Mongolei/China: Auf dem langen Weg ins Reich der Mitte

Posted: 22. August 2015

Nach zwei Tagen Schlechtwet­ter-Relax­en, das nur von Essen­ge­hen unter­brochen wurde, geht es heute weit­er Rich­tung Chi­na. Wir fahren mit dem Zug bis nach Erlian (chin. Eren­hot) kurz nach der mon­golisch-chi­ne­sis­chen Gren­ze, da der Expresszug bis nach Peking bere­its für den kom­plet­ten August aus­ge­bucht ist. Da der Zug aber nur am Don­ner­stag und Son­ntag fährt, mussten wir zwei Tage in Ulan Bator aushar­ren. Von Erlian aus fahren wir mit dem Bus weit­er bis nach Peking.

Mit dem Zug bis nach Erlian

Wir essen eine Mon­golis­che Fleis­ch­plat­te zu Mit­tag und kaufen uns Verpfle­gung für den Zug — Man­dari­nen, Instant­nudeln, Brot, Käse, Kekse. Dann ver­ab­schieden wir uns her­zlich von Bob­by und fahren mit dem Taxi zum Bahn­hof. Während ich auf’s Gepäck acht­gebe, ist Alex auf der Suche nach der Infor­ma­tion von welchem Gleis unser Zug fährt, denn Anzeigetafeln gibt es hier nicht und auch son­st keinen Hin­weis wo welch­er Zug fährt. Nach ein­er Weile rum­fra­gen ist er schlauer und wir essen unsere let­zten Kushur im Bahn­hof von unserem let­zten mon­golis­chen Geld. Ein biss­chen wehmütig sind wir schon, dieses schöne Land nach einem Monat zu ver­lassen, aber wir freuen uns auch auf das, was vor uns liegt.

Wir find­en schnell unseren Wag­on und beziehen unsere Kabine, die wir uns mit einem Polen und ein­er Chi­nesin teilen. Der Pole fährt eben­falls bis Peking weit­er — er hat mit sein­er Gruppe drei Wochen in der Mon­golei ver­bracht. Früher hat er sog­ar mal den gesamten Baikalsee mit dem Kajak befahren, was einen Monat für die über 600km gedauert hat. Der Zug fährt um 20:50 Uhr los und wir gehen schon bald nach unseren abendlichen Kon­sum von Instant­nudeln schlafen.

Mit­ten in der Nacht muss ich ziem­lich drin­gend auf die Toi­lette, aber wir ste­hen ger­ade an einem Bahn­hof und die Toi­let­ten sind zu. Ich frage die Zug­be­glei­t­erin wann die Toi­let­ten wieder öff­nen. Sie zeigt eine vier. Vier Uhr? Vier Minuten? Vier Stun­den? Verzwei­flung. Seine Toi­let­tengänge muss man schon gut timen — 30 Minuten vor und nach dem Halt an einem Bahn­hof sind die Toi­let­ten ges­per­rt, eben­sowie wie zur lan­gen Gren­zkon­trolle, die Stun­den dauern kann. Wenn man Glück hat, darf man bei län­geren Stops hin­aus und die Bahn­hof­s­toi­lette benutzen. Der Zug fährt wieder los und ich frage nochmal, jet­zt schließt sie mir die Toi­lette auf — Erle­ichterung! Jet­zt kann ich wieder ruhig schlafen.

Der Zug ist nicht so kom­fort­a­bel wie der rus­sis­che, es ist aber dies­mal deut­lich küh­ler. Ich finde auch her­aus, dass der Samowar, der heißes Wass­er bere­it­stellt, mit echtem Feuer beheizt wird :) Früh mor­gens wer­den wir geweckt, da wir nahe der mon­golisch-chi­ne­sis­chen Gren­ze sind. Wir fahren durch monot­o­ne Wüsten­land­schaft der Gobi, die Sonne geht am Hor­i­zont auf. Vor der Toi­lette ist eine lange Schlange zum Zäh­neputzen, denn bald schließen die Toi­let­ten für die Gren­zkon­trollen. Nach­dem ich mir endlich die Zähne putzen kann, gehe ich nochmal 1,5h schlafen. Jet­zt ohne Bettzeug, denn das wurde schon am mor­gen einge­sam­melt — Lak­en, Decke und Kopfkissen bekommt man in den inter­na­tionalen Zügen zur Ver­fü­gung gestellt. Dann erst erre­ichen wir den Bahn­hof Zamyn-Uud, wo Passkon­trollen und Zoll fol­gen. Das dauert etwa zwei Stun­den.

Mit dem Bus von Erlian nach Peking

Wir steigen aus und lassen die Gren­zkon­trollen, bei denen man zweimal sein Gepäck durch­leucht­en lassen muss, im Inneren des Bahn­hofs über uns erge­hen. Kaum draußen fall­en viele Chi­ne­sen über uns her, die uns Minibus-Fahrten nach Peking anbi­eten wollen. Wir lehnen ab, ver­suchen her­auszufind­en in welche Rich­tung der Bus­bahn­hof und eine ATM sein mag. Kein Hin­weis. Wir fra­gen nach und ein fre­undlich­er Chi­nese rät uns wir sollen ein­fach ein Taxi nehmen. Das tun wir dann auch. Der Tax­i­fahrer spricht lei­der kein Wort Englisch, aber Bus­bahn­hof ver­ste­ht er. ATM jedoch nicht. Das “Point it”-Bilderbuch hil­ft weit­er, denn da ist ein Gel­dau­tomat abge­bildet. Er ver­ste­ht sofort. Er fährt uns zu ein­er Bank, aber der Gel­dau­tomat hier will uns kein Geld geben.

Auch die zweite Bank bei der wir es ver­suchen funk­tion­iert nicht, aber ein fre­undlich­er Angestell­ter erk­lärt mir auf Chi­ne­sisch wo die näch­ste Bank ist, wo wir mit unser­er Visa-Karte abheben kön­nen soll­ten. Wir fahren dor­thin und endlich klappt es, jedoch nur 1.000 Yuan auf ein­mal (1€ = ca. 7,2¥). Ihr kön­nt euch das gar nicht vorstellen, wie beruhi­gend das Rat­tern eines Gel­dau­to­mat­en sein kann, der im Begriff ist einem Geld auszus­puck­en. Nun also mit chi­ne­sis­chem Geld verse­hen, kön­nen wir zum Bus­bahn­hof fahren. Ich glaube der Tax­i­fahrer zockt uns ganz schön ab, denn wir haben kein Taxime­ter ein­schal­ten lassen. Wir sind aber so froh alles erledigt zu haben, dass uns das egal ist. Für die Taxi-Rund­fahrt durch die Stadt zahlen wir 50¥, was etwa 7€ entspricht.

Am Bus­bahn­hof kaufen wir uns Tick­ets für die Fahrt nach Peking, das kostet pro Per­son 240¥. Um 14:30 Uhr fährt der Sleep­er Bus los, wir haben also noch über zwei Stun­den am Bus­bahn­hof zu ver­brin­gen. Mit all dem Gepäck wollen wir nicht großar­tig durch die Stadt laufen, also bleiben wir am Bahn­hof. Wir kaufen ein paar Snacks, spie­len mit Schafs-Fuß­knochen aus der Mon­golei und besteigen dann den Bus. Sowas habe ich noch nie gese­hen, der ganze Bus ist tat­säch­lich mit schmalen Bet­ten verse­hen. Wir begeben uns also liegend nach Peking. Das ist einiger­maßen bequem, nur große Men­schen wie Alex haben’s etwas schw­er in den eher kurz ger­ate­nen Bet­ten :)

Erlian sieht schon ganz anders aus als die mon­golis­che Seite. Hier fahren Rikschas und viele kleine Roller. Über­all sind für uns unles­bare chi­ne­sis­che Schriftze­ichen abge­druckt. Selb­st eine Bank zu erken­nen fällt mir schw­er :) Land­schaftlich ist die “Innere Mon­golei”, der Name des chi­ne­sis­chen Gebi­ets durch das wir nun fahren, sehr ähn­lich der Wüste Gobi. Es ist flach und nur vere­inzelte Gras­büschel wach­sen. Gegen Abend wird die Land­schaft immer grün­er und Bäume tauchen auf. Dann wird es Nacht und wir ver­suchen zu schlafen.

Um 1:30 Uhr in der Nacht erre­ichen wir Peking, was wir nur am Rande wahrnehmen. Gnädi­ger­weise dür­fen wir weit­er im Bus schlafen, was alle Gäste gerne in Anspruch nehmen. Wir haben uns schon gefragt was wir mit­ten in der Nacht eigentlich in Peking anfan­gen sollen. Wir schlum­mern also noch ein wenig am Bus­bahn­hof. Gegen 5:30 Uhr kommt Bewe­gung in das Innere des Busses, die ersten Gäste steigen lau­thals aus. Wir fol­gen kurz darauf. Inzwis­chen ist es auch unglaublich schwül und warm im Bus.

Wir holen unser Gepäck und haben keine Ahnung wo wir nun hin­müssen. Wir gehen ein­fach in irgen­deine Rich­tung und erre­ichen eine größere Straße. Hier find­en wir eins der gelb-grü­nen Taxis und steigen ein. Mit Hin­weis schal­tet der gute Mann sog­ar sein Taxime­ter für uns ein. Kurze Zeit und 60¥ später kom­men wir bei der Straße zu unserem Hos­tel an. Dies befind­et sich in ein­er kleinen Ein­bahn­straße in einem typ­is­chen Pekinger Hin­ter­hof. Es ist erst 6:30 Uhr.

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.