Mongolei: Felswelten des Gorkhi-Terelj Nationalparks

Posted: 5. August 2015 by Annika

Der Gorkhi-Terelj Nation­al­park ist nur 60km von Ulan Bator ent­fer­nt und macht ihn damit zum per­fek­ten Ziel für einen Kurztrip. Der Park befind­et sich auf 1.600m und ist mit vie­len Felsen gespickt, die inter­es­sante For­ma­tio­nen bilden. Der Park ist rel­a­tiv touris­tisch, was der Schön­heit der Land­schaft jedoch keinen Abbruch tut. Per­fekt für alle, die nur wenig Zeit in der Mon­golei zur Ver­fü­gung haben!

Wir fahren am Mor­gen zusam­men mit dem Iren Ger­ard in den Park. Da unser Gobi-Trip erst in vier Tagen startet und wir keine Lust mehr haben, länger in Ulan Bator rumzuhän­gen, entschei­den wir zwei Nächte im Gorkhi-Terelj Nation­al­park zu ver­brin­gen. Das kostet uns pro Per­son nur 62$, die wir inner­halb von Ulan Bator auch leicht aus­geben wür­den. Wirma­chen also das Beste aus der Wartezeit. Zuerst fahren wir zur Dschingis Khan Stat­ue — mit 40m Höhe das größte Reit­er­stand­bild der Welt. Man kann sog­ar bis auf den Kopf des Pfer­des gehen (Ein­tritt 7.000 MNT), was wir uns aber sparen. Der Ort der Stat­ue ist ein­er Leg­ende zufolge der Platz wo Dschingis Khan seine gold­ene Gerte gefun­den haben soll. Während der Mor­gen in Ulan Bator mit Regen begann, kommt nun die Sonne her­aus und wir schauen ein­fach in die umgebene Landschaft.

Dann fahren wir weit­er in den Nation­al­park, vor­bei am soge­nan­nten Schild­kröten­felsen (Mon­golisch: Melkhii Khad), der aus einem gewis­sen Winkel tat­säch­lich wie eine Schild­kröte aussieht und wun­der­schön­er fel­siger Land­schaft bis zu unserem Tourist Ger Camp. Anders als in Khövs­göl ist dies ein Camp aus mehreren Jurten mit Bet­ten für die Gäste, und einem Restau­rant-Ger, wo das Essen serviert wird. Man lebt also nicht mit ein­er Fam­i­lie, son­dern in ein­er Art Hos­tel in Jurten-For­mat. In unser­er Jurte ste­hen drei Bet­ten, ein klein­er Tisch und ein wär­mender Ofen.

Am Schildkrötenfelsen

Nach dem Mit­tagessen machen wir uns auf den Weg um den Tur­tle Rock nochmal genauer anzuse­hen. In etwa 20 Minuten Fuß­marsch haben wir diesen von unserem Camp erre­icht. Wir krax­eln bis nach oben und genießen den Aus­blick von der Schild­kröte. Die Krax­elei ist her­rlich — endlich wieder am Fels! Jedoch han­delt es sich bei den Felsen im Nation­al­park um Kon­glom­er­at-Gestein, was sehr bröselig und unzu­ver­läs­sig ist. Am Ende quetschen wir uns durch eine kleine Spalte um auf die andere Seite des Felsens zu gelangen.

Ausreiten im Nationalpark

Wir gehen wieder zurück zum Camp und wollen dann zum Pfer­dere­it­en überge­hen, alled­ings vere­it­elt ein heftiger plöt­zlich­er Regen­schauer, der über die Berge herangerast kommt, diesen Plan. Wir warten, dass der Regen nach­lässt und tat­säch­lich kommt nach ein­er hal­ben Stunde die Sonne wieder her­vor. Unsere Pferde ste­hen schon­bere­it und wir machen einen kleinen Ritt Rich­tung Tur­tle Rock. Wir find­en her­aus, dass es drei ver­schiedene Arten von Pfer­den hier gibt: 1) Touris­tenpferde 2) Guide Pferde 3) Nadaam Pferde (Nadaam ist ein großes jährlich­es Fest mit Wet­tbe­wer­ben in Wrestling, Pfer­deren­nen und Bogen­schießen), wobei die Nadaam Pferde am wertvoll­sten sind. Alex bekommt ein Guide Pferd, ein­fach weil es das größte ist, das sie da haben :)

Aryapala Tempel

Nach dem Ritt machen wir uns auf den Weg zum Arya­pala Ini­ta­tion & Medi­tion Cen­ter mit einem Tem­pel direkt an ein­er Fel­swand, das wirk­lich wun­der­schön ist. Vor allem die Lage beein­druckt. Ein älter­er Mann zeigt uns ein paar Dinge im Tem­pel. Wir ver­brin­gen viel Zeit hier, drehen die Gebetsmühlen und lesen uns die Schilder über Bud­dhis­mus durch.

Danach gehen wir einen weit­en Bogen zurück, über einen kleinen Super­markt wo wir Bier für den Abend kaufen. Es ist schon 21 Uhr und das Aben­dessen wartet schon auf uns. Hier deut­lich anders als bei den Nomaden — mehr Salat, weniger Fleisch = bess­er für mich :) Danach unter­hal­ten wir uns mit unseren Wirten — inzwis­chen sind wir darin geübt eine Unter­hal­tung mit Mon­golis­chen Fet­zen, Gesten und Bildern zu führen. Dabei find­en wir her­aus, dass sie Auna und Bagi heißen und zwei Töchter haben. Im Som­mer bewirtschaften sie das Touris­ten­camp und den Win­ter ver­brin­gen sie in Ulan Bator. Sie besitzen 13 Pferde und Bagi kann 4l Airag trinken bevor er diese zur Toi­lette tra­gen muss.

Wir gehen in unsere warme Jurte um ein wenig später nochmal hin­aus zu gehen und den Ster­nen­him­mel zu bewun­dern. Die Wolken haben sich ver­zo­gen und geben den Blick auf die Milch­straße frei.

Weglose Fels-Experimente

Um 10 Uhr gibt’s Früh­stück, dann machen wir uns auf den weg zur Bergkette, die das Tal abschließt und etwa 2.000m hoch ist. Die höch­ste Stelle liegt über dem Tem­pel auf 2.200m und es sieht aus als könne man die gesamte Bergkette überschreiten.

Wir gehen über eine Wiese bergauf, links von ein­er Fels­for­ma­tion ent­lang. Hier liegen ein paar Kühe und schauen uns ver­wun­dert an. Wir steigen hoch zu den Felsen, stellen aber fest, dass es hier nicht wie gedacht weit­er geht. Die Berge liegen noch gutes Stück über uns und über den Rück­en der Fels­for­ma­tion ist kein Weit­er­weg möglich. Wir steigen also wieder zu den Kühen hinab und dann links an den Felsen vor­bei. Das Ter­rain wird immer steil­er und fels­durch­set­zter. So müssen einige Klet­ter­pas­sagen bewältigt werden.

Wir steigen rechts durch eine Scharte das steil­ste Stück nach oben. Nach ein­er weit­eren anstren­gen­den Stunde sind wir oben und stellen fest, dass es zum einen deut­lich schwieriger war hier rauf zu kom­men als gedacht und zum anderen eine Über­schre­itung nicht so ein­fach möglich ist. Der Kamm, der von unten gut bege­hbar wirkt, beste­ht aus vie­len Fel­stür­men, die es zu überklet­tern gilt. Es wäre ein tages­fül­len­des und tech­nisch dur­chaus anspruchsvolles Pro­gramm die gesamte Kette bis zum Tem­pel zu über­schre­it­en. Es gibt aber sich­er ein­fachere Wege hin­auf als den von uns gewählten. Weglos­es Gehen hat eben so seine Tück­en. Es gibt zwar immer mal wieder Pfade und Spuren, die sich aber stets ver­lieren oder ganz woan­ders hin­führen als wir wollen. Man muss dementsprechend viel Zeit zur Wegfind­ung einplanen.

Wir sind mit unserem Erfolg zurieden und genießen die Aus­sicht. Dann steigen wir wieder ab, dies­mal die linke Rinne nehmend, die deut­lich weniger fels­durch­set­zt ist als die rechte beim Auf­stieg. Die Steil­heit macht uns zwar zu schaf­fen, aber nach nur 40 Minuten sind wir wieder unten und nur 20 Minuten zu spät zum Mit­tagessen, das fan­tastisch ist.

Neben ein­er Kartof­fel-Möhren-Hack­fleisch-Supe gibt es gefüllte Teigtaschen und Salat — ins­ge­samt sehr üppig und genau das Richtige nach unser­er Wan­derung. Nach dem Essen leg­en wir uns erst­mal ein wenig hin bis Bagi seinen Kopf in unsere Jurte steckt und uns sagt, dass wir zum Reit­en starten können.

Ausritt zum Tempel

Wir bekom­men die gle­ichen Pfer­d­chen wie gestern und reit­en dann über die Felsen, die wir gestern erk­lom­men haben bis zum Ein­gang des Tem­pels. Ein wirk­lich schön­er Ritt durch den Wald und abseits der­Straße — im Gegen­satz zu gestern. den Rück­weg dür­fen wir auch alleine reiten.

Wieder zurück im Jur­ten­camp bekom­men wir von Bagi eine Schüs­sel Pfer­de­fleisch mit ein­er Kartof­fel gere­icht. Es gibt Gedärme, Leber und “nor­males” Pfer­de­fleisch. Yum­my. Alex ist begeistert.

Dann ent­deck­en wir, dass der Stein auf dem Gelände in Wahrheit ein ver­stein­ertes Perd ist und begin­nen ihn zu reit­en. Von irgend­woher erscheinen nacheinan­der drei Kinder, die von der Idee begeis­tert sind und mitre­it­en wollen. So ver­bin­gen wir die Zeit bis zum Aben­dessen. Wir ver­ab­schieden uns von Ger­ard und fre­un­den uns mit den Neuankömm­lin­gen an — ein ukrainis­ch­er Fran­zose und seine bel­gis­che Fre­undin. Bei­de kön­nen Deutsch, das sie mit uns trainieren wollen. Sie kom­men aus Bei­jing in die Mon­golei und haben nur wenige Tage Zeit.

Gipfel im Sonnenuntergang

Wir gehen zusam­men zum Tur­tle Rock, den sie sich anschauen wollen. Wir hinge­gen wollen auf einen Gipfel gegenüber vom Tur­tle Rock krax­eln, den wir schon gestern aus­ge­späht haben und von dem wir uns einen guten Blick auf den Tur­tle Rock ver­sprechen. Hin­ter dem kleinen Super­markt vom dor­ti­gen Tourist­camp starten wir und gehen in den Wald hinein. Hier führt ein Pfad bergauf, der sich aber immer wieder verliert.

Mal wieder gehen wir weg­los und müssen uns selb­st ori­en­tieren. Wir lan­den auf einem Vorgipfel, der aber noch nicht unser Ziel ist. Weit­er klet­tern wir hin­auf, uns an dem Fel­srand zum Wald hal­tend, bis der Gipfel ins Blick­feld gelangt. Die let­zten Meter sind unschwierig, ein ein­fach­er Weg über den Fels. Der Aus­blick hier oben ist gigan­tisch, noch bess­er als erwartet. Wir kön­nen nicht nur den Tur­tle Rock sehen, son­dern auch in die Täler jen­seits von unserem sowie in die hügeli­gen und fel­si­gen Weit­en dahin­ter, die in gold­enes Son­nen­licht getaucht sind.

Unser Tal und somit auch der Tur­tle Rock liegen lei­der schon im Schat­ten, aber wir genießen die let­zten Son­nen­strahlen auf unserem Gipfelplätzchen. Mit Schweiß im Gesicht, aber Freude im Herzen. Nicht der höch­ste Gipfel in unser­er Umge­bung, aber mit Sicher­heit ein­er der schön­sten, denn er bietet beina­he 360°C Run­dum­blick. Auf dem Rück­weg hal­ten wir uns mehr im Wald, was zwar steil, aber weniger fel­sig ist. Wir kom­men an ein­er gewalti­gen Fel­swand vor­bei, die neben unserem Gipfel liegt. Dann sind wir schnell wieder unten. Wir kaufen noch ein paar Bier im Super­markt und gehen dann zurück zu unserem Camp, wo wir im let­zten Tages­licht Bier bzw. Radler genießen. Ein Mäd­chen gesellt sich zu uns, möchte ein biss­chen von unser­er Sprite und lacht uns an. Wir schauen noch kurz den Ster­nen­him­mel an und gehen dann ins Bett.

Abschied aus dem Terelj Nationalpark

Wir ste­hen um 10 Uhr zum Früh­stück auf und stellen fest, dass wir schon kurz darauf abge­holt wer­den. Schade, wir hät­ten gerne noch die Zeit bis zum Abend hier ver­bracht, aber wir haben es ver­säumt Bob­by in Ulan Bator danach zu fra­gen. Ger­ard hat es extra so organ­isiert, dass er erst Abends abge­holt wird und so noch den ganzen Tag im Terelj Nation­al­park ver­brin­gen kann. Ich nutze die Zeit nach dem Früh­stück um noch schnell auf die Fels­for­ma­tion hin­ter unserem Camp zu steigen, denn heute ist der Him­mel strahlend­blau und wir haben das beste Wet­ter bisher.

Ich krax­ele über die Felsen, bekomme gar nicht genug davon diese schöne Land­schaft in mich aufzunehmen. Auf dem Rück­weg sam­mel ich noch ein paar der im Über­fluss wach­senden Edel­weiße ein. Zurück bei dem Camp warten Alex und Fahrer schon auf mich — Upsi! Wir raf­fen schnell unsere Sachen zusam­men, die Alex dankenswert­er­weise schon zusam­mengepackt hat, und ver­ab­schieden uns. Dann geht’s im Jeep, bei dem wed­er Tacho noch Ben­z­i­nanzeige funk­tion­ieren, zurück nach Ulan Bator.

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