Neuseeland: Gletscher bis zum Meer

Posted: 4. Februar 2016

Der Fox und der Franz Josef Gletsch­er sind die touris­tis­chen High­lights der West­küste. Und das nicht ohne Grund. Sie sind einzi­gar­tig, denn nir­gends anders in diesen Bre­it­en­graden reichen Gletsch­er so nah ans Meer her­an. Die Gletsch­er bilden sich größ­ten­teils durch viel Regen an der West­küste, der sich in Schneefall auf den Bergen nieder­schlägt und zu Eis kom­prim­iert wird, das die tiefen Täler hin­unter fließt. Unter­halb der höch­sten Berge Neusee­lands mit ihren Gletsch­ern befind­en sich Meer und Regen­wald. Darin befind­et sich ein einzi­gar­tiges Ökosys­tem beste­hend aus gefährde­ten Spezies wie dem Rowi, dem sel­tensten Kiwi Neusee­lands.

Der Tag begrüßt uns mit Regen. Wir bauen das Zelt ab und fahren zum Franz Josef Gletsch­er. Lei­der hän­gen die Wolken ziem­lich tief, weshalb man vom Gletsch­er nicht viel sieht. Wir machen uns auf den ca. 40 minüti­gen Fuß­marsch, der zur Gletscherzunge führt. Der Weg führt durch dicht­en Wald, vor 100 Jahren war bis hier her noch Gletsch­er. Es begin­nt zu reg­nen, doch wir haben unsere Regen­jack­en an und gehen erst­mal weit­er. Wir erre­ichen den Gletscher­fluss und gehen über Schot­ter an ihm ent­lang. Es reg­net nun ziem­lich stark und da wir keine Regen­ho­sen anhab­en wer­den wir bald ziem­lich nass, weshalb wir bald umkehren und zurück in die Stadt fahren. Schade, wir hat­ten ursprünglich heute sog­ar eine län­gere Tour geplant, der­er es hier neben den gewöhn­lichen Wegen zum Gletsch­er zahlre­ich gibt.

Bei den Kiwis
Wir nutzen den ver­reg­neten Nach­mit­tag um uns die Kiwis im Wildlife Cen­tre in Franz Josef anzuse­hen. Das Cen­ter ist in ein­er großen Halle, sodass das Wet­ter egal ist. Zuerst gibt es ein paar Infos über Kiwis all­ge­mein, dann speziell über die Art des Rowi. In freier Wild­bahn existieren nur noch 350 von ihnen und sie sind stark bedro­ht. Sie leben nur im Gebi­et von Franz Josef, im 11.000ha großen Okar­i­to Sanc­tu­ary. Lei­der schlüpfen nur wenige der von ihnen gelegten Eier und die meis­ten Jun­gen wer­den dann von eingeschleppten Räu­bern gefressen. Von 100 gelegten Eiern erre­ichen nur zwei Jun­gen das erste Leben­s­jahr. Da die Rowis nur 1 bis 5 Eier pro Jahr leg­en ist das ein Prob­lem. Das Cen­ter sam­melt die Eier in der Wild­nis ein und brütet sie aus. Wenn die Jun­gen groß genug sind um sich bess­er gegen Räu­ber zu vertei­di­gen, wer­den sie wieder freige­lassen.

Ein paar Kiwi-Fak­ten
Bedro­ht sind jedoch alle Kiwiarten, vor allem durch eingeschleppte Raubtiere wie Rat­ten, Hunde, Wiesel, Katzen und Pos­sums. Kiwis sind flu­gun­fähige, nach­tak­tive Vögel. Außer­dem sind sie die einzi­gen Vögel, die ihre Nasen­löch­er an der Spitze des lan­gen Schn­abels haben. Sie haben einen sehr guten Geruchssinn, den sie nutzen um ihre Nahrung im Boden zu find­en. Dafür sind auch die Sen­soren an ihrem Schn­abel hil­fre­ich, mit deren Hil­fe sie die Bewe­gung von Käfern und Würmern in der Erde erspüren kön­nen. Kiwis wer­den 50–70 Jahre alt. Sie leben monogam und wer­den mit vier bis fünf Jahren geschlecht­sreif. Sie leg­en ein bis vier Eier im Jahr und die Män­nchen küm­mern sich um das Aus­brüten. Kiwis leg­en riesige Eier: 20% des weib­lichen Kör­pergewichts, sie wiegen 250–500g. Das wäre als ob eine Frau ein sech­sjähriges Kind gebähren würde. Sie brüten über 80 Tage lang, was die läng­ste Brutzeit in der Vogel­welt ist. Die Kiwikück­en schlüpfen voll befed­ert aus ihrem Ei und kön­nen schon ab einem Alter von zwei Wochen unab­hängig sein. Kiwis kön­nen schneller laufen als ein Men­sch und vertei­di­gen sich mit ihren schar­fen Krallen gegen Räu­ber.

Im Noc­tur­nal House sehen wir drei Rowis. Sie schnüf­feln herum und suchen Fut­ter oder jagen sich gegen­seit­ig durchs Gehege. Danach sehen wir uns einen kleinen Film über die Arbeit des Kiwi­cen­ters an. Dahin­ter ist auch ein Bere­ich in dem der Auf­bau von Gletsch­ern und ihr Ver­hal­ten beschrieben wird sowie ein Bere­ich über die Geschichte der West­küste. Über Franz Josef fällt am meis­ten Nieder­schlag in ganz Neusee­land und jährlich 20 bis 30m Schnee. Der Schnee samelt sich, kom­prim­iert sich und wird zu Eis, das die Täler hin­un­ter­fließt. Weit­er unten wird es flüs­sig und schmilzt auf­grund der steigen­den Tem­per­a­turen.

Auf­grund ver­schieden­er Fließgeschwindigkeit­en in den unter­schiedlichen Gletscherge­bi­eten und unebe­nen Ter­rain wirft sich der Gletsch­er in Fal­ten, bricht und formt Spal­ten. Wenn mehr Schnee und Eis auf dem Gletsch­er kom­prim­iert wer­den kann als vorne wegschmilzt, wächst der Gletsch­er. Sollte mehr Eis schmelzen als von kom­prim­ierten Schnee und Eis erset­zt wer­den kann, schrumpft der Gletsch­er. Es kann fünf bis sechs Jahre dauern bis sich der Anstieg oder Abstieg von Schneefall über dem Gletsch­er in sein­er Größe bemerk­bar macht. Außer­dem ler­nen wir, dass es 13 Arten von Sand­fliegen gibt. Gefühlt haben wir sie alle schon ken­nen­gel­ernt.

Am frühen Nach­mit­tag reg­net es noch immer leicht und wir gehen in ein Pub. Wir sitzen bequem auf ein­er Couch, essen und trinken ein Cider dazu. Wir chillen rum und suchen uns ein Hos­tel. Dort machen wir ein Nick­erchen. Abends gehen wir nochmals zu den Kiwis und beobacht­en sie.

Franz Josef Gletsch­er, zweit­er Ver­such
Heute scheint das Wet­ter bess­er zu wer­den als gestern. Nach­dem wir im Bett gefrüh­stückt haben, fahren wir nochmal zum Gletsch­er. Der Maori­name für den Franz Josef Gletsch­er ist “Ka Roima­ta o Hine­hukatere” und bedeutet “die gefrore­nen Trä­nen des Law­inen­mäd­chens”. Hine­hukatere war eine eifrige Berg­steigerin und überre­dete ihren vor­sichtigeren Lieb­haber Wawa sie zu begleit­en. Dabei fand Wawe den Tod in ein­er Law­ine. Die Göt­ter froren Hine­hukateres Trä­nen über dieses Unglück ein und formten den Gletsch­er als eine Erin­nerung an ihre Trauer und ihren Ver­lust.

Wir kön­nen ihn heute schon von weit­em sehen. Am Ende des Weges müssen wir noch die Moräne des Gletsch­ers hochwan­dern, dann sehen wir ihn ein paar hun­dert Meter vor uns liegen. Weit­er dür­fen wir nicht gehen, da der Bere­ich wegen Stein- und Eiss­chlag ges­per­rt ist. Wir sehen uns den Gletsch­er an und warten bis der Him­mel etwas blauer wird. Der Franz Josef Gletsch­er ist 12km lang und nur ein­er der über 3.100 Gletsch­ern in Neusee­land. Das beson­dere an den Gletsch­ern Franz Josef und Fox ist es, dass sie durch Regen­wald bis zu ein­er Höhe auf 300m reichen. Das kann nur auf­grund der extrem hohen Regen­fälle und den steilen engen Tälern in die sie hinein­ra­gen vorkom­men.

Das Eis gleit­et vom Gletsch­er hinab ins Flusstal darunter, wo es noch immer 300m dick ist. Der Bewe­gung des Gletsch­ers wird durch das Eis, das unter dem Druck zwis­chen dem Gletsch­er und dem steilen Tal­bo­den schmilzt, geholfen. Dieser Effekt, kom­biniert mit dem hohen Schneefall der auf den Gletsch­er fällt, resul­tiert darin, dass Fox und Franz Josef zehn­mal schneller als die meis­ten Tal­gletsch­er fließen.

Fox Gletsch­er
Wir gehen zum Auto zurück und fahren zum Fox Gletsch­er. Auch hier müssen wir ein gutes Stück zum Gletsch­er hin­auf gehen. Er hat ziem­lich viele und große Spal­ten. Was mich aber beson­ders im Neg­a­tiv­en beein­druckt, ist dass der Gletsch­er vor acht Jahren noch deut­lich größer war. Ich kann sehen wo wir damals auf den Gletsch­er gegan­gen sind, wo heute nichts mehr zu sehen ist. Heute kann man gar nicht mehr von unten auf einen der Gletsch­er gehen, man muss mit einem Hub­schrauber hochfliegen. Ich bin wirk­lich schock­iert die Auswirkun­gen des Kli­mawan­dels so deut­lich vor Augen geführt zu bekom­men.

 

Wasser­fälle am Haast Pass
Wir fahren weit­er Rich­tung Wana­ka. Auf dem Weg hal­ten wir immer wieder und schauen uns die Sehenswürdigkeit­en an. Der Haast Pass wartet mit Aus­blick­en und vie­len Wasser­fällen auf. Zuerst hal­ten wir am Knight’s Point Look­out. Am schön­sten sind die Fan­tail Falls, vor denen hun­derte Stein­man­ndln ste­hen. Wir bauen auch noch eins dazu. An einem anderen Stop wan­dern wir an einem tief­blauen Fluss ent­lang zu den Blue Pools. Über ihn führen auch ein paar Hänge­brück­en und wir kön­nen bis auf den Grund des Flusses schauen, so unglaublich klar ist das Wass­er. Macht große Lust hineinzus­prin­gen, machen wir heute aber nicht mehr.
Wir kom­men zum Lake Hawea und steuern einen abgele­ge­nen DOC Zelt­platz ab auf dem ich schon vor acht Jahren war. Der Weg zu ihm führt über eine geschot­terte Piste. Links und rechts von der Straße begrüßen uns Schafe und Kühe. Am Camp­ing­platz ist ziem­lich viel los, aber er liegt direkt am See und wir nehmen ein Bad im klaren Wass­er.


FAKTEN ZU DEN TOUREN
Tour Franz Josef Glac­i­er Walk
Gehzeit: 1,5h
Länge: 5,4km
Aus­gangspunkt: Park­platz am Ende der Glac­i­er Access Road zum Franz Josef Glac­i­er
Schwierigkeit: T1 — Wan­dern
Mehr zur Tour gibt’s hier.

Tour Fox Glac­i­er Walk
Gehzeit: 1h
Länge: 2,6km
Aus­gangspunkt: Park­platz am Ende der Glac­i­er Access Road zum Fox Glac­i­er
Schwierigkeit: T1 — Wan­dern
Mehr zur Tour gibt’s hier.

 

No Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.