Schweden: Kanutour auf dem Svartälven

Posted: 7. August 2009

Der Ort unser­er Wahl für die Kanu­tour in Schwe­den ist das Värm­land, einem wahren Kanu­paradies. Wir haben uns entsch­ieden den Svartäl­ven Fluss ent­langzu­pad­deln. Zwar kann man hier nicht absolute Wild­nis und Ein­samkeit erwarten, aber das kann man für Anfänger­streck­en lei­der gar nicht. Die Strecke beträgt 120km, die wir in 7 Tagen pad­deln wollen.

Sehr hil­fre­ich bei der Pla­nung ein­er Kanu­tour sind www.kanotguiden.se sowie www.outdoorseiten.net. Für die näch­ste Kanu­tour habe ich mir schon­mal das Schärenge­bi­et auf dem Vän­ern notiert :)

Zac auf großer Fahrt
Zac auf großer Fahrt

Erster Tag auf dem Svartälven

Nach­dem wir mit dem Bus von Stock­holm nach Karl­sko­ga gelangt sind, wer­den wir vom Kanu­ver­leih Valåsen (www.valasenkanot.se) abge­holt und in der Hitze eines Vans nach Halle­förs gefahren. Dies markiert nicht nur die ersten 51km der Kanu­tour son­dern ermöglicht uns auch Einkäufe zu täti­gen. Nach­dem das erledigt ist fahren wir nach Tyfors, wo unsere Kanu­tour ihren Anfang nehmen soll, die uns 120 km durch die schwedis­chen Wälder auf dem Ver­lauf des Svartäl­ven führt. Über­set­zt heißt der Fluss „Schwarzfluss“ und trägt seine Namen wegen der schwarzen Farbe seines Wassers. Er führt durch schöne Natur­land­schaft mit erzhalti­gen Berge und meilen­weit­en Wäldern. Das Gefühl der Wild­nis wird nur manch­mal von eini­gen Som­mer­häusern, Dör­fern oder Orten durch­brochen. Unsere kle­brig-feucht­en Beine entsteigen in die schwedis­che Som­mer­hitze und wir begin­nen auf dem fast still­ste­hen­den Gewäss­er zu pad­deln, genießen die Ein­samkeit und die Som­mer­son­ne.

Wir durch­queren ein wildes Gebi­et, dessen Bäume sich auf der spiegel­glat­ten Ober­fläche reflek­tieren. Der Fluss ist hier ziem­lich bre­it und wird von zahlre­ichen Inseln durch­brochen. Es gibt zwei Dämme, die ein kurzes Umtra­gen erforder­lich machen, dann gleit­en wir wieder auf dem ruhi­gen Wass­er dahin.

Wir campieren mit­ten im Wald auf einem Abhang und kochen uns unser Abendmahl. Es gibt zahlre­iche Mück­en, die hier ihr Blut­fest an uns feiern. Alleinige der heutige Mück­en­counter zählt neun Stiche auf mein­er Haut. Die weit­eren Mück­en­stiche lassen sich nicht mehr zählen….

Nachts hören wir selt­same Geräusche um das Zelt, das wir einem Tierchen zuord­nen, das herum­schle­icht. Es stellt sich allerd­ings lediglich als ein Käfer her­aus, der sich auf die Innen­seite des Außen­zelts verir­rt hat.

Zweiter Tag: Wildnis pur

Vor­mit­tags reg­net es und wir schlafen den Schauer im Zelt aus. Der Fluss schlän­gelt sich dahin und wir schlafen den Schauer im Zelt aus. Der Fluss schlän­gelt sich dahin und wir machen schon bald an ein­er Badestelle mit Steg fest. Hier ist es her­rlich und wir haben Spaß dabei vom Steg ins dun­kle Wass­er zu hüpfen. Es fol­gt Vor­lesen aus dem wun­der­baren Buch Irv­ings „Garp und wie er die Welt sah“.

Der Fluss geht über in eine schmale Seen­land­schaft mit flachen Ufern und vie­len kleinen Inseln. Hier windet sich der Fluss darm­schlin­gen­gle­ich hinab bis er in einem größeren See mün­det, der uns Halle­förs näher­bringt. Davor gibt es den Flax­ensee. Viele Steine und Felsen ragen aus dem Wass­er. Die Gegend ist wirk­lich schön. Auf einem Felsen erspähen wir ein geeignetes Dom­izil für unsere Nacht du genießen von dort aus den Son­nenun­ter­gang am Feuer.

 

Dritter Tag: Wieder ein bisschen Zivilisation

Nach­dem wir den Anblick unseres wun­der­baren Zelt­platzes noch ein­mal genossen haben und die Absprung­tauglichkeit des Felsens getestet haben, brechen wir in Rich­tung Halle­förs auf. Wir durch­queren den schö­nen See Flax­en und gelan­gen über Flüsse du Seen in die Stadt. Dort füllen wir unsere Vor­räte auf und geben unserem Ver­lan­gen nach Grillen am Abend nach. Nur eine Flasche Wein lässt sich hier nicht erste­hen, da man in Schwe­den nur in speziellen Läden Alko­hol bekommt. Im Super­markt gibt es lediglich Cidre. Aber wir gön­nen uns ein kaltes Schokoeis mit Nüssen bevor wir weit­er fahren.

Nach einem län­geren Land­trans­port an einem merk­würdig fröh­lich anmu­ten­den Fried­hof vor­bei pad­deln wir durch ein mächtiges Sand­delta mit großen Krüm­mungen. Ein unvorherge­se­henes Hin­der­nis zwingt uns einen aben­teuer­lich impro­visierten Land­trans­port mit­ten durch den Wald vorzunehmen nur um diese 7cm bre­ite Mül­lauf­fangkette zu über­brück­en. Von hier aus gelan­gen wir in den größten See unser­er Tour – dem Tor­rvarpen, der uns mit größeren Wellen gegrüßt als wir bish­er von den stillen Gewäss­er gewöh­nt sind. An einem Stand find­en wir unseren Platz für die Nacht und sinken an unser Lager­feuert. Über 30km haben wir heute zurück­gelegt und das spüren wir auch. Uns ist heute nach gar nichts mehr außer Essen und Schlafen. Allerd­ings tre­f­fen wir hier das erste Mal andere Kan­u­fahrer. Bish­er waren wir die ganze Zeit alleine unter­wegs und begeg­neten kaum ein­er Men­schenseele. Diese Ein­samkeit auf dem nördlichen Teil des Svartäl­ven war wirk­lich sehr schön.

 

Vierter Tag: Seenlandschaften

Die let­zten Tage plätscherten wir ruhig und sin­gend die Flüsse und Seen hinab während hier auf dem großen Seen ein ganz ander­er Wind weht. Stark­er frontaler Wind, der Wellen pro­duziert, um genau zu sein. Wir warten bis Mit­tag und hof­fen darauf, dass der Wind sich etwas legt.  Solange erkun­den wir ein wenig die Gegend und find­en einen Abhang der in ein gruseliges Gefilde hinab führt. Hier liegen über­all Tier­knochen ver­streut. Zwei ver­lassene Käfige deuten darauf hin dass Jäger dort ihre geschosse­nen Tiere ausgenom­men haben kön­nten.

Dann begeben wir uns hin­aus in die Fluten und pad­deln uns durch aben­teuer­liche Wellen bis ans andere Ufer und auf den näch­sten See, der uns nicht min­der stür­misch begrüßt. Beson­ders hoch sind die Wellen unter ein­er Brücke bevor man auf den See hin­aus­ge­langt und das erste Mal­bekomme ich ein biss­chen Angst. Aber vor allem werde ich nass.

Einen Land­trans­port und nasse Schuhe später lan­den wir in einem sehr ruhi­gen See. Allerd­ings haben uns den ganzen Tag schon Regen­wolken und ent­fer­ntes Don­ner­grollen ver­fol­gt, die nun endgültig ein Gewit­ter her­vor­brin­gen. Schnell ret­ten wir uns noch an das Ufer und an einen Zelt­platz; eine halbe Stunde später rast der Regen los, Don­ner und blitze hageln um die Wette.
Nach­dem das Gewit­ter vor­bei gezo­gen ist mampfen wir Reis und genießen die Wärme des pras­sel­nden Feuers.

 

 

Fünfter Tag: Stille

Da wir ins­ge­samt nicht mehr viel Strecke vor uns haben, lassen wir es ruhige ange­hen und fahren heute nur wenige Kilo­me­ter bis zum näch­sten Camp auf ein­er hochgele­ge­nen fel­si­gen Landzunge. Hier ist es sehr schön und man hat eine wun­der­bare Aus­sicht auf den See Hal­varsnoren.

Sechster Tag: Rückenwind und Himbeerträume

Heute haben wir endlich Rück­en­wind und pad­deln mit Leichtigkeit dahin. Wasser­perlen glitzern im Son­nen­licht auf der Ober­fläche des Sees für Sekun­den wenn das Spritzwass­er des vorge­zo­ge­nen Pad­dels sie nach dem Ein­stechen über das Wass­er gleit­en lässt. Die Seen­land­schaft hier erin­nert mit ihren zahlre­ichen kleinen Fels­enin­seln an die Schären. Es sind die drei let­zten Land­trans­porte erforder­lich, die schöne Aus­sicht­en bieten.

Der Camp­ing­platz für heute ist zwar nicht der schön­ste, aber wir machen ihn uns schön mit See­blick aus dem Zelt und Feuer­stelle auf einem Felsen. Außer­dem wach­sen auf der Insel auf der wir zel­ten viele Him­beer­sträuche, die den Platz erhe­blich aufw­erten. Wir sam­meln viele von ihnen ein um sie als Nachtisch zu ver­schnuck­ern. Aus der anderen Hälfte gesam­melter Him­beeren macht­en wir Him­beer­marme­lade für die die Def­i­n­i­tion von „him­beerig“ neu geschrieben wer­den muss. Eine Explo­sion von Him­beeren!

Schon seit dem Camp am See Tor­rvarpen haben wir keine anderen Men­schen außer uns erblickt. Wir haben diese her­rliche schwedis­che Land­schaft wirk­lich ganz für uns alleine und fühlen uns wie Könige im Mück­en­land. Wir begin­nen einige Dinge zu ver­mis­sen, aber diese Liste dreht sich vor­rangig um Essen. Auf mein­er Liste ste­hen da Dinge wie Schoko­riegel, Pud­ding, Schnitzel, Gum­mibärchen und andere Leck­ereien. Des Nachts sitzen wir noch beim Feuer und sehen zu wie die Funken gen Ster­nen­him­mel stieben.

Siebter Tag: Treiben lassen

Wir genießen unsere selb­st gemachte  Him­beer­marme­lade zum Früh­stück. Eine willkommene Abwech­slung zu dem Tubenkäse, den man in Schwe­den kaufen kann. Zwar unge­mein prak­tisch und orig­inell, aber nicht leck­er. Auch Reis haben wir langsam satt und schwören uns das Zeug zu Hause erst­mal nicht mehr anzurühren. Wir machen uns auf den weit­eren Weg über unseren let­zten See — dem Malm­lån­gen. Das Pad­deln fällt dank richtiger Win­drich­tung immer noch leicht und schon bald erre­ichen wir wieder den Flussver­lauf, der sog­ar Strö­mung aufweist und wir kön­nen uns in der Sonne treiben lassen. Auch die heutige Strecke ist nicht lang und wir schla­gen unser Zelt auf ein­er waldigen Landzunge auf, sitzen mal wieder ein kleines Gewit­ter aus und gehen unseren üblichen Aben­dak­tiv­itäten nach.

 

 

Achter Tag: Ende der Kanutour

Nach­dem ich die let­zten Seit­en meines Buchs ver­schlun­gen habe, fläzen wir uns in der Sonne im Hei­dekraut, das hier neben Blaubeeren über­all wächst. Der Him­mel ist strahlend blau. Wir brauchen nur wenige Minuten bis zum End­punkt der Tour, wo wir uns nach dem entspan­nten Vor­mit­tag abholen lassen.

Ins­ge­samt war die Strecke sehr schön, auch wenn sie für sieben Tage hätte länger sein kön­nen. 120 km hört sich nach mehr an als es tat­säch­lich ist. Ger­ade am Ende hat­ten wir nicht mehr viel der Strecke übrig, weil wir uns am Anfang ins Zeug gelegt haben. Schw­er zu sagen welch­er Teil des Svartäl­ven am schön­sten war. Jede Land­schaft hat­te seine eige­nen Schön­heit­en – die ruhi­gen Wass­er und die Wild­nis des nördlichen Teils und die Seen­land­schaften im südlichen Teil, die vor allem anstren­gend zu Pad­deln waren.

Ich mochte die fel­si­gen Inseln sehr, die aus den Seen ragten. Die ganze Strecke war wesentlich ein­samer als gedacht, nur ein­mal trafen wir auf andere Kan­u­fahrer. Anson­sten sahen wir nur abwech­sel­nd ein paar Leute in ihren Rud­er­booten angeln, die ihr Som­mer­häuschen am Flus­sufer oder einem der Seen hat­ten. Wun­der­bar ist auch das schwedis­che Jed­er­mannsrecht, das erlaubt über­all zu zel­ten wo man möchte und so find­et man immer wieder wun­der­bare Stellen zum Nächti­gen. Auch die öffentlichen Zelt­plätze, die mit einem Holzun­ter­stand, ein­er Feuer­stelle und Holzvor­räten verse­hen sind, sind schön und ein­sam. Auch trotz der Nähe zu der einen oder anderen Straße ist es sehr ruhig, da die Straßen oft­mals nur Schot­ter­straßen sind und/oder sehr wenig befahren wer­den. Wer Ein­samkeit und ein biss­chen Wild­nis sucht ohne die schwierigeren Streck­en nördlich­er im Land absolvieren zu kön­nen oder wollen trifft mit dem Svartäl­ven eine gute Wahl.

Zurück nach Stockholm

In Karl­sko­ga angekom­men gön­nen wir uns erst ein­mal Süßigkeit­en und Dön­er. In der Innen­stadt und in einem Park warten wir auf den Bus, der uns zurück nach Stock­holm bringt. Dort gehen wir abends noch durch die Straßen der Innen­stadt. Diese Woche find­et ein Kul­tur­fes­ti­val statt, das auf die ganze Innen­stadt verteilt ist und aus Musik, Kun­st, Film und mehr beste­ht. Hier ist viel los, viele Men­schen sind auf der Straße. Am Don­ner­stag spiel­ten sog­ar Apoc­alpyt­i­ca auf ein­er der Büh­nen.

Wir entkom­men bald den Men­schen­massen und ver­laufen uns in den Straßen Stock­holms, die fern von der „Par­tymeile“ wie aus­gestor­ben daliegen. Inter­es­sant ist eine Fotoausstel­lung auf dem Raoul Wal­len­bergs Platz über Schwe­dens Nation­al­parks. Die Größe der Bilder, wie sie auf dem Platz aus­gestellt wer­den, lässt die Schön­heit der Orte; die Mächtigkeit der Natur, beson­ders gut zur Gel­tung kom­men. Es sind wirk­lich sehr schöne Fotos darunter; beson­ders die aus dem Sarek Nation­al­park in Lap­land haben es mir ange­tan. Schwe­den scheint ein schönes Land zu sein, das es für mich lohnt zu erkun­den. Lei­der klappte mein geplanter Anlauf im Som­mer let­zten Jahres nicht, aber es wird eine neue Gele­gen­heit kom­men.

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