Jökulsárlón

Island: Land aus Feuer und Eis

Posted: 25. Juli 2009

Mit der Islandreise erfülle ich mir einen lang gehegten Traum. Der Traum vom Land aus Feuer und Eis — eine Insel voller Kon­traste. Men­schen­leere Wild­nis, in der die Naturkräfte magisch-mys­tis­che Land­schaften geformt haben.

Hier don­nern die größten Wasser­fälle des Kon­ti­nents mit solch­er Wucht ins Tal, dass die Erde erzit­tert. Das Hochland bildet die größte Wüste Europas. Abge­se­hen von den Polkap­pen gibt es keine Eis­fläche, die dem Ehrfurcht gebi­etenden Vat­na­jökull größen­mäßig Konkur­renz machen kön­nte. Weit­ere spek­takuläre Natur­phänomene sind schwe­lende Vulka­ne, san­ft geschwun­gene Gletsch­er, düstere schwarze Lavafelder und Strände, sprühende Geysire, blub­bernde Schlammtöpfe, heiße Quellen und während des Win­ters das Nordlicht. Der Grund für diese Wun­der ist seine spezielle Lage auf dem mit­te­lat­lantis­chen Rück­en und somit über der Plat­ten­gren­ze der Nor­damerikanis­chen und Eura­sis­chen Plat­te. Jules Verne kon­nte sich keinen besseren Ort für den Abstieg zum Mit­telpunkt der Erde aus­suchen.

Mit der Fähre nach Island — Schwankendes Dasein

Am 25. August 2009 fahren wir mit der Fähre von Hanstholm (DK) nach Island, wo wir 21 Tage Zeit haben wer­den das Land der Ther­mal­wun­der zu erkun­den. Geplant ist vor allem den berühmtesten Track Islands, den Lau­gave­g­ur (54km), von Þórsmörk nach Land­man­nalau­gar zu laufen.

Wer mit der Fähre und dem eige­nen Auto reist, kann viel sparen. Für zwei Per­so­n­en und einen Klein­wa­gen betra­gen die Über­fahrtkosten (www.smyrilline.de) 374€ pro Per­son. Der Flug ist nicht unwesentlich gün­stiger, dafür sind Miet­wa­gen umso teur­er (etwa 1.000€ für 3 Wochen). Busse fahren zwar bis Mitte Sep­tem­ber regelmäßig, allerd­ings ist der Vorteil der Unab­hängigkeit mit einem Auto nicht von der Hand zu weisen. Weit­er­er Vorteil der Fähre ist, dass man 3kg Lebens­mit­tel ein­führen kann. Da die Lebens­mit­tel in Island sehr teuer sind, ist es sin­nvoll diese 3kg auszunutzen und sich mit den Grund­nahrungsmit­teln einzudeck­en.

Anreise 1. Etappe — Dänemark

Am Abend reisen wir von Lübeck nach Däne­marks Hanstholm, dem Hafen von dem aus wir am näch­sten Mor­gen die Fähre der Smyril Line nach Island nehmen wür­den. Nach vie­len Stun­den Aut­o­fahrt kom­men wir am Strand an, wo wir unsere Schlaf­säcke schnap­pen und uns unter den funkel­nden Ster­nen­him­mel leg­en, der uns mit sein­er Fülle und Stern­schnup­pen imponiert. Wir sehen sog­ar eine Riesen­stern­schnuppe. Quallen wabern leuch­t­end und blink­end an der Wasser­ober­fläche und wirken wie ins Wass­er gefal­l­ene Stern­schnup­pen.

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Deck der Norön­na

Die Fähre hat Ver­spä­tung und es dauert einige Zeit bis wir das Schiff betreten. Vom Deck aus sehen wir zu wie die riesi­gen Schiff­ss­chrauben das Wass­er aufwirbeln und die Küste Däne­marks immer klein­er am Hor­i­zont wird. Das ein­schläfer­nde Geräusch der Gis­cht am Heck der Fähre erin­nert an einen großen tosenden Wasser­fall. Die Gis­cht sieht aus wie ein weißes Tier, das uns mit galop­pieren­den Klauen ver­fol­gt und zu erre­ichen ver­sucht. Nun haben wir viel Zeit, die wir damit ver­brin­gen das Schiff zu erkun­den, zu lesen, zu reden und uns durch­schaukeln zu lassen. Es fühlt sich selt­sam an in stetig schwank­ender Umge­bung zu wan­deln und ich denke, dass der erste Landgang nach der Zeit einem unheim­lich vorkommt. Sid ist dieses Gefühl von den Jahren bei der Marine bere­its gewohnt. Für mich ist dies jedoch die erste län­gere Fährreise.

Anreise 2. Etappe — Das unentdeckte Land der Farörer Inseln

Gegen Mon­tag erre­ichen wir die Färör­er Inseln. Die Wolken hän­gen tief und grau in die Berge und es ist kalt am Deck. Trotz der Wolken sieht man einiges von den fel­si­gen schrof­fen Inseln, deren steile Klip­pen ins Meer hinein­ra­gen. Viel Zivil­i­sa­tion scheint es auf den Inseln nicht zu geben, aber die Land­schaften beein­druck­ten bevor auch diese in der Ferne ver­schwinden. Ein aus­ge­le­senes Buch  und zwei Filme später ist der Tag auch schon fast vor­bei und kam mir schon kürz­er vor als der erste auf See.

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Tor­shavn (Färör­er Inseln)

Ankunft im Land der Träume – und des Regens

Nach zwei Tagen erre­ichen wir Island am Vor­mit­tag. Tiefe graue Wolken geben nur spär­lich Aus­blick auf die großen schneebe­deck­ten Berge des 17km lan­gen Fjords durch den man in Island ein­fährt. Eine per­fek­te Art in Island anzukom­men. Seyð­is­fjör­dur ist ein klein­er Ort am Ende des Fjords von wo aus wir unsere Erkun­dung Islands starten. Die Wolken hän­gen tief und viel ist nicht zu sehen vom hohen Pass und dem von Wasser­fällen gespeis­ten Fluss Fjarðara. Wir begin­nen nun nach Süden zu fahren und passieren dabei zahlre­iche Fjorde auf der Straße an der Küsten­lin­ie ent­lang.

Schnell fall­en die vie­len hohen bun­ten Berge auf von denen über­all kleine und größere Wasser­fälle hin­un­ter­fließen, die Island zu bieten hat. Es gibt rote Rhy­olith­berge, grünbe­mooste und schwarze Berge.

Wir fahren noch bis Stafafell, das mit­ten im Nir­gend­wo liegt und lediglich einen Bauern­hof und Schafe bein­hal­tet. Hier schla­gen wir unser Lager auf und tre­f­fen auch auf Sven, einen deutschen Kom­mu­nika­tions­de­sign­er, der schon einige Zeit auf Island unter­wegs ist und uns Tipps gibt. Die Nacht wird stür­misch…

Wanderung nach Lónsöræfi

…und Sven begrüßt uns am Mor­gen mit den Worten „Willkom­men in Island“ während der Wind durch unsere Haare zaust und an den Zeltwän­den zer­rt. Nach einem Früh­stück brechen wir auf um unsere erste Wan­derung zu  machen – eine Tageswan­derung durch das drama­tis­che Rhy­olith­tal Hvan­nag­il, das es zu erk­lim­men gilt. Hier gibt es Felss­chlucht­en mit großen Wasser­fällen und imposan­ten Bergen vor denen wir uns winzig fühlen zu bewun­dern. Holzpfäh­le markieren hin und wieder den Pfad zum Canyon. Dann geht es bergab in ein Flusstal, wo wir mehrmals durch die Furt müssen um am Ende der Straße her­auszukom­men und daran ent­lang zurück zum Zelt­platz zu laufen. Spätestens hier habe ich mich in das raue Island ver­liebt das mir fast alles bietet wofür mein Herz schlägt: Vulkan­land­schaften, Wasser­fälle, viele Ponys und Schafe, schwarz­er Strand – nur Sonne nicht.

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Gletscherwelten

Nach dieser Wan­derung und ein­er heißen Dusche fahren wir nach Höfn. Schon die Anfahrt gibt den Blick auf den gewalti­gen Vat­na­jökull Gletsch­er frei, der größten Eiskappe jen­seits der Polarge­bi­ete. Die größte Attrak­tion ist die Gletscher­la­gune Jökul­sár­lón in der Eis­blöcke schwim­men und sich fan­tastis­che Eis­skulp­turen bilden. Abends sieht man auch ein wenig Sonne hin­ter den Wolken, die ein wun­der­bares Licht zaubert, das mich fes­selt.

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Danach fahren wir zum Breiðar­lon, ein­er weit­eren Gletscher­la­gune, wo sich Eis­blöcke abspal­ten und aufs Meer hin­aus driften. Die Atmo­sphäre ist hier zwar nicht so drama­tisch wie in Jökul­sár­lón, aber dafür ist es leer und wir schla­gen an ein­er entle­ge­nen Stelle mit Blick auf Lagune und Gletsch­er unser Zelt auf.

Wasserfälle und Gletscher im Skaftafell Nationalpark

Der Skaftafell Nation­al­park ist Europas größter Nation­al­park und umfasst atem­ber­aubende Berggipfel und Gletsch­er. Nach­dem die let­zten Tage von der Exis­tenz der Sonne nicht viel zu sehen war und uns schnei­dend kalter Wind in die Glieder fuhr, über­raschen uns heute das erste Mal Son­nen­strahlen und blauer Him­mel. Dies aus­nutzend fahren wir nochmal zurück zum Jökul­sár­lón um die Eis­berge mit sich spiegel­nden blauen Him­mel zu fotografieren.

Skaftafellsheiði-Rundweg

Danach geht es weit­er nach West­en und bis zum Nation­al­park Skaftafell. Wir laufen den Skaftafell­sheiði-Rundweg, der am wun­der­schö­nen Wasser­fall Svar­ti­foss vor­beiführt, der von schwarzen Basalt­säulen flankiert wird. Außer­dem bietet er Aus­blicke auf den riesi­gen Sander, Täler, Berge, Eis­ber­glagunen und Gletsch­er. Sander sind Ansamm­lun­gen von Sand und Kies vom Gletsch­er, die durch Gletscher­flüsse oder Gletscher­brüche zur Küste trans­portiert wer­den, wo sie sich in Form von riesi­gen wüstenähn­lichen Ebe­nen ablagern.

Vor allem der Aus­blick vom 706m hohen Berg ist schwindel­er­re­gend. Ein Gewirr aus Gletsch­er­strö­men, dun­klen Bergen im Hin­ter­grund und dem Gletsch­er inklu­sive Lagune zu der recht­en. Ein wun­der­schön­er Weg durch die zuvor karge von Steinen über­säte Veg­e­ta­tion (Bäume gibt es auf Island kaum); aber mit vielfälti­gen Aus­blick­en. Als Kirsche auf der Sah­ne­haube befand sich die Sonne den ganzen Tag über unseren Köpfen und der Him­mel zeigte sein schön­stes Blau in dem die Land­schaft ihre volle Wirkung ent­fal­ten kon­nte. Nach sieben Stun­den kehren wir zurück und campieren auf dem örtlichen Zelt­platz.

Tiefe Schluchten

Der näch­ste Tag begrüßt uns aber­mals mit Sonne und wir genießen sie noch eine Weile bevor wir los­fahren. Der Blick auf schneebe­deck­te hohe Berge macht es einem leicht zu ver­weilen und sich an den Son­nen­strahlen zu wär­men.
Die Straße führt durch riesige Deltas aus grauem Gletsch­er­sand, um zerk­lüftete Bergket­ten herum und an grün­be­wach­se­nen Bergen vor­bei.

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Wir begeg­nen vie­len Islän­der­ponys und lassen es uns nicht nehmen sie mit Äpfeln zu füt­tern. Danach laufen wir hoch zum Foss á Siðu, der uns seine Gis­cht in die Rück­en spuckt. Der Wasser­fall ist in zwei Teile aufgeteilt und bei dem kleineren Teil unten geht Sid baden – und zwar nackt. Schein­bar ein Vergnü­gen, aber doch ganz schön kalt.

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Ein paar Kilo­me­ter weit­er ist der Fjarðrár­gljú­fur, ein malerisch düster­er Canyon, zu sehen. Ein Wan­der­weg ver­läuft oben an seinem Rand und man kann in gäh­nende fel­sige Abgründe sehen, wo das blaue glasklare Wass­er hin­durch rauscht und sich auch Wasser­fälle ergießen. Hin­ter dem Canyon liegt ein grünes Tal, das von Bergen umsäumt wird.

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Die Lavafelder von Vík

Die Ringstraße (eine ringför­mige Straße ein­mal um Island herum) ver­läuft bis Vík durch riesige Lavafelder. Erst solche mit großen und bemoost­en Steinen, dessen Moos so üppig ist, dass das Gebi­et ganz weich ist und es Spaß macht über die Felsen zu klet­tern und immer wieder im Moos zu versinken. Dann wer­den diese Lavafelder von solchen abgewech­selt, die kleine schwarze Stein bein­hal­tet, die Skulp­turen bilden, und ver­bran­nter Erde. Vík erscheint danach als eine winzige grüne Oase zwis­chen bedrohlichen Gletsch­ern und schwarzen Strän­den.

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Reynisdrangar

Der Mor­gen begin­nt windig und reg­ner­isch. Wir gehen an den schwarzen Strand und sehen die Fels­gruppe Reynis­dranger aus dem Meer ragen. Über unseren Köpfen fliegen zahlre­iche Wasservögel, die in dem mit Höhlen durch­set­zten Felsen ihr Nest haben.

Daraufhin fahren wir zu dem Fel­splateau mit der stein­er­nen Pforte auf Dyrhólaey. Der von den Wellen gepeitschte Strand und die umliegen­den hohen Klip­pen sind defin­i­tiv einen Besuch wert.

Auf der Fahrt kommt man an der Seite der Schot­ter­straße an eini­gen von Vulka­nen geformte Steine vor­bei, die wie fest gewor­dene Flüs­sigkeit ausse­hen – wie von ein­er anderen Welt. Diese Steine sind größer als wir und ragen gespen­stisch aus dem Boden, kurvig und mit gewun­de­nen Lin­ien.

Tosende Wasserfälle

Beim Dör­fchen Skog­ar stürzt sich der Sko­gafoss aus schwindel­er­re­gen­der Höhe über moosige Felsen. Man kann nah an den Wasser­fall her­an gehen und wird allein von sein­er Gis­cht völ­lig durch­nässt. Ein Pfad führt den 62m hohen Wasser­fall hin­auf und es ergeben sich schöne Aus­blicke auf den Fall, die Felsen und die Möwen, die hier ent­lang fliegen und zwis­chen den Felsen ruhen. Hier zeigt sich sog­ar die Sonne und zaubert wun­der­bare Far­ben und Regen­bo­gen her­vor.

Ein Stück weit­er ergießt sich der Sel­ja­lands­foss in die Tiefen. Was für ein wun­der­voller Wasser­fall! Regen­bö­gen verza­ubern diesen Ort und ein klein­er „neben­fall“ ergießt sich direkt auf einem mit Moos bewach­se­nen Stein und spritzt von dort aus umher.

An der Küste

Wir fahren noch bis zum Fis­cher­dorf Eyrar­bak­ki um auf dem Zelt­platz dort zu über­nacht­en. An der Küste sehen wir die Sonne hin­ter den Bergen unterge­hen und einen feuer­roten Him­mel hin­ter­lassen.

 

Eyrarbakki
Eyrar­bak­ki

Die Lavahöhle Raufarshólshellir

Wir begin­nen den Tag indem wir eine Lavahöh­le erkun­den. Rau­farshól­shel­lir ist eine 1km lange Höh­le. Allerd­ings wagen wir uns nicht allzu weit hinein, da uns nur eine Lampe zur Ver­fü­gung ste­ht.

Raufarsholshellir
Rau­farshól­shel­lir

Die heißen Quellen im Reykjadalur

Schon bald sieht man es dann schon davon der Straße aus über­all aus der Erde dampfen und umliegende Lavafelder unter­stre­ichen die Stim­mung. So habe ich mir Island naiv­er Weise vorgestellt als ich das erste Mal davon hörte. Ich dachte, dass es über­all dampft, man über­all auf­passen muss wohin man tritt und Geysire ihr heißes Wass­er ver­spuck­en.

Im Reyk­jadalur gibt es es einen heißen Bach in dem man baden kann. Schwe­fel­durchtränkt ist hier die Luft während man einem Weg, an brodel­nden Schlamm­löch­ern und heißen Seen vor­bei, fol­gt. Schwarzes Vulka­ngestein begleit­et eben­so wie das urwüch­sige Moos bis zu einem Bach in dem man die Seele baumeln lassen kann. Am Quell des Bach­es ist dieser beson­ders heiß und wir lassen es uns im Bach gut­ge­hen, genießen die Wärme und das dampfende Wass­er in der kalten Luft. Beza­ubernd schön ist es hier. Auf dem Rück­weg lan­det Sid beim Ver­such den Bach zu über­sprin­gen mit­ten­drin. Na, wenig­stens ist das Wass­er warm… Vor­erst jeden­falls.

Danach fahren wir noch bis zur Haupt­stadt Reyk­javík und erre­ichen nach ein­er kleinen Irrfahrt den Camp­ing­platz.

 

Die Hauptstadt Reykjavik

Reyk­javík ist ein Mix aus bun­ten Gebäu­den, eigen­willi­gen Men­schen und wil­dem Nachtleben. Die Gebirgskulisse und die Küste, die Vulkan­land­schaft run­dum machen diese Stadt sehr schön. Mit etwa 180 000 Ein­wohn­er auch eine sehr kleine und über­schaubare Haupt­stadt. Allerd­ings präsen­tiert sie sich heute eher grau und ver­reg­net. Nach­dem wir uns aus­rüs­tung­stech­nisch eingedeckt haben, machen wir die Free Tour mit und sehen dabei das ver­hält­nis­mäßig kleine Par­la­ments­ge­bäude, erfahren etwas über die Geschichte Reyk­javíks und stellen fest, dass die Innen­stadt eher dör­flich wirkt. Kleine Häuschen drän­gen sich in schmalen Gassen aneinan­der. Offen­bar gibt es hier genug Platz. Kein­er muss sich hier stapeln. Faszinierend war das 3D Mod­ell Islands in ein­er Ausstel­lung worauf wir unseren 4-tägi­gen Wan­der­weg nachvol­lziehen kon­nten, denn wir dem­nächst gehen wer­den. Wir erfahren auch, dass Reyk­javík über­set­zt rauchende (reyk­ja) Bucht (vík) heißt, wo es die besten Strick­pullover von echt­en isländis­chen Müt­tern zu kaufen gibt und das die Krim­i­nal­ität­srate in Island gegen null strebt. Ein­mal im Jahr passiert ein Mord, vor drei Jahren wurde mal ein Auto gestohlen. Hier ist es so sich­er, dass die Leute ihr Auto laufen lassen während sie einkaufen gehen und ihre Kinder(wagen) draußen ste­hen lassen wenn sie ein Geschäft betreten.

Das Wahrze­ichen Reyk­javíks – die Hall­grím­skirk­ja – ist zur Ren­ovierung lei­der ver­hüllt und auch die Aus­sicht von oben ver­spricht wegen des Wet­ters nichts Gutes. Nach­dem wir einen Hot­dog am Hafen ver­speist haben, fahren wir noch bis nach Hel­la von wo aus der Bus uns mor­gen nach Land­man­nalau­gar brin­gen wird.

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Bunte Berge in Landmannalaugar

Land­man­nalaguar umfasst das größte Geot­her­malfeld Islands. Seine bunt gefärbten Berggipfel beste­hen aus Rhy­olith, ein­er min­er­al­halti­gen Lava, die ungewöhn­lich langsam abkühlt und dadurch diese über­raschende Fär­bung annimmt.

Die aben­teuer­liche Bus­fahrt durch das Hochland bringt uns über Schot­ter­straßen und Furten nach Land­man­nalau­gar. Wir besteigen den Blah­nukur, dessen Gipfel auf die umliegen­den in allen Regen­bo­gen­far­ben strahlen­den Berge Aus­sicht gibt. In der Ferne entsteigen heiße Dämpfe dem Boden.

Wir erk­lim­men den her­rlich grün wirk­enden Berg. Der steile Abstieg führt einen in das Flusstal, das eben­so bunte Steine aufweist wie die Berge bunt sind. So find­et man das Große eben immer auch im Kleinen. Die zerk­lüftete Vulkan­land­schaft ring­sherum ist sagen­haft.

Schon bald erre­ichen wir das ver­schlun­gene Lavafeld Lau­gahraun in dem man sich leicht die Exis­tenz von Elfen und anderen mythis­chen Wesen vorstellen kann. Am Hor­i­zont schim­mert ein blauer See hin­ter einem Bergkamm und spiegelt die Berg­welt wider. Im Dunkeln erobern wir die heißen Quellen und genießen die Atmo­sphäre aus auf­steigen­den Dämpfen, umhüll­ter Berge und dem Voll­mond, der hin­ter den Wolken her­vor­bricht.

Die näch­sten Tage ver­brin­gen wir auf dem Lau­garve­g­ur, einem Wan­der­weg, der in vier Tagen uns quer durchs isländis­che Hochland bringt. Mehr zu dem Lau­garve­g­ur Track find­et ihr hier»

Um die Welt in einem Sand­ko­rn zu sehn und den Him­mel in ein­er wilden Blume, halte die Unendlichkeit auf dein­er flachen Hand und die Stunde rückt in die Ewigkeit.
William Blake

Der Golden Circle

Dem großen Geysir „Geysir“ ver­danken alle Ver­wandten weltweit ihren Namen. Allerd­ings bricht er nur nach Erd­beben aus. Dafür bricht der Strokkur zuver­läs­sig alle fünf Minuten aus. Das sprudel­nde Wass­er ver­schwindet kurz um dann bis zu 15m in die Höhe zu schießen. Die bei­den Geysire liegen in mit­ten eines Are­als aus bun­ten Quellen, blub­bern­den Seen und dampfend­en Erdspal­ten.

Danach geht es zu Islands berühmtestem Wasser­fall, der über 32m in zwei Kaskaden in eine enge Schlucht don­nert. Darüber türmt sich eine Wand aus flir­ren­den Tröpfchen.

Nach­dem wir in dem kleinen Café beim Gull­foss die weit­ere Reis­eroute geplant haben brechen wir zum Ker­ið auf, einem 3.000 Jahre alten Explo­sion­skrater, der sich mit Grund­wass­er gefüllt hat. Tat­säch­lich zeigt dieser sog­ar den Grund­wasser­spiegel an, der geheimnisvoll grün im Son­nen­licht schim­mert. Hier gibt es unglaublich inter­es­sante Steine, die wie erstar­rter Matsch ausse­hen und schöne For­men bilden.

Reykjanes

Wir fahren zur Hal­binsel Reyk­janes unter­halb Reyk­javíks und lan­den an ein­er Steilküste mit wilden Felsen und bizarren Lavafor­ma­tio­nen. Von hier sieht man die abge­flachte Felsspritze der Insel Eldey, Heimat der weltweit größten Basstölpel Kolonie, 15km vor der Küste. Oben an der Klippe lassen wir uns nieder, der Wind zaust in den Haaren und wir essen eine Man­go.

Nach­dem es uns dort oben trotz Decke zu kalt wird ziehen wir weit­er zum Zelt­platz in Grin­davík. Dort geht mein armes kleines Zelt endgültig kaputt. Nicht nur, dass schon etliche Heringe fehlen oder abge­brochen sind – auch die Stan­gen sind geborsten und so ist mein kleines Zelt schut­z­los dem Wind aus­geliefert.

Aber wir haben Glück und der fre­undliche Zelt­platzwächter zaubert ein neues Zelt für uns her­vor, das ein paar Amerikan­er liegen ließen und hil­ft uns mit einem Fre­und beim Auf­bau. Unsere bei­den Ret­ter heißen Lol­li und Jon. Jon mag Pink Floyd und Jesus. Das neue Zelt ist zwar sehr groß, aber wir kön­nen die Stan­gen und Heringe des neuen Zeltes für unser altes benutzen.

Küstenfelsen von Krysuvíkbjarg

Nach der Nacht in unserem Riesen­zelt und ein­er ultra­beque­men Luft­ma­tratze unter uns fällt es uns schw­er das Zelt zu ver­lassen. Wir bewälti­gen die aben­teuer­lich­ste Schot­ter­straße, die je ein Opel Cor­sa über­lebt hat ist zu den Küsten­felsen von Kry­su­vík­b­jarg hin­unter.

Krysuvíkbjarg
Kry­su­vík­b­jarg

Geothermalfeld Seltún

Bei Seltún schlän­geln sich Holzstege um eine bunte Ansamm­lung heißer Quellen, Dampflöch­er, Schlammkessel und Sol­fataren (Vulka­nspal­ten). Dank der Min­er­alien im Boden schim­mern sie in vie­len Regen­bo­gen­far­ben.

Hier fängt es heftig an zu reg­nen, sodass wir den Klei­far­vatn kaum bis zum anderen Ufer erken­nen kön­nen. Die Wolken hän­gen tief und grau über der Straße. Der große See liegt in einem Vulka­nspalt. Er ist von windge­formten Lavafelsen und schwarzen Sand­strän­den umgeben. Mit der Zeit, die wir dort mit Blick auf den See sitzen, wird er sog­ar wieder sicht­bar und ent­fal­tet seine volle Größe und Schön­heit. Kurz erhellt sog­ar die Sonne die Szener­ie.

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Wundervolle Fjordlanschaften im Hvalfjördur

Danach fahren wir Rich­tung Nor­den auf die Snæfellnes Hal­binsel zu. Dabei fahren wir die Strecke um den Hvalfjör­dur herum. Die Fjord­land­schaft hier ist wirk­lich atem­ber­aubend und wird von tiefen Wolken atmo­sphärisch unter­stützt. Hier ist auch Islands höch­ster Wasser­fall – der Gly­mur mit 198m – zu find­en. Allerd­ings ist es schon spät und der lange Wan­der­weg wäre vor dem Dunkel­w­er­den nicht zu beschre­it­en. Also fahren wir bis nach Akranes, wo wir unser Zelt auf­schla­gen und uns vom Rauschen des Meeres in den Schlaf wiegen lassen.

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Die Snæfell Halbinsel

Der Tag begin­nt grau und der Regen lässt nicht allzu lang auf sich warten. Viel von den drama­tis­chen Gletsch­ern und dem Vulkan Snæfell ist nicht zu sehen. Die Bergspitzen ver­schwinden alle in ein­er Wolken­wand. Der Gletsch­er Snæfell­sjökull ist dank Jules Verne welt­bekan­nt. Denn hier ließ er seine Pro­tag­o­nis­ten zum Mit­telpunkt der Erde auf­brechen – angeleit­et von einem isländis­chen Text aus dem 16. Jahrhun­dert, der besagt:

Steig hinab in den Krater Snæfells Yocul, welchen der Schat­ten des Scar­taris vor dem ersten Juli liebkoset, küh­n­er Wan­der­er, und du wirst zum Mit­telpunkt der Erde gelan­gen. Das habe ich voll­bracht.
Arne Saknussemm

Gle­ichzeit­ig gilt der Gletsch­er als eines der großen „Kraftzen­tren“ der Welt.

Beim winzi­gen Fis­cher­dorf Arnastapi gibt es einen Wan­der­weg, der vor­bei den Fels­bö­gen, Steilk­lip­pen und Stein­höhlen führt. Hier fängt es auch an zu reg­nen und es sollte für den Rest des Tages nicht mehr aufhören. Nördlich des Dor­fes liegen Lavahöhlen, deren größte mit Graf­fi­ti aus dem 18. Jahrhun­dert verse­hen ist. Das älteste Datum, das ich finde ist von 1715.

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Regenzeit in Akureyri

Wir über­legen was wir mit der Regen­zeit am besten anstellen und besuchen daraufhin das Besucherzen­trum des Nation­al­parks und erfahren etwas über Geolo­gie, Tiere und Gebräuche des Gebi­etes. Dann beschließen wir nach Stykk­ishol­mur weit­erz­u­fahren, dem größten Ort auf der Hal­binsel Snæfells. Wir gehen in ein gemütlich­es kleines Restau­rant und genießen ein Aben­dessen, für das wir seit langem nichts weit­er tun müssen als zu zahlen.

Da es immer noch reg­net und es heute nicht mal richtig hell wer­den will, beschließen wir Rich­tung Nor­den weit­erzuziehen und die lange Strecke bis nach Akureyri hin­ter sich zu brin­gen ohne um das gute Wet­ter trauern zu müssen. Dun­kle Wolken­fron­ten ver­schluck­en das Tages­licht und Regen­tropfen gieren danach jeden trock­en gebliebe­nen Fleck zu entwei­hen.

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Eine lange Schot­ter­strecke, die mit Schlaglöch­ern über­sät ist, führt uns an Fjor­den vor­bei bis ins Gebirge, das durch die die fin­steren Wolken düster und abweisend anmutet. Dann fährt man durch ein schmales Tal, das von drama­tis­chen Gipfeln und dün­nen Felsspitzen gesäumt wird und auch ein wenig Tages­licht lässt sich zwis­chen den Wolken und den Dun­stschleiern blick­en. Akureyri liegt am Ende eines lan­gen Fjords, dessen Wass­er heute dunkel daliegt. Islands zweit­größte Stadt ist bunt und lebendig. Hin­ter der Stadt erben sich schneebe­deck­te Berge und Blu­menkästen. Hier ist es auch bish­er am wärm­sten in Island, wir haben angenehme 16°C.

In der örtlichen Bib­lio­thek nutzen wir das Inter­net und gön­nen uns dann in ein­er Bäck­erei einige Leck­ereien. Nach­dem wir den Zelt­platz aufge­sucht haben, gehen wir in Akureyris Schwimm­bad. Ein schönes Bad mit 43°C heißen Hot Pots, Wasser­tuschen und beheizten Beck­en Und das alles an der frischen Luft. Die Schwimm­bäder stellen einen sozialen Mit­telpunkt der Islän­der dar und fast jedes noch so kleine Örtchen hat eins. Hier wer­den Neuigkeit­en aus­ge­tauscht, Geschäftsab­schlüsse getätigt und Hochzeit­en arrang­iert. Auf dem Rück­weg zum Zelt­platz ver­laufen wir uns ein wenig und lan­den im Botanis­chen Garten, der nachts von warm leuch­t­en­den Lichter­ket­ten roman­tisch erhellt wird.

Den Urgewalten auf der Spur

Nach den Regen­t­a­gen wer­den wir mit reich­lich Sonne ent­lohnt. Von Akureyri aus fahren wir zum Myvatn, der in außerirdis­che Land­schaft mit gurgel­nden Schlammtöpfen, bizarren lavawüsten und gäh­nen­den Krater­schlün­den einge­bet­tet ist. Sein Beck­en liegt auf dem Mit­te­lat­lantis­chen Rück­en, was dem Gebi­et eine Vielfalt an Far­ben und Land­schaft­stypen ein­bringt. Der erste Spazier­gang bringt uns zur Pseudokrater­rei­he Sku­tus­taðagi­gar.

Die Seeober­fläche ist über­sät mit mehr als 50 klein­er Inseln – eine Folge der Gas­ex­plo­sio­nen, die das Zusam­men­tr­e­f­fen flüs­siger Lava mit Wass­er provozierte. Das eingeschlossene Wass­er erhitzte sich als Dampf, der explo­sion­sar­tig durch die Lavakruste stieß und dabei kleine Schlack­ekegel und Krater hin­ter­ließ, die Pseudokrater genan­nt wer­den.

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Sku­tus­taðagi­gar

Dimmuborgir

Danach laufen wir den Wan­der­weg zum Hver­fell und nach Dim­mubor­gir, eine schöne Tages­tour. Man läuft durch ein kleines Birken­wäld­chen, dann über Sand und Lavagestein bis zum Hver­fell, ein Tephrakrater. Mit 463m Höhe und einem Durchmess­er von 1040m ist er defin­i­tiv Ehrfurcht gebi­etend.

Der Auf­stieg lohnt sich sehr, denn die Sicht auf den Krater selb­st, den See und die Umge­bung ist großar­tig. Hier oben weht es uns fast hin­unter, so stark ist heute der Wind. Steil führt der Weg bergab und wir gelan­gen zum gigan­tis­chen Lavafeld Dim­mubor­gir. Die Lavas­tröme ver­schieden­er Erup­tio­nen wer­den hier zu Säulen, Tor­bö­gen und Höhlen. Es heißt, die Säulen und Fel­snadeln wären vor 2000 Jahren ent­standen als die Krater­ket­ten von Þrengslabor­gir und Lúden­tar­bor­gir Mag­ma ausspuck­ten, das über die beste­hen­den Lavafelder des Hver­fell floss. Die neue Lava kam in Dim­mubor­gir-Beck­en zum Still­stand. Als die Ober­fläche dieses Sees aus flüs­sigem Stein abkühlte, bildete sie eine Art Gewölbe­decke über die der immer noch glühen­den Masse darunter. Diese Decke ruhte auf Vulka­n­it­säulen früher­er Erup­tio­nen. Als das Beck­en den immensen Druck nicht mehr aushal­ten kon­nte und an den Rän­dern nach­gab, floss die Lava allmäh­lich ab — nur die Säulen blieben übrig. Nach diesem anstren­gen­den Weg sind wir total geschafft und suchen nur noch den Zelt­platz auf.

Die Vulkanwelten von Bjarnaflag und Krafla

Wir fahren zum Geot­her­malfeld Bjar­naflag und fahren dabei an der Blauen Lagune – ein dampfend­er türk­is­blauer See – vor­bei. Wieder warten Schlammtöpfe und Schwe­fel­geruch auf uns. Von hier aus kann man den pastell­far­be­nen Namaf­jall besteigen. Der Blick auf die dampfende Mond­land­schaft ist einzi­gar­tig.

Danach geht’s weit­er nach Krafla, das noch mehr Dampf­fontä­nen, Krater und blaue Seen bere­i­thält. Krafla beze­ich­net eine aktive Vulkan­zone.

Hier besteigen wir den in kräfti­gen Far­ben leuch­t­en­den Leirhn­jukur-Krater. Am Grab ober­halb des Leirhn­jukur ist die Krafla-Caldera mit ihren deut­lich voneinan­der abge­set­zten Lavaschicht­en gut zu sehen. Ein paar Kilo­me­ter weit­er schim­mert der aqua­mar­in­blaue See Storá-Vítí im Son­nen­licht. Im Kon­trast zu den Dampf­schleiern und dem kar­gen Umland wirkt er wie ein gleißen­des Juwel, das auf einem Pfad am Krater­rand umrun­det wer­den kann.

Hin­ter dem Storá-Vítí liegen die „Zwill­ingsseen“ – heiße Schlam­mquellen, die zahm vor sich hin blub­bern.

 

Husavik

Wir fahren Rich­tung Küsten nach Husavík, das nicht nur wun­der­schön am Meer gele­gen ist und mit der Kulisse hoher Berge am anderen Ufer geseg­net ist, son­dern auch eine Kuriosität aufweist – das Isländis­che Phal­lol­o­gis­che Muse­um. Über 200 getrock­nete, aus­gestopfte oder in Alko­hol kon­servierte Penisse wur­den hier zusam­menge­tra­gen, ob vom Ham­ster oder vom Blauw­al. Den Abend ver­brin­gen wir am Hafen und haben Aus­blick auf die schneebe­deck­ten Berge hin­ter dem Hafen und die dahin­ter unterge­hende Sonne.

bild 2432

Husavík ist weit­er­hin ein ide­ales Ambi­ente für Wale, eine beliebte Gegend für Wal­beobach­tungs­touren, der­er wir uns nicht erwehren kön­nen. Lei­der wird dies eher zu einem schauk­li­gen und nassen Aben­teuer, denn es herrscht viel Wind auf dem Meer. Es find­en sich keine Wale, keine Delfine und auch son­st nichts außer ein paar Möwen. Nur die schöne Bergkulisse am anderen Ufer kön­nen wir aus näch­ster Nähe beobacht­en.

Jökulsargljufur Nationalpark

Etwas ent­täuscht brechen wir am frühen Nach­mit­tag zum Jökul­sar­glju­fur Nation­al­park auf. Er liegt in ein­er 30km lan­gen Schlucht, die der zweitläng­ste Fluss Islands, der Jökul­sa á Fjöl­lum gegraben hat. Der Park wirkt wie aus­gestor­ben, zum einen weil die Haupt­sai­son vor­bei ist und zum anderen weil er nicht auf jed­er­manns Liste ste­ht. Ganz im Nor­den befind­et sich die hufeisen­för­mige Schlucht Asbyr­gi. Sie ist 3,5km lang und etwa 1km bre­it. Am Rand der Schlucht befind­et sich ein klein­er See in dem sich die Fel­swände spiegeln.

Eine tote Möwe düm­pelt im Teich herum und die übri­gen Möwen schaf­fen es nicht mal sich in die Luft zu erheben, sie scheinen ziem­lich dick zu sein. Wir ver­muten, dass sie zu dick zum Fliegen sind, weil sie ihre toten Gefährten fressen. Gruselig ist das.

Danach fahren wir eine mit Schlaglöch­ern über­säte Schot­ter­straße zum Ves­turdalur im Herzen des Nation­al­parks. Am Abend laufen wir noch zu den Fel­snadeln, die als Karl og Ker­ling (Mann und Frau) bekan­nt sind und ver­stein­erte Trolle sein sollen. Von hier hat man auch einen großar­ti­gen Aus­blick in den Canyon und die Fluten. Die Tage hier wer­den immer kürz­er und das Son­nen­licht ver­ab­schiedet sich jeden Tag ein biss­chen früher.

Wir wan­dern den Weg am Rand des Canyons ent­lang, der zu Hjoðak­let­tar (Echofelsen) führt. Bizarre Wirbel, Spi­ralen und Roset­ten, Waben und Säulen sind hier in den Felsen zu find­en. Von hier aus führt der Weg weit­er zur Vulkankrater­rei­he Rauðho­l­ar, das sich als buntes Band präsen­tiert, da die Aschekegel in ver­schiede­nen Far­ben leucht­en.

Naturgewalten am Dettifoss

Nun geht es die hol­prige Straße zurück und wir nehmen die eben­falls grässliche Straße die östlich des Canyons ent­langführt, da sich eine Weit­er­fahrt auf der anderen Seite nur für All­rad­wa­gen emp­fiehlt. Nach ein­er hal­ben Ewigkeit und Tem­po 30 lan­det man am Det­ti­foss, ein beein­druck­endes Beispiel für die unge­heure Kraft der Natur.

Obwohl er nur 44m hoch ist, lässt er 193m³ Wass­er pro Sekunde in die Tiefe don­nern. Was das Vol­u­men ange­ht so ist er der größte Wasser­fall Europas und die Gis­chtschleier sind noch aus der Ferne erkennbar. Von hier kann man noch bis zum Self­oss weit­er­laufen, der zwar nur 11m hoch, aber viel bre­it­er ist. Es han­delt sich um eine Art Wasser­fall­tal, da das Wass­er von der oberen Ebene des Flusses an den Fel­swän­den hin­abläuft – an jed­er denkbaren Stelle.

Ner­ve­naufreibende 31km Schot­ter­straße fol­gen bevor wir endlich wieder auf der Ringstraße sind und gen Ost­fjorde weit­er­reisen. In der Dunkel­heit ist die Fahrt nach Neskaup­staður noch aben­teuer­lich­er. Die Straße über­quert den höch­sten Straßen­pass (632m) Islands und führt durch einen beängsti­gen­den 630m lan­gen ein­spuri­gen Tun­nel um dann hin­unter in die Stadt zu stürzen. Dies ist auch die einzige Verbindung nach Neskaup­staður. Obwohl Neskaup­staður ein­er der größten Fjor­dorte ist, macht es auf­grund der Lage und der Abgeschieden­heit einen ver­lasse­nen Ein­druck.

Der letzte Wasserfall

An unserem let­zten Mor­gen, an dem wir ein­fach so tun als müssten wir uns wie jeden anderen Abend der let­zten 21 Tage über­legen wo wir über­nacht­en wer­den, gehen wir in das kleine Café, das auch als Touris­ten­in­for­ma­tion dient und Sid­ney erledigt seine Arbeit dank W-Lan. Ich suche während­dessen Postkarten und meine heißgeliebte Cad­bury Schoko­lade und werde auch fündig um diese für Deutsch­land zu bunkern.

Ich habe mich für einen Titel und ein Konzept für mein Buch entsch­ieden und um dies kom­plett zu machen, frage ich die Frau im Café danach was dieser Titel auf Isländisch heißt, da ich es isländisch nen­nen möchte. Ich nenne diese Frau ein­fach mal Guðrun, da dies der beliebteste Frauen­name auf Island ist und ich das Buch allen hil­fs­bere­it­en Men­schen, jed­er net­ten Touris­ten­in­for­ma­tions­frau, fleisch­ab­tre­tenden Islän­der und Zelt­platzbe­sitzer wid­men möchte. Dieser Name soll stel­lvertre­tend für diese Men­schen ste­hen. Danach fahren wir zurück um eine let­zte Wan­derung zu unternehmen. Als Ziel dafür ist der Hengi­foss, der mit 120m drit­thöch­ste Wasser­fall Islands, auserko­ren.

Wenn man den Anstieg geschafft hat wird man über­wältigt von den Wasserge­wal­ten, dem Flusstal und den Gesteinss­chicht­en, die in ver­schiede­nen Far­ben leucht­en. Braun­rotschwarz gestreift. Auf dem Weg läuft man an ein­er Schlucht vor­bei. Auf hal­ben Weg trifft man auf den kleineren Lít­lanes­foss, der von spek­takulären senkrecht­en Basalt­säulen umgeben ist.

Erst dann geht es zurück nach Seyð­is­fjör­dur und Island ver­ab­schiedet uns mit dem gle­ichen wet­ter wie es uns einst Willkom­men hieß. Allerd­ings sind heute die Gipfel der Berge zu erken­nen. Wehmut begreift von einem Besitz, mit klam­men Fin­gern greift die Zukun­ft nach mir, der­er ich mich nur haarscharf zu entziehen ver­mag und mich darauf freue mein Buch zu machen.

Kaugummizeit und Nordlichtfantasien

Die Zeit auf der Fähre dehnt sich wie Kau­gum­mi. Mein Buchvor­rat neigt sich dem Ende zu und mein Bedürf­nis nach Vanille­quark steigert sich ins gefühlte Uner­messliche. Sollte ich je eine Wel­tum­segelung machen, müssen defin­i­tiv viele Büch­er, Hör­spiele und ein unbe­gren­zter Vor­rat an Vanillepud­ding respek­tive -quark vorhan­den sein. Immer­hin gut das vorher zu wis­sen und nicht erst wenn man inmit­ten des Paz­i­fiks vor sich hindüm­pelt und eine Pud­dingkauf­stelle in weit­er Ferne liegt. Man müsste umliegende Boote anfunken und nach Pud­ding fra­gen, aber die wür­den bes­timmt denken, dass ich nicht ganz richtig ticke. Frage mich auch ob es einen Morsec­ode für das Wort „Pud­ding“ gibt und warum ich den noch nicht weiß.

Etwas Abwech­slung ver­spricht ein Lan­daus­flug auf die größte Stadt der Färör­er Inseln Tor­shavn. Die See ist rau und grau und der Him­mel gibt dicke Tropfen von sich. Wir suchen einen Super­markt und das örtliche Einkauf­szen­trum auf, das sog­ar einen Burg­er King bein­hal­tet. Und vor allem: Cad­bury Dou­ble Choc Schoko­lade! :)

Den lan­gen drit­ten Tag auf der Fähre ver­bringe ich damit meine Bilder von der Kam­era zu laden und abends verziehen wir uns mit ein­er Flasche Sekt aufs Oberdeck (und hier­mit sei euch abger­at­en jemals Faber Sekt zu kaufen). Hier tre­f­fen wir auf das deutsche Paar vom Lau­garve­g­ur, die auf Island Hochzeit­sreise machen.

Flo­ri­an ist Auge­narzt an der Uniklinik und Susanne Physik­erin. Sie scheinen zufrieden mit ihrem Leben und sich selb­st. Uns lässt es hoff­nungsvoll erstrahlen, dass wir uns vielle­icht zu viele Sor­gen um unsere eigene Zukun­ft machen und es offen­bar möglich ist glück­lich zu sein und auch noch jeman­den zu find­en mit dem man das Glück zu teilen ver­mag. UND zur Hochzeit­sreise nach Island fährt. Flo­ri­an lächelt die ganze Zeit über und bei­de schauen immer inter­essiert wenn der andere ger­ade erzählt. Diese Selb­stver­ständlichkeit solch­er Gesten ist schön. Außer­dem erfahren wir von den bei­den, dass es in der let­zten Nacht auf Island Nordlichter gab, die wir ver­passt haben. Das ist nicht sehr schön, eher sehr ärg­er­lich. So bleibt mir wohl min­destens ein Grund nochmal nach Island zurück­zukehren.


FAKTEN ZU DEN TOUREN
Wan­derung in den Hvan­nag­il Canyon
Gehzeit: 4h
Dis­tanz: 14,3 km
Höhen­meter: 370hm
Aus­gangspunkt: Stafafell Guest­house Camp­ing­platz
Schwierigkeit: T2 — Berg­wan­dern

Wan­derung Skaftafell­sheiði
Gehzeit: 5–6h
Höhen­meter: 700hm
Dis­tanz: 8km
Aus­gangspunkt: Skaftafell Nation­al­park Besucherzen­trum & Camp­ing­platz
Schwierigkeit: T2 — Berg­wan­dern


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Reisekostenkalkulation für Island pP (27.08. bis 16.09.)

374€                      Fähre
40€                        Ben­zin bis Hanstholm und zurück über Esb­jerg
50€                        Ben­zin 1.300km Ringstraße bei 1,15€/l
85€                        Camp­ing auf Zelt­platz 5€ x 17 Nächte
13,50€                   Camp­ing auf Track 3 Nächte x 4,50€
32€                        für Bus ab/zum Track
_____________________________________________
595€ (ohne Nahrungsmit­tel)

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