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Maximiliansweg: Abenteuer deutsche Alpendurchquerung

Posted: 21. Juli 2020

Der Maximiliansweg quert die deutschen Alpen in über 400km von West nach Ost. Er beginnt in Lindau am Bodensee und endet 21 Tage später in Berchtesgaden. Dazwischen liegen viele Höhenmeter, Gipfel und kleine Talorte. Auf der Route liegen das berühmte Schloss Neuschwanstein und bekannte Gipfel mit fantastischer Aussicht wie der Hochfelln. Zuerst geht es durch den hügeligen Bregenzerwald, dann durch die Allgäuer Berge mit der Nagelfluhkette. Auf die schroffen Ammergauer Berge folgen die Bayrischen Voralpen, dann das Chiemgau mit der Kampenwand und schließlich erreiche ich Berchtesgaden.

Mit dem Maximiliansweg liebäugele ich schon länger und aufgrund der aktuellen Corona-Lage liegt ein Ausflug in die heimischen Berge nahe. Also organisiere ich mir spontan den Maximiliansweg. Die Unterkünfte habe ich alle vorgebucht. Ich begegne keinem anderen, der den Weg ebenfalls vollständig läuft. Es ist also bis auf die bekannten Gipfel wie Wendelstein und Hochfelln nicht überlaufen.

1. Tag – Von Lindau nach Wolfurt: Am Bodensee entlang

4,5h / 22km / 0hm

Ich stehe früh auf und nehme kurz nach sieben Uhr den Zug nach Lindau, wo ich ein bisschen Schlaf nachhole. In Lindau komme ich aus dem Bahnhof raus und stehe direkt vor dem bekannten Bild mit Leuchtturm und Löwe am Hafen des Bodensees. Mein weiterer Weg führt durch die Stadt und dann immer am Bodensee entlang. In der Ferne ragen die Schweizer Berge auf. Es geht immer am Bodenseeradweg entlang, der durch Wälder am Bodensee führt, abseits der Straßen. Ich komme nach Österreich und dann nach Bregenz. Ich lasse es heute ruhig angehen, mache viele Pausen und schaue auf den Bodensee hinaus. Heute sind es nur 22km von Lindau bis zu meiner Unterkunft in Wolfurt. Leider regnet es gegen Mittag und ich wechsel in die Regenmontur. Es grummelt auch immer wieder im Himmel. Der Nachmittag wird dann allerdings schön und sonnig. Erst nachdem ich meine Unterkunft erreicht habe, beginnt wieder ein Gewitter. Glück gehabt. Es geht weiter am Bodensee entlang bis ich zur Mündung der Bregenzerach, einem Fluss, komme, dessen Verlauf ich nun folge. Nach weiteren 1,5 Stunden erreiche ich Wolfurt, mein erstes Ziel.

2. Tag – Wolfurt nach Lingenau: Durch den Bregenzerwald

6h / 23km / 1.160hm

Am Morgen gibt’s gleich ein Gewitter und ich warte bis es aufgehört hat zu regnen. Allerdings ist die Regenpause nur kurz und als ich loslaufe fängt es wieder an zu schütten. Ich warte eine Weile an einer überdachten Bushaltestelle und ziehe mir die Regenkleidung an. Dann wage ich mich in den Regen hinaus, der zum Glück aufhört als ich die Stadt verlasse. Der Weg führt mich durch Wald bergauf. Ich bin froh die Regenkleidung wieder ausziehen zu können, denn beim Aufstieg wird mir ordentlich warm. Ich erreiche eine Teerstraße mit schnuckeligen Häusern rechts und links. Über Wiesen geht es wieder abwärts und hinein nach Alberschwende, das etwa die Hälfte des Tagesmarschs markiert. Von hier kann ich schon das Gipfelkreuz des Brüggelekopfs sehen auf den es nun geht. Die Teerstraße mündet in einen Forstweg und wird schließlich zu einem kleinen Pfad steil bergauf durch den Wald. Hier stoße ich auch auf die ersten Wanderer, die ebenfalls des Maximiliansweg wandern, allerdings nur einen Abschnitt davon. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Brüggelekopf und genieße die Aussicht, die sich bis zum Bodensee erstreckt. Ich kehre im Alpengasthof unterhalb des Gipfels ein und esse Mittag. Mittlerweile scheint die Sonne auch mit voller Kraft und der Gasthof ist gut besucht.

Nun geht es nur noch bergab, erst auf Teerstraße, dann auf einem Pfad durch den Wald und schließlich wieder auf Teerstraße bis Müselbach. Es geht an der großen Straße über die Lingenauer Hochbrücke, die spektakulär über die Schlucht der Bregenzerach führt. Glücklicherweise gibt es einen Fußweg an der Straße, der allerdings nach der Brücke aufhört und mich zwingt am Straßenrand etwa 200m bis zur nächsten Abzweigung zu gehen. Nun geht es wieder ein Stück bergauf und auf kleinem Teersträßchen vorbei an schönen Holzhäusern bis nach Lingenau, meinem heutigen Tagesziel. Ich habe Glück, denn bald nach meiner Ankunft beginnt es wieder zu regnen. Und das obwohl im Wetterbericht nichts von Regen stand, den ganzen Tag nicht. Besonders freue ich mich heute über die Dusche, denn ich bin bei den Aufstieg ordentlich ins Schwitzen gekommen.

3. Tag – Lingenau bis zum Staufener Haus: Gratwanderung

6,5h / 18 km / 1.600hm

Der erste Teil heute führt mich von Lingenau nach Hittisau. Hier geht’s in den Wald hinein, der mich bis nach Hittisau begleitet. Nun habe ich mich für eine Variante des Maximiliansweg entschieden. Anstatt der offiziellen Route weiter südlich zu folgen, steige ich hinauf zum Hochhäderich. Dafür überquere ich den Fluss. Dann geht’s über Wiesen- und Waldgelände steil bergauf bis ich das Berggasthaus Hochhäderich erreiche, das kurz unterhalb des Gipfels steht. Hier mache ich Mittagspause und esse eine Kleinigkeit, bevor es weiter auf den Gipfel geht. Die Sonne verabschiedet sich nun leider für heute, aber wenigstens regnet es nicht wie angesagt. Der Wetterbericht ist dieser Tage echt unbrauchbar.

Vom Hochhäderich geht es nun immer am Kamm entlang, der die westliche Nagelfluhkette bildet. Es geht immer wieder Auf und Ab und der Weg nimmt einige Gipfel mit: Den Falken, die Rhonehöhe, den Hochfluhalpenkopf und zu guter Letzt den Seelekopf. Dabei summieren sich die Höhenmeter auf 1.600 bis zum Staufner Haus, meinem Tagesziel. Bald ziehen Wolken auf und plötzlich stehe ich mittendrin. Leider keine Aussicht mehr heute, aber wenigstens bleibt es trocken. Nach etwa drei Stunden auf der Überschreitung vom Hochhäderich erreiche ich das Staufner Haus.

4. Tag – Staufner Haus nach Gunzesried: Überschreitung in den Wolken

5,5h / 16km / 867hm

Der Morgen beginnt mit Regen und ich hänge inmitten von Wolken. Hilft nix – Regenkleidung an und los. Zuerst geht es rauf auf den Hochgrat, wo die Sicht gleich null ist. Die Überschreitung der Nagelfluhkette ist normalerweise einer der schönsten Abschnitte auf dem Maximiliansweg, leider ist davon heute nicht viel zu sehen. Der nächste Gipfel ist das Rindalphorn, dessen Spitze ich links liegen lasse. Langsam verziehen sich die Wolken und geben immer mal wieder die Sicht auf den Grat und die steilen Abhänge rechts und links von mir frei. Die wabernden Wolken machen’s so richtig atmosphärisch. Zweimal kommt sogar kurz die Sonne raus, mehrheitlich regnet es allerdings. Zum Glück nicht stark, aber der Weg ist trotzdem unangenehm schmierig und rutschig. Es geht immer wieder Auf und Ab von Gipfel zu Gipfel. Der nächste ist der Buralpkopf.

Ich komme zum letzten Gipfel, den Sedererstuiben auf 1.772m. Hier habe ich sogar Aussicht auf den Grat und die grünen Hügel um mich herum. Kurz danach lande ich in einer Senke von der nun der Abstieg folgt. Eigentlich könnte man noch über den Stuiben weitergehen, was sich aber nur bei trockenen Verhältnissen empfiehlt. Ich bin froh den Grat nun verlassen zu können. Auch beim Abstieg verfolgt mich der Regen, der aber immer mal wieder aufhört. In langen Kehren geht es teilweise rutschig über Geröll und Steine hinab. Ich erreiche eine Alm und von nun an geht es entspannt auf einer Forststraße bis nach Wiesach, wo bald asphaltierte Straße beginnt. Ich wage es meine Regensachen auszuziehen und endlich kommt ein bisschen die Sonne zum Vorschein. Ich erreiche das kleine Dorf Gunzesried nach 5,5h wo ich meine Unterkunft für heute habe.

5. Tag – Sonthofen nach Pfronten: Zwei Gipfel

7,5h / 30km / 1.182hm

Am Morgen fahre ich mit dem Bus nach Sonthofen, da der Weg nur an der Straße entlang verläuft und vom Wanderbuch wird der Bus empfohlen um die Strecke zu vermeiden. Als erstes gehe ich zum nächsten Elektromarkt um neue Kopfhörer zu kaufen, denn meine haben vorgestern den Geist aufgegeben. Dann mache ich mich um 10 Uhr auf den Weg. Zuerst geht’s durch die Stadt Sonthofen. Ein kurzes Stück geht’s über eine Wiese und dann eine ganze Weile über Teerstraße bergauf bis ein Pfad in den Wald hinein führt. Immer mal wieder steil hinauf steige ich bis zum Tiefenbacher Eck auf 1.569m. Von hier kann ich schon den nächsten Gipfel erkennen – den Spieser. Erstmal geht’s aber wieder bergab um auf der anderen Seite wieder hochzusteigen. Nach fast vier Stunden stehe ich am Gipfel des Spiesers. Nun führt mich der Weg wieder bergab bis nach Unterjoch, wo ich an einer Bäckerei Mittagspause mache.

Es geht wieder bergauf bis zum Landhotel Rehbach, das gerade renoviert wird und somit geschlossen hat. Der Weg führt steil hinab ins Vilstal und führt immer am Bach entlang, meist eben in etwa zwei Stunden bis nach Pfronten, wo ich nach 7,5h ankomme. Eine lange Etappe liegt heute hinter mir und vor allem der Weg am Bach entlang zieht sich gewaltig.

6. Tag – Pfronten nach Schwangau: Zu den Königsschlössern

6h / 21km / 785hm

Zunächst geht es hinein in die Ortschaft Pfronten und dann weiter am Fluss Vils entlang. Dann beginnt der Aufstieg zur Burg Falkenstein, der mich ordentlich ins Schwitzen bringt. Die Ruine selbst wird grad renoviert, aber die Aussicht von hier oben ist trotzdem schön: Forggensee, Ammergauer und Allgäuer Alpen im Blick. Dann geht’s ein Stück Straße entlang bis ich wieder im Auf und Ab in den Wald eintauche. Bald komme ich zu einer herrlichen Aussicht auf alle vier Seen in der Umgebung. Weiter führt mich der Weg auf Schotterstraße steil bergab bis zum Alatsee. An ihm führt eine Straße entlang, der ich folge und mich zum nächsten See, dem Obersee, führt. Hier gönne ich mir ein Eis bei dem kleinen Kiosk. Nun führt mich der Weg nach Füssen hinein, wo meine nächste Unterkunft ist. Ich laufe allerdings noch weiter bis Hohenschwangau um die Tagesetappe zu komplettieren. Ich habe schlichtweg keine Unterkunft in Hohenschwangau bekommen.

Von Füssen geht’s wieder steil bergauf auf einem Kreuzweg bis zum Kalvarienberg, der eine hübsche Aussicht über Füssen bietet. Nun führt mich der Weg wieder hinunter zum Schwansee und schließlich erreiche ich Hohenschwangau nach fast sechs Stunden Fußmarsch. Ich habe Glück, denn kurz vor meiner Ankunft beginnt es zu regnen; es schüttet richtiggehend. Während ich auf den Bus warte, der mich zurück nach Füssen bringt, hole ich mir noch ein Eis, Cola und eine Bratwurstsemmel. Schließlich kommt der Bus und bringt mich nach Füssen in dessen Altstadt ich ein schnuckeliges Airbnb Zimmer habe. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne und ich kann gemütlich einkaufen gehen.

7. Tag – Schwangau bis zur Kenzenhütte: In die Ammergauer Alpen

7,5h / 20km, 1.700hm

Ich fahre mit dem Bus zurück nach Hohenschwangau und begebe mich dann auf den Aufstieg zum Tegelberg, der sich hoch über dem Schloss Neuschwanstein erhebt. Nach kurzer Zeit erreiche ich die Marienbrücke, die einen herrlichen Ausblick auf Schloss Neuschwanstein bietet. Der Anstieg ist nur mäßig steil und nach 2,5h erreiche ich das Tegelberghaus, wo ich Mittagspause mache. Der Tegelberg bietet eine wunderschöne Aussicht auf die Seen unter mir. Ein Stück weiter muss ich mich entscheiden ob ich dem eigentlichen Weg folge oder der alpineren Variante über Krähe und Hochplatte. Da das Wetter gut ist entscheide ich mich für letzteres. Das sollte ich noch etwas bereuen.

Es geht immer wieder Auf und Ab bis ich die Serpentinen auf den Gabelschrofensattel erreiche. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel der Krähe. Unter leichtem Einsatz der Hände in einfacher Kraxelei erreiche ich den Gipfel. Mittlerweile ziehen schon bedrohlich dunkle Wolken auf. Von hier geht’s wieder hinunter zum Fensterl, einem Loch im Felsen. Hier treffe ich gleich auf zehn Steinböcke! Außer mir ist keiner unterwegs und ich habe diesen Anblick ganz für mich. Alleine dafür hat sich die Variante schon gelohnt. In leichter Kraxelei und über eine drahtseilversicherte Stelle wandere ich über den Grat zum Gipfelkreuz der Hochplatte. Beim Abstieg von der Hochplatte fängt es an zu regnen und wird immer stärker bis es sogar zu hageln anfängt. Ich werde trotz Regenkleidung bis auf die Unterhose durchnässt. Der Weg nach unten gleicht mittlerweile eher einem Bach als einem Weg und der Abstieg über das mit Latschen bewachsene Karstgelände ist rutschig und schmierig. Wäre ich mal doch den anderen Weg gegangen, dann wäre ich schon an der Hütte. So aber kämpfe ich mich durch den Regen und erreiche schließlich die Kenzenhütte, wo es prompt aufhört zu regnen. Ich entledige mich meiner nassen Kleidung und stelle fest, dass sowohl Ersatzsocken, Ersatzunterhose und Schlafsack ebenfalls nass geworden sind.

8. Tag – Kenzenhütte bis Unterammergau: Gratwanderung zur Klammspitze

6,5h / 19,5km / 1.105hm

Am Morgen regnet es und ich verkrieche mich nach dem Frühstück nochmal in den Schlafsack bevor ich mich nach draußen begebe. Zum Glück ist meine Kleidung im Trockenraum der Hütte gut getrocknet. Schließlich werfe ich mich in die Regenkleidung und verlasse die Hütte. Es geht leicht bergauf bis zum Bäckenalmsattel. Von hier kenne ich die Strecke und ich steige hinauf bis zum Gipfelgrat des 1.885m hohen Feigenkopfs. Die Wolken wabern gespenstisch durch die Täler unter mir. Der Regen hat mittlerweile aufgehört, aber der Weg über die Felsen ist trotzdem rutschig. Ich gehe sehr vorsichtig. Eine Stelle ist seilversichert, der Rest erfolgt in freier Kraxelei. Immer am Grat entlang geht es im Auf und Ab bis zum Gipfel der Klammspitze. Der Weg führt nun bergab ohne große Schwierigkeiten außer einer Stelle, wo der Weg abgerutscht ist. Schließlich erreiche ich das Brunnenkopfhaus, wo ich mir eine Spezi gönne. Während ich so hier sitze kühle ich schnell aus, denn besonders warm ist es heute nicht.

Dann wandere ich zuerst auf der breiten Forststraße hinab bis ein Pfad links abzweigt. Auch hier geht es wieder Auf und Ab bis ich das Pürschlinghaus erreiche. Hier wäre eigentlich der offizielle Übernachtungsplatz, aber da die Hütte gerade renoviert wird, ist nur der Kiosk offen. Von hier steige ich auf breiter Forststraße ab bis nach Unterammergau, wo ich auf Roberto treffe, der mit dem Übernachtungsmobil, meinem VW Bus, herkommt. So muss ich heute nicht zelten, obwohl ich die Ausrüstung dafür dabei hätte. Wir gehen kräftig essen in der Ettaler Mühle bevor wir uns für die Nacht einrichten.

9. Tag – Unterammergau nach Eschenlohe: Auf’s Hörnle

6,5h / 23km / 929 hm

Morgens steigen wir steil bergauf durch den Wald bis zur Hörnlehütte. Hier gibt es gleich vier Gipfel zu besteigen: Vorderes, Mittleres und Hinteres Hörndl sowie den Stierkopf. Da hier auch eine Seilbahn hochführt ist entsprechend viel Betrieb hier oben. Nach der Besteigung aller vier Gipfel verabschiede ich mich von Roberto. Als ich mich zum Rißberg aufmache bleiben die Massen hinter mir zurück und ich bin wieder alleine. Es geht nun steil im Wald bergab und schon bald treffe ich auf erste Hindernisse. Viele Bäume sind hier kreuz und quer über den Weg gestürzt. Es heißt oben drüber oder unten durchzukrabbeln. Hier treffe ich auf zwei Wanderer, die ebenfalls den Maximiliansweg laufen. Ich sehe sie allerdings nicht mehr wieder. Entweder gehen sie andere Etappen als ich oder sie gehen ebenfalls nur ein Teilstück. Ich erreiche ohne weitere Schwierigkeiten Grafenaschau von wo mich eine ebene Straße in zwei Stunden nach Eschenlohe bringt. Kurz vor dem Ort entdecke ich ein Erdbeerhäuschen und versorge mich für den weiteren Weg bis zum Hotel mit Erdbeeren.

10. Tag – Eschenlohe bis Herzogstand: Gratwanderung zum Herzogstand

4,5h / 14,5km / 1.371hm

Von meinem Hotel aus überquere ich den Bach und ein Pfad führt mich wieder zurück auf den Maximiliansweg, der nun seicht ansteigend auf einer Forststraße verläuft. Nach einer Weile wird aus der Straße ein Pfad, der mich steil hinauf bringt. Schließlich treffe ich auf den Hauptweg wo plötzlich ganz viele Menschen sind. Einige Serpentinen später komme ich am Heimgarten an und mache an der dortigen Hütte Mittagspause. Nur wenige Meter trennen mich nun von diesem beliebten Gipfel. Der Blick reicht von den bayrischen Voralpen über das Karwendel bis hin in die Stubaier Alpen mit ihren Dreitausendern. Nun geht es auf die Gratwanderung zwischen Heimgarten und Herzogstand. Im Auf und Ab laufe ich dem Herzogstand entgegen. Links der Kochelsee, rechts der Walchensee unter mir. Es ist schon 15 Uhr und es ist nicht mehr so viel los auf der wohl bekanntesten Wanderung der Bayrischen Voralpen. Ich nehme ein Gipfelkreuz auf dem Grat mit, dann geht’s steil hinauf zum Herzogstand. Auf meiner Isomatte lege ich mich in die Sonne bis sie hinter den Wolken verschwindet. Hier oben findet sich die perfekte Übernachtungsmöglichkeit an dem überdachten Pavillon unter dem ich mein heutiges Lager aufschlage. Das Herzogstandhaus liegt unter mir, bietet jedoch nur Übernachtungen von Mittwoch bis Sonntag, weshalb ich heute draußen biwakiere.

11. Tag – Herzogstand bis Tutzinger Hütte: Wanderung in den Wolken

7h / 23km / 1.150

In der Nacht hat es kalt gewindet, sodass ich mich in den Pavillon verkrochen habe, wo es deutlich wärmer ist. Kurze Zeit später kommt auch eine der Damen, die ebenfalls hier übernachten, hinzu. Der Morgen beginnt mit strahlendem Sonnenschein, aber bald schon ziehen die ersten Wolken herbei, die die Aussicht schlucken. Die Wolken sollen mich den ganzen Tag begleiten. Erst einmal steige ich vom Herzogstand ab, kurzes Wasser auffüllen in der Hütte inklusive. Über Forststraße geht’s hinab. Ich erreiche die Straße und gleich auf der anderen Seite geht es wieder hoch Richtung Jochberg. Auf den Gipfel führt mich mein Weg heute nicht sondern rechts vorbei zur Jocheralm. Ich hänge tief in den Wolken fest und ein kalter Wind weht vorüber. Es geht nun steil hinunter in den Wald wo ich kurz die Orientierung verliere und etwas brauche um wieder den richtigen Pfad zu finden. Ich machen nur kurze Gehpausen, da ich dem am Nachmittag angesagten Regen entkommen will. Ein kurzer steiler Anstieg bringt mich zur Staffelalm unterhalb des Rabenkopfs, dessen Besteigung sich in der Wolkensuppe nicht anbietet. Nach einem Abschnitt auf der Forststraße geht es wieder hinauf bis zur Glaswandscharte und weiter steil bergan. Hier fängt es auch an zu regnen was vor allem bei bevorstehendem Abstieg unangenehm wird, denn der führt über nasse Felsen und Wurzeln. Ich erreiche den höchsten Punkt von wo aus man zur Benediktenwand aufsteigen könnte, was ich heute rechts liegen lasse. Kurz darauf erreiche ich nach knapp sieben Stunden die Tutzinger Hütte, meinem Quartier für die Nacht.

12. Tutzinger Hütte bis Lenggries: Über die Benediktenwand nach Brauneck

5h / 15km / 849hm

Heute ist der Himmel wieder blau weswegen ich mich entscheide die Benediktenwand zu besteigen. Dafür steige ich etwa eine halbe Stunde auf dem Weg, den ich gestern runtergekommen bin. Eine weitere halbe Stunde bringt mich durch Latschen zum Gipfel. Es ist kalt heute und ich warte auf die Sonne, die bald herauskommt. Der Blick reicht in die Ebene bis zum Starnberger See, ins Karwendel und bis zum Alpenhauptkamm. Ich überschreite den Gipfel und gelange zum Rotöhrsattel. Von hier geht es erstmal bergab bis es wieder steil hinauf bis zum Latschenkopf geht. Hier treffe ich dank Seilbahn wieder auf jede Menge Menschen. Ich laufe weiter auf dem Grat mit den Gipfeln von Kirchstein und Stangeneck und gelange zum Brauneck mit seinem großen Restaurant, wo ich mich Mittagspause mache. Von hier geht es nun nur noch über Forstraße hinab bis nach Lenggries. Ein kurzer Marsch bringt mich ins Zentrum zu meiner Unterkunft.

13. Lenggries bis Bad Wiessee: Geierstein und Fockenstein

5h / 15,5km / 968hm

Ich starte heute spät, aber die Strecke ist nicht weit. Der Weg führt mich aus der Stadt heraus und zum Anstieg auf den Geierstein, der schnell sehr steil wird. Der Weg führt recht unübersichtlich durch den wurzeligen Wald. Kurz nach einem ersten Aussichtspunkt gelange ich auf den Gipfel, der sich hoch über dem Isartal und Lenggries erhebt. Danach geht’s erstmal wieder bergab bis der Weg wieder bergauf zum Fockenstein führt, der eine herrliche Aussicht bis zum Tegernsee bietet. Über den Ostgrat geht der Weg steil bergab bis ich auf Forststraße stoße, die zur Aueralm führt. Hier mache ich eine späte Mittagspause bis ich erst auf Forststraße, dann auf einem Waldpfad nach Bad Wiessee absteige. Schließlich gelange ich ins Skigebiet und erreiche nach etwa fünf Stunden die Stadt, die heute mein Nachtquartier ist.

14. Bad Wiessee bis Fischbachau: Kaiserschmarrn auf der Gindelalm

6h / 26km / 1.088hm

Morgens fahre ich mit dem Schiff von Bad Wiessee rüber nach Tegernsee auf der anderen Seite. Dann geht’s viele Stufen aufwärts, erst zum Wirtshaus Neureuth und kurze Zeit später erreiche ich die Gindelalmen. Hier hat man die Wahl zwischen gleich drei Almen. Ich nehme die Nr. 3 und lasse mich hier zum Mittagessen nieder. Kaiserschmarrn, nom nom! Danach besteige ich noch rasch die Gindelalmschneid deren Gipfel direkt über den Almen thront. Nun gehe ich abwärts und gelange nach Schliersee, den ich schon von der Gindelalmschneid hervorblicken sehen konnte. Ab hier zieht sich die Strecke. Erstmal geht’s durch Schliersee am Ufer und an Straßen entlang bis es ein Eis später wieder aufwärts auf Forststraßen geht. Mitten im Wald führt der Weg dann wieder bergab, was sich bis Fischbachau zieht. Der Rest folgt der Straße bis zu meiner heutigen Unterkunft.

15. Fischbachau bis Mitteralm: Über den Wendelstein

5h / 14,5km / 1.279hm

Heute Morgen führt mich der Weg erstmal bergauf auf einer Forststraße, die mal mehr mal weniger steil hinauf führt. In strategisch günstigen Abständen gibt es Bänke, wovon ich gern die ein oder andere nutze. Schließlich geht der Weg in einen Pfad über und führt mich nach einer längeren Querung in steilen Serpentinen hinauf. Am Wendelstein sind plötzlich dank der Bahn jede Menge Leute, wo es vorher recht einsam zugegangen ist. Der ausgebaute Weg zum Gipfel ist eine wahre Autobahn. Sanft geht’s bergauf auf teilweise geteertem Weg oder über Stufen hinauf. Am Gipfel läuft mir fast mein ganzes Wasser aus, da ich den Schlauch meiner Trinkblase nicht zugemacht habe. Ich muss also wieder hinunter zum Wendelsteinhaus um neues Wasser zu holen. Erstmal genieße ich jedoch die Aussicht, die bis zu den Hohen Tauern reicht. Viele bereits bestiegene Gipfel sind in Sichtweite. Ich hole neues Wasser und gehe dann wieder hinauf bis kurz vor dem Gipfel, obwohl mir später klar wird, dass ich auch von der Hütte hätte den Weg nehmen können. Naja, ein paar extra Höhenmeter. Der Weg schlängelt sich bergab zur Zeller Scharte. Ich entscheide mich für die Variante über den Soinsee zur Mitteralm zu gelangen, was mich nach einem kurzen Bergab wieder hinauf führt. Schließlich liegt der Anstieg hinter mir und ich kann schon den Soinsee unter mir erkennen. Nun geht’s abwärts zum See mit der Soinhütte. Ein schmaler Pfad steil bergab bringt mich dann zur Mitteralm, die an der Mittelstation der Wendelsteinbahn liegt. Ich mache kurz ein kleines Nickerchen in der Wiese bevor ich die letzten Meter zur Hütte absteige. Nach etwa fünf Stunden erreiche ich mein Ziel. Nicht lange danach fängt es an zu regnen und zu gewittern. Das ist schonmal der Auftakt für den morgigen nassen Tag.

16. Mitteralm bis Hohenaschau: Ein nasser Tag

8h / 31,5km / 1.213hm

Heute regnet es mehr oder weniger den ganzen Tag. Der erste Teil des Tages führt mich durch urbane Gegenden. Erstmal geht’s von der Mitteralm bergab bis ich nach Brannenburg komme. Hier heißt es nun an der Straße entlang laufen, immerhin gibt’s einen Fußweg. Von Brannenburg geht’s weiter über Landstraße bis Nußdorf. Ich mache kurz Pause an einer überdachten Bushaltestelle, die erste und letzte Pause für heute. Ich gelange auf einem Gemisch aus Pfad und Straße bis zum Duftbräu. Es geht weiter bis ein Weg rechts zum Hochries abgeht. Erstmal verlaufe ich mich jedoch, weil mein GPS Track falsch ist, aber schließlich erreiche ich die richtige Abzweigung. Über Forstweg und später einem Steig geht’s zum Hochrieshaus. Es regnet die ganze Zeit vor sich hin und ich bin schon patschnass. Am Gipfel halte mich deshalb nicht auf, ich gehe sofort wieder hinunter. Ich will es heute bis Hohenaschau schaffen, also steht mir der ganze Abstieg noch bevor. Das Hochrieshaus nimmt momentan keine Übernachtungsgäste, aber da Wochenende ist, kommt Roberto wieder mit meinem VW Bus nach Hohenaschau und ich bin froh bei dem Regen nicht zelten zu müssen. Mein Zelt habe ich so gar nicht gebraucht, nur den Schlafsack für einige Hütten und Isomatte für das Biwakieren am Herzogstand. Der Abstieg zieht sich gewaltig. Ich könnte schwören, dass die Angabe 1h auf den Schildern nach Hohenaschau ständig wiederkommt ohne an Zeit abzunehmen. Der Weg hat sich schon wieder teilweise in kleine Flüsse verwandelt und beschert mir nasse Füße. Schließlich erreiche ich aber doch Hohenaschau und prompt als ich ankomme hört es auf zu regnen. Na schönen Dank auch. Raus aus den nassen Sachen, ich bin mal wieder auch unter der Regenkleidung nass und ich breite alles im Bus aus. Wir fahren essen, denn dazu kam ich außer zu einem Schokoriegel heute nicht.

17. Hohenaschau bis Sonnenalm: Zur Kampenwand

3,5h / 11km / 1.153hm

Morgens trocknen wir erstmal meine Sachen in der Sonne. Da ich den Abstieg vom Hochries schon gestern gemeistert habe, steht heute nur eine kurze Etappe an. Es ist mittags bis meine Sachen trocken sind und wir uns auf den Weg machen. Aufwärts geht’s von der Talstation der Kampenwandbahn auf einem Gemisch aus Pfad, Teerstraße und Forststraße. Anfangs steigt der Weg nur sanft an, später wird er steiler. Wir kommen an zahlreichen Almen vorbei, an einer gibt’s ein Eis. Dann erreichen wir die Steinlingalm unterhalb der Kampenwand. Hier kehren wir auf Kuchen und ein Getränk ein bevor ich mich auf den Weg zum Kampenwandgipfel mache. Heute ist aufgrund fortgeschrittener Stunde weniger los als das letzte Mal als hier oben war. Der Weg führt zuerst über Geröll und dann leicht kraxelig durch Felsen hinauf. Von oben habe ich eine herrliche Aussicht auf den Chiemsee, Berchtesgadener Alpen, Kaiser, Loferer Steinberge und Hohe Tauern. Ich steige wieder ab und wir chillen noch kurz in der Wiese bevor es auf breitem Weg leicht bergauf zur Sonnenalm oberhalb der Bergstation der Kampenwandbahn, meinem heutigen Quartier. Eine Übernachtung auf der Sonnenalm ist ziemlich teuer, aber das Essen, das als Halbpension inkludiert ist, ist sehr gut. Mein Abendessen besteht aus Salat, Gnocchi und Apfelstrudel zum Nachtisch. Später kommt sogar noch ein zweiter Nachtisch in Form einer Art Puddingkuchen. Ich gehe auf die Westterrasse und sehe der Sonne beim Untergang zu.

18. Sonnenalm bis Hochgernhaus: Weite Aussichten

6h, 23km / 1.403hm

Als erstes geht es heute Morgen zurück zur Steinlingalm unterhalb der Kampenwand. Ich gehe ein Stück des Gipfelwegs entlang bis nach links ein schmaler Pfad abzweigt. Ich erreiche eine Scharte über die ich die Felsen der östlichen Kampenwand überschreite und gehe abwärts auf dem Steig bis ich auf eine breite Forststraße stoße. Hier geht’s kurz bergan bis der Gipfelweg der Hochplatte nach rechts abzweigt. Den Gipfel nehme ich natürlich mit und bin in gut 30 Minuten auf und wieder abgestiegen. Von hier gibt es einen traumhaften Blick über den Chiemsee und weiter bis zum Kaiser und den Hohen Tauern. Nun geht’s erstmal nur bergab und schließlich auf einem Pfad bis Marquartstein. Hier quere ich den Fluss und erreiche kurz darauf den Hochgernwanderparkplatz. Der zweite Teil des Tages führt mich wieder hinauf. Über Forststraße geht’s mäßig steil hinauf bis zur Agergschwendalm, wo ich eine Limonadenpause mache. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Hochgernhaus, das eine fantastische Aussicht auf Chiemgauer, Kaiser, Tauern und Loferer Steinberge bietet. Außerdem auch leckere Kasspatzn.

19. Hochgernhaus bis Ruhpolding: Über Hochgern und Hochfelln

5,5h / 18km / 915hm

Morgens geht’s erstmal flott auf einem schmalen Pfad auf den Hochgern, wo mich eine großartige Aussicht erwartet. Schöne Wildblumen runden das Gipfelerlebnis ab. Dann gehe ich über einen Steig bergab bis zur Bischofsfellnalm und weiter hinab bis ich auf eine Forststraße treffe, die nun wieder ansteigt. Nach einer Weile auf der Forststraße zweigt ein schmaler Bergpfad links ab und führt mich weiter bergauf bis zum Gipfel des Hochfelln. Wo ich zuvor fast war sind hier nun dank Seilbahn jede Menge Menschen. Nach kurzer Gipfelschau kehre ich im Hochfellnhaus zum Mittagessen ein. Eine Stunde später mache ich mich an den Abstieg, wo ich nach kurzer Zeit wieder allein bin. Auf schmalen Bergpfaden steige ich ab bis ich den Weiler Egg und über Teerstraßen schließlich Ruhpolding erreiche.

20. Ruhpolding bis Bad Reichenhall: Über Almen

7h / 27,5km / 1.030hm

Der erste Teil des Tages verläuft wieder in urbaner Gegend. Ich verlasse Ruhpolding und nach einer Weile erreiche ich eine Forststraße, die durch den Wald sanft bergab führt. Ich komme am Froschsee heraus von wo es wieder auf Teerstraße bis nach Inzell weitergeht. Ich erreiche Einsiedel, wo ich auf eine Forststraße stoße, die mich hinauf bringt. Nach einer Weile zweigt ein Pfad rechts ab und führt mich bergauf bis zur Kohleralm. Danach geht’s erstmal wieder bergauf und im weiteren Verlauf immer wieder im Auf und Ab auf schmalen Pfaden bis zur Zwieselalm. Von hier geht’s bergab bis zum kleinen Listsee. Über Straße wandere ich bis nach Bad Reichenhall.

21. Bad Reichenhall bis Berchtesgaden: Der letzte Tag

4h / 20km / 458hm

Der letzte Tag ist ziemlich unspektakulär. Das Highlight des Tages sind zwei Esel am Wegesrand. Ich verlasse Bad Reichenhall und stoße bald auf einen Weg, der durch den Wald und nahe der Bahngleise führt. Zum Schluss geht’s an der Straße entlang bis nach Berchtesgaden. Ich gehe direkt zum Bahnhof und nehme den Zug, der in einer halben Stunde kommt. Als ich einsteige fängt es an zu regnen und ich bin froh, dass sich das trübe Wetter heute gut gehalten hat. In einer schlappen halben Stunde erreiche ich mit dem Zug Bad Reichenhall. Ein Weg, der mich heute vier Stunden zu Fuß gekostet hat.

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