Nepal: Auszeit in Nagarkot mit Himalaya-Blick

Posted: 29. September 2015

Nar­gakot liegt auf 2.175m im Kath­man­du Tal und ist vor allem bekan­nt für seine Aus­sicht auf den Himalaya. Wir wollen endlich raus aus Kath­man­du, weg von der dreck­i­gen Luft und dem Großs­tadt­stress um unsere Krankheit auszukuri­eren und uns zu erholen.

Mir geht’s ziem­lich beschissen, jede Bewe­gung schmerzt. Mein Kopf dro­ht zu explodieren und ich kon­nte nachts kaum schlafen. Wir beschließen zum Arzt in die CIWEC Klinik zu gehen. Diese hat auch außer­halb der nor­malen Öff­nungszeit­en von Mon­tag bis Fre­itag geöffnet. Die Kon­sul­ta­tion kostet jedoch mehr — 90 statt 69$. Hier stellt sich her­aus, dass ich Fieber habe. Kein Wun­der, dass es mir so elend geht. Auch mein Knie wird nochmal angeschaut, weil es noch immer schmerzt und sog­ar wieder schlim­mer gewor­den ist. Ich bekomme einen Haufen Medika­mente: Zwei Mund­spülun­gen zum Gurgeln, Antibi­oti­ka für den Hals und was für die Nacht, Ibupro­fen für’s Knie.

Wir fahren zurück zum Hos­tel und wollen nach Nagarkot weit­er­fahren, was jedoch gar nicht so ein­fach ist. Indi­en find­et Nepals neue Ver­fas­sung gar nicht so gut und hat die Gren­zen für In- und Export geschlossen. Das bet­rifft auch Ben­zin, das aus dem Nach­bar­land importiert wird. So fahren kaum Taxis und schon gar nicht nach Nagarkot, was 35km von Kath­man­du ent­fer­nt liegt und höchst­wahrschein­lich eine Leer­fahrt zurück bedeutet. Der Hotelbe­sitzer ver­sucht ein Taxi oder einen Fahrer für uns zu organ­isieren — nach zwei Stun­den warten ist auch ein Fahrer gefun­den. Net­ter­weise kön­nen wir uns in eines der Zim­mer leg­en und mir gelingt es sog­ar ein wenig einzuschlafen. Dann fahren wir endlich nach Nagarkot. Wir haben ein Zim­mer im Hotel at the End of the Uni­verse gebucht und freuen uns auf die Ruhe dort.

Erholung in Nargakot

Tat­säch­lich ist es wun­der­schön. Wir haben dank der Wolken zwar keine Sicht auf die Berge, aber allein der Wald, das Vogelzwitsch­ern und die Ruhe sind her­rlich. Die Anlage beste­ht aus kleinen Bun­ga­lows und wir sind in ein­er kleinen Hütte ein­quartiert, die ich unsere kleine Bären­höh­le nenne. Ich ver­bringe die näch­ste Zeit mit Schlafen, was wirk­lich gut tut. Schlafen ist die beste Medi­zin und endlich kann ich schlafen. Ich unter­breche meinen Schlaf nur für Essen. Alex erkun­det unter­dessen die Umge­bung, denn ihm geht es schon wieder deut­lich bess­er. Er erstat­tet mir einen Bericht von sein­er Erkun­dungs­tour, die einen Besuch beim kleinen Tem­pel ober­halb unseres Hotels ein­schließt:

Ich gehe in die Stadt hin­unter, sie zieht sich am Weg am Berghang ent­lang. Jedes zweite Haus ist ein Hotel. Es gibt Restau­rants und kleine Geschäfte. Ich suche die Abzwei­gung, wo es zum Aus­sicht­sturm geht. Dort begin­nt eine kleine Wan­derung, welche wir machen wollen, wenn Anni wieder fit ist. Auf der Straße laufen Hüh­n­er herum. Die Stadt wurde bei dem Erd­beben stark beschädigt, aber die Men­schen bauen sie wieder auf. Über­all sieht man sie werkeln. Es ist angenehm hier zu gehen. Die Aus­sicht ist gut, es ist grün und nie­mand spricht mich an. Es geht sog­ar so weit, dass ich die Men­schen in ihren Geschäften suchen muss.

Ich gehe zur Touris­ten­in­fo und informiere mich was wir hier machen kön­nen. Es gibt ein paar Wan­derun­gen und von einem davon, dem Nature Walk, habe ich den Start­punkt schon gefun­den. Er dauert nur zwei Stun­den und ich nehme mir vor ihn mor­gen zu machen. Über­halb des Hotels liegt ein klein­er Tem­pel, der auf dem Gipfel des Berges liegt. Von unser­er Hütte brauche ich keine fünf Minuten dahin. Der Tem­pel ist nicht sehr groß, vielle­icht 10qm und er sieht neu aus. Die Plat­ten auf dem kleinen Platz wo der Tem­pel ste­ht sind zer­stört. Bet­simmt ein Werk des Erd­bebens.

In dem kleinen Tem­pel sitzt ein Sad­hu, der hier lebt, und lädt mich ein mich zu set­zen. Wir reden miteinan­der über meine Reise und Bud­dhis­mus. Er als Hin­du sagt dass Bud­dhis­mus und Hin­duis­mus prak­tisch das gle­iche seien und bietet mir Mar­i­hua­na an. Er ver­sucht mich zu überzeu­gen, dass Hasch gut ist, aber ich will nicht. Der Sad­hu selb­st hat einen ziem­lich großen Vor­rat davon. Wir reden noch ein wenig. In der Zeit zieht er zwei riesige Köpfe durch.”

 

Es ist schön ein­fach nur auf der Ter­rasse des Restau­rants zu sitzen und Vögel zu beobacht­en oder in das dichte Grün vor uns zu schauen, Minz­tee zu trinken und die Ruhe zu genießen. Dieser Tage ist mir das vol­lkom­men genug. Erst am zweit­en Tag nach unser­er Ankun­ft, wage ich mich auf einen ersten Spazier­gang. Außer­dem kön­nen wir das erste Mal die Berge sehen. Ein paar weiße Spitzen ragen aus den Wolken her­vor. Tat­säch­lich haben wir die Berge tiefer liegend erwartet und es ist ein ziem­lich­er Wow-Effekt wenn man die Berge deut­lich höher als ver­mutet ent­deckt. Wir sehen auch einen fel­si­gen Grat. Es han­delt sich um die Berge der Lang­tang Region, die bis zu 7.000m hohe Berge umfasst. Wir genießen den Aus­blick bis sie wieder von Wolken ver­hüllt wer­den.

Dschungelspaziergang

Dann machen wir uns auf den Weg um den zweistündi­gen Nature Walk zu erkun­den. Wir laufen in die Stadt hin­unter und biegen dann in den Wald ab. Der Weg führt uns über teil­weise glitschige Wald­wege durch grünes, von Vogelzwitsch­ern erfülltes Gebi­et. Mit ein wenig Glück kann man Wild­schweine, Rehe oder sog­ar Tiger sehen. Wir sehen aber nur Käfer, Spin­nen und Schmetter­linge, Vögel und jede Menge Grün. Die Luft hier ist her­rlich — endlich mal wieder Dur­chat­men! Wir machen eine Pause und dabei ent­decke ich einen blind­en Pas­sagi­er. Ein Blutegel hat sich an meinem Bein fest­ge­saugt. Ich kann ihn ohne größere Prob­leme abziehen, er hin­ter­lässt aber eine blutige Spur an meinem Bein, denn er hat sich bere­its fest­ge­saugt.

Der Wald­weg ist angenehm kühl und schat­tig bis wir aus ihm her­aus­treten und ein kleines Dorf bei Nagarkot erre­ichen. Hier knallt die Sonne ganz schön herunter und dazu geht es noch bergauf, zurück zum Hotel. So anstren­gend habe ich mir meinen ersten Post-Krankheitss­pazier­gang nicht vorgestellt. Als wir endlich oben ankom­men sind wir erschöpft und durchgeschwitzt. Eine Dusche später füh­le ich mich aber schon bess­er. Erster Test bestanden! Wir tauschen noch unsere Hütte gegen ein anderes Zim­mer, da es recht feucht und klamm in unser­er Bären­höh­le ist und ich etwas Sorge um meine angeschla­gene Gesund­heit habe.

Aussichtsturm ohne Aussicht

Am näch­sten Tag wollen wir zum Aus­sicht­sturm laufen. Wir gehen zum Mit­tagessen in ein Restau­rant in der Stadt. Es dauert allerd­ings ewig bis wir hier unser Essen bekom­men. Der Blick vom Balkon auf die grü­nen Ter­rassen­felder und den Wald ist jedoch sehr schön.

Kurz hin­ter dem Restau­rant biegen wir links ab. Auf dem Weg zum Aus­sicht­sturm kom­men wir langsam aus dem Dorf hin­aus und er führt an ein­er Kaserne vor­bei, vor der Sol­dat­en Wache hal­ten. Die Straße führt an einem leicht bewalde­ten Berg hin­auf an dessen Gipfel der Aus­sicht­sturm ste­ht. Wir wer­den immer wieder von ein paar fre­undlichen Straßen­hun­den begleit­et. Manche sehen sehr wild aus und man sieht Zeichen von Kämpfen an ihnen. Es ist immer noch recht warm und wir kom­men gut ins Schwitzen. Son­st läuft es gut und wir haben wohl den schlimm­sten Teil unser­er Krankheit hin­ter uns gelassen.

Wir erre­ichen den Gipfel des Berges. Dort gibt es ein geo­dätis­ches Zen­trum, es erscheint uns ein guter Ort für Erd­beben­forschung. Weit­er gibt es ein paar Stände, die Getränke anbi­eten. Wir steigen die let­zten Meter zum Turm auf. Der Turm beste­ht aus mehreren Eisen­stan­gen und ein­er Plat­tform zu der eine steile Leit­er hin­auf­führt. Wir schätzen den Turm auf ca. 10m Höhe. Wir haben ein 360° Panora­ma aus Wolken vor uns. Nur leicht kann man in der Ferne ein paar Gipfel sehen. Wir hat­ten vom Hotel aus schon bessere Sicht.

Wenn es wolken­los ist, muss die Sicht von hier aber fan­tastisch sein und wir wollen unser Glück mor­gen früh nochmal ver­suchen. Aber auch ohne Sicht ist es ein schönes Plätzchen. Vom Turm sind Bän­der mit Gebets­flaggen über den Weg ges­pan­nt, welche im Wind flat­tern.  Auch wenn es bewölkt ist, hat man einen guten Blick über den Wald und um uns herum liegende Dör­fer. Auf dem Weg zurück tre­f­fen wir auf zwei Israelis mit denen wir uns unter­hal­ten.

Aussichtsturm mit Aussicht

Am näch­sten Mor­gen wollen wir früh auf­ste­hen, aber um 6 Uhr mor­gen ist es noch bewölkt. Wir entschei­den uns trotz­dem zum Aus­sicht­sturm  zu gehen. Die Nepalis scheinen ein Volk der Frühauf­ste­her zu sein — schon um 7 Uhr ist das ganze Dorf auf den Beinen und geht seinen Geschäften nach. Vor der Kaserne machen die Sol­dat­en Sportübun­gen. Wir gehen wieder zum Gipfel und klet­tern auf den Aus­sicht­sturm hin­auf. Es ist nach wie vor bewölkt aber wir kön­nen ein paar Gipfel sehen. Wir set­zen uns und beobacht­en das Spiel der Wolken. Die Sicht ändert sich jede Minute — mal geben die Wolken den Blick auf einen Gipfel frei nur um ihn Sekun­den später wieder zu ver­hüllen. Als die Wolken dichter wer­den, gehen wir zum Hotel zurück.

Weiterreise nach Bhaktapur

Heute check­en wir aus um nach Bhak­ta­pur weit­er zu fahren, was eben­falls eine Stadt im Kath­man­du Tal ist und auf dem Weg nach Kath­man­du liegt. Wir gehen zum öffentlichen Bus, der vom Mark­t­platz in Nagarkot nach Bhak­ta­pur fährt. Wir bekom­men zwei Sitz­plätze vorne links, denn wir sind früh dran. Auf der Fahrt füllt sich der Bus immer mehr. Die Men­schen sitzen auf dem Dach und lehnen aus der Tür. Auch wenn der Bus kom­plett mit Men­schen voll­ge­quetscht ist, passen immer noch ein paar mehr hinein, darauf oder an den Bus. Wir sind froh nicht ste­hen zu müssen, im Sitzen ist es ein inter­es­santes Aben­teuer. Der Bus fährt nicht schnell den Berg hin­unter, an uns vor­bei ziehen Men­schen, Ziegen, Kühe und immer mal steigt noch jemand zu.

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