Nepal: Pokhara, Tor zur Annapurna Region

Posted: 5. November 2015

Nach unserem Dschun­ge­laben­teuer in Chit­wan fahren wir nach Pokhara, dem Aus­gangspunkt für Trekking­touren ins Anna­pur­na-Gebi­et. Aber Pokhara bietet noch viel mehr als das. Vor allem ist es deut­lich relax­ter als in Kath­man­du und bietet die per­fek­te Basis für ein paar Tage Entspan­nung am See vor oder nach einem Trek.

World Peace Pagoda

Die World Peace Pago­da liegt auf der anderen Seite des Fewa Sees, an dem Pokhara liegt. Wir gehen zum See hin­unter und mieten ein Boot samt Rud­er­er. Zwar wären wir gerne selb­st gerud­ert um eventuell auch in der Mitte des Sees schwim­men zu kön­nen, aber da wir auf der anderen Seite des Berges hin­unter gehen wollen ist ein One way Boot anders nicht möglich. Wir lassen uns zur anderen Seite des Sees rud­ern. Unser Boots­mann ist auch Trekking­guide und wir unter­hal­ten uns über den den Weg zum Anna­pur­na Base Camp. Nach ein­er hal­ben Stunde erre­ichen wir das andere Ufer und steigen aus.

Der Weg zur Pagode führt steil den Berg hin­auf. Es ist heiß und schwül weshalb wir gut ins Schwitzen kom­men. Wir gehen an einzel­nen Häusern vor­bei die Getränke und Snacks anbi­eten. Immer wieder machen wir Pause und als wir oben ankom­men sind wir durchgeschwitzt. Wir ziehen unsere Schuhe aus und betreten die Stu­pa. Es ist heiß und sehr hell. Wir umrun­den die Stu­pa auf zwei Ebe­nen. In Auss­parun­gen im oberen Teil sind Bilder aus dem Leben Bud­dhas ange­bracht. Die vier Bilder zeigen Orte an welchen der Reli­gion­ss­tifter gewirkt hat.

Die Stu­pa wurde von japanis­chen Mönchen errichtet um den Welt­frieden zu propagieren. Von der Stu­pa hat man auch einen guten 360° Blick und wir sehen Mach­ha­puchare (6.997m) und mehrere Gipfel des Anna­pur­na. Wir gehen weit­er und Essen bei guter Aus­sicht eine Kleinigkeit. Auf der anderen Seite des Sees liegt der Aus­sichts­berg Sarangkot und wir sehen Paraglid­er über ihn segeln, denn er ist Aus­gangspunkt für das Paragli­den in Pokhara bei dem man mit etwas Glück großar­tige Aus­sicht­en auf die Anna­pur­na Region bekommt.

Die Devi’s Falls

Wir fol­gen dem Pfad der von der vom See abge­wandten Seite des Berges nach unten und zurück in die Stadt. Als wir auf eine große Straße tre­f­fen, müssen wir dieser noch ein Stück fol­gen bis wir zu unserem näch­sten Ziel, den Devi’s Falls, kom­men. Der Wasser­fall ver­schwindet mit großem Getöse in ein­er Schlucht. Um die Wasser­fälle herum gibt es kleinere Attrak­tio­nen wie einen Wun­schbrun­nen. In ihm ist in der Mitte eine kleine Plat­tform und wenn man mit ein­er Münze darauf trifft hat man einen Wun­sch frei. Alex schafft es nicht, aber ich.

Nach dem wir unser Glück ver­sucht haben, ver­lassen wir die Fälle und gehen zu der Guptesh­wor Mahadev Höh­le. In die Höh­le führt eine gewun­dene Treppe. Unten gibt es einen Shi­va Tem­pel mit einem heili­gen Sta­lag­miten , son­st aber nicht viel mehr. Eigentlich soll man noch tiefer gehen kön­nen, aber der Weg ist versper­rt. Wir ver­lassen die Höh­le wieder und gehen zurück zur Straße.

Tashi delek in Nepal

Wir wollen noch ein tibetis­ches Flüchtlingscamp besuchen. Tashi Ling liegt ganz in der Nähe. Die Tibeter leben hier seit Jahrzehn­ten als Flüchtlinge. Nepal kann ihnen keine Aufen­thalt­ser­laub­nis geben da sie son­st Prob­leme mit Chi­na bekom­men. Wir besuchen ein bud­dhis­tis­ches Kloster und sehen Kin­der­mönche und Erwach­sene, die Holz ver­laden, denn auch sie haben kein Gas zum kochen mehr. Wir kaufen eine Gebets­kette um das Kloster zu unter­stützen. Dabei unter­hal­ten wir uns mit der Verkäuferin.
Wir gehen weit­er in das Dorf hinein. Es unter­schei­det sich nicht viel von den anderen Stadt­teilen mit dem Unter­schied, dass über­all Gebets­fah­nen wehen.

Um wieder auf die richtige Seite des Sees zu gelan­gen, fol­gen wir der großen Straße und bieten dann Rich­tung See ab. Nach etwa ein­er Stunde kom­men wir wieder im touris­tis­chen Teil Pokha­ras an, der Lake­side.

Am Abend finde ich durch Zufall her­aus, dass ein Bekan­nter von mir ger­ade eben­falls in der Stadt ver­weilt. Zulet­zt haben wir uns in Neusee­land getrof­fen — wie tre­f­fen uns gerne irgend­wo auf dem Globus. Wir verabre­den uns für das Aben­dessen. Robert kommt ger­ade mit einem Fre­und von ersten Teil des Anna­pur­na Cir­cuit zurück. Sie sind nur wenige Wochen für den Trek in Nepal. Und aus­gerech­net zur gle­ichen Zeit wie wir. Wir unter­hal­ten uns viel über unsere Nepal Erfahrun­gen bevor wir wieder getren­nter Wege gehen. Ein schön­er Abend.

Nach der Kajaktour

Wir ver­brin­gen nach unser­er viertägi­gen Kajakschule noch eine ganze Woche in Pokhara, vor­rangig um Alex erneute Krankheit auszukuri­eren. Diese Tage ver­brin­gen wir mit Entspan­nung, Yoga, Spaziergän­gen sowie ein­er Radl­tour durch die Alt­stadt Pokha­ras. Erst danach brechen wir zu unserem näch­sten Aben­teuer auf: Trekking in der Anna­pur­na Region.

Radltour durch Pokhara

Wir lei­hen uns Fahrräder, deren Brem­sen schon bessere Tage gese­hen haben, und wir radeln von der Lake­side — dem touris­tis­chen Teil Pokha­ras — hin­aus zur Alt­stadt um uns anzuse­hen wie Pokhara vor der ganzen Touris­musin­dus­trie aus­ge­se­hen haben mag. Es geht stetig leicht bergauf und als wir ankom­men, sind wir ordentlich durchgeschwitzt und kaufen erst ein­mal Wass­er. Auf dem Weg kon­nten wir die Gipfel von Anna­pur­na und Mach­ha­puchare aus den Wolken ragen sehen. Wir gehen hin­auf zum Bind­hyabasi­ni Tem­pel, der auf einem kleinen Hügel ste­ht. Auf der Plat­tform sind mehrere Häuser.

Während Alex einen der Tem­pel betritt, erkunde ich die weit­ere Gegend und ger­ate an einen Mann, der mir etwas über die Tem­pel und Fig­uren hier erk­lärt. Ahnungs­los höre ich ihm zu, aber als er mich begin­nt über den gesamten Platz zu schleifen und alles zu erk­lären, schwant mir, dass er ver­sucht mir eine Tour anzu­drehen und natür­lich was dafür erwartet. Zu spät. Ich gehe in den gle­ichen Tem­pel in dem Alex zuvor war, bekomme ein Tika auf die Stirn gemalt, eine Art Seg­nungsze­ichen, und Blu­men in die Hand, die man an den Schreinen nieder­legen kann. Der Tem­pel ist Dur­ga gewid­met, der kriegerischen Reinkar­na­tion Par­vatis.

Wir steigen wieder auf unsere Fahrräder und radeln nun­mehr genüsslich die Straße hin­unter. Wir kom­men an ein paar kleineren Tem­peln vor­bei, darunter ein klein­er Bhim­sen Tem­pel, der 200 Jahre alt ist. An einem Gemüse­markt hal­ten wir an, sehen uns das Gewusel hier an und kaufen uns einen Granat­apfel (die übri­gens bedeu­tend süßer hier schmeck­en als in Deutsch­land) und zwei andere Früchte, die wir nicht iden­ti­fizieren kön­nen. Dann schwin­gen wir uns wieder auf die Draht­e­sel und radeln zum Inter­na­tion­al Moun­tain Muse­um, das den Bergen Nepals und jenen gewid­met ist, die diese bestiegen haben. Vor dem Muse­um befind­et sich ein 9,5m hohes besteig­bares Mod­ell vom Mt Man­aslu. Noch nie war Berg­steigen so leicht :)

Im Muse­um wer­den die zahlre­ichen ver­schiede­nen Völk­er Nepals vorgestellt, ein Bere­ich wid­met sich der Enste­hung des Himalayas durch die Kon­ti­nen­talplat­ten­ver­schiebung, der Flo­ra und Fau­na der Berge und die ersten Bestei­gun­gen von ihnen. Teile der altertüm­lich anmu­ten­den Aus­rüs­tung wer­den gezeigt sowie Fotos, z.B. von Mau­rice Her­zog, dem Erst­besteiger des Anna­pur­nas, wie sich die Haut von seinen erfrore­nen Fin­gern schält. Berg­steigen zu dieser Zeit war beina­he Wahnsinn, der nur mit viel Lei­den­schaft betrieben wer­den kon­nte. Mit Schuhen, die nicht viel bess­er waren als gewöhn­liche Wan­der­schuhe, Sauer­stoff­flaschen schw­er wie Blei und unhan­dlichen Eisäx­ten.

Die Anna­pur­na-Bestei­gung von Mau­rice Her­zog erforderte immer­hin Klet­tern im 5. Grat auf ein­er Höhe von über 6.000m. Wir ler­nen viel über die Acht­tausender der Welt und ihre Erst­bestei­gun­gen — acht der höch­sten Berge der Welt liegen in Nepal (Anna­pur­na I, Dhaula­giri, Man­aslu, Cho Oyo, Ever­est, Lhotse, Makalu, Kangchen­jun­ga), ein­er in Tibet (Shisha Pang­ma), fünf in Pak­istan (K2, Nan­ga Par­bat, Gasher­brum I und II, Broad Peak). Der erste 8.000er der je bestiegen wurde war 1950 der Anna­pur­na I — von dem franzö­sis­chen Team um Mau­rice Her­zog. Das ist bemerkenswert, denn Nepal öffnete sich erst 1948. Anna­pur­na bedeutet soviel wie “Göt­tin des Him­mels”. Sie hat­ten nicht weniger als 150 indis­che Träger dabei, die die ton­nen­schwere Aus­rüs­tung hin­auf­bugsierte.

Der Himalaya ist das jüng­ste Gebirge der Welt und war ehe­mals tief unter dem Meer­esspiegel ver­bor­gen. Vor 230 Mil­lio­nen Jahren lag der indis­che Sub­kon­ti­nent noch immer in der südlichen Atmo­sphäre, ver­bun­den mit dem Superkon­ti­nent Gond­wana. Dann drifteten die Kon­ti­nente auseinan­der und Indi­en ver­schob sich nördlich, verengte so das Meer wo der Himalaya schlum­merte (Tethys­meer) und hievte das Mas­siv an die Ober­fläche.

Indi­en erre­ichte den Asi­atis­chen Kon­ti­nent vor 45 bis 50 Mil­lio­nen Jahren und formte den Himalaya indem die Kruste in viele Teile brach und zugle­ich den Meeres­bo­den hob. Noch heute drängt der indis­che Sub­kon­ti­nent mit 5cm pro Jahr vor­wärts. Das heißt, dass der Himalaya noch immer wächst (2mm pro Jahr) und Indi­en schrumpft. Obwohl der Himalaya noch sehr jung ist, sind die Felsen in der Gegend schon sehr alt — bis zu 2.000 Mil­lio­nen Jahren alt. Diese Felsen wur­den vom ursprünglichen Meer bis auf die Spitze des Mount Ever­est trans­portiert, wo sie vor 400 Mil­lio­nen Jahren noch auf dem Meeres­grund lagen. Noch immer kann man Reste von Unter­wasser­leben im Himalaya find­en, die das beweisen.

Beson­ders süß gemacht ist auch ein Bere­ich, der Fotos aus den Alpen mit Bildern aus dem Himalaya ver­gle­icht. Es gle­icht sich erstaunlich viel im früheren Leben der weit auseinan­der liegen­den Bergvölk­er. Las­ten wer­den von Men­schen getra­gen — wenn auch auf andere Art, But­ter und Käse wird zubere­it­et, Tiere wer­den zum Las­ten­trans­port ver­wen­det.

Ein weit­er­er Teil des Muse­ums beschäftigt sich mit der Ver­schmutzung der Berge durch das Berg­steigen. Wir sehen Sauer­stoff­flaschen, die am Ever­est gesam­melt wur­den. Die älteren davon sind saumäßig schw­er, bevor Car­bon die Stahlflaschen erset­zten. Mit­tler­weile gibt es eine Art Müllp­fand für die höch­sten Berge der Welt um der Ver­schmutzung ent­ge­gen­zuwirken. Frühere Expe­di­tio­nen haben jedoch alles mögliche auf den Bergen liegen lassen, was nicht mehr hin­unter trans­portiert wer­den sollte.

Man kann den ganzen Tag in diesem umfan­gre­ichen und inter­es­san­ten Muse­um ver­brin­gen.


 

POKHARA AUF EINEN BLICK
264.991 Ein­wohn­er, gele­gen im Zen­trum von Nepal, 200km von Kath­man­du ent­fer­nt

Best Bud­get Place to Stay
Nepali Cot­tage Guest­house: Für 500 Rs die Nacht für ein Dop­pelz­im­mer mit eigen­em Bad hat dieses Guest­house ein super Preis-Leis­tungsver­hält­nis. Der Besitzer ist sehr nett und lächelt viel und die zwei Katzen, die über das Garten­gelände vor dem Vil­la-arti­gen Haus toben, set­zen dem noch die Kro­ne auf. Von der Dachter­rasse hat man einen schö­nen Aus­blick auf die Anna­pur­na Range, auch wenn sie mehr aus der Ter­rasse machen kön­nten, die nur vor sich hin existiert ohne irgen­deine Ver­wen­dung. Eine per­fek­te Basis für unsere Zeit in Pokhara!

Best Places to Eat
Moon­dance: Ein biss­chen teur­er als der Durch­schnitt, aber sehr relaxte Atmo­sphäre mit gemütlichen Sitzgele­gen­heit­en. Die Piz­za hier ist top!
God­fa­thers Pizze­ria: Der Piz­za­teig hier ist göt­tlich, wenn auch die Top­pings etwas inter­es­san­ter sein kön­nten. Auf der Ter­rasse hat man See­blick und sieht die Mar­i­hua­na-Pflanzen fröh­lich wach­sen.
Asian Tea House: Hat so gar nichts mit einem Tea­house zu tun. Es han­delt sich viel mehr um ein kleines Restau­rant in einem Hin­ter­hof mit vier Tis­chen und es wird auf einem kleinen Holzfeuer direkt vor den Augen der Gäste im Hof gekocht. Gün­stig, gut und eine ein­ma­lige Erfahrung.

Anson­sten gibt es viele schöne und relaxte Restau­rants am See, die sich für ein Mit­tagessen anbi­eten, z.B. die Par­adise Lounge.

Best Things to Do
Trekking in der Anna­pur­na Region, die man schon in 1,5 Stun­den Bus­fahrt erre­ichen kann. Hier kann man sowohl kurze Treks (z.B. Drei Tage Poon Hill) als auch mit­tlere (9 Tage Anna­pur­na Base Camp) und aus­gedehnte (20 Tage Anna­pur­na Cir­cuit) Treks unternehmen.
World Peace Pago­da wegen der fan­tastis­chen Aus­blicke auf den See und bei Glück auch auf die Berge.
Inter­na­tion­al Moun­tain Muse­um: Umfan­gre­ich und inter­es­santes Muse­um über den Himalaya, dessen Entste­hung, den dort leben­den Völk­ern mit ihrer Kul­tur als auch über die Bestei­gun­gen der höch­sten Berge der Welt mit inter­es­san­ten Arte­fak­ten der ersten Expe­di­tio­nen.
Lake­side Spazier­gang: Ein Spazier­gang an den Ufern des Phe­wa Lakes ist her­rlich entspan­nend, beson­ders schön zum Son­nenun­ter­gang.
Yoga: Zahlre­iche Plätze bieten Yoga Stun­den an — das Non­plusul­tra für Entspan­nung.

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