft­feuchtigkeit bleibt (immer zwis­chen 85 und 95%!). Wir stellen uns ein wenig bei ein­er Schutzhütte unter und essen unser Mit­tag, beste­hend aus Sand­wich und Bana­nen. Unter­wegs tre­f­fen wir auf viele Träger. Jegliche Liefer­ung für Laban Ratan wer­den von ihnen gebracht, da es keine andere Trans­port­möglichkeit gibt. Sie tra­gen oft über 35kg auf ihren Rück­en. Auch einige Läufer, die für den “Climbat­hon” im Okto­ber trainieren, tre­f­fen wir an. Jedes Jahr messen sich hier alle möglichen Ultra­trail Läufer. Der schnell­ste war in 2:11h am Gipfel und wieder unten. Ver­rückt! Wo wir ger­ade von ver­rückt sprechen… Dieser Mann, der in 2:11h hoch und wieder runter ger­an­nt ist, war übri­gens Kil­ian Jor­net in 2012. Was hat der eigentlich nicht gerockt?!

Nach etwa 4 Stun­den und 1.364hm kom­men wir bei den Hüt­ten von Laban Ratan auf 3.230m an. Man sieht man lei­der gar nichts von der weit­eren Umge­bung, alles ist in tiefen Wolken ver­sunken. Trotz der Höhe befind­et sich in diesen Bre­it­en­graden noch viel Veg­e­ta­tion: Bäume, Sträuch­er, Blu­men, denn die Baum­gren­ze befind­et sich erst auf 4.000m. Hier geht die Veg­e­ta­tion aber schon in Sträuch­er und Gräs­er über.

Wir beziehen unsere Unterkun­ft, das Lamaing Hos­tel, und nehmen eine Dusche. Die Dusche ist lei­der recht kalt. Ich fühl mich nun zwar sauber, aber mir ist danach fürchter­lich kalt und ich verziehe mich unter die wär­mende Bettdeck­en und wir leg­en ein Schläfchen ein. Aben­dessen gibt es erst ab 16 Uhr, wo wir uns dann gegen 17 Uhr hin­begeben. Das Buf­fet gibt es im großen Gäste­haus Laban Ratan, wo man sich ordentlich satt essen kann. Während des Aben­dessens verziehen sich langsam die Wolken und geben ein paar Blicke auf das Tal und umgebende Berge frei. Dann verza­ubert uns sog­ar noch ein wun­der­schön­er Son­nenun­ter­gang, der den Him­mel in alle Schat­tierun­gen von flam­menden Rot färbt.

Wir haben für unseren Trip (2 Tage, 1 Nacht) etwa 250 Euro pro Per­son gezahlt, wo bere­its alles inklu­sive ist (Trans­port, Essen, Unterkun­ft, oblig­a­torische Ver­sicherung, Climb­ing Per­mit, Guide). Etwas gün­stiger ist die Bud­get-Unterkun­ft wie wir sie hat­ten, wo es einen typ­is­chen Schlaf­saal gibt. Gebucht haben wir bei www.amazing-borneo.com.
Gün­stiger wird’s auch in größeren Grup­pen. In der Neben­sai­son muss nicht allzu lange im Voraus gebucht wer­den, in der Hoch­sai­son im Som­mer emp­fiehlt sich jedoch zeit­iges Buchen. Täglich starten über 100 Wan­der­er den Sturm auf den Mount Kin­a­balu.

2. Etappe: Gipfelsturm

Wir ste­hen früh um 1:30 Uhr auf. Ich habe schlecht geschlafen, bei jed­er Bewe­gung hat das Bett unglaublich laute Qui­etschgeräusche von sich gegeben, sodass ich glaube, dass außer mir auch alle anderen davon aufgewacht sein müssen. Um 2 Uhr gibt’s Früh­stück, dann geht es mit Stirn­lam­p­en bewaffnet los. Alle brechen gle­ichzeit­ig auf, was unweiger­lich zu Stau führt. Viele Stellen sind ger­ade bei den Trep­pen nicht zum Über­holen geeignet, wir schlän­geln uns aber bei jed­er Gele­gen­heit vor­bei. Heute mor­gen sind 800hm auf 2,7km zu bewälti­gen. Den Weg sehen wir im huschen­den Stirn­lam­p­en­schein vor uns, er wech­selt von Trep­pen­stufen, Steinen zu steilen Plat­ten, die mit Seilen gesichert sind. Über uns bre­it­et sich der Ster­nen­him­mel aus, unter uns sehen wir das Funkeln der Stadt.

Die Höhe macht sich langsam bemerk­bar, die steilen Plat­ten sind anstren­gend. Die let­zten Höhen­meter wer­den dann nochmal ordentlich steil, wir krax­eln über Felsen auf den Low’s Peak, dem höch­sten Gipfel des Mount Kin­a­balus.

Nach ca. 2,5h sind wir am Gipfel. Als ein­er der ersten sind wir oben und machen ein (lei­der ver­schwommenes) Gipfelfo­to in der Dunkel­heit. Es ist noch eine Stunde bis zum Son­nenauf­gang um 6 Uhr. Wir set­zen uns abseits und warten, bis das Licht des neuen Tages die Szener­ie erobert. Nach der Zeit wird das ziem­lich frisch. Immer mehr Leute kom­men am Gipfel an. Es wird dann immer heller, aber vom Son­nenauf­gang sehen wir auf­grund der Wolken nichts. Trotz­dem sehen wir viel von der umgeben­den Berg­welt und den weit­eren Gipfeln. Um die weit­eren Gipfel zu erobern, bräuchte man ein spezielles Climb­ing Per­mit, was nur an 8 Leute täglich aus­gegeben wird. Ein Seil wäre dann wohl auch von Vorteil. Dann aber bricht die gold­ene Stunde an, der Him­mel klart auf und wir haben wun­der­schönes Licht.

Wir bestaunen aus­giebig die Umge­bung und steigen dann wieder bis Laban Ratan ab. Der Rück­weg stellt sich auf dem steilen Fels als anspruchsvoller dar. Die Seile haben nun ihre Berech­ti­gung. Trotz­dem sind die Felsen recht rutschfest durch ihre raue Struk­tur. Ich bin trotz­dem froh mehr als Turn­schuhe anzuhaben. Die Guides haben teil­weise nur Gum­mi­latschen, höch­stens Turn­schuhe. Aber die ken­nen jeden Schritt im Schlaf. Ana­nias, unser Guide, besteigt diesen Berg 4x wöchentlich, seit bere­its 6 Jahren. Das heißt er war schon über 500 Mal hier oben. Neben­bei sam­melt er Müll auf, sehr vor­bildlich! Die let­zten Stellen auf den Plat­ten wer­den nochmal etwas schwieriger, hier rutsche ich auch ein paar Mal. Ich bin froh über das Fix­seil.

3. Etappe: Abstieg

Unten bei der Hütte gibt es ein 2. Früh­stück, dann machen wir uns um 9 Uhr an den weit­eren Abstieg. Wieder tauchen wir in den Nebel­wald ein, aber dies­mal geht es sehr schnell hin­unter. Jed­er Meter, den wir uns hart erkämpft haben, ver­fliegt. Immer­hin ist die Strecke selb­st nicht lang. Viele Leute ren­nen sog­ar hinab. Wir lassen es etwas gemütlich­er und kni­escho­nen­der ange­hen.

Weiterfahrt nach Sandakan

Wir sind gegen Mit­tag unten, bekom­men unser Zer­ti­fikat für diese großar­tige Leis­tung und schwitzen hier unten wieder vor uns hin. Wir gehen zum Mit­tags-Buf­fet hinüber (Ver­hungern muss man hier defin­i­tiv nicht!). Dann erkundi­gen wir uns über einen möglichen Weit­er­weg nach San­dakan an der Ostküste Bor­neos, wo wir als näch­stes hin­wollen. Es ergibt wenig Sinn, zurück nach Kota Kin­a­balu zu fahren, da wir in Kin­a­balu bere­its ein Drit­tel des Weges nach San­dakan zurück­gelegt haben. Noch etwa vier weit­ere Stun­den dauert es mit dem Bus nach San­dakan. Es gibt wohl einen Bus, aber wann der hier vor­bei kommt, weiß kein­er. Genaue Zeit­pläne gibt es nicht. Wir sollen ein­fach an der Straße warten und den Bus ran­winken, wenn er vor­beikommt. Wir haben Glück und schon bald hält ein Minibus, der uns nach San­dakan mit­nimmt. Das ist recht gemütlich, da wir die einzi­gen Fahrgäste sind und mehr müssen wir auch nicht bezahlen.

Wir schlafen viel, ein­mal hal­ten wir an und wir trinken Cola, dann kom­men wir am Abend in San­dakan an. Wir check­en ins Hos­tel ein und gehen dann zum Aben­dessen raus. Wir speisen an einem Restau­rant am Hafen und laufen ein biss­chen am Hafen ent­lang. In San­dakan gibt es viele Tierchen, vor allem Kak­er­lak­en und Rat­ten. Beim Auf­bruch vom Hos­tel kick­en wir bei­de aus Verse­hen eine Rat­te. Erst erwis­che ich das pelzige Knäuel und kurz darauf Alex, der fest­stellt, dass es sich um eine Rat­te han­delt. Rat­ten kann ich ver­schmerzen, Kak­er­lak­en allerd­ings nicht. In meinen Flip Flops füh­le ich mich sehr unwohl. Wir kaufen noch Wass­er und begeben uns dann zur Bet­truhe.

 


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Mt. Kin­a­balu (4.095m)

Gehzeit: 11h, verteilt auf 2 Tage (4h Auf­stieg zur Hütte, 2,5h Auf­stieg zum Gipfel, 4h Abstieg)
Höhen­meter: 2300m
Aus­gangspunkt: Kin­a­balu Nation­al Park — Tim­pophon Gate (1.800m)
Schwierigkeit: T3 — anspruchsvolles Berg­wan­dern
Mehr zur Tour gibt’s hier.

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.