Neuseeland: Mit Zelt und Keas auf dem Routeburn Track

Posted: 12. Februar 2016

Ein­er der spek­takulärsten Great Walks in Neusee­land ist der Route­burn Track. Über Almwiesen, kleine Bergseen, Wasser­fälle und alpine Pässe zieht sich der Weg 32km durch vom Eis geformte Täler zwis­chen schneebe­deck­ten Berg­panora­men.

Mit dem Busun­ternehmen TrekNet fahren wir früh am Mor­gen von Te Anau nach Queen­stown, wo wir einen zweistündi­gen Zwis­chen­stopp haben, den wir für ein Früh­stück am Ufer nutzen. Von hier geht es dann am Lake Wakatipu weit­er nach Glenorchy und weit­er über einen 25km Schot­ter­weg bis zum Route­burn Shel­ter, dem Aus­gangspunkt der Wan­derung. Es ist wichtig, sich den Trans­port für den Track rechtzeit­ig zu organ­isieren, denn zwis­chen Anfangs- und End­punkt der Wan­derung liegen 325 km Straßendis­tanz.

Auch die Hüt­ten und/oder Zelt­plätze müssen im Voraus gebucht wer­den, es ist aber ein­fach­er noch kurzfristig Zelt­plätze zu organ­isieren als auf so manch anderem Track. Es lohnt sich auch immer mal wieder nachzuschauen, denn tat­säch­lich stornieren einige Leute ihre Plätze wieder. Auf dem Weg zum Route­burn Shel­ter hal­ten wir ein paar Mal an Aus­sicht­spunk­ten und der Fahrer zeigt uns den Ort an dem Saru­mans Turm im Film “Herr der Ringe” per CGI hinein­pro­jiziert wurde. Das bedeutet, dass in den Wäldern um uns herum Ents wohnen müssen.

Schon vor acht Jahren bin ich den Route­burn Track aus der ent­ge­genge­set­zten Rich­tung began­gen, damals noch in den Hüt­ten schlafend. Lei­der war das Wet­ter damals nicht das Beste und ich hoffe dies­mal auf bessere Aus­sicht­en.

1. Etappe: Routeburn Shelter bis Routeburn Flats
6,5km, 150hm, 2h

Wir starten am Nach­mit­tag am Route­burn Shel­ter und der Weg windet sich durch Buchen­wald am kristal­lk­laren Route Burn Fluss ent­lang. Die Ents zeigen sich lei­der nicht. Es geht im san­ften Auf und ab bis zum türkisen Sug­ar­loaf Stream, wo wir eine Pause machen und einige Leute auch mutig genug sind ins offen­bar sehr kalte Wass­er zu sprin­gen. Uns ist es heute zu frisch, denn die Sonne ver­steckt sich hin­ter Wolken. Kurze Zeit später erre­ichen wir unseren Zelt­platz. Die Etappe heute war kurz, ein­fach auf­grund des Man­gels an weit­eren Zelt­plätzen auf dem Route­burn Track. Das war aber heute kein Prob­lem, da wir durch die lange Bus­fahrt über Queen­stown eh erst am Nach­mit­tag starten kon­nten.

Wir bauen unser Zelt auf der großen Wiese neben der Route­burn Flats Hütte auf und genießen die Land­schaft — tief eingeschnit­tene Täler, hohe Berge mit Gletsch­ern und hin­ter uns der Wasser­fall an dem es mor­gen vor­bei geht. Zwis­chen­durch schaut auch mal die Sonne her­aus, Alex nutzt das gle­ich für ein abendlich­es Bad.

 

2. Etappe: Routeburn Flats bis Lake Mackenzie
13,6km, 750hm hinauf, 500m hinunter, 5h

Heute ste­ht uns der läng­ste Tag bevor, denn wir müssen bis zum Lake Macken­zie, den wir auf der anderen Seite eines alpinen Pass erre­ichen. Am Mor­gen steigen wir zu den Bridal Veil Wasser­fällen auf, die in der Nähe der Route­burn Falls Hütte in vie­len Kaskaden vor­beirauschen. Wir begeg­nen mehreren winzig kleinen Vögeln, die am Wald­bo­den und den zwis­chen den Baum­stäm­men hin und her fliegen — den soge­nan­nten Grün­schlüpfern (warum die deutschen Namen von Vögeln auch immer so selt­sam sein müssen). Sie kön­nen nicht allzu gut fliegen, typ­isch für Neusee­land.

Es geht steil an den Wasser­fällen vor­bei und vom licht­en Birken­wald in offenes, fel­siges Gelände. Wir haben ein fan­tastis­ches Panora­ma vor uns, die Sonne scheint von einem blauen Him­mel, es kön­nte kaum bess­er sein. Ich freue mich, dass wir heute — an dem High­light Tag — so schönes Wet­ter haben und wir mehr sehen kön­nen, als noch vor acht Jahren.

Wir lassen die Baum­gren­ze hin­ter uns und erre­ichen eine Senke auf der Gräs­er und Blu­men wach­sen. Um die Veg­e­ta­tion nicht zu beschädi­gen laufen wir manch­mal auf Planken­we­gen über die Wiese. Über diese Sumpfge­bi­ete und Grasebe­nen steigen wir zum Lake Har­ris. An ihm ent­lang führt der Weg an ein­er steilen Fels­flanke zum Har­ris Sad­dle hin­auf. Mit dem Har­ris Sad­dle auf 1.255m erre­ichen wir den Pass. Von hier kann man in etwa ein­er hal­ben Stunde auf den Con­i­cal Hill steigen, was wir nach Able­gen unseres Ruck­sacks und einem Snack tun. Mith­il­fe eines biss­chens Krax­elei erre­ichen wir den höch­sten Punkt auf 1.515m. Und was für eine Aus­sicht haben wir von hier! Über die Berge bis zum Meer.

Nach­dem wir die Aus­sicht genü­gend genossen haben, klet­tern wir wieder hin­unter. Der Weg geht nun abwärts und dann in mehr oder weniger gle­ich­er Höhe am Hang ent­lang. Wir haben wun­der­schöne Blicke über die Berge auf der anderen Seite und ins Tal hinein, allerd­ings zieht sich der Weg ganz schön. Wir kom­men um die Ecke und nun geht es bergab, im Zick­za­ck auf den in allen Blau und Grün­tö­nen schillern­den Lake Macken­zie zu. Über uns kreisen kreis­chende Keas. Das let­zte Stück durch den Wald zieht sich nochmal etwas, dann ste­hen wir vor der Hütte. Von hier sind es nochmal 10 Minuten bis zum Zelt­platz. Wir gehen an den See und nehmen ein sehr frisches Bad im See.

3. Etappe: Lake Mackenzie bis The Divide
12km, 300hm hinauf, 400hm hinunter, 4h

Wir ver­lassen recht spät unseren Zelt­platz am Lake Macken­zie und gehen zurück zur Hütte. Danach geht es erst­mal wieder durch den Wald hin­auf. Dann fol­gt wieder ein Abstieg durch eine offene Gras­fläche mit Büschen. Hier fliegen vier Vögel über uns hin­weg und lan­den in einem Baum etwa 20m hin­ter uns. Es sind Keas, die Berg­pa­pageien Neusee­lands. Wir näh­ern uns langsam um sie bess­er zu beobacht­en. Die Vögel spie­len mit einem Plas­tikeimer, der im Baum liegt und ver­suchen hart­näck­ig ihn zu zer­legen. Die Papageien sind sehr intel­li­gent und bekan­nt dafür Dinge von Wan­der­ern zu mopsen. Diese vier Exem­plare wirken aber eher scheu. Nur wenn man lange still ste­ht, kön­nen sie ihre natür­liche Neugi­er nicht ver­ber­gen und kom­men näher. Ein tolles Natur­erleb­nis.

Wir gelan­gen zu den beein­druck­enden Ear­land Falls, die 174m hoch sind. Heute kön­nen wir sog­ar bis ganz noch oben blick­en. Kurzentschlossen entledi­ge ich mich mein­er Klei­dung und stelle mich unter den Wasser­fall. Wun­der­voll! Dann geht’s weit­er hinab durch Birken­wald bis zur Lake How­den Hütte mit dem schö­nen See daneben. Wir sind schon etwas knapp in der Zeit, da der Bus uns um 15 Uhr abholt und wir etwas zu lange geschlafen haben. Trotz­dem wagen wir uns noch auf den Side­trip zur Key Sum­mit.

Im Eil­tem­po laufen wir hin­auf und schauen über die Panora­ma-Aus­blicke über die Berge des Fiord­land Nation­al­parks und die alpinen Seen. Den Side­trip, der eigentlich mit 1,5 Stun­den ver­an­schlagt wird, rock­en wir schnell durch und sind dann tat­säch­lich pünk­tlich an der Divide, wo der Bus allerd­ings noch eine Weile auf sich warten lässt. Von hier braucht der Bus etwa 1,5 Stun­den zurück nach Te Anau. Hier steigen wir in unser am DOC Park­platz abgestelltes Auto und fahren bis nach Dunedin.


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour Route­burn Track
Gehzeit: zwei bis vier Tage
Länge: 32km
Gesam­tanstieg: ca. 1800hm
Aus­gangspunkt: The Divide am Mil­ford High­way oder Route­burn Shel­ter bei Glenorchy
Über­nach­tungsmöglichkeit­en: Zwei Zelt­plätze (18$) und vier Hüt­ten (54$), müssen inner­halb der Haupt­sai­son vor­ab gebucht wer­den
Schwierigkeit: Medi­um
Mehr zur Tour gibt’s hier.

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