Nepal: Mittelalterliches Flair in Bhaktapur

Posted: 3. Oktober 2015

Bhak­ta­pur ist voller mit­te­lal­ter­lich­er Atmo­sphäre — mit drei Plätzen voller Tem­pel und architek­tonis­ch­er Meis­ter­w­erke. Pflaster­straßen winden sich durch Back­stein­häuser, Hin­ter­höfe und Plätze, die voller Leben, Stat­uen, Tem­peln, Handw­erk­er und Töpfer sind. Es ist hier deut­lich ruhiger als in Kath­man­du.

Anstatt nach unser­er krankheits­be­d­ingten Auszeit in Nagarkot wieder nach Kath­man­du zurück­zukehren, haben wir uns Bhak­ta­pur als neue Basis auserko­ren. Wir fahren mit dem öffentlichen Bus von Nagarkot nach Bhak­ta­pur, wo man ohne­hin auf dem Weg nach Kath­man­du umsteigen müsste. Das kostet nur 35 Rs pro Per­son. Am Ein­gang zur Innen­stadt müssen wir 15$ pro Per­son bezahlen um reinzudür­fen. Dann brauchen wir noch eine Zeit lang bis wir das Hos­tel find­en. Irgend­wann kom­men wir aber ver­schwitzt und auch ein wenig gen­ervt im Hotel an. Wir essen erst­mal was auf der Dachter­rasse des Ganesh Guest­house. Das Essen ist gut und gün­stig.

Wir ziehen uns in unsere Zim­mer zurück, duschen und dann gehen wir ein wenig raus. Wir gehen nicht weit, nur bis zu einem Platz. Dort ste­ht der größte Tem­pel Nepals — der 30m hohe Nyat­ap­o­la Tem­pel. Man kann aber nicht mehr viel erken­nen, da es schon dunkel ist. Wir spazieren noch ein wenig durch die dun­klen Gassen und gehen wieder zurück. Wir gehen zum Aben­dessen über und Alex trinkt ein Bier. Hier kostet das Bier nur 250 Rs statt den üblichen 350–450 Rs. Mit uns sitzen noch ein Fran­zose, ein Kanadier und der Hotelbe­sitzer auf der Dachter­rasse. Der Hotelbe­sitzer schenkt uns einen Rak­shi ein. Rak­shi ist ein Reiss­chnaps — er kann sowohl pur als auch gemis­cht getrunk­en wer­den. Es wer­den mehr als geplant. Wir unter­hal­ten uns alle miteinan­der über dies und das.

Stadtrundgang in Bhaktapur: Durbar Square, Pottery Square und Taumadhi Tole

Fast jede Stadt in Nepal hat einen Dur­bar Square, einen soge­nan­nten Palast Platz. Das Erd­beben von 1934 hat viele Gebäude an diesem einst vollgestopften Platz ver­nichtet und noch heute führen von Stat­uen bewachte Trep­pen ins Leere. Wir begin­nen am östlichen Ende noch vor der Tick­etkon­trolle. Wir sehen den Erot­ic Ele­phant Tem­ple, an dem Holzschnitte von ver­schiede­nen Tier­arten bei der kör­per­lichen Vere­ini­gung zu sehen sind — von Ele­fan­ten über Kühe bishin zu Kame­len — größ­ten­teils in der Mis­sion­arsstel­lung. Eine Treppe führt uns zu einem Schrein, der der Göt­tin Kali gewei­ht ist. An Son­nta­gen wer­den hier Tieropfer darge­bracht. Der Schrein ist mit einem Baum verwach­sen und in schwarz und roten Far­ben gehal­ten.

Wir gehen zurück zum Dur­bar Square und betreten ihn. Als wir uns zwei Stat­uen von Got­theit­en anse­hen, wer­den wir mal wieder ange­sprochen und uns bietet ein Touren­führer seine Dien­ste an. Wir wollen das mal aus­pro­bieren und willi­gen ein. Er erk­lärt uns die Fig­uren, dann wir gehen zu einem gold­e­nen Tor. Auf der Säule gegenüber kni­et ein ehe­ma­liger König der Stadt. Das gold­ene Tor ist mit Fig­uren verziert und ein Kunst­werk für sich. Davor ste­ht ein Sol­dat mit Waffe. Wir gehen hinein. Ohne Führer hät­ten wir uns wohl nicht durch das Tor getraut, der Sol­dat sieht so garstig aus.

Das Gebäude bzw. die Anlage ist Teil des königlichen Palasts. Ein Teil des Palasts ist jet­zt ein Muse­um, das wir aber nicht anse­hen. Weit­er sehen wir eine reich mit Holzschnitzereien verzierten Tür­bo­gen. Unter anderen sieht man Shi­va wie er auf einem Garu­da reit­et. Die Tür führt in einen hin­duis­tis­chen Tem­pel. Dieser darf aber nur von Hin­dus betreten wer­den. Wir gehen weit­er und sehen das Schwimm­bad des Königs. Ein paar junge Frauen posieren vor ein­er Stat­ue und ein Mann wäscht sich im Beck­en. Eine stein­erne Kobra schlän­gelt sich um das Bad. Eine weit­ere ste­ht aufrecht im Beck­en. Es sind eine männliche und eine weib­liche Kro­ba, die sich gegenüber ste­hen. Die Kobra ist heilig und man betet zu ihr um Regen.

Danach ver­lassen wir die Anlage wieder und gehen zurück zum Dur­bar Platz. Wir gehen zu einem Shi­va Tem­pel, der 1934 von einem Erd­beben zer­stört wurde. Alt­bun­deskan­zler Hel­mut Kohl hat ihn als Geschenk von Deutsch­land an Nepal 1990 wieder auf­bauen lassen. Das let­zte Erd­beben hat der Tem­pel gut weggesteckt. In der Nähe hän­gen zwei Glock­en. Eine davon heißt Bark­ing Bell. Wenn sie läutet soll es sich anhören wie ein Hund bel­len­der Hund.

Wir kom­men zu einem weit­eren Tem­pel. Auch an ihm sind wieder ero­tis­che Stel­lun­gen ins Holz geschnitzt. Es ist der älteste Tem­pel am Platz. Wir ver­lassen den Dur­bar Suqare und gehen zum Pot­tery Square. Auf dem Weg gehen wir durch eine kleine Gasse, welche voll mit Geschäften ist. Unser Guide führt uns in eine der Tangkha Schulen. Auch sie haben das Sand­man­dala welch­es der Dalai Lama designt hat. Eigentlich wollen wir uns aber gar keine Man­dalas anse­hen son­dern die Stadt. Er fragt uns immer wieder ob wir was kaufen wollen, wir sind etwas gen­ervt.

Dann kom­men zum Pot­tery Square. Wir der Name schon sagt wer­den hier Ton­waren hergestellt. Sie wer­den geformt und dann drei Tage in der Sonne getrock­net, weshalb der halbe Platz mit Ton­waren gefüllt ist. Danach wer­den die Töpfe gebran­nt. Wir sehen die Öfen, die nicht im eigentlichen Sinn welche sind. Die Töpfe wer­den mit Stroh bedeckt und dann wird alles ver­schlossen und angezün­det. Nach weit­eren drei Tagen ist der Topf fer­tig gebran­nt. Alles ist Han­dar­beit.

Wir gehen weit­er zum Tau­mad­hi Square. Hier waren wir schon am Abend zuvor. Wir sehen den Nyat­ap­o­la Tem­pel, den mit 30m höch­sten Tem­pel in Nepal. Für uns gren­zt es an ein Wun­der, dass er sowohl das Erd­beben 1934 und auch das let­zte so gut wie unbeschadet über­standen hat. Er ste­ht auf einem fün­f­stöck­i­gen Plateau. An unter­er Stelle ste­hen zwei Wrestler. Dann fol­gen zwei Ele­fan­ten, zwei Löwen, zwei Greifen und zum Schluss zwei Got­theit­en. Es heißt, jede der Fig­uren ist 10mal stärk­er als die Fig­ur unter ihr. Wom­it Gott 10.000x stärk­er ist als ein Wrestler.

Der Tem­pel selb­st hat dann nochmal fünf Stock­w­erke. An jedem der fünf Däch­er hän­gen Glöckchen. Der Nyat­ap­o­la Tem­pel ist für uns der beein­druck­end­ste Tem­pel der Stadt. Der Tem­pel selb­st ist geschlossen, wir gehen aber auf das ober­ste Plateau. Neben dem Nyat­ap­o­la Tem­pel ste­ht der Bhairav­nath Tem­pel, der ein­er Form von Shi­va gewei­ht ist. Was bei­de Tem­pel gemein­sam haben ist, dass sie ziem­lich gruseli­gen Got­theit­en gewei­ht sind.

Der Nyat­ap­o­la Tem­pel ist Sid­dhi Lak­sh­mi gewei­ht, eine blutrün­stige Reinkar­na­tion der Göt­tin Dur­ga. Er wird deshalb auch als Tem­pel der Schreck­lichen beze­ich­net. Die Abbil­dun­gen der Göt­tin im Tem­pel sollen so ang­ste­in­flößend sein, dass nur Priester den Tem­pel betreten dür­fen. Der Bhairav­nath Tem­pel ist Bhaira­va gewei­ht, welch­er ein­er zer­störerischen Inkar­na­tion von Shi­va ist. Hier endet nun auch unsere Tour. Wir sind ein wenig ent­täuscht, denn anderes als im Lone­ply Plan­et ste­ht, hat uns der Führer auch nicht sagen kön­nen.

Wir gehen nochmal zurück zum Dur­bar Square und essen dort den berühmten Joghurt der Stadt — den King Curd (Juju dhau). Er ist aus süßer Büf­felmilch gemacht, der in einem Eisen­topf zusam­men mit Nelken, Kar­da­mon, Kokos­nuss und Cashews gekocht und dann langsam abgekühlt wird. Den Joghurt gibt es hier über­all, am gün­stig­sten ist es ihn ein­fach an einen der vie­len kleinen Läden an der Straße zu erwer­ben statt ihn in einem Restau­rant zu bestellen.

Visitor Pass Antrag

Man kann für mehrma­lige Ein­tritte in die Stadt einen Vis­i­tor Pass beantra­gen, der bis zu einem Jahr gültig ist. Wir gehen zur Touris­ten­in­for­ma­tion um unseren Bhak­ta­pur Vis­i­tor Pass zu beantra­gen, damit wir jed­erzeit in die Stadt zurück­kehren kön­nen ohne die 15$ erneut zahlen zu müssen. Dafür brauchen wir zwei Pass­fo­tos und Kopi­en vom Pass. Es wäre nicht Nepal wenn das sofort klap­pen würde. Wir benöti­gen noch Kopi­en von unserem Nepalvi­sum, die wir woan­ders besor­gen. Außer­dem kann ange­blich nur der Chef der Touris­ten­in­for­ma­tion den Pass ausstellen, der ist aber am näch­sten Tag wieder da. Dann bekom­men wir aber unsere Ausweise.

 

Zweiter Stadtspaziergang bis an die Grenzen der Stadt

Wir wollen uns hin­teren Gassen von Bhak­ta­pur anse­hen um ein Gesamt­bild der Stadt zu erhal­ten, die vom Lone­ly Plan­et als leben­des Muse­um beze­ich­net wird. Wir gehen zum östlichen Ende des Dur­bar Squares. Dort tre­f­fen wir auf einen bun­ten Ganesh Schrein. In ihm wird ein Stein verehrt, der aussieht wie ein Ele­fant. Die Schnitzereien unter dem Dach sind bunt bemalt und zeigen Ganesh. Wir gehen weit­er stad­tauswärts und an mehreren Tem­peln und Wasser­beck­en vor­bei. Dann ver­lassen wir die Innen­stadt und gehen ein paar Trep­pen zu einem Tem­pel hin­auf, dem Mahakali Tem­pel. Gle­ich neben dem Ein­gang ste­hen schwarze Stat­uen. In der Luft schweben Fed­ern und ein Baum wirft den kleinen Platz in schumm­riges Licht. In dem Baum und auf den Stat­uen und Tem­peln sitzen Tauben und alles ist von ihrem Kot weiß gesprenkelt. Der Tem­pel selb­st ist nicht sehr und es bren­nen Kerzen und Räuch­er­stäbchen in ihm.

Anstatt direkt über die Trep­pen zurück­zuge­hen, gehen wir einen Umweg zu einem großen Wasser­beck­en. Dort waschen sich ein paar Män­ner, wahrschein­lich wäscht man sich hier schon seit Jahrhun­derten auf die gle­iche Weise. Wir gehen wieder in die Innen­stadt zurück, es fol­gen wieder Tem­pel und Wasser­basins. Ein Anblick ver­stört uns ein wenig: Ein Hin­du-Tem­pel, den Nicht-Hin­dus nicht betreten dür­fen. Aber wir kön­nen durch die Tür und die Fen­ster hinein­se­hen — in den Nava Dur­ga Tem­pel. Blickt man durch das große Fen­ster sieht man einen kleinen Raum. In ihm liegt ein riesiger Wasser­büf­fel, der ger­ade so hinein passt. Daneben ste­ht ein Mann mit einem kleinen Holzbrett und erschlägt damit Fliegen, welche sich auf dem Ochsen nieder­lassen. WIr beobacht­en die Szene ein paar Minuten und denken dabei nur HÄÄ? Lei­der spricht der Mann außer “Mon­ey” kein Englisch und er kann uns keine Auskun­ft darüber geben was wir hier sehen.

Wir gehen weit­er bis uns ein halb eingestürztes Haus die Route versper­rt. Die Reste des Haus­es wer­den ger­ade Stein für Stein abge­tra­gen. Wir ver­suchen die Baustelle zu umge­hen und lan­den auf einem großen Platz. Da wir nicht wis­sen wo wir sind und Hunger haben, gehen wir erst­mal essen. Wir sind am Tachu­pal Tole angekom­men. Wir ste­hen vor dem beein­druck­enden Dat­ta­treya Tem­pel. Er wurde 1427 ange­blich nur aus Holz von einem einzi­gen Baum gebaut. Vor ihm auf ein­er Säule sitzt der ihm gewei­hte Gott Dat­ta­treya. Die Säule wird von stein­er­nen Schild­kröten gestützt. Vor der Tür ste­hen wieder zwei stein­erne Wrestler.

Auf der anderen Seite des Platzes ste­ht ein zweistöck­iger Bhim­sen Tem­pel. Bhim­sen ist der Gott des Han­dels. Auf der Säule vor ihm sitzt ein Löwe mit erhoben­er rechter Pfote. Eine Ziege chillt auf dem Platz vor ihm. Nach dem Essen über­queren wir den Platz und gehen in die Pujari Math Gasse. Sie ist für ihre schö­nen holzgeschnitzen Fen­ster bekan­nt. Das berühmteste ist das Pfauen­fen­ster “Pea­cock Win­dow”, das man in Miniat­u­raus­gabe über­all erwer­ben kann.

Wir gehen weit­er nach Süden, dann sollen wir eigentlich rechts abbiegen aber das Vier­tel scheint beim Erd­beben fast kom­plett zer­stört wor­den zu sein. Ein Weg ist zwar da, aber wo der hin­führt? Wir entschei­den uns weit­er ger­adeaus zu gehen und einen kleinen Umweg zu machen. All­ge­mein sieht man in Bhak­ta­pur viele Zelte und Blechunterkün­fte. Es han­delt sich um Notun­terkün­fte für Erd­bebenopfer. Viele Men­schen haben beim Erd­beben ihr Zuhause ver­loren. Die Zelte meist vom Roten Kreuz, oft aus Chi­na, bere­it­gestellt wor­den.

Wir über­queren einen Fluss. Es ist grün­er hier und es gibt Felder. Wir durch­queren einen kleinen Tem­pel und gehen über eine weit­ere Brücke  zurück in die Stadt. Als wir an ein­er Bud­dha-Stat­ue ankom­men, sind wir wieder auf dem richti­gen Weg. Wir kom­men an einem bud­dhis­tis­chen Kloster vor­bei und gehen wieder in Rich­tung Fluss. Am Fluss sehen wir eine große Ansamm­lung von Stat­uen, welche ver­schiedene hin­duis­tis­che Got­theit­en darstellen. Wir fol­gen dem Weg über den Fluss und kom­men in die Vorstadt. Wir kom­men an einem Altenheim, was sich hier bes­timmt nur gut Betuchte leis­ten kön­nen, sowie an kleinen Geschäften und Feldern vor­bei. All­ge­mein ist es hier grün­er als in der Innen­stadt. Wir kom­men wieder zu ein­er Brücke über den Fluss. Wie über­all in der Stadt sehen wir Kinder, die Drachen steigen lassen. Wir been­den unseren Spazier­gang wieder am Tau­mad­hi Tole, den wir durch eine Gasse mit vie­len Stän­den erre­ichen.

Jeden Abend gibt es Rak­shi auf der Dachter­rasse und es ist sehr gesel­lig. Das Ganesh Guest­house ist wirk­lich zu empfehlen. Ein Dop­pelz­im­mer kostet nur 600 Rs inklu­sive pri­vatem Badez­im­mer und das Essen ist eben­falls gut und gün­stig. Es ist vielle­icht das einzige Guest­house ohne dazuge­hörigem Toure­nan­bi­eter, was es eben­falls sehr angenehm macht, da einem nichts aufgeschwatzt wird. Der Besitzer ist unglaublich hil­fs­bere­it und sehr nett.

So ver­brin­gen wir die Tage in Bhak­ta­pur bis es endlich auf unseren heiß ersehn­ten Ever­est Base Camp Trek geht!

 

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