Nepal: Ein Gemisch aus Tempeln, Menschen und Verkehr in Kathmandu

Posted: 19. September 2015

Kath­man­du ist Reizüber­flu­tung pur. Mitreißend, faszinierend, inten­siv aber auch anstren­gend. 1934 zer­störte ein Erd­beben große Teile der Stadt und vieles wurde damals neu errichtet. Das Erd­beben vom April 2015 hat über­all seine Spuren hin­ter­lassen. Vor allem die alten Tem­pel am Dur­bar Square hat es übel erwis­cht, schätzungsweise 50% der Tem­pel sind zusam­mengestürzt. Häuser glück­licher­weise eher weniger, viele wer­den aber gestützt und sind insta­bil. Kath­man­du hat das Glück, dass alles eng zusam­men­ste­ht und sich damit gegen­seit­ig stützt.

Wir wollen uns erst­mal ein biss­chen entspan­nen und ein paar Tage nichts tun, dann in Ruhe über­legen wie wir weit­er­ma­chen. Das soll länger dauern als gedacht, denn wir wer­den krank. Zitat Lone­ly Plan­et “After a few days in the city [Kath­man­du] you will like­ly feel the onset of a throat infec­tion” Genau die haben wir auch mitgenom­men. Die Luftver­schmutzung ist im wahrsten Sinne des Wortes atem­ber­aubend! Immer­hin wis­sen wir nun wo es die beste Kranken­ver­sorgung in Kath­man­du gibt — die CIWIC Klinik macht einen sehr guten Ein­druck.

Thamel

Unser Guest­house ist in Thamel gele­gen, dem Back­pack­ervier­tel von Kath­man­du. Die meiste Zeit ver­brin­gen wir hier. Thamel beste­ht aus staubge­füllte engen Gassen mit Kabel­salat und vie­len bun­ten Schildern über den Köpfen, dazwis­chen viele Men­schen, Motor­räder, Fahrradrikschas und Taxis, Tem­pel, Geschäfte, Obsthändler, Verkäufer und Toure­nan­bi­eter rin­gen alle­samt um die Aufmerk­samkeit des Fußgängers. Man weiß gar nicht wo man zuerst hin­schauen soll, alles konkur­ri­ert miteinan­der. Allzu lange hal­ten wir das nicht aus und doch bleiben wir über eine Woche in Thamel. Empfehlenswert sind eher zwei bis drei Tage…

Über­all sind Out­door-Shops, die meis­ten bieten Fake-Pro­duk­te an, dazwis­chen wollen einem Män­ner Mar­i­hua­na, Rikschafahrten oder Touren anbi­eten, Kinder und Hunde laufen durch die engen Gassen, dazu konkur­ri­eren Tem­pel, Schreine und Stu­pas um die Aufmerk­samkeit. Die Luft ist erfüllt von Staub und Abgasen, von Rufen und Hupen, von ver­schiede­nen Gerüchen von Cur­ry bis Müll. Frauen gehen in far­ben­fro­hen Saris über kaputte Straßen, Män­ner mit zer­furcht­en Gesichtern sitzen an schat­ti­gen Plätzchen, dazwis­chen wird Fleisch, Gemüse und andere Waren ange­boten. Es ist ein Pot­pour­ri an Emo­tio­nen, Gerüchen, Laut­en und Ein­drück­en.

Von Thamel zum Durbar Square

Die Straßen von Kath­man­du sind voller Tem­pel, Schreine und Skulp­turen, vor allem in dem Gebi­et nördlich vom Dur­bar Square. Wir machen einen Rundgang durch den südlichen Teil von Thamel bis zum Dur­bar Square. In Europa würde so manch eines der alten Gebäude oder Stat­uen mehr Aufmerk­samkeit erre­gen als hier, wo es an jed­er Ecke so etwas gibt und es als Spielplatz oder Wäscheleine hergenom­men wird. Unser Spazier­gang führt uns durch die über­füll­ten Einkauf­sstraßen im ältesten Teil von Kath­man­du mit eini­gen der wichtig­sten Tem­peln der Stadt.

Wir starten am Thahi­ti Tole zu einem kleinen Spazier­gang durch Kath­man­du. Der Weg ist nicht ein­fach zu find­en, da es eigentlich keine Straßen­na­men gibt und falls doch ste­hen sie zumin­d­est nir­gends dran. Es gibt auf dem kleinen Platz eine Stu­pa aus dem 15. Jahrhun­dert welche mit Gebets­fah­nen verziert ist. Außer­dem noch den Natesh­war-Tem­pel, der ein­er Form von Shi­va gewid­met ist, welche in diesem Fall gle­ichzeit­ig ein lokaler Musik­gott ist. Wir gehen weit­er Rich­tung Süden. Eine kleine Gasse mün­det in einem Platz mit ein­er großen Kathes­imb­hu Stu­pa.

In Geschäften am Rand wer­den Thangkas verkauft. Wir gehen weit­er an einem kleinen Ganesh Schrein vor­bei. Es fol­gen viele kleine Tem­pel. Es ist schw­er allem zu fol­gen. Über­all sind Men­schen, es ist laut. Es gibt so viele kleine Schreine und Stu­pas, dass man sie kaum zuord­nen kann. Wir fra­gen einen Nepali und er zeigt uns wo wir den Sikha Narayan Tem­pel find­en. Man soll ihn leicht an den knien­den Garu­da Fig­uren am Ein­gang erken­nen und an ein­er neu­modis­chen Uhr. Irgend­wie scheinen aber alle Tem­pel darüber zu ver­fü­gen. Die Tem­pel sind alle klein und man kann sie nicht betreten. Im Sikha Narayan Tem­pel befind­et sich eine vier­armige Vish­nu Fig­ur.

Wir ver­lieren ein biss­chen die Ori­en­tierung und die Zuord­nung der einzel­nen Tem­pel, Schreine und Stu­pas ist kaum möglich. Wir lassen uns von nun an ein­fach treiben und lassen uns über­fluten von den Men­schen, den Sehenswürdigkeit­en, den Gebäu­den. Es ist sind so viele Ein­drücke, die einen beina­he erschla­gen. Ver­schnaufen und in Ruhe ori­en­tieren ist auch nicht drin. Sobald wir ste­hen bleiben, wer­den wir ange­bet­telt oder man will uns was verkaufen. Die Straße ist eng und an der Seite voll mit Stän­den. Sie bieten Klei­dung, Sou­venirs und Bronzegeschirr an. Jed­er Meter muss erkämpft wer­den. Die engen Gassen sind voll mit Motor­rädern und Men­schen. Manch­mal schiebt sich auch noch ein Auto durch.

Wir kom­men am Seto Mach­hen­dranath Tem­pel vor­bei. Er ste­ht zwis­chen den Geschäften in einem Hof und bietet eine kurze Flucht von der Straße. Er bietet hun­derten Tauben eine Heimat. Sie sitzen über­all und man muss auf­passen, dass einen keine “Bombe” trifft. In diesem Tem­pel wer­den Shi­va und Aval­okitesh­vara verehrt und er wird somit von Bud­dhis­ten wie auch Hin­dus genutzt. Vor dem Tem­pel ste­ht eine europäisch anmu­tende Fig­ur, die wohl importiert wurde. Im Tem­pel sitzt eine weiß gesichtige Stat­ue. Wir umrun­den den Tem­pel und gehen weit­er. Wir kom­men zur Indra Chowk Kreuzung. Hier ste­hen zwei weit­ere Tem­pel. Wir schauen sie nur kurz an. Die Ein­drücke sind ein­fach zu viel.

Das große High­light ist eine kleine Gasse die von dem Platz wegführt. Dort sind fast keine Men­schen und es ist ruhig. Wir gehen sie ent­lang und es gibt so gut wie nichts zu sehen, nur ab und zu müssen wir einem Roller­fahrer auswe­ichen. Ein­fach schön. Der Weg führt nun durch ein Loch in der Wand. Wir ste­hen auf einem großen Platz — dem Itum Bahal. In der Mitte ste­ht eine Stu­pa. Über den Platz ver­läuft ein Riss durch das Pflaster und die anliegen­den Häuser sind mit Holzbalken gestützt. Es sind Spuren des Erd­bebens, das vor Nepal im April diesen Jahres erschüt­tert hat. An dem Itum Bahal ist der Kichan­dra Bahal angeschlossen. Bahal heißt Platz. Doch es sind über­all Bauar­beit­en im Gang.

Wir ver­lassen den Platz und kom­men zum Nara Devi Tem­pel. Er ist Kali gewei­ht, der zer­störerischen Gemahlin von Shi­va. Kali ist eine Göt­tin des Todes und der Zer­störung, aber auch der Erneuerung. Man sagt, dass Kalis Macht den Tem­pel vor dem Erbeben in 1934 beschützt hat. Offen­bar reichte ihre Macht auch für das neuste Erd­beben. Wir gehen eine Gasse hin­unter. Die Stadt ste­ht in den Abgasen der Fahrzeuge und dem Staub, den sie auf den schlecht­en Straßen aufwirbeln. Um uns ein wenig zu schützen, kaufen wir uns Gesichts­masken.

Wir gehen weit­er die Straße hin­unter und gehen in eine kleine Gasse die zu einem Platz mit ein­er großen Stu­pa führt — dem Yatkha Bahal. Neben der Stu­pa sind Zelte aufge­baut in denen Men­schen leben — Notun­terkün­fte für die Erd­bebenopfer. Selb­st viele Häuser, die nicht zer­stört wur­den, sind ein­sturzge­fährdet und somit nicht bewohn­bar. Ver­mut­lich leben aber immer noch Men­schen in ein­sturzge­fährde­ten Häusern. Die Stützen sehen nur so halb ver­lässlich aus. Aber welche Wahl haben die Men­schen schon? Wo sollen sie hin?

Durbar Square

Wir gehen weit­er und erre­ichen den Dur­bar Platz. Es han­delt sich um den Platz wo die Könige der Stadt gekrönt sowie legit­imiert wur­den und von wo sie regierten. Dur­bar bedeutet soviel wie Palast. Der Dur­bar Platz ist das tra­di­tionelle Herz der Stadt und Kath­man­dus tra­di­tioneller Architek­tur. Lei­der sind viele der Gebäude hier durch das Erd­beben zer­stört und bei denen welche noch ste­hen, sind die Spuren des Erd­bebens deut­lich zu sehen. Eigentlich beste­ht der Dur­bar Platz aus drei, lock­er miteinan­der ver­bun­den Plätzen. Wir gehen ein wenig herum, kom­men am Kasthaman­dap Pavil­lion vor­bei. Von ihm hat Kath­man­du seinen Namen. Er ist kom­plett zer­stört und nur noch das Fun­da­ment ist zu sehen. Es war das älteste Gebäude im ganzen Kath­man­du Tal.

Wir suchen uns ein Restau­rant mit Dachter­rasse. Wir haben eine gute Aus­sicht über die Umge­bung und die grü­nen Berge im Hin­ter­grund. Vor uns liegt ein großes weißes europäisch ausse­hen­des Gebäude, das Gad­dhi Baithak. Es han­delt sich um einen Königspalast aus dem 20. Jahrhun­dert. Von oben nach unten zieht sich ein langer Riss durch das Haus. Von dem Gebäude daneben fehlen die ober­sten Stock­w­erke. Die freis­te­hen­den Gebäude des Dur­bar Platzes waren beson­ders anfäl­lig für das Erd­beben, bes­timmt 50% der his­torischen Gebäude hier wur­den durch das Erd­beben zer­stört.

Beim Essen unter­hal­ten wir uns mit einem Kell­ner, der uns erzählt, dass allein beim Ein­sturz des Kasthaman­dap Tem­pels 25 Men­schen star­ben. Wie ein klein­er Satz den Blick ändert. Wo man vorher noch einen Haufen Trüm­mer gese­hen hat, sieht man jet­zt ein Grab. Die Gebäude wird man wohl wieder auf­bauen und die offe­nen Wun­den der Stadt schließen. Die men­schlichen Wun­den wer­den aber nicht so schnell ver­heilen.

Wir gehen zum Platz zurück um ihn uns genauer zu betra­cht­en. Wir starten beim Kasthaman­dap Pavil­lion. Uns spricht ein Mann an der sich als Touris­ten­führer und seine Dien­ste anbi­etet. Wir lehnen ab, doch er lässt nicht lock­er. Wir gehen weit­er und kom­men zu einem Ganesh Schrein. Man bringt hier Opfer vor ein­er her­vorste­hen­den Reise dar. Wir kön­nen uns den Schrein kaum in Ruhe anse­hen. Es wird einem schnell zu viel in dieser Stadt, per­ma­nent will ein­er was von einem. Wir wür­den ja gerne helfen, aber die Bedräng­nis, der man immerzu aus­ge­set­zt ist, lässt einen abs­tumpfen gegenüber den Einzelschick­salen. Man kann nicht jedem etwas abkaufen, nicht jedem Bet­tler Geld in die Hand drück­en.

Wir kom­men zu ein­er großen Shi­va Stat­ue. Sie erin­nert an die bud­dhis­tis­chen Beschützer und das Erd­beben scheint sie ver­schont zu haben. Die meis­ten der umliegen­den Tem­pel ste­hen auch noch. An vie­len sind Gerüste ange­bracht und es ist nicht sich­er sich ihnen zu näh­ern. Grüne Schilder weisen eine “Safe Zone” oder rote eine “Dan­ger Zone” aus. Eine Gefahren­zone ist es durch ein­sturzge­fährdete Gebäude. Durch die Gebäude führt ein markiert­er “sicher­er Weg”. Auch unter Gerüsten und Holzbalken ste­hend, ist der Platz ein beein­druck­ender Anblick. Wir gehen noch über die drei zusam­men­hän­gen­den Plätze des Dur­bar Squares. Dann machen wir uns wieder auf den Weg zurück, den wir gekom­men sind, und find­en noch den dreistöck­i­gen Anna­pur­na Tem­pel. Hier sitzen viele Gemüse- und Gewürzhändler. Der Anna­pur­na Tem­pel ist der Göt­tin der Fülle gewid­met. Alex gibt ein­er Bet­t­lerin etwas Geld, wodurch sich gle­ich mehrere Hände nach ihm streck­en.

Südlich vom Durbar Square

Ein Spazier­gang durch den Teil südlich vom Dur­bar Square bringt uns dem All­t­agsleben der Nepalis näher und dün­nt die Massen etwas aus. Wir begin­nen am Dur­bar Platz vor den Trüm­mern des Kasthaman­dap. Wir gehen die Straße Rich­tung Süden ent­lang und erre­ichen bald den Bhim­sen Tem­pel, der noch kom­plett erhal­ten ist und über die Händler wacht, die im unteren Bere­ich des Tem­pels emsig ihren Geschäften nachge­hen.

Durch die engen Gassen gehen wir weit­er, vor­bei an deut­lichen Spuren des Erbebens — Schut­thaufen, offene Straßen und eingestürzte Bauw­erke. Wir kom­men zu einem alten Wasser­tank, welche Hitis genan­nt wer­den. Es ist eigentlich nur ein gemauert­er, im Boden versenk­ter und nach oben offen­er Raum mit Wasser­spender. Doch beim Ein­treten wird es ruhig und wir hören das Wass­er fließen. Eigentlich ist der “Wasser­tank” nicht beson­ders, doch für uns ist es eine küh­le, kleine Zufluchtsstätte vor dem hek­tis­chen Treiben der Stadt. Wir gelan­gen zum Jaisi Deval Tem­pel aus dem 17. Jahrhun­dert, der jedoch kom­plett zer­stört wurde — nur noch die Grund­mauern sind zu sehen.

Eine Tür führt uns zu dem Innen­hof in welchem der Ram Chan­dra Tem­pel ste­ht. Er ist deut­lich vom Erd­beben geze­ich­net. Der Platz um ihn herum sieht zer­fall­en aus. Vor ihm sitzt eine rote, etwas gruselig ausse­hende ihm zuge­wandte Stat­ue deren Gesicht man kaum noch erken­nen kann. Am Tem­pel selb­st sind kleine Bilder ange­bracht die ero­tis­che Stel­lun­gen zeigen. Auch wenn wir manche nicht nachvol­lziehen kön­nen, kommt man nicht umhin den Detail­re­ich­tum der Schnitzereien zu bestaunen.

Unser Weg führt uns vom touris­tis­chen Bere­ich Kath­man­dus weg. Wir kom­men zum Tukan Bahal mit ein­er Stu­pa aus dem 14. Jahrhun­dert in der Mitte. Kinder spie­len hier Fan­gen während ihre Müt­ter Wäsche waschen. Wir kom­men an rot weißen Tem­peln und Schreinen vor­bei. Auch hier spie­len Kinder und wollen unbe­d­ingt, dass ich Fotos von ihnen mache. Touris­ten sieht man hier keine mehr. Wir sind in den Wohn­sied­lun­gen von Kath­man­du angekom­men. Es ist angenehmer hier nie­mand will hier etwas von uns. Ein “Namaste” oder “Hel­lo” heißt nur genau das, nie­mand will uns was verkaufen oder etwas erbet­teln.

Wir gehen durch die Hin­ter­höfe mit ihren Jahrhun­derte alten Tem­peln und Schreinen. Das sehenswerte sind hier aber die Men­schen und wie sie leben. Über­all spie­len Kinder, welche immer “Just one pho­to” rufen und von denen ich dann deut­lich mehr als nur ein Foto machen muss. Die Kinder lassen mich oft kaum mehr gehen und wer­fen sich immer wieder neu in Pose. Inter­es­sant ist, dass sog­ar die kleinen Kinder schon Englisch sprechen. Die Häuser hier sind hoch — oft sechs bis sieben Stock­w­erke. Auf den Däch­ern sind bei vie­len Blu­men und viel Grün zu sehen. Son­st sehen sie eher herun­tergekom­men aus — vielle­icht vom Erd­beben, vielle­icht war das davor auch schon so. Viele Häuser sind gestützt. Wie es wohl innen in den Häusern aussieht?

Auf den Straßen sieht man immer wieder wie Män­ner mit gefärbten Sand die Kon­turen Nepals streuen, daneben die Nation­alflage. Alles ist in weiß, rot und blau gehal­ten. Später erfahren wir, dass heute eine neue Ver­fas­sung ver­ab­schiedet wurde und somit die Inter­im Ver­fas­sung von 2007 erset­zte.

Wir kom­men zu einem größeren Platz mit dem Mach­hen­dra­math Tem­pel um den herum viel Gemüse ange­boten wird. Unser Weg führt uns zurück zum Javi Deval Tem­pel und zurück zum Dur­bar Platz. Dabei kom­men wir wieder an ver­schiede­nen Tem­peln und Schreinen vor­bei. Es wird langsam dunkel und wir gehen zurück nach Thamel.

Auch hier kom­men wir wieder an Män­nern vor­bei, die Nepal aus Sand auf die Straßen streuen — eine Hei­denar­beit, die schon mor­gen wieder weg sein wird — fort­ge­waschen vom Regen. Sie haben das Land mit all seinen Bezirken gestreut, jed­er Bezirk in ein­er anderen Farbe. Sie stellen kleine Kerzen um das Kunst­werk um es zu beleucht­en. Wir kom­men immer wieder an solchen Sandgemälden vor­bei. Dann sehen wir tanzende Men­schen, die die neue Ver­fas­sung feiern. Die neue Ver­fas­sung gibt Nepal mehr Unab­hängigkeit, vor allem von Indi­en. Auch viele Roller­fahrer sind unter­wegs, die hupend feiern. Es ist ein riesiges Gewusel, noch heftiger als son­st.

Krankheit & Klinik

Erst ist es mein Knie, das uns Sor­gen bere­it­et, denn es schmerzt seit meinem Sturz in Lhasa noch immer. Wir gehen in die Nepal Inter­na­tion­al Clin­ic um das abcheck­en zu lassen. Die Ärztin hier kann nichts weit­er fest­stellen und gibt grünes Licht für den EBC Trek. Dann wird jedoch Alex krank, ähn­liche Symp­tome wie in der Gobi in der Mon­golei: Halss­chmerzen, Schnupfen. Er fühlt sich nicht gut genug und wir suchen die CIWEC Clin­ic auf. Dort bekommt Alex Medika­mente, Abstrich auf Bak­te­rien und Blut abgenom­men. Die Testergeb­nisse sollen wir zwei Tage später erhal­ten.

Wir ver­schieben daraufhin den Flug nach Luk­la um ein paar Tage. Es stellt sich als Infekt her­aus, aber die Ärztin gibt grünes Licht für den geplanten Flug zwei Tage später. Kaum fühlt sich Alex etwas bess­er, werde ich krank. Ich habe mich wohl angesteckt, nur dass es bei mir schlim­mer zuschlägt. Einen Tag vor dem erneuten Abflug­da­tum wache ich mit Halss­chmerzen auf, kon­nte die Nacht über kaum schlafen. Ich füh­le mich den ganzen Tag schreck­lich. Wir entschei­den den Flug aber­mals zu ver­schieben.

Das ist immer­hin kein Prob­lem und kosten­frei möglich. Dies­mal ver­schieben wir um ganze zwei Wochen um den Druck von uns zu nehmen und erst­mal 100%ig gesund zu wer­den. Wir entschei­den, dass wir raus aus der Stadt müssen um uns zu erholen und entschei­den uns für den kleinen Ort Nar­gakot, von dem man eine her­rliche Aus­sicht auf die Berge haben soll, der aber nur eine Stunde von Kath­man­du ent­fer­nt liegt.

Am näch­sten Mor­gen ist es noch schlim­mer. Ich habe Fieber, jede Bewe­gung strengt mich fürchter­lich an, schlafen kon­nte ich wieder kaum. Meine Stimme ist weg, mein Kopf dro­ht zu explodieren. Wir pack­en unsere Sachen zusam­men und gehen dann nochmal in die CIWEC Clin­ic. Die Ärztin gibt mir einen Haufen Medika­mente, darunter Ibupro­fen für mein Knie, das wieder heftiger schmerzt, Antibi­oti­ka, Mund­spülun­gen für den Hals und etwas, damit ich bess­er schlafen kann. Mit all den Medika­menten im Gepäck reisen wir nach Nar­gakot ab.

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.