Guffert: Aussichtsberg im Rofan

Posted: 31. Juli 2017

Der 2.194m hohe Guf­fert ist ein­er der schön­sten Aus­sichts­berge im Voralpen­land und ein Muss für jeden ver­sierten Wan­der­er. Trotz sein­er gerin­gen Höhe bewirkt seine Eigen­ständigkeit ein fan­tastis­ches 360° Panora­ma über Rofan, Kaiser, Kar­wen­del, Blauberge, Tegernseer Berge und Chiem­gauer bishin zu den gletscherbe­deck­ten Gipfeln des Ziller­tals und der Hohen Tauern. Der Weg ist abwech­slungsre­ich und mit Klet­ter­stellen verse­hen. Ein Klas­sik­er und das völ­lig zurecht.

Ich lebe nun schon drei Jahren in München, aber bish­er blieb der Guf­fert von mir unbestiegen. Und das obwohl man das gewaltige Fels­mas­siv von vie­len Bergen in den Bayrischen Voralpen im Blick hat. Der Anblick der steilen Fel­swände kann dur­chaus Respekt ein­flößen, ist der Guf­fert aber den­noch eine ver­hält­nis­mäßig ein­fache Berg­tour. Je nach Anstiegsweg gibt es ein paar Klet­ter­stellen zu absolvieren, spätestens am Gipfe­lauf­bau muss die Hand an den Fels gelegt wer­den. Schwierigere Stellen sind allerd­ings mit einem Draht­seil gesichert. Den ersten Grad über­schre­it­et man dabei nie.

Wir starten, ungewöhn­lich für uns, heute früh. Zum einen weil das Wet­ter mor­gens am besten ange­sagt ist, zum anderen weil die Latschen­gassen über­halb der Baum­gren­ze dazu neigen sich in einen Back­ofen zu ver­wan­deln. Dafür sind wir schon am Vortag mit unserem Bus angereist in dem wir nahe des Aus­gangspunk­ts der Tour nächti­gen.

Aufstieg über die Südseite

Wir wählen den direk­ten Anstieg zum Guf­fert über den Bären­wald. Es geht die Straße rechts am Gasthaus Wald­häusl vor­bei und über die Brücke in den Wald. Immer wieder queren wir eine bre­ite Forststraße während wir einem Pfad fol­gen. Wir hören den Bach neben uns rauschen und Vögel zwitsch­ern. Es ist zwar noch recht kühl, aber schwül im Wald, weshalb der Schweiß uns schon bald von der Stirn tropft. So richtig fit bin ich auch nicht nach mein­er Erkäl­tung. Außer­dem habe ich das erste Mal seit Ewigkeit­en wieder die schw­eren Bergstiefel an. Wenn man ein­mal damit anfängt Trail­run­ningschuhe zu tra­gen will man nie wieder was anderes anhab­en.

Wir gelan­gen zu einem kleinen Wasser­fall und hin­ter ihm müssen wir über eine Felsstufe hin­auf klet­tern. Immer wieder fol­gen nun kleinere Krax­el­stellen auf feuchtem Fels. Kurz darauf ver­lassen wir den Wald und gelan­gen in die Sonne. Wir haben einen schö­nen Blick auf das unter uns liegende Stein­berg und den Unnütz auf der anderen Seite, an dem wir schon mal eine Ski­tour ver­sucht haben. Wir erre­ichen eine schot­trige Schneise, der wir in Ser­pen­ti­nen fol­gen. Nun fol­gen wir Latschen auf einen Vorgipfel und gehen weit­er durch Latschen­gassen bis zu ein­er Abzwei­gung zur Schmiedquelle, die wir allerd­ings rechts liegen lassen. Kurz darauf fol­gt eine erneute Abzwei­gung zum Lux­egg, die wir eben­falls rechts liegen lassen und weit­er hin­auf steigen. Von Latschen gelan­gen wir in schrofiges Wiesen­gelände und der Guf­fert baut sich vor uns auf.

Am Sat­tel tre­f­fen wir auf eine weit­ere Abzwei­gung zur Guf­fer­thütte. Von der Nord­seite kön­nte man sog­ar mit dem Moun­tain­bike bis zur Guf­fer­thütte fahren bis es dann zu Fuß weit­er geht. Hier kön­nen wir nun die gewalti­gen Fel­swände des Guf­ferts bestaunen. Ein paar Schäfchen haben es sich hier gemütlich gemacht und treten Steine im Hang los.

Zum Gipfel des Gufferts

Hier endet das Gehgelände und wir steigen in die Fel­swel­ten des Guf­ferts ein. Es gibt hier zahlre­iche Markierun­gen und man kann sich den für sich passenden Weg durch schrofiges Schot­tergelände wählen. Über den engen Grat geht es nun aus­ge­set­zt über ein paar Felsstufen. Die erste Draht­seil­sicherung fol­gt, die einem aber nicht wesentlich hil­ft. Bess­er ist es den Fels zu nutzen. Bald rückt das Gipfelkreuz in Sicht — es ist nicht mehr weit. Ein paar weit­ere Felsstufen gilt es zu überklet­tern, ein paar Draht­seile empor und schon ste­hen wir am Gipfel des Guf­ferts.

Der freis­te­hende Guf­fert zeigt uns seinen atem­ber­auben­den Aus­blick in alle Him­mel­srich­tun­gen. Lange kann man hier jeden einzel­nen Gipfel in der Ferne anse­hen. Von den Tegernseer Bergen und dem Rofan im Vorder­grund, bis zum Wen­del­stein in den Chiem­gauern weit­er hin­ten, die Sil­hou­et­ten des Wilden Kaisers erken­nend und bis zu den schneebe­deck­ten Gipfeln des Ziller­tals und der hohen Tauern. Ein wahnnsins Aus­blick! Ich frage mich warum ich solange gewartet habe hier rauf zu gehen.

Abstieg über Gufferstein/Luxegg

Für den Abstieg wählen wir den Weg über den Guf­fert­stein und Lux­egg um die Tour zu ein­er Rund­wan­derung zu machen. Nach dem Abklet­tern über die Felsen des Gipfel­bere­ichs gehen wir an der bere­its erwäh­n­ten Abzwei­gung weit­er ger­adeaus zum Lux­egg. Wir haben kein Wass­er mehr und set­zen auf die hiesige Schmiedquelle, die sich allerd­ings nicht als ergiebig erweist. Wir set­zen unseren Weg also ohne Wass­er fort und hof­fen, dass wir später im Wald auf Bäche tre­f­fen.

Nun gilt es aber erst­mal einen Gege­nanstieg von etwa 100hm zum latschen­be­wach­se­nen Guf­fert­stein zu bewälti­gen. Ich schnaufe in der Hitze den eigentlich eher in gemütlich­er Stei­gung ver­laufend­en Steig hin­auf. Von hier geht es hinüber zu eini­gen Schildern und dann in ein­er län­geren Querung leicht bergab. Auf Wass­er tre­f­fen wir auf diesem Weg lei­der nicht mehr. Der Weg zieht sich ganz gewaltig, da er vor­erst auch nicht sehr steil bergab führt, sog­ar teil­weise wieder hin­auf. Über den Steig geht es nun durch Latschen bis hin­unter zur Lux­eg­galm und schließlich wieder in Berg­wald ein­tauchend steil hinab bis nach Stein­berg. Eine Straße bringt uns wieder zurück zum Park­platz beim Gasthof Wald­häusl, wo wir uns Speis und Trank gön­nen.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht worunter ich heute mehr gelit­ten habe: Dem Auf­stieg in meinem geschwächt­en Kör­p­er oder unter dem Abstieg bei dem mich meine Bergstiefel an allen möglichen Stellen zu drück­en und zu reiben scheinen. Ich beschließe meine Bergstiefel zu ver­ban­nen und kün­ftig, wenn möglich, auf meine Trail­run­ningschuhe zu set­zen. Trotz­dem wird die Tour mir als abwech­slungs- und aus­sicht­sre­ich in Erin­nerung bleiben.


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Guf­fert (2.194m)
Gehzeit: 5,5h
Höhen­meter: 1.300hm
Aus­gangspunkt: Park­platz beim Gasthof Wald­häusl in Stein­berg am Rofan
Schwierigkeit: T3 — anspruchsvolles Berg­wan­dern / I. Grad

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