Indonesien: Das Paradies auf Gili Air

Posted: 29. Oktober 2018

Gili Air ist ein wahres Paradies nach dem Trubel auf Bali. Es ist so ruhig und entspan­nt hier, dass man es lange aushal­ten kann. Weiße Strände, türk­is­blaues Wass­er und Kokos­nuss­pal­men wirken wie aus dem Kat­a­log entsprun­gen. Die umliegen­den Riffe sor­gen für wun­der­schöne Tauch- und Schnorchel­gänge und so lässt sich auch die Hitze gut ertra­gen. In der faszinieren­den Unter­wasser­welt rund um die Gilis kann ich mich ver­lieren. Wieder beste­ht unser Tagesablauf aus Wass­er, Sies­ta und wieder Wass­er.

Inseln, Meer, Strand — was will man eigentlich mehr? Die Gili Inseln bieten all das. Wir haben uns für Gili Air entsch­ieden, da es die richtige Mis­chung aus ruhig und nicht zu ruhig bieten soll. Was die Tauch­plätze bet­rifft, ist es ohne­hin egal, denn man kann sie alle von jeglich­er Insel anfahren. Gili heißt auf indone­sisch soviel wie Insel und Air heißt Wass­er. Auf Gili Air sind keine motor­be­triebe­nen Fahrzeuge erlaubt, was bei etwa 2km Durchmess­er der Insel auch kaum nötig ist. So ist es auf Gili Air sehr ruhig und entspan­nt. Mit einem etwas aus­gede­ht­en Spazier­gang ist die Insel gut zu umrun­den, was sich auf­grund der Hitze aber eher in den Abend­stun­den emp­fiehlt.

Beliebt sind auch Fahrräder. Bei meinem zweit­en Aufen­thalt auf Gili Air habe ich mir einen Draht­e­sel besorgt, der mich in Winde­seile von A nach B brachte. Ja, Gili Air hat mir so gut gefall­en, dass ich nach zwei Wochen Malaysia hier­her zurück gekom­men bin. Das bevorzugte Trans­port­mit­tel sind tat­säch­lich Pfer­dekutschen. Ziem­lich kleine, schmächtige Pferde ziehen Kar­ren auf denen die Waren und Men­schen von einem Ort zum anderen trans­portiert wer­den.

Es gibt so Orte an denen man sich sofort wohl fühlt und Gili Air ist so ein Ort für mich. Die Leute sind super nett, das Tauchen ist gut und vor allem warm und die Son­nenun­tergänge wun­der­schön. Wir machen es uns in einem schö­nen Bun­ga­low unweit vom Strand gemütlich. Hier ver­brin­gen wir gerne die heißen Mit­tagsstun­den bei küh­ler Luft der Kli­maan­lage. Dazu gibt es Pfannkuchen und Früchte zum Früh­stück.

Über­all gibt es schöne Restau­rants und Cafés mit Liegemöglichkeit­en direkt am Strand. Von den Ein­heimis­chen werde ich gegrüßt anstatt, dass sie mir etwas verkaufen wollen. Welch eine Wohltat nach Bali, wo es an jed­er Ecke “Mas­sage, mas­sage” oder “Motor­bike, my friend?” heißt.

Die malerischen Son­nenauf- und -untergänge sind wun­der­schön und kaum in Worte zu fassen. Der mor­gendliche Blick auf den Vulkan Rin­jani auf dem gegenüber liegen­den Lom­bok, die Schaukeln im Wass­er, die charak­ter­ischen Pferde auf den Sandwe­gen — all das ist ein­fach großar­tig. Als Kirsche auf der Sah­ne­haube gibt es sehr viele Katzen auf Gili Air, die zum Kuscheln aufgelegt sind.

Schnorcheln am Hans Reef

Neben hart abchillen kann man aber natür­lich vor allem die Riffe rund um die Gilis erkun­den. Als wir auf der Insel ankom­men ist ger­ade der Fas­ten­monat Ramadan vor­bei und das wird groß gefeiert. Allerd­ings nicht auf der Insel, son­dern auf Lom­bok, woher die meis­ten Ein­heimis­chen kom­men. So ist vor allem am Tag nach unser­er Ankun­ft alles wie aus­gestor­ben, manche Restau­rants sind geschlossen und auch die Tauchshops. So müssen wir bis zu unserem ersten Tauch­gang noch etwas warten. Wir gehen also erst­mal schnorcheln. Das Riff begin­nt qua­si vor unser­er Haustür. Dabei gilt es erst­mal einige Meter über See­gras zu schnorcheln bis wir zum Abhang und somit zum Riff gelan­gen. Neben den üblichen Rifff­is­chen und bun­ten Korallen find­en wir im See­gras sog­ar eine Muräne.

Nachttauchgang mit Seeigel

Als wir dann zum Tauchen kom­men mache ich fast nur noch das. Mor­gens ein Tauch­gang, Nach­mitags einen und einen Nacht­tauch­gang gab’s auch noch. Am zweit­en Tag auf der Insel erkun­den wir die Divesite Tur­tle Heav­en, wo wir Schild­kröten und Röhre­naalen begeg­nen. Ich hänge noch einen Nacht­tauch­gang ran, was dur­chaus aben­teuer­lich­er wird als gedacht. Zuerst quetschen wir uns zu viert inklu­sive Aus­rüs­tung in eine winzige Pfer­dekutsche, sodass mit das arme dürre Pferd vorne richtig leid tut.

Ger­ade ist Ebbe und wir müssen eine gefühlte Ewigkeit hin­aus­laufen. Es ist dunkel und wir sehen nur das, was unsere Taschen­lam­p­en uns offen­baren. Und das ohne Schuhe. Es dauert nicht lange bis ich auf einen Seeigel trete. Aua! Das tut sch***e weh. Und das schön­ste daran ist, dass dage­gen nur eins hil­ft: Fest draufhauen. Was schmerzhaft klingt, ist es auch. Aber es hil­ft dabei die Stacheln zu zerteilen, die sich darufhin nicht mehr entzün­den kön­nen und langsam vom Kör­p­er aufgelöst wer­den.

Glück­licher­weise sind die wenig­sten Seeigel giftig. Man kann die Stacheln auch ver­suchen mit ein­er Pinzette zu ent­fer­nen, was allerd­ings oft sogut wie unmöglich ist. Vor allem in dieser Sit­u­a­tion. Also haut meine Tauch­führerin Mika mit ihrer Taschen­lampe drauf. Es tut jedoch trotz­dem noch bei jedem Schritt weh. Trotz­dem schaffe ich es bis ins tiefe Wass­er und zu tauchen. Irgend­wie habe ich nicht allzu­viel Glück auf Gili Air, denn am näch­sten Tag erwis­cht mich eine Qualle. Das ist aber deut­lich weniger schmerzhaft als der Seeigel, der aber auch nach weni­gen Tagen nicht mehr stört.

Der Tauch­gang ist die Stra­pazen zuvor jedoch wert. Wir sehen leuch­t­ende Tin­ten­fis­che, Feuer­fis­che, Schwammkrabben, viele Ein­siedlerkreb­se und Schlangenseesterne. Dazwis­chen wuseln ein paar ver­schlafene Fis­che wie der Lang­nasen-Dok­tor­fisch und Skalare. Das Schöne an Nacht­tauchgän­gen ist ja, dass man Tiere sieht, die tagsüber nicht auf­tauchen. So kommt man zu eini­gen ungewöhn­lichen Sich­tun­gen. Mein High­light sind die leuch­t­en­den Gar­ne­len, die ich zuvor noch nie so nah gese­hen habe. Aber auch Schwammkrabben sind ein faszinieren­der Anblick. Sie tra­gen ein Stück Schwamm zwis­chen ihren Scheren um sich damit zu tar­nen.

Auch nach dem Tauch­gang wird es nicht viel leichter, denn der Pfer­dekutschen­führer, der uns zum Hafen von Gili Air gebracht hat, taucht nun nicht auf. Wir begin­nen also den Weg zurück­zu­laufen während ein­er der Dive­mas­ter mit der Aus­rüs­tung auf den unzu­ver­läs­si­gen Pfer­dekutschen­mann wartet, der dann auch irgend­wann auf­taucht.

Tauchen rund um die Gili Inseln — Schildkrötenparadies

Ins­ge­samt habe ich elf Tauchgänge, bei denen ich die ver­schiede­nen Riffe rund um die Inseln kenen­lerne. Mein Favorit ist tat­säch­lich das Riff direkt vor der Haustür: Das Hans Reef. Denn hier find­en sich neben den oblig­a­torischen Schild­kröten auch beson­dere Tiere wie Röhre­naale, gebän­derte Seenadeln, Welss­chwärme und kleine gehörnte Kuh­fis­che. Das Wass­er ist mit 28°C stets angenehm warm, sodass man zum Tauchen hier kaum einen Wet­suit benötigt. Am Hans Reef find­en sich zwei Fels­blöcke im Wass­er um die herum das Leben tobt und man die ein oder andere faszinierende Ent­deck­ung machen kann. Aber auch die anderen Tauchspots rund um die anderen Inseln sind alle­samt sehr sehenswert.

Ein weit­er­er beson­der­er Tauch­platz ist Melik Mare bei Lom­bok. Wir machen hier einen Tauch­gang nur unter uns Mitar­beit­ern der Tauch­schule. Es ist beson­ders, da es sich um eine soge­nan­nte Muck Divesite han­delt. Das heißt man taucht in ein­er eher matschi­gen und schmutzi­gen Umge­bung, die aus lauter Sed­i­menten und Müll beste­ht. Hier find­en sich keine Korallen, keine großen Sichtweit­en, keine großen Fis­che. Wir tauchen eine Stunde lang den Boden in Zeitlu­pen­tem­po ab um ganz beson­dere Lebe­we­sen zu find­en. Es geht um kleine Tierchen, die schw­er zu ent­deck­en sind. Mit Glück kann man hier haarige Angler­fis­che find­en. Wir ent­deck­en gebän­derte Seenadeln, Feuer­fis­che, gebän­derte Scheren­gar­ne­len, bunte Nack­tsch­neck­en und Krabben. Lei­der aber auch viel Müll, neben Reifen vor allem Plas­tik­müll, was einem Naturlieb­haber das Herz zer­reißt. Bitte lasst uns gemein­sam dafür sor­gen unsere Meere plas­tik­frei zu hal­ten!

Nach dem Tauch­gang sehen wir einen Geigen­rochen ganz dicht an der Ober­fläche. Offen­bar stimmt etwas mit ihm nicht, denn nor­maler­weise kom­men sie nicht so nah an die Küste. Die Ein­heimis­chen ver­suchen ihn wieder zurück ins tief­ere Wass­er zu ziehen, er kommt aber immer wieder zurück. Später küm­mern sich die Experten vom Shark Con­ser­va­tion Team um ihn, hof­fentlich erfol­gre­ich.

Lei­der gibt es auf den Gilis kaum noch Groß­fis­che, den­noch kann man je nach Sai­son Glück haben Haie und Man­tas zu sehen. Sie zeigen sich eher in der Regen­zeit, wenn das Meer­wass­er voller Plank­ton ist. Trotz­dem sind die Gewäss­er voller Leben. Wer Schild­kröten liebt ist hier ohne­hin im Paradies, denn ohne Schild­kröten geht kaum ein Tauch­gang zu Ende. Auch ein Wrack find­et sich bei der Insel Gili Meno. Es gibt sog­ar einige Unter­wasser­stat­uen, die man auch beim Schnorcheln erkun­den kann. Genau­so wie Fahrräder oder Roller auf denen man posieren kann.

Die Gili Inseln sind her­vor­ra­gend sowohl für Anfänger als auch für Fort­geschrit­tene geeignet. Es gibt über 25 Tauch­plätze mit ein­er großen Auswahl an unter­schiedlichen Unter­wasser­land­schaften — von Abhän­gen, Steil­wän­den, Fels­brock­en, Wracks bishin zu Canyons.

Die Tauchspots rund um die Gili Inseln

Happiness is only real when shared

Aber trotz all dieser Schön­heit stelle ich nach etwa sechs Monat­en auf Reisen mal wieder fest: Hap­pi­ness is only real when shared. Gili Air ist wun­der­schön, ein wahres Paradies — und doch kann ich es nicht richtig genießen. Nicht immer ist das Leben auf Reisen so ein­fach wie es nach außen hin aussieht. Bei meinem zweit­en Besuch begann ich mich ein­sam zu fühlen. Ich habe zwar beim Tauchen viele großar­tige neue Leute ken­nen­gel­ernt, aber freilich bleibt dies sehr ober­fläch­lich. Ger­ade in der Umge­bung des Tauch­busi­ness ist es nicht immer so toll wie es wirkt. Es gilt immer fröh­lich und fre­undlich zu den Kun­den sein, egal wie es in einem ger­ade aussieht oder wie blöd sich diese ger­ade benehmen.

Auch die Men­schen, die mit dem Tauchen durch die Welt reisen, sind oft ein­sam, denn Beziehun­gen sind meist nur kurz und enden im Chaos und gebroch­enen Herzen. Es klingt ja immer so ver­führerisch, wenn man hört wie andere Men­schen so ihr Leben leben. Sehr beliebt ist zum Beispiel die Kom­bi­na­tion Tauch- und Skilehrer. Klingt geil, reisen und im Som­mer tauchen und im Win­ter ski­fahren. Naja, ich stelle tat­säch­lich fest, dass ich so ein Leben wohl nicht auf Dauer führen kön­nte. Ich brauche langfristig gese­hen Men­schen um mich herum, die mich ver­ste­hen, denen ich mich anver­trauen kann und mit denen ich Erlebtes teilen kann. Alleine die Welt erkun­den ist ein­fach nur für begren­zte Zeit schön für mich.

Mein let­zter Monat auf Reisen war paradiesisch. Ich habe mit den toll­sten Bären der Welt in Sepi­lok gear­beit­et und dabei wun­der­bare Men­schen ken­nen­gel­ernt und ging abschließend nochmals in der faszinieren­den Unter­wasser­welt der Gili Islands auf. Aber nun wird es wieder ein­mal Zeit für eine Verän­derung. Deshalb entschließe ich mich, dass es für mich nun Rich­tung Heimat geht — mit einem Zwis­chen­stop in Sin­ga­pur.

Erdbeben

Kurz nach mein­er Abreise von Gili Air find­en mehrere starke Erd­beben auf Lom­bok statt, die auch die Gili Inseln tre­f­fen. Das resul­tierte in über 300 Toten und vie­len Men­schen, die ihr Zuhause und ihre Exis­tenz ver­loren haben. Es tut mir sehr weh die Zer­störung zu sehen. Die Ressourcen sind knapp, vor allem was Elek­triz­ität, Wass­er und Nahrung bet­rifft, vor allem auf Lom­bok. Die Gili Inseln sind zu 100% auf Touris­mus angewiesen. Also kommt bitte auf die Inseln, jet­zt wo alles wieder sich­er ist. Wenn ihr tauchen möchtet kann ich euch Gili Divers on Air wärm­stens empfehlen. Ich habe zwei Wochen hier ver­bracht und wun­der­bare Men­schen ken­nen­gel­ernt.

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