Malaysia: Als freiwilliger Bärenpfleger im BSBCC

Posted: 9. November 2018

Noch nie hat mich eine Arbeit so glück­lich gemacht und war dabei so hart wie bei den Malaien­bären im Bornean Sun Bear Con­ser­va­tion Cen­ter (BSBCC). Im Juni 2018 habe ich frei­willig zwei Wochen hier gear­beit­et und mich um die Bären geküm­mert. Dabei habe ich nicht nur viele tolle Bären, son­dern auch großar­tige, lei­den­schaftliche Men­schen ken­nen­gel­ernt, die alles für das Über­leben der kle­in­sten Bäre­nart der Welt tun. 

Von Malaien­bären gibt es zwei Arten: Den auf dem Fes­t­land leben­den Malaien­bären und den nur halb so großen Bor­ne­sis­chen Malaien­bären. Offizielle Zahlen wie viele von ihnen noch in der Wild­nis leben gibt es nicht. Schätzun­gen gehen jedoch davon auch, dass nur noch etwa 3.000 Bor­ne­sis­che Malaien­bären in den Wäldern Bor­neos leben. Auf der ganzen Welt, also inklu­sive Zoos, sind es vielle­icht noch 10.000. Ein Malaien­bären­weibchen bekommt in ihrem Leben nur zwei bis vier Jun­gen, was ihr Über­leben zusät­zlich erschw­ert. Der Malaien­bär ist wenig erforscht und auf­grund nicht vorhan­den­er offiziellen Zahlen ist ihr IUCN Sta­tus nur bei “Vul­ner­a­ble”, also gefährdet, obwohl sie wom­öglich eher als “Crit­i­cal­ly endan­gered” — vom Ausster­ben bedro­ht — gel­ten soll­ten.

Pro Minute ver­schwindet weltweit Wald­fläche so groß 35 Fußballfelder. In Sabah, einem Bezirk im mala­y­sis­chen Bor­neo, sind 50% des Regen­waldes zer­stört. So gibt es kaum noch Leben­sraum für die ein­heimis­chen Tiere. Darunter neben den Bären auch Orang Utans, Suma­tra-Nashörn­er und Zwergele­fan­ten. Viele Tiere in Bor­neo sind endemisch — ganze 44 Säugeti­er-, 37 Vogel– und 19 Fis­charten. Bor­neo ist eine wahre Schatzk­iste der Natur und jeden Monat wer­den neue Spezies ent­deckt.

Ein aus­gewach­senes Malaien­bär­män­nchen braucht mit eini­gen Weibchen etwa 20km² Regen­waldge­bi­et. Ihr Leben­sraum wird also knapp. Da aber ein Großteil des Regen­walds in Bor­neo bere­its zer­stört ist, ist die größere Bedro­hung der Bären die ver­botene Jagd. Oft wer­den die Müt­ter getötet und die Jungtiere als Haustiere unter schlecht­en Bedin­gun­gen in winzi­gen Käfi­gen gehal­ten. Wilder­er schlacht­en die Bären für ihre Kör­perteile, die als Deko­ra­tion oder für die Tra­di­tionelle chi­ne­sis­che Medi­zin ver­wen­det wer­den. Deshalb ist das vor­rangige Ziel des BSBCC diese Wilderei zu stop­pen. Die Wilderei und der Haustier­han­del ste­hen zwar unter hohen Strafen, sie wer­den aber oft nicht durchge­set­zt. Und erst wenn dieses Ziel erre­icht ist, ist auch ein Fortpflanzung­spro­gramm geplant um für wach­sende Zahlen in den Wäldern Bor­neos sor­gen zu kön­nen.

Die Bären vom BSBCC

Das BSBCC küm­mert sich derzeit um 44 Bären. Der älteste ist 25 Jahre alt, die zwei jüng­sten ger­ade ein­mal neun Monate. Die meis­ten der hier leben­den Bärem wur­den als Haustiere gehal­ten wie z.B. Fulung, der nicht ein­mal wusste dass er ein Bär ist, da er seit er die Augen öff­nen kon­nte nur Men­schen kan­nte. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich mich in die Bären ver­liebt und nun bin bere­its das dritte Mal bei den Bären in Bor­neo — dies­mal ganze zwei Wochen als Frei­willige Helferin.

So habe ich die Gele­gen­heit die ver­schiede­nen Per­sön­lichkeit­en der einzel­nen Bären richtig ken­nen­zuler­nen. Da gibt es die ver­spielte Simone, die ein­mal meinen Wasser­schlauch an sich reißt als ich ger­ade ihr Wass­er nach­füllen wollte. Dann hät­ten wir den mür­rischen Along, den neugieri­gen Fulung oder die faule Mamatai, die auch gut Balu aus dem Dschun­gel­buch spie­len kön­nte.

Meine Arbeit als Bärenpfleger

Die Auf­gaben als Bärenpfleger im BSBCC umfassen das Sauber­ma­chen, Essen zubere­it­en, Füt­tern und das Erstel­lung von soge­nan­nten Enrich­ments um ihr natür­lich­es Ver­hal­ten spielerisch zu fördern. Es ist extrem heiß in Bor­neo — bis zu 35°C und 100% Luft­feuchtigkeit sind keine Sel­tenheit. Über­all sind Mück­en, die einen pie­sack­en und der Schweiß rin­nt mir in Bächen vom Kör­p­er. Und doch all dieser Stra­pazen habe ich nie größeres Glück bei ein­er Arbeit ver­spürt. Die Arbeit mit den Bären ist kör­per­lich sehr anstren­gend, aber macht unheim­lich glück­lich.

Es ist die Rück­mel­dung von den Bären und das Gefühl Gutes und Sin­nvolles zu tun, was so bere­ich­ernd ist und ich so noch nie zuvor erlebt habe. Wenn ich den Bären Essen gebe und so etwas wie eine Kokos­nuss, Laub oder ein vorheriger Fress­napf noch in der Vor­rich­tung steckt, helfen sie einem es aufzuräu­men damit der neue Behäl­ter hinein geschoben wer­den kann. Meine Lieblings­beschäf­ti­gung ist es ihnen Wass­er zu geben und sie dabei zu beobacht­en wie sehr sie das küh­le Wass­er an heißen Tagen genießen. Sie schaufeln Wass­er aus ihren Trinkbe­häl­tern auf ihr Fell oder nehmen gle­ich eine Dusche unter dem über­laufend­en Behäl­ter. Diese Inter­ak­tio­nen sor­gen für ein großes Glücks­ge­fühl in mir.

Manch­mal füh­le ich mich wie mit­ten in ein­er Wer­bung für Malaysia. Orang Utans bewe­gen sich nur wenige Meter von mir ent­fer­nt und Nashorn­vögel fliegen von Baum zu Baum und lassen dabei ihre laut­en Schreie hören. Diese und zahlre­iche weit­ere Vögel, Insek­ten, Rep­tilien, Ele­fan­ten und Riesen­hörnchen lassen mich die Natur Bor­neos beson­ders wertschätzen.

Der Tagesablauf im BSBCC

Mein Tag im BSBCC begin­nt um 8 Uhr. Die Tätigkeit­en wech­seln jeden Tag etwas ab, sodass die Pfleger nicht immer das Gle­iche tun müssen. Zuerst ist entwed­er das Sauber­ma­chen des Bären­pools, die erste Füt­terung oder das Über­prüfen des Zauns der Außenge­hege an der Rei­he.

Dann geht es an das Sauber­ma­chen der zwei Bären­häuser oder die Essensvor­bere­itung in der Küche. Die Arbeit in den Bären­häusern ist extrem schweißtreibend, da es kör­per­liche Arbeit ist. Bevor es los­ge­ht ist es natür­lich extrem wichtig vorher sich­er zu gehen, dass sich kein Bär mehr darin befind­et. So süß und kusche­lig sie auch ausse­hen mögen, es sind wilde Tiere mit gefährlichen Zäh­nen und Krallen. Deshalb darf auch kein­er die Bären berühren! Nur die erfahre­nen Bärenpfleger sor­gen dafür, dass die Bären von einem Gehege zum anderen gebracht wer­den. Das ist recht ein­fach, da sie alle miteinan­der ver­bun­den sind. So kön­nen wir jedes Gehege reini­gen. Zuerst fegen wir die einzel­nen Gehege aus, füllen die Trinkbe­häl­ter neu und reini­gen Boden und Wände mit Wass­er. Das Ganze mache ich mit bis zu acht Gehe­gen. Zwis­chen­durch muss ich immer wieder viel Wass­er trinken und mich vor einen Ven­ti­la­tor stellen um zu ver­schnaufen.

Die Arbeit in der Küche ist dage­gen etwas entspan­nter — vor allem im Kühlraum, wenn es gilt Bana­nen und andere Früchte abzuwiegen. Jeden Tag gibt es einen Essen­s­plan beste­hend aus Obst, Gemüse, Reis­porridge, Eiern und Mungob­ohnen. Je nach­dem was also heute auf dem Plan ste­ht bere­it­en wir das Essen zu. Wir wiegen die richti­gen Men­gen ab, zerklein­ern oder kochen sie und teilen sie auf die einzel­nen Bären auf. Dabei unter­schei­den wir in Füt­terun­gen in den Außenge­he­gen im Wald, bei denen wir Früchte und Obst über den Zaun wer­fen, und Füt­terun­gen in den Bären­häusern, bei denen sie Reis­porridge, Mungob­ohnen und Eier bekom­men.

Sie wer­den jew­eils zweimal innen und außen gefüt­tert. Die erste Füt­terung find­et direkt am Mor­gen statt, die zweite Füt­terung kurz vor der Mit­tagspause in den Außenge­he­gen, die dritte nach der Mit­tagspause eben­falls draußen und die vierte am Abend in den Bären­häusern. Manch­mal machen wir auch Eis für die Bären, denn auch ihnen ist heiß.

Wenn wir sie draußen füt­tern ist es beson­ders schön sie beim Fressen zu beobacht­en, denn hier entste­hen auch die besten Foto­mo­tive. Und im Ver­gle­ich zu den Besuch­ern auf den Plat­tfor­men sind wir den Bären dabei ganz nah, direkt hin­ter dem Zaun. Am besten sind Tage an denen es Kokos­nuss oder Zuck­er­rohr gibt. Mit ihren schar­fen Zäh­nen und Krallen knack­en sie in Winde­seile die Kokos­nuss um an ihr saftiges Inneres zu kom­men und beim Zuck­er­rohr leg­en sie sich gerne auf den Rück­en und ver­til­gen den Zuck­er­rohr auf ihren Bäuchen. Es ist ein­fach super­süß wie sie dabei spielerisch an ihr Essen kom­men.

Bei der Füt­terung besuchen uns auch immer wieder Makak­en und manch­mal auch Orang Utans und sie ver­suchen den Bären ihr Essen stre­it­ig zu machen. Meist mit Erfolg, denn die Bären inter­essiert das wenig, obwohl es ein Leicht­es für sie wäre sich zu wehren. Kostet wahrschein­lich zu viel Energie in der Hitze des Tages. Am lieb­sten mögen die Bären es wenn es reg­net, denn dann klet­tern sie in die Bäume hin­auf und genießen die Abküh­lung. Auch für uns ist der Regen willkom­men, denn auch wir begrüßen jegliche Abküh­lung.

Dann ist es Zeit für unsere Mit­tagspause, die wir immer im Sepi­lok Café ver­brin­gen, das sich zwis­chen BSBCC und Orang Utan Cen­ter befind­et. Hier gibt es ein­fache, gün­stige Gerichte, die unsere Mägen füllen. Danach ruhen wir uns noch etwas im kli­ma­tisierten Büro aus bevor wir wieder in die Hitze hin­aus treten und den Nach­mit­tag begin­nen.

Am Nach­mit­tag beschäfti­gen wir uns meist mit der Her­stel­lung von Enrich­ments — also der Beschäf­ti­gung der Bären, die ihr natür­lich­es Ver­hal­ten fördern. Wir bauen mith­il­fe von Feuer­wehrschläuchen Hänge­mat­ten oder beschmieren Bam­bus mit Erd­nuss­but­ter oder Honig, die wir dann in die Schläuche hinein steck­en. Manch­mal sam­meln wir Laub und ver­pack­en dies in Säcke und reich­ern sie mit bei Bären beliebten Düften an um ihren Spiel­trieb anzure­gen. Dafür sam­meln wir oft auch Bana­nen­blät­ter, Gin­ger­leafs oder auch Ter­miten­hügel im Dschun­gel. Das Sam­meln der Ter­miten­hügel ist beson­ders anstren­gend, denn es bedeutet eine Wan­derung durch den dicht­en, schwülen Regen­wald.

Das garantiert nicht nur Bäche von Schweiß, son­dern auch den ein oder anderen Blutegel. Ohne Blutegel kommt kein­er wieder raus und der ein oder andere find­et das nicht so lustig. Mir machen Blutegel zum Glück nichts aus, dafür aber die Hitze umso mehr. So kommt es, dass ich mir bei einem Dschun­gel­trek glatt einen Son­nen­stich hole, der mich einen ganzen Tag außer Gefecht set­zt. Und das obwohl ich schon mehr als drei Liter allein während der Arbeit trinke. Die Bären bekom­men dann ihre an dem Tag gefer­tigten Enrich­ments und wir beobacht­en wie sie diese annehmen. Ein­mal schmieren wir etwas Honig um eine Hänge­mat­te um Mamatai dazu zu brin­gen in diese hinein zu klet­tern, sie zieht es jedoch vor die Erd­nuss­but­ter ein­fach mit ihrer lan­gen Zunge abzuschleck­en ohne dass sie sich groß bewe­gen müsste.

Am Abend wird dann die let­zte Füt­terung vor­bere­it­et und verteilt, die Train­ings­ge­hege gesäu­bert oder Kokos­nusss­chalen in den Außenge­he­gen aufge­sam­melt. Das Sam­meln der Kokos­nusss­chalen ist beson­ders anstren­gend, denn es involviert das Tra­gen von schw­eren, mit Kokos­nuss­resten gefüll­ten Kör­ben im ansteigen­den Gelände.

Das alles wird mit lan­gen Hosen, Gum­mistiefeln und dun­kler Klei­dung bewältigt. Die lan­gen Hosen und Gum­mistiefel dienen dem eige­nen Schutz vor den schar­fen Krallen der Bären, die dur­chaus auch mal zwis­chen die Git­ter­stäbe der Gehege gelan­gen kön­nen, und die dun­kle Klei­dung dient dazu die Bären nicht aggres­siv zu machen. Denn grelle Klei­dung mögen Tiere nicht beson­ders — allen voran auch die Orang Utans, die regelmäßig auf dem Gelände der Bären spazieren gehen. Da die Affen hier frei sind muss man mit ihnen beson­ders vor­sichtig sein, denn sie kön­nen sehr aggres­siv wer­den.

Manch­mal sind wir auch bei den Besuch­ern auf der Aus­sicht­splat­tform um mit ihnen über die Bären und die Arbeit vom BSBCC zu sprechen. Denn neben den Zie­len Für­sorge, Reha­bil­i­tierung und Forschung ist auch Bil­dung sehr wichtig. Viele der lokalen Bevölkerung wis­sen nicht ein­mal, dass es in Malaysia Bären gibt. Oft wer­den die Tiere mit Hun­den ver­wech­selt oder gar als “schwarz­er Pan­da” iden­ti­fiziert. Es tut so gut anderen von dieser vergesse­nen Bäre­nart zu erzählen, was ich auch in Deutsch­land immer wieder fleißig tue.

Die Menschen vom BSBCC

Mit jedem Tag ler­nen wir mehr über die Bären und die Arbeit mit ihnen. Mit der Zeit kön­nen wir zumin­d­est ein paar der Bären anhand klein­er Merk­male voneinan­der unter­schei­den, fre­un­den uns mit dem ein oder anderen an oder ler­nen etwas über ihre Schick­sale und Beson­der­heit­en. Wir haben auch Bil­dungsvorträge bei denen wir etwas über die Bären ler­nen oder direkt mit Wong, dem inspiri­eren­den Grün­der des BSBCC, sprechen und alle Fra­gen zu den Bären, Umwelt und deren Erhal­tung loswer­den kön­nen. Wong wid­met sein gesamtes Leben der Ret­tung der Malaien­bären und um ihnen eine Chance zu geben ein Leben frei von Schmerz und Angst zu leben. Ich habe noch nie einen lei­den­schaftlicheren Men­schen getrof­fen.

Ins­ge­samt sind wir vier Frei­willige Helfer aus dem Aus­land sowie viele weit­ere aus Malaysia, die im Rah­men ihres Biolo­gie- oder Tier­arzt­studi­ums hier arbeit­en. Zusam­men mit Bar­bara aus Aus­tralien, Poh-Sim aus Kuala Lumpur und Luisa aus Eng­land wohne ich etwa 10 Minuten Fahrt vom BSBCC ent­fer­nt im Pan­ganakan mit­ten im Dschun­gel. Der einzige Wer­mut­stropfen ist, dass wir keine Kli­maan­lage haben, son­dern nur etwas nut­zlose Ven­ti­la­toren. Wir bekom­men jeden Tag ein Bud­get für Essen, das wir mit­tags im Sepi­lok Café und Abends entwed­er im Restau­rant im Paganakan oder beim Einkaufen und Selb­stkochen aus­geben.

Nach eini­gen Tagen mala­y­sis­ch­er Küche ist zumin­d­est mir unbe­d­ingt danach mal etwas anderes zu kochen oder sog­ar in die Stadt zu fahren um einen unbändi­gen Heißhunger auf Piz­za zu stillen. In diesen zwei Wochen haben wir zwei Tage frei, die ich dafür nutze zum nächst gele­ge­nen Tauch­platz zu fahren: Lahad Datu. Mir ist drin­gend nach Wass­er und Abküh­lung. Bis nach Sem­por­na reichen diese zwei Tage lei­der nicht. Die anderen ver­brin­gen ihre freien Tage ein­fach mit Entspan­nen vor Ort, Besuchen der Stadt oder des Orang Utan Cen­ters.

Jedem von uns ist ein Betreuer zur Seite gestellt, an den wir uns wen­den kön­nen. Allerd­ings kann man jeden der lei­den­schaftlichen Bärenpfleger jed­erzeit alles fra­gen. Wir alle arbeit­en gemein­sam für ein höheres Ziel. Sumi­ra, unsere Betreuerin vom Frei­willi­gen­pro­gramm “Ape Malaysia”, erk­lärt uns alles geduldig und ist immer für uns da. Wir wer­den sog­ar auf ihren Hochzeit­semp­fang ein­ge­laden.

Eine Malaysische Hochzeit

Eine Mala­y­sis­che Hochzeit ist von ein­er europäis­chen sehr ver­schieden. Nach der offiziellen Zer­e­monie gibt es einen soge­nan­nten Hochzeit­semp­fang. Die Feier selb­st haben Sumi­ra und ihr Mann Edswann bere­its hin­ter sich, im Haus sein­er Fam­i­lie in Sem­por­na. Der Emp­fang für Sumi­ras Fam­i­lie und Fre­unde find­et hier in einem Kul­turzen­trum in San­dakan statt. In ein­er großen Halle kom­men viele Men­schen zusam­men — und ihre Fre­unde vom BSBCC, die größ­ten­teils chi­ne­sis­ch­er Abstam­mung sind. Sumi­ra ist Mus­li­ma und hat somit eine ganz andere Hochzeit als solche die auch die chi­ne­sis­chen Kol­le­gen gewohnt sind. Sie wirken eben­so unsich­er wie wir was zu tun ist.

Braut und Bräutigam wer­den extrem her­aus geputzt. Unter all dem Make Up, Schmuck und den Kon­tak­tlin­sen kann man Sumi­ra kaum noch erken­nen. Für bei­de heißt es den ganzen Abend auf der Bühne auf ein­er Art Thron sitzen, der üppig mit Blu­men deko­ri­ert ist. Während dessen fröh­nen die Gäste dem Essen, das aus typ­isch mala­y­sis­chen Gericht­en beste­ht: Vor­rangig Reis, Cur­ry, Duri­an, getrock­neter Fisch und Huhn. Dazwis­chen find­en sich ein paar Katzen ein, die sich an den Resten sat­tessen. Außer­dem wird aus dem Koran vorge­le­sen und gesun­gen. Getanzt wird nicht, es kön­nte höch­stens eine Vor­führung ein­er Tanz­gruppe geben. Die Gäste grat­ulieren ihnen dann nacheinan­der und machen Fotos zusam­men. Irgend­wie ist das Ganze sehr ern­sthaft und wenig fröh­lich, zumal das Braut­paar die Ganze Zeit getren­nt von seinen Gästen sitzt. Es soll ihnen jedoch vor allem eine Art königlich­es Gefühl geben und ich denke das Ziel wird mit ihrer Art zu feiern erre­icht.

Während das Braut­paar mit reich­haltig verzierten Gewän­dern extrem gut aussieht ist es für die Gäste nicht notwendig sich eben­falls mala­y­sisch zu klei­den. Trotz­dem sollte man auf eine gute Klei­dung acht­en und somit gilt auch für uns: Bedeck­en der Schul­tern und Knie. Auf­fäl­lig ist auch, dass die Frauen eher prachtvolle Gewän­der tra­gen während die Män­ner mit nor­maler All­t­agsklei­dung durchkom­men.

Eine Sache erin­nert uns dann doch sehr an euroäpis­che Hochzeit­en: Es gibt eine Hochzeit­storte, die unter großen Gelächter gemein­sam angeschnit­ten wird und auch Brautjungfern gibt es, die stets an der Braut herumzupfen und dafür sor­gen, dass alles seinen recht­en Gang geht.

Ins­ge­samt ist es eine großar­tige Erfahrung, die uns der ein­heimis­chen Kul­tur und dem Essen näher gebracht hat. Es ist eins dieser Erleb­nisse die man erleben kann wenn man länger an einem Ort bleibt und Fre­und­schaft mit den Ein­heimis­chen schließen kann.

Der Rehabilitierungsprozess der Bären im BSBCC

Jed­er neue Bär, der in das BSBCC kommt, hat seine eigene herz zer­reißende Geschichte und sein eigenes Trau­ma. Oft sind sie in schlechtem Zus­tand, sowohl kör­per­lich als auch psy­chisch. So kom­men sie zuerst in die Quar­an­täne, die nur weni­gen Bärenpflegern zugänglich ist um den men­schlichen Kon­takt zu min­imieren. Sie wer­den einem Gesund­heitscheck unter­zo­gen. Wenn alles passt dür­fen die jun­gen Bären ihre ersten Spaziergänge im Wald machen bei denen nur bes­timmte Betreu­ungsper­so­n­en des entsprechen­den Bärens dabei sein kann, ein­er davon seine Leih­mut­ter. So manch­es Mal kön­nen wir aus der Küche aus beobacht­en wie sie ger­ade den zu der Zeit ger­ade mal vier Monate alten winzi­gen Logan spazieren am Bären­haus vor­bei gehen.

Er lernt im Wald dann auf Bäume zu klet­tern, nach Ter­miten zu suchen oder in Pfützen zu plantschen. Ein­fach ein Bär zu sein! Denn wie kann man einem Bären beib­rin­gen ein Bär zu sein, der niemals in der Wild­nis gelebt hat oder nie eine Mut­ter hat­te, die es ihm zeigte? Die Betreuer von Logan zeigen ihm wie man auf Bäume klet­tern und motivieren ihn es nachzu­machen. Das klappt wohl schon ganz gut, nur am Herun­terkom­men muss er noch arbeit­en. Lei­der hat Logan eine ver­stüm­melte Pfote, die wahrschein­lich bei der Jagd auf ihn und seine Mut­ter ent­stand. Mit­tler­weile gibt es einen zweit­en Jung­bären im gle­ichen Alter und bei­de gehen gemein­sam spazieren und ent­deck­en die Welt des Waldes, ihre Welt.

Der näch­ste Schritt ist die Sozial­isierung. In der Wild­nis sind die Bären Einzel­gänger, aber so kön­nen sie voneinan­der ler­nen. Sie bekom­men ein Gehege im Bären­haus und ler­nen Schritt für Schritt die anderen Bären ken­nen. Sie dür­fen dann in die Train­ings­ge­hege, die sich direkt hin­ter dem Bären­haus befind­en um sich langsam an den Wald und den Elek­troza­un zu gewöh­nen. Wenn das alles gut funk­tion­iert dür­fen sie in das von Besuch­ern ein­se­hbare Außenge­hege, das mit dichter natür­lich­er Veg­e­ta­tion und großen Bäu­men bewach­sen ist. Hier kön­nen sie ihrem natür­lichen Ver­hal­ten nachge­hen: Nach Nso­ciali­ahrung suchen, auf Bäume klet­tern, Baumnester bauen, spie­len und aus­ruhen.

Sie kön­nen dann nachts zurück in das Bären­haus kom­men. Ein Bär, der nachts nicht mehr zurück kommt beweist damit, dass er alleine Fut­ter find­en kann und sich ein Nest für die Nacht bauen kann. Somit sind sie Kan­di­dat­en für eine Freilas­sung im Tabin Wildlife Reser­vat, einem der größten Schutzge­bi­ete in Bor­neo. Vier der Bären kon­nten bish­er erfol­gre­ich reha­bil­i­tiert und in die Wild­nis ent­lassen wer­den in die sie gehören. Diese Bären wer­den mit einem GPS Hals­band verse­hen, das Dat­en zu Stan­dort, Tem­per­atur, Aktiv­ität und Höhe liefern. Oft geht dieses Hals­band aber ver­loren und der Verbleib des Bären ist unklar.

Warum sind die Bären eigentlich so wichtig?

Das natür­liche Ver­hal­ten der Malaien­bären trägt zur Gesund­heit des Waldes bei. Sie helfen dabei Samen zu ver­beit­en und Ter­miten­pop­u­la­tio­nen klein zu hal­ten um die tro­pis­chen Bäume zu schützen. In der Erde graben sie nach kle­in­sten Insek­ten, was den Nährstof­fkreis­lauf des Bodens ankurbelt. Wenn die Bären Baum­stämme öff­nen, schaf­fen sie somit Nest­möglichkeit­en für andere Tiere wie Nashorn­vögel oder Flughörnchen.

Fazit

Die Bären wer­den immer einen beson­deren Platz in meinem Herzen haben und aus frem­den Men­schen wur­den Fre­unde. Obwohl die Arbeit anstren­gend und schweißtreibend war ver­misse ich immer wieder diese Tage an denen ich bei den Bären war. Es war mit Sicher­heit nicht das let­zte Mal, dass ich Vol­un­teer­ing beim BSBCC gemacht habe. Besucht das BSBCC bei eurem Besuch in Bor­neo und erzählt jedem von diesen vergesse­nen Bären und ihren Prob­le­men. Und wenn ihr selb­st Inter­esse am Vol­un­teer­ing­pro­gramm beim BSBCC habt, dann schaut auf der Web­site vor­bei.

Only if we understand, can we care. Only if we care, we will help. Only if we help, we shall be saved.”

Jane Goodall


FAKTEN ZUM MALAIENBÄREN
Helarc­tos malayanus / Ursus malayanus

Der Malaien­bär ist der kle­in­ste und unbekan­nteste aller acht Bäre­narten. Er lebt in den tro­pis­chen Regen­wäldern Südostasiens über­wiegend auf Bäu­men, hat einen guten Geruchssinn, aber schlechte Augen. Beson­ders ist seine halb­mond­för­mige, weißlich-gel­bliche Brust­markierung in seinem schwarzen kurzen Fell. Diese ist bei jedem Bären anders, ähn­lich wie ein Fin­ger­ab­druck. Seine 20–25cm lange Zunge eignet sich her­vor­ra­gend um an Ter­miten und andere Insek­ten her­an zu kom­men. Dabei helfen ihm auch seine großen, gebo­ge­nen, spitzen Krallen.

• Alter: bis zu 25 Jahren, in Gefan­gen­schaft 30 Jahre
• IUCN: Rote Liste Gefährde­ter Arten
• Ausse­hen: Kurzes, schwarzes Fell, Halb­mond­för­mige, weißlich-gel­bliche Brust­markierung, Helle Schnau­ze, Lange Zunge: 20–25cm, Kleine, runde Ohren, Große, gebo­gene, spitze Krallen, Nack­te Sohlen der Tatzen
• Größe: 120–150 cm, Schul­ter­höhe: 70cm
• Gewicht: 30–70kg
• Nahrung: Kokos­nüsse, Insek­ten, Maden, Honig, Früchte wie Feigen, Duri­an, Avo­ca­do und Bana­nen

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