Nepal: Trekking ins gefrorene Herz der Annapurna Region

Posted: 12. November 2015

Der Anna­pur­na Base Camp Trek führt einen in ca. 10 Tagen zum südlichen Fuße des Anna­pur­na I, dem zehn­thöch­sten Berg der Welt. Anders als beim Ever­est Base Camp Trek befind­et man sich hier größ­ten­teils in tiefer liegen­den Gebi­eten, die von viel Wald und Wasser­fällen geprägt und damit sehr abwech­slungsre­ich ist. Wer also gerne durch grüne Gefilde streift, sich in der großen Höhe weniger wohl fühlt und trotz­dem ein grandios­es Bergam­phithe­ater sucht, ist hier genau richtig. Der Weg startet im Reis­paradies, führt durch urige Bam­bus- und Rhodo­den­dron­wälder um mit­ten zwis­chen Gletsch­ern und steil aufra­gen­den Bergen um einen herum zu enden. 

1. Etappe: Birethani bis Ulleri
5h, 1.000hm hin­auf

Es geht wieder los! Dies­mal zum Anna­pur­na Base Camp. Da wir noch den Poon Hill ein­bauen wollen, von dem man eine gute Aus­sicht auf die Anna­pur­na Range hat, starten wir von Naya Pul um den Abstech­er nach Ghorepani mit­nehmen zu kön­nen. Wir fahren um 7 Uhr mor­gens von unserem Hotel in Pokhara mit dem Taxi zum Bus­bahn­hof von wo aus wir den Bus nach Naya Pul nehmen (300 Rs, 90 Minuten). Wir kon­nten vorher keine Tick­ets mehr buchen, aber es ist kein Prob­lem einen Sitz­platz in einem der Touris­ten­busse zu find­en.

Die Fahrt ist mehr als hol­prig — der Bus klingt als würde er gle­ich auseinan­der fall­en. Wenig­stens müssen wir nicht auf dem Dach sitzen. Auch eine Gruppe Deutsch­er sitzt im Bus. Ihr Ziel ist der Poon Hill. Ein­er von ihnen hat den Anna­pur­na Cir­cuit bere­its 1972 gemacht. Da gab’s uns noch nicht mal und Mess­ner hat seine Himalaya Kar­riere noch nicht ges­tartet. Sah sich­er alles noch ganz anders aus damals.

Der Bus fährt bis nach Ghan­druk hin­auf und wir fahren bis Birethanti mit. So sparen wir uns eine halbe Stunde des Wegs. Zwis­chen­durch hal­ten wir eine Weile dauern in Naya Pul, wo wir tibetis­ches Brot früh­stück­en. Dann geht’s weit­er Birethanti. Hier gibt es Check­posts für die TIMS Karte und das ACAP Per­mit. Wir starten auf 1.000m und es ist sehr warm. Die Sonne knallt vom Him­mel und schon nach kurz­er Zeit auf dem Weg sind wir schweißge­badet. Puh! Schon anders als am Ever­est, wo man auf 2.800m begin­nt.

Der Weg führt uns an kleinen Dör­fern, Terassen­feldern und Wasser­fällen vor­bei. Immer begleit­et uns das Rauschen des Bhu­rung­di Kho­la neben uns. Hier gehen wir noch auf ein­er Straße, die auch von Jeeps befahren wer­den kann. In Hille wollen wir Mit­tag essen, aber das erste Restau­rant, das wir ans­teuern bietet gar nichts an. Dafür sitzt die ganze Fam­i­lie auf der Ter­rasse. Wir kaufen nur eine kalte Cola (0,5l für 200 Rs), die mich wider fit macht. Ich schwitze wie ver­rückt, die Hitze macht das Gehen trotz geringer Stei­gun­gen sehr anstren­gend.

Wir gehen weit­er nach Hille hinein, wo wir in Restau­rant gehen, das tat­säch­lich Essen serviert. An Nudeln und ein­er Art Schweiz­er Rösti stärken wir uns, unter­hal­ten uns mit zwei Amerikan­ern aus Min­neso­ta und ruhen aus. Wir beschließen heute noch bis Ulleri zu gehen um den morgi­gen Tag zu entspan­nen, wo wir das auf 2.870m gele­gene Ghorepani erre­ichen wollen. Den Poon Hill macht man dann klas­sis­cher­weise am frühen Mor­gen.

Wir starten wieder und ver­lassen die Straße um auf einem Stein­weg kurz darauf Tikhed­hun­ga zu erre­ichen. Nun fol­gt ein sich über 500 hm ziehen­der steil­er Anstieg über 3.300 Stein­trep­pen nach Ulleri. Vorher über­queren wir den Fluss auf zwei Hänge­brück­en. Mit­tler­weile sind Wolken aufge­zo­gen und es ist nicht mehr so heiß. Dafür wird uns aber auch die Sicht genom­men. Im Augen­blick ist mir das ziem­lich Wurscht — ich bin froh nicht in der Sonne die Stufen bin auf gehen zu müssen. Wir machen ein paar Mal Pause auf dem Weg hin­auf.

Nach 1,25h erre­ichen wir Ulleri auf 2.080m. Es ist küh­ler gewor­den, aber mein Kör­p­er fühlt das kaum. Wir kehren in die Anna­pur­na View Lodge ein — erst­mal ohne Anna­pur­na View. Es gibt hier sog­ar warme Duschen — ein­fach so! Wir nutzen das gle­ich aus. Dann schlafe ich ein biss­chen bis wir zum Aben­dessen gehen. Mit­tler­weile schaut der Anna­pur­na South aus den Wolken her­aus — anges­trahlt von der unterge­hen­den Sonne. Er scheint fast zu glühen in der anson­sten schon dun­klen Umge­bung.

Beim Aben­dessen unter­hal­ten wir uns mit ein­er Tibeterin, deren Eltern 1959 nach Nepal geflo­hen sind. Sie lebt in einem der Flüchtlingscamps in Pokhara. In den Monat­en der Hoch­sai­son kommt sie hier­her und verkauft Schmuck und weit­ere Sou­venirs. Trotz allem ist sie eine sehr fröh­liche Frau.

2. Etappe: Ulleri bis Ghorepani
4h, 800hm hin­auf

Eigentlich wollen wir auf­grund der Hitze früh los, aber wie immer klappt das nicht. Die Sicht am Mor­gen ist wun­der­schön und es ist leicht die Zeit am Früh­stück­stisch mit Blick auf den Anna­pur­na South (7.219m) und Hiunchuli voran­schre­it­en zu lassen. Wir unter­hal­ten uns mit einem Amerikan­er, der gestern vom Poon Hill herun­terkam und eben­falls sehr entspan­nt wirkt. Sein Top Tipp für Trekking sind die gestrick­ten Wollschuhe, die es hier über­all zu kaufen gibt und die Füße nachts schön warm hal­ten.

Wir kom­men erst kurz vor 10 Uhr los, aber heute ist es nicht so heiß und somit deut­lich angenehmer zu steigen. Wir starten in Farm­land und gelan­gen bald darauf in den Wald hinein.Wir unter­hal­ten uns länger mit einem Amerikan­er, der schon öfter in Nepal war. Er wohnt inter­es­san­ter Weise schon viele Jahre lang in Abu Dhabi. Im Jan­u­ar will er den Aconcagua, den höch­sten Berg Südamerikas, besteigen und ist hier um ein biss­chen zu trainieren. Er ist eben­falls auf dem Weg zum Anna­pur­na Base Camp und schleppt einen beachtlichen Ruck­sack mit sich.

Dann tauchen wir in wun­der­schö­nen Eichen- und Rhodo­den­dron­wald ein. Moose, Farne und Flecht­en wach­sen über­all — ein wahrer Urwald! Wasser­fälle ergießen sich am Weges­rand und das Rauschen von glasklaren Flüssen begleit­et uns. Immer wieder geht es auf und ab bis ein let­zter Anstieg uns nach Nan­gath­anti führt, wo wir Mit­tagspause machen. Hunde bet­teln hier an jedem Tisch, an dem ger­ade gegessen wird, eine Katze schläft auf einem der Stüh­le. Maultiere fressen regelmäs­sig den Salat an, der draussen vor der Küche liegt und sie müssen ver­scheucht wer­den. Es wird echt kalt wenn die Sonne hin­ter Wolken und wir müssen uns wärmer anziehen, sog­ar meine Daunen­weste kommt zum Ein­satz.

Von hier laufen wir noch etwa eine Stunde durch den Wald bis Ghorepani. Auf dem Weg unter­hal­ten wir uns mit einem Guide, der das halbe Jahr über in Ameri­ka lebt und dort einen Ableger ein­er nepale­sis­chen Trekkinga­gen­tur betreibt. In der Hoch­sai­son ist er dann als Guide im Himalaya unter­wegs. Wir erre­ichen den unteren Teil von Ghorepani und reg­istri­eren uns beim Check­post bevor wir in den oberen Teil der Stadt weit­erge­hen.

Es ist ziem­lich kalt gewor­den und die Sicht nicht mehr vorhan­den. Wir kehren in die Nice View­point Lodge ein und gehen dann nochmal auf einen Kuchen und Tee hin­aus. Wir kaufen auch Yak-Käse und so was wir Sem­meln für mor­gen früh auf dem Poon Hill. Dann stre­ichen wir noch etwas durch die Läden und ent­deck­en tolle warme und bunte Woll­hand­schuhe, von denen wir uns jed­er ein Paar gön­nen. Es fängt an zu reg­nen und wir ziehen uns in die Lodge zurück.

 

3. Etappe: Ghorepani bis Chi­ule
4,5h, 890hm hin­auf, 1.470hm hin­unter

Um 5 Uhr mor­gens klin­gelt der Weck­er, denn wir wollen zum Son­nenauf­gang auf den Poon Hill (3.210m). Der Auf­stieg dauert etwa 40 Minuten. Als wir auf­ste­hen ist es noch dunkel und über uns leucht­en die Sterne als wir vor die Tür treten. Durch das erste Tages­licht wer­den die Berge bläulich beleuchtet. Mit Stirn­lam­p­en bewaffnet gehen wir los. Kurz darauf erre­ichen wir einen Tick­etschal­ter, der 50 Rs für den Poon Hill ver­lang und als Spende für Ghorepani gedacht ist.

Wir haben allerd­ings gar kein Geld dabei, dür­fen aber trotz­dem passieren. Wir sollen den schuldig gebliebe­nen Betrag ein­fach später dem Lodge Eigen­tümer geben. Wir steigen weit­er hin­auf, über zahlre­iche Ste­in­stufen und bald benöti­gen wir die Stirn­lam­p­en nicht mehr. Wir kom­men an ein­er ersten Lich­tung vor­bei, die die Hälfte des Auf­stiegs markiert. Wir gehen eis­ern weit­er, schwitzen trotz der äußeren Kälte etwas vor uns hin.

Das Gipfelplateau ist voll mit Men­schen. Prak­tisch jed­er, den wir auf dem Weg getrof­fen haben, ist hier. Vor uns erstreckt sich ein Panora­ma von Dhaula­giri (8.167m) und Tukuche (6.920m) bis Nil­giri (6.940m), Anna­pur­na South (7.219m), Anna­pur­na I (8.091m), Hiunchuli (6.441m) und Tarke Kang (7.193m). Die Spitze von Anna­pur­na South, der direkt vor uns zu thro­nen scheint, wird von den ersten Son­nen­strahlen beleuchtet. Der Him­mel im Osten ist rot-bläulich und langsam kriecht die Sonne her­auf, bestrahlt die Berg­welt und lässt Anna­pur­na South und Anna­pur­na I im roten Glanz erglühen.

Mach­ha­puchare zeigt von der Seite warum er seinen Namen, der über­set­zt “Fis­chschwanz” heißt, ver­di­ent, denn seine Dop­pel­spitze sieht wirk­lich wie ein Fis­chschwanz aus. Nun haben wir schon vier der vierzehn Acht­tausender gese­hen, von denen sich acht in Nepal befind­en — Anna­pur­na I, Dhaula­giri, Ever­est und Lhotse.

Es gibt auch einen View Tow­er auf dem Poon Hill. Wir sehen uns auch die Aus­sicht von dort an. Inzwis­chen ist die Sonne voll­ständig aufge­gan­gen und wir und die Berge ste­hen in Licht und Wärme. Kein Wölkchen am Him­mel. Als wir uns einiger­maßen sattge­se­hen haben (kaum möglich, ich muss immer noch ein weit­eres Foto machen, bevor ich hin­ab­steigen kann), steigen wir wieder hinab und früh­stück­en in unser­er Lodge. Dann machen wir uns auf den Weit­er­weg. Wir wollen Rich­tung Chhom­rong laufen, wo wir wieder auf den Anna­pur­na Base Camp Trail tre­f­fen und sehen wie weit wir heute kom­men.

Die meis­ten been­den die Tour nach Chhom­rong in Tada­pani, wir wollen noch ein Stück weit­er kom­men. Von Ghorepani geht es erst­mal wieder bergauf, tat­säch­lich sog­ar bis auf die Höhe vom Poon Hill auf 3.210m. Es ist ein anstren­gen­der Anstieg auf den üblichen Ste­in­stufen bis zum Deo­rali Pass. Wir erre­ichen ein kleines Tee­haus auf ein­er mit Gebets­flaggen gesäumten Lich­tung, wo wir kurz pausieren. Hier hat man wieder Aus­sicht auf Dhaula­giri, der Anna­pur­na und Mach­hupuchare liegen bere­its in den Wolken. Nur zwei Stun­den später ist der blaue Him­mel von heute mor­gen zuge­zo­gen und es ist wieder kalt gewor­den. Kaum hätte man das heute früh für möglich gehal­ten. Eine Gruppe Bel­gi­er tanzt fröh­lich auf dem Pass.

Wir steigen weit­er in Konifer­en- und Rhodo­den­dron­wald hin­auf. Dann gehen wir wieder hinab über einen matschi­gen Weg, der immer mal wieder bergan und bergab führt um schließlich nach Deo­rali hin­abz­u­fall­en. Nun geht es steil hinab über feuchte Ste­in­stufen über einen engen Weg neben einem Fluss, der sich bald in mehreren Wasser­fällen ergießt. Ein Pulk Wan­der­er steigt hier hinab und bietet keine Chance zu über­holen auf dem engen und steilen Pfad. Erst als es ein Stück hin­auf geht, kann ich eine Gruppe im Lauf­schritt über­holen, bis ich vor der näch­sten ste­he. Auch diese kann ich schließlich über­holen und kann endlich wieder frei gehen. Ich kann ein­fach nicht langsam hin­ter anderen her­stapfen, das stresst mich zu sehr. Alex hat­te nicht soviel Glück und ist in der zweit­en Gruppe hän­genge­blieben. Ich warte an ein­er bre­it­en Stelle bis er auch über­holen kann.

Die Sonne kommt wieder stel­len­weise her­aus und wärmt uns. Der Weg wird nun weniger steil und führt weit­er am Fluss vor­bei, der zwis­chen Fels­blöck­en und Baum­stäm­men hin­unter tost. Dann erre­ichen wir Ban­thanti, wo wir Mit­tagspause machen. Obwohl der Name gle­ich ist, han­delt es nicht um das gle­iche Ban­thanti wie am Vor­trag. Ofen­bar gin­gen ihnen die Namen aus. Wir wär­men uns an war­men Tee und Speisen und unter­hal­ten uns mit ein­er Ital­iener­in, die Deutsch kann und uns schmun­zel­nd bei irgen­deinem Gespräch zuhört. Sie haben das Gle­iche vor wie wir — vom Poon Hill zum Anna­pur­na Base Camp. Kurz nach Ban­thanti kom­men wir aus dem kühlen Wald her­aus und durch Felder und plöt­zlich ist es wieder ganz warm und schwül.

Wir entledi­gen uns der Fleece-Jacke und kom­men an ein­er Fel­swand vor­bei in der Affen herum­tur­nen. Faszinierend wie lock­er sie an der steilen Wand herumkrax­eln — und chillen. Mit Hän­den und Füß0en fes­thal­ten kön­nen ist ein­deutig ein gewiss­er Vorteil. Ohne Seil würde ich da jeden­falls nicht ein­steigen. Wir üer­holen die Ital­iener und stiegn hinab zum Fluss, den wir auf ein­er Brücke queren. Dann geht es unbarmherzig steil wieder bergauf. Nach end­los erscheinen­den Stufen erre­ichen wir Tada­pani (2.710m). Hier hal­ten wir uns nicht lange auf, durch­queren das Dorf und lassen die anderen Trekker hin­ter uns.

Wir fol­gen den Schildern weit­er nach Chhom­rong. Nun geht es wieder steil auf einem kleinen Pfad bergab, der uns nach 45 Minuten nach Chi­ule bringt. Hier erre­ichen wir die knallpink gestrich­ene Moun­tain Dis­cov­ery Lodge. Wir essen erst­mal ein biss­chen Yak-Käse und nehmen uns dann ein Zim­mer. Von hier kann man zwar die großen Berge nicht sehen, aber in das Tal hinein und rüber bis nach Ghur­jung auf der anderen Seite, das wir mor­gen erre­ichen wer­den. Um uns herum grüne “Hügel”. Sie sehen aus wie Hügel mit den vie­len Bäu­men, sind aber eigentlich über 3.000m hoch. Sowas ist hier nicht mehr als ein Hügel. Nach ein­er war­men Dusche, die es hier über­all gibt, fühlen wir uns wieder wie neu.

Wir begeben uns zum Aben­dessen in den gemütlichen Aufen­thalt­sraum mit Ofen, der schon warm ist. Wir unter­hal­ten uns mit ein­er mexikanis­chstäm­mi­gen Amerikaner­in, die auch auf dem Weg zum Anna­pur­na Base Camp ist. Hier in Chi­ule trifft man fast nur noch auf solche, die Poon Hill UND Anna­pur­na Base Camp vor haben.

4. Etappe: Chi­ule bis Sin­uwa
4,5h, 720hm hin­auf, 450hm hin­unter

Wir ver­suchen mal wieder etwas früher loszukom­men, schaf­fen es aber wie stets nicht vor neun Uhr. Macht aber auch nichts, wir sind dafür schneller als die meis­ten, die früher starten. Der Mach­ha­puchare erstrahlt im dun­sti­gen Licht als wir auf den Weg machen. Wir erwis­chen einen inof­fiziellen Weg, der sich als Abkürzung her­ausstellt. Dafür ist er steil, matschig und rutschig. Teil­weise ver­läuft der schmale Pfad zusam­men mit einem Büch­lein hin­unter, zwis­chen­durch liegen viele rutschige Hin­ter­lassen­schafen von Tieren auf dem Weg. Ich dro­he einige Male auszu­rutschen.

Aber als wir unten ankom­men, tre­f­fen wir auf die anderen Wan­der­er, die wir offen­bar über­holt haben, was mich wieder gnädi­ger stimmt. Wir hal­ten uns nicht lange auf und gehen weit­er hin­unter bis zur Hänge­brücke auf 1.930m. Nun sind wir seit Tada­pani 800hm abgestiegen — mit dem Wis­sen all das wieder hin­auf zu müssen. Damit begin­nen wir jet­zt. Nach der Brücke geht es wieder steil hin­auf bis nach Ghur­jung auf 2.010m. Wir ruhen nur kurz aus und gehen weit­er Rich­tung Chhom­rong. Wieder gilt es 200hm hin­auf zu steigen. Es ist heute warm und wir kom­men ordentlich ins Schwitzen dabei.

Immer wieder geht es auf und ab bis wir nach ca. ein­er Stunde Chhom­rong (2.210m) erre­ichen. Hier machen wir Mit­tagspause und ich esse die schlecht­esten Spaget­thi meines Lebens in der ansäs­si­gen “Ger­man Bak­ery”. Übri­gens ist hier jed­er Bäck­erei “Ger­man”, was nicht heißen soll, dass es hier irgend­was gibt was auch nur im Ent­fer­n­testen an deutsches Gebäck oder Brot erin­nert. Anscheinend wird deutsch im Zusam­men­hang mit Bäck­erei mit Qual­ität gle­ichge­set­zt und so sind halt alle Läden, die ein gewiss­es Backange­bot haben, deutsche Bäck­ere­in. Wir haben Blick auf den Mach­ha­puchare, der hier so nah wirkt.

Wir sehen uns den weit­eren Weg auf der Karte an und beschließen bis nach Sin­uwa (1,5h & 440hm) oder sog­ar bis nach Bam­boo (3h & 610hm) zu gehen. Wir machen uns auf den Weg und gehen unzäh­lige Ste­in­stufen hin­unter zu ein­er Hänge­brücke auf 1.860m um auf der anderen Seite wieder unzäh­lige Ste­in­stufen nach oben zu gehen. Der Schweiß fließt wieder und wir erre­ichen nach ein­er hal­ben Stunde das Dorf Bhanuwa, auch Low­er Sin­uwa genan­nt.

Hier füllen wir unsere Trinkblasen auf und gehen weit­er über Ste­in­stufen hin­auf bis nach Sin­uwa auf 2.340m. Ich bin fit und heute läuft es gut, ich kön­nte noch die 1,5h weit­er nach Bam­boo gehen. Alex ist allerd­ings fer­tig für heute. Wir über­legen etwas rum, aber schließlich gibt das Ange­bot der Lodgebe­sitzerin Zim­mer und WiFi gratis zu bekom­men, den Auss­chlag und wir bleiben hier. Wir unter­hal­ten uns mit zwei Schweiz­ern, die auch auf Wel­treise sind, und waschen uns den Schweiß runter.

5. Etappe: Sin­uwa bis Deo­rali
4h, 960hm hin­auf, 160hm hin­unter

Wieder kom­men wir nicht vor 9 Uhr los und sind die Bum­mel­let­zten. Der Mor­gen ist es wun­der­schön klar und wir kön­nen Hiunchuli und Mach­ha­puchare von der Ter­rasse aus sehen. Das Wet­ter wird also wieder bess­er und wir kön­nen den Tag über Son­nen­schein genießen. Wir starten mit einem Auf­stieg, wohlwis­send, dass wir genau das was wir nun hochge­hen auch wieder run­ter­müssen um dann aber­mals hin­aufzuge­hen. Der Anna­pur­na Base Camp Trek ist ein einziges Auf und Ab und man manchen Tagen kommt man effek­tiv 60hm weit­er hoch obwohl man über 700hm hin­ter sich gebracht hat.

Wir gehen also auf 2.470m wieder eine steile Stein­treppe durch Bam­bus- und Rhodo­den­dron­wald hinab. Über­all rauscht das Wass­er und es tosen kleine und große Wasser­fälle hinab. Dann ere­ichen wir Bam­boo, das etwa auf der Höhe von Sin­uwa liegt, wo wir heute mor­gen ges­tartet sind. Wir gehen gle­ich weit­er nach Doban. Wieder gehen wir hin­auf. Immer wieder geht es auf und ab und man kann sich gar nicht vorstellen Höhen­meter zu machen. Im Großen und Ganzen geht man aber doch mehr bergauf und wir erre­ichen Doban wo wir eine kurze Pause ein­le­gen. Weit­er geht’s hin­auf, rehts von uns eine tiefe Schlucht und steile Fel­swäne. Hin und wieder sehen wir große Wasser­fälle an ihnen hinab rauschen.

Dann erre­ichen wir Himalaya und die zwei Lodges, die sich hier befind­en. Hier machen wir Mit­tagspause. Vor uns liegt jet­zt nur noch eine Stunde steilen Anstiegs nach Deo­rali (3.140m). Die Sonne ist her­rlich und lädt zum Ver­weilen ein, weshalb wir über eine Stunde hier ver­brin­gen. Kurz vor zwei Uhr machen wir uns wieder auf den Weg über fel­sige Wege hin­auf zur Hinku Cave, wo ein großer über­hän­gen­der Fels liegt. Von hier kön­nen wir schon die Häuser von Deo­rali sehen.

Vorher müssen wir allerd­ings nochmal hin­unter und einen Gletscher­fluss mit großen Fels­blöck­en queren um dann wieder hin­auf zu klet­tern — die let­zten Höhen­meter für heute. Wir erre­ichen Deo­rali und kehren in die Dream Lodge ein, wo wir auch wieder unsere Schweiz­er tre­f­fen, die schon seit ein paar Stun­den hier sind, da sie bere­its früh am Mor­gen los­ge­laufen sind.

6. Etappe: Deo­rali bis Anna­pur­na Base Camp
2,5h, 980hm hin­unter

Wir ste­hen heute tat­säch­lich ein­mal früh auf und kom­men um 7:30 Uhr los. Wir haben uns vorgenom­men bis zum Anna­pur­na Base Camp zu gehen, denn von hier aus ist es nicht mehr weit — nur noch etwa 3h von Deo­rali. Es ist wieder schön klar, aber das tief eingeschnit­tene Tal liegt noch fröstel­nd im Schat­ten der Berge. Wir gehen an steilen Fel­swän­den vor­bei unter denen bei viel Schnee hohe Law­inenge­fahr beste­ht. Momen­tan ist alles save, es hängt nicht genug Schnee in den Hän­gen über denen unsicht­bar Anna­pur­na South und Hiunchuli thro­nen.

Das Tal ver­bre­it­ert sich und die Veg­e­ta­tion wird karg­er, sie geht nun nicht mehr über Büsche hin­aus. Hin und wieder sind Schneefet­zen zu sehen. Wir kom­men an alten Law­inen­resten vor­bei, die let­zte Sai­son run­terkam und ziem­lich groß gewe­sen sein muss, denn selb­st jet­zt noch liegen meter­ho­he Schneer­este unter der Fel­swand. Bald darauf erre­ichen wir die Häuser vom soge­nan­nten Mach­ha­puchare Base Camp (3.700m), das es eigentlich nicht gibt. Der Machh­puchare darf näm­lich nicht bestiegen wer­den, da er als heilig gilt. Tat­säch­lich wurde der 6.997m hohe Berg noch nie bestiegen. Vor dem Ver­bot ver­sucht­en sich Wild­fred Noyce und David Cox an ihm, mussten aber 50m vor dem Gipfel aufgeben.

Wir machen hier eine kurze Pause. Es ist noch zap­fig kalt, da die Lodges hier noch immer im Schat­ten liegen. Die Gipfel von Hiunchuli, Anna­pur­na South, Anna­pur­na I und III sowie Mach­ha­puchare sind bere­its im Son­nen­licht getaucht, die man alle­samt von hier sehen kann. Beson­ders der Mach­ha­puchare scheint zum Greifen nah, er baut sich direkt über dem Mach­ha­puchare Base Camp auf.

Nun haben wir noch 430hm vor uns und wir starten zum End­spurt. Hier begin­nt der Schnee wirk­lich, aber er ist schon gut run­ter­ge­treten, sodass er bis auf ein paar glat­te, noch fest gefrorene Stellen, gut zu bege­hen ist. Es geht hin­auf und wir kom­men über einen Hügel, von wo wir dann die Häuser vom Anna­pur­na Base Camp sehen kön­nen. Während des weit­eren Wegs an ein­er Moräne ent­lang scheinen wir ihnen aber kaum näher zu kom­men.

Aber die Sonne hat uns erre­icht und es ist sofort angenehm war gewor­den, sodass wir uns einiger Klei­dungss­chicht­en entledi­gen kön­nen und die Brille gegen die Son­nen­brille tauschen müssen. Es ist gleißend hell durch den all­ge­gen­wär­ti­gen Schnee um uns herum. Es geht nun nur noch san­ft bergauf, aber die Höhe begin­nt sich bemerk­bar zu machen und es ist ziem­lich warm. Wir schnaufen hin­auf bis wir die Lodges und ein Schild erre­ichen, das uns am Anna­pur­na Base Camp Willkom­men heißt.

Wir lassen die Lodges hin­ter uns und gehen auf die Moräne für einen Blick über den Gletsch­er und ein 360° Panora­ma auf Hiunchuli (6.434m), Anna­pur­na South (7.219m), Bharha Chuli (7.647m), Anna­pur­na I (8.901m), Khangsar Kang (7.485m), Anna­pur­na III (7.555m), Mach­ha­puchare (6.997m) sowie den Trekking­peak Tent Peak (5.695m). Der Anna­pur­na I ist der zehn­thöch­ste Berg der Welt und wurde das erste Mal 1950 von Mau­rice Her­zog, einem Fran­zosen, bestiegen. Somit ist es der erste 8.000er, der je bestiegen wurde und er gehört nicht ger­ade zu den ein­fach­sten. Die Expe­di­tion um Her­zog hat­te zwei Berge im Auge: Den Dhaula­giri und den Annpau­r­na um sich vor Ort zu entschei­den. Sie hat­ten Karten dabei, die unge­nau waren, was sie Wochen gekostet hat den Annpau­r­na über­haupt zu find­en. Der Dhaula­giri erwies sich als zu schwierig, weshalb sie sich Anna­pur­na wid­me­ten.

Der Anna­pur­na verze­ich­net nur 109 Bestei­gun­gen und ist ein­er der schwierig­sten und gefährlich­sten Berge im Himalya, vor allem auf­grund der hohen Law­inenge­fahr. Ana­toli Boukreev, ein kasachis­ch­er Bergführer, der das Unglück von 1996 am Ever­est über­lebte, wurde nur anderthalb Jhre danach von ein­er Law­ine am Anna­pur­na getötet. Hier an der Moräne ste­ht sein Stein­denkmal. Wir genießen lange den Blick auf die Berge, den Gletsch­er, die Eis­berge. Der Gletsch­er knackt unter uns, immer mal wieder rauschen Steine irgend­wo herunter.

Wir gehen noch ein Stück auf der Moräne ent­lang Dann ziehen Wolken inn rasender Geschwindigkeit von unten her­auf und nehmen die Sicht, nur um 10 Minuten später wieder zu ver­schwinden. Es geht so schnell hier oben. Ohne die Sonne ist es gle­ich 10°C käl­ter. Wir bauen einen Schnee­mann und begeben uns dann zu den Loges zum Mit­tagessen. Es ist sehr warm in der Sonne und wir kön­nen im Shirt dasitzen und sie genießen. Dann zieht es wieder zu und wird kalt.

Wir ziehen uns ins Innere der Lodge zurück. Hier lesen wir, spie­len Karten und guck­en hin und wieder nach draußen ob sich die Wolken ver­zo­gen haben. Trotz­dem geben die Wolken den Blick auf Dhaula­giri frei, den wir in der unterge­hen­den Sonne vom Fen­ster aus beobacht­en kön­nen. Er leuchtet gold­en auf und die Wolken um ihn herum klei­den ihn immer wieder in neues Gewand.

Später gehen wir nochmal hin­aus — die Wolken geben nun Hiunchuli und Anna­pur­na frei, die Sonne hat es sich schon hin­ter ihnen gemütlich gemacht und zaubert Regen­bo­gen­far­ben in die Wolken über den zwei Gipfeln. Wir entschei­den uns die Nacht hier zu ver­brin­gen statt am Mach­ha­puchare Base Camp und beziehen ein Zim­mer. Mit­tler­weile ist es sehr kalt und wir müssen alles anziehen was wir dabei­haben.

Eine Weile später gehen wir nochmal raus — Teile vom Anna­pur­na sind nun frei. Viel beein­druck­ender aber sind die Wolken pber den Bergen, die von der unterge­hen­den Sonne anges­trahlt wer­den und wie Feuer am Him­mel bren­nen. Die Far­ben chang­ieren von rot zu lila und schließlich zu blau, eben­so wie die Bergspitzen. Ein Naturschaus­piel vom Fein­sten, ein wahres Son­nenun­ter­gangs­feuer­w­erk! Es hat sich gelohnt hier oben zu bleiben trotz der bit­teren Käl­tem die uns in Nase und Zehen beißt. Auf dem Rück­weg in die Lodge begeg­nen wir einem kleinen Pika, der durch den Schnee tobt, und offen­bar kein­er­lei Scheu vor uns zu ken­nen scheint. Er läuft sog­ar ger­adewegs auf mich zu!

Wir begeben uns zum Aben­dessen und unter­hal­ten uns mit einem Thai-Paar, denen es ganz schön kalt hier oben ist und sie wun­der­bare Fotos macht, einem fröh­lichen Kore­an­er, der mor­gen bis ganz nach unten an einem Tag absteigen will und einem Chi­ne­sen, der vor allem Gesten und Bon­bons beis­teuert, weil er kein Wort Englisch spricht. Eine inter­es­sante Mis­chung. Unser Haupt­the­ma ist Essen :) Ich bin müde von diesem lan­gen und aufre­gen­den Tag und kuschel mich in meinen war­men Schlaf­sack.

7. Etappe: Anna­pur­na Base Camp bis Chhom­rong
6,5h, 2.460hm hin­unter, 510hm hin­auf

Wir ste­hen wieder früh auf um auch den Son­nenauf­gang in diesem Bergam­phithe­ater zu erleben. Der Him­mel ist klar und die aufge­hende Sonne schweift über die Berge, haucht den blau-grauen Eis­riesen Leben ein. Ich habe meinen Schlaf­sack mit auf die Moräne genom­men um nicht zu frieren, was wirk­lich gut funk­tion­iert. So kann ich eine Weile dasitzen und dabei zuschauen die Szener­ie langsam in Licht getaucht wird.

Dann gehen wir früh­stück­en und nach einem weit­eren schnellen Blick von der Moräne — Wolken ziehen von unten heru­af und bedeck­en den Gletsch­er, die Berge erheben sich darüber — machen wir uns an den Abstieg. Wir ver­ab­schieden uns von Anna­pur­na und gehen den eisig glat­ten Weg zurück zum Mach­ha­puchare Base Camp. Mit jedem Schritt wird uns wärmer und leichte Kopf­schmerzen lösen sich auf.

Nun gehen wir durch bis Bam­boo. Aus dem lebens­feindlichen Raum wieder hinab in den frucht­baren Regen­wald, der hier bis 3.500m hin­auf reicht. Nach vier Stun­den erre­ichen wir Bam­boo und essen Mit­tag. Die let­zte Stunde hat mich ganz schön fer­tig gemacht und mein Magen knur­rte. Nach der Pause habe ich neue Energie geschöpft und wir gehen weit­er. Erst­mal wieder 200hm hin­auf um sie dann wieder hinab nach Sin­uwa zu gehen. Von hier geht es in zahlre­ichen Stufen hinab bis nach Bhanuwa, dann runter zur Hänge­brücke auf 1.860m. Nun müssen wir noch 350hm hin­auf um den oberen Teil von Chhom­rong zu erre­ichen. Puh!

Kurze Pause am Fuße der vie­len Trep­pen, dann stapfen wir stur hin­auf. Etwa 1.800 Trep­pen­stufen und viele Schweißtropfen später, erre­ichen wir Chhom­rong Cot­tage, was wir als Unterkun­ft erwählt haben, da deren Piz­za und Schokokuchen im Lone­ly Plan­et gelobt wer­den. Wir nehmen eine wohltuende Dusche und begeben uns zu dem Teil bei dem es her­auszufind­en gilt ob Piz­za und Kuchen wirk­lich so gut sind. Die Piz­za ist für die Höhe ganz gut, aber ich empfehle auf keinen Fall die mit Schinken, denn es ist kein­er, son­dern eine Art weich­es Press­fleisch aus der Dose. Der Brown­ie-artige Schokokcuehn mit warmer Schokosauce ist allerd­ings sehr gut. Er wurde sog­ar in der Times erwäh­nt. Wir haben, glaube ich, das schön­ste Zim­mer der Lodge — ein Eckz­im­mer­mit viel Licht und Sicht auf Mach­ha­puchare und Anna­pur­na South. Naja, heute nocht mehr, heute sehen wir nur noch grüne Hügel und später die Lichter von Bhin­uwa auf der anderen Seite.

8. Etappe: Chhom­rong bis Jhin­udan­da
1h, 400hm hin­unter

Wir liegen noch lange im Bett am Mor­gen, genießen die Aus­sicht auf Anna­pur­na South und Mach­ha­puchare direkt aus dem Bett her­aus, die Sonne schle­icht von den Bergspitzen bis ins Tal. Dann geben wir gemütlich draußen in der Sonne früh­stück­en, bestellen mehr Tee als wir trinken kön­nen und mehr als wir essen kön­nen, bekom­men noch Bana­nen geschenkt und kom­men erst nach 10 Uhr los.

Die Leute, die mit uns am Anna­pur­na Base Camp waren, ziehen an uns vor­bei bis wir uns endlich auf den Weg machen. Unser Plan ist es heute bis nach Ghan­druk zu laufen um mor­gen den Bus zu nehmen, der bis hier­her bzw. ein Dorf tiefer fahren soll. Aber es kommt anders. Wir gehen die restlichen Trep­pen in Chhom­rong hin­auf und dan endlich wieder hinab. Über Taglung und weit­er über steile Stufen bergab.

Dann erre­ichen wir nach ein­er Stunde Jhin­udan­da, wo wir auf die Gruppe Ital­iener tre­f­fen, die wir immer wieder angetrof­fen haben seit unserem Abstiegvom Poon Hill. Wir sind schweißge­badet, es ist sehr heiß heute. Eigentlich woll­ten wir hier den heißen Quellen einen Besuch abstat­ten, aber momen­tan ist uns eher nach kalten Quellen. Kurz­er­hand nehmen wir die Ein­ladung auf ein Bier an und set­zen uns zu den Ital­ienern — ein älteres Paar und ein jün­ger­er Bär­tiger. So sitzen wir eine Stunde beieinan­der, reden über Reisen und Tauchen — sie ist schon ganz schön rumgekom­men in der Welt.

Dann wollen wir doch noch zu den heißen Quellen hin­unter schauen, die sich etwa 15 Minuten bergab befind­en. Danach wollen wir weit­er laufen — eigentlich. Am Anfang gilt es ein Tickt über 50 Rs zu erste­hen, dann laufen wir den steilen Weg hin­unter. Unten bei den Quellen — drei Beck­en neben einem reißen­den Wild­wasser­fluss — will ein Mann unser Tick­et sehen. Ich stelle fest, dass ich diese auf dem Weg hier runter ver­loren haben muss, denn ich habe sie in die Hosen­tasche mit einem Riesen­loch gesteckt!

Also laufe ich wieder hin­auf, auf der Suche nach den Tick­ets, auf den Weg tausend Ver­wün­schun­gen ausstoßend. Fast wieder beim Tick­etschal­ter finde ich sie und renne mit ihnen wieder hin­unter. Unten bin ich wieder schweißge­badet, schlecht gelaunt und mir ist nicht mehr nach einem war­men Bad wie­man sich vorstellen kann. 200hm wegen 50 Cent, grah! Nach ein­er Weile habe ich mich wieder soweit beruhigt, dass ich ins Wass­er steigen kann. Hier saugt das warme Wass­er den restlichen Ärg­er aus mir her­aus. Für die erste Stunde sind wir alleine — bis auf den Tick­etcheck­mann, der mit dick­er Jacke dasitzt und vor sich hin­raucht und -star­rt. Nach und nach kom­men andere Leute, die wir schon ken­nen, unter ihnen der Chi­nese vom Anna­pur­na Base Camp, der es mag uns zu fotografieren.

So verge­ht die Zeit und es ist schon drei Uhr als wir wieder hoch gehen wollen. Heute gehen wir sich­er nicht mehr nach Ghan­druk. Wir kehren erst­mal zum nachträglichen Mit­tagessen ein um dann zu beschließen hier zu bleiben und mor­gen weit­erzuge­hen.

9. Etappe: Jhin­udan­da bis Naya Pul
6,5h, 200hm hin­auf, 800hm hin­unter

Die let­zte Etappe liegt heute vor uns. Wir haben beschlossen, den Weg etwas zu ändern und statt nach Ghan­druk hin­auf bis nach Birethanti zu laufen, was zwar weit­er ist, aber größ­ten­teils bergab führt. Es gibt da einen kleinen, wenig began­genen Weg, der zwis­chen Ghan­druk und Lan­druk und größ­ten­teils am Flus­sufer ent­lang führt. Der Weg führt uns erst ein­mal steil zum Fluss Kim­rong Kohla, welchen wir über eine kleine Holzbrücke über­queren. Dann geht es wieder steil bergauf.

Wir sind uns nicht ganz sich­er, ob wir auf dem richti­gen Weg sind, aber bald erre­ichen wir das kleine Dorf New Bridge und die Zweifel sind beseit­igt. Der Weg führt am Modi Kho­la ent­lang und wir gehen ein Stück ober­halb durch dicht­en Wald. Es ist nicht so warm, aber sehr schwül. Wir queren Ter­rassen­felder und kleine Dör­fer. Es ist ger­ade Diwali, das “Fest des Licht­es”. Dabei gibt es ver­schiedene Tage, auch ein­er wo Haustiere geseg­net wer­den. Heute tanzen auf den Wegen Kinder und versper­ren uns den Weg. Erst wenn wir etwas Geld in eine geschmück­te Schale gegegeben haben, dür­fen wir weit­er gehen — mit Blu­men, die uns ins Haar gesteckt wer­den.

Am Anfang ist das noch ganz lustig, doch wir kom­men durch viele Dör­fer und uns geht das Klein­geld aus. Ein­mal wech­slen wir, aber wir spenden weit­er und es wieder aus. Ins­ge­samt spenden wir 400 Rupi­en. Wenn wir nichts geben, wer­den die Kinder zum Teil ganz schön auf­dringlich. Je weit­er runter wir kom­men, desto ein­fach­er wird es aber den Kindern zu ent­ge­hen und sie mit einem nepale­sis­chen Satz, der soviel bedeutet, dass wir kein Geld haben, zu vertrösten. In Siwa erre­ichen wir die Straße, von wo aus man mit dem Bus nach Pokhara fahren kann. Wir entschei­den uns weit­er zu gehen und unsere Wan­derung in Birethanti zu been­den wo sie begonnen hat.

Wieder kom­men wir durch Dör­fer mit tanzen­den Kindern. Langsam wäre es gün­stiger gewe­sen den Bus zu nehmen. Dann ere­ichen wir Birethanti. Wir sind hun­grig und gehen essen, vielle­icht das schlecht­este Essen auf dem gesamten Trek. Wir check­en beim ACAP- und beim TIMS-Posten aus. Nun müssen wir noch bis Naya­pul laufen um den Bus nach Pokhara zu nehmen.

Die Busse sind alle ziem­lich voll und wir haben keine Lust anderthalb Stun­den auf dem Dach eines Busses zu sitzen. Kommt mir auch ziem­lich gefährlich vor. Wir bekom­men einen Jeep ange­boten, was 600 Rupi­en pro Per­son kosten würde, wir müssten aber min­destens zu viert sein. Der Preis ist fair, denn der Bus kostet auch 300 Rupi­en plus Taxi in die Stadt für 500 Rupi­en. Wir find­en zwei Fran­zosen, die auch nach Pokhara wollen, ihnen ist es aber lieber auf dem Dach eines Busses zu sitzen und dabei ein paar Rupi­en zu sparen.

Wir warten und tre­f­fen den Chi­ne­sen den wir schon vom Base Camp ken­nen. Er kann kein Wort Englisch, aber wir kom­men zusam­men. Ein paar Nepalis fahren dann auch noch mit. In Pokhara feiern wir den gelun­genen Trek mit Piz­za und Bier am Abend.

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